<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Auswendiglernen</id>
	<title>Auswendiglernen - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Auswendiglernen"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Auswendiglernen&amp;action=history"/>
	<updated>2026-06-26T15:27:27Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Auswendiglernen&amp;diff=2406858&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Chhelp: /* Nutzen */ Zeitersparnis langfristig sowie Konzentration auf anderes als reinen Text oder Formeln, mit Beleg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Auswendiglernen&amp;diff=2406858&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2026-04-09T19:09:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Nutzen: &lt;/span&gt; Zeitersparnis langfristig sowie Konzentration auf anderes als reinen Text oder Formeln, mit Beleg&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Gysis 003.jpg|mini|Im Studium (Gemälde von [[Nikolaus Gysis]], Öl auf Holz, 1883)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Auswendiglernen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (oft auch &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Memorieren&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, von lateinisch memorare, [[umgangssprachlich]] auch &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Pauken&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref group=&amp;quot;Hinweis&amp;quot;&amp;gt;Das Wort „Pauken“ ist ein Synonym für „lernen“, wird umgangssprachlich jedoch auch synonym für „Auswendiglernen“ genutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.duden.de/rechtschreibung/pauken |titel=Duden {{!}} pauken {{!}} Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft |abruf=2019-09-05 |sprache=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt; genannt) ist eine Form des [[Lernen]]s, bei welcher der Lernende sich Text, Zahlen oder andere Informationen so ins [[Gedächtnis]] einprägt, dass er sie später der Lernvorlage getreu wiedergeben kann. Auch Handlungsfolgen wie Musikstücke, Tänze, Schachpartien, Kochrezepte und Ähnliches können auswendig gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auswendiglernen geschieht stets absichtsvoll ([[Explikation|explizit]]). Ein Lernen, das beiläufig und ohne bewusstes Memorieren oder [[Übung|Üben]] vollzogen wird, bezeichnet man als [[Implizites Lernen|implizites]] oder [[inzidentelles Lernen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die seit der [[Reformpädagogik]] populäre Unterscheidung von Auswendiglernen und [[Verständnislernen]] ist dagegen problematisch, weil Auswendiglernen auch geistige Auseinandersetzung mit dem Lernstoff einschließt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;karpicke&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen Kulturen bildet das Auswendiglernen bis heute eine Hauptform des schulischen Lernens, in der [[Westliche Welt|westlichen Welt]] u.&amp;amp;nbsp;a. für das [[Einmaleins]] und die [[Orthographie|Rechtschreibung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Religion ==&lt;br /&gt;
=== Judentum ===&lt;br /&gt;
Im traditionellen und bis heute im [[Orthodoxes Judentum|orthodoxen Judentum]] ist das Auswendiglernen der [[Heilige Schrift|Heiligen Schrift]] ([[Tanach]], [[Talmud]]) ein wichtiger Bestandteil des religiösen Studiums, wobei allerdings nur wenige, außergewöhnliche Gelehrte ganze Bücher auswendig kannten; meist werden nur einzelne Abschnitte oder Textstellen auswendig gelernt. Diese Praxis entstand in einer Zeit, als schriftliche Fixierungen, z.&amp;amp;nbsp;B. des Talmud, noch nicht vorlagen und die Textkenntnis von den Vätern zu den Söhnen tradiert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Yaacov Zinvirt: &amp;#039;&amp;#039;Tor zum Talmud.&amp;#039;&amp;#039; Lit Verlag, Berlin 2009, S. 53. ({{Google Buch|BuchID=Ae0j0y8b-AEC|Seite=53|Linktext=eingeschränkte Online-Version|Land=US}})&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Christentum ===&lt;br /&gt;
