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	<title>Diversifikation (Wirtschaft) - Versionsgeschichte</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;growthexperiments-addlink-summary-summary:1|1|0&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Diversifikation&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (oder &amp;#039;&amp;#039;Diversifizierung&amp;#039;&amp;#039;) ist in der [[Betriebswirtschaftslehre]] eine [[Strategie (Wirtschaft)|Strategie]] von [[Unternehmen]], durch Erweiterung oder Modifizierung der [[Produkt (Wirtschaft)|Produkte]]/[[Dienstleistung]]en oder der [[Geschäftsbereich]]e oder durch [[Risikodiversifizierung|Risikostreuung]] die [[Gewinnchance]]n zu verbessern und/oder [[Risiko|Verlustrisiken]] zu vermindern. Gegensatz ist die [[Spezialisierung]] bis hin zur [[Monostruktur]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Diversifikationsstrategien können auch von anderen [[Wirtschaftssubjekt]]en wie [[Privathaushalt]]en oder dem [[Staat]] befolgt werden. Sie betreffen dann aber nicht Produkte oder Dienstleistungen, sondern deren typische Risikosituation ([[Kapitalanlage]] bei Privathaushalten) oder bei Staaten die durch [[Wirtschaftspolitik]] herbeigeführte diversifizierte [[polystruktur]]elle [[Wirtschaftsstruktur]], die auch vermeiden kann, dass einseitige Import- oder Exportbeziehungen (Import- oder Exportabhängigkeit von einem anderen Staat) entstehen. So ist in Deutschland die Importabhängigkeit von [[Energieträger|Primärenergieträgern]] wie [[Erdöl]] und [[Erdgas]] eine Frage der Diversifizierung. Meist wird jedoch die Diversifikation bei Unternehmen untersucht, wobei sich die Analysen hauptsächlich auf die Produkte/Dienstleistungen und deren [[Vertrieb]] konzentrieren. Diese „echte Diversifizierung“ ist die „bewusst verfolgte Politik einer gezielten Ausweitung des Leistungsprogramms einer Unternehmung“.&amp;lt;ref&amp;gt;Gerhard Bartels: &amp;#039;&amp;#039;Diversifizierung: Die gezielte Ausweitung des Leistungsprogramms der Unternehmung.&amp;#039;&amp;#039; 1966, S. 33.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arten ==&lt;br /&gt;
Es lassen sich folgende Arten der Diversifikation unterscheiden:&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Jung: &amp;#039;&amp;#039;Allgemeine Betriebswirtschaftslehre.&amp;#039;&amp;#039; 2010, S. 579 f. [https://books.google.de/books?id=bT3pBQAAQBAJ&amp;amp;pg=PA805&amp;amp;dq=Gewinnchance+begriff&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=0ahUKEwjQ9ej_ks7mAhWRzaQKHf1rCMo4ChDoAQg1MAI#v=onepage&amp;amp;q=Gewinnchance%20begriff&amp;amp;f=false (books.google.de)]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Bei der {{Anker|Horizontale_Diversifikation}} &amp;#039;&amp;#039;horizontalen Diversifikation&amp;#039;&amp;#039; wird das [[Produktionsprogramm]] um Produkte erweitert, die in einem Zusammenhang mit den bisherigen Produkten stehen, so dass gleiche [[Produktionsverfahren]], [[Rohstoff]]e, [[Technologie]]n oder [[Vertriebsweg]]e genutzt werden können.&lt;br /&gt;
* Die {{Anker|Vertikale_Diversifikation}} &amp;#039;&amp;#039;vertikale Diversifikation&amp;#039;&amp;#039; betrifft vorgelagerte ([[Vorleistungsgut|Vorleistungsgüter]]) oder nachgelagerte Produkte nachfolgender [[Verarbeitungsstufe]]n, es handelt sich um neue Produkte für neue [[Markt|Märkte]]. Sie orientiert sich an der [[Wertschöpfungskette]] und erweitert die [[Fertigungstiefe]].&lt;br /&gt;
* {{Anker|Laterale oder diagonale Diversifikation}} &amp;#039;&amp;#039;Laterale oder diagonale Diversifikation&amp;#039;&amp;#039; ist die risikoreichste Form und stellt neue Produkte für neue Märkte her, ohne dass auf vor- oder nachgelagerte Stufen zurückgegriffen wird.&lt;br /&gt;
