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	<title>Heinrich Ratjen - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Leuni: /* Leben */</title>
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		<updated>2026-03-29T14:05:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Leben&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Bundesarchiv Bild 183-C10379, Hermann Ratjen alias &amp;quot;Dora Ratjen&amp;quot;.jpg|mini|hochkant|Dora Ratjen (1937)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Heinrich&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; „&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Heinz&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;“ &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Ratjen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[20. November]] [[1918]] in [[Erichshof]];&amp;lt;ref&amp;gt;Stefan Berg: [https://www.spiegel.de/einestages/olympia-1936-a-948497.html &amp;#039;&amp;#039;Olympia 1936. Skandal um Dora.&amp;#039;&amp;#039;] In: &amp;#039;&amp;#039;spiegel.de,&amp;#039;&amp;#039; 17. September 2009, abgerufen am 27. Juni 2019 (aus dem &amp;#039;&amp;#039;Spiegel,&amp;#039;&amp;#039; Ausgabe 38/2009; mit Angabe des Geburtsortes).&amp;lt;/ref&amp;gt; † [[22. April]] [[2008]] in [[Bremen]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Gunnar Meinhardt]]: [https://www.welt.de/welt_print/sport/article4358670/Die-unglaubliche-Geschichte-der-Gretel-Bergmann.html &amp;#039;&amp;#039;Die unglaubliche Geschichte der Gretel Bergmann.&amp;#039;&amp;#039;] In: &amp;#039;&amp;#039;[[Die Welt]].&amp;#039;&amp;#039; 20. August 2009, abgerufen am 6. Juli 2021.&amp;lt;/ref&amp;gt;) war ein [[Deutschland|deutscher]] [[Leichtathletik|Leichtathlet]]. Unter dem Geburtsnamen &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Dora Ratjen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; nahm er 1936 an den [[Olympische Sommerspiele 1936|Olympischen Spielen]] in [[Berlin]] am [[Hochsprung]]wettbewerb der Damen teil und erreichte Platz vier. 1938 sprang Ratjen Frauen-[[Weltrekord]] und wurde [[Leichtathletik-Europameisterschaften|Europameisterin]]. Im selben Jahr endete die sportliche Karriere als Frau. Anfang 1939 wurde Ratjens juristisches Geschlecht (vergleiche [[Personenstand]]) auf „männlich“ und sein Vorname auf „Heinrich“ geändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Angaben über Ratjens Biografie sind spärlich und zum Teil widersprüchlich, lediglich der Sektion für Sexualmedizin des [[Universitätsklinikum Schleswig-Holstein|Universitätsklinikums Kiel]] liegen Ermittlungsunterlagen aus den Jahren 1938 und 1939 vor.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Ermittlungsakten&amp;quot;&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Ermittlungsakten Ratjen,&amp;#039;&amp;#039; 1938/39, im Bestand der &amp;#039;&amp;#039;Sektion für Sexualmedizin&amp;#039;&amp;#039; des &amp;#039;&amp;#039;Universitätsklinikums Kiel.&amp;#039;&amp;#039; Zitiert in: {{Der Spiegel |ID=66886636 |Autor=Stefan Berg |Titel=Die wahre Dora |Jahr=2009 |Nr=38 |Seiten=150–154}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1938 gab diesen Unterlagen zufolge Vater Heinrich Ratjen der Polizei zu Protokoll, dass bei der Geburt die äußeren Geschlechtsorgane seines Kindes einem Geschlecht nicht eindeutig zugeordnet werden konnten. Da die Eltern jedoch den Angaben der [[Hebamme]] trauten, das Geschlecht sei weiblich, wurde Ratjen als Mädchen erzogen, trug Mädchenkleidung und besuchte eine [[Mädchenschule]]. „Von meinen Eltern bin ich als Mädchen großgezogen“, erklärte Ratjen 1938 bei seiner polizeilichen Vernehmung. „Von meinem elften oder zwölften Lebensjahr an kam mir schon das Bewusstsein, dass ich kein Mädchen, sondern ein Mann war. An meine Eltern habe ich aber niemals die Frage gestellt, warum ich als Mann Frauenkleider tragen muss.