Eine bedeutende Tradition des Auswendiglernens gibt es auch im [[Christentum]]. Ob bereits Jesus selbst seine Anhänger zum Auswendiglernen wichtiger Aussprüche veranlasste, ist nicht sicher.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Craig Blomberg]]: &amp;#039;&amp;#039;Die historische Zuverlässigkeit der Evangelien&amp;#039;&amp;#039;. VTR, Nürnberg 1998, S. 44–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [[Kirchenvater|Kirchenväter]] empfahlen, Teile der [[Bibel]] – insbesondere das [[Neues Testament|Neue Testament]] und die [[Buch der Psalmen|Psalmen]] – auswendig zu lernen.&amp;lt;ref&amp;gt;Thomas Dienberg: &amp;#039;&amp;#039;Einübung in geistliche Vollzüge – Formen geistlichen Lebens.&amp;#039;&amp;#039; In: Arbeitsgemeinschaft Theologie der Spiritualität (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;„Lasst euch vom Geist erfüllen!“ (Eph 5,18) – Beiträge zur Theologie der Spiritualität.&amp;#039;&amp;#039; Lit, Münster 2001, ISBN 3-8258-5195-8, S. 190, S. 187–241. ({{Google Buch |BuchID=ETq0Rlq8fc4C |Seite=190 |Linktext=eingeschränkte Online-Version |Land=US}}); Moritz Grünwald: &amp;#039;&amp;#039;Über den Einfluss der Psalmen auf die Entstehung der katholischen Liturgie mit steter Rücksichtnahme auf die talmudisch-midraschische Literatur.&amp;#039;&amp;#039; [[J. Kauffmann Jüdischer Buchverlag und Buchvertrieb|J. Kauffmann]], Frankfurt am Main 1890, S. 150. ({{Google Buch |BuchID=uHhAAAAAYAAJ |Seite=150 |Linktext=eingeschränkte Online-Version |Land=US}})&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Neuzeit wurde auch das Auswendiglernen des [[Katechismus]] üblich. So empfahl [[Martin Luther]] das Auswendiglernen seines [[Der Kleine Katechismus|Kleinen Katechismus]].&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.ekiba.de/html/media/dl.html?i=6671 Vorrede zum Kleinen Katechismus] (PDF; 24&amp;amp;nbsp;kB)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis in die Gegenwart hat sich die Praxis, Bibeltexte auswendig zu lernen, u.&amp;amp;nbsp;a. im englischsprachigen Raum erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Z.&amp;amp;nbsp;B. Joshua Choonmin Kang: &amp;#039;&amp;#039;Scripture by Heart: Devotional Practices for Memorizing God’s Word.&amp;#039;&amp;#039; IVP Books, 2010, ISBN 978-0-8308-3536-2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort gibt es heute sogar [[Lernsoftware|digitale Lernsysteme]], die das Auswendiglernen von Bibeltexten unterstützen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://www.biblebyheart.net/ |wayback=20130927123818 |text=www.biblebyheart.net |archiv-bot=2024-07-14 11:11:21 InternetArchiveBot }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv | url=http://www.memoryverses.org/ | wayback=20150428072552 | text=&amp;#039;&amp;#039;The Scripture Memory Connection&amp;#039;&amp;#039; }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv | url=http://www.memorizehisword.com/?src=google&amp;amp;key=bible_memorization | wayback=20130928055605 | text=&amp;#039;&amp;#039;Memorize His Word – Bible memory software&amp;#039;&amp;#039; }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Islam ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Madrasah pupils in Mauritania.jpg|mini|Jungen in Mauretanien beim Auswendiglernen von Koransuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der [[Islam]] besitzt eine große Tradition des Auswendiglernens. Ein [[Hafiz]], ein Gläubiger, der den gesamten [[Koran]] auswendig gelernt hat, wird unter [[Muslim]]en hoch geachtet. Das Auswendiglernen des Korans (ḥifẓ) ist ein wesentlicher Bestandteil des Lehrplans der [[Madrasa|Koranschulen]]; die Schüler beginnen damit etwa im fünften Lebensjahr.&amp;lt;ref&amp;gt;orientdienst.de: {{Webarchiv|text=Kindererziehung im Islam |url=http://www.orientdienst.de/muslime/minikurs/kindererziehung.shtml |wayback=20120331224257 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://www.1001-idee.eu/de/unterrichtsmaterialien/nach-themen/schule-bildung/madrasa.html |wayback=20130927153052 |text=Madrasa |archiv-bot=2024-07-14 11:11:21 InternetArchiveBot }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Buddhismus ===&lt;br /&gt;
