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	<title>Erich Muscholl - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Erich_Muscholl&amp;diff=1966064&amp;oldid=prev</id>
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		<updated>2026-01-29T11:46:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Werk: &lt;/span&gt; Wikilink&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Erich Muscholl.jpg|miniatur|hochkant|Erich Muscholl]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Erich Otto Rudolf Muscholl&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[3. Juli]] [[1926]] in Biskupitz-Borsigwerk, einem Stadtteil von [[Zabrze|Hindenburg]]; † [[17. Januar]] [[2019]]&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle | autor= | url=https://www.vrm-trauer.de/mobil/traueranzeige/erich-muscholl | titel=Traueranzeige | werk=vrm-trauer.de | hrsg= | datum= | zugriff=25. Januar 2019 | sprache=}}&amp;lt;/ref&amp;gt; in [[Mainz]]) war ein deutscher [[Arzt]] und [[Pharmakologie|Pharmakologe]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Seine Eltern waren der praktische Arzt Erich Georg Günther Muscholl und seine Ehefrau Johanna geb. Bartsch. Erich besuchte das Gymnasium in [[Kłodzko|Glatz]]. Im September 1943, ein halbes Jahr vor dem geplanten Abitur, wurde seine Klasse auseinandergerissen: Der Jahrgang 1925 kam zum [[Reichsarbeitsdienst]] oder zur [[Wehrmacht]], Muscholl wurde mit dem Jahrgang 1926 in [[Stettin]] als [[Luftwaffenhelfer]] eingesetzt. Im Mai 1944 war er zum letzten Mal zu Hause, dann wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Seine Heimat sah er nie wieder. Im April 1945 verwundet, erlebte er das Kriegsende im Lazarett. Im Dezember 1945 wurde er aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen. In Stockum, einem Ortsteil von [[Werne]] an der [[Lippe (Fluss)|Lippe]], traf die Familie sich wieder. Am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in [[Lünen]] legte Muscholl 1946 die [[Abiturprüfung]] ab. Von 1947 bis 1952 studierte er an der neu gegründeten [[Johannes Gutenberg-Universität Mainz]] Medizin. Ab 1950 fertigte er außerdem am Pharmakologischen Institut bei [[Gustav Kuschinsky]] seine Dissertation an, so dass er nach dem Staatsexamen 1952 gleich zum Dr. med. promoviert und Volontärassistent am Pharmakologischen Institut mit einem Monatsgehalt von DM 200,– wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuer beruflicher Abschnitt begann, als er 1956 als Stipendiat des [[British Council]] in das von [[John Henry Gaddum]] geleitete Pharmakologische Institut der [[University of Edinburgh]] eintrat. Die Fragestellungen und Methoden waren ganz anders, als er sie bisher kennengelernt hatte. Er arbeitete im Labor von [[Marthe Vogt]], und bei ihr wurde die Physiologie und Pharmakologie des [[Sympathikus]] sein Hauptthema. 1957 nach Mainz zurückgekehrt und jetzt voll bezahlter Assistent, [[Habilitation|habilitierte]] er sich mit einer Arbeit &amp;#039;&amp;#039;Der Gehalt des Herzens an Noradrenalin und Adrenalin unter verschiedenen experimentellen Bedingungen&amp;#039;&amp;#039; für Pharmakologie und Toxikologie. Im Mai 1960 heiratete er Hilde Elisabeth Rosa Osburg, mit der er zwei Söhne und eine Tochter hatte. 1973 wurde er Nachfolger von Gustav Kuschinsky auf dem Mainzer Pharmakologie-Lehrstuhl. 1991 wurde er emeritiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werk ==&lt;br /&gt;
Muscholl hat das Wissen um den Sympathikus und seinen [[Neurotransmitter]] [[Noradrenalin]], darüber hinaus aber auch die [[Neurowissenschaften]] allgemein, vor allem durch fünf Entdeckungen wesentlich bereichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Marthe Vogt hat er die Wirkungsweise des [[Alkaloide|Alkaloids]] [[Reserpin]] geklärt: Es entleert die Noradrenalin-Vorräte der [[Sympathikus|postganglionären sympathischen Nervenzellen]] und vermindert dadurch die Reaktion der Organe auf Sympathikusaktivität.&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Muscholl und Marthe Vogt: &amp;#039;&amp;#039;The action of reserpine on the peripheral sympathetic system.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[The Journal of Physiology]]&amp;#039;&amp;#039; 1958; 141:132–155.