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	<title>Carl Jacobj - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;19 fehlende Sprachparameter eingefügt; 18 Datumsparameter konvertiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Johann Carl Jacobj&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[12. September]] [[1857]] in [[Hamburg]]; † [[16. Februar]] [[1944]] in [[Tübingen]]) war ein deutscher Arzt und [[Professor#Universitätsprofessoren|Universitätsprofessor]] für [[Pharmakologie]]. Er gehörte zu jener ersten Generation von Schülern [[Oswald Schmiedeberg]]s, durch welche die neue, maßgeblich von [[Rudolf Buchheim]] und Schmiedeberg begründete experimentell forschende Pharmakologie weltweit ausstrahlte.&lt;br /&gt;
[[Datei:Carl Jacobj.jpg|mini|Carl Jacobj, um 1890]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Carl Jabcobjs Eltern waren der Kaufmann Friedrich Wilhelm Jacobj und seine Frau Anna geb. Weber, die aus einer Familie mit mehreren Ärzten und Naturwissenschaftlern stammte. Der Kaufmann [[Johann Carl Jacobj]] war sein Großvater. Die Schule bereitete ihm Schwierigkeiten, und erst nach zweimaligem Wechsel des Gymnasiums von der [[Gelehrtenschule des Johanneums]] in Hamburg nach [[Braunschweig]] und dann ans [[Ernestinum Rinteln|Ernestinum]] nach [[Rinteln]] bestand er mit 23 Jahren die [[Abitur]]prüfung. Er studierte in [[Göttingen]], [[Leipzig]], Tübingen und [[Straßburg]] Medizin. In Straßburg legte er 1887 das Staatsexamen ab und wurde 1888 mit einer von Oswald Schmiedeberg betreuten [[Dissertation]] „Über Eisenausscheidung aus dem Thierkörper nach subcutaner und intravenöser Injektion“ zum Dr.&amp;amp;nbsp;med. [[Promotion (Doktor)|promoviert]]. Er blieb zunächst an Schmiedebergs Institut, wo er sich 1891 für Pharmakologie, [[Toxikologie]] und Arzneiverordnung [[Habilitation|habilitierte]]. 1889 heiratete er Helene Distel (1868–1955), mit der er eine Tochter und einen Sohn hatte. Der Sohn, Walther Jacobj (1890–1965), war später Direktor des Anatomischen Instituts Tübingen.&amp;lt;ref&amp;gt;H. Feneis: &amp;#039;&amp;#039;Walther Jacobj (22.11.1890–2.6.1965) zum Gedächtnis.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Attempto. Nachrichten für die Freunde der Universität Tübingen e.V.&amp;#039;&amp;#039; 16, 1965, S. 80.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1897 arbeitete Carl Jacobj am [[Kaiserliches Gesundheitsamt|Kaiserlichen Gesundheitsamt]] in Berlin, wechselte aber im selben Jahr auf den Lehrstuhl für Pharmakologie der [[Georg-August-Universität Göttingen]], den er zehn Jahre innehatte. 1907 berief ihn die [[Württemberg]]ische Landesregierung als Lehrstuhlinhaber an das neu gegründete Pharmakologische Institut der [[Eberhard Karls Universität Tübingen]], das in der ehemaligen Augenklinik untergebracht wurde, Wilhelmstraße 26, gegenüber dem [[Tübingen#Parks und Friedhöfe|Alten Botanischen Garten]]. Jacobj richtete es ein. 1927 wurde er emeritiert, durfte aber Stiftungsgelder, die er erhalten hatte, für wissenschaftliche Ziele weiter frei verwenden; er nutzte sie zum Beispiel für Versuche zur Durchblutung isolierter Organe. Am 16. Februar 1944 gestorben, wurde er auf dem Tübinger [[Stadtfriedhof Tübingen|Stadtfriedhof]] bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Religiöse und politische Überzeugungen ==&lt;br /&gt;
