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	<title>Georges Clemenceau - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>~2026-13714-86: Link</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Link&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:ClemenceauLloydGeorgeYOrlando (cropped).jpg|mini|Georges Clemenceau (1919)]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Georges Benjamin Clemenceau&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; [{{IPA|ʒɔʀʒ bɛ̃ʒaˈmɛ̃ klemɑ̃ˈso}}] (* [[28. September]] [[1841]] in [[Mouilleron-en-Pareds]], [[Département Vendée]]; †&amp;amp;nbsp;[[24.&amp;amp;nbsp;November]] [[1929]] in [[Paris]]) war ein [[Frankreich|französischer]] [[Journalist]], [[Politiker]] und [[Staatsmann]] der [[Dritte Französische Republik|Dritten Republik]]. Als einer der führenden Vertreter des linksbürgerlichen [[Parti républicain, radical et radical-socialiste|Parti radical]] war er von 1906 bis 1909 und noch einmal von 1917 bis 1920 französischer Ministerpräsident.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er trat 1899 als Fürsprecher eines [[Wiederaufnahme des Verfahrens|Wiederaufnahmeverfahrens]] zur Rehabilitierung von [[Dreyfus-Affäre|Alfred Dreyfus]] hervor. 1919, nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]], war er einer der [[Rat der Vier|„Großen Vier“]] bei der [[Pariser Friedenskonferenz 1919]], wo er eine harte Politik gegenüber [[Deutsches Reich|Deutschland]] forderte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Georges Clemenceau studierte zunächst [[Medizin]] in [[Universität Nantes|Nantes]] und Paris. In Paris wurde er politisch aktiv und gründete mit politischen Freunden seine erste Zeitung &amp;#039;&amp;#039;Le Travail.&amp;#039;&amp;#039; Später folgten die Zeitungen &amp;#039;&amp;#039;[[La Justice]], L’Aurore, Le Bloc&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;[[L’Homme libre]].&amp;#039;&amp;#039; Er gab sich entschieden [[Antiklerikalismus|antiklerikal]] und opponierte als entschiedener Anhänger der Republik gegen das [[Zweites Kaiserreich|Zweite Kaiserreich]], weshalb er mehrfach für kurze Zeit verhaftet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Georges Clemenceau Nadar.jpg|mini|Der junge Georges Clemenceau, Aufnahme [[Nadar]] (1870)]]&lt;br /&gt;
Von 1865 bis 1869 arbeitete er als Journalist und Lehrer an einer [[Mädchenschule]] in [[Stamford (Connecticut)|Stamford]], [[Connecticut]], wo er seine frühere Schülerin Mary Plummer 1869 heiratete und mit ihr drei Kinder bekam. Die Ehe wurde nach sieben Jahren geschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1870 kehrte er nach Frankreich zurück und wurde im selben Jahr Bürgermeister von [[Montmartre]]. 1871 verlor er sein Amt durch den Aufstand der [[Pariser Kommune]], nach deren Niederschlagung gelang seine Wahl in die [[Abgeordnetenkammer (Frankreich)|Abgeordnetenkammer]] als Abgeordneter der [[Parti républicain, radical et radical-socialiste|Radikalsozialisten]]. Als radikaler [[Nationalismus|Nationalist]] stimmte er 1871 gegen den [[Friede von Frankfurt|Frieden mit Deutschland]]. Seit dessen Abschluss und der darin verabredeten Abtretung [[Elsass-Lothringen]]s bemühte er sich, den Gedanken einer [[Revanchismus|Revanche]] an Deutschland wach zu halten. Deswegen sprach er sich entschieden gegen die [[Französische Kolonien|Kolonialpolitik]] von Ministerpräsident [[Jules Ferry]] aus, die seines Erachtens vom politischen Ziel der „blauen Bergkämme der [[Vogesen]]“ ablenken würde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Raymond Poidevin]] und Jacques Bariéty: &amp;#039;&amp;#039;Frankreich und Deutschland. Die Geschichte ihrer Beziehungen 1815–1975.&amp;#039;&amp;#039; C. H. Beck, München 1982, S. 144.