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	<title>Gründerkrach - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Gr%C3%BCnderkrach&amp;diff=1167229&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Polarlys: Verweis korrigiert</title>
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		<updated>2026-04-04T17:40:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Verweis korrigiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Panic of 1873 bank run.jpg|mini|Ein [[Bank Run]] in [[New York City|New York]] im Jahr 1873]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Gründerkrach&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet man den [[Börsenkrach]] des Jahres 1873, wobei im Speziellen der Einbruch der [[Finanzmarkt|Finanzmärkte]] gemeint ist. Dieser Börsenkrach, von dem [[Österreich-Ungarn]] stärker betroffen war als Deutschland, beendete die [[Gründerzeit]] im Sinne einer Phase nicht selten [[Spekulant|spekulativer]] Firmengründungen. Vorausgegangen war eine Überhitzung der Konjunktur, die von verschiedenen Faktoren begünstigt worden war – in Deutschland vor allem durch den gewonnenen [[Deutsch-Französischer Krieg|Krieg]] 1870/1871 gegen [[Zweites Kaiserreich|Frankreich]], die daraus erworbenen [[Reparationszahlung]]en [[Dritte Französische Republik|Frankreichs]] und die [[Deutsche Reichsgründung|Reichsgründung]]. Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Gründerkrach&amp;#039;&amp;#039; wurde bereits im Jahr 1873 verwendet, so etwa am 26. September 1873 in einem Artikel der [[Tageszeitung]] &amp;#039;&amp;#039;[[Das Vaterland]]&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{ANNO|vtl|26|09|1873|1|Politische Übersicht|HERVORHEBUNG=Gründerkrach}} (Im Artikel heißt es: „Die ‚Politik‘ bespricht ‚Blagatinsek’s Glück und Ende‘ und constatirt, daß jetzt mit Schindler, [[Carl Giskra|Giskra]], Skene, [[Eduard Sturm (Politiker, 1830)|Sturm]] und [[Moritz Blagatinschegg von Kaiserfeld|Kaiserfeld]] die fünfte Säule des [[Dezemberverfassung|Decembrismus]] im Gründerkrach fällt.“)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgende Deflationsphase ist als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Gründerkrise&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bekannt. Die Volkswirtschaften der sich [[Industrialisierung|industrialisierenden]] Staaten gingen in eine Phase des verlangsamten [[Wirtschaftswachstum|Wachstums]] und der [[Deflation]] über, die bis in die 1890er Jahre anhielt. Wirtschaftstheoretiker der 1920er Jahre prägten dafür den Begriff „[[Große Depression (1873–1896)|Große Depression]]“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wiener Börsenkrach von 1873 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Euphorie vor der Weltausstellung ===&lt;br /&gt;
Den unmittelbaren Ausgang nahm der Gründerkrach in Österreich-Ungarn mit dem [[Wien]]er Börsenkrach. Obwohl das Ende der Annäherung an den [[Deutscher Zollverein|Deutschen Zollverein]] und die [[Silberwährung|Silberdeckung]] des [[Österreichischer Gulden|Österreichischen Guldens]] die österreichische Wirtschaft belasteten, erholte sich Österreich wirtschaftlich von der Niederlage im [[Deutscher Krieg|Deutschen Krieg]], und schnell wuchs die Wirtschaft wieder, verbunden mit einer großen Fortschrittseuphorie. Diese heizte noch die Planung der [[Weltausstellung 1873|Weltausstellung]] an, die am 1. Mai 1873 in Wien eröffnet wurde. Das Kaiserreich wollte sich sieben Jahre nach der [[Schlacht bei Königgrätz|Niederlage von Königgrätz]] international als fortschrittliches Land mit einer starken Wirtschaft präsentieren, wofür keine Kosten und Mühen gescheut wurden. Die Presse war angehalten, im Vorfeld der Weltausstellung nur positiv zu berichten, und die damalige Politik der Regierung gegenüber den neu gegründeten Banken und Industriebetrieben war sehr liberal (&amp;#039;&amp;#039;[[Laissez-faire]]&amp;#039;&amp;#039;). Nur bei großen Skandalen wurde in die Wirtschaft eingegriffen. So wurde etwa 1872 die [[Lemberg-Czernowitz-Jassy-Eisenbahn|k. k. priv. Lemberg-Czernowitz-Jassy-Eisenbahngesellschaft]] unter staatliche [[Kuratel]] gestellt, nachdem untragbare Mängel Eisenbahnunfälle verursacht hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Spekulationsblase ===&lt;br /&gt;
