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	<title>Drehleier - Versionsgeschichte</title>
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		<title>imported&gt;APPERbot: Bot: Fix Parameter lemid in Vorlage:Deutsches Wörterbuch (&quot;G&quot; nicht notwendig wenn danach ein Buchstabe folgt), Vorlage Commonscat an Inhalte in Commons angepasst, http nach https umgestellt</title>
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		<updated>2026-02-19T09:15:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: Fix Parameter lemid in Vorlage:Deutsches Wörterbuch (&amp;quot;G&amp;quot; nicht notwendig wenn danach ein Buchstabe folgt), Vorlage Commonscat an Inhalte in Commons angepasst, http nach https umgestellt&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Dieser Artikel|behandelt das Musikinstrument. Zur Münchner Kleinkunstbühne siehe [[Theater Drehleier]].}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Alto-Drehleier.jpg|mini|Drehleier (Alto-Drehleier, W. Weichselbaumer, Wien 2006)]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Drehleier Radleier -Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg-2000.533.tif|mini|Drehleier im [[Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg]] (Pajot, 1880)]]&lt;br /&gt;
Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Drehleier&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Radleier&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist ein seit dem Mittelalter bekanntes mechanisiertes [[Streichinstrument]] aus der Klasse der [[Lauteninstrument]]e, bei dem die [[Saite]]n von einem eingebauten Rad angestrichen werden, das mittels einer [[Handkurbel|Kurbel]] gedreht wird. Die schwingende Länge einer oder mehrerer Melodiesaiten wird mechanisch über [[Klaviatur|Tasten]] verkürzt, um die Tonhöhe zu verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meist klingen eine oder mehrere [[Bordun]]saiten auf konstanter Tonhöhe mit. Die Drehleier wird daher wie die [[Sackpfeife (Musikinstrument)|Sackpfeife]] zu den Borduninstrumenten gezählt. Zum Erzeugen von rhythmischen Schnarrlauten dient oft ein [[Schnarrsteg]]. Die in Museen erhaltenen [[Böhmen|böhmischen]] Instrumente haben keine Bordunsaiten, die traditionellen Instrumente aus [[Galicien]] keinen Schnarrsteg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Drehleier wird unter anderem in der traditionellen Musik, der [[Alte Musik|Alten Musik]], im [[Jazz]], [[Industrial]], im [[Mittelalter-Rock]] und in der [[Neue Musik|Neuen Musik]] verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mechanismus der Verkürzung der Melodiesaiten ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hurdy-mecanism.jpg|mini|Mechanismus der Verkürzung der Melodiesaiten, Drehleier mit Spänekorpus, J. Grandchamps, 1980]]&lt;br /&gt;
Jede Taste sitzt auf einer Schiebestange mit rechteckigem Querschnitt. Die Schiebestangen werden durch entsprechende Löcher quer durch zwei parallele Brettchen (Tangentenkasten genannt) geführt. Diese Brettchen sind so am Instrument befestigt, dass die Melodiesaiten parallel zwischen ihnen verlaufen und damit die Schiebestangen quer zu den Melodiesaiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Schiebestangen ist für jede Melodiesaite ein Bauteil befestigt, das funktional einem [[Bund (Saiteninstrument)|Bund]] entspricht. Beim Drücken einer Taste werden die entsprechenden „Bünde“ gegen die Melodiesaiten gedrückt und dadurch die schwingende Länge aller Saiten zugleich verkürzt. Um das Instrument exakt