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	<title>Heuschreckendebatte - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;SchlurcherBot: Bot: http → https</title>
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		<updated>2025-10-26T09:33:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: http → https&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Heuschreckendebatte&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; wird eine politische [[Debatte]] in Deutschland im April und Mai 2005 um eine Äußerung des damaligen [[SPD]]-Vorsitzenden [[Franz Müntefering]] bezeichnet. Dieser verglich das ökonomische Agieren mancher „anonymer [[Anleger (Finanzmarkt)|Investoren]]“ mit [[Heuschreckenplage]]n.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Heuschrecke“ gilt im deutschen politischen Sprachgebrauch seitdem als eine abwertende Tier[[metapher]] für [[Außerbörsliches Beteiligungskapital|Private-Equity-Gesellschaften]] und andere Formen der [[Kapitalbeteiligung]] wie u.&amp;amp;nbsp;a. im [[Öffentlich-private Partnerschaft|Public-private-partnership]]-Modell, mit mutmaßlich kurzfristigen oder überzogenen [[Rendite]]erwartungen, wie [[Hedge-Fonds]] oder sogenannte [[Geierfonds]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begriff und Debatte wurden verschiedentlich kritisiert, unter anderem als in Teilen [[Geschichte des Antisemitismus seit 1945|antisemitisch]] und [[Antiamerikanismus|antiamerikanisch]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ablauf ==&lt;br /&gt;
=== Programmdebatte der SPD ===&lt;br /&gt;
Im Herbst 2004 forderte Müntefering eine Aktualisierung des [[Parteiprogramm]]s der SPD und verwendete in diesem Zusammenhang am 22. November 2004 bei einem öffentlichen Vortrag unter dem Titel „Freiheit und Verantwortung“ in der [[Friedrich-Ebert-Stiftung]] erstmals die Heuschreckenschwarm-[[Metapher]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: „Wir müssen denjenigen Unternehmern, die die Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen und die Interessen ihrer Arbeitnehmer im Blick haben, helfen gegen die verantwortungslosen Heuschreckenschwärme, die im Vierteljahrestakt Erfolg messen, Substanz absaugen und Unternehmen kaputtgehen lassen, wenn sie sie abgefressen haben. [[Kapitalismus]] ist keine Sache aus dem Museum, sondern brandaktuell.“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Programmheft I. Tradition und Fortschritt.&amp;#039;&amp;#039; SPD. Januar 2005 ({{Webarchiv|text=PDF |url=http://www.partei.spd.de/servlet/PB/show/1043150/221204_programmheft_1.pdf |wayback=20050905185716 }})&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Redetext wurde wiederholt wortwörtlich veröffentlicht, etwa in den „Programmheften“ der SPD vom Januar und April 2005.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Programmheft II. Wohlstand heute und morgen.&amp;#039;&amp;#039; SPD. April 2005 ({{Webarchiv|text=PDF |url=http://www.partei.spd.de/servlet/PB/show/1047600/180405_Programmheft_2.pdf |wayback=20051007143458 }})&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tiermetapher blieb in den Medien zunächst unbeanstandet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Interview in &amp;#039;&amp;#039;Bild am Sonntag&amp;#039;&amp;#039; ===&lt;br /&gt;
Auslöser der Heuschrecken-Debatte war ein am 17. April 2005 in der &amp;#039;&amp;#039;[[Bild am Sonntag]]&amp;#039;&amp;#039; erschienenes Interview mit Franz Müntefering, in dem er äußerte:&lt;br /&gt;
: „Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter. Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen wir.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bild am Sonntag, 17.&amp;amp;nbsp;April 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== {{Anker|Schwarze Liste}}Schwarze Liste auf &amp;#039;&amp;#039;stern.de&amp;#039;&amp;#039; ===&lt;br /&gt;
