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	<title>Engadin - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Planomenos: /* Mittelalter und Reformation */</title>
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		<updated>2025-05-30T13:33:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Mittelalter und Reformation&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;lt;!-- schweizbezogen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Verlaufskarte Inn DE.png|mini|Verlauf des Inns]]&lt;br /&gt;
[[Datei:View Motta Salacina Maloja-Sils P1000738.JPG|mini|rechts|Oberengadin, Blick von unterhalb des Bergeller Gipfels Motta Salacina nach Nordosten Richtung [[Sils im Engadin/Segl|Sils]], im Vordergrund Maloja]]&lt;br /&gt;
Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Engadin&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ({{rmS|{{Audio|Roh-putèr-Engiadina.ogg|&amp;#039;&amp;#039;Engiadina&amp;#039;&amp;#039;}}}}, &amp;#039;&amp;#039;Nagiadegna&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Gidegna,&amp;#039;&amp;#039; {{itS|&amp;#039;&amp;#039;Engadina&amp;#039;&amp;#039;}}, womöglich abgeleitet von &amp;#039;&amp;#039;En,&amp;#039;&amp;#039; dem rätoromanischen Namen des Flusses [[Inn]]) ist ein [[Hochtal]] im [[schweiz]]erischen [[Kanton Graubünden]]. Es ist eines der höchstgelegenen bewohnten Täler [[Europa]]s und mehr als 80&amp;amp;nbsp;km lang. Es bildet die obere Talstufe des Inns und wird in das [[Oberengadin|Ober-]] und das [[Unterengadin]] unterschieden. Die Grenze zwischen den beiden Abschnitten des [[Tal|Bergtales]] markiert der Bach &amp;#039;&amp;#039;Ova da Punt Ota,&amp;#039;&amp;#039; der zwischen [[Cinuos-chel]] (Fraktion der Gemeinde [[S-chanf]]) und [[Brail]] (Fraktion der Gemeinde [[Zernez]]) von links in den Inn mündet. Als Landmarke gilt die [[Punt Ota (Cinuos-chel-Brail)|Punt Ota]], die oberhalb der Mündung über den Bach führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
Das Tal erscheint erstmals namentlich als &amp;#039;&amp;#039;vallis Eniatina&amp;#039;&amp;#039; in einer lateinischen Quelle von 930. Der Engadiner Philologe [[Robert von Planta]] schlug vor, dass der Name von einem nicht belegten Stammesnamen *&amp;#039;&amp;#039;Eniates&amp;#039;&amp;#039; her zu erklären sei. In diesem Falle würde es sich um eine Ableitung vom Flussnamen &amp;#039;&amp;#039;Inn&amp;#039;&amp;#039; (&amp;lt; &amp;#039;&amp;#039;Aenus / Enus&amp;#039;&amp;#039;) mit dem keltischen Suffix &amp;#039;&amp;#039;-ates&amp;#039;&amp;#039; zur Bezeichnung der Einwohner, Anwohner handeln; Engadin bedeutete damit «bei den Anwohnern des Inns».&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[[Rätisches Namenbuch]],&amp;#039;&amp;#039; begründet von Robert von Planta. Band 2: &amp;#039;&amp;#039;Etymologien,&amp;#039;&amp;#039; bearbeitet und hrsg. von [[Andrea Schorta]]. Francke, Bern 1964, S.&amp;amp;nbsp;680&amp;amp;nbsp;f.; darnach &amp;#039;&amp;#039;[[Dicziunari Rumantsch Grischun]],&amp;#039;&amp;#039; Band V, Spalte 621 (Anmerkung zum Artikel &amp;#039;&amp;#039;Engiadina&amp;#039;&amp;#039;) sowie {{HLS|24611|Eniates|Autor=Hans Lieb}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geographie ==&lt;br /&gt;
=== Oberengadin ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Oberengadin}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Oberengadin.jpg|mini|rechts|Die Oberengadiner Seenplatte: [[Silvaplanersee]] und [[Silsersee]]]]&lt;br /&gt;
Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Oberengadin&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (rätorom. &amp;#039;&amp;#039;Engiadin’Ota&amp;#039;&amp;#039;) ist von einem ebenen, 1600 bis 1800&amp;amp;nbsp;m hoch gelegenen [[Talboden]] mit Seen geprägt (Engadiner Seenplatte: [[Silsersee]], [[Silvaplanersee]], [[Lej da Champfèr]] und [[St. Moritzersee]]), von [[Zirbelkiefer|Arven-]] und Lärchenwäldern, sowie, besonders in den Nebentälern, von [[Gletscher]]n. Auf Grund der Höhenlage weist die Talsohle hochmontanes bis subalpines Klima auf und ist einer der winterkältesten Landstriche der Alpen. Die Wiesen im Tal werden von nur mässig steilen Bergflanken eingefasst, über die meist schroffere Schneegipfel aufragen. An den Schattenhängen im Süden erstrecken sich Nadelwälder und darüber Alpweiden; die waagerechte Grenzlinie ist gut erkennbar. Das Oberengadin ist durch den [[Berninapass]] mit dem [[Puschlav]] und durch den [[Malojapass]] mit dem [[Bergell]] verbunden; nach Norden hin verbinden es der [[Julierpass]] mit dem [[Oberhalbstein]] und der [[Albulapass]] mit dem Albulatal. Der nordöstliche Teil des Oberengadins in Richtung Unterengadin heisst [[La Plaiv]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ortschaften im Oberengadin ====&lt;br /&gt;
(talabwärts): [[Maloja]] (eine Fraktion und ehemalige Alp des Bergeller Dorfes [[Stampa]] und daher politisch zum italienischsprechenden Bergell gehörend), [[Sils im Engadin/Segl|Sils]] (Segl), [[Silvaplana]] (Silvaplauna), Surlej (gehört zu Silvaplana), [[Champfèr]] (eine zweigeteilte Fraktion, welche durch einen Dorffluss zwischen St. Moritz und Silvaplana politisch aufgeteilt ist), [[St. Moritz]] (San Murezzan), [[Celerina/Schlarigna|Celerina]] (Schlarigna), [[Pontresina]] (Puntraschigna), [[Samedan]], [[Bever GR|Bever]], [[La Punt Chamues-ch]], [[Madulain]], [[Zuoz]], [[S-chanf]], [[Cinuos-chel]] (eine Fraktion der Gemeinde S-chanf)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Seitentäler ====&lt;br /&gt;
Grössere Seitentäler sind das bei Samedan aus Südosten vom [[Berninapass]] herabkommende [[Val Bernina]] mit dem Ort Pontresina und das [[Val Bever]] bei Bever.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterengadin ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Unterengadin}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Unterengadin.jpg|mini|Das Unterengadin, Blick nach Osten auf die [[Unterengadiner Dolomiten]]]]&lt;br /&gt;
Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Unterengadin&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (rätorom. &amp;#039;&amp;#039;Engiadina Bassa&amp;#039;&amp;#039;) weist ein deutlich grösseres Gefälle auf (von 1610 bis 1019&amp;amp;nbsp;m). Es ist enger und wilder als das Oberengadin. Der Inn rauscht hier über Felsen und wühlt sich zwischen engen Wänden durch. Die wildeste seiner Schluchten ist die von &amp;#039;&amp;#039;Finstermünz&amp;#039;&amp;#039;, wo er das Schweizer Gebiet verlässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Unterengadin ist über den [[Flüelapass]] mit dem [[Landwasser (Albula)|Landwassertal]] bei Davos sowie über den [[Ofenpass]] mit dem [[Val Müstair (Tal)|Val Müstair]] verbunden. Zusätzlich besteht seit 1999 mit der [[Vereinalinie]] eine Bahnverbindung ins [[Prättigau]], die neben dem (nur bedingt wintersicheren) Julierpass und der [[Albulabahn]], beide im Oberengadin, die einzige ganzjährig nutzbare Verkehrsverbindung des Engadins zur restlichen Schweiz darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Grenze zu [[Österreich]] schliesst das [[Oberinntal]] ans Unterengadin an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ortschaften im Unterengadin ====&lt;br /&gt;