Jacobj stammte aus einem [[Evangelische Kirche|evangelisch]] geprägten Elternhaus, war aber kein regelmäßiger Kirchgänger. Er dachte strikt deutschnational und trat 1919 in die zum rechten Flügel gehörende [[Württembergische Bürgerpartei]] ein. Damit verbunden war ein in der Tübinger Universität eingewurzelter „abgrenzender“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trendelenburg&amp;quot;&amp;gt;U. Trendelenburg: &amp;#039;&amp;#039;Verfolgte deutschsprachige Pharmakologen 1933–1945.&amp;#039;&amp;#039; Dr.  Schrör Verlag, Frechen 2006, ISBN 3-9806004-7-5.&amp;lt;/ref&amp;gt;, „christlicher“&amp;lt;ref&amp;gt;Sylvia Paletschek: &amp;#039;&amp;#039;Die permanente Erfindung einer Tradition. Die Universität Tübingen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Contubernium. Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte.&amp;#039;&amp;#039; Band 53. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2001, hier S. 316.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Antisemitismus (bis 1945)|Antisemitismus]], der ihn etwa in einer „Chronik“ für seine Nachkommen über den Verlag F.C.W. Vogel in Leipzig schreiben ließ, dass „ihn die jüdische Firma [[Julius Springer]] aufsog“ und ihn Zitierungen des seinem jüdischen Glauben treuen berühmten Toxikologen [[Louis Lewin]] vermeiden ließ.&amp;lt;ref&amp;gt;Sabine Waldmann-Brun: [http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2008/3285/ &amp;#039;&amp;#039;Carl Jacobj – Leben und Werk.&amp;#039;&amp;#039;] Dissertation, Universität Tübingen 2008, S. 65–70.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Ullrich Trendelenburg]] hat in seinem Buch „Verfolgte deutschsprachige Pharmakologen 1933–1945“ darauf hingewiesen, dass es Anfang der 1930er Jahre in Tübingen keinen einzigen jüdischen Ordinarius oder Privatdozenten gab, und das „war die Folge des Antisemitismus der Mehrzahl der Tübinger Hochschullehrer“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Trendelenburg&amp;quot; /&amp;gt; Jacobj gehörte zu dieser Mehrzahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschung ==&lt;br /&gt;
In seinem Beruf am meisten beeinflusst haben Jacobj ein Großonkel mütterlicherseits, der Physiker [[Wilhelm Eduard Weber]] in Göttingen, ein Onkel mütterlicherseits, der Physiker [[Heinrich Weber (Physiker)|Heinrich Weber]] (1839–1928) in Braunschweig, sodann der Physiologe [[Carl Ludwig (Mediziner)|Carl Ludwig]] in Leipzig und der Pharmakologe Oswald Schmiedeberg in Straßburg. In seiner Tübinger Antrittsvorlesung hat er das Programm des neuen Faches vorgestellt, seine Selbständigkeit, seine Beziehung zur Physiologie und Toxikologie und seine Bedeutung für den Unterricht der Medizinstudenten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Karl-Friedrich Sewing |url=http://www.biospektrum.de/sixcms/detail.php?template=d_bs_pdf&amp;amp;_id=973648 |titel=Zurück zu den Anfängen. Die Antrittsvorlesung von Carl Jacobj vor 100 Jahren. |werk=Biospektrum |datum=2008 |seiten=769–770 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20160607033457/http://www.biospektrum.de/sixcms/detail.php?template=d_bs_pdf&amp;amp;_id=973648 |archiv-datum=2016-06-07 |abruf=2024-06-01 |sprache=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jacobj hat sich mit vielen Themen auseinandergesetzt; sechsundzwanzig zählt seine Biographin. Einige waren zeitverhaftet, nämlich durch Tagesaktualitäten veranlasst oder übermäßig spekulierend, etwa die Nützlichkeit oder Schädlichkeit des Alkoholtrinkens; die Brauchbarkeit eines neuen Mittels unbekannter Zusammensetzung gegen den [[Diabetes mellitus]]; die Wirkungsweise des 1902 als [[Schlafmittel]] eingeführten [[Barbital|Veronals]], das ihm ein Mittel „bei konsumptiven Krankheiten mit schlechtem Fettpolster“ zu sein schien;&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=C. Jabobj |date=1911 |title=Untersuchungen zur Pharmakologie des Veronals. Teil III. Die Eigenart der Veronalwirkung, eine Folge seiner specifischen Lähmungswirkung auf die Gefäßwand |journal=[[Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie]] |volume=66 |pages=296–312 |doi=10.1007/BF01862264 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; die Nierenfunktion&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=C. Jacobj |date=1911 |title=Zur Mechanik der Nierensekretion |journal=Münchener Medizinische Wochenschrift |volume=58 |pages=1902–1906 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; – „geradezu abenteuerliche Vorstellungen“;&amp;lt;ref&amp;gt;Margitta Albinus und Hertmut Osswald: &amp;#039;&amp;#039;Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Medizinische Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.