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	<title>Billigkeit - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Dk1909: Klammern korrigiert</title>
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		<updated>2026-04-11T11:00:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klammern korrigiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Begriffsklärungshinweis}}&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Billigkeit&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (historische Vorläufer: [[Altgriechische Sprache|altgr.]] &amp;#039;&amp;#039;[[Epikie|ἐπιείκεια (Epikie)]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Anil-Martin Sinha, Franz Wiedmann: &amp;#039;&amp;#039;Die Bedeutung der Epikie bei Aristoteles für das ärztliche Handeln&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;Würzburger medizinhistorische Mitteilungen&amp;#039;&amp;#039;, Band 22, 2003, S. 105–112.&amp;lt;/ref&amp;gt;; [[latein|lat.]] &amp;#039;&amp;#039;[[aequitas]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Matthias Armgardt und Hubertus Busche (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Recht und Billigkeit. Zur Geschichte der Beurteilung ihres Verhältnisses.&amp;#039;&amp;#039; Mohr Siebeck Tübingen 2021 ([https://content.e-bookshelf.de/media/reading/L-14473242-187f8a28ec.pdf Inhaltsverzeichnis und Einleitung])&amp;lt;/ref&amp;gt;) ist ein tragendes [[Grundsatz#Recht|Grundprinzip]] der deutschen [[Rechtsordnung]]. Es äußert sich gemeinhin als die „Anschauung aller billig und gerecht Denkenden“. In seiner negativen Umkehrung kann das Rechtsgefühl einer „groben Unbilligkeit“ erwachsen. Im [[Privatrecht|Zivilrecht]] geregelt, findet der Billigkeitsgrundsatz abstrakten Ausdruck im Prinzip von [[Treu und Glauben]] ({{§|242|BGB|dejure}} [[Bürgerliches Gesetzbuch|BGB]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Entscheidung (Gericht)|Gerichtsentscheidungen]] haben Billigkeit dringend zu berücksichtigen, denn sie sollen „recht und billig“ sein. Recht und Gesetz haben sie stets zu entsprechen, sie sollen aber auch für [[Einzelfall]]gerechtigkeit sorgen. Hierzu eröffnet der Gesetzgeber den Gerichten durch [[Generalklausel]]n und durch [[unbestimmter Rechtsbegriff|bestimmbare Rechtsbegriffe]] im Rahmen „billigen Ermessens“ den Raum, der benötigt wird, die Voraussetzungen für eine Entscheidung zu konkretisieren. Im Idealfall führt die daraus erwachsende „billige“ [[Rechtsanwendung]] zu [[Gerechtigkeit|gerechten]] oder [[Verhältnismäßigkeitsprinzip (Deutschland)|angemessenen]] Entscheidungen und verhilft darüber hinaus dazu, [[Härtefall|Härtefälle]] zu vermeiden. Im Einzelfall kann es notwendig werden, von der buchstabengetreuen [[Auslegung (Recht)|Auslegung]] eines Gesetzes abzusehen und vom engen [[ius strictum|Gesetzeswortlaut]] abzuweichen, damit notwendige Korrekturen vorgenommen – insbesondere unbeabsichtigte [[Gesetzeslücke]]n geschlossen – werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;Claus-Wilhelm Canaris: &amp;#039;&amp;#039;Die Feststellung von Lücken im Gesetz. Eine methodologische Studie über Voraussetzungen und Grenzen der richterlichen Rechtsfortbildung praeter legem.