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	<title>Barmherzigkeit - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Barmherzigkeit&amp;diff=88097&amp;oldid=prev</id>
		<title>~2026-11538-48: /* Begriffsbildung und Wortgeschichte */</title>
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		<updated>2026-02-21T23:39:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Begriffsbildung und Wortgeschichte&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Barmherzigkeit&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ([[Lehnübersetzung]] von {{laS|misericordia}}) ist eine Eigenschaft des menschlichen Charakters. Eine &amp;#039;&amp;#039;barmherzige&amp;#039;&amp;#039; Person öffnet ihr Herz fremder Not und nimmt sich ihrer mildtätig an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Umgangssprache|umgangssprachliche]] Formel „[[Mitleid]] und Barmherzigkeit“ deutet an, dass hier Unterschiedliches vorliegt, dass es also bei der „Barmherzigkeit“ weniger um ein Mit-Fühlen als um eine dessen nicht bedürftige Großherzigkeit geht. Sie gilt als eine der Haupt[[tugend]]en und wichtigsten Pflichten der monotheistischen [[Religion]]en [[Judentum]], [[Christentum]], [[Islam]], [[Bahai]] sowie anderer Religionen wie [[Buddhismus]] und [[Hinduismus]]. Im Judentum, Christentum und Islam wird die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;göttliche Barmherzigkeit&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (Barmherzigkeit Gottes) als herausragende Eigenschaft [[Gott]]es angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Käte Hamburger]] (1985)&amp;lt;ref&amp;gt;[[Käte Hamburger]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Mitleid.&amp;#039;&amp;#039; Klett-Cotta, Stuttgart 1985, ISBN 978-3-608-91392-7, S.&amp;amp;nbsp;119.&amp;lt;/ref&amp;gt; definierte Barmherzigkeit als tätige [[Nächstenliebe]]. Der Nächste sei jeweils der, den der Mensch durch barmherziges [[Handeln]] zu seinem Nächsten machte. [[Mitleid]] sei hingegen keine Charaktereigenschaft, sondern gehöre dem menschlichen Gefühlsleben an. Barmherzigkeit bezeichnet somit eine existenzielle Betroffenheit im Innersten und ein Tun, das mehr ist als bloßes Gefühl des Mitleidens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsbildung und Wortgeschichte ==&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Wortherkunft gibt es zwei mögliche Quellen: Nach einer These soll das zugrundeliegende Adjektiv &amp;#039;&amp;#039;barmherzig&amp;#039;&amp;#039; seit dem [[8. Jahrhundert]] durch das [[althochdeutsch]]e Stammwort &amp;#039;&amp;#039;armherzi&amp;#039;&amp;#039; als Lehnübersetzung aus der gotischen Missionssprache von &amp;#039;&amp;#039;misericors&amp;#039;&amp;#039; (lateinisch &amp;#039;&amp;#039;miser&amp;#039;&amp;#039; „arm, elend“ und &amp;#039;&amp;#039;cor&amp;#039;&amp;#039; beziehungsweise &amp;#039;&amp;#039;cordis&amp;#039;&amp;#039; „Herz“) mit der Bedeutung von „der ein Herz für die Armen hat“ sein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Althochdeutscher Isidor]]: &amp;#039;&amp;#039;armhaerzin&amp;#039;&amp;#039;. Sankt Galler Winithar Handschrift, Paulus-Glossen (2. Korinther): &amp;#039;&amp;#039;armiherzi-dono&amp;#039;&amp;#039; i.&amp;amp;nbsp;e. &amp;#039;&amp;#039;misericordiarum&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob es sich dabei um einen Teil des althochdeutschen Standardwortschatzes handeln soll, ist nicht ersichtlich. Diese Form ist zu entsprechenden Belegen wie bibelgotisch &amp;#039;&amp;#039;arma-hairts&amp;#039;&amp;#039; und [[altenglisch]] &amp;#039;&amp;#039;earm-heort&amp;#039;&amp;#039; zu stellen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Elmar Seebold]]: &amp;#039;&amp;#039;Chronologisches Wörterbuch des deutschen Wortschatzes: der Wortschatz des 8. Jahrhunderts (und früherer Quellen).&amp;#039;&amp;#039; De Gruyter, Berlin/New York 2001, S. 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer anderen [[Hypothese|These]] kann das zugrundeliegende Adjektiv &amp;#039;&amp;#039;barmherzig&amp;#039;&amp;#039; aus den Morphemen &amp;#039;&amp;#039;barm&amp;#039;&amp;#039; (althochdeutsch), &amp;#039;&amp;#039;barms&amp;#039;&amp;#039; ([[Gotische Sprache|gotisch]]), &amp;#039;&amp;#039;bearm&amp;#039;&amp;#039; (altenglisch) übersetzt mit „Schoß, Busen“ oder auch dem altindischen [[Sanskrit|sk]]: भर्मन &amp;#039;&amp;#039;bhár-man&amp;#039;&amp;#039; übersetzt mit „Unterhalt, Pflege“ oder dem altindischen भर्मन् &amp;#039;&amp;#039;bhar&amp;#039;&amp;#039; übersetzt mit „tragen, halten, erhalten, hegen, pflegen, ernähren“ sowie dem Begriff herzig hergeleitet werden.