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	<title>Ghetto - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Ghetto&amp;diff=1064799&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Bernd Rohlfs am 13. Januar 2026 um 15:55 Uhr</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Begriffsklärungshinweis}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Ghetto&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (auch: &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Getto&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;) wird ein abgesondertes [[Stadtviertel|Wohnviertel]] bezeichnet. Der Begriff stammt aus dem [[Italienische Sprache|Italienischen]] und bedeutet Gießerei. Er wurde später als Bezeichnung für ein abgetrenntes Wohngebiet übernommen, da die jüdischen Einwohner in Venedig 1516 auf das [[Ghetto (Venedig)|Ghetto Nuovo]] (neue Gießerei) beschränkt waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 25. Auflage, DE GRUYTER, ISBN 978-3-11-022364-4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der [[Päpstliche Bulle|päpstlichen Bulle]] &amp;#039;&amp;#039;[[Cum nimis absurdum]]&amp;#039;&amp;#039; verfügte [[Paul IV.]] am 14. Juli 1555 den Ghettozwang für die im [[Kirchenstaat]] lebenden [[Juden]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Thomas Brechenmacher]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Vatikan und die Juden. Geschichte einer unheiligen Beziehung vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart.&amp;#039;&amp;#039; C. H. Beck, München 2005, ISBN 978-3-406-52903-0.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Lebensform in einem zugewiesenen Stadtteil oder einer einzelnen [[Judengasse]] wurde bis zur [[Jüdische Emanzipation|jüdischen Emanzipation]] im 19. Jahrhundert aufrechterhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Enzyklopädie_Religionen_109&amp;quot;&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Enzyklopädie der Religionen.&amp;#039;&amp;#039; 1990 Gruppo Editoriale Fabbri Bompiani Sonzogno Etas S.&amp;amp;#x202F;p.&amp;amp;#x202F;A., S. 109. (deutsche Fassung: Weltbild GmbH, Hamburg 1990. Redaktion: M. Elser, S. Ewald, G. Murrer. unter Mitarbeit von A. Lohner – katholische Theologie, W. Graf – evangelische Theologie und einer Reihe weiterer Mitarbeiter)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|Wohnbezirk}}Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] (1939–1945) wurden von den [[Nationalsozialisten]] für von ihnen verfolgte und [[Deportation#Deportationen während des Nationalsozialismus|deportierte]] Juden davon vollkommen verschiedene Gefangenen-Sammellager unter den Namen &amp;#039;&amp;#039;Jüdische Wohnbezirke/Ghettos&amp;#039;&amp;#039; im [[Deutsche Besetzung Polens 1939–1945|okkupierten Polen]], im [[Protektorat Böhmen und Mähren|annektierten Tschechien]] und in der [[Russlandfeldzug 1941|deutsch besetzten Sowjetunion]] errichtet. Diese Haftlager dienten vor deren Transport in die [[Vernichtungslager]] als Übergangsstationen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Deutsche_Geschichte_106&amp;quot;&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Lexikon der Deutschen Geschichte.&amp;#039;&amp;#039; Renningen 2005, ISBN 3-938264-04-7, S. 106. (Organisation: [[Christian Zentner]], Mitarbeiter: Daniela Kronseder, Nora Wiedermann).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Ghetto in der Zeit des Nationalsozialismus}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgangssprachlich werden heute, wiederum ebenfalls von beiden vorgenannten Bereichen vollkommen verschiedene und allseits offen zugängliche Stadtviertel, als &amp;#039;&amp;#039;Ghetto&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet, weil in ihnen vorwiegend Angehörige bestimmter [[Ethnie]]n ([[Segregation (Soziologie)|Segregation]]) oder [[Soziale Randgruppe|sozialer Randgruppen]] leben. Übertragen findet er auch ohne direkten räumlichen Bezug im Diskurs um abgrenzbare soziale Strukturen ([[Subkultur]]en, [[Soziales Netzwerk (Soziologie)|soziale Netzwerke]]) Anwendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie und Geschichtliches ==&lt;br /&gt;
