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	<title>Hans Nachtsheim - Versionsgeschichte</title>
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		<title>imported&gt;Crazy1880: linkfix, Commonscat mit Helferlein hinzugefügt</title>
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		<updated>2026-03-21T13:01:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;linkfix, Commonscat mit &lt;a href=&quot;/index.php?title=Benutzer:Wurgl/8Schwestern&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1&quot; class=&quot;new&quot; title=&quot;Benutzer:Wurgl/8Schwestern (Seite nicht vorhanden)&quot;&gt;Helferlein&lt;/a&gt; hinzugefügt&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Hans-Nachtsheim.png|mini|Hans Nachtsheim (1890–1979)]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Hans Nachtsheim&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[13. Juni]] [[1890]] in [[Koblenz]]; † [[24. November]] [[1979]] in [[Boppard]]) war ein deutscher [[Zoologe]] und [[Genetiker]]. Er war als Professor für Genetik vor dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] an Berliner Universitäten und am [[Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik|Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie]] tätig sowie nach dem Krieg bis [[1948]] an der [[Humboldt-Universität zu Berlin|Berliner Universität]], dann an der [[Freie Universität Berlin|FU Berlin]] und in der [[Max-Planck-Gesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werdegang ==&lt;br /&gt;
=== Studium und Beginn der wissenschaftlichen Arbeit ===&lt;br /&gt;
Nachtsheim studierte noch vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] Zoologie. Im Krieg war er als militärischer Zensor tätig. Nach einer Assistenzzeit an Zoologischen Instituten in Freiburg und München wurde er 1919 Privatdozent und 1921 außerordentlicher Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlins. 1921 wurde er Abteilungsleiter am Institut für Vererbungsforschung, einer Forschungseinrichtung der [[Landwirtschaftliche Hochschule Berlin|Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin]]. 1923 wurde er dort außerplanmäßiger Professor. Von 1924 bis 1933 leitete er den &amp;#039;&amp;#039;Reichsbund der deutschen Kaninchenzüchter&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Klee427&amp;quot;&amp;gt;[[Ernst Klee]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; 2., aktualisierte Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 427.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von 1925 bis 1927 war er Rockefeller-Stipendiat an der [[Columbia University|Colombia University]] bei [[Thomas Hunt Morgan]]. 1926 nahm er als anerkannter Säugetierforscher an der Gründerversammlung der [[Deutsche Gesellschaft für Säugetierkunde]] (DGS) in Berlin teil und wurde später deren Präsident (1951–1956). Er forschte seit 1934 über Erbkrankheiten kleiner Säugetiere und organisierte mit Unterstützung der [[Deutsche Forschungsgemeinschaft|Deutschen Forschungsgemeinschaft]] den Aufbau zentraler Züchtungsinstitutionen. Die Kaninchen für seine Experimente wurden unter anderem von Häftlingen aus dem Gefängnis Sonnenburg bei [[Kostrzyn nad Odrą|Küstrin]] aufgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschäftigung am Kaiser-Wilhelm-Institut und aktive Beteiligung an Menschenversuchen ===&lt;br /&gt;
