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	<title>Etatismus - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Tfjt: /* Problematik */</title>
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		<updated>2026-04-28T12:46:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Problematik&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Etatismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (von {{frS|État|de=Staat}}, im [[Englische Sprache|Englischen]] &amp;#039;&amp;#039;statism&amp;#039;&amp;#039;) ist ein Begriff der [[Allgemeine Staatslehre|Allgemeinen Staatslehre]], [[Politische Theorie|Politischen Theorie]] und [[Politische Philosophie|Politischen Philosophie]] für ein Merkmal und Konzept verschiedener [[Ideologie]]n und Formen der [[Herrschaft]], wonach außen- und innenpolitische, ökonomische, soziale und ökologische Probleme durch [[staat]]liches Handeln ([[Staatsgewalt]]) bewältigt werden sollen, etwa durch [[Staatsinterventionismus]] und [[Marktregulierung]], [[Sozialpolitik|Sozial-]], [[Umweltpolitik|Umwelt-]], [[Strukturpolitik|Struktur-]], [[Finanzpolitik|Finanz-]], [[Geldpolitik|Geld-]], [[Medienpolitik|Medien-]] und [[Kulturpolitik]], [[Kolonialismus]] und [[Imperialismus]], [[Raumplanung]], Vorschriften ([[Standard]]s) für [[Produktion]], [[Technik]], [[Bauwesen]], [[Verkehr]], [[Gut (Wirtschaftswissenschaft)|Güter]] und [[Dienstleistung]]en, durch das [[Bildungssystem]], durch [[Propaganda]] und [[Umerziehung]], [[Datenerfassung]], [[Militär]] ([[Militarismus]], [[Krieg]]), [[Nachrichtendienst]]e und [[Polizei]], durch Gebote, Verbote, Aufsicht, [[Sanktion]], [[Verstaatlichung]], [[Vergesellschaftung (Wirtschaft)|Vergesellschaftung]], [[Beschlagnahme]], [[Unmittelbarer Zwang|unmittelbaren Zwang]], Ausrufung von [[Ausnahmezustand]] und [[Notstand]], Überwachung (etwa [[Telekommunikationsüberwachung]]), [[Anzeigepflicht]], [[Meldepflicht]] und Kontrolle (beispielsweise [[Grenzkontrolle|Grenz-]] und [[Kapitalverkehrskontrolle]], Systeme der [[Compliance (Recht)|Compliance]] und des [[Sozialkredit-System|Social Scoring]]) sowie [[Subvention]] und [[Steuer|Besteuerung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrschaftsformen des [[Autoritarismus]] und [[Kollektivismus]] sind oft durch ein etatistisches Staatsverständnis unterlegt. In [[Demokratie|demokratischen]] [[Staatsmodell]]en können [[Verfassung]] und [[Governance]] unterschiedlich stark etatistisch ausgeprägt sein. In der Realität existieren somit viele Varianten des Etatismus, wobei verschiedene Politikstile des [[Paternalismus]] („[[Staatliche Bevormundung|Nanny State]]“) zur Geltung kommen sowie unterschiedliche Formen und Grade der Einbindung bzw. Vereinnahmung gesellschaftlicher Gruppen im Sinne des [[Korporatismus]], unterschiedliche Formen und Grade der Einführung von Elementen der [[Zentralverwaltungswirtschaft|Planwirtschaft]] und unterschiedliche Belastungen von Bürgern und Unternehmen durch [[Bürokratie]] und [[Kontrolle]], [[Steuer]]n und [[Abgabe]]n bestehen. [[Totalitarismus|Totalitäre]] Staaten gründen auf allumfassendem Etatismus und nehmen Gestalt in der Form einer [[Diktatur]] an. Im engeren Sinn kennzeichnet Etatismus eine politische Anschauung, die dem [[Staat]] eine (alles) überragende Bedeutung im wirtschaftlichen und sozialen Leben einräumt. Indikatoren für den Grad etatistischer Staatsführung sind [[Staatsquote]], [[Steuerquote|Steuer-]] bzw. [[Abgabenquote]] und [[Konsumausgaben des Staates|Staatskonsum]]. Diesbezüglich existieren auch internationale Vergleiche und Indizes der Dichte staatlicher Regulierung.