Unter den nicht [[Monotheismus|monotheistischen]] Weltreligionen, in denen das Memorieren traditionell stark verbreitet war, ist der [[Buddhismus]] die bedeutendste. Aus der [[Buddhistische Literatur|buddhistischen Literatur]] wurden besonders die überlieferten [[Pali-Kanon|Lehrreden Buddhas]] auswendig gelernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinduismus ===&lt;br /&gt;
Die [[Veden]] wurden ursprünglich nur mündlich weitergegeben, bevor sie ab dem 5. Jahrhundert schriftlich fixiert wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Hrsg=[[Johann Figl]] |Titel=Handbuch Religionswissenschaft. Religionen und ihre zentralen Themen |Auflage=2 |Verlag=Tyrolia |Ort=Innsbruck |Datum=2017 |ISBN=978-3-7022-3614-4 |Seiten=328}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Konnte ein [[Brahmane]] alle vier Veden aufsagen, so wurde er &amp;#039;&amp;#039;Chaturvedi&amp;#039;&amp;#039; genannt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=S. L. Verma |Titel=Sanskrit Words in English. A Study |Verlag=Little India Foundation |Ort=Joliet |Datum=2004 |Seiten=6 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Tradition der vedischen Rezitation wird fortgeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor= |url=https://ich.unesco.org/en/RL/tradition-of-vedic-chanting-00062 |titel=Tradition of Vedic chanting |werk=ich.unesco.org |zugriff=2017-09-16 |sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kulturelle Bedeutung ==&lt;br /&gt;
{{Lückenhaft|Leider nichts über die Arbeit von Schauspielern, die ja ebenfalls große Textmengen auswendig lernen müssen.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Auswendigspielen in der Musik ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Mendelssohn Bartholdy.jpg|mini|Der Pianist und Komponist [[Felix Mendelssohn Bartholdy]] war einer der ersten Solisten, die das Auswendigspielen in Deutschland in Mode brachten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auswendigspielen von schriftlich fixierten Musikstücken – als Gegenbegriff zum Spiel nach Noten ([[Blattspiel]]) oder zur [[Improvisation (Musik)|Improvisation]] – basiert sowohl auf dem bewussten Einprägen von musikalischen Strukturen durch vorangehende Werkanalyse und zielgerichtetes Üben am Instrument als auch auf dem unbewussten Lernen durch die mechanische Wiederholung von Spielbewegungen und die Verinnerlichung der damit verbundenen Gehörseindrücke.&amp;lt;ref&amp;gt;Bitzan: &amp;#039;&amp;#039;Auswendig lernen und spielen.&amp;#039;&amp;#039; 2010, S. 63.&amp;lt;/ref&amp;gt; Welche Strategien des Memorierens dabei dominieren, hängt sehr stark von der individuellen Disposition des Lernenden ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der abendländischen [[Kunstmusik]] ist das auswendige Musizieren von Instrumentalsolisten auf der Bühne eine historisch erst relativ spät auftretende Darbietungsform. Berühmte Solisten wie [[Niccolò Paganini]], [[Felix Mendelssohn Bartholdy]], [[Franz Liszt]] und [[Clara Schumann|Clara Wieck]] erregten daher großes Aufsehen, als sie diese Praxis seit den 1830er Jahren einführten. Das auswendige Spiel war ein wichtiger Aspekt in der Entstehungsgeschichte des in der [[Romantik]] aufkommenden Geniekults, das den vom Geist der ohne Notenvorlage gleichsam „entmaterialisierten“ Komposition beseelten Interpreten in den Mittelpunkt stellte. Gleichzeitig erzeugte es nicht nur eine publikumswirksame Illusion von improvisatorischer Inspiration, sondern gab dem Solisten diesbezüglich tatsächlich erst die großzügigen Freiheiten bei der Interpretation, die dem damaligen Publikumsgeschmack entsprachen.