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	<title>Augenmusik - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-11T23:55:47Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Augenmusik&amp;diff=1193946&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Karla1964: Italian großgeschrieben</title>
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		<updated>2024-06-08T06:49:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Italian großgeschrieben&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Augenmusik&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet man rein optische Erscheinungen im [[Notenbild]] einer [[Komposition (Musik)|Komposition]], die symbolische Bedeutung tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsabgrenzung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen Fällen kann man nur schwer zwischen Augenmusik und Wortmalerei unterscheiden. Wortmalerei ist häufig sowohl optisch als auch akustisch erfassbar, Augenmusik dagegen ist nur dem Auge unmittelbar zugänglich. Als ein typisches Beispiel für Wortmalerei kann man eine absteigende Melodie auf das Wort &amp;quot;fallen&amp;quot; oder eine aufsteigende Melodie auf das Wort &amp;quot;Auferstehung&amp;quot; heranziehen: das ist etwas, was gleichermaßen gehört wie gesehen werden kann. Demgegenüber wäre ein typisches Beispiel für Augenmusik die Verwendung schwarzer Notenköpfe auf die Wörter &amp;quot;Nacht&amp;quot;, &amp;quot;dunkel&amp;quot; oder &amp;quot;Tod&amp;quot;: etwas, was nicht gehört, sondern nur gesehen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augenmusik ist abstrakter und kontextabhängiger als Wortmalerei. Ein Liebeslied ist nicht deswegen in Herzform notiert, weil im Text das Wort &amp;quot;Herz&amp;quot; konkret erscheint, sondern weil in unserer Kultur das Herz als Symbol für Liebe steht. Im Gegensatz dazu bezieht sich Wortmalerei immer auf die konkret im Text vorkommenden Wörter und ist kontextunabhängig: melodische Wellenbewegung auf den Text &amp;quot;das wogende Meer&amp;quot; kann jeder Mensch verstehen, egal welcher Kultur er angehört. Sie beschreiben nur das konkrete Wort mit musikalischen Tönen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lassen sich auch Beispiele optischer Gegebenheiten im Notentext finden, die nicht als Augenmusik anzusehen sind. So sind die komplexen Kreuzrhythmen der [[Englische Virginalisten|englischen Virginalisten]] zwar eher für das Auge als für das Ohr bestimmt, haben aber keine oder nur geringfügige symbolische Bedeutung. Nebenbemerkungen für den Interpreten, wie sie zum Beispiel in Partituren von [[Eric Satie]] vorkommen, sind ebenso wenig Augenmusik, da sie nicht den Wortschatz der musikalischen Zeichen benutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bellebonnesage.jpg|mini|200px|[[Baude Cordier]]: &amp;#039;&amp;#039;Belle, Bonne, Sage&amp;#039;&amp;#039;]]&lt;br /&gt;
Die herzförmige Notierung eines [[Rondeau (Lied)|Rondeau]] des französischen Komponisten [[Baude Cordier]] zu Beginn des 15. Jahrhunderts ist eines der ersten erhaltenen Beispiele für Augenmusik. Da es sich um ein Liebeslied handelt, trägt die Herzform symbolische Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den [[Franko-flämische Musik|franko-flämischen]] Komponisten der [[Frührenaissance]] findet sich auch Augenmusik. Der berühmteste Komponist dieses Zeitalters ist [[Josquin Desprez]]. Seine [[Lamento|Lamentatio]] auf den Tod des Komponisten [[Ockeghem]], &amp;#039;&amp;#039;nymphes des bois&amp;#039;&amp;#039;, sowie die [[Motette]] &amp;#039;&amp;#039;absolve, quaesumus, domine&amp;#039;&amp;#039;, die für den verstorbenen Komponisten [[Jacob Obrecht]] komponiert wurde, und