Von 1941 bis 1945 war Nachtsheim Leiter der Abteilung für experimentelle Erbpathologie am [[Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik]] (KWI-A), dessen kommissarischer Direktor er 1943 wurde. Zu seinen Mitarbeitern gehörte dort die an „Zigeuneraugen aus dem Lager Auschwitz“ arbeitende Biologin [[Karin Magnussen]]. Ab 1943 erfolgte eine Zusammenarbeit Nachtsheims mit dem mit ihm befreundeten Pathologen und als Oberarzt bei [[Berthold Ostertag]] tätigen [[Hans Klein (Mediziner)|Hans Klein]] bei der Erforschung der angeborenen Wassersucht bei Neugeborenen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Ernst Klee]]: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 118 und 362.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1944 wurde er wissenschaftliches Mitglied der [[Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften|Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft]] (später [[Max-Planck-Gesellschaft]]).&amp;lt;ref name=&amp;quot;nachruf-blut&amp;quot;&amp;gt;[[Gerhard Ruhenstroth-Bauer]]: &amp;#039;&amp;#039;Hans Nachtsheim †.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Blut.&amp;#039;&amp;#039; Band 40, 1980, S. 105–106.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachtsheim führte 1944 im Auftrag des [[Reichsforschungsrat]]s Untersuchungen zur „vergleichenden und experimentellen Erbpathologie“ durch,&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.gepris-historisch.dfg.de/person/5108527 |titel=Prof. Dr. Hans Nachtsheim bei GEPRIS Historisch |hrsg=Deutsche Forschungsgemeinschaft |sprache=de |abruf=2021-06-22}}&amp;lt;/ref&amp;gt; wobei es zunächst um die Prüfung des Einflusses von Unterdruck bzw. Sauerstoffmangel auf die Auslösung eines [[Epilepsie|epileptischen]] Anfalls bei epileptischen und nicht-epileptischen Kaninchen ging. Er „[b]enutzte 1943 sechs epilepsiekranke Kinder aus der vom [[Kinder-Euthanasie|Reichsausschuß-Gutachter]] [[Hans Heinze]] geleiteten Provinzial Heil- und Pflegeanstalt [[Görden|Brandenburg-Görden]] für ein Unterdruck-Experiment“.&amp;lt;ref&amp;gt;H.-W. Schmuhl (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Rassenforschung an Kaiser-Wilhelm-Instituten vor und nach 1933.&amp;#039;&amp;#039; Wallstein Verlag, Göttingen 2003, S. 336 und G. Koch: &amp;#039;&amp;#039;Humangenetik und Neuropsychiatrie in meiner Zeit (1932–1978).&amp;#039;&amp;#039; 1993, S. 124ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er hatte mittelbar Verbindung zu [[Menschenversuch]]en im Bereich der Tuberkuloseforschung und zu Forschungen an Augen von in [[KZ Auschwitz-Birkenau|Auschwitz]] ermordeten Menschen, an denen seine Mitarbeiterin Karin Magnussen maßgeblich beteiligt war.&amp;lt;ref&amp;gt;P. Weindling: &amp;#039;&amp;#039;Genetik und Menschenversuche in Deutschland, 1940–1950. Hans Nachtsheim, die Kaninchen von Dahlem und die Kinder vom Bullenhuser Damm.&amp;#039;&amp;#039; 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Die Forschungen an den aus dem KZ Auschwitz übersandten menschlichen Augen führte am KWI-A [[Karin Magnussen]] durch. Alexander von Schwerin ‹2004› verneint eine Beteiligung Nachtsheims an solchen Forschungen, schreibt jedoch: „&amp;#039;&amp;#039;Doch er war nah dran, und er muss von vielem auch gewusst haben.&amp;#039;&amp;#039;“. Vgl. [[Richard Friebe]]: &amp;#039;&amp;#039;Glanz und Erbgesundheit. Ein Genetiker als oberster Kaninchenzüchter der Nation.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.&amp;#039;&amp;#039; 15. Juli 2012, S. 55.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch Ernst Klee: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 348–394 (&amp;#039;&amp;#039;Augen aus Auschwitz. Zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft&amp;#039;&amp;#039;), insbesondere S. 362 und 372–374.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Tätigkeiten nach 1945 ===&lt;br /&gt;
Als eines von zwei Mitgliedern des KWI-A, die „mit Sicherheit keine Verbindung zur [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|NSDAP]]“&amp;lt;ref&amp;gt;[[Peter Weingart|P. Weingart]], J. Kroll, [[Kurt Bayertz|K. Bayertz]]: &amp;#039;&amp;#039;Rasse, Blut und Gene. Geschichte der Eugenik in Deutschland.&amp;#039;&amp;#039; 1992, S. 418.