stimmen zu können, sind diese „Bünde“ meistens beweglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Bünde“ einer Drehleier werden auch als &amp;#039;&amp;#039;Tangenten&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet, weil sie die Saiten „tangieren“ (berühren), oder als „Fähnchen“, wegen ihrer traditionellen Form. Das Zurückfallen der Tasten in die Ausgangsstellung erfolgt durch die Schwerkraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelegentlich finden sich von diesem Grundmodell abweichende Mechanismen, bei denen etwa das Zurückfallen der Tasten durch Federkraft erreicht wird, auch gibt es einen Mechanismus, bei dem die „Bünde“ auf rotierenden Scheiben befestigt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bauformen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Louvet Drehleier.JPG|mini|Drehleier mit Korpus in Gitarrenform nach Pierre Louvet, Paris um 1800]]&lt;br /&gt;
Durch die Zeiten und Regionen findet sich eine große Vielfalt an Bauformen. Eine allgemeine Standardisierung ist nicht feststellbar, jedoch lassen sich einige Typen eingrenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Organistrum ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Symphonia Cantigas Sta María 160.jpg|mini|hochkant|Zwei Kastenleier spielende Musiker. Illumination aus dem Kodex &amp;#039;&amp;#039;[[Cantigas de Santa Maria]]&amp;#039;&amp;#039; (13. Jh.)]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Organistrum.Kathedrale.Santiago.de.Compostela.P1093548.jpg|mini|Organistrum, Replik der Steinskulptur in der [[Kathedrale von Santiago de Compostela]], 1188]]&lt;br /&gt;
Die älteste nachgewiesene Form ist das Organistrum, das in Texten ab dem 10. Jahrhundert belegt ist. Die frühesten bekannten Darstellungen stammen aus dem 12. Jahrhundert.&amp;lt;ref&amp;gt;Marianne Bröcker, 1977, S. 43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Beim Organistrum für zwei Spieler bedient einer der beiden die Kurbel und der andere verkürzt die Saiten. Es ist nur aus Abbildungen und Plastiken bekannt; heutiges Wissen über den Mechanismus der Saitenverkürzung, die Stimmung und andere bauliche Details gründet auf Indizien. Das Organistrum wurde in der [[Kirchenmusik]] verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[Musikinstrumentenmuseum Lißberg]] befindet sich ein Nachbau des Organistrums, das auf einem 1188 entstandenen Steinrelief an der [[Kathedrale von Santiago de Compostela]] zu sehen ist. Der Drehleierbauer [[Kurt Reichmann]] fertigte mit Hilfe der Abbildung einen Nachbau an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bauformen aus Frankreich ===&lt;br /&gt;
Eine bedeutende Veränderung erfuhr die Drehleier ausgehend von [[Frankreich]] im 18. Jahrhundert. Es entstanden während einer eher kurzen Zeitspanne viele [[kammermusik]]alische Werke für Instrumente der Volksmusik, unter ihnen die Drehleier. Das Instrument wurde für den Gebrauch in der höfischen (Kammer-)Musik adaptiert und Bauformen mit [[laute]]nähnlichem Spänekorpus sowie mit Orgelregistern wurden entwickelt. Viele technische Grundlagen der heute verwendeten Instrumente gehen auf diese Zeit zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 19. Jahrhundert ist die Drehleier in vielen Ländern Europas dokumentiert. Heute ist sie in Zentralfrankreich, [[Spanien|Nordwestspanien]] und [[Ungarn]] als traditionelles Musikinstrument verbreitet, in vielen Regionen Europas erlebt sie eine Renaissance. Das Instrument hat heute vermutlich eine größere Verbreitung als zu jeder