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	<title>Bioreaktor - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Bioreaktor&amp;diff=24110&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;CC1984USA am 17. April 2026 um 10:28 Uhr</title>
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		<updated>2026-04-17T10:28:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Jninternational4.jpg|mini|Viele Produkte der roten Biotechnologie werden in Bioreaktoren produziert, wie in dieser Anlage zur Herstellung von [[Vakzin]]en]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bioreaktor quer2.jpg|mini|[[Moosbioreaktor]] mit &amp;#039;&amp;#039;[[Physcomitrella patens]]&amp;#039;&amp;#039;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Bioreaktor&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, häufig auch als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Fermenter&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet, ist ein Behälter, in dem bestimmte [[Mikroorganismus|Mikroorganismen]], [[Zelle (Biologie)|Zellen]] oder kleine&lt;br /&gt;
[[Pflanzen]]&amp;lt;ref&amp;gt;Eva L. Decker, [[Ralf Reski]]: &amp;#039;&amp;#039;Current achievements in the production of complex [[Biopharmazeutikum|biopharmaceuticals]] with [[Physcomitrella patens|moss]] bioreactor.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Bioprocess and Biosystems Engineering&amp;#039;&amp;#039;, Band 31, 2008, S. 3–9. [[doi:10.1007/s00449-007-0151-y]]&amp;lt;/ref&amp;gt; unter möglichst optimalen Bedingungen [[Kultivierung|kultiviert]] (auch: &amp;#039;&amp;#039;fermentiert&amp;#039;&amp;#039;) werden. Der Betrieb eines Bioreaktors ist somit eine Anwendung der [[Biotechnologie]], die biologische Prozesse ([[Biokonversion]], [[Biokatalyse]]) in technischen Einrichtungen nutzt bzw. nutzbar macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Faktoren, die in den meisten Bioreaktoren steuerbar oder kontrollierbar sind, sind die Zusammensetzung des [[Nährmedium]]s (auch &amp;#039;&amp;#039;Nährlösung&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;Substrat&amp;#039;&amp;#039;), die [[Sauerstoff]]zufuhr, Temperatur, [[pH-Wert]], [[Sterilisation|Sterilität]] und andere.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Garabed&amp;quot;&amp;gt;Garabed Antranikian: &amp;#039;&amp;#039;Angewandte Mikrobiologie&amp;#039;&amp;#039;, 1. Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2006, ISBN 3-540-24083-7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zweck der Kultivierung in einem Bioreaktor kann die Gewinnung der Zellen oder von Bestandteilen der Zellen oder die Gewinnung von [[Stoffwechselprodukt]]en sein. Diese können z.&amp;amp;nbsp;B. als [[Wirkstoff]] in der [[Pharmaunternehmen|pharmazeutischen]] oder als [[Grundchemikalie]] in der [[Chemische Industrie|chemischen Industrie]] verwendet werden. Auch der Abbau von [[Chemische Verbindung|chemischen Verbindungen]] kann in Bioreaktoren stattfinden, wie z.&amp;amp;nbsp;B. bei der [[Abwasserreinigung]] in [[Kläranlage]]n.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Garabed&amp;quot; /&amp;gt; Die Herstellung von Bier, Wein und anderen, seit Jahrtausenden erzeugten Produkten findet ebenfalls in Bioreaktoren statt. Anders als bei modernen Anwendungen spricht man bei diesen klassischen Beispielen meist nicht von Bioreaktoren, sondern verwendet die historisch geprägten Begriffe (z.&amp;amp;nbsp;B. [[Würzepfanne|Braukessel]] bei der Bierherstellung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bioreaktoren werden unterschiedlichste Organismen für verschiedene Zwecke kultiviert. Daher stehen mehrere Reaktorvarianten in unterschiedlicher Ausführung zur Verfügung. Typisch sind [[Rührkessel]]reaktoren aus Metall, die ein Volumen von wenigen bis tausenden Litern haben können und mit Nährlösung gefüllt werden. Aber auch sich stark unterscheidende Varianten, wie z.&amp;amp;nbsp;B. [[Festbettreaktor]]en, [[Photobioreaktor]]en werden verwendet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Garabed&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
