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	<title>Heinrich Tillessen - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Khatschaturjan am 12. Dezember 2025 um 15:41 Uhr</title>
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		<updated>2025-12-12T15:41:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Heinrich Tillessen 5-883464-2.jpg |mini |hochkant |Heinrich Tillessen (um 1947)]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Heinrich Tillessen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[27. November]] [[1894]] in [[Köln]]; † [[12. November]] [[1984]] in [[Koblenz]]) war ein ehemaliger Marineoffizier, der am 26. August 1921 mit [[Heinrich Schulz (Attentäter)|Heinrich Schulz]] im Auftrag der [[Organisation Consul]] (OC) das tödliche [[Attentat]] auf [[Matthias Erzberger]] verübte, den vormaligen [[Reichsfinanzministerium|Reichsfinanzminister]] ([[Deutsche Zentrumspartei]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tillessens Bruder [[Karl Tillessen|Karl]] war der stellvertretende Leiter der von [[Hermann Ehrhardt]] geführten OC.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Nachkriegszeit in Deutschland]] war das Gerichtsverfahren gegen Tillessen eines der von Öffentlichkeit und juristischer Fachwelt am meisten und intensivsten beachteten Gerichtsverfahren, in dem sich exemplarisch zahlreiche Probleme der gerichtlichen Aufarbeitung von Verbrechen vor und während der [[Zeit des Nationalsozialismus]] darstellten, insbesondere das Weiterwirken [[NS-Justiz|nationalsozialistischer Rechtssetzung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jugend und erste Militärzeit ==&lt;br /&gt;
Heinrich Tillessens Vater Carl Tillessen war Artillerieoffizier, der zum Generalleutnant aufstieg. Die Mutter Karoline war Niederländerin. Tillessen wuchs zusammen mit 10 Geschwistern (3 Brüder und 7 Schwestern) in Köln, Metz und Koblenz&amp;amp;nbsp;– den Garnisonsorten seines Vaters&amp;amp;nbsp;– auf. Ein weiterer seiner Brüder war der spätere Admiral [[Werner Tillessen]]. Die Familie galt als streng katholisch. Der Vater wurde 1904 in den Ruhestand versetzt. Die Familie zog darauf nach Koblenz. Nach dem Tod von Vater und Mutter (1910 und 1911) verließ Tillessen das Gymnasium mit Primarreife und trat am 1. April 1912 als Seekadett in den Dienst der [[Kaiserliche Marine|kaiserlichen Marin]]e ein. Nach seiner Ausbildung an der [[Marineschule Mürwik]] und auf dem Schulschiff &amp;#039;&amp;#039;[[Hertha (Schiff, 1898)|Hertha]]&amp;#039;&amp;#039; besuchte er den Offizierslehrgang und wurde am 12. April 1913 zum [[Fähnrich zur See]] ernannt. Die Zeit bis zum Kriegsausbruch 1914 verbrachte er großteils auf verschiedenen Speziallehrgängen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges tat er auf kleineren Einheiten Dienst, vorwiegend in der Ostsee, wobei es zu keinen nennenswerten Kriegseinsätzen kam. Am 22. März 1915 wurde er zum [[Leutnant zur See]] befördert. Am 13. Juli 1917 wurde er zur 17. Torpedoboot-Halbflottille versetzt, wo er unter dem Kommandanten [[Hermann Ehrhardt]] als Wachoffizier auf dem Führerboot eingesetzt wurde. Er war von Ehrhardt als einem führungsstarken und charismatischen Offizier beeindruckt. Bei der Auslieferung der deutschen Kriegsflotte nach [[Scapa Flow]] führte Tillessen verantwortlich ein Torpedoboot. Nach der [[Selbstversenkung der Kaiserlichen Hochseeflotte in Scapa Flow|Selbstversenkung der Flotte]] blieb er bis zum 6. Februar 1920 in englischer Kriegsgefangenschaft. Am 30. Juli 1920 wurde er auf eigenen Wunsch aus der [[Reichsmarine|Marine]] entlassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Cord Gebhardt: &amp;#039;&amp;#039;Der Fall des Erzberger-Mörders Heinrich Tillessen. Ein Beitrag zur Justizgeschichte nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; Mohr, Tübingen 1995 (=&amp;#039;&amp;#039;[[Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts]]&amp;#039;&amp;#039;, Band 14), S. 17–19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ermordung Erzbergers ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Moordenaar van de Duitse politicus Matthias Erzberger in augustus 1921 de student Heinrich, SFA005001637.jpg |mini |hochkant |Heinrich Tillessen (1921)]]&lt;br /&gt;