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Schriften zur Rechtstheorie&amp;#039;&amp;#039;, Heft 3, 2. Auflage Berlin 1983. §§ 1–5 und §§ 6–10.&amp;lt;/ref&amp;gt; Grenzen sind dem [[Richterrecht]] allerdings dort gesetzt, wo der [[Gewaltenteilung]]sgrundsatz entgegensteht, denn [[Legislative|gesetzgeberische]] Befugnisse stehen allein dem [[Parlament]] zu, das allein Recht auch ändern darf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[umgangssprachlich]]e Begriff &amp;#039;&amp;#039;Billigkeit&amp;#039;&amp;#039; weicht von den Grundsätzen ab, denn „billig“ steht für „preiswert“ oder „günstig“. Im weiteren Entwicklungsverlauf ist der Begriff auch mit den Nebenbedeutungen „niedrigpreisig“, „minderwertig“ oder „schlecht“ konnotiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Das Wort &amp;#039;&amp;#039;billig&amp;#039;&amp;#039; bedeutete bis ins 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert noch ‚angemessen‘. Näheres zur Begriffsgeschichte bei Karlheinz Muscheler: &amp;#039;&amp;#039;Recht und Billigkeit. Zum Wesen des Billigkeitsurteils.&amp;#039;&amp;#039; Duncker &amp;amp; Humblot, 2025. S. 11–19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Billigkeitsbestimmungen im geltenden Recht ==&lt;br /&gt;
=== Grundsätze ===&lt;br /&gt;
In der deutschen Rechtstradition spielt die &amp;#039;&amp;#039;Billigkeit&amp;#039;&amp;#039; eine prominente Rolle im Zivilrecht. Billigkeit ist in einigen Fällen des BGB Gesetzesbegriff; Bestimmungen zum „billigen Ermessen“ sind etwa in {{§|315|bgb|juris}}, {{§|319|bgb|juris}} und {{§|2048|bgb|juris}} BGB enthalten, zum Maßstab der „Billigkeit“ etwa in {{§|571|bgb|juris}} BGB. Korrespondierend bestehen Bestimmungen im [[Zivilprozessrecht (Deutschland)|Zivilprozessrecht]], so in {{§|91a|zpo|juris}}, {{§|495a|zpo|juris}} [[Zivilprozessordnung (Deutschland)|ZPO]]. Da das Gesetz normalerweise Anordnungen für den Regelfall trifft, Gesetze oft allerdings Ausnahmeregeln enthalten, ist es der [[Rechtsprechung]] vorbehalten, im konkreten Einzelfall zu prüfen, wann und ob ein Ausnahmefall vorliegt und nach billigem Ermessen zu ergänzen, gegebenenfalls zu korrigieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Thomas Henkel: &amp;#039;&amp;#039;Begriffsjurisprudenz und Billigkeit.&amp;#039;&amp;#039; 2004, S. 124.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Billigkeit tritt damit als Ausfüllungsbegriff in Erscheinung, Billigkeitskontrolle ist eine an den individuellen Besonderheiten ausgerichtete gerichtliche Kontrolle. Für das [[Reichsgericht]] (RG) galt bereits im April 1901 als billig, was der „Auffassung aller billig und gerecht denkenden Menschen entspricht“.&amp;lt;ref&amp;gt;RG, Urteil vom 11. April 1901, Az. VI 443/00, RGZ 48, 114–129 (124).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grundsatz der Billigkeit ergänzt [[Kodifikation|geschriebenes Recht]], auch um Härten zu vermeiden oder sie zu mildern (vergleichbar sind [[Situationsethik|situationsethische]] Ansätze). Er erfordert die „Prüfung und Abwägung der objektiven wirtschaftlichen Interessenlage (…) bei den beiden Vertragspartnern“,&amp;lt;ref&amp;gt;BGH, Urteil vom 2. April 1964, Az. KZR 10/62, {{Webarchiv|url=https://www.jurion.de/urteile/bgh/1964-04-02/kzr-10_62/ |wayback=20180921230155 |text=Volltext |archiv-bot=2023-06-16 12:08:30 InternetArchiveBot }} = BGHZ 41, 271, 279. Zur logischen Struktur des Billigkeitsurteils vgl. Karlheinz Muscheler: &amp;#039;&amp;#039;Recht und Billigkeit. Zum Wesen des Billigkeitsurteils.