&amp;lt;/ref&amp;gt; hatten, konnte Hans Nachtsheim, der von sich im März 1946 behauptete, ein „scharfer Gegner“ des Nationalsozialismus gewesen zu sein und die Rassenpolitik abgelehnt zu haben, eine wichtige Figur im Aufbau der Genetik in der Bundesrepublik werden. Im Jahr 1947 war er als Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft im Westen und Direktor des Instituts für vergleichende Erbbiologie und Erbpathologie der Deutschen Akademie der Wissenschaften im Ostteil Berlins verzeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernst Klee: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 255.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von 1946 bis 1949 war er Professor für Genetik und Direktor des Instituts für Genetik der [[Humboldt-Universität zu Berlin|Humboldt-Universität]] Berlin. Er gab diese Stellung 1948 auf wegen schwerer wissenschaftlicher Differenzen, die sich zu den im [[Ostblock]] favorisierten Theorien [[Trofim Denissowitsch Lyssenko|Lyssenkos]] ergaben. Lyssenko vertrat in der Genetik die Theorie der direkten Vererbung erworbener Eigenschaften, die inzwischen als widerlegt gilt, seinerzeit aber von [[Stalin]] unterstützt wurde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nachruf-blut&amp;quot; /&amp;gt; 1949 wurde Nachtsheim auf einen Lehrstuhl für Allgemeine Biologie an der FU-Berlin berufen und gehörte dort zu den Gründern des Instituts für Genetik, das er bis zu seiner Emeritierung als Professor 1955 leitete. Gleichzeitig war er in Berlin-Dahlem von 1953 bis 1960 Direktor des [[Max-Planck-Institut für vergleichende Erbbiologie und Erbpathologie|Instituts für vergleichende Erbbiologie und Erbpathologie]], das nach dem Krieg aus Nachtsheims Abteilung am KWI-A hervorgegangen war und 1953 der [[Max-Planck-Gesellschaft]] angegliedert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernst Klee: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; 2001, S. 255.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Hans-Walter Schmuhl (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Rassenforschung an Kaiser-Wilhelm-Instituten vor und nach 1933&amp;#039;&amp;#039;. Wallstein Verlag, Göttingen 2003, S. 336.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nachruf-blut&amp;quot; /&amp;gt; Da im [[Nürnberger Ärzteprozess]] die luftfahrtmedizinische Forschung (und damit auch die Unterdruckversuche, an denen Nachtsheim beteiligt war) einer genauen Prüfung und auch der Verurteilung entging, wurde Nachtsheim nie für seine Forschungstätigkeit in der [[Zeit des Nationalsozialismus]] zur Rechenschaft gezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Nachtsheims Schülern gehörten die Humangenetiker [[Friedrich Vogel (Mediziner)|Friedrich Vogel]] und [[Georg Gerhard Wendt]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Positionierung zur praktischen Eugenik ===&lt;br /&gt;
Dass die [[Nationalsozialistische Rassenhygiene|Rassenhygiene]], wie sie in der [[Zeit des Nationalsozialismus]] betrieben wurde, nach dem Krieg keine anerkannte Wissenschaft mehr war, ist naheliegend – eugenische Vorstellungen aber blieben weiter bestehen. So entbrannte in den fünfziger Jahren erneut eine Debatte um die [[Sterilisation]]. [[Zwangssterilisation]]en waren nun nicht mehr vertretbar, aber Juristen und Ärzte diskutierten, ob nicht freiwillige Sterilisationen rechtmäßig sein könnten. Nachtsheim, der ursprünglich Zoologe und zur Zeit seiner Tätigkeit am KWI-A kein [[Eugenik]]er war, mischte sich als einziger Genetiker in die Debatte ein, zu einem Zeitpunkt, als die Eugenik eigentlich schon durch eine anders ausgerichtete [[Humangenetik]] abgelöst wurde. Noch 1961 im Wiedergutmachungsausschuss des Bundestags und 1962 in den &amp;#039;&amp;#039;Ärztlichen Mitteilungen&amp;#039;&amp;#039; rechtfertigte er das &amp;#039;&amp;#039;[[Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses]]&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Ernst Klee]]: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 374.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachtsheim sprach davon, dass eine „Pflicht zur praktischen Eugenik“&amp;lt;ref&amp;gt;H. Nachtsheim: &amp;#039;&amp;#039;Unsere Pflicht zur praktischen Eugenik.