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	<title>Enver Pascha - Versionsgeschichte</title>
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		<title>imported&gt;Jordi: Jahr</title>
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		<updated>2026-02-26T04:01:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jahr&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:ENPER PASHA WARMINISTER.jpg|mini|Enver Pascha als Kriegsminister des Osmanischen Reiches (1914)]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Damad İsmail Enver&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ({{otaS|اسماعیل انور&amp;amp;lrm;}}) oder &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Enver Pascha&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[22. November]] [[1881]] in [[Istanbul|Konstantinopel]]; † [[4. August]] [[1922]] bei [[Baldschuan]], [[Volksrepublik Buchara]], heute [[Tadschikistan]]) war Politiker, [[Generalleutnant]] und [[Kriegsministerium|Kriegsminister]] des [[Osmanisches Reich|Osmanischen Reichs]] und einer der führenden [[Jungtürken]]. Enver Pascha war einer der Hauptverantwortlichen für den [[Völkermord an den Armeniern]] und gleichaltriger Zeitgenosse von [[Mustafa Kemal Atatürk]], mit dem er eine Zeit lang rivalisierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft und Aufstieg ==&lt;br /&gt;
Ismail Enver wurde als Kind eines türkischen [[Eisenbahn]]arbeiters und seiner [[Albaner|albanischen]] Mutter Ayşe Dilara&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Mazower, Mark. |Titel=Salonica, city of ghosts : Christians, Muslims, and Jews, 1430-1950 |Auflage=1st Vintage books ed |Verlag=Vintage |Ort=New York |Datum=2006 |ISBN=0-375-72738-8 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt; geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater achtete auf eine gute schulische Erziehung. Während seiner Schüler- und Studentenzeit kam er mit bürgerlich-revolutionären Ideen in Berührung und nahm 1897 als Mitglied der jungtürkischen Bewegung an den gescheiterten Studentenprotesten gegen die Regierung unter Sultan [[Abdülhamid II.]] teil. Um die Jahrhundertwende gewannen die intellektuell geprägten Jungtürken zunehmend Einfluss auf das türkische Offizierskorps. Enver, der die Offizierslaufbahn eingeschlagen hatte, sollte später neben [[Cemal Pascha|Cemal]] und [[Talât Pascha|Talaat]] in den Führungszirkel des [[Komitee für Einheit und Fortschritt|Komitees für Einheit und Fortschritt]] (&amp;#039;&amp;#039;İttihad ve Terakki Fırkası&amp;#039;&amp;#039;) aufsteigen. Die grundlegende Voraussetzung dafür war seine wichtige Rolle in der [[Jungtürken|Jungtürkischen Revolution]] von 1908. In der von seiner Garnison in [[Thessaloniki]] ausgehenden Militärrevolte übernahm der junge Hauptmann Enver [[Bey (Titel)|Bey]] die militärische Führung. Am 24. Juli 1908 musste Abdülhamid II. die liberale [[Verfassung]] des [[Großwesir]]s [[Midhat Pascha]] von 1876 wieder in Kraft setzen, die [[Zensur (Informationskontrolle)|Zensur]] aufheben, eine [[Amnestie]] erlassen und reaktionäre Regierungsmitglieder entlassen. Gegen die Machtübernahme der Jungtürken unternahmen reaktionäre Kräfte am 13.&amp;amp;nbsp;April 1909 einen Putschversuch, den revolutionäre Truppen nach drei Tagen niederschlugen. Danach entthronten die Jungtürken Sultan Abdülhamid II. und ersetzten ihn durch dessen machtlosen Bruder [[Mehmed V.]], der Verfassungstreue schwor.&lt;br /&gt;
[[Datei:ENVER BEY.jpg|mini|Enver Bey als Absolvent der Militärakademie]]&lt;br /&gt;