Als Tillessen vom [[Kapp-Putsch]] erfuhr, eilte er nach Berlin, wo er sich auf Anraten seines Bruders Karl der Offiziers-Sturmkompanie der [[Marine-Brigade Ehrhardt]] seines früheren Flottillenchefs anschloss. Hier traf er auch erstmals auf seinen späteren Mittäter Schulz. Nach der Auflösung der Brigade Ehrhardt im April bzw. Mai 1920 bemühte sich Tillessen zunächst darum, einen Zivilberuf zu ergreifen, und nahm auf Anraten seines Bruders Karl eine Stellung bei dem bayerischen Politiker [[Georg Heim]] in [[Regensburg]] an. Mit drei weiteren ehemaligen Brigadeangehörigen, darunter Schulz, fungierte Tillessen als Leibwächter Heims. Hier radikalisierte er sich zusehends politisch, nicht zuletzt im Umfeld des [[Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund|Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes]].&amp;lt;ref&amp;gt;Cord Gebhardt: &amp;#039;&amp;#039;Der Fall des Erzberger-Mörders Heinrich Tillessen. Ein Beitrag zur Justizgeschichte nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; Mohr, Tübingen 1995, S. 19–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. April 1921 berief Ehrhardt Tillessen und Schulz auf eigenen Wunsch zu sich nach [[München]]. Hier waren sie in der Zentrale von Ehrhardts im Aufbau befindlicher Terrororganisation OC tätig, deren erklärtes Ziel die Durchführung von [[Fememord]]en war. In der militärischen Abteilung B unter [[Manfred von Killinger]], ebenfalls früherer Torpedoboot-Kommandant, war Tillessen für die Versendung der Zeitschrift &amp;#039;&amp;#039;Der Wiking&amp;#039;&amp;#039; zuständig. Vom 11. Mai bis Ende Juni 1921 war Tillessen Verbindungsmann Ehrhardts während des [[Aufstände in Oberschlesien#Dritter Aufstand (Mai–Juli 1921)|dritten oberschlesischen Aufstands]] in [[Breslau]]. Anfang August erteilte Killinger Tillessen und Schulz den Auftrag, [[Matthias Erzberger]] zu ermorden.&amp;lt;ref&amp;gt;Cord Gebhardt: &amp;#039;&amp;#039;Der Fall des Erzberger-Mörders Heinrich Tillessen. Ein Beitrag zur Justizgeschichte nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; Mohr, Tübingen 1995, S. 24&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Tillessen und Schulz Erzbergers Aufenthaltsort [[Bad Griesbach im Schwarzwald|Bad Griesbach]] ausfindig gemacht hatten, führten sie ihr Vorhaben am späten Vormittag des 26. August 1921 aus. An einsamer Stelle im Schwarzwald schossen die beiden mehrmals auf Erzberger und seinen Parteifreund [[Carl Diez]], die dort spazieren gingen. Diez wurde schwer verletzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cord Gebhardt: &amp;#039;&amp;#039;Der Fall des Erzberger-Mörders Heinrich Tillessen. Ein Beitrag zur Justizgeschichte nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; Mohr, Tübingen 1995, S. 25&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erzberger versuchte noch, bergab zu fliehen, brach aber nach zehn Metern zusammen. Die Täter stiegen ihm nach und töteten ihn mit Kopfschüssen aus nächster Nähe. Dann begaben sie sich zurück nach München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Flucht ==&lt;br /&gt;
