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	<title>Autoreflexivität - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-12T04:11:27Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Autoreflexivit%C3%A4t&amp;diff=2372754&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Magiers: Linkfix</title>
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		<updated>2024-05-01T18:38:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Linkfix&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Autoreflexivität&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, wörtlich &amp;#039;&amp;#039;Selbstbezüglichkeit&amp;#039;&amp;#039;, ist ein [[Terminus technicus]] aus der Literaturwissenschaft und bezeichnet einen Aspekt der [[Referenz (Linguistik)|Referenz]] literarischer Texte: Sie [[Intention (Literatur)|intendiert]] immer einen jenseits des Textes liegenden Gegenstand – Lob des Herrschers, Darstellung von Heldentaten, Anrufung der Geliebten, Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse – und zugleich sich selbst. Man nennt diese Textfunktion auch „Selbstreferenz“, „[[Selbstreferenzialität]]“, „Selbstreflexion“&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe den Titel von Renate Homann.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder „Selbstreflexivität“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarische Beispiele ==&lt;br /&gt;
„Der Begriff Autoreflexivität wird in der Literaturwissenschaft häufig verwendet, aber selten definiert“, heißt es auf der Website des &amp;#039;&amp;#039;buchjournals&amp;#039;&amp;#039; zu Christoph Schamms Studie &amp;#039;&amp;#039;Das Gedicht im Spiegel seiner selbst&amp;#039;&amp;#039;, und weiter: „Nicht selten wird die Selbstbezüglichkeit als wesentliches Merkmal der modernen Lyrik bezeichnet.“ – Dies gilt sicher auch für die anderen [[Gattung (Literatur)|Gattungen]] der literarischen [[Moderne]]. Es bleibt aber festzuhalten, dass die Autoreflexivität eine strukturelle Dimension jedes literarischen Textes ist, in jeder [[Epoche (Literatur)|Epoche]]. Bei [[Michail Michailowitsch Bachtin|Bachtin]] heißt es in diesem Zusammenhang: „Die Sprache stellt im Roman nicht nur dar, sondern dient auch selbst als Gegenstand der Darstellung.“&amp;lt;ref&amp;gt;Michail Bachtin, &amp;#039;&amp;#039;Das Wort im Roman&amp;#039;&amp;#039;, in: Zima, S. 191&amp;lt;/ref&amp;gt; Etwas prägnanter formuliert [[Juri Michailowitsch Lotman|Lotman]]: „Die sprachliche Struktur erscheint als Bedingung, als &amp;#039;&amp;#039;Mittel&amp;#039;&amp;#039; der Informationsübertragung, die literarische Struktur dagegen als ihr Ziel und &amp;#039;&amp;#039;Inhalt&amp;#039;&amp;#039;.“&amp;lt;ref&amp;gt;Jurij M. Lotman, &amp;#039;&amp;#039;Zur Distinktion des linguistischen und des literaturwissenschaftlichen Strukturbegriffs&amp;#039;&amp;#039;, in: Zima, S. 146; Kursivierung im Original.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Art der gewählten literarischen Verfahren und „Textformantien“&amp;lt;ref&amp;gt;Stadler, S. 187&amp;lt;/ref&amp;gt; – Darstellungsperspektive, Aufbau, [[Syntax]], [[Lexik]], Klang (ggf. [[Reim]]), Rhythmus (ggf. [[Verslehre|Metrik]]) – stellen den Text in eine literarische Tradition (siehe [[Intertextualität]]), zu der er sich eher affirmativ oder eher in Opposition verhalten kann. Eine implizite Gattungs- und Literaturtheorie manifestiert sich dadurch, wie Gattungsnormen erfüllt oder gebrochen werden und wie sich der Text in Bezug auf Erwartungshorizonte positioniert. Signale für autoreflexive [[Konnotation]]en sind jede Form der [[Verfremdung]] im Aufbau des Textes und die Verwendung [[Rhetorische Figur|rhetorischer Figuren]], insbesondere Wiederholungen, Leitmotive, Verweise, Rückblicke, Vorgriffe, Verfahren wie Zeitraffung und Zeitdehnung etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein offensichtlicher Fall der Autoreflexivität ist das Selbstzitat: In Bernhards [[Auslöschung (Thomas Bernhard)|&amp;#039;&amp;#039;Auslöschung&amp;#039;&amp;#039;]] heißt es: „Ich hatte Gambetti [...] aufgetragen, diese fünf Bücher auf das aufmerksamste [...] zu studieren: &amp;#039;&amp;#039;Siebenkäs&amp;#039;&amp;#039; von Jean Paul, &amp;#039;&amp;#039;Der Prozeß&amp;#039;&amp;#039; von Franz Kafka, &amp;#039;&amp;#039;Amras&amp;#039;&amp;#039; von Thomas Bernhard, &amp;#039;&amp;#039;Die Portugiesin&amp;#039;&amp;#039; von Musil, &amp;#039;&amp;#039;Esch oder Die Anarchie&amp;#039;&amp;#039; von Broch“.