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	<title>Charakter - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Judentum, Christentum und Islam: &lt;/span&gt; fehlendes Leerzeichen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Dieser Artikel|befasst sich mit dem &amp;#039;&amp;#039;Charakter&amp;#039;&amp;#039; des Menschen. Für weitere Bedeutungen siehe [[Charakter (Begriffsklärung)]].}}&lt;br /&gt;
Unter &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Charakter&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; versteht man traditionell – ausgehend von der aristotelischen [[Ethik]] – und erneut in der modernen [[Psychologie]] diejenigen [[Kompetenz (Psychologie)|persönlichen Kompetenzen]], die die Voraussetzung für ein [[moral]]isches Verhalten bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer zweiten, in der antiken [[Naturphilosophie]] wurzelnden Traditionslinie versteht man unter dem Charakter eines Menschen auch dessen [[Temperament]] bzw. dessen auffällige Verhaltensgewohnheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsgeschichte ==&lt;br /&gt;
=== Griechisches Altertum ===&lt;br /&gt;
Das Wort geht auf {{grcS|χαρακτήρ|charaktér}} zurück und bedeutet dort ursprünglich „[[Prägestempel]]“, „Prägung“, und im übertragenen Sinne auch „[[Merkmal|Eigenart]]“.&amp;lt;ref&amp;gt;Anja Ansorg: &amp;#039;&amp;#039;ABC des Glaubens&amp;#039;&amp;#039;, Münster: Edition Octopus, 2. Auflage 2008, ISBN 978-3-86582-388-5, S. 13&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Galenos|Galens]] [[Temperamentenlehre]], die auf der [[Corpus Hippocraticum|hippokratischen]] [[Humoralpathologie]] basierte, unterschied zwischen [[Melancholiker|melancholischen]], [[Choleriker|cholerischen]], [[Sanguiniker|sanguinischen]] und [[Phlegmatiker|phlegmatischen]] [[Charaktertypen]] (oft auch als Temperamente bezeichnet), in der Hoffnung, daraus Schlüsse über die Behandlung von Krankheiten ziehen zu können. Diese Lehre inspirierte viele spätere Temperamentenlehren, wurde aber immer wieder in Frage gestellt und gilt, seit [[Rudolf Virchow]] im 19. Jahrhundert der [[Zellularpathologie]] zum Durchbruch verhalf, als vollständig überholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weitaus moderneres Charakterkonzept entwickelte [[Aristoteles]] im 4. Jahrhundert v.&amp;amp;nbsp;Chr. in seiner [[Nikomachische Ethik|Nikomachischen Ethik]]. Aristoteles stellt darin fest, dass der Mensch, um gut und glücklich zu leben, [[Tugend]]en ([[Arete|aretai]]) besitzen müsse. Dabei unterscheidet er zwischen Verstandestugenden, die durch Belehrung erworben werden, und Charakter- bzw. ethischen Tugenden (&amp;#039;&amp;#039;aretai ēthikai&amp;#039;&amp;#039;), die der Mensch sich durch [[Übung]] und [[Gewohnheit]] aneigne. Zu den letzteren zählt er ‒ neben den drei [[platon]]ischen [[Kardinaltugend]]en [[Tapferkeit]], [[Besonnenheit]] und [[Gerechtigkeit]] ‒ unter anderem die [[Großzügigkeit|Freigiebigkeit]], die hohe Gesinnung und die Wahrhaftigkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://www.reinhold-specht.de/seminararbeiten/nikomachische/seite16.php |wayback=20151228020319 |text=Nikomachische Ethik |archiv-bot=2022-10-17 05:04:15 InternetArchiveBot }}; Otto Willmann: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte des Idealismus&amp;#039;&amp;#039;, Braunschweig: Vieweg und Sohn, 1907, S. 522&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Mensch werde mit solchen sittlichen Tüchtigkeiten nicht geboren, bringe jedoch die Anlage mit, um diese zu entwickeln. Die Kultivierung des Charakters (ἕξις, &amp;#039;&amp;#039;hexis&amp;#039;&amp;#039;) ist für Aristoteles ein langwieriger Prozess des moralischen Übens und Eingewöhnens. Den idealen Rahmen hierfür bilde die [[Polis]], die mit ihren Regelsystemen gewährleiste, dass das Individuum nicht nur belehrt, sondern an gleichförmiges tugendhaftes Handeln gewöhnt werde.