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	<title>Hermann Usener - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;John Red: Ergänzung</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Ergänzung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Hermann Usener - Imagines philologorum.jpg|mini|Fotografie von Hermann Usener (1901)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Hermann Carl Usener&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[23. Oktober]] [[1834]] in [[Weilburg]]; † [[21. Oktober]] [[1905]] in [[Bonn]]) war ein [[Deutschland|deutscher]] [[Klassische Philologie|klassischer Philologe]] und [[Religionswissenschaft]]ler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Usener studierte seit 1853 in Heidelberg, München, Göttingen und Bonn, wo er 1857/58 mit einer Dissertation &amp;#039;&amp;#039;Analecta [[Theophrastos von Eresos|Theophrastea]]&amp;#039;&amp;#039; promoviert wurde. Von 1858 bis 1861 war er Lehrer am [[Joachimsthalsches Gymnasium|Joachimsthalschen Gymnasium]] zu Berlin. Am 7.&amp;amp;nbsp;Mai 1861 wurde Usener außerordentlicher Professor an der Universität und der Kantonsschule in Bern, zum Sommersemester 1863 ordentlicher Professor in [[Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald|Greifswald]]. Zum Sommersemester 1866 wechselte er als Nachfolger [[Friedrich Ritschl]]s an die [[Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn|Universität Bonn]], wo er bis zu seiner [[Emeritierung]] am 13. Juni 1902 blieb. Zusammen mit [[Franz Bücheler]] machte er die Universität Bonn zu einem Zentrum der damaligen klassischen Philologie. 1874/75 war er Dekan, 1882/83 Rektor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werdegang ==&lt;br /&gt;
Hermann Useners Eltern waren &amp;#039;&amp;#039;Georg Friedrich Usener&amp;#039;&amp;#039; (* 20. August 1789, † 15. April 1854) [[Landesoberschultheiß]] in [[Amt Weilburg|Weilburg]] und dessen Ehefrau &amp;#039;&amp;#039;Charlotte Henriette Caroline Vogler&amp;#039;&amp;#039; (* 1798, † 1855), die Tochter des herzoglich-nassauischen Obermedizinalrates und Leibarztes [[Georg Vogeler (Obermedizinalrat)|Georg Vogeler]]. Usener heiratete am 4. September 1866 in Marburg &amp;#039;&amp;#039;Caroline (Lily) Dilthey&amp;#039;&amp;#039; (* 25. Februar 1846; † 14. März 1920). Sie war die Schwester des Philosophen [[Wilhelm Dilthey]] und des Archäologen [[Karl Dilthey]]. Seine Tochter Maria heiratete 1899 den Altphilologen [[Albrecht Dieterich]]. Sein Sohn &amp;#039;&amp;#039;Hans&amp;#039;&amp;#039; (1872–1929) wurde Physiker, sein Sohn &amp;#039;&amp;#039;Karl Albert Hermann&amp;#039;&amp;#039; (1876–1928) Oberleutnant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Usener besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, das unter anderem mit [[Alfred Fleckeisen]], dessen Art der Lehre einen großen Eindruck auf Usener machte, und [[Rudolf Krebs (Philologe)|Rudolf Krebs]] über erstklassige Gymnasiallehrer verfügte. Er studierte zwischen 1853 und 1857 Klassische Philologie an den Universitäten [[Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg|Heidelberg]], [[Ludwig-Maximilians-Universität München|München]], [[Georg-August-Universität Göttingen|Göttingen]] und [[Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn|Bonn]], also mit Göttingen und Bonn an den neben Berlin zu dieser Zeit wohl bedeutendsten deutschen und damit zugleich bedeutendsten internationalen Universitäten auf diesem Gebiet. Zu seinen Lehrern gehörte in Heidelberg [[Karl Ludwig Kayser]], der zu dieser Zeit der einzige namhafte Altphilologe an der Universität war, dem sich Usener deshalb eng anschloss und mit dem ihn später eine lebenslange Freundschaft verband. Kayser führte ihn vor allem in die [[Rhetorik]] ein und verwies ihn nach München, wo er bei Kaysers Freund [[Leonhard Spengel]] hörte, aber keinen persönlichen Anschluss an diesen fand. Dennoch war München insoweit für Useners Entwicklung wichtig, als er dort in der Bibliothek erstmals mit Handschriften