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	<title>Arme Irre - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-27T07:01:28Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Arme_Irre&amp;diff=2291395&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;ZweiteWurzelAus16: geschütztes Leerzeichen hinzugefügt</title>
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		<updated>2025-11-16T00:59:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;geschütztes Leerzeichen hinzugefügt&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Arme Irre&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist noch heute eine in der Umgangssprache eher herablassende Bezeichnung für die mit psychischen Problemen belastete Gruppe der armen Gesellschaftsschicht. In der [[Geschichte der Psychiatrie]] stellen &amp;#039;&amp;#039;arme Irre&amp;#039;&amp;#039; andererseits aber auch die bis heute traditionell bedeutsamste Personengruppe dar, die angesichts der Gefahr der [[Verelendung]] noch vor dem Beginn der [[Soziale Frage|sozialen Frage]] im Industriezeitalter von öffentlicher Seite aus unterschiedlichste Hilfen zu erwarten hat und hatte. Die Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;arme Irre&amp;#039;&amp;#039; stammt aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Daher rührt noch heute, wie der Psychiater [[Klaus Dörner]] meint, eine Mischung aus Verachtung und [[Mitleid]] für den mit diesem Begriff behafteten Personenkreis.&amp;lt;ref name=&amp;quot;B&amp;amp;I&amp;quot;&amp;gt;[[Klaus Dörner]]: &amp;#039;&amp;#039;Bürger und Irre&amp;#039;&amp;#039;. Zur Sozialgeschichte und Wissenschaftssoziologie der Psychiatrie. [1969] Fischer Taschenbuch, Bücher des Wissens, Frankfurt / M 1975, ISBN 3-436-02101-6&amp;lt;:&amp;lt;br /&amp;gt;(a)  S. 30, Anm. 1 Definition des Begriffs „Arme Irre“;&amp;lt;br /&amp;gt;(b) S. 153 Tätigkeit von Pinel bei Jacques Belhomme;&amp;lt;br /&amp;gt;(c) S. 96 zu Stw. „York Retreat“;&amp;lt;br /&amp;gt;(d) S. 30 Kostenübernahme durch die Gemeinden;&amp;lt;br /&amp;gt;(e) S. 30, Anm. 1 im Begriff der „Armen Irren“ enthaltene historische Abfolge von Tatbeständen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterbringung und Zwangsmaßnahmen ==&lt;br /&gt;
Entscheidend für die verbreitete Beachtung, die der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Arme Irre&amp;#039;&amp;#039; fand, war die ursprüngliche Anwendung von [[Zwangsbehandlung|Zwangsmaßnahmen]] zu ihrer Ausgrenzung, die selbstredend ihre soziale Ächtung verstärkte. Dazu schreibt [[Erwin Heinz Ackerknecht|Erwin H. Ackerknecht]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die absolutistischen Regierungen beschlossen um die Mitte des 17. Jahrhunderts die soziale Krise dadurch zu beseitigen, daß sie alle Armen einsperrten. In Paris erfolgte dies ‚renfermement des pauvres‘ im Mai 1657. Die Männer kamen ins [[Bicêtre]], die Frauen in die [[Hôpital de la Salpêtrière|Salpêtrière]]. Diese Bettlergefängnisse trugen in Frankreich den verlogenen Namen ‚Hôpital general‘, in Deutschland den ehrlicheren ‚Zuchthaus‘, in Großbritannien ‚workhouse‘. In ihnen waren Bettler und Vagabunden mit Krüppeln, Greisen, Waisen, Prostituierten, Geschlechtskranken, Homosexuellen, ‚Ungläubigen‘, Strafgefangenen und Geisteskranken eingesperrt. ... Während die Unterbringung von Geisteskranken in Gefängnissen bis dahin nur gelegentlich erfolgte, wurde sie durch die Maßnahmen der absolutistischen Regierung zur Regel. ... Die Gefängnisabteilung der Salpetrière wurde erst 1795, die von Bicêtre gar erst 1836 abgeschafft. Noch 1828 befanden sich in England 9000 Geisteskranke in ‚workhouses‘.