&amp;lt;/ref&amp;gt; Deswegen und [[Römisch-katholische Kirche in Frankreich#19. Jahrhundert|als Antiklerikaler]] erwarb er sich in seiner Partei einen Ruf und wurde zum profiliertesten Vertreter der [[Politische Linke|politischen Linken]] in der [[Dritte Französische Republik|Dritten Republik]]. 1876 wurde er Vorsitzender der Radikalsozialisten. 1885 stürzte er das [[Kabinett Ferry II]] und erhielt den Beinamen „le tigre“ (der Tiger). Im Zusammenhang mit dem [[Panamaskandal]] wurde er 1893 nicht wieder in die Kammer gewählt. Während der [[Dreyfus-Affäre]] setzte er sich als Eigentümer und Herausgeber der Zeitschrift [[L’Aurore (1897)|L’Aurore]] gemeinsam mit [[Jean Jaurès]] und [[Émile Zola]] für den verurteilten Offizier ein. Zolas berühmtes &amp;#039;&amp;#039;[[J’accuse]]&amp;#039;&amp;#039; erschien 1898 in &amp;#039;&amp;#039;L’Aurore&amp;#039;&amp;#039;. In dieser Krise, die die Republik tief erschütterte, wurde Clemenceau zu einem der bedeutendsten Politiker Frankreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1902 wurde Clemenceau in den [[Senat (Frankreich)|Senat]] gewählt, 1906 wurde er Innenminister im Kabinett seines Parteifreundes [[Ferdinand Sarrien]]. In dieser Funktion setzte er 1906 (nach dem [[Grubenunglück von Courrières]] mit 1100 Toten) das Militär gegen streikende Bergarbeiter im [[Département Pas-de-Calais]] ein, was ihn der [[Section française de l’Internationale ouvrière|Sozialistischen Partei]] entfremdete, mit der er definitiv in seiner Antwort an Jean Jaurès im Parlament brach. Von [[Kabinett Clemenceau I|Oktober 1906 bis Juli 1909]] war Clemenceau [[Liste der Regierungschefs von Frankreich|Premierminister]]. In dieser Zeit setzte er die abschließende Regelung der [[Trennung zwischen Religion und Staat#Frankreich|Trennung von Kirche und Staat]] durch. Clemenceau setzte die Militärpolitik seines Vorgängers [[Émile Combes]] fort: Um die Armee, die seit der Dreyfus-Affäre als Hort der antirepublikanischen [[Reaktion (Politik)|Reaktion]] galt, unter Kontrolle zu nehmen, wurde die zivile Aufsicht des Staates über das Militär verschärft und die Macht des Kriegsministers über die militärischen Befehlshaber vergrößert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Christopher Clark]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog]]&amp;#039;&amp;#039;. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013, S. 80.&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz seines [[Antikolonialismus]] strebte er nach steigendem Einfluss Frankreichs im zunächst noch unabhängigen [[Marokko]], was 1905/06 die [[Erste Marokkokrise]] mit dem Deutschen Reich heraufbeschwor. Innenpolitisch war die Einführung der [[Einkommensteuer]] die wichtigste Entscheidung in Clemenceaus erster Amtszeit. 1909 stürzte er über einen Marineskandal. In den Folgejahren und während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]] war Clemenceau erneut vor allem als Zeitungsherausgeber aktiv. Das Angebot seines innenpolitischen Rivalen, Staatspräsident [[Raymond Poincaré]] vom liberalkonservativen [[Alliance démocratique|Parti républicain démocratique]] (PRD), ihn zum Botschafter in London zu machen, lehnte er 1913 ab – Poincaré hatte es nur unterbreitet, um die Reihe seiner antiklerikalen Gegner zu schwächen, deren Angriffe er nach seiner kirchlichen Heirat fürchtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Christopher Clark: &amp;#039;&amp;#039;Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog&amp;#039;&amp;#039;. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013, S. 403.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1913 stimmte er als einer von 36 Senatoren gegen die Verlängerung der [[Wehrpflicht]] von zwei auf drei Jahre, unter anderem weil dies die Kriegsgefahr mit Deutschland vergrößern würde; die anderen 244 Senatoren stimmten dafür.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Raymond Poidevin]] und Jacques Bariéty: &amp;#039;&amp;#039;Frankreich und Deutschland. Die Geschichte ihrer Beziehungen 1815–1975.&amp;#039;&amp;#039; C. H. Beck, München 1982, S. 280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Clémenceau à sa table de travail.jpg|mini|Georges Clemenceau an seinem Arbeitstisch (ungefähr 1918)]]&lt;br /&gt;