Die Ermittlungsbehörden konnten die Identität der Täter, die diese kaum zu verbergen versucht hatten, rasch ermitteln und lösten eine [[steckbrief]]liche Fahndung mit Bildern aus. Tillessen und Schulz verließen München am 31. August 1921. Tillessen versteckte sich zunächst in den Alpen, wechselte dann über [[Salzburg]] ins [[Burgenland]]. Im November und Dezember 1921 lebten beide Täter unter falschem Namen in [[Budapest]], wo sie sich einem von der „Nationalarmee“ [[Miklós Horthy]]s unterstützten ungarischen Freikorps anschlossen, das ihnen bereits im Zuge der Planung des Attentats Schutz zugesagt hatte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Munzinger&amp;quot;&amp;gt;{{Munzinger|00000000572|Heinrich Tillessen|8. Mai 2017|Internationales Biographisches Archiv 07/1963 vom 4. Februar 1963}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tillessen und Schulz wurden während ihres Aufenthalts in Ungarn mehrfach erkannt, verließen zeitweise Budapest und zogen durch Ungarn und verdingten sich einige Zeit als Gärtner. Ein Auslieferungsersuchen Deutschlands lehnte Ungarn mit dem Hinweis auf das Fehlen eines entsprechenden Abkommens ab. Von seinen politischen Freunden in Deutschland nochmals mit einem falschen deutschen Pass ausgestattet, begab sich Tillessen Ende 1925 nach Spanien. In [[Madrid]] fand er Arbeit als Angestellter einer spanischen Luftverkehrsgesellschaft und lebte jahrelang in bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen. Den Kontakt zu anderen Deutschen mied er. Auf seiner Flucht entwickelte er [[Depression]]en, die auch während seines späteren Lebens anhielten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Munzinger&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückkehr und zweite Militärzeit ==&lt;br /&gt;
Im Dezember 1932 kehrte Tillessen nach Deutschland zurück und fand in Köln bei Geschwistern Unterschlupf. Nach der [[Ernennung Hitlers zum Reichskanzler]] am 30. Januar 1933 unterzeichnete der Reichspräsident [[Paul von Hindenburg]] am 21. März 1933 eine &amp;#039;&amp;#039;[[Straffreiheitsverordnung von 1933|Straffreiheitsverordnung]]&amp;#039;&amp;#039; (StrFVO)&amp;lt;ref&amp;gt;Verordnung des Reichspräsidenten über die Gewährung von Straffreiheit vom 21. März 1933 (RGBl. I S. 134)&amp;lt;/ref&amp;gt;, in deren erstem Absatz es heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Für Straftaten, die im Kampfe für die nationale Erhebung des Deutschen Volkes, zu ihrer Vorbereitung oder im Kampfe für die deutsche Scholle begangen sind, wird Straffreiheit (…) gewährt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demzufolge wurden alle Fememörder der vorausgehenden Jahre straffrei gestellt, einige wurden geradezu als Helden verehrt. Tillessen musste sich nicht weiter verstecken. Er fand wieder Arbeit, baute eine Existenz auf, heiratete und lebte in Düsseldorf, Mannheim und Heidelberg. Er trat am 1. September 1933 der [[NSDAP]] ([[Liste der NSDAP-Mitgliedsnummern|Mitgliedsnummer]] 3.575.464) und der [[Sturmabteilung|SA]] bei. Mit seinem Mittäter Schulz traf Tillessen nur noch einmal kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zusammen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Munzinger&amp;quot; /&amp;gt; Am 4. September 1939 wurde Tillessen zum Kriegsdienst eingezogen, kurz darauf aber für borddienstunfähig erklärt. Er verbrachte die Kriegsjahre an Land im Dienste der deutschen Admiralität und wurde Ende 1944 im Range eines [[Korvettenkapitän]]s aus der [[Kriegsmarine]] entlassen. Er begab sich zu seiner Familie nach Heidelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verhaftung und erstes Verfahren ==&lt;br /&gt;