Der junge, aufstrebende Ismail Enver stand damals noch in der zweiten Reihe der Jungtürkischen Bewegung. Er setzte sich gegen probritische und profranzösische Kräfte für ein Militärbündnis mit dem [[Deutsches Kaiserreich|Deutschen Kaiserreich]] ein und amtierte folgerichtig von 1909 bis 1911 als [[Militärattaché]] an der [[Türkische Botschaft Berlin|osmanischen Botschaft]] in [[Berlin]]. Dort entwickelte er maßgeblich die engen deutsch-türkischen Bündnisbeziehungen vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] und sorgte persönlich dafür, dass deutsche Offiziere höchste Funktionen in der [[Osmanische Armee|türkischen Armee]] einnahmen. Mit Hilfe preußisch-deutscher Militärberater und moderner deutscher Waffen wollte er das zurückgebliebene osmanische Militärwesen reformieren, um drohenden Angriffen durch [[Italien]] in der [[Cyrenaika]] und im [[Dodekanes]] und [[Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland|britischen]] Expansionsgelüsten nach [[Palästina (Region)|Palästina]], [[Syrien]], [[Arabische Halbinsel|Arabien]] und [[Mesopotamien]] begegnen zu können. Diese Militärpolitik vergiftete die Beziehungen zur Weltmacht Großbritannien, die durch die Konzession an die [[Deutsche Bank]] zum Bau der [[Bagdadbahn]] schon länger belastet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des [[Italienisch-Türkischer Krieg|italienisch-türkischen Kriegs]] verließ Ismail Enver 1911 Berlin, konnte jedoch als türkischer [[Oberbefehlshaber]] den Verlust [[Libyen]]s nicht verhindern. Mit den Niederlagen in Nordafrika und im Dodekanes, der politischen Verfolgung oppositioneller Kräfte im Inland und Gewaltakten gegen Bürger, die nicht türkischer Nationalität waren, verspielten die Jungtürken für kurze Zeit ihre politische Macht. Im Juli 1912 wurden sie von der probritischen „liberalen“ Partei [[Freiheit und Einheit]] gestürzt. Die neue Regierung geriet jedoch durch den im Oktober 1912 beginnenden [[Erster Balkankrieg|Ersten Balkankrieg]], der zu katastrophalen Niederlagen und großen Gebietsverlusten führte, und die politische Spaltung des Offizierskorps ihrerseits in die Krise. Schon im Januar 1913 erfolgte unter maßgeblicher Führung Envers ein erfolgreicher Militärputsch der Jungtürken, der jedoch weitere militärische Niederlagen auf dem Balkan nicht verhinderte. Die neue jungtürkische Regierung unter Führung des Großwesirs [[Mahmud Şevket Pascha]] war im Frühjahr 1913 zum verlustreichen Friedensschluss von London gezwungen. Das Osmanische Reich verlor die gesamten europäischen Gebiete einschließlich [[Edirne|Adrianopels]]. Wenig später zerstritten sich jedoch die siegreichen Balkanstaaten untereinander über die Aufteilung der Beute. Das isolierte [[Zarentum Bulgarien|Bulgarien]] kämpfte im [[Zweiter Balkankrieg|Zweiten Balkankrieg]] allein gegen ein neues Bündnis aus [[Königreich Serbien|Serbien]], [[Königreich Griechenland|Griechenland]] und [[Königreich Rumänien|Rumänien]] und unterlag dieser Übermacht. Enver erkannte die einmalige Chance, einen kleinen Teil des verlorenen Gebiets zurückzugewinnen, griff als türkischer Oberbefehlshaber seinerseits Bulgarien an und konnte Adrianopel zurückerobern. Dadurch wurde er in der öffentlichen Meinung der Osmanen zum Kriegshelden, was ihm das Amt des Kriegsministers in der neuen jungtürkischen Regierung sicherte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zeit als Kriegsminister ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kaiser W in Gallipoli.jpg|mini|Enver Pascha (2.&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;r.) während eines Frontbesuches des deutschen Kaisers [[Wilhelm II. (Deutsches Reich)|Wilhelm II.]] (2.&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;l.) mit dem Kommandeur der osmanischen Verteidigungstruppen an den [[Dardanellen]] (4.&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;l.) und dem osmanischen [[Vizeadmiral]] [[Johannes Merten|Merten]] (3.&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;l.)]]&lt;br /&gt;