Im Lauf der Debatte machte Müntefering deutlich, dass sich sein Heuschreckenvergleich gegen eine (relativ kleine) Gruppe Unternehmen richtete, nannte aber keine konkreten Beispiele. Am 28. April 2005 veröffentlichte &amp;#039;&amp;#039;stern.de&amp;#039;&amp;#039; unter dem Titel „&amp;#039;&amp;#039;Die Namen der Heuschrecken&amp;#039;&amp;#039;“ eine Liste und bezog sich dabei auf ein angeblich von der Planungsgruppe der SPD-Bundestagsfraktion erstelltes Hintergrundpapier mit dem Titel „&amp;#039;&amp;#039;[[Marktradikalismus]] statt [[soziale Marktwirtschaft|sozialer Marktwirtschaft]] – Wie Private Equity-Gesellschaften Unternehmen verwerten&amp;#039;&amp;#039;“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;stern-539759&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle | url=http://www.stern.de/politik/deutschland/kapitalismusdebatte-die-namen-der--heuschrecken--5351566.html | titel=Kapitalismusdebatte: Die Namen der &amp;#039;Heuschrecken&amp;#039; | autor=nk | werk=[[Stern (Zeitschrift)|stern.de]] | datum=2005-04-28 |abruf=2014-12-24 | archiv-url=https://web.archive.org/web/20160509031202/http://www.stern.de/politik/deutschland/kapitalismusdebatte-die-namen-der--heuschrecken--5351566.html | archiv-datum=2016-05-09}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der stern-Artikel nannte die Beteiligungsgesellschaften [[Kohlberg Kravis Roberts &amp;amp; Co.|KKR]] und [[WCM (Unternehmen)|WCM]], die Bank [[Goldman Sachs]] sowie die Private-Equity-Firmen [[Apax]], [[BC Partners]], [[Carlyle Group]], [[Advent International]], [[Permira]], [[Blackstone Group]], [[CVC Capital Partners]] und [[Haim Saban|Saban Capital Group]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stechmückenkarikatur in &amp;#039;&amp;#039;metall&amp;#039;&amp;#039; ===&lt;br /&gt;
Die [[IG Metall]] betitelte die Mai-Ausgabe ihres Mitgliedermagazins &amp;#039;&amp;#039;metall&amp;#039;&amp;#039; mit „US-Firmen in Deutschland – Die Aussauger“.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;metall – Das Monatsmagazin&amp;#039;&amp;#039;, Ausgabe 5/2005, IG Metall ({{Webarchiv|text=online |url=http://www.igmetall.de/cps/rde/xchg/internet/style.xsl/view_4764.htm |wayback=20070814143423 }}).&amp;lt;/ref&amp;gt; Illustriert wurde der Titel mit der [[Karikatur]] einer [[Stechmücke]] im Nadelstreifenanzug. Zynisch grinsend hebt diese ihren Zylinder in den Farben der [[Flagge der USA|amerikanischen Flagge]]; unter einem langen, gebogenen Rüssel glitzert ein goldener Raffzahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mückenkarikaturen auf dem Titelblatt und im Heft riefen wegen der Verwendung klassischer antiamerikanischer und [[Geschichte des Antisemitismus bis 1945|antisemitischer]] Motive teils heftige Reaktionen hervor und wurden mit Karikaturen des [[Nationalsozialismus]] verglichen, vor allem in Verbindung mit dem Begriff „Aussauger“.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Tobias Jaecker]]: [https://www.jaecker.com/2005/05/von-muecken-und-anderen-saugern/ &amp;#039;&amp;#039;Von Mücken und anderen Saugern&amp;#039;&amp;#039;.] In: &amp;#039;&amp;#039;[[Jüdische Allgemeine]]&amp;#039;&amp;#039;, 19. Mai 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &amp;#039;&amp;#039;Über Münteferings Stil&amp;#039;&amp;#039; von Michael Wolffsohn ===&lt;br /&gt;