[[Datei:2009-02-20 Fermenters at LoneRider Brewery.jpg|mini|Gärbottiche zur Bierherstellung sind ebenfalls Bioreaktoren]]&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Biotechnologie}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da auch Braukessel in [[Brauerei]]en technisch zu den Bioreaktoren zählen, kann man das Erscheinen der ersten Bioreaktoren mit dem Erscheinen der ersten Brauereien vor ungefähr 5500 Jahren gleichsetzen. Auch die seit Jahrtausenden verbreiteten Vorrichtungen zur Herstellung verschiedener [[Milchprodukt]]e mit Hilfe von Bakterien oder Enzymen können als Bioreaktoren bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Weiterentwicklung der [[Biotechnologie]], vor allem durch wesentliche Fortschritte in der [[Mikrobiologie]] im 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert und der [[Genetik]], [[Molekularbiologie]] und [[Gentechnik]] ab Mitte des 20.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts, konnten immer mehr Anwendungen wie in der chemischen Industrie und im Bereich der [[Pharmazeutik]] entwickelt werden. In vielen [[Bioverfahrenstechnik|biotechnologischen Verfahren]] kommen dabei Bioreaktoren zum Einsatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Betriebsparameter ==&lt;br /&gt;
Ein Bioreaktor hat vor allem den Zweck, möglichst hohe Produktausbeuten zu liefern. Das wird insbesondere durch Schaffung optimaler Bedingungen für den jeweils verwendeten Organismus erreicht. Dieser ist an verschiedene Parameter, die in seinem natürlichen Lebensraum herrschen, angepasst. Wichtig sind die Art und Konzentration der [[Nährstoff]]e, die Temperatur, der Sauerstoffgehalt der pH-Wert etc. Meist ist zudem ein [[Rührwerk]] oder eine andere Einrichtung notwendig, um für eine homogene Einstellung dieser Parameter über den gesamten Reaktorraum zu sorgen.&lt;br /&gt;
Neben den Ansprüchen der Organismen müssen auch andere technische, organisatorische und ökonomische Faktoren berücksichtigt werden, die die Wahl der Betriebsparameter beeinflussen. Beispiele sind die Vermeidung der Schaumbildung und die Wahl entweder einer kontinuierlichen oder einer [[Chargenprozess|Batch-Betriebsweise]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Hilfe von [[Messeinrichtung|Sonden]] bzw. [[Sensor]]en werden viele dieser Parameter direkt im Nährmedium oder in der Abluft gemessen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Garabed&amp;quot; /&amp;gt; Über diese Parameter ist zudem meist der Prozessverlauf beurteilbar. Die Zelldichte lässt sich durch Messung der [[Extinktion (Optik)|Extinktion (optische Dichte)]] bestimmen, was wiederum auf die Produktmenge schließen lässt. Eine Alternative ist häufig die Messung der Konzentration einer charakteristischen chemischen Verbindung, z.&amp;amp;nbsp;B. die Konzentrationszunahme eines Stoffwechselprodukts oder die Abnahme der Substratkonzentration.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Garabed&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn einer Fermentation wird das Nährmedium mit einer geringen Menge des aus einer [[Mikroorganismenkultur|Vorkultivierung gewonnenen Mikroorganismus]] versetzt. Diese Menge nennt man [[Inokulation|Inokulum]], der Vorgang wird oft als &amp;#039;&amp;#039;Animpfen&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet.&lt;br /&gt;
Die aus dem Fermentationsprozess gewonnene [[Suspension (Chemie)|Suspension]] (&amp;#039;&amp;#039;Brühe&amp;#039;&amp;#039;) wird beim sogenannten &amp;#039;&amp;#039;[[Downstream Processing]]&amp;#039;&amp;#039; in mehreren Verfahrensschritten aufbereitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Nährstoffversorgung ===&lt;br /&gt;