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Ermittlungsakten&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1934 ergriff Ratjen nach dem Schulabschluss einen „Frauenberuf“ als Packerin in einer Tabakfabrik und trat beim Sportverein [[VfB Komet Bremen|Komet Bremen]] ein. Ratjen gehörte bald zu den Besten in der Disziplin Hochsprung, war ab 1934 mehrfach [[Gaumeister]]in, 1936 bis 1938 dreimal in Folge sogar [[Deutscher Meister|Deutsche Meisterin]] im Hochsprung und gehörte damit zu den leistungsstärksten Kandidatinnen für den deutschen [[Kader|Olympiakader]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bahro/Braun&amp;quot;&amp;gt;Berno Bahro, Jutta Braun: &amp;#039;&amp;#039;Berlin ’36: Die unglaubliche Geschichte einer jüdischen Sportlerin im „Dritten Reich“.&amp;#039;&amp;#039; Berlin 2009. Platzierungen bei Meisterschaften nach Berichten in der Tages- und Fachpresse.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bundesarchiv Bild 183-C10378, Hermann Ratjen alias &amp;quot;Dora Ratjen&amp;quot;.jpg|mini|Dora Ratjen (1937)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1936 wurde Ratjen bei den Olympischen Spielen im Hochsprungwettbewerb der Damen mit der Höhe von 1,58&amp;amp;nbsp;Meter hinter der Ungarin [[Ibolya Csák]], der Britin [[Dorothy Odam]] und seiner Mannschaftskollegin [[Elfriede Kaun]] Vierte. Auch im [[Olympia (Film)|Olympiafilm]] von [[Leni Riefenstahl]] ist Ratjen zu sehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Daniel Wildmann: &amp;#039;&amp;#039;Begehrte Körper. Konstruktion und Inszenierung des „arischen Männerkörpers“ im Dritten Reich.&amp;#039;&amp;#039; Königshausen &amp;amp; Neumann, Würzburg 1998, S.&amp;amp;nbsp;100.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als deutsche Meisterin&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe &amp;#039;&amp;#039;Der Leichtathlet&amp;#039;&amp;#039; vom 14.&amp;amp;nbsp;Juli 1936, S.&amp;amp;nbsp;23. Später wurde der Titel aus den hier beschriebenen Gründen ab- und der damals Zweitplatzierten Kaun zuerkannt.&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzte Dora Ratjen nicht&amp;amp;nbsp;– wie oft vermutet&amp;amp;nbsp;– die am Start gehinderte jüdische [[Gretel Bergmann]], sondern war als zweites Teammitglied neben Kaun bei drei Startberechtigungen für den deutschen Kader ohnehin qualifiziert. Der dritte Platz blieb unbesetzt, um gegenüber der Weltöffentlichkeit behaupten zu können, man halte ihn für die angeblich verletzte Gretel Bergmann frei.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bahro/Braun&amp;quot; /&amp;gt; In der Fach- und Tagespresse wurde keine Begründung geliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den [[Leichtathletik-Europameisterschaften]] 1938 in [[Wien]], bei denen erstmals Frauen zugelassen waren, wurde Ratjen mit der neuen [[Leichtathletik-Weltrekorde|Weltrekordhöhe]] von 1,70&amp;amp;nbsp;Meter Europameisterin. Auf der Rückreise stellte ein Magdeburger Polizeiarzt fest, dass Ratjen männliche Genitalien hatte, aber durch einen Narbenstrang seit der Geburt eine anatomische Abweichung besaß.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Attest&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://einestages.spiegel.de/hund-images/2009/09/16/72/b802cb285e87eb3987358bbb035634a6_image_document_large_featured_borderless.jpg |titel=„Polizeiärztliches Attest“ vom 22.&amp;amp;nbsp;September 1938 aus den Ermittlungsakten |werk=[[einestages]] |datum=2009-09-16 |format=JPG |archiv-url=https://archive.today/20120712020904/http://einestages.spiegel.de/hund-images/2009/09/16/72/b802cb285e87eb3987358bbb035634a6_image_document_large_featured_borderless.jpg |archiv-datum=2012-07-12 |kommentar=Faksimile |offline=ja |abruf=2019-06-27}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ratjens Vater erklärte bei seiner Befragung, dass „Dora&amp;amp;nbsp;[…] im Stehen kein Wasser lassen könne.