<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Edictum_Rothari</id>
	<title>Edictum Rothari - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Edictum_Rothari"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Edictum_Rothari&amp;action=history"/>
	<updated>2026-05-28T03:52:07Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Edictum_Rothari&amp;diff=894799&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Graph Pixel: Tippfehler korrigiert.</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Edictum_Rothari&amp;diff=894799&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2026-03-12T11:00:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Tippfehler korrigiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:RO005.jpg|miniatur|Abbildung aus einem Manuscript des Edictum Rothari]]&lt;br /&gt;
Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Edictum Rothari&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; war eine Gesetzessammlung des [[Langobarden]]königs [[Rothari]]. Es wurde am 22. November 643 vom &amp;#039;&amp;#039;[[gairethinx]]&amp;#039;&amp;#039; ([[Thing]]) beschlossen und in Kraft gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entstehung ==&lt;br /&gt;
Das Edictum Rothari (643) entstand deutlich später als andere [[Germanische Stammesrechte|germanische Rechtscodices]], wie der westgotische [[Codex Euricianus]] (um 475), das ostgotische [[Edictum Theoderici]] (um 500), die fränkische [[Lex Salica]] (um 510) und die [[Lex Burgundionum]] (um 510), doch war es, anders als diese, kaum von Einflüssen der [[römisches Recht|römischen Rechtstradition]] beeinflusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das [[Langobardisches Recht|langobardische Recht]] war ein [[Germanische Stammesrechte|Stammesrecht]], das vorher mündlich tradiert worden. Rothari ließ die Gesetze der Langobarden, die „nur im Gedächtnis und durch den Gebrauch überliefert wurden“&amp;lt;ref name=pauliv42&amp;gt;Historia Langobardorum IV, 42&amp;lt;/ref&amp;gt; (&amp;#039;&amp;#039;cadarfida&amp;#039;&amp;#039;), von dem „Notar“ Ansoald sammeln und in einem Edikt niederschreiben.&amp;lt;ref name=hodg175&amp;gt;Hodgkin, Italy and her Invaders Vol VI S.&amp;amp;nbsp;175&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Rechtsinhalt des Ediktes war überwiegend langobardischen Ursprunges, doch zeigte sich auch in diesem Gesetzeswerk deutlich die Einwirkung der römischen Kultur auf das germanische Gesetz: Das &amp;#039;&amp;#039;edictum&amp;#039;&amp;#039; wurde in [[Spätlatein|spät-]] bzw. [[vulgärlatein]]ischer Sprache geschrieben, enthält aber zahlreiche unübersetzbare juristische Begriffe in [[Langobardische Sprache|langobardischer Sprache]].&amp;lt;ref name=hart241 /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feststellung eines Reichsrechtes, das lokalen Besonderheiten und der Willkür Einzelner entgegentrat, brachte die überragende Stellung, die dem Könige durch das Gesetz eingeräumt wurde, zum Ausdruck. Außenpolitisch konnte das Edikt als Zeichen an [[Byzantinisches Reich|Byzanz]] verstanden werden, dass sich nun keine „Barbarenhorde“ mehr vorübergehend in Italien aufhielt, sondern sich ein dauerhaftes Staatswesen konstituierte.&amp;lt;ref name=hart241&amp;gt;Hartmann, Geschichte Italiens im Mittelalter Bd. II Teil 1, S.&amp;amp;nbsp;241–243.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geltungsbereich ==&lt;br /&gt;
Dem Edictum Rothari unterstanden alle freien männlichen Langobarden im königlichen Einflussbereich. Frauen, Kinder, Sklaven, [[Leibeigenschaft|Leibeigene]] und Halbfreie standen in der [[Munt]] und waren keine selbständigen [[Rechtsfähigkeit|Rechtssubjekte]]. Die nichtlangobardischen [[Germanen]], die mit den Langobarden nach Italien gekommen waren, mussten wahrscheinlich das langobardische Recht annehmen. Die freien [[Römer]] waren im Zuge der langobardischen Eroberung als Feinde getötet oder versklavt worden, und deren Abhängige „gehörten“ nun Langobarden. Einwanderer konnten vom König das [[Privileg]] erhalten, nach eigenem Recht zu leben.&amp;lt;ref name=hart2&amp;gt;Hartmann, Geschichte Italiens im Mittelalter Bd. II Teil 2, S. 2ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König [[Grimoald (Langobarde)|Grimoald]] führte 668 einige Reformen durch. Unter König [[Liutprand (Langobarde)|Liutprand]] (712–744) wurde das langobardische Recht durch Jahressatzungen stark erweitert und näherte sich einem [[Fallrecht]]. Das weiterentwickelte Edictum Rothari behielt seine Geltung auch nach der [[Langobardenfeldzug|fränkischen Unterwerfung]] durch [[Karl der Große|Karl den Großen]] im Jahr 774.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt ==&lt;br /&gt;
=== Präambel ===&lt;br /&gt;
Den Zweck des Gesetzes und die Gründe für dessen Erlass gab König Rothari selber an: Er erließ es in königlicher Fürsorge für die Untertanen. Es sollte die Armen gegen die Ausbeutung der Mächtigen schützen. Es sollte kein neues Recht durch das Edikt geschaffen, sondern das Geltende festgestellt werden. Einige Gebräuche sollten abgestellt, einige Bestimmungen hinzugefügt werden, damit ein jeder nach dem Gesetz in Ruhe leben und seinen Besitz schützen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine lange Liste langobardischer Könige wies auf das Alter des unabhängigen langobardischen&lt;br /&gt;