In der amerikanischen [[Fachliteratur]] wird unterschieden nach:&amp;lt;ref&amp;gt;Philip Kotler, Friedhelm Bliemel: &amp;#039;&amp;#039;Marketing-Management.&amp;#039;&amp;#039; 2001, S. 129.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Konzentrische Diversifizierung&amp;#039;&amp;#039;, bei der neue Produkte zwar technologisch nicht mit bisherigen verwandt sind, aber vorhandenen Kundengruppen dienen;&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;konglomerative Diversifikation&amp;#039;&amp;#039; betrifft neue Produkte, die auf neuen Märkten angeboten werden und&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;horizontale Diversifizierung&amp;#039;&amp;#039; sind neue Produkte, die sich an vorhandene Kundengruppen wenden.&lt;br /&gt;
Diese Unterscheidung deckt sich nicht vollständig mit den Arten der deutschen Fachliteratur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Diversifikation bei den betrieblichen Funktionen ==&lt;br /&gt;
Die Diversifikation bei Unternehmen versucht innerhalb der [[Risikopolitik]], Polystrukturen aufzubauen, die in den [[Betriebliche Funktion|betrieblichen Funktionen]] der [[Beschaffung]], [[Produktion]], [[Finanzierung]] und [[Vertrieb]] eingesetzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &amp;#039;&amp;#039;Beschaffung&amp;#039;&amp;#039; können Abhängigkeiten von einem einzigen [[Lieferant]]en oder [[Zulieferer]] durch Diversifikation abgebaut werden, wodurch das [[Risiko]] fehlender [[Redundanz (Technik)#Industrielle Anwendungen|Redundanzen]] [[Idiosynkrasie|idiosynkratischer]] [[Geschäftsbeziehung]]en vermindert oder beseitigt wird. Mit [[Rückwärtsintegration]] wird diversifiziert, wenn beispielsweise ein [[Automobilhersteller]] einen Zulieferer von [[Einzelteil]]en durch [[Unternehmenskauf]] erwirbt; dies ist eine Diversifikation durch Rückwärtsintegration.&amp;lt;ref&amp;gt;Gerry Johnson, Kevan Scholes, Richard Whittington: &amp;#039;&amp;#039;Strategisches Management - Eine Einführung.&amp;#039;&amp;#039; 2011, S. 331. [https://books.google.de/books?id=KLUJLZEE1u8C&amp;amp;pg=PA331&amp;amp;dq=R%C3%BCckw%C3%A4rtsintegration+Diversifikation&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=0ahUKEwib57fP4_3lAhXw0qYKHWOkDZoQ6AEIKDAA#v=onepage&amp;amp;q=R%C3%BCckw%C3%A4rtsintegration%20Diversifikation&amp;amp;f=false (books.google.de)]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Umstellung der &amp;#039;&amp;#039;Produktion&amp;#039;&amp;#039; von einem [[Einproduktunternehmen]] zum [[Mehrproduktunternehmen]] verringert das [[Risikobericht#Branchenübergreifende Risikoarten|Produktionsrisiko]] im [[Produktionsprozess]]. Hierbei können [[Verbundeffekt]]e mit [[Kostensenkung]]en auftreten, „wenn die Kosten der gemeinsamen Produktion zweier Produkte geringer sind als die einer getrennten Produktion“.&amp;lt;ref&amp;gt;David J. Teece: &amp;#039;&amp;#039;Economies of Scope and the Scope of the Firm.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Journal of Economic Behavior and Organization.&amp;#039;&amp;#039; vol. 3, 1980, S. 224.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Erhöhung der Gesamtproduktion durch ein zweites Produkt führt zu sinkenden [[Stückkosten]], etwa durch Vermeidung zusätzlicher [[Rüstkosten]] oder Verwendung gemeinsamer [[Bauteil (Technik)|Bauteile]].&amp;lt;ref&amp;gt;Philip Beckmann: &amp;#039;&amp;#039;Der Diversification Discount am deutschen Kapitalmarkt.