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Dominik Enste|Dominik H. Enste]], Stefan Hardege: &amp;#039;&amp;#039;IW-Regulierungsindex. Methodik, Analysen und Ergebnisse eines internationalen Vergleichs&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;IW Analysen. Forschungsberichte aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln&amp;#039;&amp;#039;, Band 16). Deutscher Instituts-Verlag, Köln 2006, S. 18 f. ([https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/IW-Analysen/PDF/Bd._16_IW-Regulierungsindex.pdf PDF])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bezeichnung einer politischen [[Doktrin]] wurde der Begriff um 1880 in [[Frankreich]] geläufig,&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv |url=http://www.socialinfo.ch/cgi-bin/dicopossode/show.cfm?id=173 |text=&amp;#039;&amp;#039;Etatismus&amp;#039;&amp;#039; |wayback=20071014130519}}, Markus Blaser im Wörterbuch der Sozialpolitik auf socialinfo.ch&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;„Doctrine politique préconisant l’extension du rôle, des attributions de l’Etat à toute la vie économique e sociale.“ – &amp;#039;&amp;#039;Etatisme.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Le Grand Robert de la langue française]].&amp;#039;&amp;#039; 1880, Band 4, S. 177&amp;lt;/ref&amp;gt; nachdem dort [[Michail Alexandrowitsch Bakunin|Bakunins]] Schrift &amp;#039;&amp;#039;Staatlichkeit und Anarchie&amp;#039;&amp;#039; (Государственность и анархия, 1873) mit „étatisme et anarchie“ übersetzt worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Bakunin war als [[Kollektivistischer Anarchismus|Anarchist]] davon überzeugt, dass der Hauptfeind der Arbeiter der Staat ist. Dessen Wesen sei die „Versklavung der Massen“. Als ausgeprägtestes Beispiel für einen solchen Staat sah er das [[Deutsches Kaiserreich|Deutsche Kaiserreich]] unter Reichskanzler [[Otto von Bismarck]] an. In Europa unterschied er zwischen veralteten „römisch-katholischen“ Staaten und „modernen Staaten“ („jüdische Königreiche“, „Bankokratien“), die auf der Ausbeutung der Arbeitskraft durch das Kapital basierten. Bakunin identifizierte die Steuerbürokratie und die Polizeigewalt als die wichtigsten Instrumente des Staates. Das Aufkommen „demokratischer Republiken“ änderte seiner Ansicht nach nichts am Wesen des Staates. Bakunin kritisierte die politische Linke Deutschlands – sowohl die Anhänger von Karl Marx als auch die Sozialdemokraten in der Tradition Ferdinand Lassalles – für ihren Etatismus.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etatistische Positionen vertreten etwa der [[Absolutismus]] ([[Merkantilismus]]), [[Sozialismus]] ([[Marxismus]]), [[Borussianismus]] ([[Militarismus in Deutschland]]) und [[Nationalsozialismus]] ([[Wirtschaft im Nationalsozialismus]], [[Neuer Plan]]) sowie verschiedene zeitgenössische Politikstile ([[Linkspopulismus]], [[Neomerkantilismus]]). Gegenpositionen zum Etatismus („Antietatismus“) vertreten der [[Liberalismus]] ([[Neoliberalismus]]), [[Libertarismus]], [[Anarchokapitalismus]], [[Anarchosyndikalismus]], [[Anarchokommunismus]] und [[Kollektivistischer Anarchismus|Anarchokollektivismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gegenbegriff zu Haltungen und Konzepten des Etatismus sind das Schlagwort [[Laissez-faire]] und der Begriff [[Minarchismus]] ([[Nachtwächterstaat|Minimalstaat]]) im Gebrauch. Zu den Konzepten, die dem Etatismus entgegenwirken und auf dem Gedanken der [[Subsidiarität]] aufgebaut sind, zählen Modelle der [[Selbstverwaltung]]. Ein Vorgehen, das darauf zielt, den Etatismus durch den Abbau von Vorschriften zurückzudrängen, bezeichnet man als [[Deregulierung]].&lt;br /&gt;
[[Datei:BrysonModell.jpg|mini|hochkant|Politisches Spektrum nach Bryson und McDill (1968)]]&lt;br /&gt;
