<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Gottesgnadentum</id>
	<title>Gottesgnadentum - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Gottesgnadentum"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Gottesgnadentum&amp;action=history"/>
	<updated>2026-06-22T05:07:16Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Gottesgnadentum&amp;diff=88951&amp;oldid=prev</id>
		<title>~2026-12273-2: /* Als Titel in konstitutionellen Monarchien */</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Gottesgnadentum&amp;diff=88951&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2026-01-06T20:15:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Als Titel in konstitutionellen Monarchien&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Weiterleitungshinweis|Dei Gratia|Weitere Bedeutungen von „Dei Gratia“ finden sich unter [[Dei Gratia (Begriffsklärung)]].}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Gottesgnadentum&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist eine im [[spätantike]]n und [[mittelalter]]lichen [[Europa]] entwickelte [[Legitimation (Politikwissenschaft)|Legitimation]] der [[Monarchie]], die sich allein auf den vorgeblichen Willen oder die [[Gnade (Theologie)|Gnade]] [[Gott]]es stützt, nicht auf die Zustimmung menschlicher Einrichtungen oder Institutionen oder gar auf die des [[Volk]]es. Der Begriff, der sich in dem [[latein]]ischen Titelzusatz &amp;#039;&amp;#039;Dei gratia&amp;#039;&amp;#039; („von Gottes Gnaden“) widerspiegelt, steht insbesondere für das [[Absolutismus|absolutistische]] [[König]]tum des bis an die Schwelle des 19. Jahrhunderts bestehenden [[Ancien Régime]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelalter ==&lt;br /&gt;
=== Byzantinisches Reich ===&lt;br /&gt;
Das Konzept des Gottesgnadentums geht zurück auf die [[Spätantike]]. Im [[Römisches Reich|Römischen Reich]] war es üblich, den [[Kaiser#Kaisertitel im antiken Römischen Reich|Kaiser]] als [[Divus]] („göttlich“) zu verehren. Mit der [[Christianisierung]] des Reiches, die Kaiser [[Konstantin der Große]] 313 mit der [[Konstantinische Wende|Konstantinischen Wende]] einleitete und Kaiser [[Theodosius I.]] 379 bis 394 vollendete, kam der [[Kaiserkult]] allmählich außer Gebrauch. Stattdessen bildete sich die Vorstellung heraus, der Kaiser stehe in einem besonderen Nahverhältnis zu Gott und garantiere dadurch die Wohlfahrt des Reiches. Bereits von Konstantin ist das Selbstverständnis überliefert, ihm habe der „himmlische Wille […] alles Irdische zur Lenkung anvertraut“ ({{laS|curae nutu suo caelesti terrena omnia moderanda commisit}}.) Von der besonderen Frömmigkeit des Kaisers, die seine Herrschaft [[Legitimation (Politikwissenschaft)|legitimierte]], nahm man bald an, sie vererbe sich auf seine Söhne, womit sich im [[Byzantinisches Reich|Byzantinischen Reich]] die Vorstellung eines Gottesgnadentums mit dem [[Dynastie|dynastischen]] Prinzip verband.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Rene Pfeilschifter]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Kaiser und Konstantinopel. Kommunikation und Konfliktaustrag in einer spätantiken Metropole.&amp;#039;&amp;#039; Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-11-026688-7, S.&amp;amp;nbsp;76–83.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karolinger und Ottonen ===&lt;br /&gt;
