<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Carlo_Mierendorff</id>
	<title>Carlo Mierendorff - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Carlo_Mierendorff"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Carlo_Mierendorff&amp;action=history"/>
	<updated>2026-06-12T16:47:24Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Carlo_Mierendorff&amp;diff=220780&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;WiesbAdler am 4. Februar 2026 um 10:01 Uhr</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Carlo_Mierendorff&amp;diff=220780&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2026-02-04T10:01:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:MierendorffCarlo.jpg|mini|Carlo Mierendorff]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Carlo Mierendorff.jpg|mini|Büste im [[Justus-Liebig-Haus]] Darmstadt]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Darmstadt West Waldfriedhof Grabmal Carlo Mierendorff.jpg|mini|Grabmal auf dem [[Waldfriedhof Darmstadt]]]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Carlo Mierendorff&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, eigentlich &amp;#039;&amp;#039;Carl Mierendorff&amp;#039;&amp;#039;, (* [[24. März]] [[1897]] in [[Großenhain]]; † [[4. Dezember]] [[1943]] in [[Leipzig]]) war ein deutscher [[Politiker]] ([[Sozialdemokratische Partei Deutschlands|SPD]]), [[Sozialwissenschaftler]] und [[Schriftsteller]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jugendjahre ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1907 zog die Familie (Vater Georg Mierendorff; Mutter Charlotte, geb. Meißner) nach [[Darmstadt]] ([[Großherzogtum Hessen]]). Sein Vater arbeitete dort in der Textilbranche. Er war reisender Handelsvertreter; der Sohn erlebte „das heimatliche Milieu bescheiden, aber gut bürgerlich“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. B. Server [Pseud.], „Dr. Mierendorff : der militante Sozialdemokrat“, in: ders., &amp;#039;&amp;#039;Matadore der Politik : sechsundzwanzig Politikerporträts.&amp;#039;&amp;#039; Universitas Deutsche Verlags-Aktiengesellschaft, Berin 1932, S. 157–163, hier S. 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mierendorff, der der [[Wandervogel]]bewegung nahestand, besuchte das [[Ludwig-Georgs-Gymnasium]] in Darmstadt und schrieb zusammen mit seinen Freunden [[Theodor Haubach]] und [[Joseph Würth (Verleger)|Joseph Würth]] kurze Aufsätze in ihrer Zeitschrift &amp;#039;&amp;#039;[[Die Dachstube]]&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang August 1914 meldete sich der 17-jährige Mierendorff, zwei Tage nach seinem [[Notabitur]], [[Freiwilliger (Militär)|freiwillig]] zum (berittenen) 2. [[Großherzogtum Hessen|Großherzoglich hessischen]] Feldartillerie-Regiment Nr. 61 (FAR 61). Nach der [[Schlacht um Łódź|Schlacht um Lodsch]] erhielt er im Dezember 1914 das [[Eisernes Kreuz|Eiserne Kreuz II. Klasse]]. Nach Einsätzen an der [[Westfront (Erster Weltkrieg)|Westfront]], zeitweise als vorgeschobener Posten am [[Panzerabwehrkanone|Tank-Abwehrgeschütz]], erhielt er im Herbst 1918 das EK I. aus der Hand von [[Wilhelm II. (Deutsches Reich)|Kaiser Wilhelm II.]] Gleichzeitig zum [[Vizefeldwebel|Vizewachtmeister]] und [[Offizieranwärter|Offiziersaspiranten]] befördert, erlebte er [[Waffenstillstand von Compiègne (1918)|das Kriegsende]]. Sein älterer und einziger Bruder Wilhelm fiel 1917 als Oberleutnant an der [[Westfront (Erster Weltkrieg)|Westfront]].