Aufgrund des vorherrschenden Optimismus, der mit allgemeiner Sorglosigkeit und staatlicher Zurückhaltung bis zum Verzicht auf Regulierung (&amp;#039;&amp;#039;Laissez-faire&amp;#039;&amp;#039;) einherging, entstand eine große Spekulationsblase. In den Monaten vor der Weltausstellung stiegen die Aktienkurse an der [[Wiener Börse]] in astronomische Höhen. Ebenso stiegen die Immobilienpreise in Wien und anderen Städten der [[Habsburgermonarchie]]. Zur Finanzierung von Bauprojekten wurden von den [[Hypothekenbank]]en leichtfertig [[Pfandbrief]]e ausgegeben, denen als Sicherheit oft nur halbfertige Häuser, später gar nur geplante Häuser dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://diepresse.com/home/wirtschaft/finanzkrise/494325/index.do &amp;#039;&amp;#039;Finanzkrise: Genau wie damals beim Gründerkrach.&amp;#039;&amp;#039;] Die Presse, 11. Juli 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aktien konnten damals bereits durch Hinterlegung einer Teilsumme (heute [[Margin]] genannt) gekauft werden, mit erst später erfolgender Zahlung des Restbetrages. Selbst liquiditätsschwache Personen konnten so große Aktienpositionen aufbauen, ausgegangen wurde schließlich von stetig steigenden Kursen. Der später fällige Restkaufpreis sollte aus den erhofften Kursgewinnen beglichen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zufluss von deutschem Kapital heizte die [[Wiener Börse]] weiter an. Die [[Reparationen#Deutsch-Französischer Krieg|französischen Reparationszahlungen]]&amp;lt;ref&amp;gt;nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurden Frankreich im [[Friede von Frankfurt|Friedensvertrag von Frankfurt]] unter anderem Reparationen von fünf Milliarden [[Französischer Franc|Francs]] auferlegt&amp;lt;/ref&amp;gt;  wurden im neu gegründeten [[Deutsches Kaiserreich|Deutschen Reich]] von der Regierung Bismarck hauptsächlich zur Tilgung von Staatsanleihen verwendet. Private Investoren suchten andere (oft risikoreichere) Anlageformen. Der hauptsächlich auf Anleihen konzentrierte [[Börse Frankfurt|Börsenplatz Frankfurt]] verlor damals an Bedeutung, und deutsches Privatkapital floss nach Wien. Dabei waren schon damals die größeren Aktienwerte (heute würde man [[Standardwert]]e sagen) an mehreren Börsen gelistet. Durch die Einführung der [[Telegraphie]] konnten die Kurse und Kauforders zwischen diesen Handelsplätzen rasch übermittelt werden, und so wurden etwa die [[Creditanstalt-Bankverein|k. k. privilegierte Österreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe]], die [[Österreichisch-ungarische Staatseisenbahngesellschaft|k. k. privilegierte österreichische Staatseisenbahn-Gesellschaft]] und die [[Vereinigte Südösterreichische, Lombardische und Central-Italienische Eisenbahngesellschaft]] nicht nur in Wien, sondern auch in [[Berlin]], [[Frankfurt am Main|Frankfurt]] und [[Paris]] gehandelt, letztere auch noch in [[London]].&amp;lt;ref&amp;gt;Markus Baltzer: [https://www.econbiz.de/Record/european-financial-market-integration-in-the-gr%C3%BCnderboom-and-gr%C3%BCnderkrach-evidence-from-european-cross-listings-baltzer-markus/10003286321 &amp;#039;&amp;#039;European financial market integration in the Gründerboom and Gründerkrach. Evidence from European cross-listings&amp;#039;&amp;#039;.] econbiz.de; Österreichische Nationalbank, Working paper 111, Wien 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftsoptimismus dieser Zeit und die Aussicht auf rasche Gewinne vermischten sich zu einem verhängnisvollen Gründungsfieber. Nahezu alle Bereiche der Wirtschaft entfalteten eine rege Gründungstätigkeit. Dies traf auch auf Finanzdienstleistungen zu. Während es im Jahr 1867 beispielsweise in der [[Cisleithanien|österreichischen Reichshälfte]] lediglich elf Aktienbanken (einschließlich der [[Oesterreichische Nationalbank|Nationalbank]]) gab, stieg die Zahl bis Mai 1873 auf 141 an. Bei den sogenannten Maklerbanken handelte es sich zumeist um Spekulations- und Schwindelbanken. [[Eduard März]] nannte sie „ureigenste Kinder der neuen [[Gründerzeit|Gründungsperiode]]“.