Die [[frühmittelalter]]lichen Könige der germanischen Nachfolgestaaten des [[Weströmisches Reich|Weströmischen Reichs]] gründeten ihre Herrschaftsansprüche anfangs allein auf das [[Geblütsrecht]] und das [[Sakralkönigtum#Germanisches Sakralkönigtum?|Königsheil]], das vom rechtmäßigen König auf seine leiblichen Nachkommen überging. Im [[Frankenreich]] galt dies während der gesamten Herrschaft der [[Merowinger]] vom 5. bis zum 8. Jahrhundert. Als jedoch der [[Karolinger|karolingische]] Hausmeier [[Pippin der Jüngere]] den letzten Merowinger absetzte, um selbst König zu werden, benötigte er eine neue Herrschaftslegitimation. Er holte daher die Zustimmung des [[Papst]]es zum Dynastiewechsel ein und ließ sich im Jahre 751 in [[Soissons]] in einer sakralen Krönungszeremonie nach dem Vorbild der [[Liste der Könige Israels|biblischen Herrscher Israels]] zum König salben. Seit dieser [[Salbung]], einer Neuerung im Akt der Königserhebung, enthalten die fränkischen Königsurkunden die Formel &amp;#039;&amp;#039;Dei gratia&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorstellung von einer durch göttliche Gnade verliehenen Herrschaft fußt auf dem spätantiken christlichen Königsbild des &amp;#039;&amp;#039;rex iustus&amp;#039;&amp;#039;, des „gerechten Königs“, das auf [[Augustinus von Hippo]] (&amp;#039;&amp;#039;[[De civitate Dei]]&amp;#039;&amp;#039;) zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Bosl: &amp;#039;&amp;#039;Die germanische Kontinuität im deutschen Mittelalter&amp;#039;&amp;#039;. In: Paul Wilpert, Willehad P. Eckert (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Antike und Orient im Mittelalter. Vorträge der Kölner Mediaevistentagungen 1956–1959&amp;#039;&amp;#039;. Walter de Gruyter, Berlin 1962, ISBN 3-11-002395-4, [https://books.google.de/books?id=TdQgAAAAQBAJ&amp;amp;pg=PA13&amp;amp;dq=Gottesgnadentum&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ei=tJEwU6zSIcHlswar_oG4CQ&amp;amp;ved=0CGAQ6AEwCTge#v=onepage&amp;amp;q=Gottesgnadentum&amp;amp;f=false S.&amp;amp;nbsp;13].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die durch Pippin begründete fränkische Tradition wurde von seinem Sohn, [[Karl der Große|Karl dem Großen]], fortgeführt. Insbesondere nach seiner [[Kaiser]]krönung im Jahr 800 sah er seine Herrschaft – auf der Basis [[antike]]r und [[Christentum|christlicher]] Vorstellungen – durch [[göttliches Recht]] legitimiert. Davon zeugen Titulaturen wie &amp;#039;&amp;#039;a deo coronatus imperator&amp;#039;&amp;#039;, „von Gott gekrönter Kaiser“. Karl verstand sein [[Reichsidee|Reich]] als eine Einheit von [[Staat]], [[Kirche (Organisation)|Kirche]] und [[Religion]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Otto I. (HRR)|Otto I.]] ließ 936, im Jahr seiner Thronbesteigung, die Formel &amp;#039;&amp;#039;Dei Gratia&amp;#039;&amp;#039; in das [[Ostfrankenreich|ostfränkische]] Königssiegel einfügen. In der um das Jahr 1000 geschaffenen [[Reichskrone]] des [[Heiliges Römisches Reich|Heiligen Römischen Reichs]] verweist der [[Altes Testament|alttestamentliche]] Sinnspruch &amp;#039;&amp;#039;Per me reges regnant&amp;#039;&amp;#039; „Durch mich regieren die Könige“ (&amp;#039;&amp;#039;[[Buch der Sprichwörter]]&amp;#039;&amp;#039; 8,15) auf das Gottesgnadentum ihrer Träger. Ausweislich der [[Hiskija]]-Bildplatte in der ottonischen Reichskrone ist das Gottesgnadentum auch oder insbesondere als ein [[Gaben des Heiligen Geistes|Zeitgeschenk Gottes]] zu verstehen: &amp;#039;&amp;#039;Ecce adiciam super dies tuos XV annos&amp;#039;&amp;#039; – „Wohlan, ich will zu deinen Lebensjahren noch 15 Jahre hinzufügen“ {{Bibel|Jes|38|5}}. Auch im Krönungseid der deutschen Könige klang die Überzeugung vom Gottesgnadentum an. Er beginnt mit der Formel „Nos divina favente clementia rex Romanorum […]“ – „Wir, durch die Gunst der göttlichen Gnade König der Römer […]“. Seit Ottos Kaiserkrönung 962 und mehr noch seit seinem Enkel [[Otto III. (HRR)|Otto III.]], der das Konzept einer Erneuerung des Imperium Romanum verfolgte, einer [[Restauratio imperii|Renovatio imperii Romanorum]], fühlten sich alle Herrscher des Reichs nicht nur durch die Gnade Gottes eingesetzt, sondern