&amp;#039;&amp;#039; 1963, S. 277.&amp;lt;/ref&amp;gt; bestehe und dass „das Grundübel, das geschädigte Erbgut“,&amp;lt;ref&amp;gt;H. Nachtsheim: &amp;#039;&amp;#039;Unsere Pflicht zur praktischen Eugenik.&amp;#039;&amp;#039; 1963, S. 278.&amp;lt;/ref&amp;gt; bekämpft werden müsse. Durch die Therapie von Erbkrankheiten entgingen kranke Gene der „Ausmerze“&amp;lt;ref&amp;gt;H. Nachtsheim: &amp;#039;&amp;#039;Kampf den Erbkrankheiten.&amp;#039;&amp;#039; 1966, S. 92.&amp;lt;/ref&amp;gt; und „die Ausbreitung des Gens nimmt zu, je mehr die Erfolge der Therapie fortschreiten“.&amp;lt;ref&amp;gt;H. Nachtsheim: &amp;#039;&amp;#039;Kampf den Erbkrankheiten.&amp;#039;&amp;#039; 1966, S. 93.&amp;lt;/ref&amp;gt; Betroffene und Anlageträger sollen solchermaßen aufgeklärt auf Kinder verzichten und sich freiwillig sterilisieren lassen. Zu Nachtheims Leidwesen sei eine „Sterilisation aus eugenischer Indikation“&amp;lt;ref&amp;gt;H. Nachtsheim: &amp;#039;&amp;#039;Kampf den Erbkrankheiten.&amp;#039;&amp;#039; 1966, S. 99.&amp;lt;/ref&amp;gt; in Deutschland nicht zulässig, obwohl es doch „Aufgabe und Pflicht des Staates und seiner Gesellschaft“ sei, „den Bürgern die Wege zu einer erfolgreichen Erbgesundheitspflege zu ebnen“.&amp;lt;ref&amp;gt;H. Nachtsheim: &amp;#039;&amp;#039;Kampf den Erbkrankheiten.&amp;#039;&amp;#039; 1966, S. 112.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weiteres Engagement ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Grabstätte Hans Nachtsheim.jpg|mini|hochkant|Grabstätte (Feld 004-704)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit engagierte sich der in West-Berlin lebende Nachtsheim auch im [[Kongress für kulturelle Freiheit]], einer internationalen Organisation, die von der amerikanischen Regierung unterstützt wurde, um über Intellektuelle und Wissenschaftler pro-westliche und antikommunistische Einstellungen zu stärken. Insbesondere betonte der Kongress die Notwendigkeit der Freiheit der Wissenschaft von der Steuerung durch totalitäre Ideologien und Mächte. Hans Nachtsheim war an der Gründung des Kongresses 1950 in Berlin und an dessen Publikationen beteiligt.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Kongress für die Freiheit der Kultur: &amp;#039;&amp;#039;Wissenschaft und Freiheit. Internationale Tagung Hamburg, 23.–26. Juli 1953. Veranstaltet vom Kongress für die Freiheit der Kultur und der Universität Hamburg.&amp;#039;&amp;#039; Grunewald-Verlag, Berlin 1954.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Publikation des Kongresses sprach Nachtsheim von der „Vernichtung der Genetik in Rußland durch [[Trofim Denissowitsch Lyssenko|Lyssenko]] und seine Helfershelfer“ und bezeichnete Lyssenkos Theorien als ähnlich absurd wie die Rassetheorien des Nationalsozialismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Nachtsheim: &amp;#039;&amp;#039;Die neueste Entwicklung der sowjetischen Genetik.&amp;#039;&amp;#039; In: Der Kongress für die Freiheit der Kultur: &amp;#039;&amp;#039;Wissenschaft und Freiheit. Internationale Tagung Hamburg, 23.-26. Juli 1953. Veranstaltet vom Kongress für die Freiheit der Kultur und der Universität Hamburg.&amp;#039;&amp;#039; Grunewald-Verlag, Berlin 1954, S. 235.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachtsheims [[Emeritierung]] als Professor erfolgte 1955, im Jahr darauf wurde er Mitglied der [[Bundesgesundheitsrat|Bundesgesundheitskonferenz]]. In dieser Rolle wurde er im [[Contergan-Skandal]] Gegenspieler von [[Franz Büchner (Mediziner)|Franz Büchner]]. Im Gegensatz zu diesem betonte er vor allem die Ursachen, die in den Erbanlagen zu finden seien, und bestritt insofern die auslösende Wirkung des Medikaments Contergan für [[Fehlbildung]]en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war einer der drei Gründer der seit 1955 bestehenden internationalen Zeitschrift &amp;#039;&amp;#039;Blut&amp;#039;&amp;#039; für klinische und experimentelle Hämatologie.