Am 3. Mai 2005 veröffentlichte [[Michael Wolffsohn]] einen Essay &amp;#039;&amp;#039;Zum 8. Mai&amp;#039;&amp;#039;, dem 60. Jahrestags des Endes der [[Zeit des Nationalsozialismus|nationalsozialistischen Diktatur]], in der [[Rheinische Post|&amp;#039;&amp;#039;Rheinischen Post&amp;#039;&amp;#039;]]. Er kritisierte im letzten Viertel, dass im Nationalsozialismus verbreitete [[Denkmuster]] bis heute vorhanden seien, und führt hierfür im letzten Teil des Essays Münteferings Vergleiche als Beispiel an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: „60 Jahre ‚danach‘ werden heute wieder Menschen mit Tieren gleichgesetzt, die – das schwingt unausgesprochen mit – als ‚Plage‘ vernichtet, ‚ausgerottet‘ werden müssen. Heute nennt man diese ‚Plage‘ ‚Heuschrecken‘, damals ‚[[Ratten]]‘ oder ‚[[Judenschwein]]e‘. Worte [[aus dem Wörterbuch des Unmenschen]], weil Menschen das Menschsein abgesprochen wird.“&amp;lt;ref&amp;gt;[[Michael Wolffsohn]]: &amp;#039;&amp;#039;Zum 8. Mai&amp;#039;&amp;#039; ([https://web.archive.org/web/20141224133056/https://www.wolffsohn.de/index.php?page=zum-8-mail online]), In: &amp;#039;&amp;#039;Rheinische Post&amp;#039;&amp;#039;, 3.&amp;amp;nbsp;Mai 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reaktionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sachverständigenrat ===&lt;br /&gt;
{{Überarbeiten|1=&amp;#039;&amp;#039;Text statt Zitatesammlung&amp;#039;&amp;#039;}}&lt;br /&gt;
Der [[Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung]] widmete in seinem Jahresgutachten 05/06 der Heuschreckendebatte ein Unterkapitel.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Jahresgutachten 05/06&amp;#039;&amp;#039;, Sachverständigenrat, Seite 463 ff ([https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/download/gutachten/ga05_ges.pdf online])&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort heißt es:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;#039;&amp;#039;In diesem Jahr sind die Aktivitäten von Private Equity-Gesellschaften und Hedge-Fonds besonders in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt und haben Diskussionen über die Notwendigkeit einer weitergehenden [[Marktregulierung|Regulierung]] ausgelöst. Die teilweise sehr undifferenziert geführten Diskussionen, im Rahmen derer Finanzinvestoren verkürzt zum Inbegriff von kurzfristig orientierten [[Spekulant]]en geworden sind und als ‚Heuschrecken‘ bezeichnet wurden, sind sicherlich mit auf ein mangelndes Verständnis der Strategien dieser Marktteilnehmer zurückzuführen, die in Deutschland erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben.&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;#039;&amp;#039;[…] Im Vordergrund der Debatte in Deutschland standen die Risiken für Unternehmen. Befürchtet wurde, dass kurzfristig orientierte Finanzinvestoren sich an einem Unternehmen beteiligten, die Unternehmung zerlegten und Reserven auflösten, um dann die Beteiligung wieder zu verkaufen und das Unternehmen geschwächt zurückzulassen. Diese einfache Argumentationslinie ist ökonomisch nicht nachzuvollziehen, da sie unterstellt, dass Investoren systematisch den Wert des Unternehmens zerstören und anschließend ihre Beteiligung mit Gewinn realisieren können.&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;#039;&amp;#039;[…] Die stärksten Ängste ruft die vermeintliche ‚soziale Kälte‘ der Finanzinvestoren hervor. Konkret wird befürchtet, dass Finanzinvestoren zur Erhöhung des Gewinns systematisch Arbeitsplätze abbauten. Hier gilt es festzuhalten, dass ein Zielkonflikt zwischen hoher Rendite und hoher Beschäftigung allenfalls kurzfristig bestehen kann. Langfristig können nur dauerhaft ertragsstarke Unternehmen einen hohen Beschäftigungsstand halten oder diesen sogar ausbauen.&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;#039;&amp;#039;[…] Empirische Untersuchungen über die Auswirkungen von Private Equity, die für verschiedene Länder vorliegen, zeigen mehrheitlich, dass Private-Equity-finanzierte Unternehmen – verglichen mit ähnlichen, anderweitig finanzierten Unternehmen – überdurchschnittlich wachsen, mehr Arbeitsplätze schaffen, und einen höheren Anteil von [[F&amp;amp;E]]-Investitionen aufweisen.&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Internationale Reaktionen ===&lt;br /&gt;
