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	<title>Erfahrung - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Erfahrung&amp;diff=21175&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Hardenacke: /* Literatur */ + wikilink</title>
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		<updated>2025-07-07T16:05:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Literatur: &lt;/span&gt; + wikilink&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Erfahrung&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet man die durch [[Wahrnehmung]] und [[Lernen]] erworbenen [[Kenntnis]]se und [[Verhaltensmuster|Verhaltensweisen]] oder im Sinne von „Lebenserfahrung“ die Gesamtheit aller [[Erlebnis]]se, die eine [[Person]] jemals hatte, einschließlich ihrer [[Kognition|Verarbeitung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Nach [[Jürgen Mittelstraß]] ist mit Erfahrung gewöhnlich „die erworbene Fähigkeit sicherer Orientierung [und] das Vertrautsein mit bestimmten Handlungs- und Sachzusammenhängen ohne Rekurs auf ein hiervon unabhängiges theoretisches Wissen“&amp;lt;ref&amp;gt;Jürgen Mittelstraß: &amp;#039;&amp;#039;Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie&amp;#039;&amp;#039;, Band I, Mannheim 1980, S. 569.&amp;lt;/ref&amp;gt; z.&amp;amp;nbsp;B. wissenschaftlicher Art gemeint: wegen der bei jedem Erleben stets mitlaufenden, zum größten Teil automatischen und dabei psychologisch gesehen [[Assoziation (Psychologie)|assoziativen]] sowie zumindest nachträglichen [[Bewusstsein|bewussten]] [[geist]]igen ([[Denken|gedanklichen]] oder [[Kognition|kognitiven]]) Verarbeitung und darauf beruhendem [[Wissen]] und [[Vermögen (Fähigkeit)|Können]] einer Person mitsamt dazugehörigen [[Betrachtung|Ansichten]], [[Überzeugung]]en und [[Prinzip]]ien evtl. bis hin zu ihrer individuellen, selbst gewählten und bestimmten [[Lebensführung]] und ihrem [[Lebensstil]] sowie sonstigen Verhaltensweisen, die sich in Reaktion auf die eigenen Erlebnisse aufgrund nicht weiter [[Reflexion (Philosophie)|reflektierter]] bloßer [[Lernen|Lernvorgänge]] mit der Zeit als [[Gewohnheit]]en herausgebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Wissenschaft]] spricht man anstelle von gewöhnlich eher persönlich gemeinter &amp;#039;&amp;#039;Erfahrung&amp;#039;&amp;#039; von „[[Empirie]]“. Denn für wissenschaftliche Aussagen ist gefordert, dass sie auf der Grundlage systematischer und [[Intersubjektivität|intersubjektiv]] bestätigter [[Beobachtung]]en zustande kommen, wozu beispielsweise [[Methode (Erkenntnistheorie)|methodische]] streng kontrollierte [[Messung]]en oder [[Experiment]]e gehören können. Wissenschaften auf einer derartigen methodisch geordneten Grundlage werden zur Unterscheidung von individuell zufälligem oder persönlichem &amp;#039;&amp;#039;Erfahrungswissen&amp;#039;&amp;#039; mit dem Anspruch auf höhere Verlässlichkeit &amp;#039;&amp;#039;Erfahrungswissenschaften&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;Empirische Wissenschaften&amp;#039;&amp;#039; genannt. Nach [[Oswald Schwemmer]]&amp;lt;ref&amp;gt;Oswald Schwemmer: &amp;#039;&amp;#039;Theorie der rationalen Erklärung. Zu den methodischen Grundlagen der Kulturwissenschaften&amp;#039;&amp;#039;. Beck, München 1976.&amp;lt;/ref&amp;gt; unterliegen alle Erfahrungswissenschaften demselben wissenschaftlichen [[Deduktiv-nomologisches Modell|Erklärungsmodell]], auch die von ihm [[Kulturwissenschaft|Kultur-]], gewöhnlich aber [[Geisteswissenschaft]]en genannten Wissenschaftsdisziplinen, in denen lediglich die Begründungspflichten komplexer sind als in [[Naturwissenschaft]]en. Diese gelten weithin zwar als Paradebeispiele für Erfahrungswissenschaften, doch gehört jede auf dokumentierten [[Sachverhalt|Fakten]] beruhende Forschung etwa [[Geschichtswissenschaft|historischer]] Art – angefangen von der [[Kosmologie]] über die [[Evolutionstheorie]] und [[Archäologie]], die [[Etymologie]] und [[Sprachwissenschaft]] bis hin zur [[Geschichtswissenschaft]] – zu den Erfahrungswissenschaften. ([[Religionswissenschaft]] unterscheidet sich deswegen in ihrer erfahrungswissenschaftlichen Grundlage von [[Theologie]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsbestimmungen ==&lt;br /&gt;