In Heidelberg wurde Tillessen&amp;amp;nbsp;– nach der Besetzung der Stadt durch amerikanische Truppen&amp;amp;nbsp;– als Nationalsozialist angezeigt und am 3. Mai 1945 von der [[Vereinigte Staaten|amerikanischen]] [[Militärpolizei]] festgenommen und verhört. Er bekannte von sich aus&amp;amp;nbsp;– ohne direkt danach gefragt worden zu sein&amp;amp;nbsp;– Mittäter am Mord von Matthias Erzberger zu sein. Er blieb daraufhin in Haft; am 15. August 1945 wurde ein förmlicher Haftbefehl erlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 13. Mai 1946 wurde Tillessen nach Freiburg verlegt, um sich vor den zuständigen badischen Gerichten zu verantworten. Am 26. August 1946, genau 25 Jahre nach der Tat, reichte der badische Generalstaatsanwalt [[Karl Siegfried Bader]] Klage beim [[Landgericht Offenburg]] zur Verhandlung vor der Strafkammer ein. Die Kammer lehnte jedoch mit Beschluss vom 10. September 1946 die Eröffnung der Hauptverhandlung ab, da nach ihrer Ansicht entsprechend der &amp;#039;&amp;#039;Straffreiheitsverordnung&amp;#039;&amp;#039; von 1933 Straffreiheit bestand. Die Anklage legte hiergegen am 13. September 1946 Beschwerde beim [[Oberlandesgericht Freiburg]] ein und bezeichnete jene Verordnung als nationalsozialistisches Unrecht, das durch den alliierten Kontrollrat und die Militärregierungen für nichtig erklärt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zuständige Kammer des Oberlandesgerichtes hob am 30. September 1946 den Beschluss vom 10. September 1946 auf und ordnete die Eröffnung der Hauptverhandlung an. Allerdings folgte die Kammer des Oberlandesgerichts nicht in allen Punkten der Argumentation der Anklage: Ausdrücklich verwies sie darauf, dass sie die [[Straffreiheitsverordnung von 1933]] für anwendbar halte. Andererseits meinte sie, es sei eine Verurteilung der Tat als &amp;#039;&amp;#039;[[Verbrechen gegen die Menschlichkeit]]&amp;#039;&amp;#039; nach dem [[Kontrollratsgesetz Nr. 10]] zu prüfen. Die Hauptverhandlung fand im November 1946 statt. Die Anklage forderte die [[Todesstrafe]], die Verteidigung [[Freispruch]] unter Berufung auf die &amp;#039;&amp;#039;Straffreiheitsverordnung&amp;#039;&amp;#039;. Das Urteil wurde am 29. November 1946 vom Kammervorsitzenden Rudolf Göring (1883–1964)&amp;lt;ref name=Gebhardt&amp;gt;Cord Gebhardt: &amp;#039;&amp;#039;Der Fall des Erzberger-Mörders Heinrich Tillessen&amp;#039;&amp;#039;, 1995, S. 253&amp;lt;/ref&amp;gt; verkündet: Freispruch unter Anwendung der &amp;#039;&amp;#039;Straffreiheitsverordnung&amp;#039;&amp;#039;. Die Anklage legte sofort Revision ein und verhinderte damit die Rechtskraft des Urteils.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Echo auf dieses Urteil war enorm: Die Presse verdammte es als „Schandurteil“, und die in Freiburg versammelte [[Beratende Landesversammlung des Landes Baden|verfassungsgebende Versammlung des Landes Baden]] protestierte in einer spontanen Resolution „auf das Entschiedenste“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Verfahren vor dem &amp;#039;&amp;#039;Tribunal général&amp;#039;&amp;#039; in Rastatt ==&lt;br /&gt;
Am konsequentesten reagierten aber die französischen Besatzungsorgane: Tillessen wurde am Tage seiner Haftentlassung vom französischen Geheimdienst abgefangen, nach Frankreich verbracht und dort interniert. Der Vorsitzende der urteilenden Kammer, Landgerichtsdirektor Göring, wurde abberufen, dann beurlaubt und schließlich in den Ruhestand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das französische &amp;#039;&amp;#039;[[Rastatter Prozesse|Tribunal général du Gouvernement militaire de la zone française d’occupation en Allemagne]]&amp;#039;&amp;#039; (GMZFOA) mit Sitz in [[Rastatt]] bei [[Baden-Baden]] als damals oberstes Gericht für alle Zivilsachen in