Nach [[Maurice C. Bryson]] und William R. McDill kann anhand des Grades von Etatismus und [[Egalitarismus]] ([[Links und rechts#Politik|links und rechts]]) ein [[Politisches Spektrum#Modell nach Maurice C. Bryson und William R. McDill|zweidimensionales Modell zum politischen Spektrum]] aufgestellt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Maurice C. Bryson]], William R. McDill: &amp;#039;&amp;#039;The Political Spectrum: A Bi-Dimensional Approach.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Rampart Journal of Individualist Thought.&amp;#039;&amp;#039; Band 4, Heft 2 (Sommer 1968), S. 19–26 ([https://cdn.mises.org/Rampart_summer1968_2.pdf PDF])&amp;lt;/ref&amp;gt; Ähnlich aufgebaut ist das 1970 publizierte [[Nolan-Diagramm]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Problematik ==&lt;br /&gt;
Das Verlagern von Aufgaben auf den Staat hat oft das erklärte [[Staatsziel|Ziel]], Dinge zu regeln, die der [[Marktwirtschaft#Freie Marktwirtschaft|freie Markt]] allein nicht [[Fairness|fair]] oder [[Wirtschaftlichkeit|effizient]] lösen kann. So sollen in einem Bereich, der als [[Daseinsvorsorge]] umrissen wird, eine gleichberechtigte Abdeckung mit grundlegenden Leistungen wie [[Bildung]], [[Rechtspflege]], [[Polizei]] ([[Öffentliche Sicherheit]] und [[Öffentliche Ordnung|Ordnung]]), [[Infrastruktur]] und [[Landesverteidigung]] ermöglicht werden. Es soll [[Soziale Gerechtigkeit]] hergestellt werden, ein politisches Konzept, das die [[Solidaritätsprinzip|solidarische]] Finanzierung lebensnotwendiger Güter und Dienstleistungen vorsieht, insbesondere [[Sozialhilfe]] und eine [[Krankenversicherung]]. Die Planungs- und Vollzugsstrukturen, die ein Staat hierzu braucht, sollen eine [[Longtermism|langfristige Planung und langfristige Gewährleistung]] der Güter und Dienstleistungen ermöglichen. Außerdem wird erwartet, dass eine Aufgabenerledigung durch den Staat die [[Rechtssicherheit]] und [[Objektivität]] erhöht sowie [[Skaleneffekt]]e generiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etatismus kann allerdings&lt;br /&gt;
* die [[Privatsphäre]] rechtlich zugunsten des staatlichen Machtbereichs einschränken und als [[staatliche Bevormundung]] wahrgenommen werden,&lt;br /&gt;
* mit [[Zentralismus|zentralistischen]] Staatsauffassungen verbunden sein,&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Schubert, Martina Klein: &amp;#039;&amp;#039;Das Politiklexikon.&amp;#039;&amp;#039; 4., aktual. Auflage, Dietz, Bonn 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; insbesondere auf die Erweiterung bundesstaatlicher Befugnisse gegenüber den Rechten von [[Gliedstaat]]en abzielen,&lt;br /&gt;
* Positionen der [[Hierarchie]] und [[Herrschaft]], der Regulation, des [[Dirigismus]] und der [[Planwirtschaft]] bezeichnen, in der staatliche Kontrolle und Eingriffe in wichtigen Lebens- und Wirtschaftsbereichen der Individuen und Marktteilnehmer wirksam werden, etwa als [[Unterdrückung|Repression]] von [[Freiheit]], [[Wirtschaft]] und [[Unternehmertum]], [[Zivilgesellschaft]], [[Demokratie]] und [[Privatautonomie]],&lt;br /&gt;
* sowie eine ausschließlich, einseitig oder vorrangig auf das Eingreifen des Staates eingestellte Erwartungshaltung und Denkweise ([[Paternalismus]]) darstellen und durch „Ruf nach dem Staat“ Prinzipien der [[Eigenverantwortung]] und [[Autonomie]] schwächen ([[Erlernte Hilflosigkeit]], [[Infantilismus#Kultur-, Sozial- und Politikwissenschaften|Infantilisierung]], [[Regression (Psychoanalyse)|Regression]]).&lt;br /&gt;
Etatismus bedeutet ferner, dass die verschiedenen gesetzlichen und freiwilligen [[Öffentliche Aufgaben|Aufgaben des Staates]] durch [[Öffentliche Verwaltung]] erledigt und gesteuert werden müssen. Die zu erbringende [[Verwaltungsleistung]] erfordert eine [[Organisationsstruktur]], deren Herrschaft als [[Bürokratie]] wahrgenommen wird. Die entsprechenden Sachleistungen und [[Verwaltungskosten]] müssen in den öffentlichen Haushalten des Staates berücksichtigt werden. In der Regel werden sie durch die [[Staatseinnahmen|Einnahme]] von [[Verwaltungsgebühr (kommunal)|Verwaltungsgebühren]] und [[Steuer]]n sowie durch [[Staatsverschuldung]] finanziert. Dabei gründet der Staat auf endliche