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Peter Eigner]], Helmut Falschlehner, [[Andreas Resch (Historiker)|Andreas Resch]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der österreichischen Privatbanken.&amp;#039;&amp;#039; Springer-Verlag, 2017, S. 66.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schwarzer Freitag ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Schwarzer Freitag Wien 1873.jpg|mini|Der Schwarze Freitag an der Wiener Börse, 9.&amp;amp;nbsp;Mai 1873]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Mai 1873 eröffnete Kaiser [[Franz Joseph I.]] die Weltausstellung mit dem Satz, Österreich-Ungarn sei „nach allen Richtungen in erfreulichem Aufschwunge begriffen“. Dabei war die Spekulationsblase zu dieser Zeit bereits am Platzen. Kurz zuvor hatte die größte Bank, die [[Creditanstalt-Bankverein|k. k. privilegierte Österreichische Kredit-Anstalt für Handel und Gewerbe]], wegen Gerüchten über eine bevorstehende Börsenpanik in Paris alle Börsendepots gekündigt, ihre Kontokorrentkredite eingeschränkt und Anleihen im Wert von 20 Millionen [[Österreichischer Gulden|Gulden]] verkauft. Dies führte zu fallenden Kursen und Liquiditätsengpässen vor allem bei den Maklerbanken.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.moneymuseum.com/pdf/gestern/01_finanzkrisen/Finanzkrisen%20de.pdf 30 ausgewählte Finanzkrisen, vom 16. Jahrhundert bis heute.] (PDF; 1,0&amp;amp;nbsp;MB) [[MoneyMuseum]], S. 10; abgerufen am 25. Juni 2020.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Morgenstunden des 9. Mai 1873 brach der Damm. Als erster gab [[Adolf Petschek]] seine Zahlungsunfähigkeit bekannt, der als „König der Maklergeschäfte“ galt.&amp;lt;ref&amp;gt;Erwin Christian Lessner: &amp;#039;&amp;#039;The Danube. The Dramatic History of the Great River and the People Touched by Its Flow.&amp;#039;&amp;#039; Doubleday, 1961, S. 466.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [[Insolvenz]] seines Bank- und Kommissionshauses erzwang die zeitweilige Aussetzung des Börsenverkehrs und gab das Signal zum allgemeinen Zusammenbruch.&amp;lt;ref&amp;gt;Siegfried Pressburger: &amp;#039;&amp;#039;Das Österreichische Noteninstitut. 1816–1966.&amp;#039;&amp;#039; Österreichische Nationalbank Wien, 1966, S. 1131.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.oenb.at/Ueber-Uns/unternehmensgeschichte/1818-1878.html &amp;#039;&amp;#039;Die privilegierte oesterreichische National-Bank. „Die Bankakte“ von 1862 und der „Große Krach“ von 1873.&amp;#039;&amp;#039;] Oesterreichische Nationalbank; abgerufen am 22. Juni 2020.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch am gleichen Vormittag wurden 120 weitere [[Bankenpleite|Banken insolvent]].&amp;lt;ref&amp;gt;Claudio Franzetti: &amp;#039;&amp;#039;Investmentbanken. Geschäftsfelder, Akteure und Mechanismen.&amp;#039;&amp;#039; Springer-Verlag, 2018, S. 20 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Um 13&amp;amp;nbsp;Uhr wurde die Börse polizeilich geschlossen. Dieser Tag ging auch als „[[Schwarzer Freitag]]“ in die [[Geschichte Österreichs]] ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausweitung der Krise ==&lt;br /&gt;
Danach setzte eine [[Prolongation]]skrise ein, das heißt, kurzfristige Kredite wurden nicht mehr verlängert, was weitere Anleger zahlungsunfähig machte. Immer mehr Anleger und Bankkunden wurden misstrauisch, verkauften ihre Wertpapiere und „räumten ihre Konten“ aus Angst vor Wertverlusten. Dadurch wurde dem Kapitalmarkt viel Geld entzogen, was die Krise auf immer mehr europäische und [[Vereinigte Staaten|US-amerikanische]] [[Börse]]nplätze ausweitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 19. September 1873 erreichte die Krise New York, wo der Bankrott des vor allem in Eisenbahnen und Immobilien investierenden Bankhauses &amp;#039;&amp;#039;Jay Cooke &amp;amp; Company&amp;#039;&amp;#039; Panik auslöste. Die [[New York Stock Exchange|New Yorker Börse]] wurde daraufhin zum ersten Mal in ihrer Geschichte geschlossen – bis zum 29. September.