Baden zog das Verfahren an sich. Es erstreckte sich über zwei Termine: 23. Dezember 1946, Hauptverhandlung, und 6. Januar 1947, Urteilsverkündung. Grundlage des Urteils war die zu entscheidende Frage, ob die „Straffreiheitsverordnung“ vom 21. März 1933 auch nach 1945 über Rechtsgültigkeit verfügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert war die im Hinblick auf die Rechtsgültigkeit der StrFVO im Urteil&amp;lt;ref&amp;gt;[https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1026624126#page/605/mode/1up Journal Officiel 1947, S. 605–635.]&amp;lt;/ref&amp;gt; getroffene und dort „für alle deutschen Gerichte und Verwaltungsinstanzen“ bindende  Feststellung des Gerichts, „dass die Wahl zum Reichstag vom 5. März 1933 unter Umständen zustande gekommen ist, die eine offenkundige, von der Regierung begangene Gesetzeswidrigkeit und Gewaltanwendung darstellen, dass das sogenannte Ermächtigungsgesetz vom 23. [tatsächlich: 24.] März 1933 entgegen der Behauptung, dass es der Verfassung entspreche, in Wirklichkeit von einem Parlament erlassen worden ist, das infolge Ausschlusses von 82 ordnungsgemäß gewählten Abgeordneten eine gesetzwidrige Zusammensetzung hatte und dass es durch die Vereinigung aller Vollmachten in der Hand von Hitler alle wesentlichen Voraussetzungen einer ordnungsgemäßen und normalen Rechtsgrundsätzen entsprechenden Regierung verletzt“ und „dass die Regierung Hitlers weder vor noch nach dem 21. März 1933 sich auf ein Vertrauensvotum eines ordnungsgemäß zusammengesetzten Parlaments gestützt hat, ein Erfordernis, das von der damals geltenden Verfassung vom 11. August 1919 aufgestellt war.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Urteil des Landgerichts Offenburg&amp;lt;ref&amp;gt;Landgericht Offenburg - 1 Js 980/46 v. 29. November 1946&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde aufgehoben und das Verfahren zur neuerlichen Verhandlung an das Landgericht in Konstanz verwiesen unter der Auflage, dass die Straffreiheitsverordnung von 1933 nicht mehr angewandt werden dürfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hauptverhandlung fand vom 25. bis 28. Februar 1947 in Konstanz statt unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors [[Anton Henneka]], der später von 1951 bis 1968 Richter des Bundesverfassungsgerichts war. Die Anklage forderte die [[Todesstrafe]], die Verteidigung plädierte nun&amp;amp;nbsp;– um diese abzuwenden&amp;amp;nbsp;– auf [[Totschlag (Deutschland)|Totschlag]]. Das Gericht sprach Tillessen schuldig des [[Mord]]es und eines [[Verbrechen gegen die Menschlichkeit|Verbrechens gegen die Menschlichkeit]] nach dem [[Kontrollratsgesetz Nr. 10]]. Das Strafmaß war 15 Jahre Freiheitsentzug. Das Urteil war rechtskräftig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begnadigung ==&lt;br /&gt;
Bald nach der Urteilsverkündung wurden von der Ehefrau und dem Verteidiger Gnadengesuche gestellt. Im Mai 1952 erhielt Tillessen Haftverschonung; im Dezember 1952 wurde die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. Im März 1958 wurde die Strafe nach Fürsprache von Matthias Erzbergers Witwe auf dem Gnadenwege erlassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Badisches Tagblatt Nr. 267 vom 15. Dezember 1952.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich Tillessen fand wieder Arbeit, lebte in Heidelberg und Frankfurt sowie im hohen Alter in Koblenz. Er verstarb im 90. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Cord Gebhardt: &amp;#039;&amp;#039;Der Fall des Erzberger-Mörders Heinrich Tillessen. Ein Beitrag zur Justizgeschichte nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; Mohr, Tübingen 1995 (Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts, Band 14), ISBN 3-16-146490-7.&lt;br /&gt;