Zwischen Sommer 1913 und Ende 1914 stand Enver Pascha auf dem Höhepunkt seines Ansehens und seiner Macht. Er regierte in einem informellen [[Triumvirat]] mit Innenminister [[Talât Pascha]] und Marineminister [[Cemal Pascha]] mit nahezu [[Diktatur|diktatorischen]] Vollmachten. Kurz nach der Machtübernahme Anfang 1913 wurde İsmail Enver zusammen mit der Ernennung zum Generalmajor auch der Ehrentitel „[[Pascha (Titel)|Pascha]]“ verliehen, unter dem er bis heute als „Enver Pascha“ bekannt ist. Sein gesellschaftlicher Aufstieg wurde durch die Heirat mit einer osmanischen Prinzessin erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 3. Januar 1914 wurde er von Sultan [[Mehmed V.]] zum Kriegsminister des Osmanischen Reiches ernannt. Als Kriegsminister „säuberte“ Enver zunächst das Offizierskorps, indem er Generäle und Offiziere, die der Opposition gegen die Jungtürken verdächtig waren, massenhaft zwangspensionieren ließ. Außerdem erwirkte Enver im August 1914 das Zusammengehen mit Deutschland und [[Österreich-Ungarn]] im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]], was im Herbst 1914 zum offiziellen Kriegseintritt des Osmanischen Reiches führte. Bis kurz vor Kriegsende leitete er die türkischen Militäroperationen als „Vizegeneralissimus“ – eigentlich als Oberbefehlshaber, dem jedoch nominell der Sultan als „Generalissimus“ übergeordnet war. Als die osmanische Großoffensive an der [[Kaukasusfront (Erster Weltkrieg)|Kaukasusfront]] im Winter 1914/15, die Enver persönlich leitete, mit einem regelrechten Debakel endete, geriet das jungtürkische Regime schon zu Kriegsbeginn in eine prekäre Lage. Die osmanische Armee war nicht ausreichend für einen Winterfeldzug gerüstet und erlitt in der [[Schlacht von Sarıkamış]] große Menschenverluste. Die russische Armee eröffnete daraufhin im Frühjahr 1915, auf Sympathien unter der armenischen Bevölkerung zählend, die Gegenoffensive im Osten. Zur selben Zeit unternahmen die Briten einen Landungsversuch auf der Halbinsel [[Schlacht von Gallipoli|Gallipoli]] unweit Istanbuls und setzten sich dort monatelang fest. Das militärische Ansehen Envers war in der Armee seither schwer angeschlagen, konnte jedoch durch spätere militärische Erfolge, insbesondere durch die Verteidigung Gallipolis, teilweise wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jungtürkische Triumvirat – den drohenden Zusammenbruch des Reiches vor Augen – verschärfte daraufhin den Staatsterror gegen die [[Armenier]] durch massenhafte [[Deportation]]en, die durch mangelnde Versorgung, Seuchen und gezielte Massaker in einen von langer Hand geplanten sowie von den Verbündeten des Osmanischen Reiches (dem deutschen Kaiserreich und Österreich-Ungarn) zumindest geduldeten, wenn nicht sogar indirekt unterstützten [[Völkermord an den Armeniern|Völkermord]] mündeten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ben Kierman: &amp;#039;&amp;#039;Erde und Blut. Völkermord und Vernichtung von der Antike bis heute&amp;#039;&amp;#039;, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2009, ISBN 978-3-421-05876-8, S. 515–540.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierfür war Enver einer der Hauptverantwortlichen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/genozid-an-den-armeniern/218106/deutschlands-rolle Die Deutschen und der Völkermord]. [[Bundeszentrale für politische Bildung]]. 26. April 2016. Abgerufen am 29. Juni 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von Verfolgungen waren auch [[Osmanische Griechen|Griechen]] und [[Völkermord an den Assyrern und Aramäern|Aramäer/Assyrer]] betroffen. Dieses Vorgehen zerrüttete den inneren Zusammenhalt, aber auch die Wirtschaftskraft des Vielvölkerstaates. In [[Mittelasien]] schürte Enver Pascha 1916 im Zusammenhang mit dem Aufstand der [[Basmatschi]] gegen die Zarenherrschaft [[Panturkismus|pantürkische]] Träume, was zu einer Vertrauenskrise in der deutschen Heeresführung führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit einer Regierungsumbildung im Februar 1917 amtierte Enver zusätzlich als Stellvertreter des neuen Großwesirs Talât Pascha. Trotz des türkisch-deutschen Erfolges bei der Verteidigung Gallipolis 1916 und des massiven deutschen Militärengagements im Nahen Osten verbesserte sich die Lage an der Kaukasusfront erst, als die russische Armee sich infolge der [[Oktoberrevolution]] 1917 auflöste. Auf Grund des [[Friedensvertrag