Häufig lebten [[Jude]]n seit der Antike in Europa in abgesonderten Stadtvierteln, insbesondere in den Ländern um das Mittelmeer und seit der Spätantike auch im Gebiet des heutigen Deutschlands. Ursprünglich konnten sie fast allen Berufen nachgehen. Es wurde ihnen meistens volle Handelsfreiheit gewährt, sie durften Grundeigentum erwerben. In der mittelalterlichen Stadt lebten die einzelnen sozialen Gruppen und Berufsgruppen meist überwiegend in einem bestimmten Stadtviertel oder einer Straße, und so lebte auch die Mehrzahl der Juden üblicherweise in einer (dann nach ihnen sogenannten) [[Judengasse]] oder einem Judenviertel, in dem durch die Bildung eines sogenannten „[[Eruv]]“ (deklarierter Bezirk, innerhalb dessen auch am [[Sabbat]] bestimmte Arbeiten gestattet waren) die Einhaltung der Sabbatgebote erleichtert werden konnte. Ebenso wie meistens auch einige Juden außerhalb dieses Stadtteils lebten, lebten andererseits auch Nichtjuden innerhalb des Judenviertels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein frühes Beispiel für die Bildung eines Ghettos im [[Heiliges Römisches Reich|Heiligen Römischen Reich]] stellt [[Jüdische Gemeinde Speyer|Speyer]] im 11.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert dar. In den Aufzeichnungen des Speyerer Bischofs Hutzmann (Huozmann) heißt es:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Als ich das Dorf Speyer zur Stadt machte, glaubte ich das Ansehen dieses unseres Ortes zu vertausendfachen, indem ich auch Juden dort zuziehe. Ich habe die Zugezogenen außerhalb der Wohnstätten der übrigen Bürger angesiedelt, und damit sie nicht so leicht von der Unverschämtheit des minderen Volks beunruhigt werden, habe ich sie mit einer Mauer umgeben.|ref = &amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Markus J. Wenninger |Titel=Grenzen in der Stadt? Zu Lage und Abgrenzung mittelalterlicher deutscher Judenviertel |Sammelwerk=Aschkenas |Band=14 |Nummer=1 |Datum=2004 |Seiten=9–29, |ISSN=1016-4987 |DOI=10.1515/ASCH.2004.9}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ansiedlung datiert auf das Jahr 1084 im Vorort Altspeyer und stellt das erste urkundlich belegte Ghetto dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Fulbrook, Mary: &amp;#039;&amp;#039;A Concise History of Germany.&amp;#039;&amp;#039; Cambridge University Press, 1991, S. 20, ISBN 0-521-83320-5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut der Judaistin Diana Matut siedelten die meisten [[Geschichte der Juden im Mittelalter|Juden im Mittelalter]] durchaus nicht „topographisch [[Marginalisierung|marginalisiert]]“, sondern hatten ihre Wohnsitze auch bei Wiederansiedlungen nach vorheriger Vertreibung oft an attraktiven, zentralen Plätzen in den Städten, etwa in der Nähe des Markts, an der Hauptkirche oder am Fuße der Burg.&amp;lt;ref&amp;gt;Diana Matut: &amp;#039;&amp;#039;Ghetto im Mittelalter&amp;#039;&amp;#039;. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;[[Handbuch des Antisemitismus]]. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart&amp;#039;&amp;#039;. Bd. 4:&amp;#039;&amp;#039; Ereignisse, Dekrete, Kontroversen.&amp;#039;&amp;#039; De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, S. 147 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem 13.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert (erstmals beim [[Provinzialkonzil]] von Breslau 1267) kam es aber von Seiten der Kirche zunehmend zur Forderung nach räumlicher Trennung der Juden von der christlichen Bevölkerung. So kam es seit dem ausgehenden 14.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert in Spanien, seit den 1420er Jahren in [[Savoyen]],&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://www.eurojewcong.org/switzerland/11192-europes-first-jewish-ghetto-%E2%80%93-geneva-not-venice.html |wayback=20150411194438 |text=&amp;#039;&amp;#039;Genf und nicht Venedig&amp;#039;&amp;#039;}}, Europe&amp;#039;s first Jewish ghetto – Geneva not Venice / A Genève, sur les traces du premier ghetto juif d’Europe. les observateurs 21. Mai 2014.