&amp;lt;ref&amp;gt;Otfried Höffe: &amp;#039;&amp;#039;Aristoteles’ Politische Anthropologie&amp;#039;&amp;#039;, S. 21–35, in: Otfried Höffe (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Aristoteles&amp;#039;&amp;#039;, Berlin: Akademie Verlag, 2001, ISBN 3-05-003575-7, S. 29; Hava Tirosh-Samuelson: &amp;#039;&amp;#039;Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being&amp;#039;&amp;#039;, Hebrew Union College Press, 2003, ISBN 0-87820-453-9, S. 24&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Judentum, Christentum und Islam ===&lt;br /&gt;
Zentrale Bedeutung hat das Konzept des Charakters als moralische Größe seit jeher auch im [[Judentum]]. So wird im [[Talmud]] Charakter als Summe gottgefälliger Verhaltensmuster verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Rabbi Ben Zion Bokser: &amp;#039;&amp;#039;The Wisdom of the Talmud&amp;#039;&amp;#039;, New York: Philosophical Library, 1951&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Maimonides]], der im 12. Jahrhundert rabbinische Lehren im Lichte der aristotelischen Ethik neu interpretierte, lehrte, dass der Mensch gute Charakterzüge erwirbt, indem er gewohnheitsmäßig gut handle, wobei eine Tat dann gut sei, wenn sie die Extreme meide und „gerade richtig“ sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Hilchot De&amp;#039;ot 1:7; Hava Tirosh-Samuelson: &amp;#039;&amp;#039;Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being&amp;#039;&amp;#039;, Hebrew Union College Press, 2003, ISBN 0-87820-453-9, S. 234&amp;lt;/ref&amp;gt; Vor Maimonides hatten bereits [[Solomon ibn Gabirol]] und [[Bachja ibn Pakuda]] zum jüdischen Charakterkonzept beigetragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Hava Tirosh-Samuelson: &amp;#039;&amp;#039;Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being&amp;#039;&amp;#039;, Hebrew Union College Press, 2003, ISBN 0-87820-453-9, S. 234, S. 144f&amp;lt;/ref&amp;gt; Der [[Aggada]] nach dient auch das Studium und das Sammeln von Weisheit allein der Verbesserung des Charakters.&amp;lt;ref&amp;gt;Hayim Zalman Dimitrovsky: &amp;#039;&amp;#039;Exploring the Talmud&amp;#039;&amp;#039;, Band 1, New York: Ktav Publishing House, 1976, ISBN 0-87068-254-7&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[Christentum]] wird, allgemein zusammengefasst, bei jeweiligen menschlichen Entscheidungen, ein Mittelweg zwischen Gut und Böse als noch nicht ausreichend gesehen, um als „Gerechter“ vor Gott zu gelten, um letztlich als solcher in „verherrlichter Gestalt“ in das [[Ewiges Leben|Ewige Leben]] einzuziehen (siehe auch {{Bibel|1 Petr|4|19}}). Petrus beschreibt den Weg zum guten Menschen und zur Gnade Gottes, indem er in {{Bibel|1 Petr|4|19}} sagt, der Mensch soll Gutes tun und dadurch sein Leben dem treuen Schöpfer „anbefehlen“. Ein „guter Mensch“ setzt demnach solche Handlungen, die „primär“ von der [[Liebe Gottes]] her [[Motivation|motiviert]] sind, insbesondere gute Taten, denen er, nach einem inneren Konflikt mit einem [[Sünde|sündhaften]] [[Bedürfnis]] aus den [[Instinkt|Trieben]] der [[Natur]] (vgl. z.