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	<title>Dimitar Peschew - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<updated>2024-06-21T19:18:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;#article-section-source-editor&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Dimitar Peshev.jpg|mini|Standbild von Dimitar Peschew in Kjustendil]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Dimitar Jossifow Peschew&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ([[Bulgarische Sprache|bulgarisch]] {{lang|bg|Димитър Пешев}}, wiss. Transliteration &amp;#039;&amp;#039;Dimităr Pešev&amp;#039;&amp;#039;; * {{JULGREGDATUM|25|6|1894|FormatJUL=j.|Link=1}} in [[Kjustendil]], [[Bulgarien]]; † [[22. März]] [[1973]], [[Sofia]]) war ein bürgerlich-nationaler bulgarischer Politiker. Er setzte sich während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] aktiv für die bulgarischen [[Juden]] ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Rechtsanwalt]] Peschew zog als [[Abgeordneter]] in das [[Nationalversammlung (Bulgarien)|bulgarische Parlament]] ein. Er trat auch für [[Bulgarisches Großreich|Großbulgarien]] ein, das bedeutete damals die Annexion der jugoslawischen und griechischen Teile [[Makedonien]]s und der rumänischen [[Dobrudscha]]. 1935 war er kurze Zeit Justizminister und verantwortlich für die Einführung der Zivilehe. Er verhinderte am 9. März 1943 in seiner Eigenschaft als stellvertretender bulgarischer [[Parlamentspräsident]] durch seine Intervention bei Innenminister Gabrowski und gegenüber dem [[Königreich Bulgarien|bulgarischen]] [[Zar]]en [[Boris III. (Bulgarien)|Boris III.]] den Abtransport der bulgarischen Juden. Am 8. März 1943 waren in den Bahnhöfen die Waggons zur [[Deportation]] in die [[Vernichtungslager Treblinka]]&amp;lt;ref&amp;gt;Israel Gutman u. a. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Enzyklopädie des Holocaust&amp;#039;&amp;#039;.  München und Zürich 1995, ISBN 3-492-22700-7, S. 264.&amp;lt;/ref&amp;gt; bereitgestellt worden. Darüber hatte ihm am Abend des 8. März eine Delegation aus seinem Heimatswahlkreis [[Kjustendil]] berichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Manifest zur Beendigung antisemitischer Maßnahmen ==&lt;br /&gt;
Peschew arbeitete, nachdem er die unmittelbar bevorstehenden Deportationen der Juden verhindern konnte, ein [[Manifest]] zur Beendigung [[Geschichte des Antisemitismus bis 1945|antisemitischer]] Maßnahmen aus, das von ihm und 42 weiteren Abgeordneten unterzeichnet wurde. Dieses Manifest überreichte er am 17. März 1943 persönlich dem Leiter der Staatskanzlei. Damit war der entscheidende Schritt getan: Der bislang weitestgehend im Geheimen von [[Theodor Dannecker]] und dem bulgarischen Kommissar für Judenfragen [[Aleksandar Belew]] beschlossene Plan zur Deportation der 50.000 bulgarischen Juden war öffentlich geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bulgarisch-orthodoxe Kirche ==&lt;br /&gt;
Schließlich intervenierte am 24. Mai 1943 auch die [[bulgarisch-orthodoxe Kirche]]: Das in der bulgarischen Öffentlichkeit sehr angesehene Kirchenoberhaupt [[Stefan I. (Exarch)|Stefan von Sofia]], wandte sich, nachdem er noch eine Delegation aus Vertretern der jüdischen Gemeinde empfangen hatte, unmittelbar an Zar Boris III. und forderte ihn auf, die Deportationen unverzüglich auszusetzen, da diese in fundamentalem Gegensatz zur traditionellen [[Toleranz]] der [[Bulgare]]n stünden. Im Übrigen würde auch [[Gott]] ihn für seine Taten zur Rechenschaft ziehen. Noch am selben Tag zelebrierte Metropolit Stefan auf dem [[Alexander Jaroslawitsch Newski|Alexander-Newski]]-Platz ein [[Te Deum|Tedeum]] und nahm die Juden öffentlich in Schutz. Er selbst nahm den [[Großrabbiner]] von Sofia unter persönlichen Schutz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aussetzung der antijüdischen Maßnahmen ==&lt;br /&gt;