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1873 war mit dem Zusammenbruch der &amp;#039;&amp;#039;[[Heinrich Quistorp|Quistorp’schen]] Vereinsbank&amp;#039;&amp;#039; auch [[Berlin]] betroffen. In der Folge brachen weitere Börsen-, Aktien- und Spekulationsunternehmen zusammen. Zur gleichen Zeit zahlte Frankreich die letzten Reparationen an das [[Deutsches Kaiserreich|Deutsche Kaiserreich]]. Damit versiegte dieser [[Devisen]]zufluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Österreich-Ungarn verschwand durch den Gründerkrach ein Großteil der Banken und etwa die Hälfte der in den Jahren zuvor gegründeten Aktiengesellschaften.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.s/s454783.htm Schwarzer Freitag.] aeiou-Lexikon.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine [[Wirtschaftskrise]] folgte. Ende 1873 stiegen die Zinsen für Kredite stark an, was besonders Eisenbahngesellschaften in Bedrängnis brachte. In der Industrie ging die Produktion zurück, es kam zu umfangreichen Entlassungen und Lohnkürzungen. Ein allgemeiner Rückgang der Nachfrage, der Kaufkraft, des Konsums, der Investitionen und der Preise ([[Deflation]]) war zu verzeichnen. Der Kurswert von 444 deutschen Aktiengesellschaften sank vom Dezember 1872 bis zum Dezember 1874 um ca. zwei Milliarden [[Mark (1871)|Mark]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Henning&amp;quot;&amp;gt;Friedrich-Wilhelm Henning: &amp;#039;&amp;#039;Handbuch der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands.&amp;#039;&amp;#039; Band 2: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Wirtschafts- und Sozialgeschichte im 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert.&amp;#039;&amp;#039; Schöningh, Paderborn u.&amp;amp;nbsp;a. 1996, ISBN 3-506-73862-3.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Versicherung an Eides statt|Offenbarungseide]], [[Suizid]]e und Familientragödien häuften sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus heutiger Sicht gilt die „Gründerkrise“ als eine [[Stagnation (Wirtschaft)|Stagnation]] und nicht als eine [[Depression (Wirtschaft)|Depression]], weil damals die –&amp;amp;nbsp;in den Jahren zuvor überhöhten&amp;amp;nbsp;– Wachstumsraten ausgeglichen wurden. Auch die gesamte Zeit von ca. 1873–1890 war nicht, wie von vielen Zeitgenossen wahrgenommen, eine große Depression, sondern vielmehr eine Zeit des schwankenden [[Wirtschaftswachstum]]s. Die unmittelbare Krise dauerte in den USA etwa vier Jahre, in den betroffenen europäischen Ländern sechs. Ab 1879 kam es wieder zu leichtem Wirtschaftswachstum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründerjahre und Deflation in Deutschland ==&lt;br /&gt;
Die Zeit ab 1870 war in Deutschland geprägt durch zahlreiche Unternehmensgründungen und insbesondere [[Aktiengesellschaft (Deutschland)#Geschichte|Aktiengesellschaften]], die starke Zunahme der [[Industrieproduktion]] und den Ausbau des [[Geschichte der Eisenbahn in Deutschland#Länderbahnzeit 1871 bis 1920|Eisenbahnnetzes]]. Dieses Wachstum wurde durch mehrere Faktoren begünstigt, auch von einer allgemeinen Euphorie nach der Reichsgründung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Französische Reparationszahlungen ===&lt;br /&gt;
Ein Faktor war der Sieg im [[Deutsch-Französischer Krieg|Deutsch-Französischen Krieg]], der sich in mehrerlei Hinsicht auswirkte. Zunächst flossen durch den [[Friede von Frankfurt|Frieden von Frankfurt]] französische [[Reparationen|Reparationszahlungen]] in Höhe von etwa fünf Milliarden [[Francs]] (was etwa 4,5&amp;amp;nbsp;Milliarden Mark entsprach) nach Deutschland, von denen etwa 2,5 bis 3&amp;amp;nbsp;Milliarden Francs direkt dem deutschen [[Kapitalmarkt]] (Kreditinstitute und Börsenplätze) zugutekamen. Dies wird vielfach als eine Ursache für die [[konjunktur]]elle Überhitzung angesehen, die durch den Gründerkrach bereinigt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;So zum Beispiel [[Fritz Stern]]: &amp;#039;&amp;#039;Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder.&amp;#039;&amp;#039; Ullstein, Berlin / Frankfurt am Main 1978, S.&amp;amp;nbsp;239; [[Michael Stürmer]]: &amp;#039;&amp;#039;Das ruhelose Reich. Deutschland 1866–1918&amp;#039;&amp;#039;. Siedler, Berlin 1994, S.&amp;amp;nbsp;84. [[Heinrich August Winkler]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Der lange Weg nach Westen]]&amp;#039;&amp;#039;. Band 1: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik.&amp;#039;&amp;#039; C.H. Beck, München 2000, S. 226.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Hans-Ulrich Wehler]] äußerte 1995 die These, die Wirkung der Reparationen sei in erster Linie psychologisch gewesen. Auf die [[Geldmenge]], die bereits seit 1867 erheblich gestiegen war, habe sie keinen großen Einfluss gehabt, zumal ein erheblicher Teil als „Kriegsschatz“ im [[Zitadelle_Spandau#Juliusturm|Juliusturm]] [[Thesaurierung|thesauriert]], als [[Deckung (Wirtschaft)|Notendeckung]] für die neu eingeführte [[Mark (1871)|Mark]] oder zur Schuldentilgung verwendet wurde. Das Geld sei zudem nur verhältnismäßig langsam in den deutschen [[Wirtschaftskreislauf]] eingespeist worden, sodass seine Wirkung 1873 womöglich sogar [[Antizyklische Finanzpolitik|antizyklisch]] war, gleichwohl ohne die Wirtschaftskrise aufhalten zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hans-Ulrich Wehler]]: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Gesellschaftsgeschichte&amp;#039;&amp;#039;. Band&amp;amp;nbsp;3: &amp;#039;&amp;#039;Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849–1914&amp;#039;&amp;#039;. C.H. Beck, München 1995, S.&amp;amp;nbsp;98&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Belege fehlen}}&lt;br /&gt;
Während der [[Deutsche Einigungskriege|Einigungskriege]] (1864 bis 1870/71) war ein erheblicher Teil der Industrieproduktion [[Rüstung (Militär)|auf den Krieg ausgerichtet]]; nach Kriegsende wurden aufgeschobene zivile Vorhaben realisiert. Der Aufschwung glich lediglich die Reduzierung der Industrieproduktion ziviler Güter in den Jahren vor 1871 aus.&lt;br /&gt;
Die intensivere Verknüpfung der meisten Staaten des [[Deutscher Zollverein|Deutschen Zollvereins]] durch die [[Reichsgründung]] &lt;br /&gt;
belebte die [[Konjunktur]] ebenfalls.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Aufschwung der Aktiengesellschaften ===&lt;br /&gt;
Ein weiterer Grund für das [[Wirtschaftswachstum]] war, dass in Deutschland 1870 die [[Konzession]]spflicht für Aktiengesellschaften aufgehoben und die Gründung von Unternehmen von strengen gesetzlichen Einschränkungen befreit wurde (vgl. [[Gewerbefreiheit#Deutschland|Gewerbefreiheit]]). Die Folge war die Gründung von 928 Aktiengesellschaften im Zeitraum von 1871 bis 1873 allein im [[Königreich Preußen]]. Dadurch wurde mehr privates Kapital als zuvor in die Wirtschaft investiert. Es etablierten sich 61 neue Banken. Die Wirtschaft wuchs rasant; ebenso stiegen die Kurse der Aktien. Das schuf Vertrauen in den [[Aktienmarkt]] und veranlasste Menschen und Unternehmen zu Aktienkäufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Spekulation und Überproduktion ===&lt;br /&gt;
Die Börse wurde zu diesem Zeitpunkt zum Schauplatz zügelloser [[Spekulation (Wirtschaft)|Spekulationen]], wobei die Wertsteigerungen die Spekulationslust weiter anheizten. Schon bald wurden die Grundsätze seriöser Finanzierung außer Acht gelassen und auch [[Kredit]]e langfristig vergeben wurden, die [[de jure/de facto|de facto]] durch kurzfristiges Kapital finanziert waren (keine [[Fristenkongruenz]] - ein Verstoß gegen die [[goldene Bankregel]]).&lt;br /&gt;
Allgemein herrschte oft die naive Denkweise vor, die Banken könnten immer mehr Kapital zur Verfügung stellen. Viele Aktien waren überbewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgen des rasanten wirtschaftlichen Aufstiegs waren unter anderem [[Überproduktion]] und die Schaffung von [[Überkapazität]]en. &lt;br /&gt;
Ab Mai 1873 sanken die Aktienkurse.&lt;br /&gt;
Der Eisenbahnpionier [[Bethel Henry Strousberg|Strousberg]], dessen Bahnimperium zeitweise 100.000 Angestellte hatte, wurde 1875 insolvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Deflation ===&lt;br /&gt;