„Staates“ und seiner Rechtstradition hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== I–XXV Kapitalverbrechen und Straftaten gegen König und Staat ===&lt;br /&gt;
Wer sich gegen den König verschwor, Feinde in das Land ließ, &amp;#039;&amp;#039;scamarae&amp;#039;&amp;#039; (Räuber)&amp;lt;ref group=A&amp;gt;Die geklammerten Begriffe geben nur die ungefähre Bedeutung wieder und stellen keine exakte Übersetzung dar. Viele langobardische Begriffe haben auf Grund der veränderten Gesellschaftsstruktur keine moderne Entsprechung.&amp;lt;/ref&amp;gt; beherbergte, als Offizier [[Fahnenflucht|desertierte]] oder zur [[Meuterei]] aufrief, wurde mit dem [[Todesstrafe|Tode bestraft]]. Es war jedoch möglich, den König um [[Gnadenbefugnis|Gnade zu bitten]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein [[Mord]] wurde durch &amp;#039;&amp;#039;guidrigild/wergild&amp;#039;&amp;#039; ([[Wergeld]]) gesühnt, von dem eine Hälfte dem Opfer bzw. dessen Erben, die andere Hälfte dem König zufiel. Für die Höhe des Wergeldes war &amp;#039;&amp;#039;angargathungi&amp;#039;&amp;#039; (Landbesitz)&amp;lt;ref name=mey&amp;gt;Meyer, Sprache der Langobarden, S. 275&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; des Opfers maßgebend. Der Beklagte konnte ein &amp;#039;&amp;#039;camphio/camfio&amp;#039;&amp;#039; ([[Gottesurteil]] durch Zweikampf)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; verlangen, um seine Unschuld zu beweisen. Wurde der Ermordete beraubt, so kam für diesen &amp;#039;&amp;#039;ploderaub&amp;#039;&amp;#039; („Blutraub“, Raubmord)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; eine Buße von 80 [[Solidus|&amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;]]&amp;lt;ref group=A name=sol&amp;gt;1 Solidus entsprach 4,55&amp;amp;nbsp;Gramm Gold (Stand: April 2010: etwa 220,–&amp;amp;nbsp;€)&amp;lt;!-- Bitte nicht börsentäglich aktualisieren, nur als grober Richtwert angegeben! --&amp;gt; Der Goldpreis unterliegt jedoch starken Schwankungen und ist wenig repräsentativ. Als Wertmaßstab können folgende Preise dienen: ein aufgezäumtes Pferd = 100 solidi, ein Mantel = 10 solidi, eine Tunika = 10 solidi (vgl. Hodgkin: Italy and her Invaders Vol VI, S.&amp;amp;nbsp;414).&amp;lt;/ref&amp;gt; hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== XXVI–XXXIV Straßenraub, Einbruch ===&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;wegworin&amp;#039;&amp;#039; (Wegelagerei)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; gegenüber einem freien Mann, Sklaven, Dienstmagd, &amp;#039;&amp;#039;aldius&amp;#039;&amp;#039; ([[Hörigkeit (Rechtsgeschichte)|Höriger]], [[Leibeigener]], Halbfreier) oder Freigelassenem zog ohne Standesunterschied eine Buße von 20 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref group=A name=sol /&amp;gt; nach sich. Wurde einer freien Frau eine &amp;#039;&amp;#039;iniuria&amp;#039;&amp;#039; (lat. Unrecht) zugefügt, betrug die Strafe 900 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;. Die Hälfte der Buße fiel dem König, die andere dem Opfer bzw. deren/dessen &amp;#039;&amp;#039;mundoald&amp;#039;&amp;#039; (Vormund) zu. &amp;#039;&amp;#039;marhworf&amp;#039;&amp;#039; (jmd. vom Pferd stoßen)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; und &amp;#039;&amp;#039;walapauz&amp;#039;&amp;#039; (Vermummung, Verkleidung bei einer Straftat)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; standen mit 80 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; unter Strafe. Einbrecher durften nachts straflos getötet werden oder sich für 80 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; freikaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== XXXV–XLII scandalum ===&lt;br /&gt;
Mit dem lateinischen Wort &amp;#039;&amp;#039;scandalum&amp;#039;&amp;#039; bezeichnete das langobardische Recht ein nicht näher definiertes „Ärgernis“ in einer Kirche, im Palast des Königs und auch in der Stadt, in der der König sich aufhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Körperverletzung und Mord ===&lt;br /&gt;
==== XLIII–LXXVI Körperverletzung unter Freien ====&lt;br /&gt;
Körperverletzung wurde mit einer Geldbuße an das Opfer gesühnt. Diese Buße war von Rothari höher angesetzt worden „als bei den Vorfahren üblich, damit die &amp;#039;&amp;#039;faida&amp;#039;&amp;#039; ([[Fehde]]) ausbleibe“. Die Buße war in 32 Paragraphen detailliert gestaffelt. Beispielhaft sei genannt: das Abschlagen einer Hand entsprach dem halben &amp;#039;&amp;#039;wergilt&amp;#039;&amp;#039;, bei Lähmung einer Hand: ein Viertel des &amp;#039;&amp;#039;wergilt&amp;#039;&amp;#039;, Verlust des Daumens: ein Sechstel, Verlust des Zeigefingers: 17 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref group=A name=sol /&amp;gt;, des Mittelfingers: 6 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;, des Ringfingers: 8 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;, des kleinen Fingers 16 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;. Ähnlich war der Verlust eines Fußes bzw. Zehen geregelt. Der Verlust eines Auges und das Abschneiden der Nase kosteten das halbe, das Abschneiden eines Ohres ein Viertel des &amp;#039;&amp;#039;wergilt&amp;#039;&amp;#039;. Bei Schlägen ins Gesicht wurde zwischen solchen mit der Faust und der flachen Hand unterschieden, wobei das zweite offenbar als entehrend empfunden wurde und mit der doppelten Buße belegt war. Andere, ebenfalls einzeln genannte Verletzungen waren mit festen Geldbußen belegt. Starb der Verletzte innerhalb eines Jahres an den Wunden, so war die Buße &amp;#039;&amp;#039;angargathungi&amp;#039;&amp;#039; (nach dem Wert des Opfers)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; das volle Wergeld. Das unbeabsichtigte Töten eines Ungeborenen wurde mit dem halben „Wert“ der freien Mutter gebüßt, wenn diese überlebte. Starb auch diese, betrug die Buße deren „Wert“, für das Ungeborene erfolgte keine Zahlung.