&amp;#039;&amp;#039; Duncker &amp;amp; Humblot, 2025. S. 44–117.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist also letztlich auf die Erzielung von Einzelfallgerechtigkeit ausgerichtet. Der Berechtigte darf nicht nur seine eigenen Interessen verfolgen, sondern muss die Belange des Vertragspartners in seine Abwägung einbeziehen (lassen).&amp;lt;ref&amp;gt;Michael Stümer: &amp;#039;&amp;#039;Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit im Schuldrecht.&amp;#039;&amp;#039; 2010, S. 429 ([https://books.google.de/books?id=FxAI_IIotZkC&amp;amp;pg=PA429&amp;amp;dq=billigkeit+und+ermessen&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ei=BDQoUrCPN8nQtAbI14GgCw&amp;amp;ved=0CDwQ6AEwAg#v=onepage&amp;amp;q=billigkeit%20und%20ermessen&amp;amp;f=false books.google.de]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei verhält sich das geltende Recht und das elementare Gerechtigkeitsprinzip der Billigkeit abhängig vom historischen Kontext.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Matthias Armgardt, Hubertus Busche |Titel=Einleitung |Hrsg=Matthias Armgardt, Hubertus Busche |Sammelwerk=Recht und Billigkeit zur Geschichte der Beurteilung ihres Verhältnisses |Ort=Tübingen |Datum=2021 |ISBN=978-3-16-159797-8 |Seiten=1 ff. |Online= |Abruf=}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofern Richter in einem modernen demokratischen [[Rechtsstaat]] abweichend &amp;#039;&amp;#039;([[praeter legem]])&amp;#039;&amp;#039; oder gar gegen das Gesetz &amp;#039;&amp;#039;([[contra legem]])&amp;#039;&amp;#039;, ist die Frage der [[Legitimität]] der darauf beruhenden Entscheidung eröffnet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Curt Wolfgang Hergenröder]]: &amp;#039;&amp;#039;Zivilprozessuale Grundlagen richterlicher Rechtsfortbildung&amp;#039;&amp;#039;, Mohr-Verlag 1995, Band 12 von &amp;#039;&amp;#039;Jus Privatum: Beiträge zum Privatrecht.&amp;#039;&amp;#039; ISBN 3-1614-6389-7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Regelmäßig werden [[Rechtsmittel]] erfolgreich sein. Ebenfalls zu vermeiden hat der Richter unbillige Entscheidungen. Sie ist ein der Gerechtigkeit widersprechendes Verhältnis zwischen [[Leistung (Recht)|Leistung]] und [[Gegenleistung]] und eine Zwischenstufe zwischen billigem [[Ermessen]] und [[Willkür (Recht)|Willkür]].&amp;lt;ref&amp;gt;BGH, Urteil vom 14. Oktober 1958, Az. VIII ZR 118/57 = NJW 1958, 2067.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Details ===&lt;br /&gt;
Billigkeit ist ein [[Allgemeine Rechtsgrundsätze|allgemeiner Rechtsgrundsatz]], der an vielen Stellen des Zivilrechts positiv geregelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausformungen von Billigkeit sind zudem [[Verbraucherschutz]]regelungen wie die [[Allgemeine Geschäftsbedingungen|Allgemeinen Geschäftsbedingungen]] (AGB) nach {{§|305|bgb|juris|text = §§ 305 ff.