Aufgrund der nunmehr projüdischen Stimmung in der gesamten bulgarischen Gesellschaft sah sich auch Boris III. gezwungen, eine die Deportationen ablehnende Position zu beziehen, was er im Hinblick auf die [[Bündnis]]politik mit Nazideutschland bislang vermieden hatte. Zwar lavierten Boris III. und die bulgarische Führung wegen einer drohenden deutschen Besetzung Bulgariens in der Deportationsfrage gegenüber Nazideutschland, das immer wieder den Vollzug der vorbereiteten Deportationen von der bulgarischen Regierung forderte, noch einige Zeit, aber der entscheidende Schritt mit dem notwendigen Aufschub der Maßnahmen war getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Druck auf die jüdische Bevölkerung ließ nach den Ereignissen vom 24. Mai 1943 sofort nach. Am 31. August 1944 wurde dann das „Gesetz zum Schutz der Nation“ mit allen antijüdischen Regelungen außer Kraft gesetzt. Damit konnten die bulgarischen Juden dank der politischen Initiative des Abgeordneten Peschews wieder in ihre Heimatorte zurückkehren, entfiel das obligatorische Tragen des gelben [[Judenstern]]s und durften sie sich auch wieder ihrer bulgarischen Namensendungen bedienen. Etwa zur selben Zeit (zwischen dem 5. Mai und dem 7. Juni 1944) wurden noch 300.000 [[Juden in Ungarn|ungarische Juden]] in die Vernichtungslager deportiert. Dagegen konnten nach Kriegsende die bulgarischen Juden mit staatlicher Zustimmung nach [[Israel]] ausreisen, was der weitaus größte Teil der jüdischen Bevölkerung (45.000) auch ausnutzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nachkriegszeit ==&lt;br /&gt;
Am Ende des Zweiten Weltkriegs hielt Peschew sofort entschiedene Distanz zu der mit [[Sowjetunion|sowjetischer]] Unterstützung an die Macht gelangten kommunistischen Regierung. Daraufhin wurde er – offiziell wegen seiner Aktivitäten angesichts der extrem rechtsgerichteten Politik des bulgarischen Parlaments (u.&amp;amp;nbsp;a. Verabschiedung von [[Rassengesetze]]n) – ungeachtet seiner nicht zu überschätzenden Verdienste bei der [[Rettung der bulgarischen Juden]] vor ihrer unmittelbar bevorstehenden Vernichtung vor Gericht gestellt und am 1. Februar 1945 zu einer fünfzehnjährigen [[Freiheitsstrafe]] verurteilt. Er kam jedoch bereits nach anderthalb Jahren aufgrund einer [[Gnadenrecht|Begnadigung]] aus der Haft frei. Nur aufgrund des Einflusses eines alten Schulfreundes entging Peschew dann Anfang 1948 der [[Internierung]] in einem der auf Beschluss des [[Zentralkomitee]]s der [[Bulgarische Kommunistische Partei|Bulgarischen Kommunistischen Partei]] eingerichteten [[Umerziehungslager]], in die die sogenannten [[Asozialität|asozialen Elemente]] (Arbeitsscheue, [[Alkoholkrankheit|Trinker]], Rowdys usw.) aber auch politische Gegner eingeliefert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Würdigung seiner Verdienste ==&lt;br /&gt;
Peschews Verdienste wurden zu seinen Lebzeiten weder in Bulgarien noch international, auch nicht von jüdischer oder israelischer Seite gewürdigt. Die bulgarischen Regierungen hatten stets eine Publizierung der tatsächlichen Vorgänge vom März 1943 verhindert, um nicht zuletzt auch die Rolle der bulgarischen Kommunisten im Zusammenhang mit der vorgesehenen Deportation der jüdischen Bevölkerung ins Licht der Öffentlichkeit rücken zu lassen, da diese durchaus nicht so engagiert und tatkräftig war, wie dies von offizieller Seite stets dargestellt worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus schrieb eine oberflächliche [[Geschichtsschreibung]] den entscheidenden Anteil an der Rettung der bulgarischen Juden Zar Boris III. zu, der letztlich zwar die [[exekutive]]n Maßnahmen zur Aussetzung der Deportationen eingeleitet hatte, jedoch ohne die [[Zivilcourage]] Peschews trotz persönlicher Kenntnis von den geplanten Judendeportationen wohl kaum aktiv geworden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peschew starb völlig verarmt am 20. Februar 1973 in seiner kleinen Sofioter Wohnung, nachdem er im Januar desselben Jahres in die Liste „[[Gerechter unter den Völkern]]“ aufgenommen worden war. Trotzdem wurde die breite Öffentlichkeit erst durch die Ermittlungen des italienischen Essayisten [[Gabriele Nissim]], der die Ergebnisse in einem 1998 erschienenen Buch veröffentlicht hatte, auf Peschews Wirken aufmerksam gemacht. In dessen 2000 in einer deutschen Übersetzung erschienenem Buch schildert er Peschews persönlichen Mut und seine politische Unerschrockenheit, die 48.000 bulgarischen Juden das Leben rettete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Geburtshaus in [[Kjustendil]] befindet sich seit 2002 ein [[Museum]] für Dimitar Peschew. Die internationale [[Raoul Wallenberg|Raoul-Wallenberg]]-Stiftung hat eine Medaille mit seinem Bild herausgegeben. Am 17. November 1998 wurde seiner im [[Europäisches Parlament|Europäischen Parlament]] und am 1. Mai 2000 in der [[Knesset]] offiziell gedacht. Zu seinen Ehren wurde ein Baum im [[Liste der Gerechten unter den Völkern|Garten der Gerechten]] in Jerusalem gepflanzt. Seitdem fanden weltweit Gedenkveranstaltungen für ihn statt. In Deutschland präsentierte am 21. März 2000 der damalige Bundestagspräsident [[Wolfgang Thierse]] das Buch im [[Deutscher Bundestag|Bundestag]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 2002 trägt der [[Peshev Ridge]] auf der [[Livingston-Insel]] in der Antarktis seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Gabriele Nissim]]: &amp;#039;&amp;#039;L’uomo che fermo Hitler. La storia di Dimitar Peshev che salvò gli ebrei di una nazione intera.&amp;#039;&amp;#039; Mondadori, Milano 1998, ISBN 88-04-42209-2.&lt;br /&gt;