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/2wo/wort/idg/deutsch/b/barm.htm |titel=Kreuzdenker, Etymologie: „barmherzig, erbarmen“ |autor=Heinrich Tischner |zugriff=2017-07-25 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20171111152145/http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/2wo/wort/idg/deutsch/b/barm.htm |archiv-datum=2017-11-11 |offline=ja }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Karl Weigand]], der Wortführer der „historischen“ Rechtschreibung und Mitfortführer des Deutschen Wörterbuchs der Brüder Grimm, vertritt folglich die Auffassung, dass das Adjektiv barmherzig aus den althochdeutschen Wörtern &amp;#039;&amp;#039;barm&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;herzi&amp;#039;&amp;#039; zusammengesetzt sei.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Friedrich Ludwig Karl Weigand |Titel=Deutsches Wörterbuch: Erster Band: A-L |Verlag=BoD – Books on Demand |Datum=2016-01-10 |ISBN=9783846061169 |Online=https://books.google.de/books?id=NAZbCwAAQBAJ&amp;amp;pg=PA146&amp;amp;lpg=PA146&amp;amp;dq=Deutsches+W%C3%B6rterbuch:+Erster+Band:+A-L+barmherzig&amp;amp;source=bl&amp;amp;ots=tDK3GHUEBU&amp;amp;sig=6tAfUBDjIilhQ_WTzLdL0rdyOGU&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=0ahUKEwjRn-qb-73UAhUEKlAKHbVVDYMQ6AEIPDAB#v=onepage&amp;amp;q=Deutsches%20W%C3%B6rterbuch:%20Erster%20Band:%20A-L%20barmherzig&amp;amp;f=false |Abruf=2017-07-25}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Judentum ==&lt;br /&gt;
Im [[Tanach]] ist Barmherzigkeit eine der herausragenden Eigenschaften Gottes. Das Wort רחמים &amp;#039;&amp;#039;rachamím&amp;#039;&amp;#039; wird theozentrisch bestimmt: [[JHWH]] ist und handelt barmherzig, zeigt Erbarmen, weil er sich seines Volkes [[Israel]] annimmt. In der zentralen Offenbarung am Sinai gibt sich JHWH zu erkennen: {{&amp;quot;|der HERR ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue|Quelle=[[2. Buch Mose]] {{B|2 Mos|34|6}} mit vielen Parallelen}}. Während das „gnädig“ darauf verweist, dass Gott sich seinem Volk zuwendet, drückt das „barmherzig“ aus, dass Gott die Sünde zwar sieht, aber verzeiht und dem Bund mit seinem Volk treu bleibt. Dies wird insbesondere bei den Propheten der Exilszeit ([[Babylonisches Exil]]) betont: {{&amp;quot;|Der Herr hat sein Volk getröstet und sich seiner Armen erbarmt. […] Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht.|Quelle=[[Jesaja]]}} {{B|Jes|49|13.15}} Die hebräische Bezeichnung für Erbarmen lautet &amp;#039;&amp;#039;racham&amp;#039;&amp;#039;. Rächäm (Plural) bedeutet auch Mutterschoß / Gebärmutter. Die Verwendung des Begriffs &amp;#039;&amp;#039;rachám&amp;#039;&amp;#039; wird oft gebraucht um die Beziehung von JHWH zu seinem Bundesvolk, den Israeliten, zu beschreiben. Im Erweis von Mitleid oder Erbarmen, &amp;#039;&amp;#039;rachám&amp;#039;&amp;#039; JHWHs den Angehörigen seines Bundesvolkes gegenüber, wird von Jesaja die [[Metapher]] einer Frau verwendet, die sich ihrer eigenen Kinder erbarmt, die sie im Mutterleib getragen hatte ({{B|Jes|49|15}}).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Substantiv {{grcS|ἔλεος|éleos}} fokussiert die Emotion von „Mitleid“, „Sich anrühren Lassen“ bzw. „Anteilnahme“. Die antike Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische ([[Septuaginta]]) gibt damit häufig das hebräische Wort ({{heS| &amp;lt;small&amp;gt;“rachamím„&amp;lt;/small&amp;gt; רחמים &amp;lt;small&amp;gt;“Erbarmen„&amp;lt;/small&amp;gt;}}) wieder. Hingegen wird mit dem griechischen Substantiv ({{grcS|σπλάγχνον|splángchnon}}) der leibliche Ort gekennzeichnet, der dieser Bewegung Ausdruck gibt, das Herz, das Innerste, wo die Großherzigkeit, die Herzlichkeit, die Herzensgüte zuhause sind. Das griechische Wort &amp;#039;&amp;#039;éleos&amp;#039;&amp;#039; hat teilweise die gleiche Bedeutung, deckt das gleiche Wortfeld ab, wie das hebräische Wort &amp;#039;&amp;#039;rachamím&amp;#039;&amp;#039;. Im Buch Tobit, das zu den griechischen Spätschriften des Alten Testaments gehört, wird vom Menschen Barmherzigkeit in seinem Handeln gefordert:  „Es ist gut, zu beten und zu fasten, barmherzig und gerecht zu sein.“{{B|Tob|12|8}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Werk von [[William Edwy Vine]] (1940)&amp;lt;ref&amp;gt;[[William Edwy Vine]]: &amp;#039;&amp;#039;Vine’s Expository Dictionary of Old and New Testament Words.&amp;#039;&amp;#039; Thomas Nelson Publ, Nashville 1996, ISBN 978-0-7852-6020-2&amp;lt;/ref&amp;gt;  „An Expository Dictionary of Old and New Testament Words“ wird durch &amp;#039;&amp;#039;ἔλεος&amp;#039;&amp;#039; die äußerliche Kundgabe von Mitleid bezeichnet und so beschrieben, dass es ein Bedürfnis auf Seiten dessen voraussetzt, dem es erwiesen wird, und Mittel genug besitzt, dieses Bedürfnis zu befriedigen, auf Seiten dessen, dem es bekundet wird.&lt;br /&gt;