&amp;lt;ref name=hodg183&amp;gt;Hodgkin, Italy and her Invaders, Vol. VI, S. 183ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== LXXVII–CXXVI Körperverletzung an einem Unfreien ====&lt;br /&gt;
Das langobardische Recht kannte verschiedene Arten und Grade der Unfreiheit: &amp;#039;&amp;#039;servus rusticanus&amp;#039;&amp;#039; (Feldsklave), &amp;#039;&amp;#039;aldius&amp;#039;&amp;#039; (Höriger, Leibeigener, Halbfreier)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt;, &amp;#039;&amp;#039;servus ministerialis&amp;#039;&amp;#039; (Haussklave, Dienstmann), &amp;#039;&amp;#039;ancilla&amp;#039;&amp;#039; (Haussklavin, Dienstmagd) sowie „Freigelassene“, die dennoch in Abhängigkeit ihres alten „Herren“ blieben.&amp;lt;ref group=A&amp;gt;siehe auch: [[#CCXXIV–CCXXVI Freilassung]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Edictum Rothari unterschied zwischen &amp;#039;&amp;#039;aldius&amp;#039;&amp;#039; (Höriger, Leibeigener, Halbfreier) und &amp;#039;&amp;#039;servus ministerialis&amp;#039;&amp;#039; (Haussklave, Dienstmann). Ein &amp;#039;&amp;#039;aldius&amp;#039;&amp;#039; war wahrscheinlich meist ein Angehöriger der ortsansässigen romanischen Bevölkerung, während ein &amp;#039;&amp;#039;servus ministerialis&amp;#039;&amp;#039; ortsfremd (z.&amp;amp;nbsp;B. Kriegsgefangener) war. Die Buße betrug meist ein Drittel von der eines Freien und wurde an den „Herrn“ gezahlt. Der &amp;#039;&amp;#039;servus rusticanus&amp;#039;&amp;#039; (Feldsklave) stand auf der untersten Stufe der Gesellschaft. Die Buße betrug meist ein Sechstel bis ein Achtel von der eines Freien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Täter war verpflichtet, einen Arzt zu holen. War die Schwere der Verletzung nicht abzusehen, so erfolgte eine „Abschlagzahlung“, die nach der Heilung, spätestens nach Jahresfrist, bei der „Endabrechnung“ angerechnet wurde. Für Arbeitsausfall und Arztkosten hatte der Täter bei vielen der schwereren Verletzungen ebenfalls aufzukommen.&amp;lt;ref name=hodg186&amp;gt;Hodgkin, Italy and her Invaders, Vol. VI, S. 186ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== CXXIX–CXXXVII Tötung eines Unfreien ====&lt;br /&gt;
Die Entschädigung an den „Herrn“ eines getöteten Unfreien war nach dem Rechtsstatus und der wirtschaftlichen Funktion des Opfers gestaffelt.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Status, Funktion      !! Buße in &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref group=A name=sol /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| aldius|| &amp;lt;span style=&amp;quot;font-family:monospace;&amp;quot;&amp;gt;60&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| servus ministerialis (vertrauenswürdig und erfahren)|| &amp;lt;span style=&amp;quot;font-family:monospace;&amp;quot;&amp;gt;50&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| servus ministerialis (untergeordnete Tätigkeiten)|| &amp;lt;span style=&amp;quot;font-family:monospace;&amp;quot;&amp;gt;25&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schweinehirt mit mindestens zwei Untergebenen|| &amp;lt;span style=&amp;quot;font-family:monospace;&amp;quot;&amp;gt;50&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einfacher Schweinehirt|| &amp;lt;span style=&amp;quot;font-family:monospace;&amp;quot;&amp;gt;25&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aufseher der &amp;lt;br /&amp;gt;Servum massarium (Landarbeiter)&amp;lt;br /&amp;gt;Servum bubulcum de sala (Rinderhirte)&amp;lt;br /&amp;gt;pecorario (Schafhirte)&amp;lt;br /&amp;gt; (Ziegenhirte)|| &amp;lt;span style=&amp;quot;font-family:monospace;&amp;quot;&amp;gt;20&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| servus rusticanus  (einfache Hirten und Feldsklaven)|| &amp;lt;span style=&amp;quot;font-family:monospace;&amp;quot;&amp;gt;16&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== CXXXVIII–CLII Haftung, Giftmord, Blutrache, Brandstiftung ====&lt;br /&gt;