&amp;#039;&amp;#039; In: Athineos Philippu: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte und Wirken der pharmakologischen, klinisch-pharmakologischen und toxikologischen Institute im deutschsprachigen Raum.&amp;#039;&amp;#039; Berenkamp-Verlag, Wattens 2004, S. 600–609. ISBN 3-85093-180-3.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Flechte]]n als Nahrungsmittel im Mangel des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]]; [[Kokain]] zur Leistungssteigerung von Soldaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über seine Zeit hinaus wirkten Arbeiten über die Beziehung zwischen [[Nebenniere]]n und Darm, über das [[Mutterkorn]], über [[Hirudin]] und über die Durchströmung isolierter Organe mit sauerstoffgesättigtem Blut.&lt;br /&gt;
=== Kokain ===&lt;br /&gt;
Das Kokain begleitete ihn durch sein Forscherleben. In einer seiner letzten Veröffentlichungen erzählt er 1931, er sei schon 1885 auf die Leistungssteigerung durch Kokain aufmerksam gemacht worden. „Es wurde dies später für mich Veranlassung, mich als Assistent am Pharmakologischen Institut zu Straßburg mit dieser Frage eingehender zu beschäftigen, nachdem ich auf anstrengenden Hochgebirgstouren bei eintretender Erschöpfung an mir selbst und Freunden Gelegenheit gehabt hatte, mich wiederholt von der überraschenden günstigen Wirkung solcher kleiner Kokaingaben zu überzeugen.“ Er weist dann mittels einer von ihm 1893 vorgestellten Messapparatur nach, dass Kokain die Erkennung von Gewichtsunterschieden – aus heutiger (2012) Sicht die [[Tiefensensibilität]] – verbessert. Das Wissen hinzuziehend, dass Kokain Gewebe gegenüber [[Adrenalin]] sensibilisiert, schreibt er schließlich die Leistungssteigerung durch Kokain einer Verbesserung der Durchblutung des Gehirns zu. „Kann man nun die so überraschenden Wirkungen bei Erschöpfungszuständen auch durch kleine, am Normalen wirkungslose Kokaingaben in der dargelegten Weise erklären und auf physiologische Grundlagen zurückführen, so dürfte man wohl kaum noch Veranlassung haben, Bedenken zu tragen, den Versuch zu machen, diese wertvolle Wirkung in geeigneten und dringenden Fällen auch nutzbar zu machen, zumal ja ein umfangreiches Tatsachenmaterial für die gefahrlose Anwendung solch kleiner Kokaingaben vorliegt.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=C. Jabobj und Lothar Loeffler |date=1931 |title=Die peripheren Wirkungen des Kokains und ihre Bedeutung für die Erklärung des Kokakauens der Indianer |journal=Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=159 |pages=495–515 |doi=10.1007/BF01862497 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Ansicht und Empfehlung trug Jacobj auch in Vorlesungen und 1913 und 1929 gegenüber Militärs vor; dabei verteilte er mit 10 mg Kokain getränkte Filterpapierstreifen zum Selbstversuch.&amp;lt;ref&amp;gt;Sabine Waldmann-Brun: [http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2008/3285/ &amp;#039;&amp;#039;Carl Jacobj – Leben und Werk.&amp;#039;&amp;#039;] Dissertation, Universität Tübingen 2008, S. 142–149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sowohl im Mechanismus der Leistungssteigerung als auch in der Empfehlung für die Praxis irrte er.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Aktories, U. Förstermann, F. Hofmann und K. Starke: &amp;#039;&amp;#039;Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.&amp;#039;&amp;#039; 10. Auflage, München, Elsevier GmbH 2009, hier S. 187 und 338. ISBN 978-3-437-42522-6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Nebennieren und Darmbewegungen ===&lt;br /&gt;