&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Albrecht: &amp;#039;&amp;#039;Der militante Sozialdemokrat&amp;#039;&amp;#039;, S. 20–22&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Albrecht: &amp;#039;&amp;#039;Carlo Mierendorff (1897–1943) – Zwei biographische Texte.&amp;#039;&amp;#039;, S. 3–6&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mai 1916 schrieb Mierendorff sich, noch als Soldat auf Genesungsurlaub, als Student ein. Er betrieb sein Studium, vermutlich kriegsbedingt, nicht ernsthaft. Das änderte sich ab dem Wintersemester 1918/1919. An der [[Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main|Universität Frankfurt am Main]] belegte er zunächst Jura und gab die Zeitschrift &amp;#039;&amp;#039;Das Tribunal. Hessische radikale Blätter&amp;#039;&amp;#039; heraus. Mierendorff schrieb Anfang 1919 an [[Carl Zuckmayer]], um ihn für die Mitarbeit in der Redaktion dieser Zeitschrift zu gewinnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Carl Zuckmayer: &amp;#039;&amp;#039;[[Als wär’s ein Stück von mir|Als wär’s ein Stück von mir. Horen der Freundschaft]]&amp;#039;&amp;#039; (in der Reihe &amp;#039;&amp;#039;S.-Fischer-Jahrhundertwerke&amp;#039;&amp;#039;). Fischer, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-10-034112-9, S. 320.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies war der Beginn ihrer Freundschaft. Seit dem Sommer 1919 studierte er in [[Heidelberg]] [[Politikwissenschaft|Staatswissenschaften]] und [[Volkswirtschaftslehre|Nationalökonomie]]. Mitte 1920 wechselte er nach [[München]]. Seine Hoffnung, den dort lehrenden [[Max Weber]] zu hören, machte Webers plötzlicher Tod im Juni 1920 zunichte. Mierendorff wechselte nach [[Albert-Ludwigs-Universität Freiburg|Freiburg im Breisgau]] und im Mai 1921 zurück nach Heidelberg. Dort wurde er 1922 mit seiner [[Dissertation]]sarbeit &amp;#039;&amp;#039;Die Wirtschaftspolitik der Kommunistischen Partei Deutschlands&amp;#039;&amp;#039; zum Dr. phil. promoviert. In seiner Universitätszeit war Mierendorff als streitbares Mitglied von Studentengruppen wie der „Sozialistischen Studentengruppe“ und der „Vereinigung republikanischer Studenten“ bekannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch in [[Schützengraben]] und Lazarett entstanden waren die beiden Erzählungen &amp;#039;&amp;#039;Der Gnom&amp;#039;&amp;#039; (1917) und &amp;#039;&amp;#039;Lothringer Herbst&amp;#039;&amp;#039; (1918), die Freunde in der Heimat in kleiner Auflage edierten. &amp;#039;&amp;#039;Lothringer Herbst&amp;#039;&amp;#039; wird dem [[Expressionismus]] zugerechnet und erfährt auch heute noch Beachtung. Anfang 1919 gründete er die politische Zeitschrift &amp;#039;&amp;#039;Das Tribunal. Hessische Radikale Blätter&amp;#039;&amp;#039; (mit Bezug auf [[Georg Büchner]]s &amp;#039;&amp;#039;[[Der Hessische Landbote|Hessischen Landboten]]&amp;#039;&amp;#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1920 wurde Mierendorff Mitglied der SPD. Im selben Jahr veröffentlichte er einen Essay zur Bedeutung des jungen Mediums [[Kinofilm]].&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Albrecht: &amp;#039;&amp;#039;Carlos Kino. Mierendorffs Essay Hätte ich das Kino!! (1920)&amp;#039;&amp;#039;. In: Film und Buch, 6/2013, S. 48–52. {{Webarchiv|url=http://filmundbuch.files.wordpress.com/2013/11/film-und-buch-6.pdf |wayback=20131229071717 |text=Onlineversion (PDF; 5,91 MB)}}.