anderen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Drehleier, französisch &amp;#039;&amp;#039;Vielle à Roue&amp;#039;&amp;#039; (wörtlich Rad-[[Fidel]]), gibt es heute in Frankreich eine starke Tradition, insbesondere im Süden der Region [[Centre-Val de Loire]], in der [[Auvergne]] und [[Burgund|Bourgogne]]. Seine Form mit einem Korpus aus Spänen, ähnlich der Laute, erhielt dieses Instrument von höfischen [[Musikinstrumentenbau|Instrumentenbauern]] zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Als namentlich bekannte Instrumentenbauer dieser Periode, welche diese feiner klingenden Instrumente bauten, sind [[Henri Bâton]] aus [[Versailles]], die aus der Normandie stammenden Brüder [[Pierre Louvet]] (1709–1784) und [[Jean Louvet (Instrumentenbauer)|Jean Louvet]] (1718–1793) sowie [[Jean-Nicolas Lambert]] (1708–1759) und [[Nicolas Colson]] (* 1785 in [[Mirecourt]]) zu nennen. Neben den Instrumenten mit Spänekorpus wurden auch Instrumente mit gitarrenförmigem Korpus gebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert passte sich das Instrument mehr und mehr dem Gebrauch in der dörflichen Musik an und wurde robuster. Die Instrumente aus dieser Zeit, etwa von [[Gilbert Pimpard|Pimpard]] oder [[Jacques Antoine Pajot|Pajot]] aus [[Jenzat]] in der [[Auvergne]], gleichen den heute gebauten. Für die Bretagne fertigten die Instrumentenbauer aus dem &amp;#039;&amp;#039;Centre&amp;#039;&amp;#039; Drehleiern mit einem größeren taillierten [[Zarge (Musikinstrument)|Zargen]]-Korpus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bauformen aus Ungarn ===&lt;br /&gt;
[[Datei:SzerenyiTekero.jpg|mini|Zwei &amp;#039;&amp;#039;[[tekerőlant]]&amp;#039;&amp;#039;, Bela Szerenyi, Budapest, Ende des 20. Jahrhunderts]]&lt;br /&gt;
Die Drehleier, auf Ungarisch in der bäuerlichen Sprache &amp;#039;&amp;#039;nyenyere&amp;#039;&amp;#039; genannt, seit dem 20. Jahrhundert meist als &amp;#039;&amp;#039;[[tekerőlant]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Nagy Balázs: &amp;#039;&amp;#039;Tekerőlantosok Könyve&amp;#039;&amp;#039;. A Hagyományok Háza kiadványsorozata, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder kurz &amp;#039;&amp;#039;tekerő&amp;#039;&amp;#039; (&amp;#039;&amp;#039;tekerő&amp;#039;&amp;#039;, „drehen/kurbeln“; &amp;#039;&amp;#039;lant&amp;#039;&amp;#039;, „Laute“), hat einen großen taillierten Zargenkorpus und die Besonderheit, dass Melodie-, Schnarr- und Bordunsaiten innerhalb des Tangentenkastens, der die Tastatur aufnimmt, verlaufen. Dieses Instrument hat ein Schnarrsystem, das anders als bei den französischen Instrumenten mit einem Keil justiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Charakteristikum der ungarischen Drehleier ist das im Verhältnis zu den französischen Instrumenten kleinere Rad und die kleinere Kurbel. Dies begünstigt beim Einsatz der Schnarre (ungarisch &amp;#039;&amp;#039;recsegő&amp;#039;&amp;#039;) die Erzeugung kurzer akzentuierter Schnarrtöne, deren Klangcharakter an eine Marschtrommel oder ein Tamburin erinnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regional ist die ungarische Drehleier in der ungarischen Volksmusik der Gebiete um Szentes und [[Csongrád]] sowie im Gebiet der Donau südlich von [[Budapest]] beheimatet. Die ersten schriftlichen Hinweise auf Drehleiern in Ungarn finden sich im 16. Jahrhundert, die ältesten ungarischen Abbildungen des Instrumentes stammen aus der Zeit der [[Kuruzen]]kriege Ende des 17. Jahrhunderts. Im Zuge der „Renaissance der Drehleier“, die in Ungarn