&amp;#039;&amp;#039; 2006, S. 41. [https://books.google.de/books?id=lcJCNiuOpJAC&amp;amp;pg=PA41&amp;amp;dq=produktion++Diversifikation&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=0ahUKEwiN156J2_3lAhVuyqYKHaEiCRIQ6AEIQTAD#v=onepage&amp;amp;q=produktion%20%20Diversifikation&amp;amp;f=false (books.google.de)]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Diversifikation ist der riskanteste Bestandteil der [[Produkt-Markt-Matrix]] nach [[Harry Igor Ansoff]]. Ein mögliches Maß zur Messung der Diversifikation ist der [[Berry-Index]]. Die &amp;#039;&amp;#039;Finanzierung&amp;#039;&amp;#039; wird diversifiziert durch die Aufteilung des [[Kapitalbedarf]]s oder [[Liquidität|Kapitalüberschusses]] auf mehrere unterschiedliche [[Gläubiger]] ([[Kreditgeber]]) bzw. [[Schuldner]] ([[Kreditnehmer]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Matthias Bank, Wolfgang Gerke: &amp;#039;&amp;#039;Finanzierung: Grundlagen für Investitions- und Finanzierungsentscheidungen im Unternehmen.&amp;#039;&amp;#039; 2016, S. 210. [https://books.google.de/books?id=6_N3DwAAQBAJ&amp;amp;pg=PA210&amp;amp;dq=Finanzierung+Diversifikation&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=0ahUKEwiT9uXy3f3lAhWlxMQBHVY4DJQQ6AEINzAC#v=onepage&amp;amp;q=Finanzierung%20Diversifikation&amp;amp;f=false (books.google.de)]&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Diversifikationseffekt lässt sich erreichen etwa durch [[Kapitalerhöhung]], um die Abhängigkeiten von einzelnen Gläubigern in der [[Fremdfinanzierung]] zu vermindern oder beim [[Fremdkapital]] durch [[Umschuldung]] auf viele Kreditgeber. Im &amp;#039;&amp;#039;Vertrieb&amp;#039;&amp;#039; kann durch [[Kundenakquise]] die Abhängigkeit von [[Großabnehmer]]n gemildert werden oder die Verteilung der Produkte/Dienstleistungen auf verschiedene Märkte wie regionale oder nationale Streuung und [[Export]].&amp;lt;ref&amp;gt;Konrad Liessmann: &amp;#039;&amp;#039;Gabler Lexikon Controlling und Kostenrechnung.&amp;#039;&amp;#039; 1997, S. 150 f. [https://books.google.de/books?id=yLWfBgAAQBAJ&amp;amp;pg=PA152&amp;amp;dq=diversifikation+lexikon&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=0ahUKEwiq8vvs4fvlAhUl4aYKHZqHDNIQ6AEIRTAE#v=onepage&amp;amp;q=diversifikation%20lexikon&amp;amp;f=false (books.google.de)]&amp;lt;/ref&amp;gt; Selbst beim Export ist eine Diversifikation möglich, um Abhängigkeiten zu einzelnen [[Importeur]]en oder einzelnen Staaten ([[Länderrisiko]]) zu vermeiden. Durch [[Vorwärtsintegration]] wird im Vertrieb diversifiziert, wenn etwa ein Produzent eine eigene [[Absatzkette]] aufbaut und sich dadurch von nachgelagerten [[Handelsstufe]]n befreit.&amp;lt;ref&amp;gt;Ralf T. Kreutzer: &amp;#039;&amp;#039;Praxisorientiertes Marketing.&amp;#039;&amp;#039; 2010, S. 164. [https://books.google.de/books?id=NyA7v40YzBsC&amp;amp;pg=PA164&amp;amp;dq=vorw%C3%A4rtsintegration+Diversifikation&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=0ahUKEwjxipXd5P3lAhXS3KQKHZHRDykQ6AEIKjAA#v=onepage&amp;amp;q=vorw%C3%A4rtsintegration%20Diversifikation&amp;amp;f=false (books.google.de)]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Energiediversifikation ==&lt;br /&gt;
Die [[Energiesicherheit]] eines Staates hängt auch von seiner &amp;#039;&amp;#039;Energiediversifikation&amp;#039;&amp;#039; ab, also dem Anteil einzelner [[Energieträger]] an der gesamten [[Energieerzeugung]]. Deutschlands eigene [[Energiereserve]]n sind gering. Deshalb ist das Land in besonders hohem Ausmaß auf [[Import]]e angewiesen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Weltenergierat]]: &amp;#039;&amp;#039;Energie in Deutschland.&amp;#039;&amp;#039; 2018, S. 111.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein guter [[Energiebilanz (Energiewirtschaft)|Energiemix]] muss nicht nur für die Verwendung verschiedener [[Primärenergie]]arten, sondern auch beim Import gegeben sein. Die deutsche Importabhängigkeit betrug 2017 etwa 70 %, wobei [[fossile Energie]]träger sogar bei 98 % (Erdöl) und 93 % (Erdgas) lagen, während [[erneuerbare Energien]] und [[Braunkohle]] zu je 100 % aus dem Inland stammten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen]] 03/2018, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nur bei den letzteren besteht [[Autarkie]] mit hohem [[Selbstversorgungsgrad]]. Die Abhängigkeit von Energielieferanten ist besonders hoch bei Erdgas und Erdöl. Die Rohöleinfuhren stammten 2017 zu 49 % aus Osteuropa/Asien, zu 23 % aus West- und Mitteleuropa (überwiegend Nordsee), zu 19 % aus Afrika, zu 7 % aus dem Nahen Osten und zu 2 % aus Amerika.