auch auf sie verpflichtet. Daraus leiteten sie den Gedanken einer &amp;#039;&amp;#039;sacra majestas&amp;#039;&amp;#039; ab, einer „heiligen Majestät“, und erhoben Anspruch, ihre Untertanen auch in geistlicher Hinsicht zu beaufsichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Frank-Lothar Kroll]]: [https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Monarchie &amp;#039;&amp;#039;Monarchie&amp;#039;&amp;#039;]. [[Staatslexikon der Görres-Gesellschaft|Staatslexikon online]], Version 08.06.2022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery class=&amp;quot;centered&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Couronnement d&amp;#039;un prince - Sacramentaire de Charles le Chauve Lat1141 f2v.jpg|[[Sakramentar Karls des Kahlen]], um 870: Gottes Hand hält die Krone über das Haupt Karls des Kahlen&lt;br /&gt;
  Liuthar-Evangeliar.jpg|[[Liuthar-Evangeliar]], um 1000: Darstellung des Gottesgnadentums Kaiser [[Otto III. (HRR)|Ottos III.]]&lt;br /&gt;
  Weltliche Schatzkammer Wien (197).JPG|Bildplatte in der [[Reichskrone]] des Heiligen Römischen Reichs: Christus flankiert von zwei Engeln, darüber der Sinnspruch &amp;#039;&amp;#039;P(er) me reges regnant&amp;#039;&amp;#039; („Durch mich regieren die Könige“)&lt;br /&gt;
  Perikopenbuch Heinrich und Kunigunde.jpg|[[Perikopenbuch Heinrichs II.]]: Christus selbst verleiht [[Heinrich II. (HRR)|Heinrich II.]] und seiner Gemahlin [[Kunigunde von Luxemburg|Kunigunde]] die Königswürde&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das christlich fundierte Legitimationskonzept des Gottesgnadentums erwies sich als überzeugender als die schon in vorchristlicher Zeit bei den [[Germanen]] nachweisbare Idee des Königsheils. Die Idee des Gottesgnadentums ließ dieses allmählich in den Hintergrund treten, auch wenn sich die [[Paganismus|paganistische]] Vorstellung von den besonderen Heilkräften, die die Götter dem legitimen König verliehen, nie ganz verloren. In der Vorstellungswelt der römischen Antike hatten die Kaiser zu Lebzeiten die Rolle eines [[Pontifex Maximus]], also die Rolle eines Mittlers zwischen den Göttern und den Menschen; nach dem Tode konnten sie aufgrund des Kaiserkultes selbst zu Göttern (&amp;#039;&amp;#039;Divi&amp;#039;&amp;#039;) aufsteigen ([[Apotheose]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Salier und Staufer ===&lt;br /&gt;
[[Salier|Salische]] und [[Staufer|staufische]] Kaiser des Heiligen Römischen Reichs versuchten die christliche Vorstellung, dass der Herrscher von Gott über seine [[Untertan]]en eingesetzt sei, zur Begründung der Auffassung zu nutzen, dass der weltliche Herrscher gegenüber dem [[Papst]] über einen eigenständigen Herrschaftsanspruch verfüge ([[Zwei-Schwerter-Theorie|Zweigewaltenlehre]]).&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv |url=http://www.histosem.uni-kiel.de/legitimation/glossar/gottesgnadentum.html |text=Björn Riecken: &amp;#039;&amp;#039;Gottesgnadentum&amp;#039;&amp;#039; |wayback=20101111011509}}, Artikel im Glossar &amp;#039;&amp;#039;Christliche Legitimation von Herrschaft&amp;#039;&amp;#039; mit weiteren Literaturhinweisen, abgerufen am 29. März 2012.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gottesgnadentum wird im [[Neues Testament|Neuen Testament]] konkretisiert. Der [[Brief des Paulus an die Römer]] {{Bibel|Röm|13|1–7}} erläutert die christliche Vorstellung, dass jede staatliche Gewalt von Gott verliehen und Widerstand gegen diese Gewalt ein [[Sakrileg]] sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Bibelvers wurde später für die Obrigkeitslehre der [[Lutherische Orthodoxie|lutherischen Orthodoxie]] zentral. Noch im 19. Jahrhundert rechtfertigte damit der konservative Rechtsphilosoph [[Friedrich Julius Stahl]] damit die Herrschaft der preußischen Könige.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Elisabeth Fehrenbach]]: &amp;#039;&amp;#039;Wandlungen des deutschen Kaisergedankens 1871–1918&amp;#039;&amp;#039;. Oldenbourg, München/Wien 1969, S. 43.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neuzeit ==&lt;br /&gt;
=== Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation ===&lt;br /&gt;
Im [[Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation|Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation]] wurden die [[Römisch-deutscher König|römisch-deutschen Könige]] und [[Römisch-deutscher Kaiser|Kaiser]] durch [[Liste der Wahlen der römisch-deutschen Könige|Wahl]] der Kurfürsten bestimmt; ihr Titel lautete daher seit [[Maximilian I. (HRR)|Maximilian&amp;amp;nbsp;I.]] &amp;#039;&amp;#039;divina favente clementia electus Romanorum Imperator, semper Augustus&amp;#039;&amp;#039; (wörtlich: „durch die Begünstigung von Gottes Gnade erwählter Kaiser der Römer, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs“) und in einem Nebentitel &amp;#039;&amp;#039;Germaniae Rex&amp;#039;&amp;#039;. Die Gottesgnade wirkte sich hier also nicht über Geburt und Erbrecht aus, sondern über einen Wahlausgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[Deutscher Bauernkrieg|Deutschen Bauernkrieg]] erhoben sich Bauern, um [[Zwölf Artikel|bestimmte Freiheitsrechte]] einzufordern. In seiner 1525 verfassten Schrift &amp;#039;&amp;#039;[[Wider die Mordischen und Reuberischen Rotten der Bawren]]&amp;#039;&amp;#039; rechtfertigte [[Martin Luther]] das gewaltsame Vorgehen der Fürsten gegen die Bauern mit dem neutestamentlich im Römerbrief verbürgten Gottesgnadentum der Fürsten. Im gleichen Jahr legte Luther in der Schrift &amp;#039;&amp;#039;[[De servo arbitrio]]&amp;#039;&amp;#039; dar, dass der Mensch gegen die von der Gnade des christlichen Gottes vorgesehenen Herrschaftsverhältnisse nicht aufbegehren dürfe, denn dies widerspräche der Theologie von der [[Prädestination]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der deutsche Theologe [[Ernst Troeltsch]] (1865–1923) konstruierte daraus, dass Luther schuld am später aufkommenden [[Absolutismus]] gewesen sei:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Bernhard Lohse]]: &amp;#039;&amp;#039;Martin Luther. Eine Einführung in sein Leben und sein Werk.&amp;#039;&amp;#039; C.H. Beck, München 1997, S. 204.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund des neutestamentlichen Gottesgnadentums sei ein christlicher Herrscher weder absetzbar noch in einer anderen Weise an der Ausübung seiner [[Regentschaft]] zu hindern. Dieses Herrschaftsverständnis war im christlich-abendländischen Europa bis in die Zeit der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]] maßgebend. Prominente Vertreter waren etwa die [[Bourbonen]] in [[Frankreich]], das Erzhaus [[Habsburg]] oder die [[Kaiser von Russland|Kaiser Russlands]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Habsburger und Bourbonen ===&lt;br /&gt;
Unter der habsburgischen Monarchie in Deutschland wie auch im bourbonischen Frankreich wurde das Gottesgnadentum auf die willkürliche Religionssetzung für die Untertanen nach der Regel &amp;#039;&amp;#039;[[cuius regio, eius religio]]&amp;#039;&amp;#039; ausgeweitet. Dies führte zu zahlreichen [[Religionskrieg]]en, um die jeweilige [[Absolutismus|absolute Herrschaft]] der Monarchen zu festigen. Der Anspruch, dass entsprechend dem Gottesgnadentum alle [[Souveränität]] vom Monarchen ausgehe, wird prägnant zusammengefasst in dem [[Ludwig XIV.]] von Frankreich zugeschriebenen Diktum: [[Liste geflügelter Worte/D#Der Staat bin ich|„L’État c’est moi“]] – „Der Staat bin ich“.