Das Amt des Ministerpräsidenten übernahm der 76-jährige Clemenceau am [[Kabinett Clemenceau II|16.&amp;amp;nbsp;November 1917]] erneut. Angesichts von [[Meutereien in der französischen Armee 1917|Meutereien im Heer]] und Streiks unter den Arbeitern sollte er einen Weg aus der Krise finden und einen Verhandlungsfrieden mit Deutschland verhüten, als dessen Protagonist sein Parteifreund [[Joseph Caillaux]] galt. Clemenceau, zu dieser Zeit auch als [[Kriegsministerium|Kriegsminister]] verantwortlich, regierte mit harter Hand: Eine Opposition gab es seit Bildung der [[Union sacrée]] schon nicht mehr. Nun wurde die Herrschaft auf die Person Clemenceaus konzentriert, das [[Nationalversammlung (Frankreich)|Parlament]] weitgehend ausgeschaltet oder durch Rücktrittsdrohungen und [[Vertrauensfrage]]n diszipliniert, scharfe [[Zensur (Informationskontrolle)|Zensurmaßnahmen]] unterdrückten jeglichen [[Defätismus]].&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Clemenceau, Georges&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;dtv-Lexikon zur Geschichte und Politik im 20. Jahrhundert&amp;#039;&amp;#039;, hrsg. v. [[Carola Stern]], [[Thilo Vogelsang]], Erhard Klöss und Albert Graff, dtv, München 1974, Bd. 1, S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verschiedentlich ist daher von einer „[[Diktatur|dictature]] Clemenceau“ die Rede,&amp;lt;ref&amp;gt;Nicolas Roussellier: &amp;#039;&amp;#039;Gouvernement et parlement en France dans l’entre-deux-guerres&amp;#039;&amp;#039;. In: [[Horst Möller]] und [[Manfred Kittel]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Demokratie in Deutschland und Frankreich 1918–1933/40. Beiträge zu einem historischen Vergleich.&amp;#039;&amp;#039; Oldenbourg, München 2002, S. 254 (abgerufen über [[Verlag Walter de Gruyter|De Gruyter]] Online).&amp;lt;/ref&amp;gt; was der Historiker [[Henning Köhler (Historiker)|Henning Köhler]] angesichts der breiten Mehrheit, über die die Regierung in [[Französisches Parlament|beiden Kammern des Parlaments]] verfügte, für irreführend hält.&amp;lt;ref&amp;gt;Henning Köhler: &amp;#039;&amp;#039;Novemberrevolution und Frankreich. Die französische Deutschlandpolitik 1918–1919.&amp;#039;&amp;#039; Droste, Düsseldorf 1980, S. 25 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Veröffentlichung der [[Sixtus-Affäre|Sixtus-Briefe]] – die der französischen Regierung durch den Prinzen [[Sixtus von Bourbon-Parma]], Bruder der österreichischen Kaiserin [[Zita von Bourbon-Parma|Zita]], mit einem geheimen Kompromissangebot von Kaiser [[Karl I. (Österreich-Ungarn)|Karl I.]] zugeleitet worden waren – trieb er im April 1918 einen Keil zwischen die [[Mittelmächte]] Deutschland und Österreich-Ungarn.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Stefan Zweig]] |Titel=[[Die Welt von Gestern]] |Verlag=Fischer |ISBN=978-3-596-21152-4 |Seiten=297}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Verhandlungen um einen [[Waffenstillstand]], um den Deutschland am 6. November 1918 den amerikanischen Präsidenten [[Woodrow Wilson]] gebeten hatte, konnte Clemenceau Frankreichs Recht auf [[Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg|Reparationen]] durchsetzen. Dabei dachte er zunächst nicht an eine vollständige Wiedergutmachung aller von Deutschland verursachten Kriegsschäden, sondern nur an die Renten für [[Kriegsversehrte]].&amp;lt;ref&amp;gt;Bruce Kent: &amp;#039;&amp;#039;The Spoils of War. The Politics, Economics, and Diplomacy of Reparations 1918–1932.