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	<title>Birkenpech - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-04T05:28:47Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Birkenpech&amp;diff=195509&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Gerbil: /* Verwendung */  erg.</title>
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		<updated>2026-04-11T10:58:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Verwendung: &lt;/span&gt;  erg.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Birkenpech.JPG|mini|Im Eintopfverfahren hergestelltes Birkenpech, bestehend aus Teer und veraschter Rinde.]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Birkenpech&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist ein [[Pech (Stoff)|Pech]], und damit ein schwarzer, [[Holzteer|teerartiger]] Rückstand einer [[Destillation]], der aus der [[Birkenrinde]] gewonnen und seit der [[Urgeschichte]] als vielseitiger [[Klebstoff]] (besonders bei der [[Schäftung (Vor- und Frühgeschichte)|Schäftung]]) verwendet wurde. Eine Vorstufe bei der Destillation von Birkenpech ist &amp;#039;&amp;#039;Birkenteer&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch zum Abdichten von [[Kanu]]s und [[Schiff]]en wurde es genutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archäologische Belege aus der Steinzeit ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Ötzi Arrowhead 12.tif|mini|Eine von Ötzis Pfeilspitzen, die mit Birkenpech am Schaft befestigt wurde.]]&lt;br /&gt;
Bereits in den 1960er Jahren wurden bei Ausgrabungen am Fundplatz [[Königsaue]] bei [[Aschersleben]]/Sachsen-Anhalt zwei in die mittlere [[Altsteinzeit]] datierende Pechstücke entdeckt. Das geologische Alter der Fundschichten wurde mit mindestens 80.000 Jahren angegeben. Zwei [[Radiokarbonmethode|Beschleunigerdaten]] aus Oxford für das Pech lieferten stattdessen Werte von 43.800 ±&amp;amp;nbsp;2.100&amp;amp;nbsp;[[Before Present|BP]] und 48.400 ±&amp;amp;nbsp;3.700&amp;amp;nbsp;BP.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Judith M. Grünberg, Heribert Graetsch, Ursula Baumer, Johann Koller |Titel=Untersuchung der mittelpaläolithischen „Harzreste“ von Königsaue, Ldkr. Aschersleben-Staßfurt |Sammelwerk=Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte |Band=81 |Datum=1999 |ISBN=3-910010-43-1 |Seiten=7–38 |Online=https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/jsmv/article/view/84040/78410}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Johann Koller, Ursula Baumer, Dietrich Mania |Titel=High-Tech in the Middle Palaeolithic: Neandertal-manufactured Pitch Identified |Sammelwerk=European Journal of Archaeology |Band=4 |Datum=2001 |ISSN=1461-9571 |Seiten=385–397 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Judith M. Grünberg |Titel=Middle Palaeolithic birch-bark pitch |Sammelwerk=Antiquity |Band=76 |Datum=2002 |ISSN=0003-598X |Seiten=15–16 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Christina Neubacher, Heiko Breuer |url=http://www.lda-lsa.de/landesmuseum_fuer_vorgeschichte/fund_des_monats/2005/januar/ |titel=Pech für den Hobbychemiker |werk=Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt |datum=2005-01 |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20120707191145/http://www.lda-lsa.de:80/landesmuseum_fuer_vorgeschichte/fund_des_monats/2005/januar |archiv-datum=2012-07-07 |abruf=2024-10-17}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf insgesamt 83 Feuersteingeräten eines [[Mittelpaläolithikum|mittelpaläolithischen]] Fundplatzes bei [[Inden/Altdorf]] im Rheinischen Braunkohlengebiet, der in die [[Eem-Warmzeit]] vor etwa 120.000 Jahren datiert, wurden organische Residuen identifiziert. Mittels einer Kombination von optischer