(talabwärts): Gemeinde [[Zernez]]: [[Brail]], Zernez, [[Susch]], [[Lavin]]; Gemeinde [[Scuol]]: [[Giarsun]], [[Guarda GR|Guarda]], [[Bos-cha]], [[Ardez]], [[Ftan]], [[Tarasp]], Scuol, [[Sent GR|Sent]]; Gemeinde [[Valsot]]: [[Vnà]], [[Ramosch]], [[Seraplana]] und [[Raschvella]] (Fraktionen der ehemaligen Gemeinde Ramosch), [[Tschlin]], [[Strada im Engadin|Strada]] und [[Martina GR|Martina]] (Fraktionen der ehemaligen Gemeinde Tschlin); Gemeinde [[Samnaun]]: Compatsch, Laret, Plan, Ravaisch, Samnaun-Dorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Flora und Fauna ==&lt;br /&gt;
Botanisch ist das Engadin von bemerkenswertem Reichtum, speziell die [[Kryptogamenflora]].&lt;br /&gt;
An den nach Norden abfallenden Hängen des Engadin erstrecken sich dichte Tannen- und Föhrenwälder bis auf eine Höhe von 1800&amp;amp;nbsp;m, während an den südexponierten Hängen wegen der Trockenheit vermehrt Lärchenwälder anzutreffen sind, die sogar bis 2100&amp;amp;nbsp;m hinaufreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den weiträumigen Wäldern des Engadin leben [[Rothirsch]]e und [[Reh]]e, in den gebirgigen Regionen [[Gämse]]n und [[Alpensteinbock|Steinböcke]]. In den felsigen Seitentälern hausen [[Steinadler]] und [[Bartgeier]]. Hirsche, Rehe und Gämsen werden jedes Jahr während dreier Wochen im September kontrolliert bejagt. Die Steinböcke werden in einer Sonderjagd reguliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch an nutzbaren Mineralien ([[Smithsonit|Galmei]], [[Galenit|Bleiglanz]], silberhaltigen Bleierzen, [[Kupferkies]]en etc.) ist das Engadin reich; wirtschaftlich bedeutender sind aber die [[Mineralquelle]]n von St. Moritz im Ober- und von Scuol-Tarasp im Unterengadin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Frühgeschichte und Römisches Reich ===&lt;br /&gt;
Seit etwa 2000 v. Chr. bewohnten sesshafte Bauern auf Hügelkuppen und Hangterrassen, wie [[Ramosch|Ramosch-Mottata]] eine ist. Aus der mittleren Bronzezeit ist auch die Quellfassung von St. Moritz datiert. Für eine intensivere Besiedlung in der späten Bronzezeit (1200–800 v. Chr.) sprechen die Funde in [[Ardez|Ardez-Suotchastè]] und [[Scuol|Scuol-Munt Baselgia]]. Die &amp;#039;&amp;#039;[[Laugen-Melaun-Kultur]]&amp;#039;&amp;#039; wurde ab dem 6. Jh. v. Chr. von der &amp;#039;&amp;#039;[[Fritzens-Sanzeno-Kultur]]&amp;#039;&amp;#039; abgelöst. Für die Region von Zernez bis St. Moritz ist die &amp;#039;&amp;#039;[[Breno-Kultur]]&amp;#039;&amp;#039; belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15 v. Chr. wurde das Engadin als Teil der Provinz [[Rätien]] ins [[Römisches Reich|Römische Reich]] eingegliedert, weil Rom die Pässe nach [[Germania magna|Germanien]] brauchte. Funde entlang der Römerstrassen zeugen von deren Bedeutung, und vom römischen Ausbau der Verbindungsstrassen profitierte Rätien bis ins frühe Mittelalter hinein. Nach dem Ende des Römischen Reichs wurde das Engadin mit Rätien Teil des [[Ostgotenreich]]s, 536 fiel es an die Franken. Die weltliche und geistliche Herrschaft lag ab dem 7. Jahrhundert in den Händen des Adelshauses der Zacconen, die auch [[Viktoriden]] genannt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mittelalter und Reformation ===&lt;br /&gt;