}} BGB. In ihnen wird nämlich durch Wertung im Einzelfall bestimmt, dass Regelungen, die für den schwächeren Vertragspartner (Verbraucher) so ungewöhnlich sind, dass er mit ihnen nicht rechnen musste, ungültig sind. Wurde der Partner sonst unangemessen benachteiligt oder wurde in anderer Weise gegen [[Treu und Glauben]] verstoßen, kann ebenfalls eine AGB-Klausel vom Richter für ungültig erklärt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Billiges Ermessen“ findet sich im [[Leistungsbestimmungsrecht]] des {{§|315|bgb|juris}} Abs.&amp;amp;nbsp;1 BGB, {{§|317|bgb|juris}} BGB und {{§|319|bgb|juris}} BGB. Der Preis kann von einer [[Partei (Recht)|Vertragspartei]] nach &amp;#039;&amp;#039;billigem Ermessen&amp;#039;&amp;#039; festgelegt werden, wenn keine Einigung über den Rahmen, in dem sich die Leistungsbestimmung zu halten hat, erzielt wurde. Rechtsverbindlich wird diese Festlegung nur dann, wenn sie den Billigkeitsanforderungen genügt ({{§|315|bgb|juris}} Abs.&amp;amp;nbsp;3 BGB), sonst wird das ausgeübte Ermessen des Anbieters durch Gerichte überprüft. „Billiges Ermessen“ bedeutet, dass der Vertragspartner bei seiner Preisfestlegung seinen [[Ermessen]]sspielraum nur im Rahmen eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Leistung und Gegenleistung ausüben darf. Die Ausübung des Ermessens hat Vorrang vor der Billigkeit, also einer angemessenen und gerechten Preisfindung. Es handelt sich um einen Gestaltungsspielraum in den Grenzen der angemessenen und gerechten Preisfindung.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara Stickelbrock: &amp;#039;&amp;#039;Inhalt und Grenzen richterlichen Ermessens im Zivilprozess.&amp;#039;&amp;#039; 2002, S. 300&amp;amp;nbsp;ff. ([https://books.google.de/books?id=hqdVUDseimkC&amp;amp;pg=PA300&amp;amp;dq=billigkeit+und+ermessen&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ei=BDQoUrCPN8nQtAbI14GgCw&amp;amp;ved=0CDIQ6AEwAA#v=onepage&amp;amp;q=billigkeit%20und%20ermessen&amp;amp;f=false books.google.de]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Ziel dieser Prüfung sei nicht die Ermittlung eines gerechten Preises [[von Amts wegen]], sondern vielmehr die Feststellung, inwieweit die getroffene Bestimmung sich noch in den Grenzen der Billigkeit halte.&amp;lt;ref&amp;gt;BGH, Urteil vom 2. April 1964, Az. KZR 10/62, {{Webarchiv|url=https://www.jurion.de/urteile/bgh/1964-04-02/kzr-10_62/ |wayback=20180921230155 |text=Volltext |archiv-bot=2023-06-16 12:08:30 InternetArchiveBot }} = BGHZ 41, 271.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Billiges Ermessen“ gestattet sprachlich eine weite Auslegung (unter besonderer Betonung des Ermessens) und auch Ansätze für eine restriktive Interpretation (im Hinblick auf das Erfordernis des „billigen Ermessens“).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Staudinger (Gesetzeskommentar)|Staudinger]]-Rieble, BGB, § 315, Rn. 117.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine zunehmende Rolle spielt die Billigkeit im [[Arbeitsrecht]]. Das [[Weisungsrecht]] des [[Arbeitgeber]]s unterliegt Billigkeitsanforderungen.{{§|75|betrvg|juris}} [[Betriebsverfassung|BetrVG]] verpflichtet Arbeitgeber und Betriebsrat, die im Betrieb tätigen Personen nach den Grundsätzen von „Recht und Billigkeit“ zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[vertrag]]lichen [[Schadensersatzrecht]] kann bei [[Immaterieller Schaden|immateriellen Schäden]] eine „billige Entschädigung in Geld“ ({{§|253|bgb|juris}} Abs.