In der deutschen Bibel (vor allem [[Lutherbibel]]) stehen Barmherzigkeit, barmherzig, Erbarmen, Erbarmer, barmherzig sein und deren Verneinungen vor allem für die hebräischen Wörter bzw. Wurzeln &amp;#039;&amp;#039;häsäd&amp;#039;&amp;#039; (hebr. חֶסֶד), dann für &amp;#039;&amp;#039;rahamim&amp;#039;&amp;#039; bzw. für &amp;#039;&amp;#039;rhm&amp;#039;&amp;#039; und Derivate, für &amp;#039;&amp;#039;hnn&amp;#039;&amp;#039; und Derivate, in geringerem Maße auch für &amp;#039;&amp;#039;hûs&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;hml&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;nhm&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Christentum ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Vincent Willem van Gogh 022-2.jpg|miniatur|[[Vincent van Gogh]]: Der gute Samariter (nach [[Eugène Delacroix|Delacroix]]), 1890]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Pierre Montallier 001.jpg|miniatur|[[Pierre Montallier]]: Die Werke der Barmherzigkeit, um 1680]]&lt;br /&gt;
[[Datei:1605 Francken sieben Werke der Barmherzigkeit anagoria.JPG|miniatur|[[Francken (Malerfamilie)|Frans II Francken]]: Die Sieben Werke der Barmherzigkeit, 1605, [[Deutsches Historisches Museum|Deutsches Historisches Museum Berlin]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barmherzigkeit ist in der christlichen Tradition keine natürliche Eigenschaft des Menschen, sondern eine Eigenschaft Gottes, die der Mensch einerseits als himmlisches [[Motivation|Motiv]] durch die ihm innewohnende [[Gottesliebe]] besitzt und die ihm andererseits in höherer Form und unerschöpflich durch Gott zuteilwird. Schon im Alten Testament gilt Gott vor allem als der „Barmherzige und Gnädige“ und wird immer wieder dafür gepriesen (z.&amp;amp;nbsp;B. {{B|Ps|103|8}}).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Thomas Söding]]: &amp;#039;&amp;#039;Barmherzigkeit - wie weit reicht die Gnade? Neutestamentliche Orientierungen in einem zentralen Begriffsfeld.&amp;#039;&amp;#039; [https://web.archive.org/web/20171031103134/http://www.ruhr-uni-bochum.de/imperia/md/content/nt/steinfeld-tagung2014barmherzigkeit/barmherzigkeit_steinfeld_2014.pdf PDF;&amp;amp;nbsp;96,1&amp;amp;nbsp;KB, 5 Seiten] abgerufen auf Ruhr-Universität Bochum&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus beschreibt Gott z.&amp;amp;nbsp;B. im Gleichnis vom verlorenen Sohn {{Bibel|Lk|15|11–32}} als großzügigen und jederzeit [[vergebung]]sbereiten Vater und zeigt so, was Barmherzigkeit bedeuten kann: Eine unverdiente, aber großzügige Zuwendung in bedingungsloser Liebe. Der Apostel Paulus betont die Abhängigkeit des [[Sünde|sündigen]] Menschen von der [[Vergebung]] Gottes in dessen unendlicher Barmherzigkeit. Aus Barmherzigkeit rettet Gott die Menschen aus der Verstrickung in ihre Schuld, entweder weil sie ehrliche [[Reue]] gezeigt und [[Buße (Religion)|Buße]] geleistet oder weil sie zur [[Umkehr]] gekommen sind und Gutes getan haben. Aus der Paulusschule stammt der Epheserbrief, der diesen Gedanken erläutert: {{B|Eph|2|4–5}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Gott her erfahrene Barmherzigkeit wird dann auch zur Handlungs-[[Motivation]] des glaubenden Menschen. In diesem Sinne steht „Barmherzigkeit“ in engem Zusammenhang mit z.&amp;amp;nbsp;B. [[Nächstenliebe]], [[Menschenliebe]] oder [[Humanität]] (siehe auch [[Diakonie]]); die lateinische Bezeichnung ist {{lang|la|&amp;#039;&amp;#039;caritas&amp;#039;&amp;#039;}} (daher die katholische Organisation [[Caritas Internationalis|Caritas]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus Christus hat in vielen [[Gleichnis]]sen Barmherzigkeit verdeutlicht, z.&amp;amp;nbsp;B. im [[Barmherziger Samariter|Gleichnis vom barmherzigen Samariter]] ({{B|Lk|10|25–37}}). Seine Krankenheilungen waren Akte der Barmherzigkeit ({{B|Mk|1|16–20}}; {{B|Lk|8|1–3}}; {{B|Mk|7|31–37}}). Auch in der [[Bergpredigt]] ist von der Barmherzigkeit die Rede:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.|Quelle=Matthäus {{BB|Mt|5|7|LUT}}}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Jesu Reden ist die menschliche Barmherzigkeit nicht die Voraussetzung für die Barmherzigkeit Gottes und auch nicht ein Verhalten, das gleichsam vertraglich eingefordert werden kann, sondern die Konsequenz der erfahrenen Barmherzigkeit Gottes, wie sie in der [[Feindesliebe]] konkret wird ({{B|Lk|6|27-34}}).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!|{{B|Lk|6|36}}}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem Mittelalter zählt man in Abgrenzung zur Barmherzigkeit Gottes die &amp;#039;&amp;#039;Sieben [[Werke der Barmherzigkeit]]&amp;#039;&amp;#039; auf, die den Sieben [[Todsünde]]n (Stolz, Neid, Zorn, Geiz, Unmäßigkeit, Unkeuschheit und eben &amp;#039;&amp;#039;Trägheit des Herzens&amp;#039;&amp;#039;) gegenübergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Römisch-Katholische Kirche ===&lt;br /&gt;