Mikroskopie, [[Rasterelektronenmikroskop]]ie (REM) sowie [[Energiedispersive Röntgenspektroskopie|energiedispersiver Röntgenspektroskopie]] (EDX) erfolgte die Bestimmung der Residuen als Birkenpech, deren im REM erkennbare Strukturen der Proben sowie der EDX-Spektren sich sehr gut mit Resten auf [[mittelsteinzeit]]lichen und [[jungsteinzeit]]lichen [[Artefakt (Archäologie)|Artefakten]] und experimentell erzeugten Birkenpechen vergleichen ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Alfred Pawlik, Jürgen Thissen |Titel=Birkenpechgewinnung und Rentierjagd im Indetal |Sammelwerk=[[Archäologie im Rheinland]] |Verlag=Theiss |Datum=2008 |ISSN=0935-9141 |Seiten=41–44}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Jürgen Thissen, Alfred Pawlik |Titel=Steingeräte mit Birkenpechresten. Ältester Klebstoff Mitteleuropas |Sammelwerk=Archäologie in Deutschland |Nummer=3 |Datum=2010 |ISSN=0176-8522 |Seiten=4}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Pawlik und Thissen&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Alfred Pawlik, Jürgen Thissen |Titel=Hafted armatures and multi-component tool design at the Micoquian site of Inden-Altdorf, Germany |Sammelwerk=Journal of Archaeological Science |Band=38 |Datum=2011 |Seiten=1699–1708 |Sprache=en |DOI=10.1016/j.jas.2011.03.001}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit derselben Methode wurden ca. 30.000 Jahre alte [[Stichel (Archäologie)|Stichel]] aus der [[Aurignacien]]-Fundstelle [[Les Vachons]] in Frankreich als mit Birkenpech geschäftete Projektilspitzen identifiziert.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Robert Dinnis, Alfred Pawlik, Claire Gaillard |Titel=Bladelet cores as weapon tips? Hafting residue identification and micro-wear analysis of carinated burins from the late Aurignacian of Les Vachons, France |Sammelwerk=Journal of Archaeological Science |Band=36 |Datum=2009 |Seiten=1922–1934 |Sprache=en |DOI=10.1016/j.jas.2009.04.020}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mit Abstand älteste Beleg für Birkenpechherstellung und -verwendung stammt aus Campitello in Italien (oberes [[Arno (Tyrrhenisches Meer)|Arnotal]]). Es handelt sich um zwei Steinartefakte mit anhaftendem Birkenpech, die vor das MIS 6 ([[Sauerstoff-Isotopenstufe|Marine Isotope Stage]]) und damit auf über 200.000 Jahre vor heute datiert wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Paul Peter Anthony Mazza, Fabio Martini, Benedetto Sala et al. |Titel=A new Palaeolithic discovery: tar-hafted stone tools in a European Mid-Pleistocene bone-bearing bed |Sammelwerk=Journal of Archaeological Science |Band=33 |Nummer=9 |Datum=2006 |Seiten=1310–1318}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Birkenpech wurde an zahlreichen Lager- und Siedlungsplätzen der [[Mittelsteinzeit]] (etwa 9600 bis 5500/4500 v.&amp;amp;nbsp;Chr.) und [[Jungsteinzeit]] (etwa 5500 bis 2200 v.&amp;amp;nbsp;Chr.) gefunden. Hier kann beim Auffinden von Schäftungsresten in der Größenordnung einiger Milligramm eine Analyse mittels [[Gaschromatographie]] erfolgen, wobei der [[Betulin]]-Nachweis die eindeutige Materialzuordnung als Birkenpech erlaubt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Herbert Funke |Titel=Chemisch-analytische Untersuchungen verschiedener archäologischer Funde |Verlag=Universität Hamburg |Ort=Hamburg |Datum=1969 |Kommentar=Dissertation}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Birkenpech kann als der erste systematisch hergestellte [[Kunststoff]] der Menschheit bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[kupfersteinzeit]]liche Mann vom Tisenjoch, auch [[Ötzi]] genannt, der zwischen 3359 und 3105&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;Chr. starb und in der Neuzeit als Gletschermumie aufgefunden wurde, befestigte die [[Pfeilspitze|Spitzen]] aus [[Feuerstein]] auf den [[Pfeil (Geschoss)#Schaft|Pfeilschäften]] aus den Ästen des [[Wolliger Schneeball|Wolligen Schneeballs]] mittels [[Pflanzenfaser]]n und Birkenpech.