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	<title>Bildungsreform - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: http → https&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Staatslastig|DE}}&lt;br /&gt;
Von einer &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Bildungsreform&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; spricht man im deutschen Sprachraum dann, wenn Sektoren des [[Bildungswesen]]s nach einem übergreifenden Konzept umgestaltet werden.&lt;br /&gt;
Oftmals ergeben sich Bildungsreformen aus einem mit einer Leitvorstellung verbundenen Maßnahmenbündel, das sich über einen längeren Zeitraum erstreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzelne Neuerungen wie die flächendeckende Einführung von [[Schulhort|Horten]], die Vorverlegung des [[Fremdsprachenunterricht]]s in die [[Grundschule]]n oder die Verkürzung der [[Gymnasium|Gymnasial]]&amp;amp;shy;schulzeit sind demnach keine Bildungsreformen im gemeinten Sinn. Zwar gibt es im neueren Bildungswesen eine nahezu permanente Reformdebatte, aber selten eine Phase, in der eine breite Mehrheit der Fachleute, der öffentlichen Meinung und der entscheidungsbefugten Politiker im Konsens über die einzuschlagende Richtung eine als solche wahrnehmbare Bildungsreform durchsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historische Bildungsreformen im deutschsprachigen Raum ==&lt;br /&gt;
=== Die Bildungsreform Karls des Großen ===&lt;br /&gt;
Noch vor der deutschen Sprache steht am Anfang die [[Karolingische Bildungsreform]] im gesamten [[Frankenreich]], dokumentiert in der [[Admonitio generalis]] (796 n.&amp;amp;nbsp;Chr.). Sie führte zur ersten [[Renaissance]] durch neue Zuwendung zur antiken Literatur, um diese christlich und dynastisch zu nutzen. Eine Breitenwirkung wurde nicht erreicht.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Martin Kintzinger |Titel=Wissen wird Macht: Bildung im Mittelalter |Verlag=Jan Thorbecke |Datum=2003 |ISBN=3-7995-0116-9}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die humanistische Gelehrtenschule am Beginn der Neuzeit ===&lt;br /&gt;
Das hohe und späte [[Mittelalter]] war geprägt von römisch-katholischer [[Theologie]], [[Scholastik|scholastischer Philosophie]] und dem Wissensmonopol der Geistlichkeit.&amp;lt;ref group=&amp;quot;Anm.&amp;quot;&amp;gt;Vgl. beispielsweise [[Kaspar Elm]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Franziskanerobservanz als Bildungsreform.&amp;#039;&amp;#039; In: Hartmut Boockmann, [[Bernd Moeller (Kirchenhistoriker)|Bernd Moeller]], Karl Stackmann (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Lebenslehren und Weltentwürfe im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Politik – Bildung – Naturkunde – Theologie. Bericht über Kolloquien der Kommission zur Erforschung der Kultur des Spätmittelalters 1983 bis 1987&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: philologisch-historische Klasse.&amp;#039;&amp;#039; Folge III, Nr. 179). Vandenhoeck &amp;amp; Ruprecht, Göttingen 1989, ISBN 3-525-82463-7, S. 201–213.&amp;lt;/ref&amp;gt; Höhere Schulen waren nur die kirchlichen [[Lateinschule]]n, insbesondere die [[Domschule]]n. Mit der die Impulse des italienischen [[Renaissance-Humanismus]] aufnehmenden humanistischen Reform von Lateinschulen und Universitäten auf dem Gebiet des [[Heiliges Römisches Reich|Heiligen Römisches Reiches Deutscher Nation]] gelangten ab dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts vielfältige neue Impulse in die höhere Bildung. Der Humanismus reformierte Fächer und Textgrundlagen, transportierte ein neues Zeitverständnis&amp;lt;ref group=&amp;quot;Anm.