in Berührung kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Friedrich Wilhelm Ritschl - Imagines philologorum.jpg|mini|Useners Doktorvater und Vorgänger auf der Bonner Professur, Friedrich Ritschl]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wintersemester 1854/55 verbrachte er im Haus des kurz zuvor verstorbenen Vaters mit Privatstudien, die jedoch durch den Tod der Mutter weiter getrübt wurden. Ab dem Sommersemester studierte er in Göttingen bei [[Ernst von Leutsch]], [[Karl Friedrich Hermann]] und [[Friedrich Wilhelm Schneidewin]], wobei jedoch die beiden Letzteren binnen weniger Tage Ende 1855 und Anfang 1856 starben. Ihnen wurde eine Schrift Useners über [[Anaximenes]] gewidmet. Nach dem Tod Hermanns und Schneidewins hielt ihn nichts mehr in Göttingen und er wechselte zum Wintersemester 1857 nach Bonn. Dabei verpasste er jedoch deren Nachfolger in Göttingen, [[Ernst Curtius]] und [[Hermann Sauppe]]. In Bonn wurde der Usener fesselnde [[Friedrich Ritschl]] zum wichtigsten Lehrer, zudem hörte er bei dem ihn weniger beeindruckenden [[Otto Jahn (Archäologe)|Otto Jahn]] sowie dem schon greisen [[Friedrich Gottlieb Welcker]]. Neben der Begegnung mit Ritschl war die hier beginnende Freundschaft mit [[Franz Bücheler]] das prägende Ereignis der Bonner Studienzeit. Mit anderen Studenten gaben sie das gerade in einer Handschrift entdeckte Handbuch des [[Granius Licinianus]] heraus und widmeten diese als ausgezeichnet geltende Arbeit ihrem Lehrer Ritschl. Sein Studium schloss er 1858 mit der [[Promotion (Doktor)|Promotion]] bei Wilhelm Ritschl und [[Christian August Brandis]] mit einer Arbeit zu [[Theophrastos von Eresos|Theophrast]] ab, um nach zudem bestandenem [[Staatsexamen]] zunächst eine Karriere als [[Gymnasiallehrer]] einzuschlagen. Von 1858 bis 1861 lehrte er als [[Adjunkt]] am renommierten [[Joachimsthalsches Gymnasium|Joachimsthalschen Gymnasium]] in [[Berlin]], dessen Direktor [[Gustav Kiessling]] zu einem väterlichen Freund wurde. 1861 ging er in Nachfolge von [[Otto Ribbeck]] als außerordentlicher Professor an die [[Universität Bern]], wo er zudem qua Amt an der [[Gymnasium Kirchenfeld|Kantonsschule]] zu lehren hatte. In Bern hatte er fast keine Studenten, hielt aber dennoch wöchentlich zehn Unterrichtsstunden ab. Auch die Lehrverpflichtung an der Kantonsschule nahm er sehr ernst und hielt diesem später zugute, selbst fließend die altgriechische Sprache zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1863 wurde Usener in der Nachfolge [[Martin Hertz]]’ Professor in [[Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald|Greifswald]], einer Universität, die zumeist als Sprungbrett für bedeutendere Positionen fungierte. Hier lehrte er neben [[Georg Friedrich Schömann]] und [[Franz Susemihl]], die ihm den Wechsel nach Greifswald leichtmachten. Anders als sonst widmete er sich den Gepflogenheiten der Greifswalder Universität folgend in den drei Jahren an der dortigen Universität vor allem der [[Latinistik]]. Der erwartbare Wechsel zu einer bedeutenderen Universität erfolgte bedingt durch die Vakanzen, die der [[Bonner Philologenstreit]] gerissen hatte, im Jahr 1866. In Greifswald folgte ihm sein Freund Franz Bücheler nach, zuvor in Bern [[Johann Melchior Knaus]]. Im Dezember 1873 führte ihn eine Reise nach [[Rom]]. In Bonn lehrte er bis zu seiner Emeritierung zum 13. Juni 1902. Von an sich starker körperlicher Natur überstand er mehrere schwere Erkrankungen, verlor jedoch durch ein Augenleiden 1896 die Sehkraft auf einem Auge. Er starb zwei Tage vor seinem 71. Geburtstag nach einem [[Herzinfarkt]]. Er wurde auf dem [[Alter Friedhof Bonn|Alten Friedhof]] bestattet, seine Bibliothek ging an das [[Akademisches Kunstmuseum|Akademische Kunstmuseum]], später wurde ein Teil an das Altphilologische Seminar überstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Franz Bücheler - Imagines philologorum.jpg|mini|Useners langjähriger Kollege und Freund Franz Bücheler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bonn trat