“ Ratjen selbst war froh darüber, dass seine Doppelexistenz beendet war, protokollierte die Polizei. „Er hat diesen Zeitpunkt schon seit längerer Zeit erwartet, denn er war sich darüber klar, dass eines Tages die sportliche Betätigung als Frau nicht mehr tragbar sein wird.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Ermittlungsakten&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Öffentlichkeit blieb der Fall, nachdem einige Tageszeitungen Ratjens Disqualifikation gemeldet hatten,&amp;lt;ref&amp;gt;z.&amp;amp;nbsp;B. &amp;#039;&amp;#039;Hamburger Nachrichten&amp;#039;&amp;#039; vom 1.&amp;amp;nbsp;Oktober 1938, Seite&amp;amp;nbsp;11&amp;lt;/ref&amp;gt; danach tabu.&amp;lt;ref&amp;gt;Helmut Heiber: &amp;#039;&amp;#039;Joseph Goebbels.&amp;#039;&amp;#039; Colloquium, Berlin 1962, S.&amp;amp;nbsp;165.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 12.&amp;amp;nbsp;Oktober 1938 erging die Presseanweisung, dass „über Dora Ratjen&amp;amp;nbsp;[…] nichts mehr gebracht werden [soll]. Eine Mitteilung im Pressedienst des [[Reichsbund für Leibesübungen|Reichsbundes für Leibesübungen]] vom 8.&amp;amp;nbsp;Oktober dient nur zur Information.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Anweisung&amp;quot;&amp;gt;Presseanweisung ZSg. 102/12/298/(1) vom 12.&amp;amp;nbsp;Oktober 1938. In: Hans Bohrmann, Gabriele Toepser-Ziegert (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit.&amp;#039;&amp;#039; Band&amp;amp;nbsp;6, Teile&amp;amp;nbsp;1–3. Saur, München 1999, S.&amp;amp;nbsp;957.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In dieser Mitteilung, erschienen im Fachblatt &amp;#039;&amp;#039;[[Der Leichtathlet]]&amp;#039;&amp;#039;, war kurz bekannt gegeben worden, dass Ratjen aus medizinischen Gründen nicht mehr zu Frauenwettkämpfen zugelassen sei.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Spiegel.38/2009&amp;quot;&amp;gt;{{Der Spiegel |ID=66886636 |Autor=Stefan Berg |Titel=Die wahre Dora |Jahr=2009 |Nr=38 |Seiten=150–154}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ratjen wurden der Meistertitel und vier Weltrekorde aberkannt, neue Europameisterin wurde die Olympiasiegerin [[Ibolya Csák]]. Das &amp;#039;&amp;#039;Reichsfachamt Leichtathletik&amp;#039;&amp;#039; (Vorläufer des [[Deutscher Leichtathletik-Verband|Deutschen Leichtathletik-Verbandes]]) entzog Ratjen das Startrecht bei internationalen Wettbewerben. Die Begründung lautete offiziell „Verstoß gegen das Amateurstatut“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ratjens Vater wehrte sich zunächst gegen die Tatsache, dass „Dora“ ein Mann war. Er lehnte anfangs eine Namensänderung ab und erklärte, „dass Dora unter keinen Umständen Männerkleidung tragen dürfe&amp;amp;nbsp;[…] Er dulde auf keinen Fall, dass Dora einen männlichen Beruf ergreife“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Ermittlungsakten&amp;quot; /&amp;gt; Am 11.&amp;amp;nbsp;Januar 1939 wurde das Geschlecht Ratjens in den amtlichen Urkunden und der Vorname in &amp;#039;&amp;#039;Heinrich&amp;#039;&amp;#039; geändert. Am 10.&amp;amp;nbsp;März 1939 wurde das Ermittlungsverfahren gegen Ratjen von der Staatsanwaltschaft Magdeburg eingestellt: „Der Tatbestand des Betruges entfällt, weil die Absicht, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen, nicht festgestellt werden kann.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Ermittlungsakten&amp;quot; /&amp;gt; 1939 erhielt Ratjen ein neues „Arbeitsbuch, eine Invalidenkarte und ein Mitgliedsbuch der [[Deutsche Arbeitsfront|Deutschen Arbeitsfront]]“. Um ihn von seiner Familie zu trennen, wurde Ratjen am 1.