Ressourcen, die durch demographische und wirtschaftliche Entwicklungen determiniert (limitiert) sind. Die im Rahmen der Staatsverschuldung ausgegebenen [[Staatsanleihe]]n können als [[Inflation]]streiber wirken und so die [[Kaufkraft]] des Geldes verringern. Außerdem kann Staatsverschuldung zu einem [[Systemrisiko]] im [[Finanzsystem]] anwachsen. Etatismus kann also das Wirtschaften und sonstige Handeln des Einzelnen auf unterschiedliche Weise direkt und indirekt erheblich belasten und einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etatismus in verschiedenen Ländern und Epochen ==&lt;br /&gt;
Auf der Grundlage der bereits in der Antike entstandenen Idee, dass der Naturzustand der Menschen ein „[[Bellum omnium contra omnes|Krieg aller gegen alle]]“ sei, entwarf der englische Philosoph [[Thomas Hobbes]] in seinem Werk &amp;#039;&amp;#039;[[De Cive]]&amp;#039;&amp;#039; (1642) das Konzept, dass mit dem Ziel der Herstellung einer [[Öffentliche Ordnung|öffentlichen Ordnung]] die Einzelnen ihre natürlichen Rechte auf eine zentrale Gewalt übertragen, die am vollkommensten in einer Person, dem absoluten Herrscher, repräsentiert werde. In seinem Hauptwerk &amp;#039;&amp;#039;[[Leviathan (Thomas Hobbes)|Leviathan]]&amp;#039;&amp;#039; (1651) entwickelte er das Konzept fort und begründete damit die [[Vertragstheorie]] als philosophische Grundlage des neuzeitlichen Etatismus. Unter dem Eindruck [[Protestantismus|protestantischer]], besonders [[Calvinismus|calvinistischer]], [[Puritanismus|puritanischer]], [[Quäkertum|quäkerischer]] und [[Methodistische und Wesleyanische Kirchen|methodistischer]] Ideen entstanden zur Überwindung des [[Absolutismus]] in der Zeit der [[Aufklärung]] auf der Grundlage der Vertragstheorie neue [[Staatstheorie]]n, darunter Vorstellungen der [[Gewaltenteilung]], wie sie [[Charles de Secondat, Baron de Montesquieu|Montesquieu]] in der Schrift &amp;#039;&amp;#039;[[Vom Geist der Gesetze]]&amp;#039;&amp;#039; (1748) dargelegt hatte, und die Idee der [[Volkssouveränität]], wie sie [[Jean-Jacques Rousseau]] in der Schrift &amp;#039;&amp;#039;[[Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes]]&amp;#039;&amp;#039; (1762) veröffentlicht hatte, und schlugen sich in der [[Amerikanische Revolution|Amerikanischen]] und [[Französische Revolution|Französischen Revolution]] nieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorläufer und Vertreter des [[Liberalismus]] und der [[Klassische Nationalökonomie|Klassischen Nationalökonomie]] empfahlen eine Zurückhaltung des Staats, etwa [[Pierre Le Pesant de Boisguilbert]] in dem Werk &amp;#039;&amp;#039;Le détail de la France sous le règne de Louis XIV&amp;#039;&amp;#039; (1695) und [[Adam Smith]] in dem Werk &amp;#039;&amp;#039;[[Der Wohlstand der Nationen]]&amp;#039;&amp;#039; (1776). Vertreter einer aufkommenden [[Sozialphilosophie]] konstruierten hingegen die Idee eines (all-)umfassenden [[Sozialstaat|sozialstaatlichen]] Etatismus, etwa [[Johann Gottlieb Fichte]] in dem Werk &amp;#039;&amp;#039;[[Der geschlossene Handelsstaat]]&amp;#039;&amp;#039; (1800). [[Karl Marx]] und [[Friedrich Engels]] entwarfen in ihrem &amp;#039;&amp;#039;[[Manifest der Kommunistischen Partei]]&amp;#039;&amp;#039; (1848) einen [[Kommunismus|kommunistischen]] Staat, der durch Verstaatlichung das Privateigentum an Produktionsmitteln in „[[Kollektiveigentum|gemeinschaftliches Eigentum]]“ überführt. Vertreter des [[Utilitarismus]] beurteilten den Staat als eine situativ und aufgabenbezogen notwendige Instanz, deren Machtfülle aber zu begrenzen und zu kontrollieren ist, so etwa [[John Stuart Mill]] in seiner Schrift &amp;#039;&amp;#039;[[On Liberty]]&amp;#039;&amp;#039; (1859). Vertreter des [[Anarchismus]] erdachten Systeme ohne oder geringer Staatlichkeit, etwa [[Michail Alexandrowitsch Bakunin]] in der Schrift &amp;#039;&amp;#039;Staatlichkeit und