von Brest-Litowsk|Friedensvertrags]] von [[Brest-Litowsk]] vom 3. März 1918 konnten die Jungtürken die Heimkehr der 1878 an Russland abgetretenen Distrikte [[Kars]], [[Ardahan]] und [[Batumi]] feiern. Im Juni 1918 ließ Enver Pascha eine „[[Armee des Islam (Osmanisches Reich)|Islamische Armee]]“ im Kaukasus aufstellen, um Aserbaidschan mit der wichtigen Ölmetropole [[Baku]] zu erobern – was erneut Reibungen mit dem verbündeten Deutschland verursachte und zu [[Armenierpogrom in Baku 1918|Massakern an Armeniern]] in Baku führte. Kurz nach dem Einmarsch in Baku am [[Kaspisches Meer|Kaspischen Meer]], der wichtige osmanische Truppenteile band, brach jedoch durch eine erfolgreiche britische Offensive die Front in Palästina zusammen. Der Erste Weltkrieg war für das Osmanische Reich endgültig verloren, als das verbündete Bulgarien Ende September 1918 kapitulierte und damit die Osmanen von der deutschen Nachschubversorgung abgeschnitten waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen gravierender Fehler in der militärischen Führung, seiner Beteiligung am [[Völkermord an den Armeniern]], den er mit Innenminister und Großwesir Talât Pascha mitzuverantworten hatte, und seiner abenteuerlichen [[Turanismus|pantürkischen]] Großmachtpläne hatte sich Enver Pascha jenen Teil des Offizierskorps und der Jungtürken zu Feinden gemacht, der einen [[Säkularisierung|säkularisierten]], [[republik]]anischen Staat wollte und angesichts der absehbaren Niederlage nach Wegen zu einem Ausgleich mit den westeuropäischen Siegermächten suchte. Die Entmachtung Envers begann schon mit der Thronbesteigung des Sultans [[Mehmed VI.]] im Juli 1918, der die oppositionellen Kräfte unterstützte und Enver als Vizegeneralissimus absetzte. Als die Kriegsniederlage nach der bulgarischen Katastrophe offensichtlich und unabwendbar war, konnte sich die Regierung unter Großwesir Talaat nicht mehr halten und musste am 14. Oktober 1918 zurücktreten. Enver wurde wegen seiner gescheiterten Kriegsstrategie bereits am 4. Oktober 1918 als Kriegsminister entlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Unterzeichnung des für das Osmanische Reich verheerenden [[Waffenstillstand von Moudros|Waffenstillstands von Moudros]] am 30. Oktober 1918 und einem Regierungswechsel, der Anfang November 1918 die von den Jungtürken verfolgten Liberalen wieder an die Macht brachte, mussten Enver, Talaat und Cemal aus Istanbul fliehen, um der Verhaftung und Verurteilung zu entgehen. In der Nacht vom 3. zum 4. November 1918 ging Enver Pascha zusammen mit anderen führenden Jungtürken an Bord eines deutschen U-Boots, das ihn in geheimer Mission nach Odessa brachte. Die Flüchtigen, die zunächst sämtlich in Deutschland untertauchten, bevor sich ihre Wege trennten, wurden 1919 in Istanbul wegen ihrer Verantwortung für den Armeniergenozid in Abwesenheit zum Tode verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In literarischer Form wurde Envers Mitschuld am Völkermord an den Armeniern in dem Roman &amp;#039;&amp;#039;[[Die vierzig Tage des Musa Dagh]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Franz Werfel]] beschrieben, der – mit Bezug auf eine authentische Begebenheit – die Begegnung des Kriegsministers mit dem deutschen Geistlichen und Orientkenner [[Johannes Lepsius]] schildert und Enver dabei als kalt lächelnden Massenmörder beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Exil in Deutschland und Russland ==&lt;br /&gt;