&amp;amp;nbsp;2 BGB) zugesprochen werden. Im Bereich des [[Deliktsrecht]]s gewährt {{§|829|bgb|juris}} BGB Schadensersatz „aus Billigkeitsgründen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderheiten weist auch das [[Familienrecht (Deutschland)|Familienrecht]] auf (u.&amp;amp;nbsp;a. §{{§|1361|bgb|juris}} Abs. 3, {{§|1381|bgb|juris}} und{{§|1579|bgb|juris}} BGB). Betroffen ist das [[Unterhalt]]srecht, das im Bereich von [[Ehescheidung (Deutschland)|Ehescheidungen]] besondere Härten nach sich ziehen kann. Um die Lebensgrundlagen des Unterhaltsverpflichteten nicht zu zerstören, gilt es diese aus Gründen „grober Unbilligkeit“ zu vermeiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[Öffentliches Recht|öffentlichen Recht]] findet sich der Grundsatz der Billigkeit im Rechtsprinzip der [[Verhältnismäßigkeitsprinzip (Deutschland)|Verhältnismäßigkeit]], der Härteklauseln formuliert, die sich in vielen Gesetzen (etwa dem [[Baurecht (Deutschland)|Baurecht]] oder dem [[Steuerrecht (Deutschland)|Steuerrecht]]) niedergeschlagen haben. Es sind die abweichende Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgründen ({{§|163|ao_1977|juris}} [[Abgabenordnung|AO]]) und der [[Billigkeitserlass]] ({{§|227|ao_1977|juris}} AO) Beispiele für die konkrete Ausformung von Billigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;[[Ius civile]]&amp;#039;&amp;#039;, das [[Altrömisches Recht|archaische Recht]] [[Römisches Reich|Roms]], war [[Consuetudo|gewohnheitsrechtlich]] geprägtes, ungeschriebenes Recht. Es hatte seine Herkunft aus dem [[mos maiorum]], dem Sittenkodex der Ahnen, der nur von den [[Pontifex|pontifices]] ausgelegt werden durfte und strengrechtlicher Natur war. Mit ersten Vorstufen in der [[Vorklassisches Recht|Vorklassik]] übernahmen die Befugnis zur Interpretation von Rechtsregeln später weltliche Juristen der Zeit des [[Prinzipat]]s &amp;#039;&amp;#039;([[Klassik (Jurisprudenz)|interpretatio prudentium]])&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Pierangelo Buongiorno: &amp;#039;&amp;#039;Republik.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Ulrike Babusiaux]], [[Christian Baldus]], [[Wolfgang Ernst (Rechtswissenschaftler)|Wolfgang Ernst]], [[Franz-Stefan Meissel]], [[Johannes Platschek]], [[Thomas Rüfner]] (Hrsg.): Handbuch des Römischen Privatrechts. Mohr Siebeck, Tübingen 2023, ISBN 978-3-16-152359-5. Band I, S. 32–53, hier S. 46 (Rnr. 39).&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie betonten die gemeinwohlförderlichen Aspekte der des Nutzens &amp;#039;&amp;#039;(utilitas)&amp;#039;&amp;#039; und der Gleichheit, des Gleichmaßes &amp;#039;&amp;#039;(aequitas)&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Ulrike Babusiaux: &amp;#039;&amp;#039;Römische Rechtsschichten.&amp;#039;&amp;#039; In: Ulrike Babusiaux, Christian Baldus, Wolfgang Ernst, Franz-Stefan Meissel, Johannes Platschek, Thomas Rüfner (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Handbuch des Römischen Privatrechts.