Bei seinen 1892 publizierten Versuchen „zur physiologischen und pharmakologischen Kenntnis der Darmbewegungen“&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=C. Jacobj |date=1892 |title=Beiträge zur physiologischen und pharmakologischen Kenntnis der Darmbewegungen mit besonderer Berücksichtigung der Beziehung der Nebenniere zu denselben |journal=Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=29 |pages=171–211 |doi=10.1007/BF01966116 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; fand Jacobj, dass der Darm von Kaninchen, die einige Tage gehungert hatten, sich nicht bewegte und selbst bei Reizung des [[Nervus vagus]] keine [[Peristaltik]] zeigte. Er vermutete, dies könnte auf einer Hemmung durch den [[Sympathikus]] beruhen, besonders durch Zweige des Sympathikus zu den [[Nebenniere]]n. In der Tat löste Reizung der Nervus vagus bei den „Hungerthieren“ nach Entfernung der Nebennieren Peristaltik aus. Außerdem unterdrückte elektrische Reizung der Nebennieren Darmbewegungen prompt. Die Arbeit war Jacobjs Habilitationsschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;Gerhard Schmidt: &amp;#039;&amp;#039;Zentrum Pharmakologie und Toxikologie, Medizinische Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen.&amp;#039;&amp;#039; In: Athineos Philippu: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte und Wirken der pharmakologischen, klinisch-pharmakologischen und toxikologischen Institute im deutschsprachigen Raum.&amp;#039;&amp;#039; Berenkamp-Verlag, Wattens 2004, S. 242–255. ISBN 3-85093-180-3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Man hat sie als den „ersten indirekten Nachweis der Funktion des Nebennierenmarks als einer endokrinen Drüse“ bezeichnet, zwei Jahre vor dem berühmten Nachweis der Blutdruckwirkung von Nebennierenextrakten durch [[George Oliver (Mediziner)|George Oliver]] und [[Edward Albert Sharpey-Schafer]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=Stephen W. Carmichael |date=1989 |title=The history of the adrenal medulla |journal=Reviews in Neurosciences |volume=2 |pages=83–99 |doi=10.1515/REVNEURO.1989.2.2.83 |language=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedoch dachte Jacobj nicht an ein chemisches Signal aus den Nebennieren, also in heutigem Wortgebrauch ein [[Hormon]], sondern an eine Nervenverbindung von den Nebennieren zum Darm, „Hemmungsbahnen für die Darmbewegung“. Jacobjs Publikation beeinflusste spätere Forscher wie [[Paul Trendelenburg]]. Den heutigen Leser können seine [[Tierversuch]]e verstören. „Da ich bei den vorliegenden Versuchen … darauf bedacht sein musste, alle abnormen, die Bewegungsvorgänge eventuell verzögernden Einflüsse soweit möglich auszuschliessen, so war ich deshalb leider auch genöthigt, auf das Narkotisieren der Thiere zu verzichten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mutterkorn ===&lt;br /&gt;
In Straßburg hatte sich [[Rudolf Kobert]] ab 1884 mit Mutterkornextrakten beschäftigt&amp;lt;ref&amp;gt;Starke 1998, S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ab 1886 in Dorpat.&amp;lt;ref&amp;gt;Erhard: &amp;#039;&amp;#039;Über die Wirkung des Cornutin.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Centralblatt für Gynäkologie.&amp;#039;&amp;#039; Band 10, Nr. 20, 15. Mai 1886, S. 309 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von ihm ging Jacobj aus.