Das neugegründete [[Deutsches Reich|Deutsche Reich]] profitierte (im Gegensatz etwa zu Österreich-Ungarn) weiterhin von den erhaltenen französischen Reparationen. Die Produktion stieg (auch wegen [[Demografie Deutschlands|des starken Bevölkerungswachstums]]) trotz [[Deflation]] weiter an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Andrees&amp;quot;&amp;gt;Richard Andree: &amp;#039;&amp;#039;Allgemeiner Handatlas&amp;#039;&amp;#039;. Velhagen &amp;amp; Klasing, Leipzig 1881, erläuternder Text S.&amp;amp;nbsp;21/22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Einwohner, Produktion, Handelswert&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; || 1872 || 1878 || Änderung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Einwohnerzahl || 41.228.000 || 44.211.000 || {{0}}+7,2 %&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kohle- und Erzförderung [[Tonne (Einheit)|[t]]] || 49.904 || 58.288 || +16,8 %&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Handelswert der Bergwerksproduktion [[Mark (1871)|[Mark]]] || 415.668.000 || 324.267.000 || −21,9 %&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[Verhüttung|Hüttenproduktion]] [[Tonne (Einheit)|[t]]] || 2.178 || 2.458 || +12,8 %&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Handelswert der Hüttenproduktion [[Mark (1871)|[Mark]]] || 314.814.000 || 224.879.000 || −28,8 %&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wohnungsbau hielt mit dem schnellen [[Demografie Deutschlands|Bevölkerungswachstum in Deutschland]] schritt. Die spätere Zunahme der Wohnungen pro 1000 Einwohner ist in Verbindung mit der Abnahme der Kinderzahlen zu sehen.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Zehnjahresvergleiche&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; || 1871 || 1880 || 1890 || 1900 || 1910&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wohnungen&amp;lt;ref name=&amp;quot;gesis&amp;quot;&amp;gt;[http://www.gesis.org/histat/de/table/details/9D63C0AB59F851FAA9327273ECF84E38#tabelle Historische Statistik: Bestand an Gebäuden und Wohnungen] gesis.org {{Toter Link |date=2018-04 |archivebot=2018-04-13 03:33:30 InternetArchiveBot |url=http://www.gesis.org/histat/de/table/details/9D63C0AB59F851FAA9327273ECF84E38}}&amp;lt;/ref&amp;gt; || 8.732 || 9.652 || 10.618 || 12.126 || 14.347&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Whg. pro 1000 Einw.|| 213 || 214 || 215,6 || 218,7 || 322,2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Eisenbahnnetz [km]&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bahn&amp;quot;&amp;gt;{{DHM-HdG |objekte/statistik/eisenbahnnetz2/index.html |Titel=Das Eisenbahnnetz im Deutschen Reich 1871–1933}}&amp;lt;/ref&amp;gt; || 21.482 || 33.838 || 41.818 || 49.878 || 59.013&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;| Netzzuwachs [km / 10 Jahre] || 11.356 || 7.980 || 8.060 || 9.135&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Verkehrsinfrastruktur]] wurde massiv ausgebaut; das [[Eisenbahnnetz]] in Deutschland [[Geschichte der Eisenbahn in Deutschland#Länderbahnzeit 1871 bis 1920|wuchs von 1872 bis 1879]] stärker als je zuvor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Jahresvergleiche&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; || 1871 || 1872 || 1873 || 1874 || 1875 || 1876 || 1877 || 1878 || 1879 || 1880 || 1881 || 1882 || 1883 || 1884 || 1885 || 1886 || 1887 || 1888 || 1889 || 1890&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Bahnstrecken [km]&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bahn&amp;quot; /&amp;gt; || 21.482 || 22.437 || 23.901 || 25.498 || 27.981 || 29.316 || 30.729 || 31.504 || 33.322 || 33.838 || 34.382 || 35.081 || 35.993 || 36.779 || 37.572 || 37.967 || 39.082 || 40.008 || 40.920 || 41.818&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;| jährlicher Zuwachs [km] || 955 || 1.464 || 1.587 || 2.487 || 2.335 || 1.413 || 1.787 || 1.818 || 514 || 544 || 701 || 912 || 786 || 793 || 395 || 1.115 || 926 || 912 || 898&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem wegen der im internationalen Vergleich [[Industrielle Revolution in Deutschland|günstigen Wirtschaftslage]] ging die deutsche [[Deutsche Überseewanderung|Auswanderung nach Übersee]] stark zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Auswanderung aus dem Deutschen Reich&amp;lt;ref name=&amp;quot;Andrees&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;über Hamburg, Bremen, Antwerpen und (erst ab 1874 statistisch erfasst) Stettin&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1871 || 1872 || 1873 || 1874 || 1875 || 1876 || 1877 || 1878 || 1879&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 75.912 || 125.650 || 103.638 || 45.112 || 30.773 || 28.368 || 21.964 || 24.217 || 33.327&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen der Gründerkrise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Schutzzollpolitik und ihre Auswirkungen ===&lt;br /&gt;