&amp;lt;ref&amp;gt;Weltenergierat: &amp;#039;&amp;#039;Energie in Deutschland.&amp;#039;&amp;#039; 2018, S. 117.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier ist die [[Energiepolitik]] gefordert, den Energiemix durch weitere Diversifizierung zu verbessern, um Energiesicherheit zu gewährleisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Diversifikation im Finanzwesen ==&lt;br /&gt;
[[Kreditinstitut]]e können im Vertrieb beispielsweise durch [[Finanzinnovation]]en diversifizieren. Eine [[Risikodiversifizierung]] des [[Kreditrisiko]]s kann im [[Kreditgeschäft]] erreicht werden, indem [[Klumpenrisiko|Klumpenrisiken]] durch [[Granularität (Kredit)|Granularität]] des [[Kreditportfolio]]s beseitigt werden. Weitere Diversifizierung gibt es durch [[Risikoüberwälzung]] im [[Kredithandel]], Sicherung durch [[Credit Default Swap]]s oder der [[Verbriefung]]. [[Universalbank]]en sind diversifizierter als [[Spezialbank]]en, weil sie viele [[Bankgeschäft]]sarten mehreren [[Zielgruppe]]n anbieten. [[Investmentgesellschaft]]en und [[Kapitalanlagegesellschaft]]en dürfen Mittel nur nach dem Grundsatz der &amp;#039;&amp;#039;Risikomischung&amp;#039;&amp;#039; anlegen (vgl. {{§|214|kagb|juris}} [[KAGB]], {{§|243|kagb|juris}} KAGB), was auf alle Anleger übertragen werden kann. Bei [[Versicherer]]n bezieht sich die Diversifikation nicht nur auf neue [[Versicherungsart]]en, sondern auch auf die Erschließung neuer [[Vertriebsweg]]e (etwa [[Versicherungsmakler (Deutschland)|Versicherungsmakler]], [[Versicherungsvermittler]], [[Allfinanz]] mit Kreditinstituten oder [[Direktvertrieb]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth, Alfons Weiß: &amp;#039;&amp;#039;VersicherungsAlphabet (VA).&amp;#039;&amp;#039; 2001, S. 173. [https://books.google.de/books?id=oKNE_W44NkMC&amp;amp;pg=PA173&amp;amp;dq=Versicherungen+Diversifikation&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=0ahUKEwj0x6L95f3lAhWxxaYKHUwoDv8Q6AEIKDAA#v=onepage&amp;amp;q=Versicherungen%20Diversifikation&amp;amp;f=false (books.google.de)]&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Versicherungen müssen gemäß {{§|124|vag_2016|juris}} Abs. 1 Nr. 7 und 8 [[Versicherungsaufsichtsgesetz (Deutschland)|VAG]] ihre Anlagen in angemessener Weise so mischen und streuen, dass eine übermäßige Abhängigkeit von einem bestimmten Vermögenswert oder Emittenten oder von einer bestimmten Unternehmensgruppe oder einem geographischen Raum und eine übermäßige Risikokonzentration im Portfolio als Ganzem vermieden werden und Vermögensanlagen bei demselben Emittenten oder bei Emittenten, die derselben Unternehmensgruppe angehören, nicht zu einer übermäßigen Risikokonzentration führen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diversifikation bei Geld- und Kapitalmarktanlagen ===&lt;br /&gt;