&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Vgl. z. B. Julia Kurig |Titel=Beschleunigungen und Entgrenzungen – Pädagogische Zeitsemantiken zu Beginn des 16. Jahrhunderts am Beispiel der Nürnberger Schulbücher des Johannes Cochlaeus. |Sammelwerk=In: Jahrbuch für Historische Bildungsforschung |Band=29 |Datum=2023 |DOI=10.25658/xskf-mk30 |Seiten=27-51}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und bot in einer durch Krise und Wandel geprägten Epoche (Verstädterung, Handel- und Geldwirtschaft, Funktionsverlust des Adels im Spätmittelalter) Reformkonzepte, die soziale Probleme und politische Herausforderungen durch Bildung bearbeiten sollten.&amp;lt;ref group=&amp;quot;Anm.&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Vgl. z. B. Julia Kurig |Titel=Bildung, Geschichte und Nation. Zur Herausbildung historischer Begründung nationaler Bildungsreform im deutschen Humanismus um 1500 |Hrsg=Katharina Gather/Norbert Grube/Ulrich Schwerdt |Sammelwerk=Das Historische als Argument. Geschichtsbezüge in Bildungsdebatten. |Verlag=Peter Lang |Ort=Berlin u.&amp;amp;nbsp;a. |Datum=2024 |ISBN=9783631895733 |DOI=10.3726/b20514 |Seiten=37-56}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge der [[Reformation]] im 16. Jahrhundert und der neuen Wichtigkeit von Bildung in der konfessionellen Auseinandersetzung wurden die neuen Bildungsimpulse des vorreformatorischen Humanismus institutionalisiert und religiös stärker eingebunden. [[Philipp Melanchthon]], auch heute noch „praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) genannt, setzte sich bereits für eine bessere Bildung breiter Bevölkerungsschichten ein, um die Bibel lesen zu können. Er förderte die [[Humanismus|humanistischen]] Schulen, die bereits unter der Aufsicht der Kommunen standen. Hier wurden die [[Tres linguae sacrae|drei heiligen Sprachen]] gelehrt, um die protestantische Theologie zu stärken. Im katholischen Bereich leisteten die [[Jesuitenschule]]n mit einiger Verzögerung eine entsprechende Bildungsreform. In diese Phase fallen zahlreiche Schulgründungen in Deutschland (vgl. [[Liste der ältesten Schulen im deutschsprachigen Raum]]). Hinzu kamen die von den Fürsten eröffneten besonders elitären Landesschulen für ganze Territorien wie [[Sachsen]] in [[Schulpforte|Pforta]], [[Landesgymnasium St. Afra|Meißen]], [[Gymnasium St. Augustin|Grimma]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht im 18. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Andere wichtige Reformer, etwa [[Johann Amos Comenius]] im 17. Jahrhundert, forderten eine umfassende Allgemeinbildung für alle – einschließlich Armer, Bauern und Mädchen. Nach dem [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] errichteten in nicht wenigen Orten lokaler Adel und Geistlichkeit ein Dorfschulnetz auch zum Rückgewinn [[Sozialdisziplinierung|sozialer Disziplin]].&lt;br /&gt;
[[Datei:1717 Verordnung zur Einführung der Allgemeinen Schulpflicht in Preußen.jpeg|mini|Auszug aus dem preußischen Generaledikt 1717]]&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert führten die preußischen Könige mit dem [[Generaledikt]] 1717 und erneut [[Generallandschulreglement]] 1763 stufenweise die allgemeine [[Schulpflicht]] ein. Sie wurde anfangs nur mit großen Lücken durchgesetzt, immer mit Rücksicht auf die notwendige Feldarbeit und später die Fabrikarbeit der Kinder. Das Bildungswesen war aufgeteilt in die [[Elementarschule]] für