806 wurde die Provinz in Ober- und Unterrätien durch [[Karl der Grosse|Karl den Grossen]] geteilt, das Engadin wurde Teil von Oberrätien. 916 fiel das Oberengadin an das [[Herzogtum Schwaben]], das Unterengadin an die Grafschaft [[Vinschgau]]. Die beiden Talabschnitte gingen bis 1652 politisch und verfassungsgeschichtlich getrennte Wege. Das Oberengadin hatte seine eigenen Grafen. Graf [[Dedalrich]] verkaufte 1139 sein Land an das [[Bistum Chur]], von dem sich 1494 die Oberengadiner freikauften. Im Unterengadin führten die vielfach sich durchkreuzenden Herrschafts- und Lehnrechte der Besitzer zu langen Fehden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter konnte der Bischof von Chur dank Schenkungen und Privilegien seinen Einfluss im Oberengadin ausbauen. 1137 und 1139 kaufte er die Güter der Grafen von Gamertingen zwischen [[Punt Ota (Cinuos-chel-Brail)|Punt Ota]] und St. Moritz und wurde dadurch mächtigster Herrscher der Region. 1367 trat das Oberengadin dem [[Gotteshausbund]] bei, eine gewisse Selbstverwaltung war trotzdem möglich. Politische Nutzniesser waren die bischöflichen Ministerialen aus dem Hause [[Planta (Adelsgeschlecht)|Planta]], deren Aufstieg nach 1250 einsetzte. Daneben spielte die Familie [[Salis (Adelsgeschlecht)|Salis]] aus Samedan eine bedeutende Rolle. Im Mittelalter nutzte die Oberengadiner Talgemeinde [[Ob Pontalt]] (rätorom. &amp;#039;&amp;#039;Sur Punt Ota&amp;#039;&amp;#039;) gemeinsam die Weiden, Wälder und Gewässer der Region. Einzelne Siedlungen schlossen sich zu [[Nachbarschaft (Graubünden)|Nachbarschaften]] zusammen, wie die Chantuns Sils und Fex 1477. Ab 1526 wurden die bischöflichen Rechte ausgekauft, und das Gemeineigentum wurde 1538 bis 1543 aufgeteilt. Das [[Hochgericht (Graubünden)|Hochgericht]] der nunmehr territorial geschlossenen politischen Gemeinde war in Zuoz und von 1438 an in den Gerichten in [[Funtauna Merla]] zusammengefasst. Ab 1534 liess der Landammann [[Johann Travers]] aus [[Zuoz]] biblische Schauspiele mit geistlichem Inhalt erstmals in rätoromanischer Sprache durchführen, die eine grosse Wirkung auf die Bevölkerung hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{HLS|10878|&amp;#039;&amp;#039;Travers, Johann&amp;#039;&amp;#039;|Autor= Constant Wieser}}&amp;lt;/ref&amp;gt; 1550 bis 1577 nahm das Oberengadin das [[Reformation|reformierte]] Bekenntnis an. 1552 bis 1562 schufen die beiden Reformatoren [[Jachiam Tütschett Bifrun]] und [[Ulrich Campell]] mit Bibelübersetzungen die rätoromanische Schriftsprache.&amp;lt;ref&amp;gt;{{HLS|9098|&amp;#039;&amp;#039;Bifrun, Jachiam&amp;#039;&amp;#039;|Autor= Ottavio Clavuot}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{HLS|10293|&amp;#039;&amp;#039;Campell, Ulrich&amp;#039;&amp;#039; &amp;amp;#x5B;&amp;#039;&amp;#039;Duri Champell&amp;#039;&amp;#039;&amp;amp;#x5D;|Autor=Conradin Bonorand}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehrere Druckereien mit Namen Saluz, Dorta, Gadina und Janett stimulierten danach ein lebhaftes Geistesleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1140 kam das Unterengadin als Lehen an die [[Tirol (Adelsgeschlecht)|Grafen von Tirol]]. 1160 und 1177 hatten die Edlen von [[Tarasp]] ihr Schloss mitsamt den Besitzungen in Guarda, Scuol und Ftan dem Bischof von Chur geschenkt. Durch Zukauf etlicher Burgherrschaften wie Ardez-Steinberg erwarb dieser eine überragende Machtstellung in der Region. Der Erwerb der Landeshoheit scheiterte an den [[Habsburger]]n und ab 1363 am [[Liste der Herrscher von Tirol|Grafen von Tirol]]. 