Anarchie&amp;#039;&amp;#039; (1873). Der US-amerikanische Philosoph [[Henry David Thoreau]] schrieb in seinem Essay &amp;#039;&amp;#039;[[Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat]]&amp;#039;&amp;#039; (1849) dem Individuum und dessen persönlicher [[moral]]ischer Wertung die [[Gewissensfreiheit|Gewissens-]] und [[Handlungsfreiheit]] zu, durch [[Ziviler Ungehorsam|zivilen Ungehorsam]] gegen Rechtsnormen des Staates zu verstoßen, selbst wenn diese Normen durch demokratische [[Mehrheitswahl|Mehrheiten]] zustande kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedeutende Beiträge zum Verständnis des modernen Etatismus lieferte [[Max Weber]] ab dem Ende des 19. Jahrhunderts. Weber verstand den Staat als eine [[Institution|institutionalisierte]] soziale [[Organisation]] („Anstaltsbetrieb“), die das [[Gewaltmonopol des Staates|Monopol legitimer Zwangsanwendung]] beansprucht. Diese Definition betont die rein funktionale Rolle des Staates als Träger von Gewaltmonopol und Ordnung, unabhängig von spezifischen wirtschaftlichen oder sozialen Zwecken. Webers Staatstheorie ist eng mit seiner Analyse der [[Bürokratie]] und Herrschaftsformen des [[Rationalismus]] verbunden, da der moderne Staat auf einem bürokratischen [[Verwaltung]]sapparat beruht. Unter anderem konstatierte Weber Tendenzen des [[Bürokratiewachstum]]s zulasten individueller Bewegungsfreiheit und Demokratie. Auch den Typus des [[Politiker|Berufspolitikers]] hob Weber als ein Phänomen des modernen Etatismus hervor.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hans-Peter Müller (Soziologe)|Hans-Peter Müller]], Steffen Sigmund: &amp;#039;&amp;#039;Zur Biographie: Person und Werk.&amp;#039;&amp;#039; In: Hans-Peter Müller, Steffen Sigmund (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Max Weber-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung.&amp;#039;&amp;#039; J. B. Metzler, Springer, Berlin 2020, ISBN 978-3-476-05141-7, S. 26 ([https://books.google.de/books?id=pU7iDwAAQBAJ&amp;amp;pg=PA26&amp;amp;dq=Weber+Tendenz+zu+wachsender+B%C3%BCrokratie&amp;amp;hl=de&amp;amp;newbks=1&amp;amp;newbks_redir=0&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=2ahUKEwiuloHOytCQAxXj-AIHHfxlIdIQuwV6BAgNEAc#v=onepage&amp;amp;q=Weber%20Tendenz%20zu%20wachsender%20B%C3%BCrokratie&amp;amp;f=false &amp;#039;&amp;#039;Google Books&amp;#039;&amp;#039;])&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Blick auf [[Ideologie und ideologische Staatsapparate|Ideologie und Staatsapparate]] entwickelte der französische Philosoph [[Louis Althusser]] Ende der 1960er Jahre eine kritische Staatstheorie, auf deren Grundlage der griechisch-französische Politikwissenschaftler [[Nicos Poulantzas]] neuartige Tendenzen eines „autoritären Etatismus“ in modernen Staaten konstatierte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Nicos Poulantzas]]: &amp;#039;&amp;#039;Staatstheorie. Politischer Überbau, Ideologie, sozialistische Demokratie.&amp;#039;&amp;#039; VSA, Hamburg 1978, ISBN 978-3-87975-161-7&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bürokratischer Etatismus bestand neben einem ständischen [[Partikularismus]] bereits in der Epoche des [[Aufgeklärter Absolutismus|Aufgeklärten Absolutismus]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Arthur Schlegelmilch]]: &amp;#039;&amp;#039;Anfänge und Perspektiven des Verfassungsstaates in Deutschland und im Habsburger Reich zwischen 1780 und 1820.&amp;#039;&amp;#039; In: Digitale Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2000 ({{Webarchiv |url=http://www.fes.de/fulltext/historiker/00671002.htm |text=Friedrich-Ebert-Stiftung |wayback=20130126083709 |archiv-bot=2024-12-11 14:07:03 InternetArchiveBot}}).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Schweiz]] der Gegenwart wird damit hingegen die Stärkung der Zentralgewalt des [[Politisches System der Schweiz|Bundes]] gegenüber den [[Kanton (Schweiz)|Kantonen]] zum Ausdruck gebracht.