im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts einsetzte, haben ungarische Instrumentenerzeuger die Bauweise von noch lebenden Volksmusikern gelernt und übernommen, so dass Ungarn, ähnlich wie Frankreich, eine durchgehende Tradition des Drehleierbaus und -spiels aufweist. Häufig sind in der Volksmusik Drehleierspieler im Duett mit Klarinettisten überliefert, wobei die [[Klarinette]] den Melodiepart und die Drehleier die Funktion eines Begleitinstrumentes übernahm. Erhaltene Drehleiern aus Süd- und Ostösterreich und Ungarn und historische Abbildungen aus diesen Regionen weisen bauliche Ähnlichkeiten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Böhmischer Typus ===&lt;br /&gt;
In tschechischen Museen sind mehrfach Instrumente erhalten, die keine Bordunsaiten und somit auch keine Schnarrsaite haben. Weitere Merkmale sind: [[Resonanzsaite]]n, die durch den Tangentenkasten geführt sind, zylindrische Stege für die einzelnen Melodiesaiten, damit einhergehend für je eine Melodiesaite plus Resonanzsaiten ein eigener Saitenhalter, eine besondere Anordnung der Tangenten/Bünde, die es erlaubt, anders als bei anderen Drehleiern, mit einer Tastatur zwei Melodiesaiten in wechselnden Zweiklängen abzugreifen, sowie meist ein Hebel zum Aushängen einer Melodiesaite.&lt;br /&gt;
Unter anderem bei Instrumenten aus dem 18. Jahrhundert wird gemäß Bröcker von einer [[6-plus-6-Instrument|6-plus-6]]-Stimmung der zwei Tastenreihen ausgegangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marianne Bröcker, 1977, S. 758.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Anordnung wurde (allgemein für Tasteninstrumente) als &amp;#039;&amp;#039;Organum panarchicum&amp;#039;&amp;#039; von [[Juan Caramuel y Lobkowitz]] im 17. Jahrhundert in Böhmen erfunden.&amp;lt;ref&amp;gt;Patrizio Barbieri: &amp;#039;&amp;#039;Gli ingegnosi cembali e „violicembali“ inventati da Juan Caramuel Lobkowitz per Ferdinando III (c. 1650): notizie inedite dal manoscritto „Musica“.&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bauformen aus Polen und der Ukraine ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lira.jpg|mini|&amp;#039;&amp;#039;[[Lira (Drehleier)|Koljosnaja lira]],&amp;#039;&amp;#039; Drehleiern aus der Ukraine]]&lt;br /&gt;
Die [[Lira (Drehleier)|Lira]] genannten Instrumente in [[Polen]], der [[Ukraine]], [[Belarus]] und [[Russland]] haben teilweise einen [[Violine|geigenförmigen]] Korpus, meist ein sehr kleines Rad und gelegentlich eine besondere Tastatur mit Knöpfen. Der legendäre ukrainische Volkssänger und Prophet [[Wernyhora]] wird oft mit einer Drehleier dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Alto-Drehleier ===&lt;br /&gt;
Dieses moderne Musikinstrument wurde seit den 1980er-Jahren nach den Klangvorstellungen der Instrumentenbauer und den Bedürfnissen von Drehleierspielern entwickelt, welche die Drehleier in modernem musikalischem Kontext verwenden. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf der Erweiterung der klanglichen Vielfalt und der [[Dynamik (Musik)|Dynamik]]. Bekannte Musiker, die besonders an der Entwicklung der Alto-Drehleiern mitgewirkt haben, sind [[Valentin Clastrier]], [[Gilles Chabenat]], [[Germán Díaz]], [[Matthias Loibner]] und [[Simon Wascher]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;alto&amp;#039;&amp;#039; (französisch für „Bratsche“) leitet sich vom erweiterten Tonumfang der Alto-Drehleierm her. Sie haben meist einen tieferen Klang, einen mit bis zu drei Oktaven größeren Tonumfang, mehr Saiten – bis zu 27 –, unter Verwendung der verschiedenen Saiten dann bis zu viereinhalb Oktaven&amp;lt;!