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Matthias Schnettger]]: &amp;#039;&amp;#039;Das 17. Jahrhundert. Krisen, Kriege, Konsolidierungen&amp;#039;&amp;#039;. (= &amp;#039;&amp;#039;[[Oldenbourg Grundriss der Geschichte]]&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 54). Oldenbourg, München 2024, ISBN 978-3-11-073767-7, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Napoleon]] hingegen kombinierte das alte Gottesgnadentum mit den Errungenschaften der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]], indem er sich des folgenden Titels bediente: &amp;#039;&amp;#039;„Napoléon, par la grâce de Dieu, et par les constitutions, Empereur des Français, Roi d’Italie, Protecteur de la Confédération du Rhin“&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.napoleonica.org/en/collections/conseil_d_etat/gerando3205?context=global&amp;amp;current=0&amp;amp;keywords=Comte%20de%20Lippe&amp;amp;page=0&amp;amp;pageSize=20&amp;amp;total=33 Décret sur l’Organisation générale des Pays nouvellement réunis à l’Empire], 21.12.1810&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== England ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Parlamentssouveränität|Parlamentarismus}}&lt;br /&gt;
In [[England]] rang das [[Parlament des Vereinigten Königreichs#Geschichte|Parlament]] in einer jahrzehntelangen Entwicklung dem Königtum Befugnisse ab. Das [[Habeas Corpus (England und Wales)|Habeas-Corpus-Gesetz]] im Jahr 1679 war ein historischer Schritt hin zum [[Rechtsstaat]]. Die [[Glorious Revolution]] von 1688/89 mit der &amp;#039;&amp;#039;[[Bill of Rights (England)|Bill of Rights]]&amp;#039;&amp;#039; machte das englische Parlament zum Träger der [[Staatssouveränität]]. Geistige Grundlagen hierzu formulierte die politische Philosophie von [[John Locke]] (&amp;#039;&amp;#039;[[Zwei Abhandlungen über die Regierung]]&amp;#039;&amp;#039;, 1689).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Deutscher Bund und Deutsches Reich ===&lt;br /&gt;
[[Datei:FrWIV-Karikatur-1849-Farbe.jpg|mini|Friedrich Wilhelm IV. von Preußen lehnt die ihm von Volksvertretern angetragene, insofern mit dem Gedanken der [[Volkssouveränität]] verbundene Kaiserkrone ab (politische Karikatur von [[Isidor Popper]], 1849).]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Romantik]]er und [[Evangelische Kirche|Protestant]] [[Friedrich Wilhelm IV.]] von [[Preußen]], dem die [[Kaiserdeputation|deutschen Volksvertreter]] mit der [[Paulskirchenverfassung]] 1849 ein deutsches [[Erbmonarchie|Erbkaisertum]] antrugen, lehnte ab, weil die Rolle des Monarchen von der Idee des Gottesgnadentums bestimmt sei. Ein [[Demokratie|demokratisch]] legitimierter Kaiser, der über einem [[Volkssouveränität|souveränen Volk]] thront – solche [[Aufklärung|aufgeklärten]] Gedanken wies Friedrich Wilhelm zurück und trug damit zum Scheitern der bürgerlich-demokratischen und nationalen Bestrebungen der [[Deutsche Revolution 1848/49|Märzrevolution]] in Deutschland bei. Teilweise haben die Fürsten der Zeit den Zusatz &amp;#039;&amp;#039;V.G.G.&amp;#039;&amp;#039; für „von Gottes Gnaden“ auf Umschriften ihrer Münzen ergänzt, um die Behauptung eines Gottesgnadentums zu unterstreichen. Der Wegfall des Zusatzes &amp;#039;&amp;#039;V.G.G.&amp;#039;&amp;#039; auf einem Taler des Königreichs Hannover im Revolutionsjahr 1848 führte dazu, dass dieser vom Volksmund als „[[Angsttaler]]“ bezeichnet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König [[Ludwig II. (Bayern)|Ludwig&amp;amp;nbsp;II. von Bayern]] griff noch in der zweiten Hälfte des [[19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert]]s auf die voraufklärerische Vorstellung vom Gottesgnadentum zurück, als er im [[Schloss Neuschwanstein]] den Thronsaal nach der Form einer [[Byzantinische Architektur|byzantinischen]] Kirche errichten ließ und anstelle eines [[Altar]]s einen [[Thron]] setzen wollte, der jedoch nie fertiggestellt wurde. Allerdings muss eingeschränkt werden, dass Ludwig II. das „Königtum“ in der Symbolik Neuschwansteins (wie auch Herrenchiemsees) keineswegs als sein damaliges politisches Königtum Bayerns verstehen wollte. Vielmehr war dieser „Thronsaal“ eine literarisch-spätromantische Erfindung – als Huldigung an die Vergangenheit – wie das ganze Schloss eine „begehbare Bühne“ (Rauch) zu seiner Rückversetzung in vergangene, auch literarische Welten sein sollte. Auch den Absolutismus Frankreichs hat Ludwig II. keineswegs für seine Zeit in Anspruch zu nehmen gedacht. In seinem Schloss Herrenchiemsee wollte er die Kunst dieser Zeit und deren Auftraggeber verehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gegenwart ==&lt;br /&gt;
=== Als Titel in konstitutionellen Monarchien ===&lt;br /&gt;
Die Monarchen von [[König von Dänemark|Dänemark]] (lutherisch-episkopal), [[Fürst von Liechtenstein|Liechtenstein]] (römisch-katholisch), [[Fürst von Monaco|Monaco]] (römisch-katholisch), der [[König der Niederlande|Niederlande]] (reformiert) und des [[Britische Monarchie|Vereinigten Königreichs]] (anglikanisch-episkopal) führen in ihrem &amp;#039;&amp;#039;großen Titel&amp;#039;&amp;#039; bis heute den Zusatz „von Gottes Gnaden“. Eine mehr als zeremonielle Rolle spielt dieser Titel allerdings nicht mehr, da die Politik aller dieser Länder vorwiegend von gewählten Parlamenten und Regierungen bestimmt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Artikel&amp;amp;nbsp;56 der spanischen Verfassung von 1978 wird der spanische König zwar einfach als &amp;#039;&amp;#039;Rey de España&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet, doch ebenso wird ihm das Recht zugestanden, alle traditionellen Titel der Krone weiterzuführen &amp;#039;&amp;#039;(podrá utilizar los demás que correspondan a la Corona)&amp;#039;&amp;#039;. So ist auch der [[König von Spanien]] ein König „von Gottes Gnaden“. Der Titel des spanischen Diktators [[Francisco Franco]] war bis zu seinem Tod „Führer Spaniens von Gottes Gnaden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bewertung ===&lt;br /&gt;
Im Zeitalter der [[Konstitutionelle Monarchie|konstitutionellen Monarchien]] lassen sich die Legitimation eines absoluten Herrschers und die Frage unterscheiden, wer das Staatsoberhaupt eingesetzt hat. Ein gläubiger Monarch, der seine Stellung der [[Thronfolge|Erbfolge]] verdankt, versteht sein Amt als „von Gott“ gegeben. Diese Auffassung von [[Legitimität]] im Sinn der rechtmäßigen Erbfolge war in der Zeit der [[Restauration (Frankreich)|Restauration]] nach den [[Napoleon Bonaparte|napoleonischen]] Umwälzungen maßgeblich für die Wiedereinsetzung der alten Dynastien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach [[Ricarda Huch]] ist Gottesgnadentum keine Rechtfertigung für eine [[Absolutismus|absolutistische]] Macht „von oben nach unten“, abgeleitet etwa aus [[Deismus|deistischen]] Gottesvorstellungen. Im Heiligen Römischen Reich hätten die Fürsten ihre Interpretation des [[Römerbrief]]s und des Gottesgnadentums dazu genutzt, ihre Macht gegen Kaiser, andere Stände und die Bevölkerung absolutistisch auszuweiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Kritik von [[Ricarda Huch]] an den deistischen und absolutistischen Vorstellungen der Fürsten in: dies.: &amp;#039;&amp;#039;[[Stein (Ricarda Huch)|Stein]]. Der Erwecker des Reichsgedankens&amp;#039;&amp;#039;, Atlantis, Berlin 1925, 3. Auflage 1932, S.&amp;amp;nbsp;9–16 ([https://www.pkgodzik.de/fileadmin/user_upload/Geschichte_und_Politik/Stein.pdf Auszüge online auf pkgodzik.de]; PDF; 74&amp;amp;nbsp;kB).