Am 16.&amp;amp;nbsp;Juni 2005 bemerkte der [[Vereinigte Staaten|US]]-Finanzminister [[John W. Snow]] zur Heuschreckendebatte: „Ich denke nicht in diesen Begriffen“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;netzeitung-344160&amp;quot;&amp;gt;[[Netzeitung|netzeitung.de]] vom 16. Juni 2005: {{Webarchiv | url=http://www.netzeitung.de/spezial/geldanlage/344160.html | wayback=20070929133055 | text=US-Finanzminister übt Kritik an «Heuschrecken»-Debatte}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Diskussion und Kritik ==&lt;br /&gt;
Müntefering wies mit seinen Äußerungen auf seiner Meinung nach extreme Auswüchse des Kapitalismus hin: Anonyme Investoren zerschlügen Unternehmen zum Zwecke kurzfristiger [[Gewinnmaximierung]]; die langfristigen [[Externer Effekt|sozialen Kosten]] würden sie nicht interessieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritiker sahen einen Widerspruch in Münteferings Wahlkampfäußerungen.&amp;lt;ref&amp;gt;John W. Cioffi, Martin Höpner: &amp;#039;&amp;#039;Das Parteipolitische Paradox des Finanzmarktkapitalismus.&amp;#039;&amp;#039; in: &amp;#039;&amp;#039;Politische Vierteljahreszeitschrift&amp;#039;&amp;#039;, 47:3, 491–440 ([https://www.mpifg.de/people/mh/paper/CioffiHoepner%202006%20PVS%20-%20Das%20parteipolitische%20Paradox%20des%20Finanzmarktkapitalismus.pdf PDF-Datei])&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Rudolf Hickel]]: &amp;#039;&amp;#039;Finanzbullen statt Heuschrecken.&amp;#039;&amp;#039; in: &amp;#039;&amp;#039;Blätter für deutsche und internationale Politik 6/2005&amp;#039;&amp;#039;, S. 647–650 ({{Webarchiv|url=http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=2055 |wayback=20080225140925 |text=online   }})&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine eigene Partei verantwortete zwei Gesetze, die die später kritisierten Kapitalbeteiligungen förderten. Die rot-grüne Bundesregierung unter Bundeskanzler [[Gerhard Schröder]] (SPD), der Müntefering zeitweise selbst angehörte, hat im Rahmen der [[Steuerreform 2000 in Deutschland|Steuerreform 2000]] „Gewinne aus der Veräußerung inländischer Kapitalbeteiligungen im betrieblichen Bereich“ von der Steuer freigestellt. Durch das 2003 verabschiedete [[Investmentgesetz|Investmentmodernisierungsgesetz]] wurden in Deutschland [[Hedgefonds]] überhaupt erst zugelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Widersprüchlich wurde auch bemerkt,&amp;lt;ref name=&amp;quot;focus-210397&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle | url=http://www.focus.de/politik/deutschland/kapitalismuskritik-die-heuchelschrecken_aid_210397.html | titel=Kapitalismuskritik: Die Heu(chel)schrecken | autor=Annette Beutler | werk=[[Focus Online]] | seiten= | datum=2005-05-09 | abruf=2014-12-24 | archiv-datum=2015-01-21 | archiv-url=https://web.archive.org/web/20150121020930/http://www.focus.de/politik/deutschland/kapitalismuskritik-die-heuchelschrecken_aid_210397.html | offline=ja | archiv-bot=2025-06-25 04:02:43 InternetArchiveBot }}&amp;lt;/ref&amp;gt; dass Müntefering selbst Geschäfte mit einem der kritisierten Investoren gemacht habe. 1998 verkaufte er als Verkehrsminister die Autobahngaststätten-Kette [[Tank &amp;amp; Rast]] an ein Konsortium, dem zu dem Zeitpunkt auch [[Apax]] angehörte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen wurde die Äußerung als pauschale Herabsetzung jeder Form von Unternehmensbeteiligungen durch Investmentfonds verstanden, auch wenn sich diese langfristig finanziell und sozial engagieren. Die Existenz einer „Heuschreckenliste“ hauptsächlich ausländischer Beteiligungsgesellschaften könne den [[Standorttheorie|Wirtschaftsstandort]] für ausländische Unternehmen uninteressant machen und damit die deutsche Wirtschaft nachhaltig gefährden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;welt-668283&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle | url=https://www.welt.de/print-welt/article668283/Ueberaus-schaedlich.html | titel=&amp;quot;Überaus schädlich&amp;quot; | autor=Peter Dausend | werk=[[Die Welt#Online-Ausgabe|welt.de]] | datum=2005-04-30 |abruf=2014-12-24}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael Wolffsohns [[Nazivergleich]] fand in Deutschland kaum Zustimmung; bei der SPD löste er Empörung aus.