das ebenfalls Josquin zugeschriebene &amp;#039;&amp;#039;Proch dolor&amp;#039;&amp;#039; sind uns ausschließlich in schwarzer Notation überliefert. Die Farbe schwarz bezieht sich auf eine Wirklichkeit außerhalb des Textes: ohne dass das Wort &amp;#039;&amp;#039;schwarz&amp;#039;&amp;#039; im Text enthalten ist, wird im Kontext des christlichen Glaubenverständnisses die schwarze Farbe mit dem Begriff Tod identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise gewann bei den franco-flämischen Komponisten die Anzahl der Stimmen symbolische Bedeutung. Die Zahl sieben steht in der Bibel häufig für [[Schiv’a]], die siebentägige Trauerzeit. So veranstaltet Joseph für seinen Vater eine siebentägige Totenfeier ({{B|Gen|50|10}}), das Haus Israel trauert sieben Tage um Judit ({{B|Jdt|16|24}}). Siebenstimmigkeit als Zeichen von Trauer findet sich beispielsweise im bereits genannten &amp;#039;&amp;#039;Proch dolor&amp;#039;&amp;#039; Josquins und der [[Nänie]] für Kaiser Vaet von [[Jakob Regnart]]. Ein weiteres Beispiel für symbolische Bedeutung in der Anzahl der Stimmen sind die häufig siebenstimmigen Kompositionen über die &amp;#039;&amp;#039;[[Sieben Schmerzen der Maria]]&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch häufiger findet sich Augenmusik im italienischen [[Madrigal (Musik)|Madrigal]] der mittleren und späten [[Renaissance]]: Komponisten wie [[Adrian Willaert]], [[Giovanni Pierluigi da Palestrina|Palestrina]], [[Giaches de Wert]], [[Giovanni Gabrieli]] und [[Marenzio]] haben sie gern und oft benutzt, wohingegen [[Cipriano de Rore]] und [[Orlando di Lasso]] ihr kritisch gegenüberstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Alfred Einstein, The Italian Madrigal, translated by Alexander H. Krappe, Roger H. Sessions and Oliver Strunk, Volume 1, Princeton University Press, 1949, S. 238.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der [[Barock]]zeit gibt es prominente Beispiele, unter anderem bei [[Johann Sebastian Bach]] und [[Georg Philipp Telemann]].&lt;br /&gt;
[[Datei:Eyemusic cross3.png|640px|Beispiel aus der Bachkantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“]]&lt;br /&gt;
{{Absatz}}&lt;br /&gt;
[[Johann Sebastian Bach|J. S. Bach]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Ich will den Kreuzstab gerne tragen]]&amp;#039;&amp;#039; (Auszug aus der gleichnamigen [[Kantate]]). Die Kreuzvorzeichen, die Bach beinahe immer stereotypisch verwendet, sobald im Text das Wort &amp;#039;&amp;#039;Kreuz&amp;#039;&amp;#039; auftaucht, sind ein Beispiel für Augenmusik im Barockzeitalter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 20. und 21. Jahrhundert schließlich haben viele Komponisten und Künstler die Visualität der musikalischen Notation aufgegriffen und als eigenständige Ästhetik gestaltet. Zu nennen wären beispielsweise Arbeiten [[John Cage|John Cages]], der auch das Buch &amp;#039;&amp;#039;Notations&amp;#039;&amp;#039; herausgab, die komplexen Partituren [[Sylvano Bussotti|Sylvano Bussottis]] oder die konzeptuell-minimalistischen Notationsgrafiken von [[Johannes Kreidler (Musiker)|Johannes Kreidler]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht immer klar ist dabei, ob die Noten noch oder auch noch tatsächliche Partituren darstellen, nach denen musiziert werden kann oder soll, oder ob sie rein visuelle Werke sind. Die Pointe liegt mitunter darin, dass selbst bei real nicht aufführbaren Notenbildern es sich dennoch um „imaginary music“ handelt, wie [[Tom Johnson (Komponist)|Tom Johnson]] eine derartige Reihe betitelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augenmusik ist als eine musikalische Randerscheinung und [[Manierismus]] anzusehen. Große Verwendung fand sie