&amp;lt;ref&amp;gt;Janina Klassen: &amp;#039;&amp;#039;Clara Schumann: Musik und Öffentlichkeit.&amp;#039;&amp;#039; S. 120. ({{Google Buch|BuchID=CuriO_ANFzIC|Seite=120|Linktext=eingeschränkte Online-Version|Land=US}})&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit, nur einmal gehörte Stücke so detailliert zu erfassen, dass sie diese allein aus der Erinnerung niederschreiben können, findet sich nur bei wenigen diesbezüglich besonders begabten Musikern; so soll der 14-jährige [[Wolfgang Amadeus Mozart|Mozart]] ein komplexes mehrstimmiges &amp;#039;&amp;#039;[[Psalm 51|Miserere]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Gregorio Allegri]] aufgeschrieben haben, nachdem er es nur ein einziges Mal gehört hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Bitzan: &amp;#039;&amp;#039;Auswendig lernen und spielen.&amp;#039;&amp;#039; 2010, S. 60; Hermann Abert: &amp;#039;&amp;#039;W. A. Mozart.&amp;#039;&amp;#039; Yale University Press, 2007, ISBN 978-0-300-07223-5, S. 135. (deutsche Originalausgabe 1956)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die von den besonderen Gedächtnisleistungen seines Schülers [[Walter Gieseking]] beeinflusste Methode des Klavierpädagogen [[Karl Leimer]] („Leimer-Gieseking-Methode“) das absichtsvolle und analytische Auswendiglernen anhand des Notentextes propagiert,&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Leimer: &amp;#039;&amp;#039;Modernes Klavierspiel nach Leimer-Gieseking&amp;#039;&amp;#039;. B. Schott’s Söhne, Mainz 1931.&amp;lt;/ref&amp;gt; beruht das Auswendigspiel nach der [[Suzuki-Methode]], die in den ersten Unterrichtsjahren bewusst auf das Spiel nach Noten verzichtet, auf der Koordination von durch Imitation erlernten Spielaktionen mit Gehörseindrücken, die sich nach den Prämissen der Methode durch wiederholtes Vorspielen und Hören der Unterrichtsstücke auf Tonträgern einstellen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Auswendiglernen als Geheimhaltung ===&lt;br /&gt;
Seit der Ausbreitung der Schrift wurde das Auswendiglernen zu allen Zeiten verwendet, um Texte und andere Informationen so aufzubewahren, dass sie Unbefugten nicht in die Hände fallen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So lernte die litauische Holocaust-Überlebende [[Mascha Rolnikaitė]] im [[Ghetto Vilnius]] Teile ihres Tagebuchs auswendig, um zu verhindern, dass damit belastendes Beweismaterial gegen sie und ihre Familie existierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Texte des unter dem Stalinismus politisch missliebigen russischen Dichters [[Ossip Emiljewitsch Mandelstam|Ossip Mandelstam]] sind nur deshalb erhalten geblieben, weil seine Frau und seine Freunde sie auswendig gelernt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der [[Kulturrevolution|chinesischen Kulturrevolution]], in deren Verlauf ein Großteil der [[Tibetische Literatur|tibetischen Literatur]] zerstört wurde, ermöglichte das traditionelle Auswendiglernen dieser Texte in vielen Fällen eine Wiederauflage der Bücher im Ausland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Ray Bradbury]] verwendete das Motiv in seinem 1953 erschienenen Roman &amp;#039;&amp;#039;[[Fahrenheit 451]]&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pädagogik ==&lt;br /&gt;
=== Nutzen ===&lt;br /&gt;