Erfahrung war ursprünglich vor allem ein philosophischer und religiös-affektiver Begriff, der im Mittelalter zusätzlich eine naturwissenschaftliche Bedeutung erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. &amp;#039;&amp;#039;[[Lexikon des Mittelalters]].&amp;#039;&amp;#039; Band 3, Sp. 2130–2131.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Schriftsteller [[William Saroyan]] schrieb einmal: „Erfahrung ist die Summe der begangenen Fehler, dividiert durch die eigene Dummheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Alltag  bezeichnet allgemein &amp;#039;&amp;#039;Lebenserfahrung&amp;#039;&amp;#039; das im Laufe eines Lebens gewonnene erprobte und bewährte Wissen. &amp;#039;&amp;#039;Berufserfahrung&amp;#039;&amp;#039; bedeutet, jemand übte lange eine bestimmte [[beruf]]liche Tätigkeit aus, legte sich&amp;amp;nbsp;– mit vielen verschiedenen [[Situation]]en konfrontiert, die gemeistert werden mussten&amp;amp;nbsp;– ein breitgefächertes Wissen zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &amp;#039;&amp;#039;Erfahrungsaustausch&amp;#039;&amp;#039; versteht man meistens das gegenseitige [[Lernen]]. Positive/gute und negative/schlechte Erfahrungen stehen überwiegend für die hinterlassene Wirkung von in der [[Vergangenheit]] Erlebtem, das man nachträglich für sein Leben interpretiert und bewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man spricht auch von &amp;#039;&amp;#039;religiösen Erfahrungen&amp;#039;&amp;#039; (→ [[Transzendentale Erfahrung]]!) als der Begegnung des Menschen im weitesten Sinne mit dem [[Transzendenz|Transzendenten]] und den weiterhin in Form von [[Kontemplation]]en erlebten Eindrücken, wie zum Beispiel von der [[Mystische Erfahrung|mystischen Erfahrung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Pädagogik]] unterscheidet man zwischen &amp;#039;&amp;#039;Primärerfahrung&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Sekundärerfahrung&amp;#039;&amp;#039;. Primärerfahrungen sind unmittelbare Erfahrungen, die in direktem Kontakt mit Mitmenschen oder mit einem Objekt gemacht werden. Erfahrungen, die man aus der Wahrnehmung anderer übernimmt, sind Sekundärerfahrungen. Hierzu zählen beispielsweise Erfahrungen, die durch [[Massenmedien]] vermittelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Entwicklungspsychologie]] ist Erfahrung das im [[Gehirn]] gespeicherte Ereignis, ohne welches Lernprozesse und die [[Ontogenese|menschliche Gesamtentwicklung]] nicht denkbar (oder möglich) sind. Das Gegenteil der mit Ereignissen verbundenen Situation ist die [[Monotonie (Psychologie)|Monotonie]], von der in der Regel keine förderlichen Wirkungen (für [[Lernprozess]]e) ausgehen. Monotonie be- oder verhindert Entwicklungsfortschritt (beim Menschen, bei Säugetieren). Insofern ist Erfahrung die Grundvoraussetzung für entwicklungspsychologischen Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein unterscheidet man eine &amp;#039;&amp;#039;innere Erfahrung&amp;#039;&amp;#039; von &amp;#039;&amp;#039;äußerer Erfahrung&amp;#039;&amp;#039;. Äußere Erfahrung bezieht sich auf das Erleben von „äußeren“, d.&amp;amp;nbsp;h. in der Umgebung stattfindenden Ereignissen, während innere Erfahrungen sich vollständig im Bereich der [[Vorstellung]], des [[Denken]]s oder [[Emotion|Fühlens]] abspielen können (→ [[Selbsterfahrung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unmittelbarkeit und Vermittlung von Erfahrung ==&lt;br /&gt;