&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=C. Jabobj |date=1897 |title=Das Sphacelotoxin, der specifisch wirksame Bestandtheil des Mutterkorns |journal=Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=39 |pages=85–143 |doi=10.1007/BF01825327 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Extrakte enthielten eine Vielzahl aktiver Stoffe, und von Extrakt zu Extrakt wechselten die (unbekannte) Zusammensetzung, die Wirkung und die Benennung. Koberts wie Jacobjs Ergebnisse waren Schritte zur Klarheit. Mit Koberts wehenförderndem &amp;#039;&amp;#039;Cornutin&amp;#039;&amp;#039; und Jacobjs &amp;#039;&amp;#039;Chrysotoxin&amp;#039;&amp;#039; hat 1906 [[Henry Hallett Dale]] seine wegweisende Untersuchung „On some physiological actions of ergot“ durchgeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=H.H. Dale |date=1906 |title=On some physiological effects of ergot |journal=[[The Journal of Physiology]] |volume=34 |pages=163–206 |pmc=1465771 |language=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Zur Situation in seiner Zeit schreibt Dale in der Einleitung (aus dem Englischen): „Die Einführung neuer Namen auf der Grundlage physiologischer Ergebnisse ohne chemische Isolierung der Wirkstoffe würde die bestehende Konfusion unvermeidlich verschlimmern, und ich habe es für besser gehalten, von den Wirkungen des ‚Mutterkorns‘ zu sprechen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hirudin ===&lt;br /&gt;
Im Jahr 1884 hatte der britische Physiologe John Berry Haycraft (1857–1922) in Schmiedebergs Labor in Straßburg entdeckt, dass Extrakte aus dem [[Medizinischer Blutegel|Medizinischen Blutegel]] bzw. aus dessen Munddrüsen die [[Hämostase|Blutgerinnung]] hemmten.&amp;lt;ref&amp;gt;Starke 1998, S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jacobj und seine Göttinger Mitarbeiter griffen die Entdeckung auf.&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=Friedrich Franz |date=1903 |title=Ueber den die Blutgerinnung aufhebenden Bestandltheil des medicinischen Blutegels |journal=Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=49 |pages=342–366 |doi=10.1007/BF01825055 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=Andreas Bodong |date=1905 |title=Über Hirudin |journal=Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=52 |pages=242–261 |doi=10.1007/BF01837789 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Jacobj nannte die wirksame Substanz Herudin oder Hirudin. Er erhielt ein Patent auf die Herstellung, und Hirudin wurde dann kommerziell vertrieben. An eine Anwendung bei Menschen dachte man damals nicht, doch war Hirudin zur Verhinderung der Blutgerinnung in physiologischen Experimenten von unschätzbarem Wert (s.&amp;amp;nbsp;u.), allerdings so teuer, dass die Forscher es lieber selbst herstellten, „gemäß der Methode von Jacobj und seinen Schülern …, die uns viel wertvolles Wissen über die Substanz geliefert haben“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=John J. Abel, Leonard G. Rowntree und B.B. Turner |date=1914 |title=On the removal of diffusible substances from the circulating blood of living animals by dialysis |journal=[[Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics]] |volume=5 |pages=275–316 |url=http://jpet.aspetjournals.org/content/5/3/275.full.pdf+html |language=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis zur Reindarstellung und Strukturaufklärung dauerte es noch über ein halbes Jahrhundert,&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=Götz Nowak und [[Karsten Schrör]] |date=2007 |title=Hirudin – the long and stony way from an anticoagulant peptide in the saliva of medicinal leech to a recombinant drug and beyond |journal=Thrombosis and Haemostatis |volume=98 |pages=116–119 |doi=10.1160/TH07-05-0364 |language=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt; während dessen die frühe Geschichte mit Haycraft und Jacobj zuweilen vergessen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=Klaus Starke |date=1989 |title=The beginnings of hirudin |journal=[[Trends in Pharmacological Sciences]] |volume=10 |pages=99 |doi=10.1016/0165-6147(89)90202-2 |language=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durchströmungsapparat ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery perrow=&amp;quot;2&amp;quot; align=&amp;quot;center&amp;quot; caption=&amp;quot;Jacobjs Durchströmungsapparat von 1890&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jacobj Apparat Zeichnung.jpg|Zeichnung&lt;br /&gt;