Der britische Experimentalpsychologe William H. Winch wies in einer Versuchsreihe bereits 1908 nach, dass das Auswendiglernen sinnvoller oder sinnloser Inhalte einen messbaren (Transfer-)Effekt auf die Fähigkeit von Schülern hat, sich auch solche Dinge zu merken, die sie inhaltlich verstanden haben.&amp;lt;ref&amp;gt;W. H. Winch: &amp;#039;&amp;#039;The Transfer of Improvement in Memory in School-Children.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;British Journal of Psychology.&amp;#039;&amp;#039; Band 2, Heft 3, Januar 1908, S. 284–293.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die amerikanischen Psychologen [[Jeffrey Karpicke]] und [[Jannell Blunt]] in Experimenten nachgewiesen haben, lernen und begreifen Collegestudenten naturwissenschaftlichen Lernstoff besser, wenn sie den Text wiederholt durcharbeiten und auswendig lernen, als wenn sie versuchen, sich den Inhalt mit Hilfe von [[Concept-Map]]s zu veranschaulichen und anzueignen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;karpicke&amp;quot;&amp;gt;Jeffrey D. Karpicke, Jannell R. Blunt: &amp;#039;&amp;#039;Retrieval Practice Produces More Learning than Elaborative Studying with Concept Mapping.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Science]].&amp;#039;&amp;#039; 20. Januar 2011. [http://www.sciencemag.org/content/early/2011/01/19/science.1199327.abstract (Abstract)]&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;loblied&amp;quot;&amp;gt;[https://www.welt.de/wissenschaft/article12281977/Ein-Loblied-auf-das-gute-alte-Auswendiglernen.html &amp;#039;&amp;#039;Lernforschung: Ein Loblied auf das gute alte Auswendiglernen.&amp;#039;&amp;#039;] In: &amp;#039;&amp;#039;Welt online.&amp;#039;&amp;#039; 22. Januar 2011.&amp;lt;/ref&amp;gt; Lediglich wenn ein vollkommen neues Wissensgebiet betreten wird, erweisen Lernmittel wie das Concept Mapping sich gegenüber dem Auswendiglernen als effizienter.&amp;lt;ref name=&amp;quot;loblied&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auswendiglernen spart langfristig Zeit, da (wiederholte) Recherchen entfallen. Laut J.-P. Lachaux (Zentrum für Neurowissenschaften) wird beim Auswendiglernen ein Muster im Gehirn angelegt, das variiert oder ausgebaut werden kann, was weitere Inhalte leichter lernen lässt. Durch auswendig gelernten Text können sich Schauspieler leichter auf ihr Spiel und bei Formeln und Krankheiten Ärzte und Apotheker besser auf ihre Patienten konzentrieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Avoxa-Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH |url=https://www.pharmazeutische-zeitung.de/wozu-auswendiglernen-161006/ |titel=Hirnforscher erklärt: Wozu Auswendiglernen? |werk=Pharmazeutische Zeitung |hrsg=Avoxa - Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH |datum=2026 |sprache=de |abruf=2026-04-09}}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Auswendiglernen versus Verständnislernen ===&lt;br /&gt;
[[Wilhelm von Humboldt]] besaß für das Auswendiglernen zwar große persönliche Wertschätzung:&lt;br /&gt;
{{Zitat|Aber auch das eigene Auswendiglernen und Auswendigwissen von Gedichten, oder von Stellen aus Gedichten, verschönert das einsame Leben, und erhebt oft in bedeutenden Momenten. Ich trage mich von Jugend an mit Stellen aus dem Homer, aus Göthe und Schiller, die mir in jedem wichtigen Augenblicke wiederkehren, und mich auch in den letzten des Lebens nicht verlassen werden. Denn man kann nichts Besseres thun, als mit einem großen Gedanken hinüber gehen.|Autor=Wilhelm von Humboldt|Quelle=Brief an [[Charlotte Diede]], 7. April 1833&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Briefe Wilhelm von Humboldt’s.&amp;#039;&amp;#039; Zweiter Teil: &amp;#039;&amp;#039;Wilhelm von Humboldt an eine Freundin.&amp;#039;&amp;#039; Brockhaus, Leipzig 1847, S. 207. ({{Google Buch|BuchID=_3dCAAAAcAAJ|Seite=207|Linktext=eingeschränkte Online-Version|Land=US}})&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er 1809 begann, das preußische Schulwesen zu reformieren, setzte er sich jedoch dafür ein, dass die Schüler nicht auswendig lernen, sondern verstehen und begreifen sollten, womit sie sich beschäftigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Wilhelm von Humboldt: &amp;#039;&amp;#039;Litauischer Schulplan.&amp;#039;&amp;#039; 1809; zitiert nach Gila Brandt-Hermann: &amp;#039;&amp;#039;Typische Biographien untypischer Informatiker: Bildungsprozesse in Berufsbiographien von Informatikern.