&amp;#039;&amp;#039; Mohr Siebeck, Tübingen 2023, ISBN 978-3-16-152359-5. Band I, S. 114–192, hier S. 122–150 (138 f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;#039;&amp;#039;Bonum et aequum&amp;#039;&amp;#039; („Gutes und Gleiches (Angemessenes)“) gingen in das römische Zivilrecht ein, Begriffspaar aus der [[Naturrecht]]slehre. Bereits der [[Römische Republik|Republikaner]] [[Marcus Tullius Cicero|Cicero]] wies auch auf die Gefahr übersteuerter Rechtstreue hin, als er äußerte: &amp;#039;&amp;#039;Summum ius summa iniuria&amp;#039;&amp;#039; („höchstes Recht ist höchste Ungerechtigkeit“).&amp;lt;ref&amp;gt;Cicero, &amp;#039;&amp;#039;[[De officiis]]&amp;#039;&amp;#039; 1,33.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die [[Philosophie der Antike|griechische Philosophie]], die in verschiedenen Zeiten Einfluss auf [[Römisches Recht|Roms Recht]] nahm, fanden die [[Skeptizismus|skeptische Erkenntnislehre]] [[Platon]]s und insbesondere die [[Stoa]] ihren Niederschlag.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Okko Behrends]]: &amp;#039;&amp;#039;Die geistige Mitte des römischen Rechts: Die Kulturanthropologie der skeptischen Akademie&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;[[Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte]]&amp;#039;&amp;#039; (Romanistische Abteilung), Band 125, Heft 1, 2008. S.&amp;amp;nbsp;25–107, hier S.&amp;amp;nbsp;44 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Aristoteles]] prägte das abendländische Rechtsdenken bereits mit seiner &amp;#039;&amp;#039;Epikie&amp;#039;&amp;#039;, abgehandelt diese in seiner [[Nikomachische Ethik|Nikomachischen Ethik]].&amp;lt;ref&amp;gt;Aristoteles: [https://www.textlog.de/33484.html &amp;#039;&amp;#039;V. Buch&amp;#039;&amp;#039;, Abschnitt 14].; Zur Geschichte von Billigkeit in Philosophie, Theologie und Kirchenrecht vgl. auch Karlheinz Muscheler: &amp;#039;&amp;#039;Recht und Billigkeit. Zum Wesen des Billigkeitsurteils.&amp;#039;&amp;#039; Duncker &amp;amp; Humblot, 2025. S. 20–41.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aristoteles unterschied „Billigkeit“ als Sonderrechtsform von seinem Gerechtigkeitskonzept. Insbesondere führte er beide als grundsätzlich unterschiedliche [[Tugend]]en ein, will sie aber nicht als verschiedene [[Gesinnung|Haltungen]] verstanden wissen. Nach Aristoteles ist billig, was außer dem geschriebenen Gesetz gerecht ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich Dieterich: &amp;#039;&amp;#039;Über die Billigkeit bei Entscheidung der Rechtsfälle.&amp;#039;&amp;#039; 1804, S. 26 ([https://books.google.de/books?id=ijNRAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;dq=billigkeit&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ei=_FonUrymIaLy7AaJ9oGYCw&amp;amp;ved=0CDoQ6AEwAQ#v=onepage&amp;amp;q=billigkeit&amp;amp;f=false books.google.de]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1837 dann galt: „Wer nicht zum Nachteile Anderer seinen Vorteil sucht und wer überhaupt nichts will, wodurch andere in ihren Rechten verletzt oder auf andere Weise eingeschränkt werden könnten, handelt billig oder gerecht“.&amp;lt;ref&amp;gt;Johann B. Mayer: &amp;#039;&amp;#039;Synonymisches Handwörterbuch der deutschen Sprache.&amp;#039;&amp;#039; 1837, S. 448 ([https://books.google.de/books?id=_NtIAAAAcAAJ&amp;amp;pg=PA448&amp;amp;lpg=PA448&amp;amp;dq=billig+biliden&amp;amp;source=bl&amp;amp;ots=Pc5PuZcukk&amp;amp;sig=70ZL7l7131XGaYYr-CceqJ8QSvY&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ei=mJAoUr_XKNOw7AbR5IHIAQ&amp;amp;ved=0CFwQ6AEwCA#v=onepage&amp;amp;q=billig%20biliden&amp;amp;f=false books.google.de])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sprachliches ==&lt;br /&gt;