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Auslöschung&amp;#039;&amp;#039;, S. 7f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nicht nur stellt hier der Erzähler seine eigene Erzählung in einen literarischen Kontext, sondern ein Bernhard-Text verweist auf einen anderen Bernhard-Text und adelt quasi beide, indem er sie – in einer histrionischen Anwandlung, natürlich nicht ohne Ironie bzw. Selbstironie – [[Kanon der Literatur|kanonisiert]] und in eine Reihe mit Klassikern der Weltliteratur stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weniger plakativ, aber nicht weniger offensichtlich ist der selbstreferentielle Gestus von Max Frischs Roman [[Stiller (Roman)|&amp;#039;&amp;#039;Stiller&amp;#039;&amp;#039;]], der schon mit dem exklamatorischen Eingangssatz „Ich bin nicht Stiller!“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Stiller&amp;#039;&amp;#039;, S. 9&amp;lt;/ref&amp;gt; die Authentizität seines Titels und damit seiner selbst dementiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Denselben paradoxen Gestus kennen wir aus der [[Bildende Kunst|Bildenden Kunst]], wenn wir etwa an [[René Magritte|Magritte]] und sein Gemälde &amp;#039;&amp;#039;Ceci n&amp;#039;est pas une pipe&amp;#039;&amp;#039; denken.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weiteres Beispiel für Autoreflexivität sei [[Heinrich von Kleist|Kleists]] [[Penthesilea (Kleist)|&amp;#039;&amp;#039;Penthesilea&amp;#039;&amp;#039;]] herangezogen: Renate Homann gliedert den Text in folgende Stationen: 1. Kampf, 2. Rosenszene, 3. Mord an Achilles, 4. Penthesileas Selbstmord. Dann korreliert sie die zweite Station mit der griechisch-römischen [[Naturdichtung]], die dritte mit der klassischen [[Griechische Tragödie|griechischen Tragödie]] und die vierte mit dem [[mittelalter]]lichen [[Passionsspiel]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;HoW&amp;quot;&amp;gt;Homann, S. 306f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die implizite Gattungstheorie stellt das Schauspiel in die Tradition der „[[Querelle des Anciens et des Modernes]]“. In dem Kontext bedeutet die in der &amp;#039;&amp;#039;Penthesilea&amp;#039;&amp;#039; dominante Opposition von [[Lebenstrieb|Eros]] und [[Todestrieb|Thanatos]], von Kampf und Lust einerseits den Gegensatz von [[Homer]]ischer Poesie und nachhomerischer Rezeption, andererseits die Aufhebung, nämlich Darstellung und Überwindung dieses Gegensatzes im „ästhetischen Trauerspiel“&amp;lt;ref name=&amp;quot;HoW&amp;quot; /&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst Texte, die gar nicht im Verdacht stehen, Anspruch auf [[Literarizität]] zu erheben, wie – als beliebiges Beispiel – [[David Read (Autor)|David Reads]] Roman &amp;#039;&amp;#039;Waters of the Sanjan&amp;#039;&amp;#039;, in dem sich der Protagonist, ein [[Massai]], gegenüber unterschiedlichen Widrigkeiten behaupten muss und so zu einem angesehenen Führer seiner Altersgruppe heranreift und in dem das erzählerische [[Sujet]] die Darstellung und Konservierung traditioneller Lebensweisen und Gebräuche der Massai zu sein scheint – selbst solche Texte entbehren nicht einer autoreflexiven Dimension oder einer impliziten Texttheorie. Man tut dem Autor sicher nicht Unrecht, wenn man letztere in der Formel &amp;#039;Erzählen ist quasi fotografische Abbildung von Wirklichkeit&amp;#039; zusammenfasst – mit allen Konsequenzen für die literarische Wertigkeit des Textes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Andere Kunstformen ==&lt;br /&gt;