Nach der Lehre der [[Römisch-katholische Kirche|römisch-katholischen Kirche]] empfangen die Gläubigen die Werke der Barmherzigkeit durch den [[Heiliger Geist|Heiligen Geist]]. Die unendliche, bedingungslose [[Gottesliebe]] umfasst die Barmherzigkeit, beide Begriffe werden in der Tradition gerne wechselseitig eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach [[Thomas von Aquin]] ist im äußeren Bereich die Barmherzigkeit die größte aller Tugenden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„An sich ist die Barmherzigkeit die größte der Tugenden. Denn es gehört zum Erbarmen, dass es sich auf die anderen ergießt und – was mehr ist – der Schwäche der anderen aufhilft; und das gerade ist Sache des Höherstehenden. Deshalb wird das Erbarmen gerade Gott als Wesensmerkmal zuerkannt; und es heißt, dass darin am meisten seine Allmacht offenbar wird“ (Summa Theologiae II-II, q. 30, a. 4).&amp;lt;ref name=&amp;quot;R1&amp;quot;&amp;gt;zitiert nach [http://www.vatican.va/holy_father/francesco/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium_ge.html Papst Franziskus: &amp;#039;&amp;#039;Evangelii Gaudium&amp;#039;&amp;#039;], [https://www.vatican.va/content/dam/francesco/pdf/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium_ge.pdf auch als PDF-Datei verfügbar (1,1&amp;amp;nbsp;MB)], Nr. 37&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Apostolischen Schreiben [[Evangelii Gaudium]] vom 26. November 2013 zitiert [[Papst Franziskus]] diese Stelle, um den Vorrang der Barmherzigkeit beim kirchlichen Handeln zu betonen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;R1&amp;quot; /&amp;gt; Er hat die Barmherzigkeit zu seinem Programm gemacht: „Die Barmherzigkeit ist die wahre Kraft, die den Menschen und die Welt vor dem ’Krebsgeschwür‘ retten kann: dem moralischen Bösen, dem spirituellen Übel.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/katholische-welt/papst-franziskus-barmherzigkeit-100.html|archive-is=20140324120057 |text=&amp;#039;&amp;#039;Franziskus&amp;#039; Theologie – Barmherzigkeit oder Gutmenschentum&amp;#039;&amp;#039;}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Werke der Barmherzigkeit ====&lt;br /&gt;
===== Sieben leibliche Werke der Barmherzigkeit =====&lt;br /&gt;
[[Datei:Caravaggio - The Seven Works of Mercy - Google Art Project.jpg|miniatur|rechts|Caravaggio: &amp;#039;&amp;#039;Die sieben Werke der Barmherzigkeit.&amp;#039;&amp;#039; 1606/07 (Neapel)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hungrige speisen&lt;br /&gt;
* Durstigen zu trinken geben&lt;br /&gt;
* Fremde beherbergen&lt;br /&gt;
* Nackte kleiden&lt;br /&gt;
* Kranke pflegen&lt;br /&gt;
* Gefangene besuchen&lt;br /&gt;
* Tote bestatten&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.erzbistum-koeln.de/thema/heiligesjahr/barmherzigkeit/sieben-leibliche-werke/ erzbistum-koeln.de: Sieben leibliche Werke]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben [[Werke der Barmherzigkeit|&amp;#039;&amp;#039;leiblichen Werke der Barmherzigkeit&amp;#039;&amp;#039;]] sind ein beliebtes Thema der [[Christliche Kunst|christlichen Kunst]] seit dem 12.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert. Vor dem Hintergrund der humanistischen [[Rhetorik]]rezeption waren die Bilder der Barmherzigkeit seit dem 16.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert szenisch und narrativ geprägt, um die Betrachter vom Wert des [[Almosen]]gebens zu überzeugen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Ralf van Bühren: &amp;#039;&amp;#039;Die Werke der Barmherzigkeit in der Kunst des 12.–18. Jahrhunderts.&amp;#039;&amp;#039; 1998, S. 55–224.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Hauptwerk dieser Bildtradition ist das Altargemälde (1606/07) von [[Michelangelo Merisi da Caravaggio]], das im Auftrag der Confraternità del Pio Monte della Misericordia für ihre Kirche in [[Neapel]] entstand. In diesem Gemälde haben die starken Hell-Dunkel-Kontraste des Künstlers auch semantische Bedeutung, wie [[Ralf van Bühren]] zeigte. Das helle Licht im [[Chiaroscuro]] Caravaggios lässt sich als [[Metapher]] der Barmherzigkeit deuten, das dem Publikum im eigenen Leben hilft, Vergebung und Barmherzigkeit als göttliche Gnade zu entdecken und zugleich als Tugend selbst zu vollziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Ralf van Bühren: &amp;#039;&amp;#039;[http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/23753234.2017.1287283 Caravaggio’s ‘Seven Works of Mercy’ in Naples].&amp;#039;&amp;#039; 2017, S. 79–80.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Sieben geistige Werke der Barmherzigkeit =====&lt;br /&gt;