--drei oder viereinhalb?--&amp;gt; Tonumfang und eingebaute Vorverstärkersysteme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Instrumentenbauer für die Entwicklung dieses Typs sind Denis Siorat, Robert Mandel, Philippe Mousnier und Wolfgang Weichselbaumer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gotische Drehleier ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Elf Fantasy Fair 2010 hurdy gurdy.jpg|mini|Kostümierter Drehleier-Spieler auf einer [[Fantasy]]-Veranstaltung in den Niederlanden]]&lt;br /&gt;
Unter diesem Begriff wird eine Vielfalt von Instrumentenformen von heutigen Instrumentenbauern angeboten. Man versteht darunter meist Instrumente, deren Korpusform nach historischen Abbildungen aus der Zeit vom Beginn der [[Neuzeit]] bis etwa 1650 geformt ist. Es gibt sehr genaue Nachbauten nach einzelnen historischen Abbildungen, etwa nach dem Instrument, das auf dem Bild &amp;#039;&amp;#039;[[Der Garten der Lüste (Bosch)#Rechter Flügel: Die Hölle|Der Garten der Lüste]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Hieronymus Bosch]] dargestellt ist, aber auch rein spekulative Neuschöpfungen für die Verwendung auf [[Mittelaltermarkt|Mittelaltermärkten]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lira Organizzata, Vielle Organisée oder Orgelleier ===&lt;br /&gt;
Die [[Orgelleier]] ist eigentlich ein selbständiges Instrument, das aus einer Drehleier kombiniert mit einer kleinen [[Orgel]] besteht. Durch die Drehleier-Tastatur wird auch die Mechanik der Orgelventile gesteuert und mit der Kurbel das Windsystem betrieben. Im 18. Jahrhundert wurden dafür unter anderem von [[Joseph Haydn]] und [[Ignaz Josef Pleyel|Ignaz Pleyel]] Kompositionen geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kastenleier ===&lt;br /&gt;
Die Kastenleier (lateinisch &amp;#039;&amp;#039;Sinfonia&amp;#039;&amp;#039;) ist bereits aus mittelalterlichen Darstellungen belegt. Das Instrument hat die Form einer länglichen Kiste, nur die [[Tastatur]] und die Kurbel stehen vor. Die frühesten Abbildungen stammen aus dem 13. Jahrhundert.&amp;lt;ref&amp;gt;Marianne Bröcker, 1977, Abbildung 35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wie beim Organistrum beruhen alle heutigen Nachbauten auf Texten und Abbildungen und daraus abgeleiteten Folgerungen. Es ist kein historisches Instrument erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Elektrisch verstärkte und elektronische Drehleiern ===&lt;br /&gt;
[[Datei:MidiGurdy.jpg|mini|Elektronische Drehleier MidiGurdy]]&lt;br /&gt;
In der [[Popmusik]], speziell in der [[Musik der Mittelalterszene]], werden auch Drehleiern eingesetzt, bei denen die Saitenschwingungen zusätzlich über elektro-magnetische [[Tonabnehmer]] abgenommen werden können. Prinzipiell ähnlich wie bei [[E-Gitarre]]n werden die [[Analogsignal|analogen Signale]] an [[Verstärker (Elektrotechnik)|Verstärker]] übertragen und elektronisch verstärkt oder mittels [[Synthesizer]] verändert wiedergegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Aylin Izci |url=http://www.enemy.at/2017/alles-andere-als-altmodisch-die-elektrische-drehleier/ |titel=Alles andere als altmodisch: die elektrische Drehleier |werk=enemy.at |datum=2017-06-23 |abruf=2018-12-08}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz ohne Saiten kommen dagegen elektronische Drehleiern wie die &amp;#039;&amp;#039;MidiGurdy&amp;#039;&amp;#039; aus. Hier werden die Signale für die