&amp;#039;&amp;#039; Clarendon, Oxford 1989, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass die französischen Truppen bis zum Rhein vorrückten, wie es insbesondere Marschall [[Ferdinand Foch]] gefordert hatte, wurde dagegen kein Teil der [[Waffenstillstand von Compiègne (1918)|Waffenstillstandsbedingungen]].&amp;lt;ref&amp;gt;Raymond Poidevin und Jacques Bariéty: &amp;#039;&amp;#039;Frankreich und Deutschland. Die Geschichte ihrer Beziehungen 1815–1975.&amp;#039;&amp;#039; C. H. Beck, München 1982, S. 297.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichwohl erreichte Clemenceau mit ihrer Unterzeichnung am 11. November 1918 den Höhepunkt seiner Popularität und wurde landesweit als „Père la Victoire“ („Vater Sieg“) gefeiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Henning Köhler: &amp;#039;&amp;#039;Novemberrevolution und Frankreich. Die französische Deutschlandpolitik 1918–1919.&amp;#039;&amp;#039; Droste, Düsseldorf 1980, S. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Council of Four Versailles.jpg|mini|Clemenceau (2. von rechts) bei den Verhandlungen in Versailles mit [[David Lloyd George]], [[Vittorio Emanuele Orlando]] und [[Woodrow Wilson]] (von links).]]&lt;br /&gt;
Am 19.&amp;amp;nbsp;Februar 1919 wurde Clemenceau vom [[Anarchismus|Anarchisten]] Émile Cottin von drei Kugeln angeschossen. Der erfolgreiche französische Chirurg Gosset, ein Freund von [[Ferdinand Sauerbruch]], entfernte ihm die am rechten Rand der Hauptschlagader steckengebliebene Revolverkugel.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Ferdinand Sauerbruch]], [[Hans Rudolf Berndorff]]: &amp;#039;&amp;#039;Das war mein Leben.&amp;#039;&amp;#039; Kindler &amp;amp; Schiermeyer, Bad Wörishofen 1951; zitiert: Lizenzausgabe für Bertelsmann Lesering, Gütersloh 1956, S. 306 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Clemenceau erholte sich schnell, spottete über die schlechte Treffsicherheit und begnadigte&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Max Gallo]] |Titel=1918, la terrible victoire – Une histoire de la Première Guerre mondiale |Nummer=16005 |Verlag=XO Éditions/Éditions Pocket |Ort=Paris |Datum=2013 |ISBN=978-2-266-25045-0 |Seiten=211}}&amp;lt;/ref&amp;gt; den zum Tode Verurteilten zu einer Gefängnisstrafe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [[Pariser Friedenskonferenz 1919]] in Versailles trat Clemenceau als entschiedener Gegner Deutschlands auf. Er wollte Frankreichs Interessen durch eine größtmögliche Schwächung Deutschlands schützen. Er forderte die Abtretung von Elsass-Lothringen, des [[Saargebiet]]s und des [[Rheinland]]s und verlangte außerdem umfangreiche Reparationen: „L’Allemagne paiera“, „Deutschland wird bezahlen“, davon war die französische Öffentlichkeit im Frühjahr 1919 überzeugt, zumal deutsche Reparationen versprachen, die sozialen Spannungen, die nach Ende des Weltkriegs auch in Frankreich aufgebrochen waren, abzumildern. Weil die Vereinigten Staaten auf der Rückzahlung der [[Interalliierte Kriegsschulden|Interalliierten Kriegsschulden]] bestanden, die sie während des Krieges ihren europäischen Verbündeten geliehen hatten und mit Blick auf die Stimmung der öffentlichen Meinung in Frankreich, wo im November 1919 Wahlen anstanden, beharrte Clemenceau darauf, ein Minimum und ein Maximum der jährlichen Zahlungen festzulegen, die Deutschland würde leisten müssen; die Gesamtsumme könne dann ja später von Experten festgelegt werden. Der britische Premierminister [[David Lloyd George]] wehrte sich entschieden gegen eine zu große Schwächung Deutschlands, da er eine [[Hegemonie]] Frankreichs befürchtete, die das [[Gleichgewicht der Kräfte]] auf dem europäischen Kontinent stören würde. Zudem befürchtete er, allzu harte Friedensbedingungen würden Deutschland an