Enver fand zusammen mit Talaat für einige Zeit Unterschlupf in [[Potsdam]]. Dort wohnte er [[Anonymität|incognito]] in [[Neubabelsberg]] bei dem befreundeten Kunsthistoriker [[Friedrich Sarre]], Direktor im [[Vorderasiatisches Museum Berlin|Vorderasiatischen Museum Berlin]]. Im Sommer 1919 besuchten Enver und Talaat den in Moabit inhaftierten Revolutionär [[Karl Radek]], der ihnen den Vorschlag unterbreitete, Kontakt zur sowjetrussischen Führung aufzunehmen, um den Krieg in Mittelasien gegen Großbritannien fortzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;David Fromkin: &amp;#039;&amp;#039;A Peace to End All Peace.&amp;#039;&amp;#039; 2. Aufl., New York 2009, S. 480.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu sollte er die Reste seiner „Islamischen Armee“ mit Einheiten der [[Rote Armee|Roten Armee]] vereinigen. Enver erlag der Fehleinschätzung, die Sowjetmacht würde im Kampf gegen den britischen Imperialismus, der die Ölfelder um Baku ins Auge gefasst hatte, auch sein pantürkisches Programm tolerieren. Seine Verbindungen zu deutschen Militärs wie [[Hans von Seeckt]] ausnutzend, unternahm er Ende 1919 und Anfang 1920 mehrere Versuche, per Flugzeug über das in Nachkriegskonflikten versunkene Osteuropa hinweg nach Sowjetrussland zu gelangen, hatte aber erst im Sommer 1920 Erfolg. Im September 1920 nahm er auf Einladung seiner sowjetischen Gastgeber am ersten [[Kongress der Völker des Ostens]] in [[Baku]] teil, der von der [[Komintern]] organisiert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Fromkin: &amp;#039;&amp;#039;A Peace to End All Peace&amp;#039;&amp;#039;, S. 481 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Kongress kehrte Enver nach Deutschland zurück, wo er Waffen kaufte, um in den [[Türkischer Befreiungskrieg|Türkischen Befreiungskrieg]] einzugreifen. Die Sowjets bauten Enver in dieser Zeit als Alternative zu [[Mustafa Kemal Atatürk|Mustafa Kemal]] auf, um diesen auf einem sowjetfreundlichen Kurs zu halten. Nach einigen Monaten in Moskau reiste er im Sommer 1921 mit Erlaubnis der Sowjetregierung in den Kaukasus. Sein dafür gegebenes Versprechen, sich nicht gegen Mustafa Kemal zu engagieren, brach er jedoch. Nachdem sein Versuch, von Batumi aus mit einigen Unterstützern in die Türkei einzureisen, von den sowjetischen Behörden verhindert worden war, nahm er eine Mission der Sowjetregierung nach [[Turkestan]] an. Er sollte dabei helfen, das in den Revolutionswirren unabhängig gewordene [[Emirat Buchara]] unter sowjetische Kontrolle zu bringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Fromkin: &amp;#039;&amp;#039;A Peace to End All Peace&amp;#039;&amp;#039;, S. 483–485.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im November 1921 in Buchara angekommen, wandte er sich gegen seine bisherigen Unterstützer und nahm Verbindung mit Führern der [[Basmatschi]] auf. Unter ihnen suchte er Anhänger für seine [[Panturkismus|pantürkische Idee]] zu gewinnen und agitierte für die Bildung eines neuen [[Kalifat]]s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kampf für ein neues Kalifat und Tod ==&lt;br /&gt;
Wegen der kriegsbedingten und revolutionären Wirren schien Enver Pascha die Zeit günstig, die islamischen, turkstämmigen Völker Mittelasiens in einem eigenen Staatswesen zu vereinigen. Dabei hatte er es nicht nur auf die gerade der Zarenherrschaft entronnenen [[Aserbaidschan]]er, [[Turkmenistan|Turkmenen]] und [[Usbekistan|Usbeken]] abgesehen, sondern rechnete auch mit der Unterstützung der [[Uiguren]] in Nordwestchina und turkstämmiger Nationalisten in [[Afghanistan]] und [[Iran|Persien]]. Als Kommandeur der [[Basmatschi]] und Oberbefehlshaber der Truppen des Emirs [[Said Alim Khan]] kämpfte er für das Ziel, ein [[Kalifat]] mit Sitz in [[Samarkand]] zu errichten. Der von der Geistlichkeit, dem Bürgertum und der reichen Oberschicht [[Buchara]]s, [[Ferghana]]s und des ehemaligen [[Khanat]]s von [[Khanat Chiwa|Chiwa]] getragene Unabhängigkeitskampf wurde von der [[Rote Armee|Roten Armee]] blutig beendet. Am 4. August 1922 fielen Enver Pascha und die meisten seiner Kämpfer in einem erbitterten Gefecht mit überlegenen Sowjet-Truppen am Cegan Tepe bei [[Baldschuan]], nahe der tadschikischen Hauptstadt [[Duschanbe]] im [[Pamir (Gebirge)|Pamir]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Enver Paschas sterbliche Überreste wurden 1996 nach Istanbul überführt und dort an seinem 74. Todestag beim [[Abide-i Hürriyet]], dem Denkmal der [[Jungtürken|jungtürkischen Revolution]] von 1908, beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