Baumfäller und Maurer hafteten für verursachte Personenschäden selbst, nicht deren Auftraggeber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zubereiten von Gift wurde mit 20 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref group=A name=sol /&amp;gt;, versuchter Giftmord mit dem halben, gelungener Giftmord mit dem vollen &amp;#039;&amp;#039;angargathungi&amp;#039;&amp;#039; (Wert) des Opfers geahndet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept der [[Blutrache]] war offenbar noch nicht aus dem Rechtsempfinden der Langobarden verschwunden, denn Rothari verfügte, dass eine Sippe, die ein Wergeld angenommen und dabei den Frieden beschworen hatte, im Falle einer Blutrache innerhalb eines Jahres nicht nur für ihr Opfer Wergeld zahlen, sondern das erhaltene Wergeld doppelt zurückgeben musste. Als das eigentliche Verbrechen wurde dabei offenbar der Eidbruch und nicht der Mord betrachtet.&amp;lt;ref name=hodg190&amp;gt;Hodgkin, Italy and her Invaders, Vol. VI, S. 190f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei versehentlich verursachten Bränden war der Schaden zu ersetzen. Im Falle von absichtlicher [[Brandstiftung]] war der Schaden dreifach zu ersetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CLIII–CLXXVII Erbrecht und Schenkungen ===&lt;br /&gt;
Erbberechtigt waren grundsätzlich die Kinder. Dabei unterschied das Edictum Rothari zwischen ehelichen und unehelichen Nachkommen und nach deren Geschlecht. Hatte ein Mann einen ehelichen männlichen Erben, waren die Töchter von der Erbfolge ausgeschlossen. Es war möglich, uneheliche Söhne den ehelichen gleichzustellen, doch war deren Einverständnis im rechtsfähigen Alter von 12 Jahren erforderlich. Enterbungen waren nur bei schweren Vergehen, wie Mordversuch am Vater oder [[Unzucht]] mit der Stiefmutter, möglich. Eine freie testamentarische Verfügung war nicht möglich, sogar Schenkungen zu Lebzeiten waren reglementiert.&amp;lt;ref name=hodg193&amp;gt;Hodgkin, Italy and her Invaders, Vol. VI, S. 193ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei bis zu sieben ehelichen Söhnen regelte das Edictum die Teilung ausdrücklich in der Weise, dass jeder eheliche Sohn doppelt so viel erbte wie die unehelichen zusammen: Hinterließ ein Mann einen ehelichen Sohn, so erbte dieser zwei Drittel, und ein Drittel fiel an alle unehelichen Söhne. Zwei eheliche Söhne erbten je zwei Fünftel, alle unehelichen Söhne zusammen ein Fünftel. Drei eheliche Söhne erbten je zwei Siebtel, alle unehelichen Söhne zusammen ein Siebtel. usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte der Erblasser eine eheliche Tochter und uneheliche Söhne, so erbte die Tochter ein Drittel, die Söhne ein Drittel und der nächste (männliche) Verwandte ein Drittel. Zwei eheliche Töchter erbten je ein Viertel, die uneheliche Söhne gemeinsam ein Drittel und der nächste Verwandte ein Sechstel. Als verwandt galten Personen bis in das [[Verwandtschaftsgrad|siebte Glied]]. War kein Verwandter zu ermitteln, trat der &amp;#039;&amp;#039;curtis regia&amp;#039;&amp;#039; (königlicher Hof) an dessen Stelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Thinx&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;!-- sic --&amp;gt; oder &amp;#039;&amp;#039;gairethinx&amp;#039;&amp;#039; (Geschenke)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; mussten öffentlich auf dem [[Thing]] gemacht werden, &amp;#039;&amp;#039;ut nulla in posterum oriatur intentio&amp;#039;&amp;#039; (damit künftig kein Streit entsteht). Bekam ein kinderloser Schenker später doch noch einen Erben, so wurde die Schenkung nichtig. Mit dem Begriff „lidinlaib“ wurde eine Überlassung auf Lebenszeit bezeichnet, die mit dem Tod des Gebers endete&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt;, aber in Notlagen von diesem auch zurückgefordert werden konnte.&amp;lt;ref name=hodg193 /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eherecht und Sexualstraftaten ===&lt;br /&gt;
Von grundlegender Bedeutung für das Eherecht ist die Stellung der Frau in der langobardischen Gesellschaft. Die Frau stand grundsätzlich im „mundium“ ([[Munt]], Vormundschaft, Obhut) eines Mannes, ihres Vaters, ihres Gatten ([[Muntehe]]), eines sonstigen Verwandten oder des Königs, wenn kein Verwandter mehr lebte. Eine „selpmundia“ (Freiheit von Vormundschaft)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; war gesetzlich ausgeschlossen. Eine Frau war nicht berechtigt, ohne Zustimmung ihres „munduald“ (Vormund)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; Besitz zu verschenken oder zu verkaufen, obwohl sie eigenen Besitz ([[Aussteuer]], [[Morgengabe]]) haben konnte. Dieser Ausschluss der Frauen von Rechtshandlungen stand im Einklang mit der hohen Wertschätzung (siehe [[#XXVI–XXXIV Straßenraub, Einbruch]]), die man ihnen entgegenbrachte. Die Vormundschaft bot in einer Gesellschaft, in der die Wahrheitsfindung vor Gericht durch einen Zweikampf erfolgen konnte, Schutz. Ein „munduald“ (Vormund) wurde als unbedingt erforderlich angesehen.&amp;lt;ref name=hodg197&amp;gt;Hodgkin, Italy and her Invaders, Vol. VI, S. 197ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== CLXXVIII–CCIV Heirat ====&lt;br /&gt;