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Juni 1922 protestierte Mierendorff gegen den [[Judenfeindlichkeit#Der Begriff Antisemitismus|antisemitischen]] Chef des Heidelberger Physikalischen Instituts, den [[Nobelpreis]]träger [[Philipp Lenard]], der sich geweigert hatte, wegen der Ermordung [[Walther Rathenau]]s Trauerbeflaggung an seinem Institut zu zeigen und die Arbeit ruhen zu lassen, indem er mit anderen das Institut stürmte. Er wurde deswegen vom [[Landgericht Heidelberg]] wegen Landfriedensbruchs zu einer – freilich nicht verbüßten – Freiheitsstrafe verurteilt. In einem wegen desselben Vorfalls beim Disziplinargericht der Universität Heidelberg ebenfalls anhängig gemachten Verfahren wurde er jedoch freigesprochen.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe Wilhelm Güde: &amp;#039;&amp;#039;Das Verfahren vor dem Disziplinargericht der Universität Heidelberg gegen Carlo Mierendorff wegen seiner Beteiligung an der Erstürmung des Physikalischen Instituts der Universität.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Rechtshistorische und andere Rundgänge. Festschrift für Detlev Fischer.&amp;#039;&amp;#039; Herausgegeben von Ulrich Falk, Markus Gehrlein, Gerhard Kreft und Markus Obert. Karlsruhe 2018, S. 207–218. [[Carl Zuckmayer]], der mit Mierendorff eng befreundet war, behauptete allerdings, Mierendorff habe in beiden Verfahren „einen bedingungslosen Freispruch“ erhalten. (Carl Zuckmayer: &amp;#039;&amp;#039;Als wär’s ein Stück von mir&amp;#039;&amp;#039;, Lizenzausgabe für die Bertelsmann-Gruppe, Gütersloh, 1966, S. 302–303)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische Arbeit und politische Theorie ==&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren arbeitete Mierendorff als wirtschaftswissenschaftlicher Sekretär beim [[Deutscher Transportarbeiter-Verband|Deutschen Transportarbeiterverband]] in Berlin. Anschließend war er ab 1925 [[Feuilleton]]redakteur beim &amp;#039;&amp;#039;Hessischen Volksfreund&amp;#039;&amp;#039; in Darmstadt. In den Jahren 1926 bis 1928 war er in Berlin Sekretär der SPD-Reichstagsfraktion. Er ging 1929 in die Landeshauptstadt Darmstadt zurück und wurde Pressereferent von [[Wilhelm Leuschner]], Innenminister des [[Volksstaat Hessen|Volksstaates Hessen (Hessen-Darmstadt)]].&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Steinbach. „Widerstand gegen den Nationalsozialismus - eine ,sozialistische Aktion&amp;#039;? Zum 100. Geburtstag von Carlo Mierendorff (1897–1943)“, Vortrag vor dem Gesprächskreis Geschichte der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn am 3. März 1997, abgerufen von [https://library.fes.de/fulltext/historiker/00145.htm Friedrich-Ebert-Stiftung] am 3. August 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [[Reichstagswahl 1930|Reichstagswahl vom September 1930]] gewann Mierendorff einen Sitz und wurde jüngstes Mitglied seiner Partei im Parlament. Schwerpunkt seiner Politik war der Kampf gegen das Erstarken der [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|NSDAP]]. 1930 veröffentlichte er hierzu die Studie &amp;#039;&amp;#039;Gesicht und Charakter der nationalsozialistischen Bewegung&amp;#039;&amp;#039; zu deren soziopolitischer Dynamik. Im Reichstag griff er mehrfach [[Joseph Goebbels]] an, so etwa, als er im Februar 1931 am Ende einer Reichstagsrede demonstrativ das ihm verliehene EK&amp;amp;nbsp;I den tobenden Abgeordneten der NSDAP mit den Worten entgegenhielt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Text=Fragen Sie doch einmal Herrn Goebbels nach seinem Eisernen Kreuz Erster Klasse. Herr Goebbels sagt: Deutschland muss nationalsozialistisch regiert werden. Nein, dafür haben wir Kriegsteilnehmer nicht vier Jahre lang unseren Kopf hingehalten. Dafür nicht, dass die Nationalsozialisten aus Deutschland ein Tollhaus machen!