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In anderen Regionen, in denen keine Birken vorkommen, benutzten die Menschen andere Pflanzen mit ähnlichen Eigenschaften zur Herstellung von Pech. [[Álvar Núñez Cabeza de Vaca]] beschreibt in seinem Buch &amp;#039;&amp;#039;[[Die Schiffbrüche des Álvar Núñez Cabeza de Vaca]],&amp;#039;&amp;#039; dass Mitglieder seiner Expedition in der Lage waren, aus den Bäumen der Subtropen Pech herzustellen. Damit haben sie die selbst gebauten Boote [[Kalfatern|abgedichtet]], mit denen sie 1528 von Florida an der Küste entlang bis nach Texas gesegelt sind.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Álvar Núñez Cabeza de Vaca |Titel=Schiffbrüche: Bericht über die Unglücksfahrt der Narváez-Expedition nach der Südküste Nordamerikas 1527–1536 |Auflage=2 Verlag=Renner |Ort=Haar bei München |Datum=1963 |Seiten=44}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einfache Herstellung von Birkenpech – Entstehungsgeschichte der Technik ==&lt;br /&gt;
Versuche haben gezeigt, dass innerhalb einer Feuerstelle ohne die Hilfe eines keramischen Gefäßes kleinere Mengen an brauchbarem Birkenpech entstehen können. Auch [[Keramik|akeramische]] steinzeitliche Kulturen konnten so ausreichende Mengen von Birkenpech herstellen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;GfU16&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Forscher der Universität Leiden erklären, standen bereits den Neandertalern verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um Birkenpech herzustellen. Zudem stellten sie fest, dass der Temperaturbereich, in dem Birkenpech hergestellt werden kann, zwischen 200 und 500 °C liegt und damit ohne gezielte Temperaturkontrolle durch steinzeitliche Feuerstellen erreicht werden konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=P. R. B. Kozowyk, M. Soressi, D. Pomstra, G. H. J. Langejans |Titel=Experimental methods for the Palaeolithic dry distillation of birch bark: implications for the origin and development of Neandertal adhesive technology |Sammelwerk=Scientific Reports |Band=7 |Nummer=1 |Datum=2017-08-31 |ISSN=2045-2322 |Online=https://www.nature.com/articles/s41598-017-08106-7 |Abruf=2017-09-01 |DOI=10.1038/s41598-017-08106-7}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Neuere Untersuchungen aus dem Jahre 2019 kamen hingegen zu dem Schluss, dass brauchbare Mengen an Birkenpech schon durch das Verbrennen von Birkenrinde nahe Stein- oder Knochenoberflächen hergestellt werden können (Kondensationsmethode).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Blessing&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Schmidt, P., Blessing, M., Rageot, M., Iovita, R., Pfleging, J., Nickel, K. G.; Righetti, L. &amp;amp; Tennie, C. |Titel=Birch tar extraction does not prove Neanderthal behavioral complexity |Sammelwerk=PNAS |Datum=2019-08-19 |DOI=10.1073/pnas.1911137116}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese sehr einfache Technik kann demnach (z.&amp;amp;nbsp;Zt.) als Ursprung der Birkenpechfunde aus dieser Zeit nicht ausgeschlossen werden und ist daher vermutlich die Technik, die zur Entdeckung von Birkenpech geführt hat – weil die Entstehung rein zufällig geschehen kann.