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	<title>Birgit Dressel - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Groupsixty: /* Todesumstände */</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Todesumstände&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Birgit Dressel&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[4. Mai]] [[1960]] in [[Bremen]]; † [[10. April]] [[1987]] in [[Mainz]]) war eine [[Deutschland|deutsche]] [[Leichtathletik|Leichtathletin]] im [[Siebenkampf]]. Sie starb im Alter von 26 Jahren an einem durch [[Doping]] ausgelösten [[Multiorganversagen]]. Ihr früher Tod führte in der Bundesrepublik zu einer medialen Debatte über die Gefährlichkeit der im Leistungssport üblichen [[Doping in der Bundesrepublik Deutschland|Dopingpraxis]], wodurch erstmals auch größere Teile der Öffentlichkeit davon Kenntnis bekamen. Die Umstände von Dressels Tod gelten als eine der größten Tragödien des deutschen Sports und als herausragendes Beispiel für die Vertuschung und Verdrängung von Doping. Die schleppende Aufarbeitung und die Tatsache, dass keiner der Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen wurde, sind bis heute wiederholt Gegenstand der Kritik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Birgit Dressel war die Tochter von Hermann Dressel († 2010), einem Bremer Reedereikaufmann und Handballspieler, der zu seiner aktiven Zeit dem B-Kader der [[Deutsche Männer-Handballnationalmannschaft|Nationalmannschaft]] angehörte und sich im &amp;#039;&amp;#039;Bremer Leichtathletik-Verband&amp;#039;&amp;#039; ehrenamtlich engagierte. Ihre Mutter Lisa Dressel († 1997) war eine [[Korbball]]spielerin.&amp;lt;ref name=&amp;quot;spiegel 37/1987&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/hermann-dressel-verstorben |titel=Hermann Dressel verstorben |werk=leichtathletik.de |datum=2010-02-04 |abruf=2021-09-05}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Birgit Dressel betrieb zunächst in der &amp;#039;&amp;#039;LG Bremen-Ost&amp;#039;&amp;#039; Leichtathletik, wo sie noch heute im Jugend- und Frauenbereich in verschiedenen Einzeldisziplinen mehrere Landesrekorde hält (Stand 08/21).&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor= |url=http://www.bremen-la.de/admin/upload/files/BLV-Rekorde.pdf. |titel=Rekorde und Bestleistungen |titelerg=Bremer Leichtathletik-Verband e.&amp;amp;nbsp;V.|werk=Bremer LV |seiten=23 |abruf=2021-09-05 |format=PDF; 80 kByte}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Junioren-Länderwettkampf Polen-Großbritannien-Bundesrepublik Deutschland 1976 mit je drei Athleten startete Dressel erstmals im Nationaltrikot. 1977 war sie neben Holger Marten und Andre Cords eine von drei [[Kader]]n des [[Deutscher Leichtathletik-Verband|Deutschen Leichtathletik-Verbandes]] und wurde im folgenden Jahr Deutsche Jugend-Hallenmeisterin im [[Hochsprung]] in [[Sindelfingen]] und im Juli des Jahres in [[Göttingen]] mit 1,84&amp;amp;nbsp;m Deutsche Jugendmeisterin. 1979 wurde Birgit Dressel Deutsche Juniorenmeisterin im Hochsprung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang der 1980er Jahre ging Dressel nach Mainz, um an der dortigen [[Johannes Gutenberg-Universität Mainz|Universität]] ein Sportstudium aufzunehmen. Fortan startete sie für den [[USC Mainz]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Tagesspiegel&amp;quot; /&amp;gt; Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 1982 belegte sie im Mehrkampf der Damen den dritten Platz, bei den Hallen-Meisterschaften 1983 im Hochsprung den zweiten Platz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der vom Ostblockboykott betroffenen [[Olympische Sommerspiele 1984|23. Olympischen Sommerspiele 1984]] in [[Los Angeles]] erreichte sie als drittbeste Deutsche den neunten Platz im [[Olympische Sommerspiele 1984/Leichtathletik – Siebenkampf (Frauen)|Siebenkampf]]. Bei den [[Leichtathletik-Europameisterschaften 1986|Europameisterschaften 1986]] in Stuttgart belegte sie im Siebenkampf mit 6487 Punkten den vierten Platz, wobei sie im Hochsprung 1,92&amp;amp;nbsp;m absolvierte. Beim