In der Erkenntnistheorie stehen eine Reihe dem Begriff der Erfahrung verwandter oder zum Teil häufiger verwendeter Begriffe zur Verfügung. So kann Erfahrung an Phänomenen wie [[Wissen]], [[Fähigkeit (Psychologie)|Fähigkeiten]], [[Überzeugung]]en und [[Meinung]]en oder auch an der Herausbildung individueller wie kultureller [[Weltbild]]er maßgeblich beteiligt sein. Der Erfahrungsbegriff betont dabei im Unterschied zu anderen möglichen Formen des Wissens, dass dieses durch &amp;#039;&amp;#039;unmittelbares, persönliches Erleben&amp;#039;&amp;#039; zustande gekommen ist. Erfahrung ist immer nur auf ein bestimmtes Subjekt beziehbar, das allerdings im Grenzfall auch die gesamte Menschheit sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen, Kenntnisse und Fähigkeiten können sowohl auf eigener Erfahrung wie auch auf der Erfahrung Anderer beruhen, die ihre Erfahrungen durch Erzählungen, Berichte, [[Unterricht]] oder auch [[Massenmedien]] weitergeben. Sie sind dann für den Empfänger des Wissens keine Erfahrungen im engeren Sinne mehr, sondern „bloßes, abstraktes Wissen“. Jede selbst und unmittelbar gewonnene Erkenntnis einer Person dagegen ist von einer in Erlebnisprozessen vor sich gehenden Ausbildung von [[Emotion]]en, [[Motivation]]en und [[Wille]]ns&amp;amp;shy;entscheidungen begleitet. Erscheinen andere Erkenntnisformen gleichsam „entsubjektiviert“, „wertfrei“&amp;amp;nbsp;– etwa bestimmte Theorien, Wissenssysteme, Kenntnisse&amp;amp;nbsp;–, so ist dies bei der Erfahrung niemals der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfahrung und Empirie in der Wissenschaft ==&lt;br /&gt;
Die Ebene der Erfahrung spielt in der [[Wissenschaft]] eine zentrale Rolle. Insbesondere [[Naturwissenschaft]]en, aber auch [[Geisteswissenschaft]]en beziehen sich zur Legitimation ihrer Aussagen auf erfahrbare, sinnliche, manchmal auch messbare Größen. In der Wissenschaft ist jedoch der Begriff [[Empirie]] üblicher, um die erfahrungsbasierte Produktion von Wissen zu bezeichnen. Hierzu gehört vor allem die wissenschaftliche [[Methodik|Methode]], das streng kontrollierte Beobachten und Messen der Untersuchungsgegenstände oder ihr kontrolliertes Neu-Arrangement im [[Experiment]]. „Empirisch“ oder „erfahrungsbasiert“ ist eine Wissenschaft dann, wenn ihre Ergebnisse durch Dritte und deren eigene Erfahrung jederzeit nachprüfbar und [[Verifikation|verifizier-]] oder [[Falsifikation|falsifizierbar]] sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich eine ganze Reihe von Wissenschaften als &amp;#039;&amp;#039;Empirische Wissenschaften&amp;#039;&amp;#039; und damit als erfahrungsbasiert verstehen, spielt der &amp;#039;&amp;#039;Begriff&amp;#039;&amp;#039; der Erfahrung explizit nur in einigen philosophisch-weltanschaulichen Strömungen, insbesondere im [[Pragmatismus]], etwa bei [[Wilhelm Dilthey]] oder [[John Dewey]], eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Philosophische Ansätze ==&lt;br /&gt;
Verallgemeinernd lässt sich feststellen, dass der Begriff der Erfahrung in der [[Philosophie]] nicht eindeutig verwendet wird. Er lässt sowohl materialistische wie auch idealistische Schlussfolgerungen zu und bedarf in konkreten Verwendungszusammenhängen einer eindeutigen wissenschaftlichen und philosophischen Präzisierung. Gerade die Vieldeutigkeit des Erfahrungsbegriffs ist eine der Ursachen sowohl für die vielen divergierenden Definitionen als auch für die zahlreichen philosophiegeschichtlichen Verwendungs- und Deutungsweisen. Philosophiegeschichtlich verläuft die Diskussion der Erfahrungsproblematik weitgehend parallel zu der der Erkenntnisproblematik. [[Rudolf Eisler (Philosoph)|Rudolf Eisler]] unterscheidet drei Traditionslinien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: „Der [[Empirismus]] wertet die Erfahrung als einzige Quelle der Erkenntnis, der [[Rationalismus]] schreibt dem Denken überempirische Erkenntniskraft zu, der [[Kritizismus|Kriticismus]] betont in verschiedener Weise die Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Erfahrung und Denken.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Eisler, Artikel &amp;#039;&amp;#039;Erfahrung&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Wörterbuch der philosophischen Begriffe&amp;#039;&amp;#039;. Bd.