|Autor=Carlo Mierendorff|Quelle=Rede im Februar 1931 vor dem Deutschen Reichstag|ref=&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.deutschlandfunk.de/125-geburtstag-von-carlo-mierendorff-100.html |titel=Vor 125 Jahren geboren |titelerg=Carlo Mierendorff – ein militanter Sozialdemokrat |werk=Kalenderblatt (Rundfunksendung auf [[Deutschlandfunk|DLF]]) |autor=Winfried Dolderer |datum=2022-03-24 |abruf=2022-03-24 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mierendorff bekämpfte die seit Mitte der 1920er Jahre stattfindende Aufrüstung der [[Schwarze Reichswehr|Schwarzen Reichswehr]]. Mierendorff war Mitglied der Organisation [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold]] und der [[Eiserne Front|Eisernen Front]]. Zusammen mit [[Sergei Stepanowitsch Tschachotin]] entwarf er 1932 die drei Pfeile, die zum Symbol der Eisernen Front wurden. Mierendorff zeigte [[Propaganda|propagandistisches]] Talent und Elan. Er publizierte in den &amp;#039;&amp;#039;Neuen Blättern für den Sozialismus&amp;#039;&amp;#039;, in den [[Sozialistische Monatshefte|&amp;#039;&amp;#039;Sozialistischen Monatsheften&amp;#039;&amp;#039;]], in der &amp;#039;&amp;#039;Deutschen Republik&amp;#039;&amp;#039;, im &amp;#039;&amp;#039;Reichsbanner&amp;#039;&amp;#039; und im Organ des „[[Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens|Central-Vereins der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens]]“. Themen waren unter anderem Propaganda, [[Nationalsozialismus]], Wahlrechtsreform, Reformen innerhalb der SPD und Generationenkonflikte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mierendorff-Forscher Richard Albrecht betont als zentrales Element von Mierendorffs politiktheoretischem Ansatz: „Nur in der Demokratie kann sich die Massenkraft der organisierten Arbeiterschaft wirtschaftlich und politisch frei entfalten und dadurch den Kapitalismus […] überwinden. Die Arbeiterklasse hat daher ein Lebensinteresse […] am planmäßigen Ausbau des deutschen Staates zu einer sozialen, demokratischen Republik.“&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Albrecht. In: Carlo Mierendorff, &amp;#039;&amp;#039;Arisches Kaiserreich oder Judenrepublik&amp;#039;&amp;#039;. In: [[Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung]] (iwk), 40 (2004) 3, S. 321–337.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhaftierung und Widerstand ==&lt;br /&gt;
{{Siehe auch|Siegfried Höxter#Die Mierendorff-Höxter-Gruppe|titel1=Die Mierendorff-Höxter-Gruppe}}&lt;br /&gt;
Nach der [[Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler]] wich Mierendorff für 14 Tage in die [[Schweiz]] aus, kehrte dann nach Berlin zurück und stimmte am 24. März 1933 im Reichstag mit seiner SPD-Fraktion gegen das [[Ermächtigungsgesetz]].&amp;lt;ref&amp;gt;Jakob Reitz: &amp;#039;&amp;#039;Carlo Mierendorff 1897–1943&amp;#039;&amp;#039;, S. 31 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem Mierendorff daraufhin von [[Sturmabteilung|SA-Leuten]] durch die Straßen geschleift worden war, versteckte er sich zunächst bei Carl Zuckmayer. Am 13. Juni 1933 wurde er in [[Frankfurt am Main]] bei einem Treffen mit [[Otto Sturmfels]] im Café Excelsior verhaftet. Die folgenden fünf Jahre war Mierendorff in den [[Konzentrationslager]]n [[KZ Osthofen|Osthofen]], [[KZ Börgermoor|Börgermoor]], [[KZ Papenburg|Papenburg]], [[KZ Lichtenburg|Lichtenburg]] und [[KZ Buchenwald|Buchenwald]] inhaftiert. Im Januar 1938 wurde er aus dem [[Prinz-Albrecht-Palais|Gestapo-Gefängnis]] in der [[Niederkirchnerstraße|Prinz-Albrecht-Straße]] in Berlin entlassen. Anschließend fand er eine Anstellung bei der Braunkohle-Benzin AG ([[BRABAG]]), wo er jedoch weiter unter Kontrolle stand.