Usener seine Stelle an einem verunsicherten Seminar an. Nach internem Streit zwischen Friedrich Gottlieb Welcker und vor allem Useners Lehrer Ritschl und Otto Jahn, der mit Ritschls Weggang und Jahns Tod endete, wurde beispielsweise von [[Wilhelm Brambach]] das Ende der berühmten &amp;#039;&amp;#039;Bonner Schule&amp;#039;&amp;#039; der Altphilologie, die die Bonner Universität in der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Zentrum dieser Wissenschaft machte, heraufbeschworen. Usener folgte seinem Lehrer Friedrich Ritschl aufgrund eines Sondervotums Otto Jahns. Er sollte hier wie in Greifswald und in Nachfolge des vor allem als Latinisten tätigen Ritschls vor allem die Latinistik lehren. Sein Nachfolger in Greifswald, Franz Bücheler, folgte vier Jahre später im Sommersemester 1870 aufgrund des vehementen Einsatzes von Usener gegen diverse Widerstände auf Otto Jahn in Bonn. Mit dem Erscheinen Büchelers konnte Usener sich endlich wieder vermehrt der [[Gräzistik]] zuwenden. Usener und Bücheler sollten die Bonner Schule wider diese Unkenrufe zu einer nochmaligen und zunächst unerwarteten Höhe führen, bis in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die [[Humboldt-Universität zu Berlin|Berliner Universität]] mit Persönlichkeiten wie Useners Schüler [[Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff]] sowie [[Werner Jaeger]] zum Zentrum der Altertumswissenschaften wurde. [[Adolf Dyroff]] attestierte der &amp;#039;&amp;#039;Bonner Schule&amp;#039;&amp;#039; dank den beiden &amp;#039;&amp;#039;[[Dioskuren]]&amp;#039;&amp;#039; Usener und dem kongenialen Bücheler Weltgeltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Jahn sich für Useners Berufung starkmachte, wandelte sich dessen Einstellung Usener (als Schüler seines Gegners Ritschl) gegenüber mit zunehmendem Fortschreiten seiner Erkrankung, die 1869 zum Tode führte, ins Negative. Auch ein Teil des Philologischen Seminars (darunter Wilamowitz) teilte diese Antipathie zunächst. Obwohl Usener zu dieser Zeit eine größere Zahl von Publikationen veröffentlichte, wurde ihm der Vorwurf der „literarischen Unfruchtbarkeit“ gemacht, auf den Usener noch bei einer Rede zu seinem 70. Geburtstag mit dem Hinweis auf die Bevorzugung der Lehrtätigkeit entschuldigend reagierte. Es dauerte bis zur [[Wiesbaden]]er Philologenversammlung im Jahr 1877, dass sich Usener und Wilamowitz durch Vermittlung Friedrich Leos aussöhnten und produktiven Kontakt hielten. In seinem Spätwerk &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Philologie&amp;#039;&amp;#039; attestierte Wilamowitz schließlich auch, dass erst die Zeit Useners und Büchelers die Blütezeit der Bonner Altphilologie gewesen sei. In seinen ersten Bonner Jahren musste Usener sich noch längere Zeit gegen die Vorurteile behaupten, die gegen ihn als Ritschls Schüler bestanden, insbesondere seitens des Inhabers der ersten Professur, [[Friedrich Heimsoeth]], der vom Historiker und Jahn-Befürworter [[Heinrich von Sybel]] unterstützt wurde. Spätestens 1872 hatte sich Useners Position jedoch endgültig gefestigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Autor galt Usener als Meister eines künstlerischen Sprachstils. Weniger gut war er als Redner, konnte seine Zuhörer nicht in dem Maße fesseln, wie es Bücheler tat. Selbst gab er zu, dass er wohl nicht immer sinnvoll zwischen dem unterschieden hatte, was ihm selbst wichtig war, und dem, was für seine Hörer von Bedeutung war. Mit seinem lockigen Haar gab er eine beeindruckende Erscheinung ab und konnte auf seine Schüler durchaus auch furchteinflößend wirken. Verkehrssprache in den Übungen und Seminaren war Latein. Zum Seminar wurden überhaupt nur vergleichsweise wenige Studenten zugelassen, die ein Bewerbungsschreiben in lateinischer Sprache verfassen mussten, über das dann die drei Lehrstuhlinhaber, die dem Seminar gemeinsam vorstanden, entschieden. Unaufrichtigkeiten, Nachlässigkeiten und nicht ausreichender Einsatz konnte zu großem Ärger führen, wenngleich der Tadel niemals unsachlich wurde. Letztlich waren Usener und Bücheler nicht darauf ausgerichtet, eine eigene Schule zu schaffen, sondern eher ihre Schüler zu selbständigen Wissenschaftlern zu formen. Usener war sehr religiös, dabei aber nicht dogmatisch und zu Denkverboten bereit, die etwa zur Kritik von [[Adolf von Harnack]] an verschiedenen religionswissenschaftlichen Erkenntnissen führten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leistungen ==&lt;br /&gt;