* Unwissende lehren&lt;br /&gt;
* Zweifelnde beraten&lt;br /&gt;
* Trauernde trösten&lt;br /&gt;
* [[Sünde]]r [[Correctio Fraterna|zurechtweisen]]&lt;br /&gt;
* Beleidigern gern verzeihen&lt;br /&gt;
* Lästige geduldig ertragen&lt;br /&gt;
* Für Lebende und Verstorbene beten&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.erzbistum-koeln.de/thema/heiligesjahr/barmherzigkeit/sieben-geistige-werke/ erzbistum-koeln.de: Sieben geistige Werke]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Franziskus schlug 2016 vor, die körperlichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit um die Sorge um die Schöpfung zu erweitern.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.catholicnewsagency.com/story/franziskus-sorge-um-schopfung-ist-ein-neues-werk-der-barmherzigkeit-1115 CNA deutsch: &amp;#039;&amp;#039;Franziskus: Sorge um Schöpfung ist ein neues &amp;quot;Werk der Barmherzigkeit&amp;quot;&amp;#039;&amp;#039;], 1. September 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== ZdK-Erklärung  =====&lt;br /&gt;
Eine Erklärung des [[Zentralkomitee der deutschen Katholiken|Zentralkomitees der deutschen Katholiken]] 1995 vertritt den Standpunkt: Trotz der festen Verankerung des Sozialstaates im politischen System moderner Staaten kommt die Gesellschaft auch heute nicht ohne Barmherzigkeit aus. Ohne Barmherzigkeit „geht die motivationale Grundlage für die Sozialgesetzgebung verloren. Ohne sie werden neue Notlagen überhaupt nicht entdeckt“. Auch wenn das „soziale Netz“ die größte Not auffängt, gibt es viele, die durch dessen Maschen fallen. Nur die „behördlich erfassten Fälle“ sind in die staatliche und kommunale Sozialhilfe eingebunden. Daher muss Barmherzigkeit eine neue Dimension der Wahrnehmung anregen und erfahren. „Barmherzigkeit ist der Quellgrund der sozialen Gerechtigkeit.“&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.zdk.de/veroeffentlichungen/erklaerungen/detail/Barmherzigkeit-Eine-neue-Sichtweise-zu-einem-vergessenen-Aspekt-der-Diakonie-71V/ ZdK-Erklärung „Barmherzigkeit – Eine neue Sichtweise zu einem vergessenen Aspekt der Diakonie“ (1995)]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verehrung der Barmherzigkeit Gottes und Heiliges Jahr der Barmherzigkeit ====&lt;br /&gt;
[[Datei:Jesus ich vertraue auf dich Faustyna Eugeniusz Kazimirowski 1934.jpg|mini|hochkant|[[Gnadenbild vom Barmherzigen Jesus]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30.&amp;amp;nbsp;April 2000 legte [[Papst]] [[Johannes Paul II.]] für die [[katholische Kirche]] fest, dass jährlich am [[Weißer Sonntag|Sonntag nach Ostern]] das &amp;#039;&amp;#039;Fest der Barmherzigkeit Gottes&amp;#039;&amp;#039; (auch Barmherzigkeitssonntag, Sonntag zur göttlichen Barmherzigkeit) begangen werden solle. Er bezog sich dabei auf eine [[Vision (Religion)|Vision]] der polnischen [[Ordensschwester]] [[Maria Faustyna Kowalska]] (1905–1938), die er an diesem Tage [[Heiligsprechung|heiligsprach]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{cite web|url=http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/homilies/2000/documents/hf_jp-ii_hom_20000430_faustina_ge.html|title=Heiligsprechung von Maria Faustyna Kowalska – Predigt von Johannes Paul II. (Über die Bedeutung des Barmherzigkeitssonntags)|publisher=Libreria Editrice Vaticana|date=2000-04-30| accessdate=2011-03-08}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach den Aussagen der Ordensfrau sei ihr wiederholt [[Jesus Christus]] erschienen und habe ihr aufgetragen, Künderin der Barmherzigkeit Gottes zu sein. Außerdem solle sie ein [[Gnadenbild vom Barmherzigen Jesus|Bild des barmherzigen Jesus]] malen lassen und sich für die Einführung eines „Sonntags der göttlichen Barmherzigkeit“ in das [[Kirchenjahr]] einsetzen. Auf ihren Visionen basiert ebenso die Entstehung des [[Barmherzigkeitsrosenkranz]]es.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.barmherzigkeitssonntag.de/content/gebete/wie-betet-man-den-barmherzigkeitsrosenkranz/index.html?nglayout=plain &amp;#039;&amp;#039;So betet man den Barmherzigkeitsrosenkranz! – Jesus zu Schwester Faustina&amp;#039;&amp;#039;], abgerufen am 9. April 2015.