breite Bevölkerungsschichten, an denen die Lehrkräfte oft keinerlei Ausbildung für den Lehrberuf besaßen, manchmal alte Soldaten waren, und die höheren Schulen, an denen universitär gebildete Lehrkräfte oder Geistliche unterrichteten. Erste Ansätze zu einer mittleren [[Realschule#Geschichte der realen Bildung|Realien-Schule]] existierten ebenfalls, in Berlin 1747 eröffnete [[Johann Julius Hecker]] die erste Realschule. Der Zugang zu Universitäten richtete sich ohne Prüfung nach den finanziellen Möglichkeiten. Die [[Preußische Armee|Offizierslaufbahn]] hing noch vom Adels[[privileg]] ab.&lt;br /&gt;
=== Die Humboldtsche Bildungsreform um 1810 ===&lt;br /&gt;
Für das Ende des 18. Jahrhunderts wird die Schülerzahl an „gelehrten Schulen“ in Preußen auf ca. 16&amp;amp;nbsp;000 Jungen geschätzt. Hundert Jahre später waren es etwa 150&amp;amp;nbsp;000, 1930 bereits 300&amp;amp;nbsp;000 Schüler und nun auch Schülerinnen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;Anm.&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Peter Drewek: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Schule.&amp;#039;&amp;#039; In: Klaus Harney, [[Heinz-Hermann Krüger]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Einführung in die Geschichte von Erziehungswissenschaft und Erziehungswirklichkeit.&amp;#039;&amp;#039; Opladen 1997, ISBN 3-8252-8109-4, S. 183–207, darin auf S. 197.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bildungsreformen begleiteten also eine erhebliche Expansion der höheren Schule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kern der [[Wilhelm von Humboldt|Humboldtschen]] Bildungsreform war das [[Neuhumanismus|humanistische]] Gymnasium. Im Kern des [[Curriculum (Pädagogik)|Curriculums]] standen die Sprachen der klassischen Antike [[Latein]] und [[Altgriechisch]] sowie das Grundwissen über Geschichte und Philosophie des klassischen Altertums einschließlich der Mathematik. Weiterhin waren auch christliche Wertvorstellungen tief im Gymnasium des protestantischen Preußens verankert. Naturwissenschaften hingegen spielten eher eine periphere Rolle, gleichermaßen Kunst, Musik und Sport, wobei die künstlerisch-ästhetische Erziehung ebenso wie sportliche Betätigung durchaus die gesamtheitliche Bildung abrunden sollten. Die grundlegende Bildung des Menschen sollte eine rein idealistische Erziehung sein, unabhängig von Fragen der beruflichen Verwertbarkeit dieses Wissens. Das wegweisende Dokument war der [[Königsberger Schulplan]] 1809.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Humboldt strebt eine humanistische Bildung für Kinder aller Klassen an, erreichte aber de facto mit der Reform der höheren Schulen und der Universitäten, die er staatlich in ihrer Existenz garantierte, jedoch weisungsunabhängig machte, fast nur die Ober- und ehrgeizige Mittelschicht. Vieles blieb von vornherein reine Planung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Entstehung des dreigliedrigen Schulsystems im 19. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Bis in die 1840er-Jahre war das Schulsystem oft nur horizontal, also nach Altersklassen, gegliedert in [[Vorschule]], [[Schule]] und [[Gymnasium]]. Die meisten Schüler verließen das Gymnasium weit vor dem Abitur. Dabei gab es noch eine beachtliche soziale Offenheit im [[Vormärz]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam bildete sich vertikal ein [[Dreigliedriges Schulsystem|dreigliedriges Schulwesen]] heraus: [[Volksschule]], [[Realschule]], [[Gymnasium]]. Wichtige Wegmarken dafür waren