Usener konnte in seinem Werk zum Teil widerstreitende Tendenzen und Methoden zusammen bringen und damit eine Synthese der vorherrschenden Strömungen der Klassischen aber auch moderner Philologien erreichen. „Useners Altertumsforschung kannte prinzipiell keine Grenzen; er suchte das antike Leben in schlechthin allen seinen Äußerungen zu erfassen, von denen Glaube, Dichtung und Kunst nur ein Teil sind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Herter: &amp;#039;&amp;#039;Die Klassische Philologie seit Usener und Bücheler.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Bonner Gelehrte. Philosophie und Altertumswissenschaft.&amp;#039;&amp;#039; Bonn 1968, S. 165–211.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Ansatz zur [[Interdisziplinarität]] stammte schon aus seiner Studienzeit in Bonn, wo ihn Welcker in die wichtigen Fragestellungen der &amp;#039;&amp;#039;Götterlehre&amp;#039;&amp;#039; einführte. [[Jacob Grimm]] beeinflusste ihn bei der Anwendung der Methoden der [[Vergleichende Sprachwissenschaft|Vergleichenden Sprachwissenschaften]] im Bereich der [[Religionsgeschichte]], [[August Boeckh]] verdankte er das Begreifen der Philologie als historische Wissenschaft, Ritschl das Verständnis dafür, dass nicht nur die großen und bedeutenden, sondern auch die kleinsten Zeugnisse der Vergangenheit beachtenswert und von Bedeutung sind. [[Gottfried Hermann (Philologe)|Gottfried Hermann]] beeinflusste Usener bei der Anwendung der [[Immanuel Kant|Kant’schen]] Kategorien auf die Philologie. Usener wurde damit zu einem der bedeutendsten Protagonisten bei der Herausbildung der Religionsgeschichte aus der Philologie. Sein Hauptinteresse bestand in der Untersuchung des &amp;#039;&amp;#039;Göttlichen&amp;#039;&amp;#039; in der [[Altgriechische Sprache|altgriechischen Sprache]]. Er vermutete, dass die Namen der Götter Grundsätzliches enthielten und untersuchte deshalb eingehend die Namen der Götter des griechischen [[Pantheon]]s. Im Laufe seiner Forschungen konnte er viele der von der [[Romantik]] [[Friedrich Creuzer]]s getroffene symbolistische Erklärungen der [[Griechische Religion|Griechischen Religion]] etwa zu einem Ur[[monotheismus]] widerlegen. Für die interdisziplinäre Ausrichtung der Bonner Altphilologie stand auch, dass sowohl Usener als auch Bücheler ihre Vorlesungen im Akademischen Kunstmuseum hielten. Trotz der Spezialisierung der Altertumswissenschaften und dem damit verbundenen auseinander Driften der Altertumswissenschaft in Spezialdisziplinen – Bücheler konnte etwa anders als Otto Jahn nicht mehr auch noch die Archäologie vertreten – arbeiteten Usener und Bücheler eng mit anderen Vertretern der Altertumswissenschaften und Sprachwissenschaften zusammen, so mit dem Archäologen [[Reinhard Kekulé von Stradonitz]], der Jahns Nachfolger auf dem Gebiet der Archäologie war, und [[Georg Loeschcke]], dem [[Alte Geschichte|Althistorikern]] [[Arnold Dietrich Schaefer]] und [[Heinrich Nissen]] sowie dem Sprachwissenschaftler [[Felix Solmsen]] zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Forschungen galten dem [[Ritus]] und dem [[Mythos]], bei denen Usener unabhängig von den &amp;#039;&amp;#039;Cambridge Rituals&amp;#039;&amp;#039; zu seinen Erkenntnissen kam. Usener ging von einer Interaktion zwischen beiden Bereichen aus, wobei der Ritus die institutionalisierte Form, die Praxis, des Mythos war. Auch hier zeigte er sich neuen Forschungsbereichen gegenüber aufgeschlossen und stützte sich auch auf [[Ethnologie|ethnologische]] Zeugnisse und Ergebnisse der noch im Entstehen begriffenen