&amp;amp;nbsp;B. {{Bibel|1 Petr|3|12}}, {{Bibel|2 Tim|2|22}}, {{Bibel|Lk|14|12-14}}), den Vorzug gab. Ein Konzept des Charakters als Repräsentation von Tugenden innerhalb des Menschen erscheint auch sehr früh in der [[Theologische Ethik|christlichen Ethik]]. So begriff bereits [[Augustinus von Hippo|Augustinus]] (354–430) den sittlichen Charakter des Menschen als Ausdruck des Lebens im [[Heiliger Geist|Heiligen Geist]] und als Voraussetzung für das [[Ewiges Leben|Ewige Leben]] (nach dem Tod), in Vereinigung und Verähnlichung mit Gott (vgl. auch&amp;lt;ref&amp;gt;Josef Mausbach: &amp;#039;&amp;#039;Die Ethik des Heiligen Augustinus&amp;#039;&amp;#039;, 1. Band: &amp;#039;&amp;#039;Die sittliche Ordnung und ihre Grundlagen&amp;#039;&amp;#039;, Hamburg: Severus, 2010, ISBN 978-3-942382-71-7, S. 380f&amp;lt;/ref&amp;gt;). Diesbezüglich kritisierte er den aristotelischen Tugendkanon – &amp;#039;&amp;#039;virtutes&amp;#039;&amp;#039; wie die Selbstbeherrschung bezeichnete er deshalb, wenn sie nicht allein darauf zielten, den Menschen Gott näher zu bringen, als ein Laster – und ließ allein christliche [[Demut]] (&amp;#039;&amp;#039;humilitas&amp;#039;&amp;#039;) und Liebe (&amp;#039;&amp;#039;[[Karitas|caritas]]&amp;#039;&amp;#039;) als heilsbringend gelten (siehe auch &amp;lt;ref&amp;gt;Christian Tornau: &amp;#039;&amp;#039;Zwischen Rhetorik und Philosophie&amp;#039;&amp;#039;, Berlin: Walter de Gruyter, 2006, ISBN 3-11-019130-X, S. 144f&amp;lt;/ref&amp;gt;). [[Thomas von Aquin]] (um 1225–1274), der seine Tugendlehre ebenfalls auf die von Aristoteles aufbaut, spricht vom „[[Habitus (Soziologie)|Habitus]]“ des Menschen, der gewohnheitsmäßig entweder gute oder böse Handlungen wähle, wobei ihn als Theologen besonders die menschliche [[Freier Wille|Willensfreiheit]] interessiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rhonheimer: &amp;#039;&amp;#039;Die Perspektive der Moral. Philosophische Grundlagen der Tugendethik&amp;#039;&amp;#039;, Berlin: Akademie Verlag, 2001, ISBN 3-05-003629-X, S. 177; Ludwig Hödl: &amp;#039;&amp;#039;Philosophische Ethik und Moral-Theologie in der Summa Fr. Thomae&amp;#039;&amp;#039;, S. 36f, in: [[Albert Zimmermann (Philosophiehistoriker)|Albert Zimmermann]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Thomas von Aquin: Werk und Wirkung im Licht neuerer Forschungen&amp;#039;&amp;#039;, Walter de Berlin: Gruyter, 1987, ISBN 3-11-011179-9, S. 23‒42&amp;lt;/ref&amp;gt; Für [[Martin Luther|Luther]] widerspricht die Vorstellung, dass untugendhafte Menschen sich durch wiederholt gute Taten einen tugendhaften Habitus selbst erwerben können, dem [[Evangelium (Buch)|Evangelium]], das verkündet, so ein Mensch müsse zuerst in eigener [[Buße (Religion)|Buße]] bzw. [[Umkehr]] durch die [[Gnade (Theologie)|Gnade]] Gottes Vergebung erfahren und – bevor er das [[Himmel (Religion)|Himmelreich]] schauen kann – von seinen Sünden [[Erlösung|erlöst]] werden (Vgl. auch &amp;lt;ref&amp;gt;Luca Baschera: &amp;#039;&amp;#039;Tugend und Rechtfertigung. Peter Martyr Vermiglis Kommentar zur Nikomachischen Ethik im Spannungsfeld von Philosophie und Theologie&amp;#039;&amp;#039;, Theologischer Verlag Zürich, 2008, ISBN 978-3-290-17506-1, S. 123&amp;lt;/ref&amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine von der aristotelischen Ethik beeinflusste Charakterkonzeption findet sich auch im [[Islam]], etwa bei [[Abu al-Hassan al-Amiri]] († 992) und bei [[Ebn Meskavayh]] (932–1030), dessen Schriften &amp;#039;&amp;#039;Tahḏib al-aḵlāq wa-taṭhir al-aʿrāq&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Tartib