&amp;lt;ref&amp;gt;Jakob Reitz: &amp;#039;&amp;#039;Carlo Mierendorff 1897–1943&amp;#039;&amp;#039;, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem konnte er alte Verbindungen zum Widerstand wieder aufnehmen und wurde bald neben seinem Freund und früheren Chef Leuschner zu einem der wichtigsten Anführer eines antinazistischen Netzwerks mit reichsweiter Ausdehnung. Auch schrieb er wieder, und zwar unter dem Pseudonym „Willemer“. Durch die Vermittlung von Freunden (etwa [[Adolf Reichwein]]) wurde Mierendorff seit 1941 für die Mitarbeit im engeren [[Kreisauer Kreis]] um [[Helmuth James von Moltke]] und [[Peter Graf Yorck von Wartenburg]] gewonnen. Er knüpfte u. a. Kontakte zu [[Wilhelm Canaris]] und [[Hans Oster]] und diente zudem als Bindeglied zwischen Sozialisten wie [[Julius Leber]] und dem militärischen Widerstand. Im Schattenkabinett [[Ludwig Beck (General)|Ludwig Becks]] und [[Carl Friedrich Goerdeler|Carl Goerdelers]] wurde Mierendorff als leitendes Mitglied der Propagandaabteilung eingeplant. Im Kreisauer Kreis trug er den Tarnnamen „Dr. Friedrich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 4. Dezember 1943 kam Carlo Mierendorff beim [[Luftangriff auf Leipzig]] durch die [[Royal Air Force]] ums Leben. Er wurde auf dem [[Waldfriedhof Darmstadt|Darmstädter Waldfriedhof]] (Grabstelle: L 3c 7d) beigesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Informationstafel am Haupteingang des Waldfriedhofs Darmstadt&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrungen ==&lt;br /&gt;
* Seit Juni 2002 trägt die Universität der Künste&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle|datum=2021-08-02|sprache=de|url=https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/persoenlichkeiten-und-gedenktafeln/artikel.125697.php|abruf=2025-11-30|titel=Gedenktafel für Carlo Mierendorff}}&amp;lt;/ref&amp;gt; in Berlin-Charlottenburg den Namen Carlo Mierendorff. Damit gibt es in Berlin eine Mierendorff-Straße, einen [[Mierendorffplatz]], eine Mierendorff-U-Bahnstation und eine Mierendorff-Grundschule.&lt;br /&gt;
* In [[Alsbach-Hähnlein]], [[Bensheim]], [[Bickenbach (Bergstraße)|Bickenbach]], [[Bielefeld]], Celle, Darmstadt, [[Dieburg]], [[Eppertshausen]], [[Erbach (Odenwald)]], Essen, [[Frankenthal (Pfalz)]], Frankfurt am Main, [[Fulda]], [[Gießen]], [[Ginsheim-Gustavsburg]], [[Groß-Umstadt]], [[Hildesheim]], [[Hofheim (Lampertheim)|Hofheim im Ried]], [[Kassel]], [[Koblenz]], [[Langen (Hessen)]], [[Leipzig]], [[Leverkusen]]-[[Alkenrath]], [[Mainz]], [[Monheim am Rhein]], [[Münster]], [[Nauheim]], [[Neuss]], [[Ober-Ramstadt]], [[Oelde]], [[Osthofen]], [[Reinheim]], [[Trebur]], [[Viernheim]], [[Weinheim]] und [[Worms]] sind Straßen nach Mierendorff benannt.&lt;br /&gt;
* In [[Frankfurt-Preungesheim]] ist eine [[Gesamtschule]] nach ihm benannt.&lt;br /&gt;
* In [[Mainz-Kostheim]] und in [[Griesheim]] ist eine [[Grundschule]] nach ihm benannt.&lt;br /&gt;
* In [[Darmstadt]] erinnert eine goldene Tafel mit Strahlenkrone am Standort seines ehemaligen Wohnhauses in der Hügelstraße 65 an ihn.&lt;br /&gt;