Mit dem Nährmedium müssen den Organismen alle für das Wachstum benötigten [[Nährstoff]]e zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehören die in größeren Mengen benötigten [[Hauptnährelement]]e (Makronährelemente), wie z.&amp;amp;nbsp;B. [[Kohlenstoff]], [[Stickstoff]] und [[Phosphor]]. Auch verschiedene [[Spurenelement]]e (Mikronährelemente) werden benötigt. Je nach Organismus sind weitere Verbindungen notwendig, die nicht selbst synthetisiert werden können ([[Vitamin]]e, [[Essenzielle Stoffe|essentielle]] [[Aminosäure]]n etc.).&lt;br /&gt;
Auch eine energieliefernde Verbindung, wie z.&amp;amp;nbsp;B. häufig der [[Zucker]] [[Glucose]], ist notwendig (außer bei [[Phototrophie|phototrophen]] Organismen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Temperatur ===&lt;br /&gt;
Organismen haben ein Temperaturoptimum, bei dem sie sich am besten vermehren. Ein Überschreiten dieser Temperatur kann zu irreversiblen Schädigungen durch [[Denaturierung (Biochemie)|Denaturierung]] der Proteine führen, eine Unterschreitung führt zu geringeren Stoffwechselgeschwindigkeiten und damit zu längeren Prozessdauern.&lt;br /&gt;
Die Temperatur[[Regelungstechnik|regelung]] wird durch Heiz- und Kühlkreisläufe realisiert. Beim Anfahren des Reaktors wird der gesamte Reaktorinhalt auf Betriebstemperatur geheizt bzw. gewärmt. Teilweise erzeugen die kultivierten Organismen durch ihren Stoffwechsel so viel Abwärme, dass ab einer bestimmten Zellkonzentration nur noch der Kühlkreislauf aktiv ist. In diesen Kreislauf kann ein Wärmetauscher integriert sein oder das energietragende Medium wird direkt eingespeist. Als [[Wärmeübertrager|Wärmeaustauschflächen]] zum Reaktionsraum stehen hierbei meist nur die doppelte Behälterwand, in seltenen Fällen auch eingebaute [[Kühlregister]], zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sauerstoffgehalt ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wiener Essigbrauerei 40.JPG|mini|Zwei vollautomatisierte Stahl-Fermenter der Firma [[Heinrich Frings (Unternehmen)|Heinrich Frings]].]]&lt;br /&gt;
Fermentationsansätze können, je nach Organismus und Produkt, [[Aerobie|aerob]] (in sauerstoffhaltiger Atmosphäre) oder [[Anaerobie|anaerob]] (sauerstofffrei) durchgeführt werden. Sauerstoff ist schlecht wasserlöslich, sodass eine ausreichende Versorgung aerober Ansätze schwierig ist. Die Sauerstofflöslichkeit in einem Fermentationsmedium mit einer Temperatur von 37&amp;amp;nbsp;°C liegt beispielsweise bei 3–5&amp;amp;nbsp;mg/L. Der Sauerstoff[[partialdruck]] kann durch verschiedene Methoden reguliert werden:&lt;br /&gt;
* Veränderung des Gasdurchsatzes,&lt;br /&gt;
* Veränderung der Rührerdrehzahl,&lt;br /&gt;
* Veränderung der Rührwerkzeuggeometrie,&lt;br /&gt;
* Veränderung der Gasgemischzusammensetzung,&lt;br /&gt;
* Veränderung des Kopfdruckes (hierbei wird jedoch auch die Löslichkeit von anderen Gasen, zum Beispiel Kohlendioxid, erhöht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch starkes Einblasen von Gas oder zu hohe Rührerdrehzahlen wird jedoch auch die störende Schaumbildung erhöht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei obligat anaeroben Organismen dagegen ist eine Sauerstoffzufuhr zu vermeiden, da er toxisch wirken kann. Bei anaeroben Ansätzen mit fakultativ anaeroben Organismen würde eine Sauerstoffzufuhr ungewünschte aerobe Reaktionen ermöglichen, welche die Prozessausbeute verringern könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== pH-Wert ===&lt;br /&gt;
Die kultivierten Organismen besitzen meist einen begrenzten pH-Toleranzbereich mit einem pH-Optimum. Der pH-Wert kann mit automatisch an einen pH-Sensor gekoppelten Pumpen kontrolliert werden, die je nach Bedarf zum Ansäuern zum Beispiel [[Phosphorsäure]] (H&amp;lt;sub&amp;gt;3&amp;lt;/sub&amp;gt;PO&amp;lt;sub&amp;gt;4&amp;lt;/sub&amp;gt;), [[Salzsäure]] (HCl) oder zum Erhöhen des pH-Werts zum Beispiel [[Natronlauge]] (NaOH) in den Bioreaktor pumpen. In bestimmten Fällen kann der pH-Wert auch über die Rate der Fütterung mit Substrat erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Homogenisierung ===&lt;br /&gt;