al-Sa’adat&amp;#039;&amp;#039; im Wesentlichen Zusammenfassungen der aristotelischen Überlieferung darstellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Hava Tirosh-Samuelson: &amp;#039;&amp;#039;Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being&amp;#039;&amp;#039;, Hebrew Union College Press, 2003, ISBN 0-87820-453-9, S. 234, S. 151&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 10. Jahrhundert absorbierte [[Yahya ibn Adi]] (†974), ein in [[Bagdad]] lebender Philosoph, der ein Grenzgänger zwischen [[Christentum]] und Islam war, die aristotelischen Überlegungen für seine Schrift &amp;#039;&amp;#039;Tahdhib Al-Akhlaq&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Hava Tirosh-Samuelson: &amp;#039;&amp;#039;Happiness in Premodern Judaism: Virtue, Knowledge, and Well-Being&amp;#039;&amp;#039;, Hebrew Union College Press, 2003, ISBN 0-87820-453-9, S. 234, S. 151; [http://islamicencyclopedia.org/public/index/topicDetail/id/958 Tahdhib Al-Akhlaq]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Islam zeigt in etlichen Überlieferungen (Sunna), dass der Charakter ein wichtiger Anteil der Religion ist, wobei der Charakter des Propheten Muhammad als „Quranisch“ beschrieben wird. „[...] Ich sagte: O Mutter der Gläubigen! Erzähle mir vom Charakter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm. Sie erwiderte: Liest du den Koran nicht? Ich sagte: Doch! Sie sagte: Der Charakter des Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, war der Koran. (Das heißt, daß er sich laut dem Koran benahm.)[...]“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://islamische-datenbank.de/sahih-muslim?chapterno=7&amp;amp;hadithid=36&amp;amp;action=display |titel=Sahih Muslim |abruf=2021-04-02}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausprägung des Begriffs &amp;#039;&amp;#039;Al-Akhlaq&amp;#039;&amp;#039; wird als Charakter übersetzt und kann als aus mehreren Bestandteilen bestehend beschrieben werden, unter anderem die angeborenen ([[Fitra]]), aber auch die praktizierten oder antrainierten (&amp;#039;ada) sowie die durch dauerhafte Praxis der Seelenreinigung (&amp;#039;&amp;#039;Tazkiyatun Nafs&amp;#039;&amp;#039;) oder [[Charaktererziehung]] geprägten Eigenschaften, die sich in dem Charakter verwandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.al-sakina.de/inhalt/hadith/hadith.html |titel=Aussprüche des Propheten Muhammad (s.a.s.) |abruf=2021-04-02}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.al-islam.org/jami-al-saadat-the-collector-of-felicities-muhammad-mahdi-ibn-abi-dharr-al-naraqi/meaning-and-origin |titel=The Meaning and Origin of Akhlaq |datum=2012-09-27 |abruf=2021-04-02 |sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;quot;Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:  Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, wurde gefragt: „Wer ist der edelste unter allen Leuten?“ Und er antwortete: „Derjenige, der am gottesfürchtigsten ist.“ Die Leute sagten: „Nicht danach haben wir dich gefragt.“ Er sagte: „Dann der edelste unter den Menschen ist Yusuf (Josef), der Prophet Allahs, Sohn des Propheten Allahs, Sohn des Propheten Allahs, Sohn des Freundes Allahs.“ Die Leute sagten: „Nicht danach haben wir dich gefragt.“ Er sagte: „Dann fragt ihr also über die Charakterzüge unter den Arabern? Die Menschen haben verschiedene Charakterzüge. Die besten von ihnen in der Zeit vor dem Islam (Ğahiliyya), sind auch die besten von ihnen im Islam, wenn sie nur belehrt sind (in Glaubensfragen).