&amp;amp;nbsp;1, Berlin 1904.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anlehnung an [[Immanuel Kant]] kann man erstere auch als &amp;#039;&amp;#039;[[A posteriori|aposteriorische]]&amp;#039;&amp;#039;, die zweite als &amp;#039;&amp;#039;[[apriori]]sche&amp;#039;&amp;#039;, die dritte als &amp;#039;&amp;#039;[[Dualismus (Ontologie)|dualistische]]&amp;#039;&amp;#039; Traditionslinien bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuzeitliche Philosophie ===&lt;br /&gt;
Obwohl man diese Sichtweise auf die Betrachtungen antiker und mittelalterlicher Philosophie ausdehnen kann, sollen hier nur einige philosophische Ansätze der neueren Zeit erwähnt werden. &amp;#039;&amp;#039;Empirische&amp;#039;&amp;#039; Ansätze setzen Erfahrung mit [[Wahrnehmung]] mehr oder weniger gleich und betrachten sie in der Regel als zentrale Kategorie ihrer philosophischen Systeme. [[Francis Bacon]] betonte zuerst, mit Blick auf die Entstehung der modernen Wissenschaften, den Wert der methodisch geleiteten Erfahrung gegenüber der Alltagserfahrung. [[Thomas Hobbes]] betrachtete die sinnliche Wahrnehmung als Quelle der Ideen, aus der alles Wissen stammt, und trennt strikt die Empfindung vom Denken ab. [[John Locke]] nimmt an, dass alles Wissen aus äußerer oder innerer Erfahrung stamme, der Geist lediglich die Verbindung, Trennung und Generalisation des Erfahrenen diene und die Seele eine &amp;#039;&amp;#039;[[tabula rasa]]&amp;#039;&amp;#039; sei: Nichts sei im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen war. [[George Berkeley]] und [[David Hume]] nutzten die Anschauungen Lockes zur Ableitung ihrer empiristischen Systeme. [[Gottfried Wilhelm Leibniz]] erweitert diese Ansicht: Es ist nichts im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen war&amp;amp;nbsp;– außer dem Intellekt selbst. Er deutet damit bereits auf dualistische und sogar dialektische Möglichkeiten hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Rationalistische&amp;#039;&amp;#039; Ansätze, insbesondere die des klassischen [[Objektiver Idealismus|objektiven Idealismus]], sehen die Erfahrung den [[a priori]] (entweder eingeborenen oder gedanklich) vorerarbeiteten Ideen und Gedanken nachgeordnet. [[René Descartes]] und [[Baruch Spinoza|Spinoza]] sehen in der Vernunft die primäre Erkenntnisquelle, obwohl sie die Tatsache des Erfahrungsmachens durchaus akzeptieren. Besonders Descartes’ Gedanke von den „eingeborenen Ideen“ (&amp;#039;&amp;#039;[[Ideae innatae]]&amp;#039;&amp;#039;) wirkt prägend bis in die Neuzeit (zum Beispiel bei [[Noam Chomsky]]). [[Johann Gottlieb Fichte|Fichte]] betrachtet das System unserer Vorstellungen als Erfahrung. Nach [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel|Hegel]] ist die Erfahrung von den Bestimmungen des reinen Denkens unabhängig. [[Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling|Schelling]] lässt neben der gewöhnlichen Erfahrung als Gewissheit, die wir von äußeren Dingen und deren Beschaffenheit durch die Sinne erhalten, auch offenbartes Übersinnliches und Göttliches als „höhere“ Empirie gelten. [[Arthur Schopenhauer]] betrachtet Erfahrung als all das, was im empirischen Bewusstsein vorkommen kann. Viele [[Neukantianismus|Neukantianer]] stehen ebenfalls eher auf rationalistischen Positionen, so [[Otto Liebmann]], [[Hermann Cohen]] und [[Paul Natorp]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Immanuel Kant sowie der Positivismus ===&lt;br /&gt;