Der [[Anleger (Finanzmarkt)|Anleger]] kann bei der [[Kapitalanlage]] in [[Finanzprodukt]]en diversifizieren, wenn er sein Vermögen nicht in ein einziges Finanzprodukt investiert, sondern auf unterschiedliche Anlageformen (z. B. [[Wertpapier]]gattungen wie [[Aktie]]n, [[Anleihe]]n, [[Investmentfonds]] usw.) sowie auf verschiedene [[Finanzdienstleister]] oder [[Emittent (Finanzmarkt)|Emittenten]] – möglicherweise mit [[Sitz (juristische Person)|Sitz]] in verschiedenen Ländern – verteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hintergrund dieser verbreiteten [[Anlagestrategie]] ist die [[Risikodiversifikation]], d.&amp;amp;nbsp;h. die Vermeidung eines möglichen Totalverlustes durch gleichzeitiges Investieren von Teilbeträgen in alternative, unterschiedlich riskante Anlageformen, so dass das Gesamtvermögen in diverse Finanzprodukte gestreut wird. Der gewünschte Effekt der [[Risikominderung]] wird dadurch bewirkt, dass zwei oder mehr Wertpapiere, die untereinander eine niedrige [[Korrelation]] aufweisen, miteinander in einem [[Portfolio]] kombiniert werden. Die so gewonnene [[Vermögensstruktur]] weist insgesamt ein geringeres Risiko auf als die jeweiligen Einzelpapiere. Voraussetzung für diesen Effekt ist, dass die zugrundeliegenden Wertpapiere nicht 100 % positiv korreliert sind; sie besitzen zueinander einen [[Korrelationskoeffizient]]en, welcher kleiner als 1 ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
; Beispiel&lt;br /&gt;
Ein bestimmter Anlagebetrag wird nicht ausschließlich in Aktien eines Herstellers von Sonnenschirmen investiert, sondern anteilig auch in Aktien eines Produzenten von Regenschirmen – wie das Wetter auch wird, es wird nicht alles auf eine einzige Karte gesetzt. Jeder Emittent für sich alleine mag eine gute [[Rendite]] generieren und individuelle Risiken aufweisen, doch gemeinsam in einem [[Portfolio]] wird die Rendite bei deutlich geringerem Risiko erzeugt. Auf diese Weise gehen [[Investmentfonds]] und sogar [[Hedgefonds]] vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Risikodiversifikation in Abhängigkeit vom Korrelationskoeffizienten ===&lt;br /&gt;
Rendite und Risiko stehen statistisch in der [[Portfoliotheorie]] in wechselseitiger Abhängigkeit zueinander ([[Risiko-Ertrags-Verhältnis]]). Vereinfachend kann es als Aktien/Renten-Verhältnis in einem [[Wertpapierdepot]] bezeichnet werden. Als Risiko gilt die [[Varianz (Stochastik)|Varianz]] bzw. die [[Standardabweichung (Wahrscheinlichkeitstheorie)|Standardabweichung]] der Wertpapiere bzw. des Portfolios. Ein varianzminimales Portfolio lässt sich in Abhängigkeit vom [[Korrelationskoeffizient]]en herleiten. Wenn alle Wertpapiere im Portfolio zu 100 Prozent korreliert sind, gewichtet man das Wertpapier mit dem kleineren Risiko stärker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Risiko der Anlagen ===&lt;br /&gt;
Ein gebräuchliches Maß für das [[Kursrisiko]] eines börsennotierten Wertpapiers ist seine [[Volatilität]], ausgedrückt als [[Standardabweichung (Stochastik)|Standardabweichung]] – dies ist das sogenannte zweite [[Moment (Stochastik)|Moment]] der [[Wahrscheinlichkeitsverteilung]]. Es kommen auch Momente höherer Ordnung als [[Risikomaß]]e in Frage. Die [[Schiefe (Statistik)|Schiefe]] (drittes Moment) misst die Abweichung vom [[Erwartungswert]] der [[Normalverteilung]]. Man unterscheidet zwischen Rechts- und Linksschiefe. Darüber hinaus existiert die [[Kurtosis]] (viertes Moment). Sie misst die Werte am jeweiligen Ende der Normalverteilungskurve. Mit dem Auftreten von Hedgefonds gewinnen Risikomaße höherer Momente an Bedeutung, da deren Renditeverteilungen meist mit traditionellen Risikomaßen unzureichend erfasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Volatilität als gebräuchlichem Risikomaß basiert das sogenannte {{enS|Short-fall}}-Risiko, welches die Gewinn- bzw. Verlustwahrscheinlichkeit angibt. In ausgeprägten [[Hausse]]phasen oder bei [[Marktanomalie]]n werden diese Größen oft verfehlt, d.&amp;amp;nbsp;h., es gibt keinen Gewinn. Es können sogar erhebliche Verluste entstehen, da dieses Risikomaß zu kurz greift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgabe eines [[Anlageberater]]s ist es, dem Anleger gemäß seiner objektiven oder subjektiven [[Risikoeinstellung]] (siehe [[Risikoklasse]]) die richtige Mischung verschiedener Assetklassen anzubieten (siehe [[Anlageklasse]]) und damit langfristig eine adäquate Wertentwicklung des investierten Kapitals zu erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Produkte – Technologien – Märkte ==&lt;br /&gt;