Die Verlobung wurde zwischen dem Bräutigam und dem Brautvater ausgehandelt und in einer &amp;#039;&amp;#039;fabula&amp;#039;&amp;#039; (Vertrag) fixiert. Der Bräutigam entrichtete die &amp;#039;&amp;#039;meta&amp;#039;&amp;#039; („Miete“, [[Brautpreis]])&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; an den Vater. Von diesem erhielt die Braut &amp;#039;&amp;#039;faderfio&amp;#039;&amp;#039; („Vatergeld“, [[Mitgift]])&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; und von ihrem Gatten nach vollzogener Ehe die &amp;#039;&amp;#039;morgincap&amp;#039;&amp;#039; ([[Morgengabe]])&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausführlich ging das Edictum Rothari auf Ausnahmen vom üblichen Ablauf ein: Kam die Ehe zwei Jahre nach der Verlobung durch Säumen des Bräutigams nicht zustande, durfte der Vormund die &amp;#039;&amp;#039;meta&amp;#039;&amp;#039; behalten und die Braut einem Anderen verloben. Versprach der Vormund die Braut vor dieser Frist einem Anderen, musste er die doppelte &amp;#039;&amp;#039;meta&amp;#039;&amp;#039; als Buße zahlen. Warf der Bräutigam der Braut Unkeuschheit vor, konnte deren Vormund mit 12 &amp;#039;&amp;#039;sacramentali&amp;#039;&amp;#039; ([[Eideshelfer]]) ihre Unschuld beschwören; in diesem Falle musste er die Braut heiraten oder die doppelte &amp;#039;&amp;#039;meta&amp;#039;&amp;#039; als Buße zahlen. Im Falle von Lepra, Besessenheit oder Erblindung der Braut konnte die Verlobung gelöst werden, und der Bräutigam erhielt die &amp;#039;&amp;#039;meta&amp;#039;&amp;#039; zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tode ihres Mannes übernahm einer von dessen Angehörigen das „mundium“ über die Witwe, in manchen Fällen ihr eigener Sohn. Doch hatte die Witwe auch das ausdrückliche Recht, sich einen neuen Ehemann zu nehmen. Lehnte ihr „munduald“ diesen ab, konnte sie die Herausgabe ihres &amp;#039;&amp;#039;faderfio&amp;#039;&amp;#039; (Mitgift) und der &amp;#039;&amp;#039;morgincap&amp;#039;&amp;#039; (Morgengabe) verlangen und in das „mundium“ ihres Vaters zurückkehren, dem es freistand, sie erneut zu vermählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schutzlos war die Frau ihrem Mann nicht ausgeliefert. Tötete ein Mann seine Frau, „quod per legem non sit merita mori“ (die nach dem Gesetz den Tod nicht verdient hatte), büßte er dieses mit 1200 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref group=A name=sol /&amp;gt;, der höchsten Geldstrafe, die das Edikt kannte. Die Buße war zur Hälfte an die Sippe der Frau, zur Hälfte an den König zu entrichten. Ihr &amp;#039;&amp;#039;faderfio&amp;#039;&amp;#039; (Mitgift) und die &amp;#039;&amp;#039;morgincap&amp;#039;&amp;#039; (Morgengabe) erbten ihre Söhne, nachrangig ihre Eltern oder der König. Hatte die Frau versucht, ihren Gatten zu ermorden, konnte dieser sie nach eigenem Ermessen bestrafen, ohne belangt zu werden. Ermordete eine Frau ihren Mann, so wurde sie mit dem Tode bestraft. Ihr Eigentum erbten ihre Kinder oder nachrangig andere Erben ihres Mannes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== CCV–CCXV Verführung, Vergewaltigung, Inzest, Sexualstraftaten ====&lt;br /&gt;
Unter &amp;#039;&amp;#039;anagrip&amp;#039;&amp;#039; (Anfassen, unsittliche Berührung)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; verstand das Edictum vor- bzw. außerehelichen Verkehr mit einer freien Frau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verführte ein Mann eine freie Frau, musste er 20 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref group=A name=sol /&amp;gt; Buße zahlen und sie heiraten. Verweigerte er die Heirat, waren 100 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; Buße fällig. Die Verführung einer Braut wurde mit 40 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; an den „munduald“ (Vormund) und der doppelten &amp;#039;&amp;#039;meta&amp;#039;&amp;#039; (Brautpreis) an den Bräutigam gebüßt. Eine erzwungene „Heirat“, ohne Einverständnis des &amp;#039;&amp;#039;munduald&amp;#039;&amp;#039; und der Braut, zog eine Buße von 900 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; nach sich, die je zur Hälfte an den &amp;#039;&amp;#039;munduald&amp;#039;&amp;#039; und den König zu zahlen war. Der Frau stand es frei, ihren „Mann“ zu verlassen und sich in das &amp;#039;&amp;#039;mundium&amp;#039;&amp;#039; eines Verwandten oder des Königs zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Inzest galt die Heirat seiner Stiefmutter oder der Witwe eines Bruders. Das Paar musste sich trennen und eine Buße von 100 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; entrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verkehr mit der &amp;#039;&amp;#039;ancilla&amp;#039;&amp;#039; (Dienstmagd) eines Anderen musste diesem mit 20 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; gebüßt werden, wenn sie Langobardin war; der Verkehr mit einer Romanin wurde mit 12 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; angesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== CCXVI–CCXXIII Heirat zwischen Unfreien ====&lt;br /&gt;
Heiraten zwischen Sklaven, Halbfreien und Freigelassenen waren im Edictum vorgesehen. Die Frau nahm während der Ehe den Stand ihres Mannes an, konnte aber als Witwe in ihren alten Stand zurückkehren. Die Kinder aus solchen Ehen hatten den Stand der Mutter, wessen Herrn sie gehörten, war unterschiedlich geregelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein &amp;#039;&amp;#039;aldius&amp;#039;&amp;#039; konnte eine &amp;#039;&amp;#039;fulcfrea&amp;#039;&amp;#039; (vollfreie Frau)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; heiraten, einem Sklaven war das bei Todesstrafe verboten. Die vollfreie Frau eines Sklaven sollte von ihren Verwandten getötet oder als Sklavin ins Ausland verkauft werden; geschah das nicht, wurde die Frau vom &amp;#039;&amp;#039;gastaldus regis&amp;#039;&amp;#039; ([[Gastalde]], leitender königlicher Beamter in einer Stadt)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; oder &amp;#039;&amp;#039;sculdhais&amp;#039;&amp;#039; ([[Schultheiß]], dem &amp;#039;&amp;#039;iudex provinciae&amp;#039;&amp;#039; unterstellter königlicher Beamter)&amp;lt;ref name=mey /&amp;gt; als Sklavin an den königlichen Hof gebracht. Einem Mann war es möglich, seine Sklavin zu heiraten, nachdem er sie durch &amp;#039;&amp;#039;libera thingare&amp;#039;&amp;#039; (Schenken der Freiheit) &amp;#039;&amp;#039;wirdibora&amp;#039;&amp;#039; („würdetragend“, ehrbar) gemacht hatte. Söhne aus dieser Verbindung waren vollfrei und erbberechtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCXXIV–CCXXVI Freilassung ===&lt;br /&gt;