Deutschlandpokal 1986 startete sie für den [[USC Mainz]] und löschte im [[Dreikampf (Leichtathletik)|Dreikampf]] – [[100-Meter-Lauf]], [[Weitsprung]] und [[Kugelstoßen]] – mit 2627 Punkten den deutschen Rekord, der bis dahin von [[Heide Ecker-Rosendahl]] gehalten wurde. Mit 6201 Punkten hielt sie 1987 die DLV-Jahresbestleistung im Siebenkampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrer zehnjährigen Sportlerkarriere erreichte Dressel fünf [[Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband|ADH]]-Titel und wurde vier Mal Deutsche Meisterin. Sie startete bei den Olympischen Sommerspielen 1984 und den Europameisterschaften 1986 und war [[World University Games|Universiade]]-Teilnehmerin 1981, 1983 und 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Frühjahr 1987 starb Birgit Dressel 26-jährig nach plötzlich einsetzendem [[Multiorganversagen]] als Folge eines Kreislaufschocks. Ursache war eine Schmerzmittel-Überdosierung, mit der eine schmerzhafte [[Muskelverhärtung]] als vermutliche Nebenwirkung von [[Anabole Steroide|Anabolika-Doping]] behandelt werden sollte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;spiegel 37/1987&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13523874.html |titel=Rutschbahn in den legalen Drogensumpf |werk=[[Der Spiegel]] |datum=1987-09-07 |abruf=2021-08-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.deutschlandfunk.de/doping-in-westdeutschland-umsonst-gestorben.1346.de.html?dram:article_id=383461 |titel=Doping in Westdeutschland: Umsonst gestorben |werk=[[Deutschlandfunk]] |datum=2017-04-09 |abruf=2021-08-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Doping-Experte [[Werner Franke (Biologe)|Werner Franke]] sagte später dazu, dass Dressels Tod vermutlich zu verhindern gewesen wäre, wenn die behandelnden Ärzte gewusst hätten, dass sie Anabolika-Präparate eingenommen hatte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Tagesspiegel&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.tagesspiegel.de/sport/toedliche-medizin/832816.html |titel=Tödliche Medizin |werk=[[Tagesspiegel|Der Tagesspiegel]] |datum=2007-04-10 |abruf=2021-08-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Deutscher Olympischer Sportbund|DOSB]]-Präsident [[Alfons Hörmann]] bezeichnete Dressels Tod im Jahr 2017 als „eine der größten Tragödien des deutschen Sports“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Welt&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.welt.de/sport/article163506319/Die-ungesuehnte-Schande-des-westdeutschen-Sports.html |titel=Birgit Dressel †: Die Doping-Schande des westdeutschen Sports |werk=[[Die Welt]] |datum=2017-04-07 |abruf=2021-08-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Birgit Dressel fand ihre letzte Ruhestätte auf dem [[Hauptfriedhof Mainz]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle|url=http://www.n-tv.de/sport/Birgit-Dressel-nahm-der-BRD-die-Unschuld-article19787350.html |titel=30 Jahre nach dem Todesdrama - Birgit Dressel nahm der BRD die Unschuld |hrsg=n-tv |datum=2017-04-10 |abruf=2021-08-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Todesumstände ==&lt;br /&gt;
Am 8. April 1987 fühlte Birgit Dressel beim Kugelstoß-Training Schmerzen in der linken Hüfte und im Gesäß. Der erstbehandelnde Arzt, ein [[Orthopädie|Orthopäde]], spritzte ihr das [[Lokalanästhetikum]] Xylonest ([[Prilocain]]) und das Schmerzmittel Voltaren ([[Diclofenac]]). Am nächsten Nachmittag nahmen die Schmerzen zu und der Arzt gab ihr zwei Injektionen: höherdosiertes Voltaren sowie das [[Metamizol-Natrium|Metamizol]]-Präparat Baralgin. Für zu Hause erhielt sie den [[Thrombozytenaggregationshemmer]] Godamed ([[Acetylsalicylsäure|ASS]]), Tranquase-5 ([[Diazepam]]) und Optipyrin-Zäpfchen ([[Paracetamol]], [[Codein]]). Wegen starker Schmerzen nahm sie 10 bis 15 Godamed-Tabletten ein. Sie konsultierte zwei weitere Ärzte, die ihr ASS, [[Heparin]]-Crème und Eiswürfel verordneten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Morgen des 10. April suchte der [[Orthopädie|Orthopäde]] sie auf, diagnostizierte eine [[Nierenkolik]] und spritzte ihr [[Ibuprofen|Attritin]]. Sie wurde in das Mainzer Uni-Klinikum eingeliefert und zwei weitere Ärzte verabreichten ihr intravenös [[Butylscopolaminiumbromid|Buscopan]]. Am Nachmittag wurde Dressel in die Unfallchirurgie verlegt und vier weitere Ärzte legten ihr einen [[Infusion|Venentropf]] Buscopan, gelöst in [[Infusion|Sterofundin]]. Sie vermuteten einen Wirbelsäulenschaden. Drei weitere Ärzte erschienen, während Dressel über großen Durst klagte und sich ihre Lippen und Fingernägel blau verfärbten. Zwei [[Neurologie|Nervenspezialisten]] wurden hinzugezogen, als ihr Herz raste und sich die Atmung beschleunigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein siebenköpfiges Unfall-Ärzteteam erschien, Dressel bewegte die Arme und öffnete letztmals die Augen. Sie erhielt eine Sauerstoffmaske, wurde am Abend auf die [[Intensivstation]] verlegt und es wurde, erstmals richtig, eine toxische Reaktion diagnostiziert. Dort verabreichte man ihr vier [[Bluttransfusion]]en, hohe Dosen endogener Hormone und zuletzt [[Natriumhydrogencarbonat|Bicarbonat]], um ihren [[Azidose|azidotischen]] Stoffwechsel auszubalancieren. Drei Stunden nach Aufnahme in die Intensivstation starb Birgit Dressel.&amp;lt;ref&amp;gt;Steve Buffery: {{Toter Link |datum= |url=http://www.canoe.ca/2000GamesColumnists/buffery_jul24.html |text=Why pro-style hypocrisy no solution to doping}} Toronto Sun, 24. Juli 2000.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Todesursache wurde ermittelt, dass Dressel seit 1981 Patientin des Freiburger Sportmediziners [[Armin Klümper]] war&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/doping-eberhard-gienger-habe-anabolika-genommen-1327930.html |titel=Doping: Eberhard Gienger: Habe Anabolika genommen |werk=[[Frankfurter Allgemeine Zeitung|FAZ]] |datum=2006-05-12 |abruf=2021-08-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und zuletzt in 16 Monaten etwa 400 Spritzen erhalten hatte. Sie erhielt das Anabolikum [[Stanozolol|Stromba]] und nahm am Schluss die Höchstdosis von sechs Tabletten wöchentlich ein.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Steinigen&amp;quot; /&amp;gt; Außerdem erhielt sie das Dopingmittel [[Clostebol|Megagrisevit]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;spiegel 37/1987&amp;quot; /&amp;gt; Im Februar 1987 hatte ihr Klümper 15 verschiedene Arzneimittel gespritzt, darunter tierische Zellpräparate, die zu Dauerimmunreaktionen des Körpers führten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Steinigen&amp;quot;&amp;gt;Jens Steinigen: [http://www.weissensee-verlag.de/autoren/Steinigen/Steinigen-kurz.pdf Zivilrechtliche Aspekte des Dopings aus der Sicht des Spitzensportlers] Weissensee Verlag, Berlin 2003, (PDF, 305 kByte)&amp;lt;/ref&amp;gt; Dressel nahm 20 verschiedene Präparate von drei Ärzten ein.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,968618,00.html An Athlete Dying Young] Time, 10. Oktober 1988&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dressel hinterließ ihren Lebensgefährten Thomas Kohlbacher, der auch ihr Trainer war.&amp;lt;ref name=&amp;quot;spiegel 37/1987&amp;quot; /&amp;gt; Kohlbacher wollte 1995 keine Auskunft darüber geben, ob er vom Doping Dressels gewusst habe, weil er sich nicht selbst belasten wollte.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/doping/birgit-dressels-tod-schmerzliches-schweigen-11712295.html |titel=Birgit Dressels Tod: Schmerzliches Schweigen |werk=[[Frankfurter Allgemeine Zeitung|FAZ]] |datum=2012-04-09 |abruf=2021-08-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufarbeitung des Todesfalles ==&lt;br /&gt;
=== Unmittelbare Reaktionen zum Tod ===&lt;br /&gt;