die Seite der Bolschewiki bringen, was angesichts des kommunistischen Umsturzversuchs in [[Ungarn]] durchaus möglich schien. Mit einer Ausweitung der deutschen Zahlungsverpflichtungen war er aber einverstanden. Präsident Wilson war sowohl gegen Clemenceaus Pläne einer unbegrenzten deutschen Reparationsverpflichtung als auch gegen eine Abtrennung des Rheinlands: Er wollte „die Welt sicher für die Demokratie machen“, und die sah er mit dem [[Novemberrevolution|Sturz der Monarchie]] auch in Deutschland erreicht. Clemenceau dagegen glaubte nicht, dass die Deutschen ihren Nationalcharakter geändert hatten: Für ihn blieben sie alle „[[boche]]s“. Dennoch gab er den sicherheitspolitischen Forderungen der Angelsachsen schließlich nach, weil die ihm versprachen, Garantieverträge mit Frankreich abzuschließen: Wenn Deutschland in Zukunft erneut Frankreich angreifen sollte, befände es sich automatisch im Kriegszustand auch mit Großbritannien und den USA. Unter dieser Bedingung unterzeichnete Clemenceau am 28. Juni 1919 schließlich den [[Versailler Vertrag]]. Weil der [[Kongress der Vereinigten Staaten]] es am 19. März 1920 ablehnte, den Friedensvertrag zu [[Ratifikation|ratifizieren]], kamen diese Garantieverträge nicht zustande. Damit war Clemenceaus Sicherheitspolitik gescheitert.&amp;lt;ref&amp;gt;Raymond Poidevin und Jacques Bariéty: &amp;#039;&amp;#039;Frankreich und Deutschland. Die Geschichte ihrer Beziehungen 1815–1975.&amp;#039;&amp;#039; C. H. Beck, München 1982, S. 301–312; Bruce Kent: &amp;#039;&amp;#039;The Spoils of War. The Politics, Economics, and Diplomacy of Reparations 1918–1932.&amp;#039;&amp;#039; Clarendon, Oxford 1989, S. 66–82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer im November 1919 erlitt die Linke erhebliche Verluste, Clemenceaus Radikalsozialisten verloren über hundert Mandate und kamen nur noch auf 86 von 601 Abgeordneten. Ein [[Bloc national]] zeichnete sich ab. Im Dezember 1919 hob die neugewählte Kammer die Sonderrechte der Regierung auf, was als Vorzeichen der letzten Niederlage Clemenceaus angesehen wird:&amp;lt;ref&amp;gt;Nicolas Roussellier: &amp;#039;&amp;#039;Gouvernement et parlement en France dans l’entre-deux-guerres&amp;#039;&amp;#039;. In: Horst Möller und Manfred Kittel (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Demokratie in Deutschland und Frankreich 1918–1933/40. Beiträge zu einem historischen Vergleich.&amp;#039;&amp;#039; Oldenbourg, München 2002, S. 254 (abgerufen über [[Verlag Walter de Gruyter|De Gruyter]] Online).&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Januar 1920 scheiterte er mit seiner Kandidatur als Nachfolger Poincarés für das Amt des Staatspräsidenten. Nicht zuletzt weil der Linksrepublikaner [[Aristide Briand]] Stimmung gegen ihn gemacht hatte, unterlag er [[Paul Deschanel]] von der [[Alliance démocratique]]. Daraufhin zog sich Clemenceau verbittert aus der Politik zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Raymond Poidevin und Jacques Bariéty: &amp;#039;&amp;#039;Frankreich und Deutschland. Die Geschichte ihrer Beziehungen 1815–1975.&amp;#039;&amp;#039; C. H. Beck, München 1982, S. 318 und 351.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Clemenceau sépulture 001.jpg|mini|Clemenceaus Grab in [[Mouchamps]]]]&lt;br /&gt;
Clemenceau ging zunächst auf Reisen und wandte sich dann dem Schreiben zu. Nach Biographien über [[Demosthenes]] und [[Claude Monet]], mit dem er befreundet war, arbeitete er an einer Rechtfertigungsschrift &amp;#039;&amp;#039;Grandeurs et misères d’une victoire&amp;#039;&amp;#039; („Größe und Tragik eines Sieges“), worin er die Politik seiner zweiten Amtszeit als Ministerpräsident verteidigte und angesichts der ausgebliebenen Garantien und der seines Erachtens allzu kompromissbereiten Deutschlandpolitik Briands vor den Gefahren einer deutschen Aufrüstung warnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Clemenceau starb am 24. November 1929, sein Buch erschien posthum. Er wurde in einem einfachen Grab im Dorf [[Mouchamps]] beigesetzt, an dessen rechter Seite sich das Grab seines Vaters befindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrungen ==&lt;br /&gt;