Im Edictum Rothari waren vier Grade von Freilassung vorgesehen:&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;fulcfree&amp;#039;&amp;#039; (Volkfrei, gemeinfrei) bezeichnete den höchsten Freiheitsgrad des langobardischen Rechts. Die Verleihung dieser Freiheit war ritualisiert: Der Sklave wurde von seinem Herrn an einen zweiten Freien übergeben, dieser übergab ihn an einen Dritten und dieser an einen Vierten. Dieser führte den Sklaven an eine Wegkreuzung, gab ihm vor &amp;#039;&amp;#039;gisil&amp;#039;&amp;#039; (Zeugen) einen &amp;#039;&amp;#039;gaida&amp;#039;&amp;#039; (Speer) mit den Worten: „&amp;#039;&amp;#039;De quattuor vias, ubi volueris ambulare, liberam habeas potestatem&amp;#039;&amp;#039; (Über vier Straßen hast du das Recht zu gehen, wohin du willst).“ Damit war er vollständig frei und seinem alten Herrn gleichgestellt. Dieser hatte keinerlei Ansprüche mehr gegen ihn.&lt;br /&gt;
* Eine zweite Möglichkeit war durch &amp;#039;&amp;#039;in pans&amp;#039;&amp;#039; (königliche Gunst) gegeben, die einen Unfreien &amp;#039;&amp;#039;amund&amp;#039;&amp;#039; (ohne Vormund) machte, möglicherweise aber nicht die Gemeinfreiheit einschloss.&lt;br /&gt;
* Eine dritte Art der Freilassung gewährte zwar die „Freiheit der vier Wege“, doch stand der Freigelassene noch unter dem &amp;#039;&amp;#039;mundium&amp;#039;&amp;#039; des alten Herrn. Hatte er Kinder, so waren diese &amp;#039;&amp;#039;fulcfree&amp;#039;&amp;#039;, starb er kinderlos, so beerbte ihn sein ehemaliger Herr.&lt;br /&gt;
* Als viertes war eine unvollständige Freilassung vorgesehen, die einen Sklaven zum &amp;#039;&amp;#039;aldius&amp;#039;&amp;#039; (Halbfreier) machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Freigelassenen unterstanden dem langobardischen Recht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCXXVII–CCXXXVI Handel und Eigentum ===&lt;br /&gt;
Hielt jemand fünf Jahre lang einen Gegenstand oder ein Grundstück in Besitz, so galt er als dessen rechtmäßiger Eigentümer. Ein &amp;#039;&amp;#039;aldius&amp;#039;&amp;#039; (Halbfreier) oder &amp;#039;&amp;#039;servus&amp;#039;&amp;#039; (Sklave) konnte Besitz nur mit ausdrücklicher Erlaubnis seines „munduald“ verkaufen. Ausgenommen war der &amp;#039;&amp;#039;servus massarius&amp;#039;&amp;#039;, dessen Aufgabe es war, einen Hof zu bewirtschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCXXXVII–CCXLI Grenzverschiebung ===&lt;br /&gt;
Ein Freier, der Grenzmarkierungen entfernte oder fälschte, musste 80 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref group=A name=sol /&amp;gt; Buße zahlen. Manipulierte ein Sklave Grenzmarkierungen, die z.&amp;amp;nbsp;B. aus Einkerbungen in Bäumen bestanden, wurde er mit dem Tode bestraft, und sein &amp;#039;&amp;#039;dominus&amp;#039;&amp;#039; (Herr) musste 40 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; zahlen. Die Buße floss zur Hälfte dem Geschädigten, zur Hälfte dem König zu. Handelte der Sklave ohne Befehl seines Herrn, so wurde ihm die Hand abgeschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCXLII–CCXLIV Münz- und Urkundenfälschung, Eindringen in eine Stadt ===&lt;br /&gt;
Münz- und Urkundenfälschung wurden ebenfalls mit dem Abschlagen der Hand bestraft. Das Betreten oder Verlassen einer Stadt über die [[Stadtmauer|Mauer]] war verboten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCXLV–CCXLVII Pfandrecht ===&lt;br /&gt;
Es bestand ein Pfandrecht gegenüber Schuldnern, doch musste Schuld zuvor an drei aufeinanderfolgenden Tage eingefordert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCXLVIII–CCLXVI Diebstahl ===&lt;br /&gt;
Diebstähle mussten mit dem neunfachen Wert des Gegenstandes ersetzt werden und zogen für einen Freien eine Buße von 80 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; nach sich. Konnte er nicht zahlen, so drohte die Todesstrafe. Den neunfachen Wert mussten auch Sklaven ersetzen sowie eine Buße von 40 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; leisten. Freie Frauen ersetzten nur den neunfachen Wert. Der Fund von Gold oder Schmuck auf der Straße musste dem &amp;#039;&amp;#039;iudex&amp;#039;&amp;#039; (Richter, hoher Beamter) angezeigt werden, sonst galt es als Diebstahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCLXVII–CCLXXXI Flüchtlinge ===&lt;br /&gt;
Für die Ergreifung eines Flüchtigen war eine Belohnung von 2 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; ausgesetzt. Leistete ein Flüchtiger bei seiner Verhaftung Widerstand, so durfte er straffrei getötet werden. Half jemand einem Sklaven bei der Flucht, so musste der Helfer dem Herrn des Sklaven dessen Wert ersetzen. In gewissem Maße gab es ein [[Kirchenasyl]], denn ein [[Bischof]] musste erst dreimal aufgefordert werden, den Flüchtigen herauszugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCLXXXII–CCLXXXV Öffentliche Ordnung ===&lt;br /&gt;