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.duden.de/rechtschreibung/Etatismus &amp;#039;&amp;#039;Etatismus&amp;#039;&amp;#039;], duden.de, abgerufen am 27. Januar 2012&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Frankreich]] steht der [[Gaullismus]] für einen zentralistischen und dirigistischen Staat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Türkei]] ist Etatismus (&amp;#039;&amp;#039;Devletçilik&amp;#039;&amp;#039;) eines der Grundprinzipien des [[Kemalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Peronismus]] in [[Argentinien]] basierte auf einem etatistisch-autoritären Staatsverständnis und fand im [[Kirchnerismo]] eine Fortsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Brasilien]] wurde unter dem Schlagwort [[Estado Novo (Brasilien)|Estado Novo]] durch Präsident [[Getúlio Vargas]] ebenfalls eine betont etatistische Politik verfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[Vereinigte Staaten|Vereinigten Staaten]] war der [[New Deal]], den Präsident [[Franklin D. Roosevelt]] in den Jahren 1933 bis 1938 als US-amerikanische Variante des Etatismus umsetzte, eine Abkehr von der vergleichsweise libertären Politik Präsident [[Herbert Hoover|Hoovers]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Italien]] stand der [[Italienischer Faschismus|Faschismus]] für einen etatistisch-autoritär geführten Staat als „Lebensquelle des Volkes“, der einen eigenen Willen besitzt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://bibliotecafascista.blogspot.com/2012/03/doctrine-of-fascism-1932.html |titel=Biblioteca Fascista: The Doctrine of Fascism (1932) |werk=Biblioteca Fascista |datum=2012-03-01 |abruf=2023-10-18}}; siehe auch &amp;#039;&amp;#039;[[Der Geist des Faschismus]]&amp;#039;&amp;#039; ([[Benito Mussolini]], 1932)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralistische Tendenzen in der [[Europäische Union|Europäischen Union]], der [[Supranationalität|supranationalen]] Ebene des Staatenverbunds [[Europäische Integration|mehr Kompetenzen zuzuordnen]] ([[Gemeinschaftsmethode]]) bzw. sie zu einem [[Vereinigte Staaten von Europa|europäischen Bundesstaat]] fortzuentwickeln, werden ebenfalls als Etatismus gekennzeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Lukas Oberndorfer: &amp;#039;&amp;#039;Hegemoniekrise in Europa – Auf dem Weg zu einem europäischen Wettbewerbsetatismus?&amp;#039;&amp;#039; In: Forschungsgruppe ‚Staatsprojekt Europa‘ (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Zwischen europäischem Frühling und autoritärem Etatismus. Die EU in der Krise.&amp;#039;&amp;#039; Münster 2012, S. 50–72&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im englischen Sprachraum werden mit dem Begriff [[Staatliche Bevormundung#Hintergrund des Begriffes Nanny State|Nanny State]] eine Politik und ein Staat bezeichnet, die mit Verboten bzw. Pflichten, Sanktionen oder sonstigen Erschwernissen das Verhalten der Bürger beeinflussen und dabei das Recht mündiger Bürger auf freie Willensentscheidung in unangemessener Weise einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Starker Staat]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* [https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17420/etatismus/ &amp;#039;&amp;#039;Etatismus&amp;#039;&amp;#039;], Eintrag im Portal &amp;#039;&amp;#039;bpb.de&amp;#039;&amp;#039; ([[Bundeszentrale für politische Bildung]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4328253-2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Volkswirtschaftslehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Regierungswesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politische Ideologie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Tfjt</name></author>
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