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Blessing&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Make It Primitive |url=https://www.youtube.com/watch?v=_2Q3wNVkPAU |titel=Making primitive birch tar glue, the simple way |werk=YouTube |datum=2020-09-21 |abruf=2021-06-25}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Gegen Ende ihrer Präsenz in Europa nutzten Neandertaler allerdings eine aufwendigere Technik, um Birkenpech herzustellen. Die Herstellungstechnik, die für zwei Birkenpechstücke aus Königsaue verwendet wurde, basierte auf einer Untergrund-Ofenstruktur, die es erlaubte, die Sauerstoffzufuhr zu regulieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Schmidt, P., Koch, T., Blessing, M., Karakostis, F.A., Harvati, K., Dresely, V. &amp;amp; Charrié-Duhaut, A. |Titel=Production method of the Königsaue birch tar documents cumulative culture in Neanderthals |Sammelwerk=AASc |Datum=2023 |DOI=10.1007/s12520-023-01789-2}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spätere Herstellungsmethoden von Birkenpech ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Birkenpechdestille Eintopfverfahren.JPG|mini|hochkant|Moderne Versuchsanordnung zur Birkenpechherstellung im Eintopfverfahren.]]&lt;br /&gt;
Chemische Untersuchungen und Experimente haben gezeigt, dass Birkenpech im Mittelalter durch einen Verschwelungsprozess, genauer durch eine sogenannte [[Pyrolyse]], hergestellt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Andreas Kurzweil, Dieter Todtenhaupt |Titel=Das Doppeltopf-Verfahren: Eine rekonstruierte mittelalterliche Methode der Holzteergewinnung |Sammelwerk=Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland |Reihe=Beiheft |NummerReihe=4 |Datum=1990 |ISSN=0946-8250 |Seiten=472–479}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Rolf C. A. Rottländer]] |Hrsg=H. T. Waterbol, W. van Zeist |Titel=Untersuchungen an der Kittmasse von geschäfteten Feuersteinklingen |Sammelwerk=Niederwil, eine Siedlung der Pfyner Kultur |Reihe=Academica Helvetica |BandReihe=I,4 |Band=IV |Verlag=Paul Haupt |Ort=Bern/Stuttgart |Datum=1991 |Kapitel=Holzartefakte und Textilien |Seiten=249–250 |Online=https://archaeologie.tg.ch/public/upload/assets/58105/AiTG_13_Niederwil_eine_Siedlung_der_Pfyner_Kultur_Band_IV_OCR_verkleinert.pdf?fp=1513169688000}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Wilhelm Sandermann |Titel=Untersuchungen vorgeschichtlicher „Gräberharze“ und Kitte |Sammelwerk=Technische Beiträge zur Archäologie |Band=2 |Datum=1965 |ISSN=0067-4974 |Seiten=58–73}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Jürgen Weiner |Titel=Praktische Versuche zur Herstellung und Verwendung von Birkenpech |Sammelwerk=Archäologisches Korrespondenzblatt |Band=18 |Datum=1988 |ISSN=0342-734X |Seiten=329–334}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Experimenten unter Laborbedingungen wurde der Rohstoff Birkenrinde in einem luftdicht abgeschlossenen Behälter (Glasretorte) auf eine relativ konstante Temperatur zwischen 340 und 400 °C erhitzt. Dabei verschwelt die Birkenrinde, im luftdichten Behälter, nahezu vollständig zuerst zu Birkenteer und einige Stunden später&amp;lt;ref name=&amp;quot;GfU16&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Friedrich Palmer |Titel=Die Entstehung von Birkenpech in einer Feuerstelle unter paläolithischen Bedingungen |Sammelwerk=Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte |Band=16 |Datum=2007 |ISSN=0342-734X |Seiten=75–83 |Online=https://uni-tuebingen.de/securedl/sdl-eyJ0eXAiOiJKV1QiLCJhbGciOiJIUzI1NiJ9.eyJpYXQiOjE3MjkxMDE0MjUsImV4cCI6MTcyOTE5MTQyNSwidXNlciI6MCwiZ3JvdXBzIjpbMCwtMV0sImZpbGUiOiJmaWxlYWRtaW4vVW5pX1R1ZWJpbmdlbi9GYWt1bHRhZXRlbi9NYXROYXQvRmFjaGJlcmVpY2hlL0dlb3dpc3NlbnNjaGFmdGVuL0FyYmVpdHNncnVwcGVuL1VyZ2VzY2hpY2h0ZV9fX05hdHVyd2lzc2Vuc2NoYWZ0bGljaGVfQXJjaFx1MDBlNG9sb2dpZS9cdTAwYzRsdGVyZV9Vcmdlc2NoaWNodGVfdW5kX1F1YXJ0XHUwMGU0clx1MDBmNmtvbG9naWUvRG9rdW1lbnRlL1B1Ymxpa2F0aW9uZW4vR2ZVLzIwMDcvMDc1LTA4NF9HRlVfTWl0dGVpbHVuZzE2X21haWwucGRmIiwicGFnZSI6ODg2OTV9.30HlxMOQlchBXT61ojBGGzqP5XgX3FyXG014xFhlhAk/075-084_GFU_Mitteilung16_mail.pdf}}&amp;lt;/ref&amp;gt; schließlich, im geöffenen Behälter, zu Birkenpech.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwendung ==&lt;br /&gt;