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nachruf-blut&amp;quot; /&amp;gt; Ab 1958 war [[Gerhard Ruhenstroth-Bauer]] Mitherausgeber (Ruhenstroht-Bauer, der im September 1943 mit Nachtsheim epileptische Kinder für Versuche in der Unterdruckkammer herangezogen habe, hat um 1981 – wie eine Tochter von Nachtsheim und wie [[Adolf Butenandt]], der Direktor der [[Max-Planck-Gesellschaft]] – mit einer Klage gegen [[Benno Müller-Hill]] gedroht, wenn dessen Buch mit Angaben zur Geschichte der DFG erscheine.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Ernst Klee]]: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 372–374.&amp;lt;/ref&amp;gt;). Der Nachruf der Zeitschrift &amp;#039;&amp;#039;Blut&amp;#039;&amp;#039; würdigt Nachtsheims besonderen persönlichen Mut bei der Vertretung seiner Positionen bei wissenschaftspolitischen Problemen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im August 1956 war Nachtsheim Teilnehmer des in Kopenhagen stattgefundenen Ersten Internationalen Kongresses für Humangenetik, bei dem Strahlenschädigungen der Erbanlagen ein Schwerpunkt waren. Der Kongress forderte die Regierungen auf, humangenetischen Forschung umfassend zu fördern, um Atomenergie ohne Zunahme gesundheitsbedrohender Mutationen nutzen zu können. Nachtsheim erhielt vom Atomministerium 243.000 Mark, wobei der Hauptprofiteur der Atomgelder der ehemalige Rassenhygieniker [[Otmar von Verschuer]] war, der ein Pilotprojekt erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernst Klee: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 268–269 und 271–272.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juni 1970 ehrte die [[FU Berlin]] Nachtsheim, den die Berliner Vertretung des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit als „Vererbungswissenschaftler von hohem Rang“ bezeichnete, anlässlich seines 80. Geburtstags mit einer Feier und Festvorträgen im großen Hörsaal des Instituts für Genetik. Sein Nachfolger als Direktor des Instituts für Genetik an der FU sowie als Direktor des Max-Planck-Instituts für vergleichende Erbbiologie und Erbpathologie wurde der auch die Geburtstags-Laudatio haltende [[Herbert Lüers]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Ernst Klee]]: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 273–274.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans Nachtsheim starb 1979 im Alter von 89&amp;amp;nbsp;Jahren in Boppard. Sein Grab befindet sich auf dem [[Waldfriedhof Dahlem]] in Berlin.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans-Jürgen Mende: &amp;#039;&amp;#039;Lexikon Berliner Begräbnisstätten&amp;#039;&amp;#039;. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S.&amp;amp;nbsp;585.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrungen ==&lt;br /&gt;
Nachtsheim war Träger des [[Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland|Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Klee427&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schriften (Auswahl) ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Vom Wildtier zum Haustier.&amp;#039;&amp;#039; Metzner, Berlin 1936. zuletzt: (mit Hans Stengel) &amp;#039;&amp;#039;Vom Wildtier zum Haustier&amp;#039;&amp;#039;, 3., neubearbeitete Auflage, Berlin, Hamburg : Parey 1977, ISBN 978-3-489-60636-9.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Für und wider die Sterilisierung aus eugenischer Indikation.&amp;#039;&amp;#039; Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1952.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Unsere Pflicht zur praktischen Eugenik.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Bundesgesundheitsblatt.&amp;#039;&amp;#039; 6, 1963, S. 277–286.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Kampf den Erbkrankheiten.&amp;#039;&amp;#039; Franz Decker Verlag Nachf., Schmiden bei Stuttgart 1966.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Ute Deichmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Hans Nachtsheim, a Human Geneticist under National Socialism and the Question of Freedom of Science.&amp;#039;&amp;#039; In: Michael Fortun, Everett Mendelsohn (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Practices of Human Genetics.&amp;#039;&amp;#039; Dordrecht 1999, S. 143–153.&lt;br /&gt;