1367 trat das Unterengadin dem Gotteshausbund bei. 1464 kauften die Habsburger die Herrschaft Tarasp, und 1475 lösten ihre feudalen Ansprüche den [[Hennenkrieg]] aus. Der Versuch, das Unterengadin und das benachbarte Münstertal in die Gerichtsvogtei [[Nauders]] zu integrieren, löste 1499 den [[Schwabenkrieg]] aus. Alle Dörfer wurden von kaiserlichen Landsknechten geplündert und verwüstet. Der Bündner Sieg an der Calven 1499 setzte der habsburgisch-tirolischen Expansion ein Ende. Die Erbeinigung von 1500 fixierte den alten Zustand: Das Unterengadin blieb unter habsburgischer Landeshoheit und war gleichzeitig Mitglied des Gotteshausbundes. Im 16. Jahrhundert war es im Unterengadin als Teil der Drei Bünde ruhig, abgesehen vom Strafgericht von 1565, dem [[Speckkrieg]] gegen die Pensionäre Frankreichs. Von 1529 bis 1553 trat das Unterengadin (ohne das österreichische Tarasp) zum neuen reformierten Glauben über. In den [[Bündner Wirren]], im Kampf um das [[Veltlin]] und die Bündner Pässe, in dem die Habsburger eine Verbindung zwischen ihren Territorien anstrebten, versuchten sie auch im Unterengadin und im [[Prättigau]] ihren Einfluss zu steigern. So überfiel 1621 [[Alois Baldiron]] das Unterengadin und besetzte es bis 1629. Die Rekatholisierungsversuche durch [[Kapuziner]] scheiterten, da die Gemeinden danach sogleich wieder zum reformierten Bekenntnis zurückkehrten. Nur [[Samnaun]], das ab dem 19. Jahrhundert als deutschsprachige Talgemeinde auch sprachlich einen eigenen Weg ging, blieb katholisch. 1652 wurden die österreichischen Rechte ausgekauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuzeit ===&lt;br /&gt;
1798–1800 war das Engadin Schauplatz der Kämpfe zwischen Franzosen und Österreichern. Eine letzte österreichische Besitzung war das katholische [[Tarasp]], das durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 dann 1815 wieder an Graubünden kam. Seit 1851 gliedert sich das Engadin in die Bezirke Inn und Maloja mit den Kreisen Oberengadin, Obtasna, Untertasna und Ramosch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich war die Berglandwirtschaft seit jeher nach [[Oberitalien]] und dem [[Tirol]] ausgerichtet. Der Export von Grossvieh, Kleinvieh, weitere landwirtschaftliche Produkte, Holz und Erz finanzierte die Importe wie Getreide, Wein und Salz. Die Salinen von [[Hall in Tirol|Hall]] und die Erzwerke in [[S-charl]] verbrauchten viele Wälder des Unterengadins. In der Neuzeit hatten die temporären Auswanderer, die [[Randulin]]s, die 1603–1766 als [[Engadiner Zuckerbäcker]] einträgliche Privilegien in [[Venedig]] genossen, wesentlich zum wachsenden Wohlstand beigetragen. Nach der Kündigung des Vertrags durch Venedig emigrierten viele Engadiner in andere italienische Städte sowie in weitere europäische Zentren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1820–1840 wurde die Obere Strasse über den [[Julierpass]] und den [[Malojapass]] gebaut, 1845–1872 die Talstrasse erstellt und 1907–1912 die [[Samnaun]]er Strasse angelegt. Die Eröffnung des Gotthardtunnels 1882 liess den Transitverkehr mit Postkutschen und die damit verbundenen Geldeinnahmen der Säumerei über die Bündner Pässe einbrechen. Diese Lücke wurde durch den nach 1850 aufkommenden Trink-, Badekuren- und Alpintourismus allmählich kompensiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1903–1913 wurde die [[Albulabahn]] der [[Rhätische Bahn|Rhätischen Bahn]] als Verbindung ins Oberengadin erstellt und kurbelte den Tourismus weiter an. Der [[Erster Weltkrieg|Erste Weltkrieg]] beendete rasch die goldene Zeit der Grandhotels. Die Wirtschaftskrise nach 1929 vernichtete viele touristische Arbeitsplätze. Ab 1925 wurde das Strassennetz für das Automobil ausgebaut, 1938 der Flugplatz in [[Samedan]] vorerst als Militärflugplatz errichtet. 