Birkenpech beziehungsweise Birkenteer war in der [[Steinzeit]] ein gebräuchlicher Allzweckklebstoff. Er wurde vor allem zur [[Schäften|Schäftung]] von Werkzeugen und Waffen verwendet und hat sich in Form von schwarzen Spuren an Geräten wie zum Beispiel Pfeilspitzen, Pfeilschäften, Messern und weiteren Werkzeugen erhalten. Hierzu wurde das Pech durch Wärme erweicht und so verarbeitbar gemacht. Außerdem wurde damit zerbrochene Keramik geflickt und wahrscheinlich auch Behältnisse aus organischen Materialien (Holz, Rinde oder ähnlichem) abgedichtet. Schließlich zeigen Zahnabdrücke auf Birkenteerklumpen, dass Birkenpech gekaut wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Theis Z. T. Jensen et al. |Titel=A 5700 year-old human genome and oral microbiome from chewed birch pitch |Sammelwerk=Nature Communications |Nummer=10 |Datum=2019-12-17 |ArtikelNr=5520 |Sprache=en |Kommentar=Menschliche DNA und Mikrobiom aus 5700 Jahre altem Birkenpech aus [[Lolland]] |DOI=10.1038/s41467-019-13549-9}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Belege gibt es zum Beispiel vom mesolithischen Fundplatz [[Star Carr]] oder vom [[Bandkeramischer Brunnen Altscherbitz|Bandkeramischen Brunnen Altscherbitz]]. Ob dies zur [[Prophylaxe (Zahnmedizin)|Zahnpflege]] oder als Genussmittel [[Kaugummi]] geschah, ist unbekannt. Eine alternative Erklärung könnte sein, dass Birkenpech auf diese Weise vor der endgültigen Verarbeitung weich gemacht wurde. Jedoch kann dies bereits durch Erwärmen erzielt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möglicherweise wurde Birkenteer von Neandertalern auch wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften genutzt; einer 2026 veröffentlichten Studie zufolge hemmt Birkenteer beispielsweise das Wachstum von &amp;#039;&amp;#039;[[Staphylococcus aureus]]&amp;#039;&amp;#039;, ein Bakterium, das Wundinfektionen verursacht.&amp;lt;ref&amp;gt; Tjaark Siemssen, Aderonke Oludare, Marcel Schemmel, Janos Puschmann und Matthias Bierenstiel: &amp;#039;&amp;#039;Antibacterial properties of experimentally produced birch tar and its medicinal affordances in the Pleistocene.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;PLOS One.&amp;#039;&amp;#039; Band 21, Nr. 3, 2026, e0343618, [[doi:10.1371/journal.pone.0343618]].&amp;lt;br /&amp;gt; [https://science.orf.at/stories/3234661/ &amp;#039;&amp;#039;Teer aus Birkenrinde als Antibiotikum.&amp;#039;&amp;#039;] Auf: &amp;#039;&amp;#039;science.orf.at&amp;#039;&amp;#039; vom 18. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Jürgen Weiner&lt;br /&gt;
   |Titel=Praktische Versuche zur Herstellung und Verwendung von Birkenpech&lt;br /&gt;
   |Sammelwerk=Archäologisches Korrespondenzblatt&lt;br /&gt;
   |Band=18&lt;br /&gt;
   |Datum=1988&lt;br /&gt;
   |ISSN=0342-734X&lt;br /&gt;
   |Seiten=329–334}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Jürgen Weiner&lt;br /&gt;
   |Titel=Wo sind die Retorten? Überlegungen zur Herstellung von Birkenpech im Neolithikum&lt;br /&gt;
   |Sammelwerk=Acta Praehistorica et Archaeologica&lt;br /&gt;
   |Band=23&lt;br /&gt;
   |Datum=1991&lt;br /&gt;
   |ISSN=0341-1184&lt;br /&gt;
   |Seiten=15–19}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Jürgen Weiner&lt;br /&gt;
   |Titel=European Pre- and Protohistoric tar and pitch: A contribution to the history of research 1720–1999&lt;br /&gt;
   |Sammelwerk=Acta Archaeometrica&lt;br /&gt;
   |Band=1&lt;br /&gt;
   |Ort=Coburg&lt;br /&gt;
   |Datum=1999&lt;br /&gt;