das Abiturientenreglement 1834 und die Lehrplanreform 1837. Mit dem Fremdsprachenangebot in Latein und Griechisch entschied sich, ob der Weg zum Abitur noch möglich war. Viele Eltern entschieden sich für die neunjährige, lateinlose Realschule. Ein Hauptgrund dafür waren die Unterschiede im [[Schulgeld]], das in Preußen bis 1888 „pro Kind und Jahr“ in der Volksschule 10 Mark betrug, in den weiterführenden Schulen aber weitaus mehr: bis zu 100 Mark, was einen erheblichen Teil des Durchschnittseinkommens ausmachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Volksschule]] vermittelte die grundlegenden Kenntnisse wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Naturkunde und christliche Wertvorstellungen und dauerte acht Jahre. Eine 1854 von [[Ferdinand Stiehl]] erlassene [[Stiehlsche Regulative|Preußische Regulative für das Volksschul-, Präparanden- und Seminarwesen]] legte das Bildungsangebot in der „Schule der Untertanen“ fest. Erst [[Otto von Bismarck]] unterstellte sie im preußischen [[Kulturkampf]] der staatlichen Aufsicht, die bis 1872 noch bei den Kirchen lag. Langsam wurden auch die letzten Kinder vom Land schulpflichtig: 1871 erreichte die preußische Schulbesuchsquote 92 Prozent. Die Lehrer-Schüler-Relation betrug hier bis zu 1:80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel- oder Real(ien)schule vermittelte Realien, d. h. naturwissenschaftliche Grundkenntnisse und ggf. eine oder zwei moderne Fremdsprachen. Sie diente der Ausbildung einer mittleren Schicht der Angestellten und kleineren Beamten und dauerte mindestens neun Jahre. Das „[[Einjährig-Freiwilliger|Einjährige]]“ (Abschluss des zehnten Schuljahrs) wurde (Regelung in Preußen 1843 nach einigen Vorformen) Voraussetzung, um statt drei Jahren Wehrdienst nur ein Jahr leisten zu müssen und die [[Unteroffizier]]s&amp;amp;shy;laufbahn einzuschlagen. Über weitere Wehrübungen konnte sie bis zum [[Reserveoffizier]] führen. Das Adelsprivileg wurde rechtlich aufgehoben und das Abitur Voraussetzung für die aktive Offizierskarriere. Der direkte und übliche Weg zum Offizier führte über [[Kadettenanstalt]]en. Mit dem Einjährigen konnte man in die mittlere Beamtenlaufbahn, auf [[Handelshochschule]]n, [[Kunsthochschule]]n oder [[Landwirtschaftsschule|Landwirtschaftliche Lehranstalten]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein [[humanistisches Gymnasium]] hingegen war einer schmalen Elite vorbehalten – gegen Humboldts ursprüngliche Intention – und bereitete auf das Universitätsstudium vor. Daneben entwickelten sich [[Realgymnasium]] und [[Oberrealschule]], die auf Altgriechisch verzichteten und stattdessen Naturwissenschaften oder [[moderne Sprache]]n boten. Oberrealschulen bereiteten auf das Studium an technischen Hochschulen wie [[Bergakademie]]n und [[Ingenieurschule]]n vor. Im Jahr 1810 zählte Preußen 91 Gymnasien, 1864 145 Gymnasien mit 68.000 Schülern und nur unter 2.000 Abiturienten. Erst mit der [[Juni-Konferenz 1900|preußischen Schulkonferenz]] 1900 wurden die drei Typen des Gymnasiums gleichberechtigt, womit die akademische Exklusivität des Humboldtschen Gymnasiums formell beendet war.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Timo Hoyer |Titel=Sozialgeschichte der Erziehung von der Antike bis in die Moderne |Ort=Darmstadt |Datum=2015 |ISBN=978-3-534-17517-8 |Seiten=132-136}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reformpädagogische Initiativen um 1900–1933 ===&lt;br /&gt;