wissenschaftlichen Volkskunde. Usener vertrat die Auffassung von starken Kontinuitäten in Ritualen. So meinte er, dass etwa das [[Weihnachten|Weihnachtsfest]] von der [[Antike]] bis ins christliche Mittelalter transformiert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Grab Hermann Usener - BN 1999-03-05 - 001b.jpg|mini|links|Grabmal Useners auf dem [[Alter Friedhof Bonn|Alten Friedhof Bonn]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hauptwerk gilt Useners Wilhelm Dilthey gewidmete &amp;#039;&amp;#039;Götterlehre&amp;#039;&amp;#039;, die er zugleich als wissenschaftliches Testament betrachtete. Es handelte sich hierbei um nicht weniger als um eine Geschichte des menschlichen Denkvermögens. Die griechischen Götter unterteilte er in [[Phänomenologie|phänomenologische]] Kategorien: Augenblicksgötter, Sondergötter und Hauptgötter. Die &amp;#039;&amp;#039;Götterlehre&amp;#039;&amp;#039; ist Useners am meisten rezipiertes und einflussreichstes Werk. Es hatte großen Einfluss auf die entstehende [[Soziologie]], [[Émile Durkheim]] nahm die Erkenntnisse sofort für seine Forschungen an, zudem waren sie auch wichtig für [[Ernst Cassirer]]s Philosophie der symbolischen Formen. Neben den griechischen untersuchte Usener mit denselben Methoden auch die litauischen und lettischen Götter. Dabei ging er von der Vergleichbarkeit der Kulturen aus, selbst wenn sie nicht in Kontakt miteinander standen, was in Useners Nachfolge auch dessen Schüler [[Aby Warburg]] vertrat. Auch der [[Heidelberg]]er [[Eranos-Kreis]] um [[Adolf Deißmann]] und Albrecht Dieterich berief sich auf die &amp;#039;&amp;#039;Schule Useners&amp;#039;&amp;#039;. Zu seinen Schülern gehörten [[Ludwig Deubner]], [[Hermann Diels]], [[Georg Ferdinand Dümmler]], [[Richard Heinze (Philologe)|Richard Heinze]], Friedrich Leo und [[Eduard Schwartz]], die er promovierte, sowie [[Paul Friedländer (Philologe)|Paul Friedländer]], [[Emil Hermes]], [[Hans Lietzmann (Theologe)|Hans Lietzmann]], [[Friedrich Marx (Philologe)|Friedrich Marx]], [[Eduard Norden]], [[Ludwig Radermacher]], [[Max Siebourg]] und [[Richard Wünsch]]. Von 1899 bis 1905 gab er das &amp;#039;&amp;#039;[[Rheinisches Museum für Philologie|Rheinische Museum für Philologie]]&amp;#039;&amp;#039; mit heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Usener wurde mit vielen hohen Ehren bedacht. 1874/75 war er Dekan der philosophischen Fakultät, 1882/83 Rektor der Bonner Universität. Er war Ritter des Ordens [[Pour le Mérite#Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste|Pour le Mérite]] und Mitglied verschiedener Gelehrter Gesellschaften im In- und Ausland. 1887 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der [[Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen|Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen]] gewählt; ab 1899 war er auswärtiges Mitglied.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle| url=https://adw-goe.de/mitglieder/personendetails/person/hermann-usener/| titel=Mitglieder: Hermann Usener| hrsg=Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen| zugriff=2026-02-03}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [[Bayerische Akademie der Wissenschaften]] nahm ihn 1888 als auswärtiges Mitglied auf.&amp;lt;ref&amp;gt;{{BAdW|3248 |Name=Hermann Usener |Kommentar= |Datum=3. Februar 2026}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der [[Preußische Akademie der Wissenschaften|Preußischen Akademie der Wissenschaften]] gehörte er seit 1891 als korrespondierendes Mitglied an.