&amp;amp;nbsp;Oktober 1939 nach [[Hannover]] zum [[Reichsarbeitsdienst]] vermittelt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bahro/Braun&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] nahm Ratjen nach eigenen Angaben als Soldat teil.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Haase&amp;quot;&amp;gt;Jana Haase: [https://www.pnn.de/potsdam/von-jana-haase-ende-eines-lebenstraums/22224380.html &amp;#039;&amp;#039;Ende eines Lebenstraums.&amp;#039;&amp;#039;] Der Film „Berlin ’36“ erzählt vom Schicksal einer jüdischen Sportlerin und dem Geheimnis ihrer Konkurrentin. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Potsdamer Neueste Nachrichten]].&amp;#039;&amp;#039; 15.&amp;amp;nbsp;August 2009, abgerufen am 27.&amp;amp;nbsp;Juni 2019.&amp;lt;/ref&amp;gt; Später führte er die von seinen Eltern übernommene Gastwirtschaft in Bremen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rezeption ==&lt;br /&gt;
Verwirrung über Leben und Rolle der Dora Ratjen entstand vor allem durch einen Artikel des US-amerikanischen &amp;#039;&amp;#039;[[Time Magazine]],&amp;#039;&amp;#039; das 1966 berichtete: „Neunzehn Jahre später tauchte Dora als Hermann [sic!] auf, ein Kellner in Bremen, der tränenreich gestand, dass er von den [[Nationalsozialisten|Nazis]] gezwungen wurde, sich als Frau auszugeben‚ für den Ruhm und die Ehre Deutschlands‘. Hermann seufzte: ‚Für drei Jahre lebte ich das Leben eines Mädchens. Es war stumpf‘.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,836386,00.html |titel=Preserving la Difference |werk=Time Magazine |datum=1966-09-16 |sprache=en |archiv-url=https://web.archive.org/web/20080612003903/http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,836386,00.html |archiv-datum=2008-06-12 |offline=1 |abruf=2019-06-27}}&amp;lt;/ref&amp;gt; 2009 schrieb &amp;#039;&amp;#039;[[Der Spiegel]]&amp;#039;&amp;#039; dazu: „Ob ‚Time‘ mit Ratjen gesprochen hat, ist unklar. Die Angaben zu seiner Person in dem Beitrag sind spärlich und unpräzise&amp;amp;nbsp;[…] Diese Darstellung wird von da an weiter [[Kolportage|kolportiert]]“, so beispielsweise 1967 von &amp;#039;&amp;#039;Der Spiegel&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Der Spiegel |ID=46209469 |Titel=Eine Viecherei |Jahr=1967 |Nr=47 |Seiten=113}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und gelangte schließlich auch in die Sportliteratur.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OReilly&amp;quot;&amp;gt;Jean O’Reilly, Susan K. Cahn (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Women and Sports in the United States.&amp;#039;&amp;#039; University Press of New England, Lebanon NH 2007, S. 105. Scott Plous: &amp;#039;&amp;#039;Understanding Prejudice and Discrimination.&amp;#039;&amp;#039; McGraw-Hill, New York 2003, S. 419. Marjorie P. K. Weiser, Jean S. Arbeiter: &amp;#039;&amp;#039;Womanlist.&amp;#039;&amp;#039; Atheneum, New York 1981, S. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Motiv des von den Nationalsozialisten instrumentalisierten Ratjen nimmt auch der Kinofilm &amp;#039;&amp;#039;[[Berlin&amp;amp;nbsp;36]]&amp;#039;&amp;#039; aus dem Jahr 2009 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die am Start bei den Olympischen Spielen gehinderte [[Gretel Bergmann]], die in der Folge Interviews gab, war der Überzeugung, dass es sich um einen Verschwörungsplan handelte, allerdings stammen ihre Informationen nach eigener Aussage ebenfalls aus Zeitungsartikeln aus den 1960er Jahren. Vor diesem Zeitpunkt bestanden von ihrer Seite&amp;lt;ref&amp;gt;Gretel Bergmann: &amp;#039;&amp;#039;Ich war die große jüdische Hoffnung.&amp;#039;&amp;#039; Braun, Karlsruhe 2003, S. 109. Klaus Brinkbäumer: [https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/zehn-wahrheiten-von-gretel-bergmann-ich-wollte-zeigen-dass-ein-juedisches-maedchen-die-deutschen-besiegen-kann-a-644842.html &amp;#039;&amp;#039;Ich wollte zeigen, dass ein jüdisches Mädchen die Deutschen besiegen kann.