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1960 entdeckte er gleichzeitig mit der Gruppe von [[Julius Axelrod]], zu der auch der Freiburger Pharmakologe [[Georg Hertting]] gehörte, was aus Noradrenalin wird, nachdem es aus den Endigungen der [[Axon]]e, also der langen Nervenzellfortsätze, freigesetzt wurde: Es wird durch einen [[Membrantransport#Aktiver Transport|aktiven Transport]] wieder in die Axone aufgenommen und anschließend in intrazellulären [[Vesikel (Biologie)|Vesikeln]] gespeichert.&amp;lt;ref&amp;gt;R. Lindmar und E. Muscholl: &amp;#039;&amp;#039;Die Wirkung von Pharmaka auf die Elimination von Noradrenalin aus der Perfusionsflüssigkeit und die Noradrenalinaufnahme in das isolierte Herz.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie&amp;#039;&amp;#039; 1964;247:469–492.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ähnlich verhält es sich mit den Neurotransmittern [[Dopamin]] und [[Serotonin]]. Die Entdeckung war fundamental für die [[Neurophysiologie]] und für das Verständnis der Wirkung der [[Antidepressivum|Antidepressiva]] und der psychotropen Wirkung des [[Kokain]]s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit dem jugoslawischen Pharmakologen [[Seid Huković]] hat Muscholl 1962 ein Versuchsmodell entwickelt – ein isoliertes Herz mit intakten sympathischen Nerven –, mit dem zum ersten Mal nachgewiesen wurde, dass für die Freisetzung von Noradrenalin [[Calcium]] notwendig ist,&amp;lt;ref&amp;gt;S. Huković und E. Muscholl: &amp;#039;&amp;#039;Die Noradrenalin-Abgabe aus dem isolierten Kaninchenherzen bei sympathischer Nervenreizung und ihre pharmakologische Beeinflussung&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie&amp;#039;&amp;#039; 1962; 244:81–96.&amp;lt;/ref&amp;gt; und mit dem die Wirkung zahlreicher [[Wirkstoff|Pharmaka]] auf Nervenzellen analysiert wurde, unter anderem die Wirkung von [[Ethanol]] auf [[Ionenkanal|Ionenkanäle]].&amp;lt;ref&amp;gt;Manfred Göthert und Gisela Thielecke: &amp;#039;&amp;#039;Inhibition by ethanol of noradrenaline output from peripheral sympathetic nerves: possible interaction of ethanol with neuronal receptors.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[European Journal of Pharmacology]]&amp;#039;&amp;#039; 1976; 37:321–328.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Konrad Löffelholz und Ruth Lindmar hat Muscholl 1968–1970 entdeckt, dass an den Endigungen von Axonen [[G-Protein-gekoppelter Rezeptor|G-Protein-gekoppelte Rezeptoren]] vorkommen, sogenannte [[Präsynaptischer Rezeptor|präsynaptische Rezeptoren]]. Bei dem in Mainz gefundenen Prototyp handelte es sich um [[Muskarinischer Acetylcholinrezeptor|Muskarinrezeptoren]] an den Endigungen postganglionärer sympathischer Axone; ihre Aktivierung hemmt die Freisetzung von Noradrenalin.&amp;lt;ref&amp;gt;R. Lindmar, K. Löffelholz und E. Muscholl E: &amp;#039;&amp;#039;A muscarinic mechanism inhibiting the release of noradrenaline from peripheral adrenergic nerve fibres by nicotinic agents.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[British Journal of Pharmacology]]&amp;#039;&amp;#039; 1968; 32:280–294.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch kommen präsynaptische Rezeptoren auch an vielen anderen, wenn nicht sogar allen Nervenzellen vor und tragen zur Regelung ihrer Funktion bei. [[Opioide]] und [[Cannabinoide]] wirken zum Beispiel vor allem über präsynaptische Rezeptoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich hat Muscholl den Wirkmechanismus des [[Antihypertensivum]]s [[Methyldopa]] geklärt. Aus Methyldopa entsteht im Körper α-Methyldopamin und weiter α-Methylnoradrenalin. Das letztere ist ein sogenannter „falscher Transmitter“, der wie körpereigenes Noradrenalin gespeichert, freigesetzt und anschließend wieder in die Endigungen der Axone aufgenommen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;E. Muscholl und K.H. Rahn: &amp;#039;&amp;#039;Nachweis von α-Methylnoradrenalin im Harn von Hypertonikern während einer Behandlung mit α-Methyldopa.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Klinische Wochenschrift&amp;#039;&amp;#039; 1966; 44:1412–1413.