“&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://islamische-datenbank.de/sahih-muslim?chapterno=43&amp;amp;hadithid=55&amp;amp;action=display |titel=Sahih Muslim |abruf=2021-04-02}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ähnliches im Quran:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;„An dem Tag wird jede Seele das, was sie an Gutem getan hat, bereit finden. Und von dem, was sie an Bösem getan hat, hätte sie gern, wenn zwischen ihr und ihm ein weiter Abstand wäre. Und Allah mahnt euch zur Vorsicht vor Sich selbst. Allah ist Gnädig zu den Menschen.“ (Al Qur&amp;#039;an 3:30)&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://tanzil.net/#trans/de.bubenheim/3:30 |titel=Tanzil - Quran Navigator {{!}} القرآن الكريم |abruf=2021-04-02}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frankreich ===&lt;br /&gt;
Das Wort „Charakter“ gelangte erst im 17. Jahrhundert in den deutschsprachigen Raum, und zwar über [[Frankreich]], wo etwa [[Michel de Montaigne|Montaigne]] den Ausdruck bereits im 16. Jahrhundert verwendet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Anja Ansorg: &amp;#039;&amp;#039;ABC des Glaubens&amp;#039;&amp;#039;, Münster: Edition Octopus, 2. Auflage 2008, ISBN 978-3-86582-388-5, S. 13; Michel de Montaigne: [http://www.textlog.de/30885.html &amp;#039;&amp;#039;Der Mensch hat gemeiniglich einen unbestimmten Charakter&amp;#039;&amp;#039;]&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine zentrale Rolle spielte der &amp;#039;&amp;#039;caractère&amp;#039;&amp;#039; dann in der Moral- und Erziehungsphilosophie [[Jean-Jacques Rousseau|Rousseaus]], der davor warnt, dem Verstand des Kindes mehr Aufmerksamkeit zu widmen als seinem Gemüt und Charakter, und empfiehlt, diesen Charakter gegen die Zufälle des Lebens ebenso abzuhärten wie den Körper.&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph R. Reisert: &amp;#039;&amp;#039;Jean-Jacques Rousseau: A Friend of Virtue&amp;#039;&amp;#039;, Ithaca, New York: Cornell University Press, 2003; Otto Hänssel: &amp;#039;&amp;#039;Der Einfluss Rousseaus auf die philosophisch-pädagogischen Anschauungen Herders&amp;#039;&amp;#039; (Doktorarbeit), Dresden: Bleyl und Kaemmerer, 1902, S. 17, 29&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Deutsche Aufklärung und Deutscher Idealismus ===&lt;br /&gt;
[[Immanuel Kant|Kant]] definierte Charakter als die „praktische konsequente Denkungsart nach unveränderlichen Maximen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kritik der praktischen Vernunft]], 2. Teil, II 192; Rudolf Eisler: &amp;#039;&amp;#039;[http://www.textlog.de/31966.html Kant-Lexikon]&amp;#039;&amp;#039;, 1930&amp;lt;/ref&amp;gt; Rousseau hatte starken Einfluss auf [[Johann Heinrich Campe]], der die Charakterbildung des Kindes ebenfalls ins Zentrum seiner Erziehungsphilosophie stellte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernst Wilhelm Hartmann: &amp;#039;&amp;#039;Jean-Jacques Rousseaus Einfluss auf Joachim Heinrich Campe&amp;#039;&amp;#039; (Doktorarbeit), Neuenburg/Westpreußen, 1904, S. 103&amp;lt;/ref&amp;gt; Im moralischen Schrifttum der [[Aufklärung]] erlebte der Begriff insgesamt eine Psychologisierung und [[Säkularisierung]]; er wurde neu definiert als Summe von [[Persönlichkeit]]seigenschaften, unter denen eine herausragt und den Charakter bestimmt. Prägnante Beispiele für dieses Konzept finden sich in den Satiren [[Gottlieb Wilhelm Rabener]]s und in [[Christian Fürchtegott Gellert]]s &amp;#039;&amp;#039;Moralischen Vorlesungen&amp;#039;&amp;#039;. In der Musik erschien parallel die Form des [[Charakterstück]]s.