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle| url=https://www.bbaw.de/die-akademie/akademie-historische-aspekte/mitglieder-historisch/historisches-mitglied-hermann-usener-2839| titel=Mitglieder – historisch: Hermann Usener| hrsg=[[Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften]]| zugriff=2026-02-03}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Philologische Verein, ein Studentenzirkel, bedachte ihn und Bücheler 1873 mit einer gemeinsamen Festschrift nach beider Ablehnung auf Rufe auf andere Lehrstühle. Zu Useners 70. Geburtstag und Büchelers goldenem Doktorjubiläum im Jahr 1904 wurden zwei Bronzebüsten von [[Hans Everding]] und [[Walter Lobach]] gestiftet, die sich heute in den Räumlichkeiten des Bonner Altphilologischen Seminars befinden. Im Akademischen Kunstmuseum wurde dazu ein feierlicher Festakt begangen. Mit dem dabei gesammelten Geld wurde unter anderen eine &amp;#039;&amp;#039;Usener-Stiftung&amp;#039;&amp;#039; für Klassische Philologen eingerichtet. Zudem präsidierte er die Philologenversammlung. Am 13. Februar 1902 ehrte ihn die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn mit der [[Ehrendoktor]]würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Useners Leistungen nie vergessen wurden, ist die Rezeption seiner Arbeit vor allem wieder seit einem von [[Arnaldo Momigliano]] 1983 an der [[Scuola Normale Superiore]] in [[Pisa]] abgehaltenen Seminar zu Usener zu einem der zentralen Punkte in der Fachgeschichte der Altertumswissenschaften geworden. Rezeption, Wirkung und einzelne Werke wurden in den letzten 35 Jahren verstärkt erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schriften ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Alexandri Aphrodisiensis quae fertur problematorum liber III et IV.&amp;#039;&amp;#039; Berlin 1859 (= &amp;#039;&amp;#039;Jahresbericht über das Königliche Joachimsthalsche Gymnasium&amp;#039;&amp;#039;).&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Scholia in Lucani bellum civile.&amp;#039;&amp;#039; Leipzig. 1869, Band&amp;amp;nbsp;1.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Anecdoton Holderi.&amp;#039;&amp;#039; Bonn 1877.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Legenden der Pelagia.&amp;#039;&amp;#039; Bonn 1879.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;De Stephano Alexandrino.&amp;#039;&amp;#039; Bonn 1880.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Acta S. Marinae et S. Christophori.&amp;#039;&amp;#039; Bonn 1886.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Altgriechischer Versbau.&amp;#039;&amp;#039; Bonn 1887.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Epicurea.&amp;#039;&amp;#039; Leipzig 1887; zahlreiche Beiträge zum &amp;#039;&amp;#039;Rheinischen Museum&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Götternamen: Versuch einer Lehre von der Religiösen Begriffsbildung.&amp;#039;&amp;#039; Bonn 1896.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Das Weihnachtsfest. Religionsgeschichtliche Untersuchungen. Erster Teil. Kapitel I bis III.&amp;#039;&amp;#039; 3. Auflage, Bouvier Bonn 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch gab er [[Karl Ludwig Kayser]]s &amp;#039;&amp;#039;Homerische Abhandlungen&amp;#039;&amp;#039; (Leipzig 1881) und [[Jacob Bernays]]’ &amp;#039;&amp;#039;Gesammelte Abhandlungen&amp;#039;&amp;#039; heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Albrecht Dieterich]]: &amp;#039;&amp;#039;Hermann Usener.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Archiv für Religionswissenschaft]]&amp;#039;&amp;#039; 8 (1905), [https://archive.org/stream/archivfrreligi08reliuoft#page/n11/mode/1up I–XI (mit Foto und Autograph).]&lt;br /&gt;
* [[Eduard Schwartz]]: &amp;#039;&amp;#039;Rede auf Hermann Usener. Gehalten in der öffentlichen Sitzung der Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen am 5. Mai 1906.&amp;#039;&amp;#039; Weidmann, Berlin 1906 ([http://www.archive.org/details/redeaufhermannus00schwuoft online]).&lt;br /&gt;
* [[Hans Herter]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Klassische Philologie seit Usener und Bücheler.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Bonner Gelehrte. Philosophie und Altertumswissenschaft.&amp;#039;&amp;#039; Bonn 1968, S. 165–211.&lt;br /&gt;
* [[Roland Kany]]: &amp;#039;&amp;#039;Mnemosyne als Programm. Geschichte, Erinnerung und die Andacht zum Unbedeutenden im Werk von Usener, Warburg und Benjamin.&amp;#039;&amp;#039; Niemeyer, Tübingen 1987, ISBN 3-484-18093-5, S.&amp;amp;nbsp;11–128.&lt;br /&gt;