Melodiesaiten rein elektronisch von der Tastatur und auch in Kombination mit den Bewegungen des Drehrads erzeugt. Die Signale für Schnarr- und Bordunsaiten werden über die Kurbelbewegungen des Drehrades gesteuert. Je nach technischer Ausstattung des Instruments kann das [[Digitalsignal|digitale Audiosignal]] über einen integrierten [[Prozessor]] und [[Soundkarte]] direkt ausgegeben werden. Ein Datenaustausch der musikalischen Steuerinformationen zwischen der Drehleier und angeschlossenen Computern, [[Sampling (Musik)|Samplern]] oder Synthesizern ist über [[Musical Instrument Digital Interface|MIDI-Schnittstellen]] möglich.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Banshee in Avalon |url=https://en.audiofanzine.com/misc-midi-controller/marcus-weseloh/midigurdy/news/a.play,n.19378.html |titel=A Hurdy Gurdy and MIDI controller |werk=audiofanzine |datum=2014-11-27 |sprache=en |abruf=2018-12-08}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Repertoire ==&lt;br /&gt;
Zu allen Zeiten ihrer Existenz war und ist die Drehleier auch ein Instrument der [[Populäre Musik|Popularmusik]], der traditionellen Tanzmusik und Liedbegleitung in Europa. Sie findet auch Verwendung in verschiedensten musikalischen Gattungen wie der [[Alte Musik|Alten Musik]], im [[Jazz]], [[Industrial]], in der [[Rockmusik]], in der [[Neue Musik|Neuen Musik]] oder auf so genannten [[Mittelaltermarkt|Mittelaltermärkten]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Instrument wurden zahlreiche Werke geschrieben, die ob ihres Umfanges und ihrer Kompositionsweise der sogenannten „[[Ernste Musik|ernsten Musik]]“ zugerechnet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine große Zahl dieser Werke entstand im 18. Jahrhundert. Neben den Werken aus dem Umfeld des französischen Hofes mit Komponisten wie [[Charles Bâton]], [[Joseph Bodin de Boismortier]], [[Charles Buterne]], [[Nicolas Chédeville|Nicolas]] und [[Esprit Philippe Chédeville]], [[Michel Corrette]], [[Evaristo Dall’Abaco|Evaristo Felice Dall’Abaco]], [[Jean-François Boüin]], [[Jean-Baptiste Dupuits]], [[Jean de Hotteterre|Jean]] und [[Jacques-Martin Hotteterre]], [[Jean-Baptiste Lully]], [[Jacques-Christophe Naudot]], [[Jean-Philippe Rameau]] komponierten auch andere einzelne Werke für das Instrument: [[Leopold Mozart]] (Sinfonia &amp;#039;&amp;#039;Die Bauernhochzeit&amp;#039;&amp;#039;), [[Wolfgang Amadeus Mozart]] (Deutscher Tanz KV 602/3), [[Wenzel Müller]] (Oper &amp;#039;&amp;#039;Die Schwestern von Prag&amp;#039;&amp;#039;), [[Joseph von Eybler]] (Deutscher Tanz), [[Ferdinand Kauer]] (Variazioni a Piu Istromenti[sic], Deutscher Tanz), [[Jiří Družecký|Georg Druschetzky]] (Parthia), [[Paul Wranitzky]] (Deutscher Tanz), [[Franz Xaver Süßmayr]] (Ländler), [[Gaetano Donizetti]] (Oper &amp;#039;&amp;#039;Linda di Chamonix&amp;#039;&amp;#039;) und [[Carl Christian Agthe]] (Sinfonie &amp;#039;&amp;#039;Der Kuckuck&amp;#039;&amp;#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Anzahl von Werken wurde auch für die Orgelleier geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Komponisten der Gegenwart schreiben Kompositionen der „[[Ernste Musik|ernsten Musik]]“ für das Instrument, unter anderem [[Edward Sielicki]] (1987: &amp;#039;&amp;#039;Pulchrum est quod commensuratum est&amp;#039;&amp;#039;), [[Zygmunt Krauze]] (1974: &amp;#039;&amp;#039;Idyll&amp;#039;&amp;#039;, 1975: &amp;#039;&amp;#039;Fête galante et pastorale&amp;#039;&amp;#039;), [[R. Murray Schafer]] (2009: Oper &amp;#039;&amp;#039;The Children’s Crusade&amp;#039;&amp;#039;), [[Valentin Clastrier]], [[Matthias Loibner]], [[Germán Díaz]], [[Stevie Wishart]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Namen der Drehleier ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Himmelkron Engel021.JPG|mini|[[Gotik|Spätgotische]] Engelsdarstellung mit Drehleier im [[Kloster Himmelkron]]]]&lt;br /&gt;