&amp;lt;ref&amp;gt;Friedrich Maurer, Heinz Rupp: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Wortgeschichte&amp;#039;&amp;#039;, Band 2, Berlin: De Gruyter, 1974, ISBN 3-11-003619-3, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Friedrich Schiller]] regte 1795 an, den Charakter durch [[ästhetische Bildung]] zu veredeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Friedrich Schiller: &amp;#039;&amp;#039;[[Über die ästhetische Erziehung des Menschen]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Charakterbildung, die neben Schiller u.&amp;amp;nbsp;a. auch [[Johann Wolfgang von Goethe|Goethe]] und [[Wilhelm von Humboldt]] fordern und deren Ideal in Deutschland der [[Künstler]]typus ist, wird im ausgehenden 18. Jahrhundert zu einem Gegenentwurf zum bürgerlichen Nützlichkeitsdenken.&amp;lt;ref&amp;gt;Hans-Georg Pott: &amp;#039;&amp;#039;Pragmatische Anthropologie bei Kant, Schiller und Wilhelm von Humboldt&amp;#039;&amp;#039;, S. 212, in: Hans Feger, Hans Richard Brittnacher (Hrsg.: &amp;#039;&amp;#039;Die Realität der Idealisten: Friedrich Schiller, Wilhelm von Humboldt, Alexander von Humboldt&amp;#039;&amp;#039;), Köln: Böhlau, 2008, ISBN 978-3-412-20148-7, S. 203–213&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Charakterologie des 19. Jahrhunderts ===&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert entstand – in Deutschland geführt von dem Philosophen [[Julius Bahnsen]] – eine [[Charakterkunde]], die erneut den Versuch einer psychologischen Typologie von Charakterformen unternahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der Psychoanalytiker [[Erich Fromm]] unterschied in den 1930er Jahren zwischen einem Individualcharakter und einem [[Sozialcharakter]] bzw. Gesellschaftscharakter, wobei letzterer die sozial signifikante Kernstruktur der Persönlichkeiten bezeichnet, die einer bestimmten Gesellschaft angehören. Als Beispiele nennt er einen oral-rezeptiven, einen narzisstischen, einen konformistischen, einen [[Marketing-Charakter|Marketing-]] und einen nekrophil-destruktiven Charakter. Noch stärkeren Einfluss erlangte sein Konzept eines [[Autoritärer Charakter|autoritären Charakters]], mit dem Fromm ein bestimmtes Muster von sozialen Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmalen bezeichnete, die für [[Faschismus|faschistische Ideologien]] besonders anfällig mache. [[Theodor W. Adorno]] und andere entwickelten auf dieser Grundlage später ihre Theorie der [[Autoritäre Persönlichkeit|autoritären Persönlichkeit]]. [[Robert Havighurst]] und [[Robert F. Peck]] stellten die Entwicklung des Charakters auf eine empirische Basis in der [[Entwicklungspsychologie]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Robert F. Peck, Robert James Havighurst, Ruth Cooper |Titel=The Psychology of Character Development |Hrsg= |Sammelwerk= |Band= |Nummer= |Auflage= |Verlag=Wiley |Ort= |Datum=1960 |ISBN= |Seiten= |Online=https://books.google.de/books/about/The_Psychology_of_Character_Development.html?id=rIqfAAAAMAAJ&amp;amp;redir_esc=y |Abruf=2020-08-13}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gegenwart ===&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren gelangte der Begriff „Charakter“ erneut in den wissenschaftlichen Diskurs. So definierte der Sozialtheoretiker [[Amitai Etzioni]] 1993 folgendermaßen: {{Zitat | Text=Wir verstehen unter ‚Charakter‘ die psychologischen Muskeln, die es einem Menschen erlauben, Impulse zu kontrollieren und Belohnung aufzuschieben, was für Erfolg, Leistung und moralisches Handeln grundlegend ist.| Autor=Amitai Etzioni&lt;br /&gt;