[[Edith Penrose]] nannte 1959 drei Dimensionen, die bei einer Diversifikation verschiedenartig sein können, und zwar das Produkt, die Technologie und der Markt und variierte sie, so dass folgende Kombinationen möglich sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Edith Penrose: &amp;#039;&amp;#039;The Theory of the Growth of the Firm.&amp;#039;&amp;#039; 1959, S. 110 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Mehr&amp;#039;&amp;#039; Produktarten auf Grundlage &amp;#039;&amp;#039;gleicher&amp;#039;&amp;#039; Technologie in &amp;#039;&amp;#039;vorhandenen&amp;#039;&amp;#039; Märkten,&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;neue&amp;#039;&amp;#039; Produkte auf Grundlage &amp;#039;&amp;#039;gleicher&amp;#039;&amp;#039; Technologie auf &amp;#039;&amp;#039;neuen&amp;#039;&amp;#039; Märkten,&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;neue&amp;#039;&amp;#039; Produkte auf Grundlage &amp;#039;&amp;#039;unterschiedlicher&amp;#039;&amp;#039; Technologien in &amp;#039;&amp;#039;vorhandenen&amp;#039;&amp;#039; Märkten oder&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;neue&amp;#039;&amp;#039; Produkte auf Grundlage &amp;#039;&amp;#039;unterschiedlicher&amp;#039;&amp;#039; Technologien in &amp;#039;&amp;#039;neuen&amp;#039;&amp;#039; Märkten.&lt;br /&gt;
Diese Kombinationen stellen eine zunehmende Chancenverbesserung für das diversifizierende Unternehmen dar, beinhalten aber gleichzeitig auch ein steigendes Diversifizierungsrisiko, weil beispielsweise das Unternehmen [[Ungewissheit]] darüber hat, ob neue Produkte auf Grundlage unterschiedlicher Technologien in neuen Märkten überhaupt auf entsprechende [[Nachfrage]] ([[Marktpotenzial]]) treffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche Aspekte ==&lt;br /&gt;
Für [[Harry Igor Ansoff]] handelte es sich zunächst nur dann um eine Diversifikation, wenn ein Unternehmen neue Produkte auf neuen Märkten absetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Harry Igor Ansoff: &amp;#039;&amp;#039;Strategies for Diversification.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Harvard Business Review]].&amp;#039;&amp;#039; Band 35, Nr. 5, 1957, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er relativierte dann 1965 seinen Diversifikations-Begriff, als er unter anderem die [[Produktentwicklung]] zur Diversifikation hinzurechnete.&amp;lt;ref&amp;gt;Harry Igor Ansoff: &amp;#039;&amp;#039;Corporate Strategy.&amp;#039;&amp;#039; 1965, S. 132.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine [[Wettbewerbsstrategie]] fasste er in folgender [[Produkt-Markt-Matrix]] zusammen:&amp;lt;ref&amp;gt;Harry Igor Ansoff: &amp;#039;&amp;#039;Checklist for Competitive and Competence Profiles: Corporate Strategy.&amp;#039;&amp;#039; 1965, S. 98 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Corsten: &amp;#039;&amp;#039;Wettbewerbsstrategie.&amp;#039;&amp;#039; 1998, ISBN 3-519-00230-2, S. 162.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
 |  | &amp;amp;nbsp;&lt;br /&gt;
 | bgcolor=&amp;quot;#dddddd&amp;quot; | &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Bestehende Produkte&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
 | bgcolor=&amp;quot;#dddddd&amp;quot; | &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Neue Produkte&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
 |-&lt;br /&gt;
 | bgcolor=&amp;quot;#dddddd&amp;quot; | &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Bestehende&amp;lt;br /&amp;gt;Märkte&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