Die modernen Bezeichnungen &amp;#039;&amp;#039;Drehleier&amp;#039;&amp;#039; und (seltener, meist in wissenschaftlichen Texten) &amp;#039;&amp;#039;Radleier&amp;#039;&amp;#039; leiten sich ab von {{grcS|λύρα}}, &amp;#039;&amp;#039;lyra&amp;#039;&amp;#039;, [[althochdeutsch]] und [[Italienische Sprache|italienisch]] &amp;#039;&amp;#039;lira&amp;#039;&amp;#039;. Der Wortteil &amp;#039;&amp;#039;Dreh-&amp;#039;&amp;#039; (von &amp;#039;&amp;#039;drehen&amp;#039;&amp;#039;) beziehungsweise &amp;#039;&amp;#039;Rad-&amp;#039;&amp;#039; bezieht sich auf das vom Spieler gedrehte Streichrad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den historischen Quellen gibt es verschiedene weitere Bezeichnungen:&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Drehleier&amp;#039;&amp;#039; wird häufig auf &amp;#039;&amp;#039;Leier&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;Leyer&amp;#039;&amp;#039; verkürzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Marianne Bröcker, 1977, S. 229–233.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Form &amp;#039;&amp;#039;Lira&amp;#039;&amp;#039; kommt vor, neben der ukrainischen [[Lira (Drehleier)|Lira]] etwa in Bezeichnungen von Stimmen für Drehleier in musikalischen Werken (KV&amp;amp;nbsp;602/3, Trio).&amp;lt;ref&amp;gt;[https://dme.mozarteum.at/DME/nma/scan.php?vsep=129&amp;amp;l=1&amp;amp;p1=185#189 KV 602/3, Trio.] Neue Mozart Ausgabe online&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Auch Namen wie &amp;#039;&amp;#039;Bawren Lyren&amp;#039;&amp;#039; (&amp;#039;&amp;#039;Bauernleier&amp;#039;&amp;#039;) wurden benutzt ([[Michael Praetorius|Praetorius]], 1620, Tafel XXII),&amp;lt;ref&amp;gt;Michael Praetorius: &amp;#039;&amp;#039;Syntagma musicum.&amp;#039;&amp;#039; Band 2: &amp;#039;&amp;#039;Theatrum Instrumentorum seu Sciagraphia&amp;#039;&amp;#039;. Wolfenbüttel 1620, [[:Datei:Syntagma13.png|Tafel XXII]] in Wikimedia Commons&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht zuletzt um eine Unterscheidung zwischen der antiken Leier ([[Lyra (Zupfinstrument)|Lyra]]) und der Dreh-„Leier“ zu treffen.&lt;br /&gt;
* Die Bezeichnungen &amp;#039;&amp;#039;Bettelleier&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Bettlerleier&amp;#039;&amp;#039; zeigen an, dass bettelnde Musiker Drehleiern spielten. Als &amp;#039;&amp;#039;Lyra mendicorum&amp;#039;&amp;#039; („Leier der Bettler“) verzeichnet [[Athanasius Kircher]] das Instrument in seiner &amp;#039;&amp;#039;Musurgia universalis&amp;#039;&amp;#039; (Iconismus VIII fol. 487).&amp;lt;ref&amp;gt;Athanasius Kircher: &amp;#039;&amp;#039;Musurgia universalis.&amp;#039;&amp;#039; 1650, [[:Datei:Instrumenta polychorda2.gif|Iconismus VIII fol. 487]] in Wikimedia Commons&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;#039;&amp;#039;Savoyardenorgel&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet die Drehleier speziell als Instrument der Savoyarden, reisender und bettelnder Musiker aus [[Savoyen]].&amp;lt;ref&amp;gt;Marianne Bröcker, 1977, S.&amp;amp;nbsp;415–420.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Nur in mittelalterlichen Texten findet sich &amp;#039;&amp;#039;symphonie&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Marianne Bröcker, 1977, S. 229.