1914 erfolgte die Gründung des [[Schweizerischer Nationalpark|Schweizerischen Nationalparks]] im Unterengadin. Die Erschliessung mit Seilbahnen und Skiliften liess den Wintertourismus ab 1945 stark ansteigen, die Olympischen Winterspiele in St. Moritz 1928 und 1948 sorgten für weltweite Publizität. Die erste Ausbauphase der Wasserkraft war 1932 beendet, ohne die Seen im Oberengadin anzutasten. Ab 1954 wurden weitere Projekte der Engadiner Kraftwerke realisiert, die Staumauern [[Punt dal Gall]] und [[Livigno]] waren die grössten Bauwerke. Zwischen der Tourismusregion Oberengadin und dem landwirtschaftlich dominierten Unterengadin besteht ein merkliches Wohlstandsgefälle. Von der 1999 eröffneten und wintersicheren [[Vereinalinie]] verspricht sich das Unterengadin einen Entwicklungsschub. Die bestehenden Strassenübergänge des [[Flüelapass|Flüela-]] und [[Albulapass]]es sind im Winterhalbjahr gesperrt; nur der Julierpass kann ausser in schneereichen Wintern ganzjährig befahren werden.&amp;lt;ref&amp;gt;{{HLS|8067|&amp;#039;&amp;#039;Engadin&amp;#039;&amp;#039;|Autor= Ottavio Clavuot}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur ==&lt;br /&gt;
Kulturhistorisch bedeutsam ist neben der reichen [[Rätoromanische Literatur|rätoromanischen Literatur]] besonders die [[Engadiner Theatergeschichte]]. Eine architektonische Besonderheit des Engadins ist das [[Engadinerhaus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Museen im Engadin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Maloja]]: [[Sperrstelle Maloja]]&lt;br /&gt;
*[[Pontresina]]: [[Museum Alpin]]&lt;br /&gt;
*[[Samedan]]: [[Chesa Planta (Samedan)|Chesa Planta]]&lt;br /&gt;
*[[Scuol]]: [[Unterengadiner Museum]]&lt;br /&gt;
*[[Sils im Engadin]]: [[Andrea_Robbi#Werk|Museum Andrea Robbi]]&lt;br /&gt;
*[[St. Moritz]]: [[Peter Robert Berry|Museum Robert Berry]]&lt;br /&gt;
*[[St. Moritz]]: [[Engadiner Museum]], [[Segantini Museum]]&lt;br /&gt;
*[[Strada im Engadin|Strada]]: [[Museum Stamparia]]&lt;br /&gt;
*[[Susch]]: [[Muzeum Susch]]&lt;br /&gt;
*[[Zernez]]: [[Nationalparkhaus Zernez]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bevölkerung ==&lt;br /&gt;
=== Sprachen ===&lt;br /&gt;
Die Hauptsprache im Unterengadin und in Teilen des Oberengadins ist das [[Bündnerromanisch]]. Im Oberengadin wird [[Putér]] und im Unterengadin [[Vallader]] gesprochen, zwei rätoromanische Idiome mit jeweils eigener Schriftsprache, die von den Engadinern zusammenfassend Rumantsch [[Ladin (Schweiz)|Ladin]] genannt werden. Das Ladin des Engadins ist jedoch nicht zu verwechseln mit den [[Ladinische Sprachen|Ladinischen Sprachen]] in Nordostitalien. In der Gemeinde Samnaun wird seit dem 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert ein [[Dialekte in Tirol|Tiroler Dialekt]] gesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den im letzten Jahrhundert stark aufgekommenen [[Fremdenverkehr|Tourismus]], die bessere Erschliessung und den dadurch grösser gewordenen Wirtschaftsraum verzeichnete das Engadin eine starke Zuwanderung von Menschen, die die rätoromanische Sprache nicht mehr beherrschen. Daher wird neben dem [[Bündnerromanisch]] auch alemannisches [[Schweizerdeutsch]] und [[Italienische Sprache|Italienisch]] gesprochen. In den Hauptorten des Oberengadins wurde das Romanische stark verdrängt (vgl. [[St.&amp;amp;nbsp;Moritz]] und Region). Im Jahr 2000 bezeichneten nur noch 13 % der dortigen Bevölkerung das Rätoromanische als ihre Hauptsprache und 30 % als ihre Alltagssprache. Im Unterengadin ist die Verdrängung des Romanischen weniger stark, aber eine ähnliche Tendenz ist auch für diese Region erkennbar. Das Vallader verfügt im Unterengadin noch über ein geschlosseneres Territorium, im Jahr 2000 war es hier zu 63 % Hauptsprache und zu 79 % Alltagssprache.&amp;lt;ref&amp;gt;{{HLS|8067|&amp;#039;&amp;#039;Engadin&amp;#039;&amp;#039;|Autor= Ottavio Clavuot}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Engadin wird sprachlich-kulturell oft identifiziert mit dem nur in dieser Region beheimateten Gruss &amp;#039;&amp;#039;[[Allegra (Gruss)|Allegra!]]&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dörfer kennen bis heute die [[Übernamen der Engadiner Dörfer|Tradition von Über- und Spottnamen für die jeweilige Siedlung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaft ==&lt;br /&gt;