Die Gründerkrise hatte zur Folge, dass der Staat wieder mehr in die Wirtschaftsabläufe eingriff und sich somit vom [[Wirtschaftsliberalismus]] verabschiedete. Konkret bedeutete dies die Abkehr von der Idee des [[Freihandel]]s. Es war auch gleichzeitig der Beginn des Neo-[[Merkantilismus]] und von Bismarcks [[Schutzzollpolitik]]: Der Staat sollte jetzt, im Gegensatz zum Wirtschaftsliberalismus, wieder bedingt in die [[Wirtschaftssteuerung]] eingreifen. So führte man [[Schutzzoll|Schutzzölle]] auf ausländische Importe ein, um den deutschen Markt zu schützen. Im Deutschen Reich wurde das Preisniveau künstlich über dem des Weltmarktes gehalten. Diese Zölle wurden sowohl auf Rohstoffe und Fertigwaren als auch auf landwirtschaftliche Erzeugnisse erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich stiegen dadurch die Preise für Industriewaren; es gab aber keine lang anhaltende Aufwärtsbewegung. Die während der Gründerjahre geschaffenen Überkapazitäten existierten schließlich immer noch und konnten auch jetzt noch nicht im Ausland abgesetzt werden, weil viele andere europäische Staaten ebenfalls [[Protektionismus|protektionistische]] Maßnahmen ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der Einfuhrzölle stiegen die [[Lebenshaltungskosten]] in der Folgezeit an; besonders Lebensmittel und Industriewaren wurden teurer. Bevor die Importzölle auf [[Getreide]] erhoben worden waren, war es erheblich günstiger, dieses aus dem Ausland zu importieren. Durch die steigenden Zölle gingen die Importe zurück. Um die Jahrhundertwende lagen die Preise für Brot und andere Getreideprodukte bei etwa 130 % des Weltmarktniveaus, während in der Landwirtschaft [[Vollbeschäftigung]] erreicht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar sanken auch im Deutschen Reich die Preise für Industriewaren. Allerdings waren die Preissenkungen auf dem Weltmarkt wesentlich höher, sodass man relativ zum Weltmarktniveau von einer Preissteigerung sprechen kann. Gleichwohl wurde für Industriewaren 1886 im Vergleich zu 1871 etwa 80 % mehr ausgegeben. Dies hing damit zusammen, dass solche Güter immer häufiger konsumiert wurden und die Bevölkerung gewachsen war, wozu der Geburtenüberschuss und das Nachlassen der [[Deutsche Überseewanderung|Auswanderung]] beitrugen. Ab 1879/1880 entwickelte sich die Wirtschaft auch gemessen an der [[Wertschöpfung (Wirtschaft)|Wertschöpfung]] in Industrie und Handwerk, dem [[Kapitalstock]] und dem gesamtwirtschaftlichen Wachstum wieder positiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Folgen ===&lt;br /&gt;
Die von der Krise betroffenen Wirtschaftsbereiche ergänzten die staatlichen Maßnahmen durch eigene [[Kartell]]e und ähnliche Zusammenschlüsse wurden gegründet, um wettbewerbsbehindernde Absprachen zu treffen, die vor einem weiteren Preisverfall schützen sollten. Preise von Produkten, Produktionszahlen und Absatzgebiete wurden unter den Firmen ausgehandelt. Es schlossen sich Interessenverbände zusammen, um Forderungen gegenüber der Regierung durchzusetzen. [[Arbeitgeberverband|Arbeitgeberverbände]] wurden gegründet; auf der anderen Seite entstanden immer mehr [[Gewerkschaft]]en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verlorene Glaube an die liberale Wirtschaftspolitik drückte sich auch darin aus, dass die [[Nationalliberale Partei]] 1871 im deutschen [[Reichstag (Deutsches Kaiserreich)|Reichstag]] mit 125 Sitzen (etwa 31 %) vertreten war, 1881 aber mit 47 Sitzen nur noch einen Anteil von etwa 12 % hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls eine Folge des Börsenkrachs war der „Theaterkrach“ bzw. die [[Theaterkrise]] im gesamten deutschsprachigen Raum – der Zusammenbruch der Theaterszene als Folge ausbleibender Besucher.&amp;lt;ref&amp;gt;Georg Wacks: &amp;#039;&amp;#039;Die Budapester Orpheumgesellschaft – Ein Varieté in Wien 1889–1919.&amp;#039;&amp;#039; Verlag Holzhausen, Wien 2002, ISBN 3-85493-054-2, S.&amp;amp;nbsp;2&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Antisemitismus ===&lt;br /&gt;