Billigkeit kommt vom altdeutschen „biliden“ oder „bilethen“ für gleichmachen. Der [[Duden]]&amp;lt;ref&amp;gt;Duden: [https://www.duden.de/rechtschreibung/Billigkeit &amp;#039;&amp;#039;Billigkeit&amp;#039;&amp;#039;]&amp;lt;/ref&amp;gt; versteht hierunter im Bereich der Rechtssprache „Gerechtigkeit, Richtigkeit, Rechtmäßigkeit“. „Billig“ ist ein typisches Adjektiv, bei dem die Alltagssprache inhaltlich von der Juristensprache abweicht. Der Normalbürger verstand hierunter zunächst „preiswert“ oder „günstig“ und heute (nach 1935) minderwertig oder schlecht, nicht aber „gerecht“. Billig hat erst im 18. Jahrhundert die Bedeutung von „preiswert“ angenommen. Das Sprichwort „Was dem Einen recht ist, ist dem Anderen billig“ bedeutet sinngemäß, dass etwas beiden genehm ist oder beide einverstanden sind. Im Ausdruck „etwas billigen“ ist diese Bedeutung auch noch sichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Billigkeitshaftung]]&lt;br /&gt;
* [[Equity (Recht)]]&lt;br /&gt;
* [[Fairness]]&lt;br /&gt;
* [[Unbilligkeitsverordnung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Matthias Armgardt]], [[Hubertus Busche]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Recht und Billigkeit. Zur Geschichte der Beurteilung ihres Verhältnisses&amp;#039;&amp;#039;. Mohr Siebeck Tübingen 2021 ([https://content.e-bookshelf.de/media/reading/L-14473242-187f8a28ec.pdf Inhaltsverzeichnis und Einleitung]).&lt;br /&gt;
* [[Alexander Hollerbach]]: &amp;#039;&amp;#039;Billigkeit.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Staatslexikon der Görres-Gesellschaft|Staatslexikon]].&amp;#039;&amp;#039;, 7. Auflage, Band 1, 1985. S.&amp;amp;nbsp;809–813.&lt;br /&gt;
* Harun Maye: &amp;#039;&amp;#039;Die Paradoxie der Billigkeit in Recht und [[Hermeneutik]]&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Urteilen / Entscheiden&amp;#039;&amp;#039;. Hrsg.: [[Cornelia Vismann]], [[Thomas Weitin]]. München 2006. S.&amp;amp;nbsp;56–71.&lt;br /&gt;
* [[Wolfram Mauser (Philologe)|Wolfram Mauser]]: &amp;#039;&amp;#039;Billigkeit: Literatur und Sozialethik in der deutschen Aufklärung.&amp;#039;&amp;#039; Königshausen &amp;amp; Neumann, Würzburg 2007. ISBN 978-3-8260-3760-3.&lt;br /&gt;
* Emmanuel Michelakis: &amp;#039;&amp;#039;Platons Lehre von der Anwendung des Gesetzes und der Begriff der Billigkeit bei Aristoteles&amp;#039;&amp;#039;. München 1953.&lt;br /&gt;
* [[Karlheinz Muscheler]]: &amp;#039;&amp;#039;Recht und Billigkeit. Zum Wesen des Billigkeitsurteils.&amp;#039;&amp;#039; Duncker &amp;amp; Humblot, 2025.&lt;br /&gt;
* [[Peter Oestmann]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Zwischen Formstrenge und Billigkeit. Forschungen zum vormodernen Zivilprozeß&amp;#039;&amp;#039;. Köln, Weimar, Wien 2009.&lt;br /&gt;
* [[Tilman Repgen]]: &amp;#039;&amp;#039;Aequitas.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Der Neue Pauly]].&amp;#039;&amp;#039; Band 13, 1999, Sp. 515–519.&lt;br /&gt;