Wichtigster Ursprung „dualistischer“ Ansätze ist das völlig neue Erfahrungsverständnis, das [[Immanuel Kant]] in die Philosophie einführte. Kant verwendete den Begriff erstens in außerordentlich breitem, die Erkenntnis im weitesten Sinne umfassenden Verständnis. Erfahrung bezeichnet für ihn sowohl den Gegenstand als auch die Methode der Erkenntnis, den denkgesetzlichen Zusammenhang aller Funktionen der Erkenntnis: Produkt der Sinne und des Verstandes. In dem Ganzen aller möglichen Erfahrung liegen all unsere Erkenntnisse. Zweitens differenziert und strukturiert er aber diesen Erfahrungsbegriff tiefgründig. Einerseits ist ihm Erfahrung die Erkenntnis der Objekte durch Wahrnehmungen, eine Synthesis der Wahrnehmungen, bedeutet somit einen stets fortschreitenden Erkenntnisprozess und liefert empirische, objektiv gültige Erkenntnisresultate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist aber nichts weniger als ein empiristischer Zugang. Denn andererseits stellt er klar fest, dass der Verstand durch seine Begriffe (das heißt der [[Kategorie (Philosophie)|Kategorien]]) selbst Urheber der Erfahrung ist, dass die Verstandesgrundsätze, als synthetische Erkenntnisse [[a priori]], die Erfahrung antizipieren. Drittens wird damit Erfahrung in das Wechselspiel der Apriori und Aposteriori eingefügt und eine bis heute gültige Frage gestellt: Inwieweit wird die sinnliche Wahrnehmung und die kognitive Verarbeitung des Wahrgenommenen durch bereits vorhandene&amp;amp;nbsp;– [[Phylogenese|phylogenetisch]] oder [[Ontogenese|ontogenetisch]] oder gesellschaftlich erworbene&amp;amp;nbsp;– Mechanismen determiniert, die von den Rezeptorkonfigurationen und den Möglichkeiten und Grenzen der neuralen [[Selbstorganisation]] bis zu den gesellschaftlich vorgegebenen Erkenntnissen, Einstellungen und Wertungen reichen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Positivismus]] so unterschiedlicher Denker wie [[John Stuart Mill]], [[Auguste Comte]], [[Karl Eugen Dühring]], [[Richard Avenarius]], [[Joseph Petzold]], [[Ernst Mach]] und vieler anderer knüpft an den klassischen Empirismus an und versucht auf unterschiedliche Weise wiederum die (verabsolutierte, reine) Erfahrung zur Quelle allen wahren Wissens zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zur Aufgabe der Klärung der inneren Erfahrung ===&lt;br /&gt;
Als Aufgabe bleibt unter anderem zu klären, einen erweiterten Zugang zur inneren Erfahrung zu finden, dies also nicht nur im Sinne der relativen Apriori. So wird im Rahmen der Selbstorganisationstheorie, insbesondere hier die [[Autopoiesis]]&amp;amp;shy;theorie von [[Humberto Maturana]], auf die Entstehung von geistig Neuem ohne jeglichen Anstoß von außen hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Soziologischer Ansatz: Erfahrung nach Oskar Negt ==&lt;br /&gt;
Der [[Marxismus|marxistische]] [[Soziologie|Soziologe]] [[Oskar Negt]] benutzte Anfang der 1960er Jahre einen Begriff der Erfahrung, der unter anderem für die [[Gewerkschaftliche Bildungsarbeit]] zentral wurde. Er entwickelte seine Position in &amp;#039;&amp;#039;Soziologische Phantasie und exemplarisches Lernen&amp;#039;&amp;#039; von 1964 und in dem mit [[Alexander Kluge]] verfassten Buch &amp;#039;&amp;#039;Öffentlichkeit und Erfahrung&amp;#039;&amp;#039; von 1972. Erfahrungen sind nach Negt einerseits spezifische Produktionsformen der Verarbeitung von Realität, andererseits aktive Reaktionen auf diese Realität. Obschon Erfahrungen individuell „durch die Köpfe von einzelnen Menschen hindurch“ gehen müssen, sind sie „Momente einer durch Begriffe und durch Sprache vermittelten [[Arbeit (Philosophie)|schöpferischen Auseinandersetzung]] mit der Realität, mit der Gesellschaft“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die [[Arbeiterbildung]] heißt dies, dass diese an den [[kollektiv]]en Erfahrungen der [[Arbeiter]] ansetzen müsse. Eine Bildungsarbeit, die von kollektiven Erfahrungen ausgehe, laufe weniger Gefahr, [[Halbbildung]] zu vermitteln. Bis heute spricht man in der Gewerkschaftlichen Bildungsarbeit vom „Erfahrungsansatz“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lebenserfahrung bei Richtern ==&lt;br /&gt;