Die Gründerkrise führt nicht zuletzt zu [[Verschwörungstheorie]]n, die mit Kritik an der [[Hochfinanz]] verbunden wurden und somit zu einer weiten Ausbreitung und Radikalisierung des [[Antisemitismus (bis 1945)|Antisemitismus]], der in den 1880er Jahren zu einer breiten Unterströmung wurde. In dieser Wahrnehmung erfolgte eine Trennung in einerseits das „raffende“ [[Finanzkapital]] und das „schaffende“ [[Produktionskapital]]. Der „gute“, „bodenständige“, „deutsche“ [[Fabrikant|Fabrikbesitzer]] wurde von antisemitischen [[Agitator]]en (z.&amp;amp;nbsp;B. von [[Alexander Pinkert]] oder [[Theodor Fritsch]]) in diesem [[Stereotyp]] dem „raffenden“, „gierigen“, „blutsaugenden“, „jüdischen“ Finanzkapitalisten in Form des „[[Plutokratie|Plutokraten]]“ und „[[Wucher]]ers“ entgegengestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Matthias Piefel: &amp;#039;&amp;#039;Antisemitismus und völkische Bewegung im Königreich Sachsen 1879–1914&amp;#039;&amp;#039;. V&amp;amp;R unipress, Göttingen 2004, ISBN 3-89971-187-4 (&amp;#039;&amp;#039;Berichte und Studien des [[Hannah-Arendt-Institut]] für Totalitarismusforschung e.&amp;amp;nbsp;V. an der Technischen Universität Dresden&amp;#039;&amp;#039;, Nr. 46).&amp;lt;/ref&amp;gt; In der öffentlichen Debatte in Deutschland kam es zum [[Berliner Antisemitismusstreit]] von 1879 bis 1881, bei dem die sogenannte „[[Judenfrage]]“ gestellt wurde und um „den Einfluss des Judentums“ gestritten wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Gerhard Hanloser]]: &amp;#039;&amp;#039;Krise und Antisemitismus. Eine Geschichte in drei Stationen von der Gründerzeit über die Weltwirtschaftskrise bis heute.&amp;#039;&amp;#039; Unrast, Münster 2004, ISBN 3-89771-423-X.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die auch in Österreich weitverbreitete katholische Zeitschrift &amp;#039;&amp;#039;[[Deutscher Hausschatz]]&amp;#039;&amp;#039; schrieb 1910:&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=1886 enstand in Wien aus dem dumpfen Unmut, der seit dem furchtbaren Börsenkrache von 1873 gegen die Juden herrschte, eine Bewegung antisemitischen Charakters und schlug rasch Wurzeln.&lt;br /&gt;
 |ref=&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[[Deutscher Hausschatz]]&amp;#039;&amp;#039;, Heft 13/1910, S. 514. Die Passage findet sich in einem überschwänglich positiven Nachruf auf den umstrittenen Wiener Politiker [[Karl Lueger]]. Lueger versuchte, das große Lager der Antisemiten in eine neue Partei aufzunehmen, die er selbst gründete: die [[Christlichsoziale Partei (Österreich)|Christlich Sozialen]] (CS).&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Gründerkrach in der Literatur ==&lt;br /&gt;
Die Ereignisse fanden vereinzelt auch Eingang in die Literatur, etwa im Falle von [[E.&amp;amp;nbsp;Marlitt]]s Roman &amp;#039;&amp;#039;[[Im Hause des Kommerzienrates]]&amp;#039;&amp;#039; (1876), wo sie für die Handlung eine zentrale Rolle spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lino Schneider-Bertenburg: &amp;#039;&amp;#039;1873. Der Gründerkrach und die Krisenwahrnehmung der deutschen Sozialdemokratie&amp;#039;&amp;#039;. Kohlhammer, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-17-042033-5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Grunderkrach}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Reichsfinanzwesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wirtschaft (Deutsches Kaiserreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wirtschaftskrise]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Börsenkrach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ereignis 1873]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wirtschaft (Österreich-Ungarn)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1870er]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1880er]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1890er]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Finanzwesen (Österreich)]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Polarlys</name></author>
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