&amp;#039;&amp;#039; Waxmann, Münster 2008, ISBN 978-3-8309-1885-1, S. 47f. ({{Google Buch |BuchID=5gUcOXwd-RcC |Seite=47 |Linktext=eingeschränkte Online-Version |Land=US}})&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Einfluss der [[Reformpädagogik]] wurde die Deutung des Auswendiglernens als Gegenpol zu einem Verständnislernen weiter verfestigt. Bereits [[Jean-Jacques Rousseau|Rousseau]] war ein entschiedener Gegner des Auswendiglernens.&amp;lt;ref&amp;gt;Jean-Jacques Rousseau: &amp;#039;&amp;#039;Emil oder über die Erziehung.&amp;#039;&amp;#039; 4. Auflage. Paderborn 1978, S. 208.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch [[Johann Bernhard Basedow|Basedow]] und [[Johann Heinrich Pestalozzi|Pestalozzi]] berichteten, dass an ihren Schulen fast nicht mehr auswendig gelernt werde.&amp;lt;ref&amp;gt;Friedrich Regener: &amp;#039;&amp;#039;Allgemeine Unterrichtslehre: Im Grundrisse dargestellt.&amp;#039;&amp;#039; Theodor Hoffmann, Gera 1894, S. 137. ({{Google Buch|BuchID=ySkBAAAAYAAJ|Seite=137|Linktext=vollständige Online-Version|Land=US}})&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Psychologie und Psychiatrie ==&lt;br /&gt;
Während [[Fertigkeit]]en und automatisierte Handlungsabläufe ins [[Gedächtnis#Prozedurales Gedächtnis|prozedurale Gedächtnis]] „gespeichert“ werden, geht Auswendiggelerntes ins [[Gedächtnis#Deklaratives Gedächtnis|deklarative Gedächtnis]] ein, das neurologisch dem [[Neocortex]] zugeordnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auswendiglernen kann man sich erleichtern durch die Anwendung von [[Mnemotechnik]]en wie z.&amp;amp;nbsp;B. „[[Merkspruch|Eselsbrücken]]“. Viele dieser Techniken, etwa die [[Schlüsselwortmethode]] und die [[Loci-Methode]], basieren auf der Visualisierung der ansonsten schwer merkbaren Daten. [[Gedächtnissport]]ler, die in Wettkämpfen wie der [[Gedächtnisweltmeisterschaft]] antreten, verwenden anspruchsvolle Mnemotechniken wie das [[Major-System]], [[Dominic-System]] oder [[Ben-System]]. Zu den Anwendungsfeldern für hoch leistungsfähige Mnemotechniken zählt auch der [[Pi-Sport]], das Auswendiglernen möglichst vieler Nachkommastellen der [[Kreiszahl|Zahl Pi]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über ein außergewöhnliches Erinnerungsvermögen verfügen auch manche [[Inselbegabung|Savants]] und manche Menschen im [[Autismusspektrum]]; welche Mnemotechniken diese verwenden, ist oft unklar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Klaus Berg: &amp;#039;&amp;#039;Gedichte im Gedächtnis? Vom Verlust der Gedächtniskultur in und außerhalb der Schule.&amp;#039;&amp;#039; Königshausen &amp;amp; Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3192-X.&lt;br /&gt;
* Wendelin Bitzan: &amp;#039;&amp;#039;Auswendig lernen und spielen: Über das Memorieren in der Musik.&amp;#039;&amp;#039; Peter Lang, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-631-60244-7 ({{Google Buch|BuchID=5NRhz9a8zAEC|Seite=|Linktext=eingeschränkte Online-Version|Land=US}})&lt;br /&gt;
* Arndt Elmar Schnepper: &amp;#039;&amp;#039;Goldene Buchstaben ins Herz schreiben. Die Rolle des Memorierens in religiösen Bildungsprozessen.&amp;#039;&amp;#039; V&amp;amp;R unipress, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8471-0028-7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Memorizing|Auswendiglernen}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|4143676-3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;Hinweis&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4143676-3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gedächtnis]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Unterricht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pädagogische Methode/Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pädagogische Psychologie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Chhelp</name></author>
	</entry>
</feed>