Im März 1914 heiratete Enver [[Emine Naciye Sultan]], eine Tochter des Bruders des Sultans [[Mehmed V.|Mehmed V. Reşad]]. Somit wurde Enver zum [[Damad-ı Şehriyârî]] &amp;#039;&amp;#039;(deutsch: Schwiegersohn des Sultans)&amp;#039;&amp;#039;. Aus dieser Ehe gingen 1917 die Tochter Türkân Mayatepek, die Tochter Mahpeyker Ürgüp und 1920 der Sohn Ali Enver Akoğlu hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sonstiges ==&lt;br /&gt;
Enver Pascha, der u.&amp;amp;nbsp;a. das osmanisch-türkische Schriftsystem [[Hurûf-ı munfasıla]] entwickelt hatte, war als Symbol des neuen jungtürkisch-osmanischen Selbstbewusstseins und aufgrund seiner militärischen Erfolge im Osmanischen Reich und anderen Teilen der muslimischen Welt sehr populär, viele Familien benannten ihre Söhne nach ihm, so etwa im Falle von [[Anwar as-Sadat]]. Informell wurde auch der [[Kabalak (Mütze)|Kabalak]], eine [[Mütze|Militärmütze]] in der Form eines [[Tropenhelm]]s, als &amp;#039;&amp;#039;[[Enverije]]&amp;#039;&amp;#039; nach Enver benannt, da die Idee für die Kopfbedeckung angeblich auf ihn zurückging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in Deutschland genoss Enver Pascha als Initiator und [[Garant (Person)|Garant]] des Militärbündnisses mit dem Osmanischen Reich hohes Ansehen und außerordentliche Popularität. Zeitweise war er Ehrenvorsitzender der [[Deutsch-türkische Vereinigung|Deutsch-türkischen Vereinigung]]. Dieses Ansehen wurde auch dadurch nicht entscheidend geschmälert, dass militärische Kenner der osmanischen Verhältnisse wie General [[Otto Liman von Sanders]] („Liman Pascha“) in ihren Kriegserinnerungen Enver überaus kritisch bewerteten. Während des Ersten Weltkriegs dienten unter Envers Oberbefehl um die 800 preußische Offiziere und mehrere tausend deutsche Soldaten in der türkischen Armee im [[Asien-Korps]]. Als Militärattaché hatte er vor dem Krieg längere Zeit in [[Klein Glienicke]] gewohnt, so dass ihm zu Ehren 1915 eine von [[Babelsberg]] nach Klein Glienicke führende Brücke seinen Namen erhielt. Die „[[Enver-Pascha-Brücke]]“ wurde im Zweiten Weltkrieg 1945 zerstört. Für die große Popularität Enver Paschas sorgte außerdem eine nach ihm benannte deutsche Zigarettenmarke ([[Zigarettenfabrik Enver Bey|Enver Bey]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem deutsch-jüdischen Historiker [[Paul Arnsberg]] soll Enver Pascha seine Abstammung von den [[Dönme]] hergeleitet haben, einer [[Sabbatianismus|sabbatianischen]] Strömung innerhalb des Judentums, die auf den jüdischen Propheten [[Schabbtai Zvi]] zurückging.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Arnsberg: &amp;#039;&amp;#039;Von Podolien nach Offenbach. Die jüdische Heilsarmee des Jakob Frank. Zur Geschichte der frankistischen Bewegung.&amp;#039;&amp;#039; Stadtarchiv Offenbach am Main, 1965, S. 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auszeichnungen (Auswahl) ==&lt;br /&gt;
* [[Eisernes Kreuz]] am 26. Februar 1915&amp;lt;ref&amp;gt;https://pm20.zbw.eu/folder/pe/004755/00012&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Eiserner Halbmond]] im Jahre 1915&lt;br /&gt;
* [[Osmanje-Orden]] I. Klasse am 24. März 1915&lt;br /&gt;
* [[Pour le Mérite]] mit Eichenlaub&amp;lt;ref&amp;gt;[[Karl-Friedrich Hildebrand]], Christian Zweng: &amp;#039;&amp;#039;Die Ritter des Ordens Pour le Mérite des I. Weltkriegs, Band 1: A–G.&amp;#039;&amp;#039; Biblio Verlag, Osnabrück 1999, ISBN 3-7648-2505-7, S. 366–367.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
** Pour le Mérite am 23. August 1915&lt;br /&gt;
** Eichenlaub am 10. Januar 1916&lt;br /&gt;
* [[à la suite]] des [[Garde-Füsilier-Regiment|Preußischen Garde-Füsilier-Regiments]] am 13. September 1916&amp;lt;ref&amp;gt;https://pm20.zbw.eu/folder/pe/004755/00022&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schriften ==&lt;br /&gt;