&amp;lt;/ref&amp;gt; seit der Mitte des 15.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts in einigen deutschen Städten und im 16.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert in Italien zunehmend zur Einrichtung von Ghettos, also von Stadtvierteln, die nur für Juden vorgesehen waren, außerhalb derer in der betreffenden Stadt keine Juden wohnen durften und die nächtens und oft auch an Feiertagen von außen abgeschlossen wurden. Solche Ghettos führten zwar durch die Bevölkerungszunahme oft zu bedrückender räumlicher Enge, waren aber nicht von vornherein Armutsviertel: Viele Einwohner waren wohlhabende [[Handwerk]]er oder Händler. Allerdings waren die Ghettobewohner meist erheblichen, zum Teil diskriminierenden Restriktionen unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Venedig-campo-del-Gheto.jpg|mini|Campo di [[Ghetto (Venedig)|Ghetto Nuovo]], Venedig 2005]]&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Ghetto&amp;#039;&amp;#039; stammt von der Insel [[Ghetto (Venedig)|&amp;#039;&amp;#039;Ghetto&amp;#039;&amp;#039;]] im venezianischen Stadtteil [[Cannaregio]] ab. Es gibt keine Einigkeit unter Sprachwissenschaftlern über die Herkunft des italienischen Wortes. [[Anatoly Liberman]] hat nachgewiesen, dass alle bisherigen Herkunftserklärungen fehlerhaft sind, einschließlich Versuche sich auf den Dialektbegriff &amp;#039;&amp;#039;ghèto&amp;#039;&amp;#039; (von &amp;#039;&amp;#039;getto&amp;#039;&amp;#039; = Guss) und die in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche Gießerei zu beziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anatoly Liberman: [https://blog.oup.com/2009/03/ghetto/ Why Don&amp;#039;t We Know the Origin of the Word Ghetto?]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit einem Dekret vom 29. März 1516 beschloss die Regierung der [[Republik Venedig]], die [[jüdische Gemeinde]] dort in einem einzigen Stadtviertel zusammenzufassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1555 ließ Papst [[Paul IV.]] das [[Römisches Ghetto|römische Ghetto]] errichten und verpflichtete die Juden durch die Bulle &amp;#039;&amp;#039;[[Cum nimis absurdum]]&amp;#039;&amp;#039;, in diesem besonderen Bereich zu leben. Papst [[Pius V.]] wies am 25. Februar 1569 alle Juden seines Machtbereichs aus. Ausnahmen waren nur die beiden Ghettos in Rom und [[Ancona]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang des 17.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts hatten alle Hauptstädte ein Ghetto (ausgenommen [[Livorno]] und [[Pisa]]). Um die Ghettos verliefen Mauern, und nachts wurden die Tore geschlossen. Oft wurden die jüdischen Ghettobewohner gezwungen, außerhalb des Ghettos bestimmte Kennzeichen zu tragen, die sie als Juden auswiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Frankfurt Am Main-Fay-BADAFAMNDN-Heft 21-Nr 245-1904-Die Judengasse Suedseite.jpg|mini|Abbruch des ehemaligen Ghettos Judengasse Frankfurt, 1868&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;(Fotografie von [[Carl Friedrich Mylius]])&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das bekannteste Beispiel für ein deutsches Ghetto ist die [[Frankfurter Judengasse]], die von 1462 bis 1796 bestand. Am Anfang errichtete der Stadtrat außerhalb der Stadtmauern elf Häuser, ein Tanzhaus, ein Hospital, zwei Wirtshäuser und ein Gemeindehaus und zwang die Frankfurter Juden, hierher umzuziehen. Um 1550 durfte dieses Gebiet noch einmal erweitert werden. Danach erlaubte der Frankfurter Magistrat bis zum Ende des Ghettos keine weitere Vergrößerung, sodass die wachsende Bevölkerung sehr beengt lebte. Die Bewohner durften nachts und sonntags die Judengasse nicht verlassen und mussten den „[[Gelber Ring|Gelben Fleck]]“ auf ihrer Kleidung tragen. Das Ghetto wurde 1796 bei der Belagerung Frankfurts durch französische Truppen zerstört, die Bewohner durften es