* [[Renate Schlesier]]: &amp;#039;&amp;#039;„Arbeiter in Useners Weinberg.“ Anthropologie und Antike Religionsgeschichte in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Hellmut Flashar]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Altertumswissenschaft in den 20er Jahren. Neue Fragen und Impulse.&amp;#039;&amp;#039; Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-515-06569-5.&lt;br /&gt;
* {{BBKL|archiveurl=https://web.archive.org/web/20070613062059/http://www.bautz.de/bbkl/u/usener_h_c.shtml |autor=[[Klaus-Gunther Wesseling]]|artikel=Usener, Hermann Carl|band=12|spalten=965–979}}&lt;br /&gt;
* [[Günter Bader]]: &amp;#039;&amp;#039;Hermann Usener (1834–1905).&amp;#039;&amp;#039; In: [[Reinhard Schmidt-Rost]] et al. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Theologie als Vermittlung. Bonner evangelische Theologen des 19. Jahrhunderts im Portrait.&amp;#039;&amp;#039; CMZ, Rheinbach 2003, ISBN 3-87062-061-7, S. 148–158.&lt;br /&gt;
* [[Antje Wessels (Altphilologin)|Antje Wessels]]: &amp;#039;&amp;#039;Ursprungszauber. Zur Rezeption von Hermann Useners Lehre von der religiösen Begriffsbildung.&amp;#039;&amp;#039; de Gruyter, Berlin – New York 2003, ISBN 3-11-017787-0.&lt;br /&gt;
* Michael Espagne, Pascale Rabault-Feuerhahn (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Hermann Usener und die Metamorphosen der Philologie.&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Kultur- und sozialwissenschaftliche Studien.&amp;#039;&amp;#039; Band&amp;amp;nbsp;7). Harrassowitz, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-447-06452-1.&lt;br /&gt;
* [[Josef Niesen]]: &amp;#039;&amp;#039;Hermann Usener.&amp;#039;&amp;#039; In: Derselbe: &amp;#039;&amp;#039;Bonner Personenlexikon.&amp;#039;&amp;#039; 2. Auflage. Bouvier, Bonn 2008, ISBN 978-3-416-03180-6.&lt;br /&gt;
* {{DNP|Suppl. 6|1241|1243|Usener, Hermann|Sotera Fornaro}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
{{Wikisource|Hermann Usener}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|118763946}}&lt;br /&gt;
* [https://www.sammlungen.ulb.uni-bonn.de/de/historische-sammlungen/nachlaesse/usener-hermann Nachlass von Hermann Usener] in der ULB Bonn&lt;br /&gt;
* {{LAGIS|ref=nein|DB=HBN|ID=118763946|titel=„Usener, Hermann“}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{NaviBlock&lt;br /&gt;
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}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118763946|LCCN=n/87/918221|VIAF=5005589}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Usener, Hermann}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Altphilologe (19. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religionswissenschaftler (19. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rektor (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Autor]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Mitglied der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ehrendoktor einer Universität]]&amp;lt;!-- Dr. theol. h.c. an 2 Universitäten --&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Träger des Pour le Mérite (Friedensklasse)]]&amp;lt;!-- seit 1897 --&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geheimrat]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1834]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1905]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Usener, Hermann&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Usener, Hermann Carl (vollständiger Name)&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher klassischer Philologe und Religionswissenschaftler&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=23. Oktober 1834&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Weilburg]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=21. Oktober 1905&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Bonn]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;John Red</name></author>
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