Die persönliche Lebenserfahrung ist die Grundlage der [[Beweiswürdigung]] bei Richtern. Diese müssen drei wesentliche Voraussetzungen für ihr Richteramt mitbringen, nämlich außer Lebenserfahrung auch [[Subsumtion (Recht)|Subsumtion]] und [[Logik|logisches Denkvermögen]]. Lebenserfahrung spiegelt [[Einsicht]]en der Richter, die verallgemeinernd aus der [[Beobachtung]] von Einzelfällen gewonnen wurden. Sie kann sich so verdichten, dass ihre Beachtung schlechthin zwingend ist. „[[Erfahrungssatz|Erfahrungssätze]] sind die aufgrund allgemeiner Lebenserfahrung oder wissenschaftlicher Erkenntnisse gewonnenen Regeln, die keine Ausnahme zulassen und eine an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit zum Inhalt haben“.&amp;lt;ref&amp;gt;BGH, Beschluss vom 8. September 1999, Az.: 2 StR 369/99 = {{Rspr|StV 2000, 69}}.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Anwendung der Lebenserfahrung ist eine Aufgabe [[tatrichter]]licher Würdigung, die keiner Rechtskontrolle des [[Revisionsgericht]]s unterliegt. Allerdings bedürfen offenkundig erfahrungswidrige Tatsachenfeststellungen kraft Lebenserfahrung der Überprüfung im Revisionsverfahren.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://books.google.de/books?id=wpToBQAAQBAJ&amp;amp;pg=PA502&amp;amp;dq=Lebenserfahrung+richter&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=0ahUKEwjk3KHa_eHcAhXJmLQKHd9NAdUQ6AEIOzAE#v=onepage&amp;amp;q=Lebenserfahrung%20richter&amp;amp;f=false Bernhard Wieczorek/Rolf A. Schütze, &amp;#039;&amp;#039;Großkommentar ZPO, §§ 355-510c ZPO&amp;#039;&amp;#039;, Band 6, 2013, § 402 Rn. 75 f., S.  502].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[John Dewey]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Kunst als Erfahrung]].&amp;#039;&amp;#039; Übersetzung aus dem Englischen von Christa Velten, Gerhard vom Hofe und Dieter Sulzer. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2021, ISBN 978-3-518-28303-5.&lt;br /&gt;
* [[Miriam Hansen]]: &amp;#039;&amp;#039;Cinema and Experience: Siegfried Kracauer, Walter Benjamin, and Theodor W. Adorno&amp;#039;&amp;#039;, University of California Press 2012 (Paperback 2017)&lt;br /&gt;
* [[Dietmar Mieth]]: &amp;#039;&amp;#039;Moral und Erfahrung.&amp;#039;&amp;#039; Band&amp;amp;nbsp;2, 1999, ISBN 3-451-27187-7 sowie ISBN 3-451-26212-6.&lt;br /&gt;
* [[Oskar Negt]], [[Alexander Kluge]]: &amp;#039;&amp;#039;Öffentlichkeit und Erfahrung. Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Öffentlichkeit.&amp;#039;&amp;#039; 1. Auflage. Steidl, Göttingen 2016, ISBN 978-3-86930-879-1.&lt;br /&gt;
* [[Rolf Oerter]], [[Leo Montada]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Entwicklungspsychologie.&amp;#039;&amp;#039; Beltz PVU, Weinheim / Basel / Berlin 1982: 1. Auflage; 2002: 5. Auflage, ISBN 3-621-27479-0.&lt;br /&gt;
* [[Hans Wißmann]], [[Eilert Herms]], [[Ulrich Köpf]], [[Joachim Track]], [[Dietrich Zilleßen]]: &amp;#039;&amp;#039;Erfahrung I. Religionsgeschichtlich II. Philosophisch III. Theologiegeschichtlich III/1. Mittelalter und Reformationszeit III/2. Neuzeit IV. Systematisch-theologisch V. Religionspädagogisch.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Theologische Realenzyklopädie]].&amp;#039;&amp;#039; 10, 1982, S.&amp;amp;nbsp;83–141 (umfassender Überblick mit weiterer Literatur).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Video ==&lt;br /&gt;
* [[Manfred Spitzer]]: &amp;#039;&amp;#039;Erfahrung&amp;#039;&amp;#039;, [[BR-alpha]]-Reihe „Geist und Gehirn“, Folge 12 (ca. 15 Minuten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
{{Wikiquote}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|4015217-0}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4015217-0|LCCN=sh85046433|NDL=00565344}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erkenntnistheorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Allgemeine Psychologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Allgemeine Pädagogik]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Hardenacke</name></author>
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