* In Leipzig wurde 2001 eine Straße im Stadtteil Ost / Anger-Crottendorf eine Straße nach Carlo Mierendorff benannt.&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.leipzig.de/rathaus/unsere-stadt/gebietsgliederung-und-strassennamen/strassennamen/strassennamenverzeichnis/strasse/projekt/mierendorffstrasse abgerufen am 30. November 2025&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Datei:Berlin HdK Mierendorff 0912.jpg|alternativtext=Berlin-Charlottenburg Hochschule der Künste|mini|Universität der Künste Carlo Mierendorff in Berlin-Charlottenburg, Foto September 2020]][[Datei:Berlin AdK Mierendorff Tafel 0917.jpg|alternativtext=Widmungstafel für Carlo Mierendorff|mini|Widmungstafel an der Universität der Künste. Foto September 2020]][[Datei:Großenhain Tunnel Mierendorff 9304.jpg|alternativtext=Fußgängertunnel in Großenhain. Foto November 2025|mini|Carlo Mierendorff gehört zur Großenhainer Freiheitsgeschichte. Graffito im Fußgängertunnel. Foto November 2025]][[Datei:Berlin U-Mierendorff-Platz 1004.jpg|alternativtext=U-Bahnhof Mierendorffplatz|mini|Berlin U-Bahn Mierendorffplatz. Foto September 2020]]In Großenhain wurde im Sommer 2025 ein Fußgänger- und Fahrradtunnel an der Elmobrücke, Meißner Straße, mit Graffiti mit Bezug zur Großenhainer Freiheitsgeschichte versehen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.museen-grossenhain.de/aktuelles-details/grossenhain-ist-bunt-oeffentliches-graffiti-style-meeting.html abgerufen am 30. November 2025&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ein Graffito stellt Carlo Mierendorff dar. Es ist in Mierendorffs Geburtsstadt der erste öffentlich sichtbare Hinweis auf diesen mutigen Menschen aus der NS-Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Dr. Mierendorff der militante Sozialdemokrat&amp;#039;&amp;#039;. In: O.B. Server: Matadore der Politik; Universitas Deutsche Verlags-Aktiengesellschaft, Berlin, 1932; S. 157ff.&lt;br /&gt;
* [[Richard Albrecht]]: &amp;#039;&amp;#039;Der militante Sozialdemokrat. Carlo Mierendorff 1897 bis 1943.&amp;#039;&amp;#039; Dietz, Berlin 1987, ISBN 3-8012-1128-2.&lt;br /&gt;
* Richard Albrecht: &amp;#039;&amp;#039;Der Rhetor Carlo Mierendorff.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Diskussion Deutsch&amp;#039;&amp;#039; 18 (1987), S. 331–350 [Dokument der Reichstagsrede Febr. 1931 S. 342ff.]&lt;br /&gt;
* Richard Albrecht: &amp;#039;&amp;#039;„Ein neues Deutschland muß entstehen“: Carlo Mierendorff.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte&amp;#039;&amp;#039;, 44 (1997) 5, S. 455–459.&lt;br /&gt;
* Richard Albrecht: &amp;#039;&amp;#039;Carlo Mierendorff (1897–1943) – Zwei biographische Texte. Essay&amp;#039;&amp;#039;. Grin Verlag, München 2007, ISBN 978-3-638-86393-3.&lt;br /&gt;
* {{BBKL|autor=Richard Albrecht|artikel=Mierendorff, Carlo|band=31|spalte=894–898}}&lt;br /&gt;
* {{NDB|17|477|479|Mierendorff, Carlo|[[Ulrich Cartarius]]|118582283}}&lt;br /&gt;
* Jakob Reitz: &amp;#039;&amp;#039;Carlo Mierendorff 1897–1943. Stationen seines Lebens und Wirkens.&amp;#039;&amp;#039; Justus-von-Liebig-Verlag, Darmstadt 1983, ISBN 3-87390-073-4.&lt;br /&gt;
* Axel Ulrich unter Mitarbeit von Angelika Arenz-Morch: &amp;#039;&amp;#039;Carlo Mierendorff kontra Hitler. Ein enger Mitstreiter Wilhelm Leuschners im Widerstand gegen das NS-Regime.&amp;#039;&amp;#039; Vorwort [[Peter Steinbach (Historiker)|Peter Steinbach]]. Hrsg. von den Landeszentralen für politische Bildung in Hessen und Rheinland-Pfalz (nur über deren Publikationsangebote beziehbar). Thrun-Verlag, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-9815040-0-2.&lt;br /&gt;