Die meisten Bioreaktoren verfügen über eine Rühreinrichtung, wie z.&amp;amp;nbsp;B. ein Rührwerk oder eine Gaseinblasung, durch die das Medium umgewälzt wird. Das sorgt für eine homogene Einstellung verschiedener Parameter im gesamten Reaktor und damit für einen gleichmäßigeren Prozessablauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schaumbildung ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Entschäumer}}&lt;br /&gt;
Problematisch ist häufig die [[Schaum]]entwicklung durch das Rühren, was die Abluftfilter verstopfen und die kultivierten Zellen mechanisch belasten kann.&lt;br /&gt;
Chemische [[Entschäumer]] (Antischaummittel) wirken über die Verringerung der [[Oberflächenspannung]]. Negativ ist die Beeinflussung des Gastransports und die schlechte Abtrennbarkeit aus der Reaktionslösung beim [[Downstream Processing]] (Produktaufbereitung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mechanische Entschäumer wie Schaumzerstörer zerschlagen den Schaum, entfernen aber nicht die schaumbildenden Faktoren, wie z.&amp;amp;nbsp;B. abgestorbene Zellen. Bei Schaumabscheidern wird der Schaum abgeleitet und wieder verflüssigt und kann anschließend abgepumpt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kontinuierlicher oder Batch-Betrieb ===&lt;br /&gt;
Bei der Betriebsweise eines Fermenters kann unterschieden werden zwischen:&lt;br /&gt;
* [[Chargenprozess|Batch-Betrieb]]: Befüllen des Reaktors, kein Hinzufügen oder Entnehmen während des Fermentationsprozesses, einfache Steuerung, [[Stoffreinheit#Verunreinigung (Kontamination)|Kontaminationen]] unwahrscheinlich&lt;br /&gt;
* Fed-Batch-Betrieb: ähnlich dem Batch-Betrieb; jedoch z.&amp;amp;nbsp;B. Substratzugabe während des Prozesses, da eine anfangs hohe Substratkonzentration [[Inhibitor|inhibierend]] sein kann&lt;br /&gt;
* [[Kontinuierlicher Prozess|kontinuierlicher Betrieb]] im [[Chemostat-Bioreaktor]]: ununterbrochener Betrieb durch Substratzugabe und Produktentnahme, komplexe Steuerung, Kontaminationen problematisch, aber teure und aufwendige [[Downstream Processing|Downstream-Prozesse]] können ebenfalls kontinuierlich durchgeführt, und damit optimaler ausgelastet werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Forschung werden eher Batch-Fermentationen durchgeführt, während bei größeren Produktionsanlagen die Einrichtung eines kontinuierlichen Betriebs ökonomisch sinnvoll sein kann.&lt;br /&gt;
{{Siehe auch|Batch-Prozess|Fed-Batch-Prozess|Chemostat-Bioreaktor}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reaktortypen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:STR Bioreactor.jpg|mini|Laborbioreaktor Pilzfermentationsprozesses.]]&lt;br /&gt;
Die für die verwendeten Organismen bzw. aus technischen, organisatorischen und anderen Gründen einzuhaltenden Betriebsparameter sind sehr unterschiedlich. Für die jeweilige Verwendung ist daher ein entsprechender Bioreaktor zu entwerfen oder es kann ein Reaktortyp verwendet werden, in dem die verschiedenen Parameter in einem breiten Fenster geregelt werden können, so dass er für verschiedene Zwecke eingesetzt werden kann. Ein häufiger Typ ist der begasbare [[Rührkessel]]reaktor in unterschiedlichen Varianten (Material, Größe usw.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterscheidung nach Rührtechnik ===&lt;br /&gt;
In jedem Bioreaktor finden sich die drei [[Phase (Materie)|Phasen]] fest ([[Biomasse]]), flüssig (Nährmedium) und gasförmig (zum Beispiel [[Luft]], Sauerstoff, [[Kohlendioxid]], [[Stickstoff]]). Im Bioreaktor wird deren Verteilung mit verschiedenen Maßnahmen homogen gehalten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bewegliche mechanische Einbauten (Rührwerke): z.&amp;amp;nbsp;B. im [[Rührkesselreaktor]]&lt;br /&gt;