   |ISSN=0065-101X&lt;br /&gt;
   |Seiten=1–109&lt;br /&gt;
   |Sprache=en}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Jürgen Weiner&lt;br /&gt;
   |Titel=Another Word on Pitch. Some Comments on a „Sticky Issue“ from Old Europe&lt;br /&gt;
   |Sammelwerk=Bulletin of Primitive Technology&lt;br /&gt;
   |Band=29&lt;br /&gt;
   |Nummer=1&lt;br /&gt;
   |Datum=2005&lt;br /&gt;
   |ISSN=1078-4845&lt;br /&gt;
   |Seiten=20–27&lt;br /&gt;
   |Sprache=en}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Jürgen Weiner&lt;br /&gt;
   |Hrsg=T. Otten, J. Kunow, M. M. Rind, M. Trier&lt;br /&gt;
   |Titel=Der älteste Kunststoff des Menschen: Birkenpech&lt;br /&gt;
   |Sammelwerk=Revolution Jungsteinzeit&lt;br /&gt;
   |Reihe=Schriften zur Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen&lt;br /&gt;
   |NummerReihe=11,1&lt;br /&gt;
   |Ort=Darmstadt&lt;br /&gt;
   |Datum=2015&lt;br /&gt;
   |ISBN=978-3-8062-3173-1&lt;br /&gt;
   |Seiten=229–230}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Klaus Ruthenberg, Jürgen Weiner&lt;br /&gt;
   |Hrsg=W. Brzesinski, W. Piotrowski&lt;br /&gt;
   |Titel=Proceedings of the First International Symposium on Wood Tar and Pitch&lt;br /&gt;
   |Verlag=State Archaeological Museum&lt;br /&gt;
   |Ort=Warschau&lt;br /&gt;
   |Datum=1997&lt;br /&gt;
   |ISBN=83-900586-3-4&lt;br /&gt;
   |Kapitel=Some „Tarry Substance“ from the Wooden Bandkeramik Well of Erkelenz-Kückhoven (Northrhine-Westphalia, FRG). Discovery and Analysis&lt;br /&gt;
   |Seiten=29–33&lt;br /&gt;
   |Sprache=en}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Andreas Kurzweil, Dieter Todtenhaupt&lt;br /&gt;
   |Titel=Wo sind die Retorten? - Gedanken zur allothermen Herstellung von Birkenpech&lt;br /&gt;
   |Sammelwerk=Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland&lt;br /&gt;
   |Reihe=Bilanz&lt;br /&gt;
   |NummerReihe=12&lt;br /&gt;
   |Ort=Unteruhldingen&lt;br /&gt;
   |Datum=2013&lt;br /&gt;
   |ISBN=978-3-944255-01-9&lt;br /&gt;
   |Seiten=10–19}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Alfred Pawlik, Jürgen Thissen&lt;br /&gt;
   |Titel=Hafted armatures and multi-component tool design at the Micoquian site of Inden-Altdorf, Germany&lt;br /&gt;
   |Sammelwerk=Journal of Archaeological Science&lt;br /&gt;
   |Band=38&lt;br /&gt;
   |Datum=2011&lt;br /&gt;
   |Seiten=1699–1708&lt;br /&gt;
   |Sprache=en&lt;br /&gt;
   |DOI=10.1016/j.jas.2011.03.001}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* [http://www.brandenburg1260.de/teer.html &amp;#039;&amp;#039;Teerschwelen.&amp;#039;&amp;#039;] Brandenburg1260.de (&amp;#039;&amp;#039;Marca brandenburgensis anno domini 1260&amp;#039;&amp;#039;), mit Bildern&lt;br /&gt;
* Elizabeth Aveling: [http://www.archaeologyuk.org/ba/ba21/BA21FEAT.HTML &amp;#039;&amp;#039;Chew, chew, that ancient chewing gum.&amp;#039;&amp;#039;] ArchaeologyUK.org (&amp;#039;&amp;#039;British Archaeology.&amp;#039;&amp;#039; No 21, Februar 1997)&lt;br /&gt;
* Thomas Weibel: [https://blog.nationalmuseum.ch/2022/03/birkenpech-der-erste-kleber-der-menschheit/ &amp;#039;&amp;#039;Der Superkleber der Steinzeit&amp;#039;&amp;#039;] Im Blog des [[Schweizerisches Nationalmuseum|Schweizerischen Nationalmuseum]] vom 28. März 2022&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Archäologischer Fachbegriff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Klebstoff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Holzprodukt der Verfahrenstechnik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Holzverschwelung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Birke als Thema]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Gerbil</name></author>
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