&amp;#039;&amp;#039;] (Interview mit Gretel Bergmann). In: &amp;#039;&amp;#039;[[Spiegel Online]].&amp;#039;&amp;#039; 25. August 2009, abgerufen am 18. September 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; und bei ihrer Teamkollegin Elfriede Kaun keinerlei Verdacht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Winfried Joch]]: &amp;#039;&amp;#039;ORF-Interview: 70 Jahre danach: Die Olympischen Spiele in Berlin in den Augen einer Zeitzeugin – Ein Gespräch mit Elfriede Kaun.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Olympisches Feuer (Zeitschrift)|Olympisches Feuer]]. Zeitschrift des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Deutschen Olympischen Gesellschaft.&amp;#039;&amp;#039; 5/2006, S. 48–51 ({{Webarchiv |url=http://www.dosb.de/fileadmin/olympia/downloads/pdf/LOWOF5-2006_neu.pdf |text=dosb.de [PDF; 5,3&amp;amp;nbsp;MB] |wayback=20100215064608}}).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im überlieferten Aktenmaterial der Reichssportführung, Polizeibehörden und Gerichte findet sich kein Beleg für eine solche Intrige.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Spiegel.38/2009&amp;quot; /&amp;gt; Auch in einem Bericht der [[Hauptamt Sicherheitspolizei|Sicherheitspolizei]] an Staatssekretär [[Hans Heinrich Lammers]] in der [[Reichskanzlei]], unterschrieben von [[Reinhard Heydrich]], findet sich lediglich eine weitgehend objektive Schilderung des Sachverhalts.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Leichtathletin Dora Ratjen.&amp;#039;&amp;#039; (Bericht des Chefs der Sipo) 1938. [[Bundesarchiv (Deutschland)|Bundesarchiv]] R 43 II 728.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für operative oder hormonelle Behandlungen gibt es trotz mehrfacher Erwähnung in Pressemeldungen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Der Spiegel |ID=21977519 |Titel=Die Tschudina kam |Jahr=1952 |Nr=30 |Seiten=22}} {{Der Spiegel |ID=46414180 |Titel=Mit Bärtchen |Jahr=1966 |Nr=37 |Seiten=85}}&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenfalls keinen amtlichen Beleg. Die Geschichte Heinrich/Dora Ratjens wird im Roman „Der Mann, der die Frauen-Europameisterschaft gewann“ von Petr Manteuffel thematisiert. Hier geht es hauptsächlich um die &amp;#039;Entlarvung&amp;#039; und die nachfolgenden Verfahren durch die nationalsozialistische Justiz und Medizin.&amp;lt;ref&amp;gt;Klak-Verlag Berlin 2023, ISBN 978-3-948156-72-5&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Verfilmung&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Berlin 36]].&amp;#039;&amp;#039; Filmdrama von [[Kaspar Heidelbach]], Deutschland 2009; Darsteller von Dora Ratjen (im Film &amp;#039;&amp;#039;Marie Ketteler&amp;#039;&amp;#039; genannt) ist [[Sebastian Urzendowsky]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wissenschaftliche Aufarbeitungen ==&lt;br /&gt;
Fundierte wissenschaftliche Arbeiten über Ratjen sind rar gesät. Dennis Krämer versteht die Behandlung Ratjens in der [[Zeit des Nationalsozialismus]] als paradigmatisches Zeitzeugnis, wie unter den Bedingungen eines autoritären Staats mit Menschen mit Geschlechtervariationen umgegangen wurde, indem diese durch systematische Pathologisierung, Tabuisierung und Kriminalisierung in der Öffentlichkeit unsichtbar gemacht wurden. Als Belege führt Krämer in der Causa Ratjen unter anderem ein am 22.&amp;amp;nbsp;September 1938 formuliertes ärztliches Attest,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Attest&amp;quot; /&amp;gt; ein Berichterstattungsverbot des Reichsbundes für Leibesübungen vom 12.&amp;amp;nbsp;Oktober 1938&amp;lt;ref name=&amp;quot;Anweisung&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Spiegel.38/2009&amp;quot; /&amp;gt; sowie die juristisch besiegelte Klassifikation im oppositionellen anderen Geschlecht im Jahr 1939 an, in deren Folge „Dora Ratjen“ in „Heinrich Ratjen“ (nach dem Vater) umbenannt wurde. Krämer argumentiert, dass es sich bei Ratjen nicht um einen Mann in Frauenkleidern, wie nach der Festnahme festgestellt wurde, sondern um eine intersexuelle Person handelte, die sich im Rahmen der medizinischen Untersuchung selbst als „Zwitter“ outete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