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem habe sie die Weisung erhalten, eine neue Ordensgemeinschaft zu gründen, die nach ihrem Tod als Gemeinschaft der [[Schwestern vom Barmherzigen Jesus]] entstand. Durch diese Frömmigkeitsformen solle eine Haltung des [[Vertrauen]]s gegenüber [[Gott]] und der Barmherzigkeit gegenüber den Nächsten gefördert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.faustyna.pl/zmbm/de/das-wesen/ |titel= Barmherzigkeit Gottes - Die heilige Schwester Faustina - Das Tagebuch - Jesus, ich vertraue auf Dich - Die Kongregation |abruf=2019-05-27 |sprache=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Franziskus rief mit seiner [[Päpstliche Bulle|Bulle]] &amp;#039;&amp;#039;[[Misericordiae vultus]]&amp;#039;&amp;#039;  am 11.&amp;amp;nbsp;April 2015 aus Anlass des 50. Jahrestages der Beendigung des [[Zweites Vatikanisches Konzil|Zweiten Vatikanischen Konzils]] am 8.&amp;amp;nbsp;Dezember 1965 ein &amp;#039;&amp;#039;[[Heiliges Jahr der Barmherzigkeit]]&amp;#039;&amp;#039; als außerordentliches Heiliges Jahr aus, das vom 8.&amp;amp;nbsp;Dezember 2015 bis zum 20.&amp;amp;nbsp;November 2016 begangen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Islam ==&lt;br /&gt;
Die Barmherzigkeit erscheint im [[Islam]] als eine wesentliche, wenn nicht die herausragende Eigenschaft Gottes. Im [[Koran]] und hier vor allem in den mekkanischen Suren, wird die Barmherzigkeit als eine Grundeigenschaft Gottes gesehen. In den [[Sure]]n, die aus der mittleren Periode des Wirkens [[Muhammad]]s in [[Mekka]] (ca. 615–620 n. Chr.) stammten, ist der Gottesname „der Barmherzige“ häufiger als die Anrede „Allah“. Hingegen in den Suren, die später in [[Medina]] zustande kamen, den medischen Suren, erscheint Gott in dieser Weise bezeichnet allerdings kaum noch. Der Koran enthält 114 Suren. Bis auf [[Sure 9]] wird jede Sure mit der sogenannten [[Basmala]], das heißt der Textformel „Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen“, eingeleitet, die im Übrigen im Alltagsbeten der Muslime eine große Bedeutung einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Barmherzigkeit Gottes wird mit zwei Begriffen im [[arabische Sprache|Arabischen]] beschrieben: &amp;#039;&amp;#039;{{lang|ar|&amp;lt;small&amp;gt;ar-Raḥmān&amp;lt;/small&amp;gt;}}&amp;#039;&amp;#039;, das mit „der Allerbarmer“ übersetzt werden kann, sowie &amp;#039;&amp;#039;{{lang|ar|&amp;lt;small&amp;gt;ar-Raḥīm&amp;lt;/small&amp;gt;}}&amp;#039;&amp;#039;, das mit „der Allbarmherzige“ wiedergegeben werden kann. Beide Beschreibungen unterscheiden sich qualitativ:&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;{{lang|ar|&amp;lt;small&amp;gt;ar-Raḥmān&amp;lt;/small&amp;gt;}}&amp;#039;&amp;#039;, „der Allerbarmer“; hierin zeigt Gott seine Eigenschaft der bedingungslosen Gnade gegenüber allen Geschöpfen.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;{{lang|ar|&amp;lt;small&amp;gt;ar-Raḥīm&amp;lt;/small&amp;gt;}}&amp;#039;&amp;#039;, „der Allbarmherzige“; in ihr zeigt sich Gott im Zusammenhang mit Gnade und Vergebung gegenüber den Gläubigen, die für ihre guten Taten belohnt werden.&lt;br /&gt;
Während die „Allbarmherzigkeit“ absolut ist und als Weseneigenschaft Gottes gesehen wird – sie gehört zur Wesenheit Gottes und ist unabhängig vom menschlichen Handeln – nimmt das „Allerbarmen“ eine relationale Beziehung Gott-Mensch zur Grundlage. Damit ist die Allbarmherzigkeit umfassender als das Allerbarmen Gottes.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Mouhanad Khorchide]]: &amp;#039;&amp;#039;Islam ist Barmherzigkeit. Grundzüge einer modernen Religion.&amp;#039;&amp;#039; Herder, Freiburg/Basel/Wien, ISBN 978-3-451-06764-8, S.&amp;amp;nbsp;37.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Der Allerbarmer“ &amp;#039;&amp;#039;({{lang|ar|&amp;lt;small&amp;gt;ar-Raḥmān&amp;lt;/small&amp;gt;}})&amp;#039;&amp;#039; ist einer der [[Die 99 Namen Allahs|Namen Allahs]] und zusammen mit „der Allbarmherzige“ &amp;#039;&amp;#039;({{lang|ar|&amp;lt;small&amp;gt;ar-Raḥīm&amp;lt;/small&amp;gt;}})&amp;#039;&amp;#039; der häufigste im [[Koran]] vorkommende Name [[Gott]]es. Beide Namen stammen von der gleichen [[Wort]]wurzel ab und beschreiben die immerwährende [[Liebe]] Gottes, die dem Menschen zuteilwerden kann, wenn er sie annimmt. Eine Äußerung der Barmherzigkeit, das Geben von [[Almosen]], ist die vierte der fünf Säulen des [[Islam]] und damit eine der Hauptanforderungen an die [[Glaube (Religion)|Gläubigen]]. In einem [[Hadith]] heißt es:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Diejenigen, die nicht barmherzig sind, werden keine Barmherzigkeit erlangen.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Allah]] ist denen gegenüber barmherzig, die [[Tauba|umkehren]], so in [[Sure 3]],31 wo es heißt: „Wenn ihr Gott liebt, dann folgt mir, damit (auch) Gott euch liebt und euch eure Schuld vergibt! Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben.“ In ähnlicher Weise wird es in [[Sure 19]],96 formuliert: „Denen, die glauben und tun, was recht ist, wird der Barmherzige (dereinst) Liebe zukommen lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch aber ist nach den Aussagen des Koran Gottes Gnade in einer letztlich ungeklärten Beziehung zu seiner Gerechtigkeit und zudem ist die Gnade des Allmächtigen seinen Geschöpfen gegenüber nicht festgelegt. So gibt es auch für fromme Muslime keine Gewissheit der Gnade und der ewigen Errettung. Es bleibt eigentlich nur als Ermutigung: „Verliert nicht die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit. Gewiss, Gott vergibt alle Sünden. Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige.“ ([[Sure 39]],53)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sure 55]], die die Überschrift „Der Barmherzige“ (als Beschreibung Gottes) trägt, zeigt die Barmherzigkeit Gottes in seinem ständigen fürsorgenden Einsatz für die Schöpfung auf, die er dem Menschen überantwortet hat, aber auch in seinem Gerichtshandeln, in dem er die Frevler bestraft und die Gläubigen, die Gottes Gebote erfüllen, belohnt. Somit sind alle Gläubigen zur Barmherzigkeit verpflichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Buddhismus ==&lt;br /&gt;
Im [[Buddhismus]] wird die Barmherzigkeit üblicherweise als Mitgefühl ([[Sanskrit]]: करुण &amp;#039;&amp;#039;[[Karuna|karuṇa]]&amp;#039;&amp;#039; als Adjektiv &amp;#039;&amp;#039;kläglich, traurig, mitleidig&amp;#039;&amp;#039;) bezeichnet. Karuna ist eine der vier [[Brahmavihara]]s, in denen verschiedene Formen zwischenmenschlicher Verbundenheit ([[Metta]] Liebende Güte, [[Mudita]] Mitfreude und [[Upekkhā]] Gleichmut) beschrieben werden, die es zu kultivieren gilt. Karuna ist im Kern das Ergebnis meditativer Einsicht und Erlebens und folgt somit nicht einem imperativen „Du-Sollst“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders nach [[Katastrophe]]n engagieren sich viele [[Laie (Religion)|Laien]] und [[Buddhistisches Mönchtum|Ordinierte]] in [[Buddhismus|buddhistischen]] [[Frieden]]s- und [[Hilfsorganisation]]en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Konfuzianismus und Daoismus ==&lt;br /&gt;
Für [[Konfuzius]] waren die [[Umgangsform]]en &amp;#039;&amp;#039;(li)&amp;#039;&amp;#039;, die [[Güte]] des [[Rangordnung|Rangoberen]] gegenüber den Unteren sowie die [[Menschenliebe]] wichtige Bestandteile der [[Familie|familiären]] und [[staat]]lichen Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Laotse]] forderte in seinem Buch &amp;#039;&amp;#039;[[Daodejing]]&amp;#039;&amp;#039; neben dem &amp;#039;&amp;#039;[[Wu wei|Nicht-Eingreifen]]&amp;#039;&amp;#039; die [[Natur|natürliche]] und unaufgeforderte [[Güte]] der Menschen untereinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Falun Gong ==&lt;br /&gt;
[[Falun Gong]] fordert als Grundvoraussetzung für den spirituellen Erfolg und die optimale Wirksamkeit der Übungen die Befolgung der drei Grundprinzipien „Barmherzigkeit“, „[[Wahrhaftigkeit]]“ und „[[Nachsicht]]“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Almosen]]&lt;br /&gt;
* [[Barmherzigkeitskirche]]&lt;br /&gt;
* [[Dives in misericordia]]&lt;br /&gt;
* [[Heiliges Jahr der Barmherzigkeit]]&lt;br /&gt;
* [[Karitas]]&lt;br /&gt;
* [[Misericordiae vultus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Ralf van Bühren]], &amp;#039;&amp;#039;[http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/23753234.2017.1287283 Caravaggio’s ‘Seven Works of Mercy’ in Naples. The relevance of art history to cultural journalism]&amp;#039;&amp;#039;, in &amp;#039;&amp;#039;Church, Communication and Culture&amp;#039;&amp;#039; 2 (2017), S. 63–87.&lt;br /&gt;
* {{Literatur|Autor=Ralf van Bühren|Titel=Die Werke der Barmherzigkeit in der Kunst des 12.–18. Jahrhunderts. Zum Wandel eines Bildmotivs vor dem Hintergrund neuzeitlicher Rhetorikrezeption|Kommentar=Studien zur Kunstgeschichte, 115|Verlag=Georg Olms| Ort=Hildesheim/Zürich/New York |Jahr=1998|ISBN=3-487-10319-2}} [https://openlibrary.org/works/OL603821W/Die_Werke_der_Barmherzigkeit_in_der_Kunst_des_12.-18._Jahrhunderts Englisches] Abstract, [http://www.olms.de/search/Detail.aspx?pr=13373 deutsches] Abstract.&lt;br /&gt;
* {{Literatur|Autor=[[Karl Bopp (Theologe)|Karl Bopp]]|Titel=Barmherzigkeit im pastoralen Handeln der Kirche. Eine symbolisch-kritische Handlungstheorie zur Neuorientierung kirchlicher Praxis|Ort=München|Verlag=Don Bosco|Jahr=1998}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur|Autor=Stefan Dybowski|Titel=Barmherzigkeit im Neuen Testament – Ein Grundmotiv caritativen Handelns|Kommentar=HochschulSammlung Theologie. Exegese Band 2|Ort=Freiburg|Verlag=Hochschul Verlag|Jahr=1992|ISBN=3-8107-2243-X}}&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Sein Zepter ist Barmherzigkeit!&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Eulenfisch]]. Limburger Magazin für Religion und Bildung&amp;#039;&amp;#039;, 7. Jahrgang. Ausgabe 13 (2/2014). Limburg 2014 {{ISSN|1866-0851}} – [http://www.eulenfisch.de/shop/eulenfisch/eulenfisch-2_2014-detail Inhalt, manche Artikel online verfügbar]&lt;br /&gt;