* Karl Schmölder: &amp;#039;&amp;#039;[http://dlib-pr.mpier.mpg.de/m/kleioc/0010/exec/books/%22198393%22 Die Billigkeit als Grundlage des bürgerlichen Rechts: Ein Beitrag zur Berichtigung der amtlichen Rechtsauffassung]&amp;#039;&amp;#039;. Hamm 1907.&lt;br /&gt;
* [[Jan Schröder (Rechtswissenschaftler)|Jan Schröder]]: &amp;#039;&amp;#039;Aequitas und rechtswissenschaftliches System.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte]].&amp;#039;&amp;#039; Band 21, 1999, S.&amp;amp;nbsp;29–44.&lt;br /&gt;
* Catharine Titi: &amp;#039;&amp;#039;The Function of Equity in International Law.&amp;#039;&amp;#039; Oxford University Press, 2021.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Billigkeit: [https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Billigkeit Staatslexikon-Online]&lt;br /&gt;
* Mauro Barberis: [https://www.openstarts.units.it/server/api/core/bitstreams/d90f7d48-98b3-4a47-8710-a402d4ca7481/content Eine ganz andere Geschichte. Equity, Recht und Literatur], in: slavica tergestina 13 (2011), S. 213–223 (Billigkeit im englischen Recht)&lt;br /&gt;
* Matthias Armgardt: [https://d1wqtxts1xzle7.cloudfront.net/61257339/Aequitas_Leibniz_Luigsymposion_E_1420191118-15289-3kfe78-libre.pdf?1574116156=&amp;amp;response-content-disposition=inline%3B+filename%3DZur_aequitas_in_der_Rechtsphilosophie_vo.pdf&amp;amp;Expires=1728855317&amp;amp;Signature=JqUgifQQ7mEpXq8jep1MPxM1JysD67ZhEglauNcVfbKuUynFt1FMBAN~1BkUF6UuN4hfTvW4uv9d2xJ0mAQi4-BgOOmRuqEgUJnhLWV3rtiIrjpjg4UdhRKv2leeeTh90QsDDE~ZbUDbZVCK~DCnUNgzd2qgrsxQ0Wvb7dtFZHJFPSIW8IsxU1dEIQTeYtLfr9TsVyjjaAh7JwxDo8KGjabXbZ2~iyMTsNewEXFhOISIZjyOOFaSYy8sErKdo3lqK5AZJlFf4ATrwcuTxA40PvvFcVnKIhCDmfxzwEQQbbcRm6ZLV4dMv8N-M4YqgEBu2m2g2TUoGhUaXyaV-dR5xw__&amp;amp;Key-Pair-Id=APKAJLOHF5GGSLRBV4ZA Zur aequitas in der Rechtsphilosophie von G. W. Leibniz], in: Matthias Armgardt und Hubertus Busche (Hrsg.): Recht und Billigkeit. Zur Geschichte der Beurteilung ihres Verhältnisses. Mohr Siebeck Tübingen 2021&lt;br /&gt;
* Inigo Bocken: [https://repository.ubn.ru.nl/bitstream/handle/2066/227824/227824pub.pdf?sequence=1 Aequitas. Gesetz und Freiheit bei Thomas von Aquin], in: Matthias Armgardt und Hubertus Busche (Hrsg.): Recht und Billigkeit. Zur Geschichte der Beurteilung ihres Verhältnisses. Mohr Siebeck Tübingen 2021, S. 145–158&lt;br /&gt;
* Judith Hahn: [https://tobias-lib.ub.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/139891/Hahn_060.pdf?sequence=1&amp;amp;isAllowed=y Billigkeit bei Martin Luther], in: Matthias Armgardt und Hubertus Busche (Hrsg.): Recht und Billigkeit. Zur Geschichte der Beurteilung ihres Verhältnisses. Mohr Siebeck Tübingen 2021, S. 141–158&lt;br /&gt;
* Hans F. Zacher: [https://epub.ub.uni-muenchen.de/10004/1/10004.pdf Rechtsstaat und Menschenwürde], in: Festschrift für Werner Maihofer zum 70. Geburtstag, hrsg. von Arthur Kaufmann, Ernst-Joachim Mestmäcker, Hans F. Zacher, Klostermann, Frankfurt am Main 1988, S. 669–691&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Rechtshinweis}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Juristische Methodenlehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Dk1909</name></author>
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