 | bgcolor=&amp;quot;#eeeeee&amp;quot;| [[Marktdurchdringung]]&lt;br /&gt;
 | bgcolor=&amp;quot;#eeeeee&amp;quot;| [[Produktentwicklung]]&lt;br /&gt;
 |-&lt;br /&gt;
 | bgcolor=&amp;quot;#dddddd&amp;quot; | &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Neue&amp;lt;br /&amp;gt;Märkte&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
 | bgcolor=&amp;quot;#eeeeee&amp;quot;| [[Marktentwicklung]]&lt;br /&gt;
 | bgcolor=&amp;quot;#eeeeee&amp;quot;| Diversifikation&lt;br /&gt;
 |-&lt;br /&gt;
 |}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Diversifizierung ist erst gelungen, wenn ihre [[Grenzkosten]] mindestens durch die [[Grenzerlös]]e gedeckt werden. Die Grenzkosten nach der Diversifizierung beinhalten insbesondere Mehrkosten bei [[Personalkosten]], höhere [[Herstellungskosten]] durch [[Investition]]en in neue Technologien und höhere [[Forschungs- und Entwicklungskosten]] sowie höhere [[Werbung]]skosten, die bei der Vermarktung wieder hereingeholt werden müssen. Mit zunehmender Diversifizierung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen sein [[Kerngeschäft]] verlässt. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Diversifizierung auf [[Markteintrittsbarriere]]n treffen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diversifizierungen vermindern die Anfälligkeit von Unternehmen auf konjunkturelle Änderungen (etwa eine [[Rezession]]) oder [[Wirtschaftsstruktur#Strukturwandel|Strukturwandel]] beispielsweise durch [[Angebotsverschiebung|Angebots-]] oder [[Bedarfsverschiebung]]en, weil sie mit mehreren Produkten verschiedene Käuferschichten ansprechen und/oder unterschiedliche Märkte bedienen, die nicht unbedingt von Rezessionen oder Bedarfsverschiebungen gleichzeitig betroffen sein müssen. Zudem verringern sie einseitige Abhängigkeiten von Lieferanten, Gläubigern, Schuldnern, Importeuren oder Kunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staaten können vorhandene Monokulturen diversifizieren, indem sie ihre [[Agrarproduktion]] auf mehrere Agrarprodukte auf dem [[Agrarmarkt]] ausdehnen, so dass sich dadurch auch der Export verbreitern kann.&lt;br /&gt;
Zudem führt eine Diversifikation der Anbausysteme insgesamt zu einer Förderung der [[Ökosystemdienstleistung]]en&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Giovanni Tamburini u. a. |Titel=Agricultural diversification promotes multiple ecosystem services without compromising yield |Sammelwerk=Science Advances |Datum=2020 |DOI=10.1126/sciadv.aba1715}}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Risikodiversifizierung]]&lt;br /&gt;
* [[Lieferkette]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Daniel Dumke: &amp;#039;&amp;#039;Strategische Ansätze zur Risikoreduktion im Supply-Chain-Netzwerkdesign.&amp;#039;&amp;#039; Köln 2013, ISBN 978-3-8441-0253-6.&lt;br /&gt;
* Heiko Staroßom: &amp;#039;&amp;#039;Finanzierung in den Lebensphasen einer Unternehmung&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Corporate Finance.&amp;#039;&amp;#039; Teil 2). Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-8349-4100-8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary|Diversifikation}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|Diversifikation|TEXT=Literatur über}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4012539-7}}&lt;br /&gt;
{{Rechtshinweis}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bankwesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Betriebswirtschaftslehre]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Versicherungswesen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Mukeber</name></author>
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