verlassen, und in der Folge wurde der Ghettozwang aufgehoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auflösung des Ghettosystems ist weitgehend eine Folge der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]] und der [[Liberalismus|liberalen Bewegungen]] des 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts. Im Jahre 1870 war das römische Ghetto schließlich das einzige der Welt und wurde durch den italienischen König [[Viktor Emanuel II.]] bei der Besetzung des [[Kirchenstaat]]s aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine parallele Erscheinung in der arabischen Welt sind die [[Mellah]]s in [[Marokko|marokkanischen]] Städten. Im Ostjudentum gab es die [[jiddisch]]e Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;[[Schtetl]]&amp;#039;&amp;#039; für Ortschaften, Dörfer oder kleinere Städte, die überwiegend von Juden bewohnt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das sogenannte Ghetto in Shanghai ==&lt;br /&gt;
Das [[Shanghaier Ghetto|Ghetto in Shanghai]], damals als &amp;#039;&amp;#039;Restricted Sector for Stateless Refugees&amp;#039;&amp;#039; oder Designated Area (engl. für: speziell „ausgewiesener Bezirk“ bezeichnet; im Stadtbezirk Hongkou) war ein Areal von ungefähr 2,5&amp;amp;nbsp;km² Größe in der chinesischen Stadt [[Shanghai#Geschichte|Shanghai]], die im Zweiten Weltkrieg von [[Geschichte Japans|Japan]] besetzt worden war. Dieses abgesperrte Gebiet bildet historisch einen Sonderfall im Rahmen der [[Holocaust|Schoah (Holocaust)]]. Es stand nicht unter deutscher, sondern japanischer Kontrolle und konnte zeitweise als Fluchtort von jüdischen Staatsbürgern aus Europa genutzt werden. Zum Teil war wenigen jüdischen Flüchtlingen eine Ausreise aus dem [[Deutsches Reich 1933 bis 1945|Deutschen Reich]] bzw. über die Sowjetunion nach dort noch bis 3. September 1941 möglich (unter Mithilfe japanischer Botschaftsangehöriger in [[Wien]] und [[Wilna]], [[Litauen]]). Die von Japan besetzte Stadt wurde 1945 befreit. In dem Bezirk überlebten etwa 20.000 jüdische Flüchtlinge die Schoah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwendung des Begriffs „Ghetto“ im übertragenen Sinn ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Chinatown.jpg|mini|hochkant|Chinatown, Chicago]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im vollen Wortsinne lässt sich der Begriff auf viele historische [[Chinatown]]s in den Vereinigten Staaten anwenden, denn die chinesische und chinesischstämmige Minderheit amerikanischer Städte wie [[San Francisco]] und [[New York City]] war nach dem Inkrafttreten des [[Chinese Exclusion Act]] (1882) durch lokale Gesetze verpflichtet, ausschließlich dort zu siedeln. Diese Bezirke, die stets nur wenige Straßenblocks umfassten, mussten in einigen Städten mehrere Zehntausend Bewohner aufnehmen. Die Zwangsansiedlung endete erst in den 1940er Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Ghetto“ wurde und wird auch in einem teilweise etwas prekär übertragenen Sinn auf [[Stadtviertel]] mit einer ausgeprägt abweichenden sozialen oder ethnischen Struktur angewandt. Damit wird ein gleichermaßen territoriales wie soziales Phänomen beschrieben. Der Begriff wird heute auch für freiwillige und selbst gewählte Separation verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem wird er im Zusammenhang mit sozial desolaten Vierteln in Städten der USA verwendet, die einen hohen Anteil [[Afroamerikaner|afroamerikanischer]] oder [[Hispanics|hispanischer]] Bevölkerung verzeichnen. Grundlage waren hier die implizit sozialen und ökonomischen wie auch unmittelbar legislativen Zwänge der [[Segregation (Soziologie)|Segregation]] (einer historischen [[Rassentrennung]]), die tatsächlich zu einer weitgehenden Konzentration der afroamerikanischen Bevölkerung in bestimmten Vierteln der jeweiligen Städte führten. Der Song [[In the Ghetto]] (1969) von [[Elvis Presley]] griff die Problematik auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tatsache, aber vor allem auch der Umstand, dass die Bewohner dieser