Nach Clemenceau wurden benannt:&lt;br /&gt;
* die &amp;#039;&amp;#039;[[Clemenceau (Schiff)|Clemenceau]]&amp;#039;&amp;#039;, ein ehemaliger französischer [[Flugzeugträger]]&lt;br /&gt;
* der Stadtteil Clemenceau in [[Cottonwood (Arizona)|Cottonwood]], [[Arizona]]&lt;br /&gt;
* der Mount Clemenceau (3658&amp;amp;nbsp;m) in den kanadischen [[Rocky Mountains]], 1919 benannt nach Clemenceau&lt;br /&gt;
* die Station [[Champs-Élysées – Clemenceau (Métro Paris)|Champs-Élysées – Clemenceau]] der [[Métro Paris|Pariser Métro]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Straßen und Plätze wurden nach Clemenceau benannt, darunter&lt;br /&gt;
* die Place Clemenceau im [[8. Arrondissement (Paris)|8. Arrondissement]] von Paris&lt;br /&gt;
* der Cours Georges Clemenceau in [[Bordeaux]]&lt;br /&gt;
* die Avenue Clemenceau in [[Brüssel]]&lt;br /&gt;
* die Avenue Georges Clemenceau in [[Nizza]]&lt;br /&gt;
* die Clemenceau Avenue in [[Singapur]]&lt;br /&gt;
* die Rue Clemenceau in [[Beirut]]&lt;br /&gt;
* die Rue Clemenceau in [[Montreal]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werke (Auswahl) ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;La mêlée sociale.&amp;#039;&amp;#039; Charpentier, Paris 1895&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Au fil des jours.&amp;#039;&amp;#039; Charpentier, Paris 1900&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Démosthène.&amp;#039;&amp;#039; Plon, Paris 1925&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Au soir de la pensée.&amp;#039;&amp;#039; Plon, Paris 1927&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Claude Monet, les Nymphéas.&amp;#039;&amp;#039; Plon, Paris 1928&lt;br /&gt;
** deutsch: &amp;#039;&amp;#039;Claude Monet. Betrachtungen und Erinnerungen seines Freundes.&amp;#039;&amp;#039; Urban, Freiburg 1929&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Grandeurs et Misères d’une victoire.&amp;#039;&amp;#039; Plon, Paris 1930&lt;br /&gt;
** deutsch: &amp;#039;&amp;#039;Größe und Tragik eines Sieges.&amp;#039;&amp;#039; Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1930&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur (Auswahl) ==&lt;br /&gt;
* [[Jean-Jacques Becker]]: &amp;#039;&amp;#039;Clemenceau&amp;#039;&amp;#039;. Liana Levi, 1999, ISBN 2867462037 (nur französisch).&lt;br /&gt;
* Jean-Jacques Becker: &amp;#039;&amp;#039;Clemenceau, chef de guerre&amp;#039;&amp;#039;. Armand Colin, 2012, ISBN 2200347138 (nur französisch).&lt;br /&gt;
* David Watson: &amp;#039;&amp;#039;Georges Clemenceau: A Political Biography&amp;#039;&amp;#039;.  Methuen Publishing, York 1974, ISBN 978-0-41326410-7.&lt;br /&gt;
* [[Michel Winock]]: &amp;#039;&amp;#039;Clemenceau&amp;#039;&amp;#039;. Éditions Perrin, 2007, ISBN  978-2-262-01848-1 (nur französisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wikisource|lang=fr}}&lt;br /&gt;
{{Wikisource|lang=de}}&lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
* G. Lecomte, D. C. Stuart: [https://archive.org/details/cu31924028221285 Georges Clemenceau, the Tiger of France (1919)]&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|118676407}}&lt;br /&gt;
* {{Pressemappe|FID=pe/003335}}&lt;br /&gt;
* {{DHM-HdG|Bio=georges-clemenceau|Autor=Anne-Cécile Renouard, Gabriel Eikenberg}}&lt;br /&gt;
* {{Acadfr|georges-clemenceau}}&lt;br /&gt;
* {{Internetquelle |url=https://www.senat.fr/senateur-3eme-republique/clemenceau_georges1741r3.html |titel=CLEMENCEAU Georges Ancien sénateur du Var |werk=Sénat.fr |sprache=fr |abruf=2023-03-31}}&lt;br /&gt;