:* Gabriele Nissim: &amp;#039;&amp;#039;Der Mann, der Hitler stoppte. Dimitar Pesev und die Rettung der bulgarischen Juden.&amp;#039;&amp;#039; Siedler Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-88680-694-4.&lt;br /&gt;
* Gabriele Nissim: &amp;#039;&amp;#039;Peschew-Protest.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Dan Diner]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur&amp;#039;&amp;#039; (EJGK). Band 4: &amp;#039;&amp;#039;Ly–Po.&amp;#039;&amp;#039; Metzler, Stuttgart/Weimar 2013, ISBN 978-3-476-02504-3, S. 509–512.&lt;br /&gt;
* Michael Bar-Zohar: &amp;#039;&amp;#039;Beyond Hitler’s grasp. The heroic rescue of Bulgaria’s Jews.&amp;#039;&amp;#039; Adams Media Corporation, Avon MA 1998, ISBN 1-58062-060-4.&lt;br /&gt;
* Димитър Пешев: &amp;#039;&amp;#039;Спомени.&amp;#039;&amp;#039; ИК Гутенберг, София, 2004 (Dimitar Peschew, &amp;#039;&amp;#039;Erinnerungen.&amp;#039;&amp;#039; Verlag Gutenberg, Sofia 2004, posthum erschienen, nur auf Bulgarisch erhältlich), ISBN 954-9943-73-9.&lt;br /&gt;
* [[Tzvetan Todorov]]: &amp;#039;&amp;#039;La fragilité du bien – Le sauvetage des juifs bulgares.&amp;#039;&amp;#039; Textes réunis et commentés par Tzvetan Todorov. Traduit du bulgare par Marie Vrinat et Irène Kristeva. Albin Michel 1999, Paris (Auswahl und Kommentar zeitgenössischer Texte, übersetzt ins Französische, darunter auch Auszüge aus Peschews &amp;quot;Erinnerungen&amp;quot;) ISBN 2-226-11086-0.&lt;br /&gt;
* Ангел Джонев: &amp;#039;&amp;#039;Къща-Музей „Димитър Пешев“.&amp;#039;&amp;#039; Кюстендил 2005 (Angel Džonev, &amp;#039;&amp;#039;Museumshaus „Dimitar Peschew“.&amp;#039;&amp;#039; Küstendil 2005, Bulgarisch/Englisch) ISBN 954-8191-09-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{commonscat|Dimitar Peshev}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|121063798}}&lt;br /&gt;
* [http://www.gazette.de/Archiv/Gazette-Juli2003/Brahm02.html Einige Details über die Zeit vor und nach seiner Rettungsaktion]&lt;br /&gt;
* [http://www.peshev.org Informationen über Peschew]&lt;br /&gt;
* [http://www.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/righteous/peshev.asp Eintrag über Ditmar Peschev] auf der Internetseite von [[Yad Vashem]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=121063798|LCCN=no/98/94617|VIAF=98115464}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Peschew, Dimitar}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Justizminister (Bulgarien)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Abgeordneter (Bulgarien)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bulgarischer Widerstand im Zweiten Weltkrieg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person im Zweiten Weltkrieg (Bulgarien)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rechtsanwalt (Bulgarien)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gerechter unter den Völkern (Bulgarien)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person (Kjustendil)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bulgare]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1894]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1973]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Peschew, Dimitar&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Peschew, Dimitar Jossifow; Pesev, Dimitar (DNB)&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=bulgarischer Politiker&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=25. Juni 1894&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Kjustendil]], [[Bulgarien]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=22. März 1973&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Sofia]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Heied</name></author>
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