* {{NDB|18|684|686|Nachtsheim, Hans|Michael Engel|118785559}}&lt;br /&gt;
* [[Ernst Klee]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945.&amp;#039;&amp;#039; Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.&lt;br /&gt;
* G. Koch: &amp;#039;&amp;#039;Humangenetik und Neuropsychiatrie in meiner Zeit (1932–1978). Jahre der Entscheidung.&amp;#039;&amp;#039; Verlag Palm und Enke, Erlangen/Jena 1993.&lt;br /&gt;
* [[Gerhard Ruhenstroth-Bauer]]: &amp;#039;&amp;#039;Hans Nachtsheim †.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Blut.&amp;#039;&amp;#039; Band 40, 1980, S. 105–106.&lt;br /&gt;
* [[Hans-Walter Schmuhl]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Rassenforschung an Kaiser-Wilhelm-Instituten vor und nach 1933.&amp;#039;&amp;#039; Wallstein Verlag, Göttingen 2003.&lt;br /&gt;
* Alexander von Schwerin: &amp;#039;&amp;#039;Experimentalisierung des Menschen: Der Genetiker Hans Nachtsheim und die vergleichende Erbpathologie 1920–1945.&amp;#039;&amp;#039; Wallstein, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-773-X.&lt;br /&gt;
* Paul Weindling: &amp;#039;&amp;#039;Genetik und Menschenversuche in Deutschland, 1940–1950. Hans Nachtsheim, die Kaninchen von Dahlem und die Kinder vom Bullenhuser Damm.&amp;#039;&amp;#039; In: H.-W. Schmuhl (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Rassenforschung an Kaiser-Wilhelm-Instituten vor und nach 1933.&amp;#039;&amp;#039; Wallstein Verlag, Göttingen 2003, S. 245–274.&lt;br /&gt;
* [[Peter Weingart]], Jürgen Kroll, [[Kurt Bayertz]]: &amp;#039;&amp;#039;Rasse, Blut und Gene. Geschichte der Eugenik in Deutschland.&amp;#039;&amp;#039; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-518-28622-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|118785559}}&lt;br /&gt;
* Forschungsprogramm „Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus“ [https://www.mpiwg-berlin.mpg.de/KWG/Ergebnisse/Ergebnisse2.pdf Online-Version (PDF; 161&amp;amp;nbsp;kB)]&lt;br /&gt;
* [https://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/grenzen5.pdf Villinger,] Nachtsheim und Ehrhardt als nationalsozialistische „Fachleute“ lehnen für das Finanzministerium der Bundesrepublik jedwede Entschädigung von Sterilisierten ab. Anhörung April 1961&lt;br /&gt;
* [https://kalliope-verbund.info/DE-611-BF-117224 Nachlass]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118785559|LCCN=no2005044836|VIAF=32286726}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Nachtsheim, Hans}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zoologe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Genetiker]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Humangenetiker]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Medizin (Nationalsozialismus)]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Hochschullehrer (Freie Universität Berlin)]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Geboren 1890]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1979]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Nachtsheim, Hans&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Zoologe und Genetiker&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=13. Juni 1890&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Koblenz]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=24. November 1979&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Boppard]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Crazy1880</name></author>
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