Unter der Bezeichnung [[Reformpädagogik]] werden verschiedene Ansätze zur Reform von [[Schule]], [[Unterricht]] und allgemeiner [[Erziehung]] zusammengefasst, die sich ab Ende des 19. Jahrhunderts und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gegen Lebensfremdheit und [[Autoritarismus]] der vorherrschenden wilhelminischen „Paukschulen“ wandten. In Deutschland gab es eine starke wechselseitige Beeinflussung mit der [[Jugendbewegung]]. Einige Reformpädagogen verbanden eine [[Liberalismus|liberale]] Grundhaltung mit starkem [[sozial]]em Engagement, andere dachten wiederum [[Völkische Bewegung|völkisch]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Prinzipien waren die [[Selbsttätigkeit]] der Schüler, das [[Unterrichtsgespräch|freie Gespräch]], [[Erlebnispädagogik]], [[Schulgemeinde]]pädagogik, [[Arbeitspädagogik|praktische]] Tätigkeiten oder Lernen durch [[Handlungsorientierter Unterricht|Handeln]]. Reformpädagogen traten mit dem Konzept der [[Arbeitspädagogik]] auch auf der [[Reichsschulkonferenz]] zu Beginn der [[Weimarer Republik]] auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem [[Nationalsozialismus]] endete ab 1933 die Reformbewegung für mehr [[Chancengleichheit]] und [[Selbstbestimmung]] in der Schule. Dennoch erhielten sich einige Züge der Jugendbewegung in der [[Hitler-Jugend]] wie der Kult um die [[Kameradschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reformpädagogischen Initiativen blieben trotz ihrer „Wortführerrolle“ ([[Detlev Peukert]])&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Detlev Peukert]] |Titel=Die Weimarer Republik |Verlag=Suhrkamp |Ort=Frankfurt a.&amp;amp;nbsp;M. |Datum=1990-04 |ISBN=978-3-518-11282-3 |Seiten=146}}&amp;lt;/ref&amp;gt; insgesamt eine gesellschaftliche Randerscheinung und begründeten keine tiefgreifende Bildungsreform in Deutschland.&amp;lt;ref group=&amp;quot;Anm.&amp;quot;&amp;gt;Vgl. [[Jürgen Oelkers]]: &amp;#039;&amp;#039;Reformpädagogik&amp;#039;&amp;#039;, 2010&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die bundesdeutsche Bildungsreform der 1960er- und 1970er-Jahre ===&lt;br /&gt;
Unter anderem aufgrund des [[Sputnik-Schock]]s 1957, aber auch im Zuge der allgemeinen Durchdringung der Gesellschaft durch [[wissenschaft]]liches Denken wurden in den USA seit Ende der 1950er- bzw. Beginn der 1960er-Jahre Versuche einer [[Bildungsexpansion]] und höheren [[Qualifizierung]] unternommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da in der Bundesrepublik nach 1945 höchstens 8 % eines Altersjahrganges studierten, der Großteil der Bevölkerung jedoch nur [[Volksschule|Volksschulbildung]] besaß, setzte eine Diskussion ein über eine erforderliche Bildungsexpansion. Insbesondere das Buch „Die deutsche Bildungskatastrophe“ von [[Georg Picht]] aus dem Jahr 1964 schob eine publizistische und politische Diskussion dieses Themas an. Die Expansion wurde teilweise technisch-ökonomisch, teilweise auch politisch mit dem Ziel einer größeren Demokratisierung der Gesellschaft ([[Ralf Dahrendorf]]) begründet. Mit der Studentenrevolte 1967/1968 traten [[marxistisch]]e [[Emanzipation]]s&amp;amp;shy;theorien hinzu. Auch bei den Wählern stießen Konzepte der [[Bildungsmodernisierung]] auf Zustimmung, da sie Hoffnungen auf einen „Aufstieg durch Bildung“ machten. Nicht zuletzt gerieten Defizite der [[Frauenbildung]] in die Diskussion. Ein Schwerpunkt der [[Sozialliberale Koalition|sozialliberalen Koalition]] ab 1969 lag in der [[Bildungspolitik]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1960er-Jahren leitete das [[Hamburger Abkommen]] 1964 die Reform der unteren Schulformen und Vereinheitlichung