Viertel im Gegensatz zu den sich ebenfalls in den großen Städten lokal konzentrierenden [[Minderheit]]engruppen der „[[Angelsachsen|nichtangelsächsischen]]“ europäischen Einwanderer wie der [[Italiener]], [[Polen (Ethnie)|Polen]] und [[Iren]] zusätzlich noch rechtlichen Beschränkungen unterworfen waren, legte den Vergleich der afroamerikanischen Stadtviertel mit tatsächlichen, „klassischen“ Ghettos zumindest nahe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese rechtlichen Beschränkungen wurden zwar während der 1950er und 1960er Jahre durch Einzelklagen und die Bemühungen der amerikanischen [[Bürgerrechtsbewegung|„Civil Rights“-Bewegung]] überwunden, an der ökonomischen Benachteiligung der afroamerikanischen Bevölkerung allerdings änderte sich nur wenig, so dass nicht nur in den Großstädten der USA häufig [[Sozialer Brennpunkt|soziale Brennpunkte]] mit größtenteils homogen afroamerikanischer, im Südwesten des Landes in zunehmendem Maße auch hispanischer Bevölkerung weiter existierten und existieren und auch der Begriff des „Ghetto“ in diesem Zusammenhang vor allem aus europäischer Perspektive gerne weiterhin verwendet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Soziologe [[Zygmunt Bauman]] stellt fest, dass das Ghetto i.&amp;amp;nbsp;S. des sozialen Brennpunkts „kein Treibhaus für Gemeinschaftsgefühle [ist]. Es ist im Gegenteil ein Laboratorium zur Erzeugung sozialer Desintegration, Atomisierung und Anomie“.&amp;lt;ref&amp;gt;Zygmunt Bauman: &amp;#039;&amp;#039;Gemeinschaften.&amp;#039;&amp;#039; Frankfurt 2009, S. 150.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Urbane Ghettoisierung ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Muro via anelli.JPG|mini|[[Mauer an der Via Anelli|Eingezäunter Stadtteil]] in Padua]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die prominentesten Beispiele eines Ghettos in dieser Hinsicht waren vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren – einem Zeitraum, in dem der Begriff des &amp;#039;&amp;#039;Ghettos&amp;#039;&amp;#039; in diesem Zusammenhang in der [[Deutsche Sprache|deutschsprachigen]] [[Publikation|Publizistik]] überhaupt zum Durchbruch kam – Teile des [[New York City|New Yorker]] Bezirks [[Bronx]] und des Stadtteils [[Harlem]]. Schlagzeilen diesbezüglich machten im selben Zeitraum auch die südlichen Stadtbezirke [[Chicago]]s und zunehmend große Teile von [[Los Angeles]] (dort auch als &amp;#039;&amp;#039;Skid Rows&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet), die, wie viele andere Städte der USA, auch besonders wieder in den 1990ern eine prekäre Mischung aus verbreitet bitterer [[Armut]] und einer exorbitanten Rate an Kriminalität und Gewaltverbrechen in den entsprechenden Stadtvierteln erlebten. Im subkulturellen Jargon, besonders in der [[Hip-Hop]]-Szene, hat der Begriff „Ghetto“ im Laufe der Zeit einen bemerkenswerten Bedeutungswandel und eine Romantisierung erfahren (siehe auch [[Radiorekorder#Spiel „Ghettoblaster“|Ghettoblaster]]). Im modernen Sprachgebrauch wird der Begriff „Ghetto“ als Wort für [[Sozialer Brennpunkt|soziale Brennpunkte]] verwendet. Aus einem Ghetto kann bei hoher Armut unter Umständen ein [[Slum]] entstehen. In der italienischen Großstadt [[Padua]] gab es von 2006 bis 2007 ein wegen zu hoher Kriminalität [[Mauer an der Via Anelli|eingezäuntes Wohnviertel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Banlieue]]&lt;br /&gt;
* [[Gebiet mit besonderem Entwicklungsbedarf]]&lt;br /&gt;
* [[Liste der Ghettos in der Zeit des Nationalsozialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
;„Traditionelle“ Ghettos&lt;br /&gt;
* Silke Berg: &amp;#039;&amp;#039;Il ghetto di Venezia. Das erste jüdische Getto in Europa&amp;#039;&amp;#039;. Bergauf-Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-00-000575-7.&lt;br /&gt;
* [[Riccardo Calimani]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Kaufleute von Venedig. Die Geschichte der Juden in der Löwenrepublik&amp;#039;&amp;#039; („Storia del ghetto di Venezia“). Dtv, München 1990, ISBN 3-423-11302-2.&lt;br /&gt;