* [[Reiner Haehling von Lanzenauer]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Mord an Matthias Erzberger.&amp;#039;&amp;#039; Verlag der Gesellschaft für Kulturhistorische Dokumentation, Karlsruhe 2008 (Schriftenreihe des Rechtshistorischen Museums Karlsruhe, Band 14). ISBN 3-922596-71-1.&lt;br /&gt;
* Reiner Haehling von Lanzenauer: &amp;#039;&amp;#039;Die Ermordung Erzbergers.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Die Ortenau&amp;#039;&amp;#039;, 76. Jahresband 1996, S. 435–456 [http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1996/0435 Digitalisat der UB Freiburg]  &lt;br /&gt;
* Eugen Huber-Stentrup: &amp;#039;&amp;#039;Der Mord an Matthias Erzberger&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Juristische Schulung]] (JuS)&amp;#039;&amp;#039;, Band 21, Nr. 4, 1981, S. 246–250.&lt;br /&gt;
* [[Edith Raim]]: &amp;#039;&amp;#039;Justiz zwischen Diktatur und Demokratie : Wiederaufbau und Ahndung von NS-Verbrechen in Westdeutschland 1945–1949&amp;#039;&amp;#039;.  Oldenbourg, München 2013, ISBN 978-3-486-70411-2. (Zugl.: Augsburg, Univ., Habil.-Schr., 2012).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [https://www.servat.unibe.ch/dns/RGBl_1933_I_134_VO_Straffreiheit.pdf Straffreiheitsverordnung vom 21. März 1933]&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Kontrollratsgesetz Nr. 10]]&amp;#039;&amp;#039; vom 20. Dezember 1945. &amp;#039;&amp;#039;In: [[Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland]]&amp;#039;&amp;#039;, Nummer 3 vom 31. Januar 1946, S. 50 ff., Digitalisat der Deutschen Nationalbibliothek: {{URN|nbn:de:101:1-201301314942}}.&lt;br /&gt;
* [http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41121245.html &amp;#039;&amp;#039;Der Germanen-Orden befahl: Tillessen bereut.&amp;#039;&amp;#039;] Der Spiegel 9/1947&lt;br /&gt;
* Christopher Dowe: [https://www.lexikon-der-politischen-strafprozesse.de/glossar/erzberger-attentat/ Das Erzberger-Attentat], in: Kurt Groenewold, Alexander Ignor, Arnd Koch (Hrsg.): Lexikon der Politischen Strafprozesse, Online, Stand Dezember 2019.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=11930239X|VIAF=3277685}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Tillessen, Heinrich}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Attentäter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied im Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Organisation Consul]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:NSDAP-Mitglied]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:SA-Mitglied]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Freikorps-Mitglied]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verurteilte Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Teilnehmer am Kapp-Putsch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Oberleutnant zur See (Kaiserliche Marine)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Korvettenkapitän (Kriegsmarine der Wehrmacht)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1894]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1984]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Tillessen, Heinrich&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Attentäter&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=27. November 1894&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Köln]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=12. November 1984&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Koblenz]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Khatschaturjan</name></author>
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