* Axel Ulrich: &amp;#039;&amp;#039;Carlo Mierendorff (1897–1943)&amp;#039;&amp;#039;, In: Angelika Arenz-Morch, [[Stefan Heinz]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Gewerkschafter im Konzentrationslager Osthofen 1933/34. Biografisches Handbuch&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung – Widerstand – Emigration&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 8). Metropol, Berlin 2019, ISBN 978-3-86331-439-2, S. 392–414.&lt;br /&gt;
* [[Peter Steinbach (Historiker)|Peter Steinbach]]: „Widerstand gegen den Nationalsozialismus - eine ,sozialistische Aktion&amp;#039;? Zum 100. Geburtstag von Carlo Mierendorff (1897–1943)“, Vortrag vor dem Gesprächskreis Geschichte der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn am 3. März 1997, abgerufen von [https://library.fes.de/fulltext/historiker/00145.htm Friedrich-Ebert-Stiftung] am 3. August 2025.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Film ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Deckname Dr. Friedrich: Carlo Mierendorff – ein Leben auf Zeit&amp;#039;&amp;#039; von [[Alfred Jungraithmayr]], 1997&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|118582283}}&lt;br /&gt;
* {{ReichstagDB|118582283|Carl Mierendorff}}&lt;br /&gt;
* [https://history.krzyzowa.pl/index.php/de/mitglieder/100-carlo-mierendorff Kurzbiografie Carlo Mierendorff] auf der Website der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung&lt;br /&gt;
* [[Peter Steinbach (Historiker)|Peter Steinbach]]: [http://library.fes.de/fulltext/historiker/00145.htm &amp;#039;&amp;#039;Widerstand gegen den Nationalsozialismus – eine „sozialistische Aktion?“ Zum 100. Geburtstag von Carlo Mierendorff.&amp;#039;&amp;#039;] In: &amp;#039;&amp;#039;[[Friedrich-Ebert-Stiftung]]&amp;#039;&amp;#039;, Reihe Gesprächskreis Geschichte, 1998.&lt;br /&gt;
* {{Biosop|Karl Mierendorff|130700}}&lt;br /&gt;
* {{Biorabw|Karl Mierendorff|9990}}&lt;br /&gt;
* {{GDW|carlo-mierendorff}}&lt;br /&gt;
* {{LAGIS|ref=nein|DB=HBN|ID=118582283|titel=Mierendorff, Carlo|datum=2024-04-25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118582283|LCCN=n/84/83375|VIAF=10637980}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Mierendorff, Carlo}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:SPD-Mitglied]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person (Kreisauer Kreis)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Häftling im KZ Börgermoor]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied im Reichsbanner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Goerdeler-Kreis]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1897]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1943]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Häftling im KZ Lichtenburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Häftling im KZ Buchenwald]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Mierendorff, Carlo&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Mierendorff, Carl (wirklicher Name); Willmer, Karl (Pseudonym); Friedrich, Dr. (Pseudonym)&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Politiker (SPD), MdR und Journalist&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=24. März 1897&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Großenhain]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=4. Dezember 1943&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Leipzig]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;WiesbAdler</name></author>
	</entry>
</feed>