Jacobj Apparat Foto.jpg|Photo; wahrscheinlich erste Photographie eines Durchströmungskreislaufs&amp;lt;ref name=&amp;quot;Böttcher&amp;quot;&amp;gt;B. Böttcher, F. Merkle und H.H. Weitkemper: &amp;#039;&amp;#039;Historische Entwicklung des kardiopulmonalen Bypasses von der Idee bis zur klinischen Anwendung.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Kardiotechnik&amp;#039;&amp;#039; 2, 2003. S. 44–54.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Über Jabobjs Lebenszeit hinaus wiesen schließlich seine Bemühungen, Organe durch künstliche Durchströmung mit Blut optimal lebend zu erhalten. Wie beim Mutterkorn und beim Hirudin hatte das Thema in Straßburg Tradition.&amp;lt;ref&amp;gt;Starke 1998, S. 24–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort hatte Waldemar von Schröder (1850–1898) geschrieben:&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=W. v. Schröder |date=1882 |title=Ueber die Bildungsstätte des Harnstoffs |journal=Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=15 |pages=364–402 |doi=10.1007/BF01830854 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; „Wenn wir die einzelnen Organe durch einen künstlichen Blutstrom lebend erhalten wollen, müssen wir die Bedingungen möglichst denen des normalen Kreislaufs gleich zu machen suchen.“ Jacobj, der für seine Versuche mit Hirudin ungerinnbar gemachtes Blut verwendete, konstruierte seinen ersten Apparat 1890,&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=C. Jabobj |date=1890 |title=Apparat zur Durchblutung isolierter überlebender Organe |journal=Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=26 |pages=388–400 |doi=10.1007/BF01831215 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; verbesserte ihn 1895&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=C. Jabobj |date=1895 |title=Ein Beitrag zur Technik der künstlichen Durchblutung überlebender Organe |journal=Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=36 |pages=330–348 |doi=10.1007/BF01824318 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und vollendete ihn 1928 mit dem von ihm so genannten „Pneumohämatisator“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Jacobj&amp;quot;&amp;gt;{{cite journal |author=C. Jabobj |date=1928 |title=Weitere Beiträge zur Methode der Durchblutung isolierter überlebender Organe. Teil I: Ein neuer Durchblutungsapparat mit Lungenatmung (Pneumohämatisator) |journal=Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=136 |pages=203–223 |doi=10.1007/BF01862151 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite journal |author=C. Jabobj |date=1928 |title=Weitere Beiträge zur Methode der Durchblutung isolierter überlebender Organe. Teil II: Die Technik der Durchblutung mit dem neuen Apparat |journal=Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=136 |pages=224–238 |doi=10.1007/BF01862152 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;JacobjLoeffler&amp;quot;&amp;gt;{{cite journal |author=C. Jabobj und Lothar Loeffler |date=1928 |title=Weitere Beiträge zur Methode der Durchblutung isolierter überlebender Organe. Teil III: Untersuchungen über die Mechanik der Harnsekretion an der überlebenden, künstlich durchbluteten Niere |journal=Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie |volume=136 |pages=300–330 |doi=10.1007/BF01861626 |language=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Pneumohämatisator wird „das isolierte Organ … durch einen künstlichen Kreislauf … versorgt, wobei die Blutzirkulation durch eine Zwillingspumpe entsprechend dem rechten und linken Herzen bewirkt wird. Die Arterialisierung erfolgt in einer überlebenden, künstlich beatmeten Lunge. Zur Durchblutung der Organe wird unverdünntes, arteigenes Blut benutzt, dessen pulsierender Strom beliebig auf einen bestimmten Druck und auf eine bestimmte Pulszahl und -amplitude eingestellt werden kann.