* Gabriele von Glasenapp: &amp;#039;&amp;#039;Aus der Judengasse. Zur Entstehung und Ausprägung deutschsprachiger Ghettoliteratur im 19. Jahrhundert&amp;#039;&amp;#039;. Niemeyer, Tübingen 1996, ISBN 3-484-65111-3 (Condition Judaica; 11).&lt;br /&gt;
* Fritz Mayrhofer, [[Ferdinand Opll]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Juden in der Stadt.&amp;#039;&amp;#039; Linz 1999. 413 S., ISBN 3-900387-55-9.&lt;br /&gt;
* Ronnie Po-chia Hsia (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;In and out of the Ghetto. Jewish-Gentile Relations in Late Medieval and Early Modern Germany&amp;#039;&amp;#039;. CUP, Cambridge 2002, ISBN 0-521-52289-7.&lt;br /&gt;
* {{Literatur|Autor=[[Markus J. Wenninger]]|Titel=Grenzen in der Stadt? Zu Lage und Abgrenzung mittelalterlicher deutscher Judenviertel|Sammelwerk=Aschkenas|Band=14|Nummer=1|Datum=2004|Seiten=9–29|ISSN=1016-4987|DOI=10.1515/ASCH.2004.9}}&lt;br /&gt;
* Frank Hercules, Fotos: [[Jacob Holdt]], Le Roy Woodson: &amp;#039;&amp;#039;Harlem.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[GEO (Zeitschrift)|Geo-Magazin.]]&amp;#039;&amp;#039; Hamburg 1978,7, S. 104–130. (Erlebnisbericht. „Die Sanierung der Slums zwingt zur Abwanderung, doch schwarze Bürger kehren voller Zuversicht heim, ins schwarze Ghetto, in die „Hauptstadt des schwarzen Amerika“.“) {{ISSN|0342-8311}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
;„Ghetto“ im übertragenen Sinn&lt;br /&gt;
* Ulrich Best, Dirk Gebhardt: &amp;#039;&amp;#039;Ghetto-Diskurse. Geographie der Stigmatisierung in Marseille und Berlin&amp;#039;&amp;#039;. Universitätsverlag, Potsdam 2001, ISBN 3-935024-24-X.&lt;br /&gt;
* [[Rauf Ceylan]]: &amp;#039;&amp;#039;Ethnische Kolonien. Entstehung, Funktion und Wandel am Beispiel türkischer Moscheen und Cafés&amp;#039;&amp;#039;. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-15258-0 (zugl. Dissertation, Universität Bochum 2006).&lt;br /&gt;
* Lance Freeman: &amp;#039;&amp;#039;A Haven and a Hell: The Ghetto in Black America.&amp;#039;&amp;#039; Columbia University Press, New York 2019, ISBN 978-0-231-18460-1.&lt;br /&gt;
* Gerhard Milchram (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Walled Cities und die Konstruktion von communities. Das europäische Ghetto als urbaner Raum&amp;#039;&amp;#039;. Folio-Verlag, Wien-Bozen 2001, ISBN 3-85256-190-6.&lt;br /&gt;
* Jens Sambale, Volker Eick: &amp;#039;&amp;#039;Das Berliner Ghetto – ein Missverständnis&amp;#039;&amp;#039;. In: Clara Meister, Anna Schneider, Ulrike Seifert (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Ghetto – Image oder Realität?&amp;#039;&amp;#039; Selbstverlag, Berlin 2005, {{ISSN|1861-4590}}, (Salon; Bd. 14) [http://www.policing-crowds.org/fileadmin/PDF/Ghetto.pdf Leseprobe, PDF, 1,6 MB].&lt;br /&gt;
* [[Loïc Wacquant]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Janusgesicht des Ghettos und andere Essays&amp;#039;&amp;#039;. Birkhäuser, Basel 2006, ISBN 978-3-7643-7461-7.&lt;br /&gt;
* [[Louis Wirth]]: &amp;#039;&amp;#039;The Ghetto&amp;#039;&amp;#039;. Transaction Publications, London 1998, ISBN 1-56000-983-7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary|Getto}}&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Jewish ghettos|Ghetto|audio=0|video=0}}&lt;br /&gt;
* [http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2745 Frühneuzeitliche Ghettos in Europa]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4157319-5|LCCN=sh95007077}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ghetto| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rassismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:NS-Völkermord an den Sinti und Roma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Subkultur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sozialstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadtvierteltyp]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Bernd Rohlfs</name></author>
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