* {{Internetquelle |url=https://www2.assemblee-nationale.fr/sycomore/fiche/%28num_dept%29/1844 |titel=Georges, Eugène, Benjamin Clemenceau 1841 - 1929&lt;br /&gt;
|werk=Assemblée nationale |sprache=fr |abruf=2023-03-31}}&lt;br /&gt;
* {{BibNatFrance|ID=cb11897013k |Abruf=2023-03-31}}&lt;br /&gt;
* [https://academieroyale.be/fr/who-who-detail/relations/georges-benjamin-clemenceau/ Georges Benjamin Clemenceau] Eintrag bei der [[Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique]] (französisch)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personenleiste&lt;br /&gt;
|AMT={{Nowrap|[[Liste der Regierungschefs von Frankreich|Premierminister von Frankreich]]}}&lt;br /&gt;
|ZEIT=[[Kabinett Clemenceau I|25.10. 1906 – 24.07. 1909]]&amp;lt;br /&amp;gt;[[Kabinett Clemenceau II|16.11. 1917 – 20.01. 1920]]&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER=&amp;lt;br /&amp;gt;{{Nowrap|[[Ferdinand Sarrien]]}}&amp;lt;br /&amp;gt;[[Paul Painlevé]]&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER=&amp;lt;br /&amp;gt;[[Aristide Briand]]&amp;lt;br /&amp;gt;{{Nowrap|[[Alexandre Millerand]]}}&lt;br /&gt;
|AMT2=[[Liste der Innenminister von Frankreich|Innenminister]]&lt;br /&gt;
|ZEIT2=[[Kabinett Sarrien|14.03. 1906 – 20.10. 1906]]&amp;lt;br&amp;gt;25.10. 1906 – 24.07. 1909&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER2=&amp;lt;br /&amp;gt;Fernand Dubief&amp;lt;br /&amp;gt;selbst&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER2=&amp;lt;br /&amp;gt;selbst&amp;lt;br /&amp;gt;[[Aristide Briand]]&lt;br /&gt;
|AMT3=[[Liste der Verteidigungsminister von Frankreich|Kriegsminister]]&lt;br /&gt;
|ZEIT3=16.11. 1917 – 20.01. 1920&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER3=&amp;lt;br /&amp;gt;[[Paul Painlevé]]&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER3=&amp;lt;br /&amp;gt;[[André Lefèvre (Politiker)|André Lefèvre]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118676407|LCCN=n/79/96737|NDL=00517864|VIAF=49223492}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Clemenceau, Georges}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Premierminister (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Innenminister (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kriegsminister (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Senator (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Abgeordnetenkammer (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kandidat für das Präsidentenamt (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied des Parti républicain, radical et radical-socialiste]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person (Dreyfus-Affäre)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Académie française]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste von Belgien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Großkreuz)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Namensgeber für ein Schiff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Franzose]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1841]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1929]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Clemenceau, Georges&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Clemenceau, Georges Benjamin&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=französischer Politiker&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=28. September 1841&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Mouilleron-en-Pareds]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=24. November 1929&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Paris]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
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