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Jacobj&amp;quot; /&amp;gt; Das Blut wurde durch [[Fibrin|Defibrinierung]] oder Hirudin ungerinnbar gemacht. In der letzten Publikation zum Thema schrieb Jacobj:&amp;lt;ref name=&amp;quot;JacobjLoeffler&amp;quot; /&amp;gt; „&amp;lt;Die Versuche&amp;gt; dürften gezeigt haben, daß mit dem Apparat durchblutete isolierte Nieren die vollen Lebenseigenschaften ihrer gesamten Gewebe wieder gewinnen, so daß sie ihre sekretorische Tätigkeit wieder aufzunehmen und auch in typischer Weise auf [[Coffein]] mit Steigerung ihrer Funktion zu reagieren vermögen, wie sich dies auch im mikroskopischen Bilde deutlich nachweisen ließ. Man wird daraufhin den Apparat wohl als allen wesentlichen Anforderungen, die an einen allgemein verwertbaren Durchblutungsapparat zu stellen sind, genügend betrachten dürfen, so daß mit ihm physiologische und pharmakologische Fragen an den verschiedensten isolierten Organen erfolgreich sich werden untersuchen lassen.“ Die Biologen nutzten den Apparat für ihre Forschung.&amp;lt;ref&amp;gt;Leopold Ther: &amp;#039;&amp;#039;Pharmakologische Methoden.&amp;#039;&amp;#039; Stuttgart, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 1949, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber auch zur Entwicklung von klinischen [[Herz-Lungen-Maschine]]n haben Jacobjs Ansätze beigetragen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Böttcher&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mitgliedschaften ==&lt;br /&gt;
* {{Leopoldina|IDName=carl-jabobj|Name=Carl Jacobj|Weblink=1|Datum=2. November 2022}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* {{NDB|10|239|240|Jacobj, Carl|Paul Pulewka|121296261}}&lt;br /&gt;
* Klaus Starke: &amp;#039;&amp;#039;A history of Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Naunyn-Schmiedeberg&amp;#039;s Archives of Pharmacology]]&amp;#039;&amp;#039;. 358, 1998, S. 1–109. ([[doi:10.1007/PL00005229]])&lt;br /&gt;
* Sabine Waldmann-Brun: [http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2008/3285/ &amp;#039;&amp;#039;Carl Jacobj – Leben und Werk.&amp;#039;&amp;#039;] Dissertation, Universität Tübingen 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=121296261|LCCN=n2019183597|VIAF=143149196255674790422}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Jacobj, Carl}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pharmakologe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hochschullehrer (Eberhard Karls Universität Tübingen)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hochschullehrer (Georg-August-Universität Göttingen)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hochschullehrer (Universität Straßburg)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1857]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1944]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Jacobj, Carl&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Jacobj, Johann Carl (vollständiger Name)&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Arzt und Pharmakologe&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=12. September 1857&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Hamburg]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=16. Februar 1944&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Tübingen]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
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