* Enver Pascha: [[:Datei:Buch - Um Tripolis - 1911-1912 - Enver Pascha (1918).pdf|&amp;#039;&amp;#039;Um Tripolis.&amp;#039;&amp;#039;]] Verlag Bruckmann, München 1918 (Kriegstagebuch aus dem italienisch-türkischen Krieg).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Petra Kappert]], Ruth Haerkötter, Ingeborg Böer: &amp;#039;&amp;#039;Türken in Berlin 1871–1945.&amp;#039;&amp;#039; de Gruyter Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-11-017465-0 (Beitrag über das Leben Enver Paschas in Berlin).&lt;br /&gt;
* Hans-Jürgen Kornrumpf: &amp;#039;&amp;#039;[https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=779 Enver Pascha]&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas&amp;#039;&amp;#039;. Bd. 1. München 1974, S. 462–464&lt;br /&gt;
* [[Cemal Kutay]]: &amp;#039;&amp;#039;Birinci Dünya Harbinde Teşkilat-ı Mahsusa ve Hayber&amp;#039;de Türk cengi.&amp;#039;&amp;#039; (&amp;#039;&amp;#039;Die Spezialorganisation im Ersten Weltkrieg und die türkische Operation in [[Chaibar]].&amp;#039;&amp;#039;), Istanbul 1962 (Zeugenaussagen von Eşref Kuşçubaşı, einem der Anführer der Spezialorganisation).&lt;br /&gt;
* Kurt Okay: &amp;#039;&amp;#039;Enver Pascha, der große Freund Deutschlands.&amp;#039;&amp;#039; Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Enver Pasha}}&lt;br /&gt;
* {{NNDB Name|705/000113366}}&lt;br /&gt;
* [https://www.angelfire.com/rnb/bashiri/Enver/Enver.html Biografie Enver Paschas]&lt;br /&gt;
* {{Pressemappe|FID=pe/004755}}&lt;br /&gt;
* [https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/IWT7DZP7UJPWIOE55P65IV3HWAIPGIFK?query=enverije&amp;amp;hit=2&amp;amp;issuepage=2 M. Halil Halid, türkischer Generalkonsul a.&amp;amp;nbsp;D.: &amp;#039;&amp;#039;Turban, Fes und &amp;quot;Enverije&amp;quot;&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;Generalanzeiger für Halle und die Provinz Sachsen&amp;#039;&amp;#039; vom 30. Januar 1917, S. 2; Digitalisat]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118935577|LCCN=n/83/205813|VIAF=25010194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pascha]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Militärperson (Osmanisches Reich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Militärattaché]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied des Komitees für Einheit und Fortschritt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kriegsminister (Osmanisches Reich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person im Italienisch-Türkischen Krieg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Befehlshaber im Ersten Weltkrieg (Osmanisches Reich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Täter des Völkermords an den Armeniern]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verurteilte Person (Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zum Tode verurteilte Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter des Ordens Pour le Mérite mit Eichenlaub]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Träger des Mecidiye-Ordens]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Träger des Osmanié-Ordens]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Träger des Eisernen Halbmondes]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person (deutsch-türkische Beziehungen)]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Geboren 1881]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Enver Pascha&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Enver, Ismail&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=osmanischer Politiker, General und Kriegsminister des Osmanischen Reichs, jungtürkischer Nationalist&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=22. November 1881&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Istanbul]], Osmanisches Reich&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=4. August 1922&lt;br /&gt;
|STERBEORT=bei Baldschuan, Volksrepublik Buchara&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Jordi</name></author>
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