&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Philosoph [[Nicolás Gómez Dávila]] sah im Gottesbezug sogar eher eine Einhegung der (theoretischen) Macht des Monarchen, da dieser gegenüber Gott (mit all seinen Geboten) persönliche Verantwortung trage, die er nicht abwälzen könne. Der dadurch an unverfügbares [[Göttliches Recht|göttliches]] und [[natürliches Recht]] gebundene christliche Herrscher müsse sich nicht nur nach seinem Tod vor [[Gottes Gericht]] verantworten, sondern könne bereits zu Lebzeiten den Schutz und die Hilfe Gottes verlieren: „‚Von Gottes Gnaden‘ zu sein, schränkte die Macht des Monarchen ein; der ‚[[Volksvertreter]]‘ ist hingegen der Repräsentant des absoluten Absolutismus.“&amp;lt;ref&amp;gt;Nicolás Gómez Dávila: &amp;#039;&amp;#039;Auf verlorenem Posten. Neue Scholien zu einem inbegriffenen Text&amp;#039;&amp;#039;. Karolinger, Wien 1992, S. 139.&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn „nichts ist der Macht verboten, falls ihr Ursprung sie legitimiert, wie der Demokrat es lehrt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Nicolás Gómez Dávila: &amp;#039;&amp;#039;Einsamkeiten. Glossen und Text in einem&amp;#039;&amp;#039;, Karolinger, Wien 1987,  S. 38. Diese Auffassung ist geprägt von Gómez Dávilas Erfahrungen mit dem südamerikanischen Demokratieverständnis, das oft wechselnde rechte und linke Autokratien hervorbringt, während das deutsche [[Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland|Grundgesetz]] die Macht der demokratischen Institutionen an Grundsätze, Vorbehalte und eine [[Gewaltenteilung]] bindet, über die ein unabhängiges [[Bundesverfassungsgericht]] wacht, nach dem Vorbild des (seit 1789) die Verfassungsgarantien überwachenden [[Oberster Gerichtshof der Vereinigten Staaten|Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Thomas Benner&lt;br /&gt;
   |Titel=Die Strahlen der Krone. Die religiöse Dimension des Kaisertums unter Wilhelm II. vor dem Hintergrund der Orientreise 1898&lt;br /&gt;
   |Verlag=Tectum-Verlag&lt;br /&gt;
   |Ort=Marburg&lt;br /&gt;
   |Datum=2001&lt;br /&gt;
   |ISBN=3-8288-8227-7&lt;br /&gt;
   |Kommentar=Zugleich: Leipzig, Universität, Habilitations-Schrift, 2001}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Thomas Busk&lt;br /&gt;
   |Titel=Von Gottes Gnaden. Könige und alle Menschen Preußen ein Paradigma&lt;br /&gt;
   |Verlag=Schmidt&lt;br /&gt;
   |Ort=Neustadt an der Aisch&lt;br /&gt;
   |Datum=2000&lt;br /&gt;
   |ISBN=3-87707-544-4}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Georg Flor&lt;br /&gt;
   |Titel=Gottesgnadentum und Herrschergnade. Über menschliche Herrschaft und göttliche Vollmacht&lt;br /&gt;
   |Reihe=Bundesanzeiger&lt;br /&gt;
   |BandReihe=Beilage 43&lt;br /&gt;
   |NummerReihe=119a&lt;br /&gt;
   |Verlag=Bundesanzeiger&lt;br /&gt;
   |Ort=Köln&lt;br /&gt;
   |Datum=1991&lt;br /&gt;
   |ISBN=3-88784-287-1}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=[[Fritz Kern (Historiker)|Fritz Kern]]&lt;br /&gt;
   |Titel=Gottesgnadentum und Widerstandsrecht im früheren Mittelalter. Zur Entwicklungsgeschichte der Monarchie&lt;br /&gt;
   |Auflage=7.&lt;br /&gt;
   |Verlag=Wissenschaftliche Buchgesellschaft&lt;br /&gt;
   |Ort=Darmstadt&lt;br /&gt;
   |Datum=1980&lt;br /&gt;
   |ISBN=3-534-00129-X&lt;br /&gt;
   |Kommentar=unveränderter Nachdruck der 2. Auflage von 1954}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Monarchie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Christentumsgeschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Staatstheorie und -praxis des Barock]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politische Ideengeschichte (Mittelalter)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Christentum und Politik]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>~2026-12273-2</name></author>
	</entry>
</feed>