* äußerer Pumpenkreislauf: die Flüssigkeit wird durch eine Pumpe umgewälzt, z.&amp;amp;nbsp;B. [[Freistrahl]]reaktor&lt;br /&gt;
* Einblasen von Gas: die Gasphase wird in den flüssigen Anteil eingeblasen z.&amp;amp;nbsp;B. [[Airliftreaktor]] oder [[Blasensäulenreaktor]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werden diese Reaktorformen mit [[Leitrohr (Verfahrenstechnik)|Leitrohren]] versehen, dann ergeben sich die folgenden Reaktortypen:&lt;br /&gt;
* Propeller-Schlaufenreaktor (ein Reaktor, bei dem Energie durch ein axial nach unten förderndes Rührorgan eingetragen wird und der mit einem Leitrohr versehen ist)&lt;br /&gt;
* Strahl-Schlaufenreaktor (ein Freistrahlreaktor mit einem Leitrohr)&lt;br /&gt;
* Mammutschlaufenreaktor (ein Airliftreaktor oder ein Blasensäulenreaktor mit einem Leitrohr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterscheidung nach Aufbau ===&lt;br /&gt;
Eine weitere Unterscheidung ist nach der Art des Reaktoraufbaus möglich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Rührkesselreaktor]]: verbreiteter Typ; die flüssige Phase wird mit einem Rührwerk umgewälzt; nach Bedarf erfolgt eine Begasung&lt;br /&gt;
* [[Festbettreaktor]]: der Reaktor ist mit einer festen, porösen [[Verbundwerkstoff|Matrix]] gefüllt, auf der die Organismen (oder Enzyme) immobilisiert werden können; die Organismen verbleiben so im Reaktor, statt mit dem Medium ausgeschwemmt zu werden, so dass das Wachstum der Organismen ein weniger [[limitierender Faktor]] ist (bzw. der Enzymbedarf gesenkt wird)&lt;br /&gt;
* [[Tropfkörper|Rieselstromreaktor]] (Tropfkörper): ein Festbett wird mit Flüssigkeit (z.&amp;amp;nbsp;B. zu klärendes Abwasser) berieselt; die abbauenden Organismen sitzen auf der Oberfläche; im [[Gegenstromprinzip (Verfahrenstechnik)|Gegenstrom]] wird die für den Abbau notwendige Luft (Sauerstoff) eingeleitet&lt;br /&gt;
* [[Photobioreaktor]] ([[Algenreaktor]], [[Wasserstoffbioreaktor]]): zur Kultivierung von [[Photosynthese]] betreibenden Organismen (Algen, Pflanzen(zellen)); der Reaktor besteht aus Glas, damit das notwendige Licht zu den Organismen gelangt; optimiert wird die Lichtausnutzung durch platten- oder röhrenförmige Reaktoren (siehe unten: Rohrreaktor)&lt;br /&gt;
* [[Rohrreaktor]]: in rohrförmigen Reaktoren kann eine [[Pfropfenströmung]] entstehen, die z.&amp;amp;nbsp;B. in bestimmten Fermentern in [[Biogasanlagen]] ausgenutzt wird; bereits abgebautes und frisches Material ([[Substrat (Biogasanlage)|Substrat]]) wird nicht vollständig durchmischt, was verschiedene Vorteile haben kann&lt;br /&gt;
* [[Membranbioreaktor]]: ein Reaktor, bei dem (je nach Anwendung) das Reaktionsprodukt, die Biomasse oder das gereinigte Wasser permanent über [[Membrantechnik|Membranen]] abgetrennt werden kann. Anwendungen hierfür sind die [[Membranbelebungsreaktor|Abwasserreinigung]] (MBR), Gewinnung von [[Milchsäure]] und Pharmazeutische Produkte.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Czermak: [https://www.thm.de/lse/images/AG-BVT/ACHEMA-MT.pdf &amp;#039;&amp;#039;Prozessintensivierung und effiziente Produktherstellung mit Membranen.&amp;#039;&amp;#039;] [[TH Mittelhessen]], 2012, abgerufen am 13. April 2017 (PDF; 189&amp;amp;nbsp;kB).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Rührkesselreaktoren hintereinandergeschaltet bilden einen [[Kaskadenreaktor]] (&amp;#039;Rührkesselkaskade&amp;#039;). Vor allem in der Forschung und der Prozessentwicklung werden zunehmend [[Parallelreaktorsystem|parallele Bioreaktorsysteme]] aus vier, acht oder sechzehn Reaktoren verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Forschung werden als [[Laborfermenter]] kleine Rührkesselreaktoren oder häufig auch [[Erlenmeyerkolben]] eingesetzt, die zum Rühren des Mediums auf einem sogenannten Schüttler befestigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher dominierten wegen der einfacheren Prozesskontrolle in manchen Bereichen [[Feststoff-Bioreaktor]]en. Die Flüssigkultivierung, auch als [[Submersfermentation]] bezeichnet, war schwierig zu steuern, dominiert heute aber wegen verschiedener Vorteile, wie zum Beispiel der besseren Möglichkeiten zur Sauerstoffversorgung durch Rühren und Begasung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mehrweg- und Einwegreaktoren ===&lt;br /&gt;