Zwei Wochen nach dem Tod der Sportlerin zog das [[Bundesgesundheitsamt]] die Zulassung von 26 Schmerzmitteln zurück und veranlasste später, die Zulassung aller injizierbaren Arzneimittel der Zellulartherapie ruhen zu lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor= |url=http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/11/003/1100376.pdf |titel=Tod der Sportlerin Birgit Dressel durch mögliche Nebenwirkungen metamizolhaltiger Arzneimittel |titelerg=Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 25. Mai 1987 eingegangenen Antworten der Bundesregierung |werk=Deutscher Bundestag |seiten=32 |abruf=2021-09-05 |format=PDF; 787 kByte}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufkommende Dopinggerüchte erwiderte Dressels betreuender Sportmediziner Armin Klümper mit Schuldzuweisungen in Richtung der behandelnden Ärzte der Uniklinik Mainz, die von den Medien bereitwillig kolportiert wurden. Öffentlich abgegebene Ehrenerklärungen zu Gunsten Birgit Dressels seitens ihrer Eltern, der Athleten und führender Sportfunktionäre entsprachen der zunächst vorherrschenden Meinung eines bedauerlichen Einzelfalls in Form eines Allergieschocks, der nicht auf den Einsatz verbotener Mittel im Leistungssport zurückzuführen war. Drei Monate später wurden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mainz eingestellt, ohne den Ärzten ein schuldhaftes oder fahrlässiges Verhalten nachweisen zu können. Die Todesursache wurde laut eines gerichtsmedizinischen Gutachtens auf einen toxisch-allergischen Schock aufgrund einer Überdosis [[Metamizol-Natrium|Metamizol]] zurückgeführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bpb&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13523874.html |titel=Dopingskandale in der alten Bundesrepublik: Öffentlicher Diskurs und sportpolitische Reaktionen |werk=[[Bundeszentrale für politische Bildung]] |datum=2012-05-30 |abruf=2021-09-04}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünf Monate nach Dressels Tod änderte sich das öffentliche Klima, als [[Der Spiegel]] aus dem bis dahin unter Verschluss gehaltenen Gutachten zitierte, das von Birgit Dressel das Bild einer chronisch kranken und mit Hunderten von Arzneimitteln vollgepumpten jungen Sportlerin zeichnete. Obwohl die Presse nun den Leistungssport und dessen sportmedizinische Betreuung zunehmend kritischer bewertete, entzündeten sich die Debatten vorrangig an der Person Klümper, der von bundesdeutschen Athleten als „Guru“ verehrt und dessen verordnete Dauermedikation im Gutachten als zusammenhängend mit Dressels toxischem Schock dargestellt wurde. Um der zunehmenden Verunsicherung zahlreicher Hochleistungssportler zu begegnen und einen generellen Reputationsverlust für ihre Branche zu vermeiden, beharrten führende Sportmediziner auf der Einzelfallthese im Fall Dressels und stellten Klümper als Opfer einer Kampagne dar. Im Gegensatz zu Kritikern von Klümpers Behandlungsmethoden fanden die Befürworter breite Unterstützung von allerhöchster Stelle der bundesdeutschen Sportführung um [[Nationales Olympisches Komitee für Deutschland|NOK]]-Präsident [[Willi Daume]], [[Bundesausschuss Leistungssport|BAL]]-Vorsitzenden [[Helmut Meyer (Sportfunktionär)|Helmut Meyer]] und [[Emil Beck (Fechttrainer)|Emil Beck]], Chef der Trainerkommission des [[Deutscher Sportbund|DSB]]. Bereits zum Zeitpunkt des Falls Dressel war im bundesdeutschen Spitzensport die von internationaler Seite geforderte Einführung von Dopingkontrollen im Training kontrovers diskutiert worden. Indem die sportärztliche Verantwortung für Dressels Tod geleugnet wurde, konnte er nun zum Anlass genommen werden, anstatt der Trainingskontrollen im Namen der Doping-Prävention eine Intensivierung der sportmedizinischen Betreuung für die Athleten zu fordern, auch um ähnlich gelagerte Unglücksfälle in Zukunft auszuschließen. Getreu der Doktrin von der Autonomie des Sports übernahm die Bundesregierung die Positionen der Sportverbände, Interventionen seitens der Bundespolitik blieben aus.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bpb&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zusammenfassung und Kritik ===&lt;br /&gt;