| Quelle=| ref=&amp;lt;ref&amp;gt;Amitai Etzioni: &amp;#039;&amp;#039;The Spirit of Community: The Reinvention of American Society&amp;#039;&amp;#039;, Touchstone, 1993, ISBN 0-671-88524-3, S. 91; vgl. Amitai Etzioni u.&amp;amp;nbsp;a.: &amp;#039;&amp;#039;Character Building of a Democratic, Civil Society&amp;#039;&amp;#039;, Washington, D.C.: The Communitarian Network, 1994&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
Der Politikwissenschaftler [[James Q. Wilson]] definierte 1991, dass ein &amp;#039;&amp;#039;guter Charakter&amp;#039;&amp;#039; mindestens folgende zwei Dinge umfasse: [[Empathie]] und [[Selbstkontrolle]].&amp;lt;ref&amp;gt;James Q. Wilson: On Character, S. 5&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Sinne wurde der Begriff bald auch von der [[Positive Psychologie|Positiven Psychologie]] aufgegriffen, die den Charakter für diejenige Größe hält, die den stärksten Einfluss darauf hat, ob Menschen ein – psychologisch gesehen – gutes Leben führen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Seligman, Mihály Csíkszentmihályi: &amp;#039;&amp;#039;Positive Psychology: An Introduction&amp;#039;&amp;#039;, [[American Psychologist]], Band 55, Heft 1, Januar 2000, S. 5–14; Christopher Peterson, Willibald Ruch, Ursula Beermann, Nansook Park, Martin Seligman: &amp;#039;&amp;#039;Strengths of character, orientations to happiness, and life satisfaction&amp;#039;&amp;#039;, The Journal of Positive Psychology, Band 2, Heft 3, 2007, S. 149–156&amp;lt;/ref&amp;gt; Angeregt durch die Einsichten von Forschern wie [[Martin Seligman]] und [[Mihály Csíkszentmihályi]] sowie durch die Forschung von [[Albert Bandura]], [[Howard Gardner]] und das Konzept der [[Emotionale Intelligenz|emotionalen Intelligenz]] entstanden in den USA im ausgehenden 20. Jahrhundert erneut auch Ansätze zu einer [[Charaktererziehung]]. Eine zweite Traditionslinie, deren Vertreter besonders auf die schulische Charaktererziehung setzen, geht von [[Lawrence Kohlberg]]s 1958 begründeter [[Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung|Theorie der Moralentwicklung]] aus und führt u.&amp;amp;nbsp;a. über die Lehrerausbildungsprogramme von [[Thomas Lickona]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* James Q. Wilson: &amp;#039;&amp;#039;On Character: Essays&amp;#039;&amp;#039;, erweiterte Ausgabe, Washington, D.C.: AEI Press, 1995, ISBN 0-8447-3786-0 ({{Google Buch|BuchID=Qd9L2kQoxr0C|Seite=|Linktext=eingeschränkte Online-Version|Land=US}})&lt;br /&gt;
* [[Bernhard Asmuth]]: „Charakter“. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 1 (A–G), hrsg. von Klaus Weimar. Berlin/New York: de Gruyter 1997, S. 297–299. ISBN 3-11-010896-8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary|Charakter}}&lt;br /&gt;
{{Wikiquote|Charakter}}&lt;br /&gt;
* {{SEP|https://plato.stanford.edu/entries/moral-character/|Moral Character|Marcia Homiak|2019}}&lt;br /&gt;
* {{IEP|https://iep.utm.edu/moral-ch/|Moral Character|Kevin Timpe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4009760-2|LCCN=sh85022615|NDL=00570316}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ethisches Gut]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pädagogische Psychologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Differentielle und Persönlichkeitspsychologie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Fan-vom-Wiki</name></author>
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