&amp;lt;ref name=&amp;quot;SPON-354547&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle|url=http://www.spiegel.de/politik/deutschland/muenteferings-heuschrecken-streit-um-wolffsohns-nazi-vergleich-a-354547.html |titel=Münteferings Heuschrecken: Streit um Wolffsohns Nazi-Vergleich |autor=Yassin Musharbash |werk=[[Spiegel Online]] |datum=2005-05-03 |abruf=2016-05-08}}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Paul Spiegel]], seinerzeit Vorsitzender des [[Zentralrat der Juden in Deutschland|Zentralrats der Juden in Deutschland]], sagte, er halte den Nazivergleich im Zusammenhang mit Müntefering und der SPD für absurd. Vergleiche von Menschen mit Tieren seien „grundsätzlich unglücklich“ gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb des linken Spektrums, beispielsweise in der &amp;#039;&amp;#039;[[Jungle World]]&amp;#039;&amp;#039; oder in &amp;#039;&amp;#039;[[Konkret (Zeitschrift)|konkret]]&amp;#039;&amp;#039;, wurden die antiamerikanischen und antisemitischen Aspekte der Debatte als Teil eines regressiven [[Antikapitalismus]] kritisiert. Weder könne das Phänomen der sogenannten „Heuschrecken“ im Kapitalismus isoliert betrachtet, noch negative Auswirkungen einseitig den so geschmähten Unternehmen angelastet werden. Vielmehr sei es eine bloße Äußerung der allgemeinen kapitalistischen [[Produktionsweise]] und der dabei notwendigen [[Profitmaximierung]], der alle Unternehmen unterworfen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Andrej Reisin: [https://jungle.world/artikel/2005/19/das-ruelpsende-insekt &amp;#039;&amp;#039;Das rülpsende Insekt&amp;#039;&amp;#039;.] In: &amp;#039;&amp;#039;[[Jungle World]]&amp;#039;&amp;#039;, 11. Mai 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut dem Soziologen Bjoern Milbradt ist der Gebrauch der Heusckrecken-Metapher und ähnlicher Tiervergleiche nicht notwendig antisemitisch, aber dennoch nicht harmlos, da er offen für eine antisemitische Deutung sei. Dadurch würde Rechtsextremen die Möglichkeit eröffnet, Elemente ihrer Ideologie unter den Bedingungen gesellschaftlicher Tabuisierung und Kommunikationslatenz weiterzutransportieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Bjoern Milbradt: &amp;#039;&amp;#039;Antisemitic Metaphors and Latent Communication&amp;#039;&amp;#039;. In: Charles Asher Small (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Antisemitism and Anti-Capitalism in the Current Economic Crisis.&amp;#039;&amp;#039; Nijhoff, Leiden/Boston 2013, ISBN 978-90-04-26556-1, S. 45–49.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriff der Heuschrecke ==&lt;br /&gt;
=== Wort des Jahres 2005 ===&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des [[Wort des Jahres]] 2005 schafften es die &amp;#039;&amp;#039;Heuschrecken&amp;#039;&amp;#039; auf den 4. Platz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kursmakler]] und [[Wertpapierhändler]] haben den Begriff „Heuschrecken“ zum „[[Unwort des Jahres (Deutschland)#Börsenunwort des Jahres|Börsenunwort des Jahres]] 2005“ gewählt. Der Begriff zeige „ein völlig falsches Bild“ von Finanzinvestoren, es werde damit „eine ganze Branche verunglimpft“; Studien belegten, „dass mit [[Beteiligungskapital]] finanzierte Firmen schneller wachsen, überdurchschnittlich mehr Arbeitsplätze schaffen und eine signifikant höhere Rendite erwirtschaften“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.dw.com/de/heuschrecke-ist-b%C3%B6rsen-unwort-2005/a-1869536 |titel=Heuschrecke ist Börsen-Unwort 2005 |werk=[[Deutsche Welle|dw.com]] |datum=2006-01-24 |abruf=2024-02-18}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weiterverwendung des Begriffs ===&lt;br /&gt;