Der Tod Birgit Dressels wurde unzureichend aufgearbeitet, es kam zu einem „multiinstitutionellen Versagen“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Andreas Singler, Lisa Heitner |url=https://uni-freiburg.de/universitaet/wp-content/uploads/sites/3/2021/02/Gutachten-Armin-Kluemper.pdf |titel=Armin Klümper und das bundesdeutsche Dopingproblem |titelerg=8.3.7 Der Todesfall Birgit Dressel 1987 und das sich anschließende multiinstitutionelle Versagen |werk=uni-freiburg.de |seiten=281 |abruf=2019-06-29 |format=PDF; 9,0 MB}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwei Strafanzeigen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung wurden ergebnislos eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Mainz kooperierte offenbar nicht mit der Staatsanwaltschaft Freiburg, die zur selben Zeit eine Klage gegen Klümper in Freiburg u.&amp;amp;nbsp;a. wegen Rezeptbetrugs im großen Stil vorbereitete. Die zuständige Krankenkasse machte trotz Nachfragen des Juristen Joachim Linck und des Sportphysiologen Hans-Volkhart Ulmer keine Anstalten, die Rezeptierungspraktiken Klümpers oder auch anderer Ärzte kritisch zu überprüfen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Singler/Treutlein 2000, S. 275–286; Singler 2007&amp;lt;/ref&amp;gt; 2012 endeten die letzten Untersuchungen ohne einen Prozess.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Welt&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2017 sprach [[Die Welt]] anlässlich von Dressels 30.&amp;amp;nbsp;Todestag davon, dass Birgit Dressel für eine Ära stehe, in der „die Bundesrepublik der DDR an Skrupellosigkeit in nichts nachstand“. [[Clemens Prokop]], seinerzeit Präsident des [[Deutscher Leichtathletik-Verband|Deutschen Leichtathletik-Verbandes]], sagte, dass Dressel Opfer unverantwortlicher medizinischer Praktiken geworden sei. Doping-Experte [[Fritz Sörgel]] bezeichnete Dressels Tod als „eine Folge des massiven Gebrauchs und Missbrauchs aller möglichen Stoffe. Von harmlosen Nahrungsergänzungsmitteln bis zu Dopingmitteln in Höchstdosen“. Dass niemand jemals für Dressels Tod zur Verantwortung gezogen wurde, nannte DOSB-Präsident Alfons Hörmann „eine bittere und typische Erkenntnis aus dieser Zeit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Welt&amp;quot; /&amp;gt; Die Anti-Doping-Aktivistin [[Brigitte Berendonk]] schrieb dazu, dass die deutschen Leichtathleten und der DLV Birgit Dressels Tod sowie das dabei amtlich dokumentierte und bekanntgewordene Anabolikadoping „erstaunlich schnell verdrängt“ und „gewissermaßen als persönlich-peinlichen Einzelfall zu den Akten gelegt“ hätten. Die detaillierte Dokumentation von Dressels Dopingkonsum nannte Berendonk die Folge einer bedauerlichen „Zufallskontrolle“ durch den Tod. Für den Doping-Experten [[Gerhard Treutlein]] ist Dressels Tod ohne langanhaltende und abschreckende Wirkung geblieben. Anstatt zu einem Mahnmal gegen Doping wurde ihr Tod „zu einem Mahnmal für die Scheinheiligkeit des Systems und der relevanten Handelnden.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.welt.de/sport/article207657685/Das-Drama-der-Birgit-Dressel-Eine-der-groessten-Tragoedien-des-westdeutschen-Sports.html |titel=Birgit Dressel: Eine der größten Tragödien des westdeutschen Sports |werk=[[Die Welt]] |datum=2020-05-02 |abruf=2021-08-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Doping in der Bundesrepublik Deutschland]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Film ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Dernier stade]]&amp;#039;&amp;#039; (deutsch „Zielgerade“). Frankreich, Belgien, Schweiz, Deutschland 1994. Regie: Christian Zerbib.&amp;lt;ref&amp;gt;{{IMDb|tt0109600|Dernier stade}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Tod für Olympia – Der Fall Birgit Dressel,&amp;#039;&amp;#039; dreiteilige ARD-Doku-Serie (2024). In fiktionalen Szenen spielt [[Luise Großmann]] die Athletin (Buch und Regie [[Nils Loof]]). Produktion im Auftrag von [[Radio Bremen]] und dem [[Südwestrundfunk|SWR]] für die [[ARD]].&lt;br /&gt;