Der Überfall auf ein Gehöft wurde &amp;#039;&amp;#039;haistan&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;hoveros&amp;#039;&amp;#039; genannt und war mit 20 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; zu büßen. Es wurde ausdrücklich erwähnt, dass diese Verbrechen nicht von Frauen begangen werden konnten. Sklavenaufstände und Verschwörungen der &amp;#039;&amp;#039;rusticani&amp;#039;&amp;#039; (Landbevölkerung) zogen hohe Strafen nach sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCLXXXVI–CCCLVIII Land- und Forstwirtschaft ===&lt;br /&gt;
73 Gesetze befassten sich mit Straftaten in der Landwirtschaft. Vom Niederreißen eines Zaunes über die Zerstörung eines Pfluges bis zum Stehlen eines [[Geschirr (Zugtier)|Joches]] waren zahlreiche Vergehen aufgezählt, die mit Bußen von 2 bis 6 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; belegt waren. Verletzt sich jemand an einem Zaun, so haftete der Erbauer, wohingegen das Ziehen eines Grabens oder Ausheben eines Brunnens keine [[Regress (Recht)|Regresspflicht]] begründete. Weitere Kapitel betreffen das Finden von Honig und jungen Falken, wobei das „gahagium“ (königliches Jagdrevier) besonders geschützt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe von Gesetzen war Pferden gewidmet: Verletzte jemand ein Pferd z.&amp;amp;nbsp;B. durch Ausschlagen eines Auges oder Abschneiden eines Ohres, so musste er dem Besitzer ein gleichwertiges Pferd als Ersatz geben. Das Abschneiden der Schweifhaare zog eine Strafe von 6 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; nach sich. Nahm jemand ein Pferd und ritt in der Nähe herum, galt das offenbar nicht als Diebstahl, sondern zog eine Buße von 2 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; nach sich. Für einen [[Pferdediebstahl]] musste man „ahtugild“ (achtfacher Wert) zahlen und das Tier zurückgeben bzw. den neunfachen Wert erstatten. Ein zugelaufenes Pferd durfte man behalten, wenn man den &amp;#039;&amp;#039;iudex&amp;#039;&amp;#039; (Richter, hoher Beamter) informierte oder den Fall den vor der Kirche Versammelten mehrmals bekannt gab und sich der Eigentümer nicht meldete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umfangreich sind auch die Jagdgesetze: Abgesehen vom „gahagium“ (königliches Jagdrevier) war es erlaubt, auch auf fremdem Boden zu jagen. Fand man ein verwundetes Tier, so war man verpflichtet, es dem Jäger zu bringen, wofür man als Belohnung die rechte Schulter und sieben Rippen bekam. Das Verheimlichen eines solchen Fundes wurde mit 6 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; geahndet. Wurde jemand durch ein verwundetes Tier verletzt oder getötet, so war der Jäger dafür haftbar, es sei denn, er hatte die Jagd bereits abgebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strafe für Schläge, die zu einer Fehlgeburt führten, betrug im Falle einer Kuh 1 &amp;#039;&amp;#039;[[tremissis]]&amp;#039;&amp;#039; (1/3 Solidus), eines Pferdes 1 &amp;#039;&amp;#039;solidus&amp;#039;&amp;#039; und bei der Sklavin eines Anderen 3 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039;. Verursachte ein Besessener Schäden bei Mensch oder Vieh, so war er nicht haftbar, durfte aber bußfrei getötet werden. Reisende durften ihre Pferde auf nichteingezäunten Wiesen grasen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCCLIX–CCCLXV Prozessordnung ===&lt;br /&gt;
Wurde ein Langobarde eines Verbrechens angeklagt, war er verpflichtet, eine &amp;#039;&amp;#039;wadia&amp;#039;&amp;#039; (Pfand, Kaution) zu hinterlegen und einen Bürgen (fideiussor) zu benennen, um zu gewährleisten, dass er sich binnen zwölf Tagen dem Prozess stellen werde. Diese Frist konnte im Verhinderungsfall verlängert werden. Zögerte der Beklagte den Prozess ein ganzes Jahr hinaus, so wurde er für schuldig befunden. Der Kläger verlor jegliche Ansprüche, wenn der Prozess durch sein Verschulden ein Jahr verzögert wurde.&amp;lt;ref name=hodg224&amp;gt;Hodgkin, Italy and her Invaders, Vol. VI, S. 224ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beklagte konnte die Schuld und die Buße auf sich nehmen oder seine Unschuld beschwören, wobei ihn bei einem Streitwert über 20 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; sechs Verwandte und Freunde als &amp;#039;&amp;#039;Aidos&amp;#039;&amp;#039; oder lat. &amp;#039;&amp;#039;sacramentali&amp;#039;&amp;#039; (Eideshelfer) mit Eiden auf die [[Evangelium (Buch)|Evangelien]] unterstützten. Dem Kläger standen fünf &amp;#039;&amp;#039;sacramentali&amp;#039;&amp;#039; zur Seite. Ließ sich einer der &amp;#039;&amp;#039;sacramentali&amp;#039;&amp;#039; oder der Prozessführenden von der Gegenseite überzeugen, so war das &amp;#039;&amp;#039;sacramentum&amp;#039;&amp;#039; gebrochen und der Fall entschieden. Der Kläger musste die Beschuldigung zurücknehmen oder der Beschuldigte die Buße zahlen. Bei einem Streitwert unter 20 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; waren weniger &amp;#039;&amp;#039;sacramentali&amp;#039;&amp;#039; (Eideshelfer) und ein Eid &amp;#039;&amp;#039;ad arma sacrata&amp;#039;&amp;#039; (auf die geheiligten Waffen) vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Methode zur Urteilsfindung war das &amp;#039;&amp;#039;camfio&amp;#039;&amp;#039; (Gottesurteil durch Zweikampf). In einigen Rechtsfällen (Klärung der Ehelichkeit eines Sohnes, Mord an seiner Ehefrau, &amp;#039;&amp;#039;mundium&amp;#039;&amp;#039; über eine verheiratete Frau) war das Kampfurteil ausgeschlossen, „denn es scheint ungerecht, dass so ernste Angelegenheiten im Kampf unter einem Schild entschieden werden“. Die Kämpfer durften sich nicht durch Zauberei schützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== CCCLXVI–CCCLXXXVIII Verschiedenes ===&lt;br /&gt;