Am 16. Januar 2008 bezeichnete [[Jürgen Rüttgers]], der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, im Zusammenhang mit der Verlegung der Nokia-Werke nach Rumänien [[Nokia]] als „Subventionsheuschrecke“. Erzbischof [[Reinhard Marx]] stellt auf Seite 227 in seinem Buch &amp;#039;&amp;#039;Das Kapital. Ein Plädoyer für den Menschen&amp;#039;&amp;#039; den (in seinen Augen sprachlich nicht schönen und inhaltlich unfreundlichen) Ausdruck Rüttgers’ dem Begriff des Bundesministers [[Peer Steinbrück]] entgegen, welcher Nokias Vorgehensweise als „[[Karawane]]n&amp;amp;shy;kapitalismus“ bezeichnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische Risikobegrenzung ==&lt;br /&gt;
Im Juni 2008 verabschiedete der [[16. Deutscher Bundestag|Deutsche Bundestag]] das [[Risikobegrenzungsgesetz|Gesetz zur Begrenzung der mit Finanzinvestitionen verbundenen Risiken]]. Investoren börsennotierter Firmen  sollen verpflichtet werden, ab dem Erwerb einer Beteiligung von zehn Prozent der Stimmrechte ihre Ziele sowie die Herkunft ihrer Finanzmittel offenzulegen. Sie müssen darlegen, ob sie strategische Ziele verfolgen oder nur Handelsgewinne erzielen wollen. Die Unternehmen selbst können per Satzungsänderung festlegen, dass die [[Offenlegungspflicht]]en für sie nicht gelten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv | url=http://www.tagesschau.de/wirtschaft/bundestag82.html | wayback=20080924051735 | text=Bundestag beschließt Risikobegrenzungsgesetz – Mehr Schutz vor &amp;quot;Heuschrecken&amp;quot;}} In: &amp;#039;&amp;#039;tagesschau.de&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Corporate Raider]]&lt;br /&gt;
* [[Empty Voting]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/074/1607438.pdf Entwurf eines Gesetzes zur Begrenzung der mit Finanzinvestitionen verbundenen Risiken (Risikobegrenzungsgesetz)] (PDF; 340&amp;amp;nbsp;kB) vom 7. Dezember 2007. Bundestagsdrucksache 16/7438.&lt;br /&gt;
* Lothar Kamp, Alexandra Krieger: &amp;#039;&amp;#039;Finanzinvestoren in Deutschland&amp;#039;&amp;#039;, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf 2005.&lt;br /&gt;
* Lothar Kamp: &amp;#039;&amp;#039;Zum Einfluss von Private Equity- und Hedge-Fonds auf die Wirtschaft&amp;#039;&amp;#039;; in: &amp;#039;&amp;#039;WSI-Mitteilungen&amp;#039;&amp;#039; 11/2007, Düsseldorf.&lt;br /&gt;
* Angela Maier: &amp;#039;&amp;#039;Der Heuschrecken-Faktor. Finanzinvestoren in Deutschland: Wer sind sie? Wie arbeiten sie? Wer profitiert wirklich?&amp;#039;&amp;#039; Hanser Verlag, 2007, ISBN 3-446-41140-2.&lt;br /&gt;
* Alina Potempa: &amp;#039;&amp;#039;Heuschreckendebatten. Beobachtungen zur kulturgeschichtlichen Karriere eines Insekts&amp;#039;&amp;#039;, in: [[Historisches Jahrbuch]] 137 (2017), S. 391–412.&lt;br /&gt;
* Daniel Schäfer: &amp;#039;&amp;#039;Die Wahrheit über die Heuschrecken. Wie Finanzinvestoren die Deutschland AG umbauen.&amp;#039;&amp;#039; 2006, FAZ-Verlag, ISBN 3-89981-119-4.&lt;br /&gt;
* [[Werner G. Seifert]]: &amp;#039;&amp;#039;Invasion der Heuschrecken. Intrigen – Machtkämpfe – Marktmanipulation.&amp;#039;&amp;#039; Econ Verlag, ISBN 3-430-18323-5.&lt;br /&gt;
* Alexander Ziem: &amp;#039;&amp;#039;„Heuschrecken“ in Wort und Bild: Zur Karriere einer Metapher.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Muttersprache (Zeitschrift)|Muttersprache]]&amp;#039;&amp;#039; 118,2 (Juni 2008), {{ISSN|0027-514X}}, S.&amp;amp;nbsp;108–120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Unternehmensübernahme]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Private Equity]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politische Kontroverse]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;SchlurcherBot</name></author>
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