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Leier&amp;#039;&amp;#039;, die heute für die Instrumentengruppe [[Leier (Zupfinstrument)|Leier]] und in historischen Texten sowohl für das antike Zupfinstrument [[Lyra (Zupfinstrument)|Lyra]], wie auch für traditionelle Streichinstrumente und eben die Drehleier verwendet wird, ist eine Unterscheidung nur aus dem Kontext möglich (Grimm: Leier, 1a und 1b).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grimm online&amp;quot;&amp;gt;{{Deutsches Wörterbuch |Lemma=Leier |Band=12 |Sp=682 |lemid=L04322}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleiches gilt für die Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Leierkasten&amp;#039;&amp;#039;. Der Grund ist, dass nach der Drehvorrichtung der Drehleier verschiedene Geräte mit einer gleichartigen Kurbel als &amp;#039;&amp;#039;Leier&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet wurden (Grimm: Leier, 4),&amp;lt;ref name=&amp;quot;Grimm online&amp;quot; /&amp;gt; darunter auch kleine tragbare [[Mechanischer Musikautomat|mechanische Musikwerke]], die mit einer &amp;#039;&amp;#039;Leier&amp;#039;&amp;#039; betrieben werden: ein &amp;#039;&amp;#039;Kasten mit Leier&amp;#039;&amp;#039;, also &amp;#039;&amp;#039;Leierkasten&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drehleier in der Malerei ==&lt;br /&gt;
[[Datei:La Tour - Le Vielleur MBAR 20140803.jpg|mini|hochkant|&amp;#039;&amp;#039;Der Drehleierspieler&amp;#039;&amp;#039; von [[Georges de La Tour]], um 1620 bis 1625]]&lt;br /&gt;
Bedeutende Gemälde, auf denen Drehleiern zu sehen sind:&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Der Triumph des Todes (Pieter Bruegel der Ältere)|Der Triumph des Todes]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Pieter Bruegel der Ältere]], 1562&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Der Garten der Lüste (Bosch)|Der Garten der Lüste]]&amp;#039;&amp;#039;, auf dem rechten Flügel des Tryptychons von [[Hieronymus Bosch]], zwischen 1490 und 1500 und zeigt die erste bekannte Darstellung eines [[Schnarrsteg]]es an einer Drehleier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Marianne Bröcker: &amp;#039;&amp;#039;Die Drehleier.&amp;#039;&amp;#039; 2. Auflage. Verlag für systematische Musikwissenschaft, Bonn-Bad Godesberg 1977 (Dissertation von 1973).&lt;br /&gt;
* Riccardo Delfino, Matthias Loibner: &amp;#039;&amp;#039;Drehleier spielen.&amp;#039;&amp;#039; 2. Auflage. Verlag der Spielleute, Reichelsheim, 2006.&lt;br /&gt;
* Philippe Destrem, Volker Heidemann: &amp;#039;&amp;#039;Die Drehleier, Feinabstimmung und Wartung.&amp;#039;&amp;#039; 2. Auflage. Verlag der Spielleute, Reichelsheim, 1993.&lt;br /&gt;
* John Ralyea: &amp;#039;&amp;#039;Shepherd’s Delight. Guide to the repertoire for hurdy-gurdy, musette, organized hurdy-gurdy, wheel-fiddle, nyckelharpa and tromba marina&amp;#039;&amp;#039;. Hurdy-gurdy Press, Chicago 1980.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Hurdy-gurdies|Drehleier|audio=1|video=1}}&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4131197-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Streichinstrument]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lauteninstrument]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Historisches Musikinstrument]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Volksmusikinstrument]]&lt;/div&gt;</summary>
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