|Text=In Abgrenzung hierzu wurde der intersexuelle Körper somit nicht nur als ein biologischer ‚Widerspruch‘ verhandelt, sondern ferner als eine ‚Antipode des Politischen‘, die politische Ordnung jener Zeit unterwandernden Geschlechtskörper markiert und so diskursiv ‚unsichtbar‘ gemacht. In diesem Sinne lässt sich das Eingreifen im Falle Ratjens als exemplarischer Beleg dafür begreifen, wie eine repressive Staatsform einen autoritären Gesellschaftskörper über den Zugriff auf einen einzelnen Geschlechtskörper sicherstellte und so Ordnungssysteme in gesellschaftlichen Teilbereichen wie dem Sport oder den öffentlichen Raum stabilisierte.&lt;br /&gt;
|Autor=Dennis Krämer&lt;br /&gt;
|ref=&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Dennis Krämer |Titel=Intersexualität im Sport: Mediale und medizinische Körperpolitiken |Verlag=Transcript |Ort=Bielefeld |Datum=2020 |ISBN=978-3-8376-5035-8 |Seiten=190}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Stanisława Walasiewicz|Stella Walsh]] (Stanisława Walasiewicz)&lt;br /&gt;
* [[Imane Khelif]]&lt;br /&gt;
* [[Geschlechterunterschiede im Sport#Intersexualität beim Sport|Intergeschlechtlichkeit beim Sport]] (Geschlechterunterschiede)&lt;br /&gt;
* [[Geschlechtsüberprüfung beim Sport]] (medizinische und genetische Tests bei Sportwettkämpfen)&lt;br /&gt;
* [[Liste intergeschlechtlicher Sportler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Berno Bahro, Jutta Braun: &amp;#039;&amp;#039;Berlin ’36: Die unglaubliche Geschichte einer jüdischen Sportlerin im „Dritten Reich“.&amp;#039;&amp;#039; VBB, Berlin 2009, ISBN 978-3-86650-037-2.&lt;br /&gt;
* Dennis Krämer: &amp;#039;&amp;#039;Intersexualität im Sport: Mediale und medizinische Körperpolitiken.&amp;#039;&amp;#039; Transcript, Bielefeld 2020, ISBN 978-3-8376-5035-8, S. 99–192: &amp;#039;&amp;#039;Dora Ratjen&amp;#039;&amp;#039; (Doktorarbeit Universität Hamburg 2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Dora Ratjen}}&lt;br /&gt;
* {{Olympedia|70083}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=139044078|LCCN=no/2010/394|VIAF=95639152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Ratjen, Dora}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hochspringer (Deutschland)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Olympiateilnehmer (Deutschland)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1936]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Leichtathlet (Bremen)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1918]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 2008]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Intergeschlechtliche Person]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Ratjen, Heinrich&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Ratjen, Dora (Geburtsname, Sportlername); Ratjen, Heinz; Ratjen, Hermann&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Leichtathlet&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=20. November 1918&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Erichshof]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=22. April 2008&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Bremen]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>imported&gt;Leuni</name></author>
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