der Schulsysteme der Bundesländer ein, es folgten der Hochschulausbau als [[Gemeinschaftsaufgaben|Gemeinschaftsaufgabe]] von Bund und Ländern und viele Hochschulneugründungen wie die [[Ruhr-Universität Bochum]], [[Universität Bielefeld]] oder in Bayern die Universitäten [[Universität Augsburg|Augsburg]], [[Universität Passau|Passau]] oder [[Universität Bamberg|Bamberg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung einer allgemeinen Förderung durch das [[Bundesausbildungsförderungsgesetz]] 1971 für Schüler der gymnasialen Oberstufe, der Beruflichen Schule und Studenten ermöglichten breiteren Bevölkerungsschichten den Hochschulzugang und bessere Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die [[Berufsausbildung]] wurde im [[Berufsbildungsgesetz (Deutschland)|Berufsbildungsgesetz]] 1969 reformiert. Seitdem hieß der vormalige [[Lehrling]] [[Auszubildender]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Steigerung des Bildungsniveaus versprachen sich die Reformer durch die [[Wissenschaftsorientierung|Verwissenschaftlichung]] des Schulunterrichtes und die [[Reformierte Oberstufe|Oberstufenreform]] ab 1972. Das [[Kurssystem]] sollte die studienvorbereitende, wissenschafts[[Propädeutik|propädeutische]] Funktion des [[Abitur]]s verbessern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der so genannte „Öffnungsbeschluss“ für die Hochschulen durch die verantwortlichen Bundesländer erfolgte 1977. Die Schere zwischen den Studienanfängern und -plätzen öffnete sich und wurde nur durch juristisch aufwändige Zulassungsbeschränkungen reguliert. Der Beschluss verkleinerte zwar die Fächerzahl mit [[Numerus clausus]], führte aber zu einer Überfüllung der Universitäten bzw. Unterfinanzierung angesichts der hohen Studierendenzahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Geldmangel zeigte sich das Problem dieser Phase der Bildungsreform, die bei leeren öffentlichen Kassen viele Ansätze verkümmern ließ. Mitte der 1970er-Jahre ließ der Reformeifer nach, der Konsolidierung und Nachbesserung wurde Vorrang gegeben. Konservative Kritiker warfen den Reformern vor, die Bildungsexpansion auf Kosten der Leistungen voranzutreiben („[[Inflation der Bildung|Bildungsinflation]]“). Linke stellten ernüchtert fest, dass sie den benachteiligten [[Sozialstruktur|Unterschichtkindern]] am wenigsten genutzt hatten. Mit der zunehmenden Zahl von [[Migranten]]&amp;amp;shy;kindern stellten sich auch viele Fragen an ein integratives Schulsystem ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die sozialistische Bildungsreform in der DDR ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Bildungssystem der DDR}}&lt;br /&gt;
Die Entwicklung des Bildungssystems der DDR, soweit es nicht bereits in der [[SBZ|Sowjetischen Besatzungszone]] umgestellt worden war, vollzog sich in zwei Reformschüben nach der Gründung der DDR 1949 und mit der Bildungsreform von 1965 im „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“. Wesentlich war die ideologische Ausrichtung des gesamten Schul- und Hochschulwesens auf die sozialistische Ideologie. Damit gingen einher die Abschaffung des gegliederten Schulwesens, die Beteiligung der sozialistischen Jugendorganisation, der [[Freie Deutsche Jugend|Freien Deutschen Jugend]], am Schulbetrieb, die Einführung und Stärkung ideologisch genehmer Unterrichtsfächer (Russisch als Pflichtfremdsprache, [[Polytechnischer Unterricht|Polytechnik]], [[Staatsbürgerkunde]], später [[Wehrunterricht]]) sowie Abschaffung systemwidriger Fächer (Religionsunterricht, alte Sprachen). Alle Unterrichtsinhalte wurden so weit als möglich systemkonform gemacht, die [[Lehrerausbildung]] ideologisch ausgerichtet. Es gelangen dabei einige Verbesserungen im Bildungssystem mit anerkennenswerten Leistungen: z.&amp;amp;nbsp;B. das hohe Niveau der mathematisch-naturwissenschaftlichen Kenntnisse, die geringe Quote von Jugendlichen ohne Ausbildung, die Verbesserung der Mädchenbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktuelle Reformen der Schulstruktur ==&lt;br /&gt;