Meist sind Bioreaktoren aus Metall ([[Rostfreier Stahl|rostfreiem Stahl]]) oder Glas gefertigt. Dies erlaubt eine einfache Reinigung und [[Sterilisation]] und somit die mehrfache Verwendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der tierischen [[Zellkulturtechnik]] dagegen werden vermehrt [[Einweg-Bioreaktor]]en in Form von vorsterilisierten Einwegbeuteln verwendet. Diese bestehen aus [[Verbundfolie]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Barbaroux&amp;quot;&amp;gt;{{cite journal |author=M. Barbaroux, A. Sette |year=2006 |title=Properties of Materials Used in Single-Use Flexible Containers: Requirements and Analysis |journal=BioPharm International |volume=11 |language=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Durch die Einwegbeutel werden die aufwendigen Reinigungs- und Sterilisationsverfahren vermieden, was insbesondere in der Produktion von [[Pharmazeutische Biotechnologie|biologischen Präparaten]] zu erheblich verkürzten [[Rüsten|Rüstzeiten]] und damit zu Kosteneinsparungen führt. Außerdem ist garantiert, dass keine Spuren aus vorherigen Produktionsprozessen einen Batch verunreinigen können, da alle produktberührenden Teile der Anlage Einwegmaterialien sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Einweg-Bioreaktoren waren keine Rührkesselreaktoren. Die Umwälzung übernahm stattdessen eine Wippvorrichtung. Neu entwickelte Rührkesselreaktoren sind mittlerweile in Größen von 10 ml bis 2000 l verfügbar.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.sartorius.com/en/products/fermentation-bioreactors/single-use-bioreactors/biostat-str |titel=Biostat STR® Generation 3 Single-Use Bioreactor |sprache=en |abruf=2023-12-07}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Bioreaktoren verschiedener Größen, sowie Behälter zur Vorbereitung von Lösungen und zur Ernte und Aufreinigung können über Schlauchsysteme verknüpft werden, sodass geschlossene sterile Systeme für komplette Produktionsprozesse entstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Nachhaltigkeit]] von Einwegreaktoren kann, je nach Prozess, besser sein als von Mehrwegreaktoren. Die Reinigung von Edelstahlsystemen nach pharmazeutischen Standards erforderte einen hohen Aufwand an Reinigungschemikalien und Energie, sodass eine Verwendung von Einwegmaterialien im Einzelfall ressourcenschonender sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anwendungen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Faulturm Oberzell.JPG|mini|Faulturm]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Ladbergen Biogasanlage.JPG|mini|Fermenter einer Biogasanlage]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kläranlagen ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Kläranlage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr große Bioreaktoren finden sich in [[Kläranlage]]n mit biologischen Prozessstufen. Beim [[Belebtschlammverfahren]] findet zunächst ein aerober Schritt statt, in dem gelöste Verbindungen von Mikroorganismen in Form der gebildeten [[Biomasse]] gebunden werden. Diese Biomasse kann letztlich im [[Faulturm]] zum [[methan]]reichen [[Klärgas]] (ein [[Faulgas]]) [[Vergärung|vergoren]] werden. Ein weiteres, aerobes Verfahren ist der [[Tropfkörper]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Garabed&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Biogasanlagen ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Biogasanlage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bioreaktoren von [[Biogasanlagen]] werden meist als Fermenter bezeichnet. Die eingesetzte Biomasse wird in einem anaeroben Prozess mit mehreren Schritten ([[Hydrolyse]], [[Acidogenese]], [[Acetogenese]] und [[Methanogenese]]) zu [[Biogas]] und [[Gärrest]]en abgebaut. Die Behälter sind luftdicht abgeschlossen und verfügen über ein Rührwerk und verschiedene [[Mess- und Regelungstechnik|Mess-, Steuer- und Regeltechnik]]-Einrichtungen (MSR) zur Prozesskontrolle.