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Den Stand der Forschung in seinem Arbeitsgebiet hat Muscholl gemeinsam mit dem Oxforder Pharmakologen [[Hermann Blaschko]] 1972 im Band 33 &amp;#039;&amp;#039;Catecholamines&amp;#039;&amp;#039; des &amp;#039;&amp;#039;Handbook of Experimental Pharmacology&amp;#039;&amp;#039; zusammengefasst.&amp;lt;ref&amp;gt;H. Blaschko und E. Muscholl: &amp;#039;&amp;#039;Catecholamines. Handbook of Experimental Pharmacology&amp;#039;&amp;#039; Band 33. Berlin, Springer Verlag 1972. ISBN 3-540-05517-7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muscholl war viele Jahre Mitherausgeber der Fachzeitschrift [[Naunyn-Schmiedebergs Archiv]]. Als Inhaber des Mainzer Pharmakologie-Lehrstuhls hat er die traditionell in Mainz stattfindenden Frühjahrstagungen der [[Deutsche Gesellschaft für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie|Deutschen Gesellschaft für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie]] organisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Emeritierung verwaltete er bis 2012 das Archiv dieser Gesellschaft, die mit ihrer Gründung 1920 die zweitälteste pharmakologische Gesellschaft der Welt ist (nach der 1908 gegründeten &amp;#039;&amp;#039;[[American Society for Pharmacology and Experimental Therapeutics]]&amp;#039;&amp;#039;). In diesem Zusammenhang hat Muscholl die Tagebücher des Berliner Pharmakologen [[Wolfgang Heubner]] maschinenschriftlich transkribiert. Heubner führte die Tagebücher von 1917 bis 1956 fast ohne Unterbrechung; sie umfassen 28 Bände. Sie sind eine wichtige Quelle zur Pharmakologiegeschichte, zur Wissenschaftsgeschichte und zur allgemeinen Geschichte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Udo Schagen]]: &amp;#039;&amp;#039;Von der Freiheit – und den Spielräumen – der Wissenschaft(ler) im Nationalsozialismus: Wolfgang Heubner und die Pharmakologie der Charité 1933 bis 1945.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Sabine Schleiermacher]] und Udo Schagen (Hg.): &amp;#039;&amp;#039;Die Charité im dritten Reich.&amp;#039;&amp;#039; Paderborn, Ferdinand Schöningh,  2008, Seite 207–227. ISBN 978-3-506-76476-8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anerkennung ==&lt;br /&gt;
1983 wurde Muscholl Mitglied der [[Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina|Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{Leopoldina|275|IDName=erich-muscholl|Name=Prof. Dr. Erich Muscholl|Kommentar=mit Bild|Datum=18. Juli 2016}}&amp;lt;/ref&amp;gt; 1984 erhielt er den Preis der [[Feldberg Foundation]]. 1996 machte ihn die &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Gesellschaft für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie&amp;#039;&amp;#039; zum Ehrenmitglied, 2010 verlieh sie ihm mit der [[Schmiedeberg-Plakette]] ihre höchste Ehrung. 2008 erhielt er den Landesverdienstorden, die prominenteste Auszeichnung des Landes [[Rheinland-Pfalz]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|VIAF=92243272|GNDName=104932260|GNDfehlt=ja|GNDCheck=2023-12-27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Muscholl, Erich}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pharmakologe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hochschullehrer (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Rheinland-Pfalz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Träger der Schmiedeberg-Plakette]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Absolvent der Johannes Gutenberg-Universität Mainz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1926]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 2019]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Muscholl, Erich&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Muscholl, Erich Otto Rudolf&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Arzt und Pharmakologe&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=3. Juli 1926&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Zabrze|Hindenburg]], [[Oberschlesien]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=17. Januar 2019&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Mainz]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Schreiben</name></author>
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