=== Reformen zu einer „zweigliedrigen Sekundarstufe“ ===&lt;br /&gt;
Als 1990 die Übernahme der westlichen Schulstruktur in den neuen Bundesländern anstand, entschieden sich Sachsen und Thüringen für eine zweigliedrige [[Sekundarstufe]] mit dem [[Gymnasium]] von Klasse 5 bis 12 und der [[Mittelschule (Sachsen)|Mittelschule]] bzw. [[Regelschule (Thüringen)|Regelschule]] von Klasse 5 bis 10, die nach der [[Orientierungsstufe]] den Realschulgang und den Hauptschulgang in sich vereint. Geeignete Schüler können das Abitur am Gymnasium nach 12 Schuljahren oder am [[Fachgymnasium]] nach dreizehn Schuljahren erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen ist das [[Zwei-Säulen-Modell (Schule)|Zwei-Säulen-Modell]] fast in allen Bundesländern bis auf Bayern und Hessen eingeführt worden, wobei die älteren Formen oft auslaufend weiterbestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Ablehnung der „sechsjährigen Primarschule“ durch Volksentscheid wurde das Modell in Hamburg beschlossen: Nach dem Besuch der vierjährigen Grundschule folgt der Besuch der Stadtteilschule oder des Gymnasiums. Danach sollen Stadtteilschulen künftig alle Schulabschlüsse bis hin zum Abitur nach 13 Jahren anbieten. Das Gymnasium soll schon nach 12 Jahren zur Hochschulreife führen. Welches Kind in welche Schule geht, soll wie bisher zunächst vorläufig nach der vierten durch Elternentscheidung, endgültig dann nach der sechsten Klasse durch die Klassenkonferenz (Schule) entschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Berlin wurde im Jahr 2010 die [[Hauptschule]] abgeschafft und ein zweigliedriges Schulsystem etabliert. Neben den Gymnasien gibt es nun die Integrierten Sekundarschulen (ISS). In den meisten Fällen wurden Hauptschulen und Realschulen dafür zusammengefasst. Auf der ISS ist wie auf dem Gymnasium, soweit es die Schule anbietet, das Abitur möglich. Auf der ISS dauert das Abitur 13 Jahre, auf dem Gymnasium zwölf.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.berlin.de/sen/bildung/politik/bildungspolitik/berlin_studie_2017_zentrale_ergebnisse.pdf &amp;#039;&amp;#039;Zusammenfassung der wissenschaftlichen Begleitstudie zur Schulstrukturreform&amp;#039;&amp;#039;] auf: &amp;#039;&amp;#039;berlin.de&amp;#039;&amp;#039; (PDF-datei; abgerufen am 9. März 2018)&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Berliner Schulstrukturreform wird in einem Kooperationsprojekt von [[Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung|DIPF]], [[Max-Planck-Institut für Bildungsforschung]], und dem [[Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik]] wissenschaftlich begleitet.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.dipf.de/de/forschung/projekte/berlin-studie/ &amp;#039;&amp;#039;Berlin-Studie&amp;#039;&amp;#039;] auf: &amp;#039;&amp;#039;dipf.de&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reformen zur „Gemeinschaftsschule“ ===&lt;br /&gt;