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Garabed&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brauereien und Winzereien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der [[Brauerei]] oder der [[Winzerei]] werden Bioreaktoren gebraucht, die hier aber z.&amp;amp;nbsp;B. als Gärbottiche bezeichnet werden. Die verwendeten Mikroorganismen sind hier Hefen, die den Zucker aus der [[Maische]] bzw. dem [[Traubensaft]] in Alkohol und Kohlenstoffdioxid (CO&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;) umwandeln.&lt;br /&gt;
{{Siehe auch|Brauerei|Weinherstellung|Alkoholische Gärung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Pharma- und Kosmetikindustrie ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Rote Biotechnologie|Weiße Biotechnologie}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wertvollsten in Bioreaktoren hergestellten Produkte sind medizinisch-pharmakologische Produkte wie zum Beispiel das als Dopingmittel bekanntgewordene [[Erythropoietin]] (EPO) oder moderne [[Insulin]]e.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da an Medikamente ein deutlich höherer Reinheitsstandard gestellt wird als an Lebensmittel, gelten hier mit den [[Good Manufacturing Practice|Good-Manufacturing-Practice]]-Richtlinien besonders strenge Vorschriften. Alle Betriebsparameter des Bioreaktors müssen in engen Grenzen gehalten werden, und bereits kleinste Abweichungen haben zur Folge, dass die gesamte Charge nicht in Umlauf gebracht werden darf. Um möglichst viele Unwägbarkeiten ausschließen zu können, kommen in diesen Prozessen nur sehr selten vollbiologische Nährmedien zum Einsatz, sondern ein optimiertes, synthetisches Gemisch der benötigten Nährstoffe. Dadurch wird vermieden, dass durch Schwankungen der Substratqualität die Produktqualität mitschwankt.&lt;br /&gt;
Je nach gewünschtem Produkt kommen in der Pharmaindustrie unterschiedliche, meist genetisch veränderte, Mikroorganismen zum Einsatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Modellierung ==&lt;br /&gt;
Die Prozesse in Bioreaktoren können durch die [[Reaktionskinetik]] beschrieben werden, wobei man bei der Modellierung die Besonderheiten biologischer Prozesse beachten muss (z.&amp;amp;nbsp;B. [[Michaelis-Menten-Theorie]], [[Monod-Kinetik]], [[Enzymkinetik]], [[Enzymhemmung]] etc.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Idealreaktor]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Winfried Storhas: &amp;#039;&amp;#039;Bioreaktoren und periphere Einrichtungen: Ein Leitfaden für die Hochschulausbildung, für Hersteller und Anwender&amp;#039;&amp;#039;. 1. Auflage. Springer Verlag, Heidelberg 1994, ISBN 3-540-67054-8.&lt;br /&gt;
* Ludwig Hasler, Rudolf Butz, Ueli Hepp: &amp;#039;&amp;#039;Transparenz, Form und Funktion, Fermenterbau – Kunst.&amp;#039;&amp;#039; 1, Auflage. Wald: DreiPunktVerlag, 2006. ISBN 978-3-905409-10-9.&lt;br /&gt;
* Karl Schwister (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Taschenbuch der Verfahrenstechnik.&amp;#039;&amp;#039; 3. Auflage, Fachbuchverlag Leipzig, München 2007. ISBN 978-3-446-41058-9.&lt;br /&gt;
* [[Garabed Antranikian]]: &amp;#039;&amp;#039;Angewandte Mikrobiologie&amp;#039;&amp;#039;, 1. Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2006, ISBN 3-540-24083-7&lt;br /&gt;
* [[Horst Chmiel]] (2006): München, Spektrum Akademischer Verlag, &amp;#039;&amp;#039;Bioprozesstechnik&amp;#039;&amp;#039;, 2. Auflage ISBN 3-8274-1607-8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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