* Matthias Franz: &amp;#039;&amp;#039;Der barmherzige und gnädige Gott. Die Gnadenrede vom Sinai (Exodus 34,6–7) und ihre Parallelen im Alten Testament und seiner Umwelt&amp;#039;&amp;#039;. Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-017896-2.&lt;br /&gt;
* [[Papst Franziskus]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Name Gottes ist Barmherzigkeit. Ein Gespräch mit [[Andrea Tornielli]]&amp;#039;&amp;#039;. Aus dem Italienischen von Elisabeth Liebl. Kösel, München 2016, ISBN 978-3-466-37173-0.&lt;br /&gt;
* Ulrich Goebel; [[Oskar Reichmann]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Frühneuhochdeutsches Wörterbuch&amp;#039;&amp;#039;. De Gruyter, Berlin, New York 2002, ISBN 3-11-014887-0: &amp;#039;&amp;#039;barmherzigkeit&amp;#039;&amp;#039;, Sp. 1–6.&lt;br /&gt;
* [[Daniil Granin]]: &amp;#039;&amp;#039;Die verlorene Barmherzigkeit. Eine russische Erfahrung&amp;#039;&amp;#039;. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1993, ISBN 3-451-04043-3.&lt;br /&gt;
* [[Manfred Hermanns]], Angela Stempin: &amp;#039;&amp;#039;Barmherzigkeit – unmodern? Eine Anfrage an die Gesellschaft zur schwindenden Dimension im Sozialstaat.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Karl Hugo Breuer]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Jahrbuch für Jugendsozialarbeit.&amp;#039;&amp;#039; Bd. XVII., Die Heimstatt, Köln 1996, {{ISSN|0721-6084}}, S. 161–179.&lt;br /&gt;
* [[Walter Kardinal Kasper]]: &amp;#039;&amp;#039;Barmherzigkeit: Grundbegriff des Evangeliums – Schlüssel christlichen Lebens&amp;#039;&amp;#039;. Herder, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 2012, ISBN 978-3-451-30642-6. Ndr. Herder, Freiburg im Breisgau 2019, ISBN 978-3-451-38624-4.&lt;br /&gt;
* [[Birger Priddat|Birger Peter Priddat]]: &amp;#039;&amp;#039;‚Arm’ und ‚reich’. Von der Caritas zur Beschäftigung durch Lohnarbeit. Ökonomischer Paradigmenwechsel auf dem Weg in die Moderne&amp;#039;&amp;#039;. In: [[André Habisch]] / [[Hanns Jürgen Küsters]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Tradition und Erneuerung der christlichen Sozialethik in den Zeiten der Modernisierung&amp;#039;&amp;#039;.  Herder, Freiburg et al.: 2012, S. 72–98.&lt;br /&gt;
* Martin W. Ramb, [[Holger Zaborowski]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Jenseits der Ironie. Dialoge der Barmherzigkeit&amp;#039;&amp;#039;. Wallstein, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1907-3.&lt;br /&gt;
* [[Fulbert Steffensky]]: &amp;#039;&amp;#039;Orte des Glaubens. Die sieben Werke der Barmherzigkeit&amp;#039;&amp;#039;. Radius, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-87173-177-8.&lt;br /&gt;
* Andreas Thelen-Eiselen: &amp;#039;&amp;#039;Barmherzigkeit. Arbeitsheft für Sekundarstufe und Katechese&amp;#039;&amp;#039;. Lahn, Kevelaer 2016, ISBN 978-3-7840-3542-0.&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Markus Zehetbauer |Titel=Barmherzigkeit als Lehnübersetzung. Die Etymologie des Begriffes im Hebräischen, Griechischen, Lateinischen und Deutschen – eine kleine Theologiegeschichte |Sammelwerk=Biblische Notizen |Band=90 |Datum=1997 |Seiten=67–83 |ISSN=0178-2967}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Mercy}}&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
{{Wikiquote}}&lt;br /&gt;
* Martin Weimer: [http://dreifaltigkeit-altdorf.de/sieben_werke_der_barmherzigkeit.htm Die sieben Werke der Barmherzigkeit]&lt;br /&gt;
* Joachim Valentin: [http://eulenfisch.de/extern/ef/2014-02/eulenfisch-02-2014.html#6-7 Barmherzigkeit in Islam und Christentum]&lt;br /&gt;
* Jan-Heiner Tück: [http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/papst-franziskus-ueber-barmherzigkeit-wider-eine-gnadenlose-theologie-der-gnade-ld.9298 Papst Franziskus über Barmherzigkeit: Wider eine gnadenlose Theologie der Gnade]. In: NZZ, 23. März 2016, abgerufen am 1. Juli 2016&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4144055-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Diakonie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wertvorstellung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Moraltheologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tugend]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>~2026-11538-48</name></author>
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