nur bei den Madrigalisten in Italien. [[Vincenzo Galilei]] nimmt in seinem &amp;#039;&amp;#039;dialogo della musica antica et della moderna&amp;#039;&amp;#039; von 1581 kritisch Stellung zu ihr, indem er sie als bloßes Vergnügen für die Augen bezeichnet (&amp;#039;&amp;#039;...il diletto che da essi si trae, è tutto della vista&amp;#039;&amp;#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vincenzo Galilei, dialogo della musica antica et della moderna, Florenz 1581, S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Alfred Einstein]] bezeichnet sie in seinem Werk &amp;#039;&amp;#039;The Italian Madrigal&amp;#039;&amp;#039; als &amp;#039;&amp;#039;das übertriebenste und (für unser ästhetisches Empfinden) grausamste Zeugnis des Naturalismus, der imitazione, im Madrigal&amp;#039;&amp;#039; (the most extreme and (for our aestethic convictions) most horrible testimony of naturalism, of imitazione, in the madrigal).&amp;lt;ref&amp;gt;Alfred Einstein, The Italian Madrigal, translated by Alexander H. Krappe, Roger H. Sessions and Oliver Strunk, Volume 1, Princeton University Press, 1949, S. 234.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Augenmusik des 16. Jahrhunderts sieht er einen frühen, &amp;#039;&amp;#039;kindischen&amp;#039;&amp;#039; Zustand einer ästhetischen Entwicklung.&amp;lt;ref&amp;gt;Alfred Einstein, The Italian Madrigal, translated by Alexander H. Krappe, Roger H. Sessions and Oliver Strunk, Volume 1, Princeton University Press, 1949, S. 235.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augenmusik im Madrigal der Renaissance war für die Sänger und Interpreten bestimmt, nicht für die Zuhörer, die dieses Phänomen gar nicht erfassen konnten, da sie den Notentext nicht vorliegen hatten. Der Sinn der Augenmusik lag somit zu großem Teil darin, den Interpreten die Stimmung des Musikstücks &amp;#039;&amp;#039;vor Augen zu führen&amp;#039;&amp;#039; und sie auf diese Weise bei ihrer Interpretation zu unterstützen.&amp;lt;ref&amp;gt;Alfred Einstein, The Italian Madrigal, translated by Alexander H. Krappe, Roger H. Sessions and Oliver Strunk, Volume 1, Princeton University Press, 1949, S. 243f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Artikel &amp;#039;&amp;#039;Augenmusik&amp;#039;&amp;#039;. In: Brockhaus Riemann Musiklexikon, Schott, 3. Auflage 1995.&lt;br /&gt;
* Thurston Dart: &amp;#039;&amp;#039;eye music&amp;#039;&amp;#039;. In: New Grove, Dictionary of Music and Musicians, Band 8, S. 482–483.&lt;br /&gt;
* Tim Carter: &amp;#039;&amp;#039;Word-painting&amp;#039;&amp;#039;. In: New Grove, Dictionary of Music and Musicians, Band 27, S. 563–564.&lt;br /&gt;
* Willem Elders: &amp;#039;&amp;#039;Zeichen und Symbol in der altniederländischen Totenklage&amp;#039;&amp;#039;. In: Zeichen und Struktur in der Musik der Renaissance, Ein Symposium aus Anlass der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Münster (Westfalen), 1987, S. 27–46.&lt;br /&gt;
* Alfred Einstein, The Italian Madrigal, translated by Alexander H. Krappe, Roger H. Sessions and Oliver Strunk, Volume 1, Princeton University Press, 1949, S. 234–245.&lt;br /&gt;
* Sabine Schmidt: &amp;#039;&amp;#039;Hängende Klänge&amp;#039;&amp;#039;. Essay, [http://www.sheetmusic-kreidler.com/?p=488 online].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenangaben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Augenmusik}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Notenschrift]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Musiktheorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alte Musik]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Karla1964</name></author>
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