Es wurde schon auf den Bereich der Bildenden Kunst hingewiesen. Das über die Literatur Gesagte gilt selbstverständlich genauso für die Malerei, die Bildhauerei, auch für die Musik, den Tanz und jede künstlerische Äußerung überhaupt. Immer stellt sich ein Kunstwerk in oder gegen eine Gattungs-Tradition und einen sozial-historischen Kontext und reklamiert zugleich die Definitionsmacht darüber, was ein Kunstwerk sei, so dass immer mit einer [[Metaebene]] zu rechnen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Philosophische Aspekte ==&lt;br /&gt;
Sämtliche menschliche Handlungen oder Akte – äußere wie innere – sind von einem „Aktbewusstsein“, wie es in der [[Phänomenologie|Phänomenologischen]] Literatur heißt, begleitet. Wenn ich einen Stein hebe, weiß ich, dass ich diesen Stein hebe. Wenn ich zweifle, weiß ich, dass ich zweifle – und sogar dass ich da bin, existiere, (siehe [[Descartes]] methodischen Zweifel&amp;lt;ref&amp;gt;René Descartes, &amp;#039;&amp;#039;Discours de la Méthode. Von der Methode des richtigen Vernunftgebrauchs&amp;#039;&amp;#039;, übers. u. hg.v. Lüder Gäbe, Hamburg 1969 (= &amp;#039;&amp;#039;Philosophische Bibliothek&amp;#039;&amp;#039; Band 261)&amp;lt;/ref&amp;gt;). Offenbar ist es diese – anthropologisch gesprochen – Doppelnatur menschlicher Handlungen, die sich auch in künstlerischem Bereich manifestiert: Das Erzählen weiß, dass es erzählt, d.&amp;amp;nbsp;h. es weiß und proklamiert zugleich, was Erzählen, was eine Erzählung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
* Bernhard, Thomas, &amp;#039;&amp;#039;Auslöschung. Ein Zerfall&amp;#039;&amp;#039;, Frankfurt am Main 1988 (suhrkamp taschenbuch 1563), ISBN 3-518-38063-X&lt;br /&gt;
* Frisch, Max, &amp;#039;&amp;#039;Stiller. Roman&amp;#039;&amp;#039;, Frankfurt am Main 1954, 36.–55. Tausend 1974 (suhrkamp taschenbuch 105), ISBN 3-518-06605-6&lt;br /&gt;
* Kleist, Heinrich von, &amp;#039;&amp;#039;Sämtliche Werke und Briefe&amp;#039;&amp;#039;, hg.v. Helmut Sembdner, siebte, ergänzte und revidierte Auflage, Darmstadt 1983&lt;br /&gt;
* Read, David,  and Pamela Brown, &amp;#039;&amp;#039;Waters of the Sanjan. A Historical Novel of the Masai&amp;#039;&amp;#039;, Selbstverlag David Read 1982, überarb. Aufl. 1989, ISBN 9987-8920-1-9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
* [[Marc Bauch]]: Selbstreflexivität im amerikanischen Musical, Köln 2013 (Kapitel 2: Selbstreflexivität in der Literatur)&lt;br /&gt;
* Homann, Renate: Selbstreflexion der Literatur. Studien zu Dramen von G.E. Lessing und H. von Kleist, München 1986&lt;br /&gt;
* Schamm, Christoph, &amp;#039;&amp;#039;Das Gedicht im Spiegel seiner selbst. Autoreflexivität in der italienischen Lyrik von der ästhetizistischen Décadence bis zur futuristischen Avantgarde&amp;#039;&amp;#039;,  München 2006, ISBN 978-3-89975-565-7&lt;br /&gt;
* Stadler, Hermann (Hg.), &amp;#039;&amp;#039;Deutsch. Verstehen-Sprechen-Schreiben&amp;#039;&amp;#039;, 3. Aufl., Frankfurt am Main 1976 (= &amp;#039;&amp;#039;FischerKolleg Das Abitur-Wissen&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 6), ISBN 3-436-01786-8&lt;br /&gt;
* Zima, Peter V. (Hg.), &amp;#039;&amp;#039;Textsemiotik als Ideologiekritik&amp;#039;&amp;#039;, Frankfurt am Main 1977&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [http://www.icn.uni-hamburg.de/de/print/2443 Bibliographische Angabe zu Klaus W. Hempfers Aufsatz &amp;#039;&amp;#039;Die potentielle Autoreflexivität des narrativen Diskurses und Ariosts &amp;#039;Orlando Furioso&amp;#039;  &amp;#039;&amp;#039;von 1982]&lt;br /&gt;
* [http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=9783899755657 Bibliographische Angabe und Kurzkommentar zu Christoph Schamm, &amp;#039;&amp;#039;Das Gedicht im Spiegel seiner selbst&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Autoreflexivitat}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literaturwissenschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Magiers</name></author>
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