In mehreren Bundesländern ist, teilweise nur als [[Schulversuch]], die [[Gemeinschaftsschule]] (Liste siehe dort) eingeführt worden, die im Wesentlichen eine integrierte Gesamtschule unter neuem Namen ist und verschiedene Formen des längeren gemeinsamen Lernens beinhaltet, teilweise auch schon mit der Grundschule beginnt. Sie wird von der politischen Linken favorisiert und soll sich am erfolgreichen „finnischen Modell“ orientieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bildungsrevolution]]&lt;br /&gt;
* [[Geschichte der Pädagogik]]&lt;br /&gt;
* [[Zwei-Säulen-Modell (Schule)]]&lt;br /&gt;
* [[Hochschulreform]]&lt;br /&gt;
* [[Schulreform in Hamburg]]&lt;br /&gt;
* [[Schulreformen der Unter- und Oberstufe in Südtirol]]&lt;br /&gt;
* [[Philanthropinum Dessau]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Ludwig von Friedeburg]]: &amp;#039;&amp;#039;Bildungsreform in Deutschland. Geschichte und gesellschaftlicher Widerspruch.&amp;#039;&amp;#039; Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-518-57999-1.&lt;br /&gt;
* Peter Drewek: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Schule.&amp;#039;&amp;#039; In: Klaus Harney, [[Heinz-Hermann Krüger]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Einführung in die Geschichte von Erziehungswissenschaft und Erziehungswirklichkeit.&amp;#039;&amp;#039; Opladen 1997, ISBN 3-8252-8109-4, S. 183–207.&lt;br /&gt;
* Aus Politik und Zeitgeschichte: &amp;#039;&amp;#039;Themenheft Bildungsreformen.&amp;#039;&amp;#039; [[APuZ]] 12/2005, {{ISSN|0479-611X}}, [http://www.bpb.de/files/OLQO61.pdf PDF-Dokument, 664 kB].&lt;br /&gt;
* Stephanie Niehoff, Ernst Engert: &amp;#039;&amp;#039;Aus drei mach zwei – die Schulreform in Berlin.&amp;#039;&amp;#039; In: Bettina Malter, Ali Hotait (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Was bildet ihr uns ein?: Eine Generation fordert die Bildungsrevolution.&amp;#039;&amp;#039; Vergangenheitsverlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86408-061-6.&lt;br /&gt;
* [[Heinrich Bosse (Literaturwissenschaftler)|Heinrich Bosse]]: &amp;#039;&amp;#039;Bildungsrevolution 1770 - 1830&amp;#039;&amp;#039;. Hrsg. mit einem Gespräch von Nacim Ghanbari, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-8253-6088-7.&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=[[Hans-Günter Rolff]] |Titel=Wandel durch Schulentwicklung Essays zu Bildungsreform und Schulpraxis |Verlag=Beltz |Ort=Weinheim |Datum=2019 |ISBN=978-3-407-25811-3}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Wilfried Göttlicher, Jörg-W. Link, [[Eva Matthes]] |Titel=Bildungsreform als Thema der Bildungsgeschichte |Ort=Bad Heilbrunn |Datum=2018 |ISBN=978-3-7815-2214-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* [http://www.gustav-heinemann-initiative.de/themen/bildung/detail/back/bildung-2/article/das-recht-von-kindern-und-jugendlichen-auf-bildung-ein-bildungspolitisches-manifest/ Manifest der Gustav Heinemann-Initiative, der Humanistischen Union und des Komitees für Grundrechte und Demokratie].&lt;br /&gt;
* [https://www.zeit.de/2004/43/C-Schulstreit &amp;#039;&amp;#039;Vierfach bestraft.&amp;#039;&amp;#039;] In: &amp;#039;&amp;#039;Die Zeit.&amp;#039;&amp;#039; 43/2004.&lt;br /&gt;
* [https://www.zeit.de/1999/12/199912.schulqualitaet_.xml &amp;#039;&amp;#039;Zeugnis für die Schule.&amp;#039;&amp;#039;] In: &amp;#039;&amp;#039;Die Zeit.&amp;#039;&amp;#039; 12/1999. (Teil 1 der Zeit-Serie)&lt;br /&gt;
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== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;Anm.&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
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