[[waregang]]i (Einwanderer) konnten vom König das Privileg erhalten, nach eigenem Recht zu leben, unterlagen aber immer dem langobardischen Erbrecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ermordete ein königlicher Sklave einen Freien, so zahlte der König das Wergeld. Für andere Vergehen wurde der Sklave hingerichtet, doch war der König von der Bußzahlung befreit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mord an einem &amp;#039;&amp;#039;sculdhais&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;gastaldius&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;actor regis&amp;#039;&amp;#039; (königliche Beamte) wurde neben dem Wergeld mit einer Buße von 80 &amp;#039;&amp;#039;solidi&amp;#039;&amp;#039; geahndet. Der Korruption wurde dadurch entgegengetreten, dass es Beamten in ihrer Amtszeit verboten war, ohne Genehmigung des Königs „Geschenke“ anzunehmen, alle Einnahmen flossen dem König zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Aberglauben trat Rothari dadurch entgegen, dass er verbot, eine Frau zu töten, weil sie eine &amp;#039;&amp;#039;striga&amp;#039;&amp;#039; ([[Hexe]]) sei, „weil ein Christ nicht glauben kann, dass eine Frau einen lebenden Mann von innen her auffrisst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
* [http://www.oeaw.ac.at/imafo/ressourcen/quellen-zur-langobardengeschichte/leges-langobardorum/edictvs-rothari/] Gesetzestext (lateinisch).&lt;br /&gt;
{{Wikisource|Historia Langobardorum|Historia Langobardorum|lang=la}}&lt;br /&gt;
* [http://www.northvegr.org/histories%20and%20chronicles/history%20of%20the%20lombards/index.html Paulus Diaconus: &amp;#039;&amp;#039;History of the Langobards&amp;#039;&amp;#039;] (englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Franz Beyerle (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die Gesetze der Langobarden.&amp;#039;&amp;#039; 2 Bände. (Germanenrechte, Bd. 3). Witzenhausen 1962.&lt;br /&gt;
* Alban Dold: &amp;#039;&amp;#039;Zur ältesten Handschrift des Edictus Rothari. Urfassung des Langobardengesetzes, Zeit und Ort ihrer Entstehung. Mit 38 zur Beweisführung notwendigen Initial-, Zier- und Schriftbildern und einer Rekonstruktion der Titelseite in Vierfarbendruck.&amp;#039;&amp;#039; Stuttgart, Köln 1955.&lt;br /&gt;
* [http://www.archive.org/stream/italyandherinvad025017mbp#page/n187/mode/2up/search/Rothari Thomas Hodgkin: &amp;#039;&amp;#039;Italy and her Invaders&amp;#039;&amp;#039;, Vol. VI], 1895, S.&amp;amp;nbsp;174–238 (teilweise überholt).&lt;br /&gt;
* Carl Meyer: &amp;#039;&amp;#039;[http://www.archive.org/stream/spracheundsprac01meyegoog#page/n275/mode/1up Sprache und Sprachdenkmäler der Langobarden. Quellen, Grammatik, Glossar]&amp;#039;&amp;#039;, Schöningh, Paderborn 1877.&lt;br /&gt;
* Walter Pollack: &amp;#039;&amp;#039;Der systematische Aufbau und die Technik der Wundbussenbestimmungen im Edictus Rothari.&amp;#039;&amp;#039; Berlin, Leipzig 1913.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [[Ludo Moritz Hartmann]]: [http://www.archive.org/stream/geschichteitalie02hart#page/n257/mode/2up/search/Rothari &amp;#039;&amp;#039;Geschichte Italiens im Mittelalter&amp;#039;&amp;#039;] Bd. II Teil 1, Wigand, Leipzig 1900, S.&amp;amp;nbsp;241–243 und Bd. II Teil 2, Perthes, Gotha 1903, S.&amp;amp;nbsp;1–48 (teilweise überholt)&lt;br /&gt;
* Jan C. L. König: [http://www.langobarden.de/Aufsatze/Eintrage/2010/6/19_Von_Uelzen_nach_Mailand_-Recht_und_Gesellschaft_der_Langobarden.html &amp;#039;&amp;#039;Recht und Gesellschaft der Langobarden&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
* [https://www.leges.uni-koeln.de/lex/leges-langobardorum/ Das &amp;#039;&amp;#039;Edictum Rothari&amp;#039;&amp;#039; als Teil der &amp;#039;&amp;#039;leges Langobardorum&amp;#039;&amp;#039; in der &amp;#039;&amp;#039;{{lang|la|Bibliotheca legum regni Francorum manuscripta}}&amp;#039;&amp;#039;], Handschriftendatenbank zum weltlichen Recht im Frankenreich ([[Karl Ubl]], [[Universität zu Köln]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Edikt|Rothari]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rechtsquelle (7. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Germanisches Stammesrecht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Recht (Mittelalter)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rechtsgeschichte (Italien)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Langobarden]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pferd in der Geschichte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Graph Pixel</name></author>
	</entry>
</feed>