Durch den seit über hundert Jahren stark aufgekommenen [[Fremdenverkehr|Tourismus]] verzeichnet das Engadin eine starke Zuwanderung von Menschen. Die rege Bautätigkeit verändert die Siedlungsstruktur und führte zu städtischen Zentren bei [[St. Moritz]] mit seinen 5600 Einwohnern.&lt;br /&gt;
St. Moritz, inmitten der Oberengadiner Seenlandschaft auf 1856 Metern Höhe gelegen, hatte schon Anfang des 19. Jahrhunderts einen europaweiten Ruf wegen seiner Heilquellen. Das erste Kurhaus wurde 1831 eröffnet. Seither folgte eine teils mondäne Hotellerie und später auch Ferienwohnungsbau. St. Moritz wurde zu einem der bekanntesten Ferienorte der Welt. Am 9. August 1907 wurde mit der [[Muottas-Muragl-Bahn]] die erste Standseilbahn eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sonstiges ==&lt;br /&gt;
1932 entstand der Spielfilm &amp;#039;&amp;#039;Abenteuer im Engadin&amp;#039;&amp;#039; von [[Harald Reinl]], der im Wesentlichen aus Sport- und Verfolgungsszenen vor dem Hintergrund verschneiter Landschaft besteht.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv | url=http://www.deutscher-tonfilm.de/aie1.html | wayback=20071226234728 | text=Deutscher Tonfilm}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* {{HLS|8067|&amp;#039;&amp;#039;Engadin&amp;#039;&amp;#039;|Autor= Ottavio Clavuot}}&lt;br /&gt;
* Markus Aebischer und Marlène Hagmann: &amp;#039;&amp;#039;Engadin.&amp;#039;&amp;#039; Fotoband. Edition Panorama, Mannheim 2011, ISBN 978-3-89823-442-9.&lt;br /&gt;
* Migros-Genossenschafts-Bund (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Feste im Alpenraum.&amp;#039;&amp;#039; Migros-Presse, Zürich 1997, ISBN 3-9521210-0-2, S.&amp;amp;nbsp;63.&lt;br /&gt;
* [[Angelika Overath]]: &amp;#039;&amp;#039;Gebrauchsanweisung für das Engadin&amp;#039;&amp;#039;. Piper, München 2016, ISBN 3-492-27670-9. &lt;br /&gt;
* [[Angelika Overath]]: &amp;#039;&amp;#039;Engadinerinnen. Frauenleben in einem hohen Tal&amp;#039;&amp;#039;. Limnat, Zürich 2024, ISBN 978-3-03926-067-6. &lt;br /&gt;
* Karsten Plöger: &amp;#039;&amp;#039;Das Engadin. Biografie einer Landschaft.&amp;#039;&amp;#039; Hier und Jetzt Verlag, Zürich 2023, ISBN 978-3-03919-579-4.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Vegetationskarte Oberengadin,&amp;#039;&amp;#039; 1:50&amp;#039;000 (deutsch, englisch, romanisch). GIS, Zürich 2010, ISBN 978-3-033-02480-9 [http://www.forschungsportal.ch/unizh/p11154.htm online].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commons|Engadin}}&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* [http://www.piz.ch/ Sammlung von über 40 Webcams im Engadin]&lt;br /&gt;
* [http://www.wandergeschichten.de/wandern/engadin.html Bergwandern im Engadin]&lt;br /&gt;
* [http://zisler.net/ Engadin Fotos und weiterführende Informationen]&lt;br /&gt;
* [https://www.engadin.ch/de/ Tourismus-Website des Oberengadins]&lt;br /&gt;
* [https://www.engadin.com/de Tourismus-Website des Unterengadins]&lt;br /&gt;
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== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
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