** {{Mediathek |url=https://www.ardmediathek.de/video/tod-fuer-olympia-der-fall-birgit-dressel/die-athletin-und-der-wunderarzt-1-3/ard/Y3JpZDovL3JhZGlvYnJlbWVuLmRlL2VlODA4YjBlLTY3YjYtNDhlZC1hMWIyLTAxZWU0NmY4OTNjOS9lcGlzb2RlL3VybjphcmQ6c2hvdzo1ZjUxOGZhZjMwOThjYmI4 |sender=[[ARD]] |titel=Die Athletin und der Wunderarzt (1/3) |typ=Video |laufzeit=38 |vdatum=2026-06-06}}&lt;br /&gt;
** {{Mediathek |url=https://www.ardmediathek.de/video/tod-fuer-olympia-der-fall-birgit-dressel/der-kampf-ums-ueberleben-2-3/ard/Y3JpZDovL3JhZGlvYnJlbWVuLmRlL2NlMDRmMzdkLTcxNzktNDQ5MS04NDBiLWVlMzAzMGVkODE4Ny9lcGlzb2RlL3VybjphcmQ6c2hvdzo1ZjUxOGZhZjMwOThjYmI4 |sender=[[ARD]] |titel=Der Kampf ums Überleben (2/3) |typ=Video |laufzeit=25 |vdatum=2026-06-06}}&lt;br /&gt;
** {{Mediathek |url=https://www.ardmediathek.de/video/tod-fuer-olympia-der-fall-birgit-dressel/das-dopingopfer-3-3/ard/Y3JpZDovL3JhZGlvYnJlbWVuLmRlL2MyYzY1YTAxLTAwNDUtNGJhZi1iYjRhLWJjNzQ3ZDM5NTcyOC9lcGlzb2RlL3VybjphcmQ6c2hvdzo1ZjUxOGZhZjMwOThjYmI4 |sender=[[ARD]] |titel=Das Dopingopfer? (3/3) | typ=Video |laufzeit=34 |vdatum=2026-06-06}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Brigitte Berendonk]]: &amp;#039;&amp;#039;Doping. Von der Forschung zum Betrug.&amp;#039;&amp;#039; Rowohlt, Reinbek 1992, ISBN 3-499-18677-2, S. 255–258.&lt;br /&gt;
* [[Andreas Singler]], [[Gerhard Treutlein]]: &amp;#039;&amp;#039;Doping im Spitzensport. Sportwissenschaftliche Analysen zur nationalen und internationalen Leistungsentwicklung. Teil 1.&amp;#039;&amp;#039; Meyer &amp;amp; Meyer, Aachen 2000, S. 275–286.&lt;br /&gt;
* Andreas Singler: &amp;#039;&amp;#039;Der Tod ist irreversibel. Vor 20 Jahren starb die deutsche Siebenkämpferin Birgit Dressel – hat der Spitzensport daraus gelernt?&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Neue Zürcher Zeitung.&amp;#039;&amp;#039; 7./8. April 2007, S. 62 ([https://www.nzz.ch/articleF1E3T-1.139905 online]).&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Andreas Singler, Lisa Heitner |Titel=Armin Klümper und das bundesdeutsche Dopingproblem |Kapitel=8.3.7 Der Todesfall Birgit Dressel 1987 und das sich anschließende multiinstitutionelle Versagen |Seiten=281–310 |Online=[https://uni-freiburg.de/universitaet/wp-content/uploads/sites/3/2021/02/Gutachten-Armin-Kluemper.pdf#page=282 uni-freiburg.de]}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [https://www.deutschlandfunkkultur.de/chronik-eines-unangekuendigten-doping-todes-zwei-frauen-100.html Zwei Frauen, 100 Substanzen, 1000 Wirkungen. Chronik eines unangekündigten Doping-Todes (Archiv)] Von Alexa Hennings, 3. Oktober 2013&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|VIAF=283644537|GNDfehlt=ja|GNDCheck=2022-05-29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Dressel, Birgit}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Siebenkämpfer (Deutschland)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher Meister (Leichtathletik)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Olympiateilnehmer (Deutschland)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1984]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Teilnehmer der Sommer-Universiade 1981]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Teilnehmer der Sommer-Universiade 1983]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Teilnehmer der Sommer-Universiade 1985]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Teilnehmer an den World University Games (Deutschland)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Dopingfall in der Leichtathletik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Doping in der Bundesrepublik Deutschland]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Leichtathlet (Bremen)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1960]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1987]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frau]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Dressel, Birgit&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutsche Leichtathletin im Siebenkampf&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=4. Mai 1960&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Bremen]], [[Deutschland]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=10. April 1987&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Mainz]], [[Deutschland]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Groupsixty</name></author>
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