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Selbst die von [[Vinzenz von Paul|St. Vincent de Paul]], der für eine menschliche Behandlung der Irren kämpfte, im 17. Jahrhundert gegründeten weniger unmenschlichen kirchlichen Privatanstalten, wie St. Lazare in Paris, waren gleichzeitig Gefängnis und Irrenhaus und ersparten so dem Geisteskranken nicht den Makel des Asozialen.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;KGP&amp;quot;&amp;gt;[[Erwin Heinz Ackerknecht]]: &amp;#039;&amp;#039;Kurze Geschichte der Psychiatrie.&amp;#039;&amp;#039; 3. Auflage, Enke, Stuttgart 1985, ISBN 3-432-80043-6:&amp;lt;br /&amp;gt;(a) S. 29 zu Stw. „absolutistisches Reglement“;&amp;lt;br /&amp;gt;(b) S. 35 zu Stw. „Privatanstalten“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterbringung der &amp;#039;&amp;#039;Armen Irren&amp;#039;&amp;#039; in den für sie vorgesehenen staatlichen Einrichtungen war somit gleichbedeutend mit sozialer Ächtung infolge der in diesen Einrichtungen üblichen spezifischen [[Zwangsbehandlung]]. Die Unterbringung begüterter psychisch Kranker erfolgte jedoch demgegenüber in der Regel in kleineren privaten Einrichtungen, die in Frankreich „petites maisons“ und in England „lunatic asylum“ hießen. [[Erwin H. Ackerknecht]] meint jedoch, dass weder die Bettlergefängnisse noch die kleinen privaten Pensionen bzw. „petites maisons“ als die Wiege der späteren Psychiatrie zu betrachten seien, sondern vielmehr eine dritte Gattung von Einrichtungen, nämlich die kleinen Privatanstalten („Maisons de Santé“) wie z. B. [[Philippe Pinel|Pinel]] sie kannte im Privatsanatorium des Tischlers [[Jacques Belhomme]], wo er ab 1784 tätig war.&amp;lt;ref name=&amp;quot;KGP&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Ole Daniel Enersen: {{Webarchiv | url=https://www.whonamedit.com/doctor.cfm/1027.html | wayback=20250612192358 | text=Philippe Pinel}} bei whonamedit.com&amp;lt;/ref&amp;gt; Demgegenüber betont Klaus Dörner das selbstbewusste sozialpolitische Engagement der englischen Bürgerschaft, wie es sich z.&amp;amp;nbsp;B. in der Gründung des [[Retreat (York)|York Retreat]] zeigt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;B&amp;amp;I&amp;quot; /&amp;gt; Die Privatanstalten waren zwar vornehmlich für die Aufnahme begüterter Kranker vorgesehen, in England gab es jedoch auch zu dieser Zeit Verträge der Kostenübernahme mit den entsprechenden Gemeinden zur Übernahme von „Armen Irren“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;B&amp;amp;I&amp;quot; /&amp;gt; – In England sind die „Armen Irren“ („pauper lunatics“) erst 1714 Gegenstand eines durch das Parlament beschlossenen &amp;#039;&amp;#039;Gesetzes zur wirksameren Bestrafung der Spitzbuben, Vagabunden, hartnäckigen Bettler und Landstreicher&amp;#039;&amp;#039;. Der einzige Vorteil, den die psychisch Kranken gegenüber anderen durch dieses Gesetz Internierten besaßen, war, dass sie vom Auspeitschen („whipping“) ausgenommen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;R. Hunter, I. Macalpine: &amp;#039;&amp;#039;Three hundred Years of Psychiatry&amp;#039;&amp;#039;. A history presented in selected texts. London, 1963, S. 299 f. Act „for the more effectual punishing such rogues, vagabonds, sturdy beggars, and vagrant“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historische Betrachtung ==&lt;br /&gt;
Klaus Dörner hält die folgenden vier historischen Aspekte für den Begriff der „Armen Irren“ für maßgeblich:&amp;lt;ref name=&amp;quot;B&amp;amp;I&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Administrative Ausgrenzung im Rahmen absolutistischer Reglements („renfermement des pauvres“ Paris 1657, Act of Parliament, London 1714)&lt;br /&gt;
#Behandlung der sozialen Frage (Finanzierung von Einrichtungen für psychisch Kranke)&lt;br /&gt;
#[[Philanthropie|Philanthropische Vorstellungen]] ([[Moralische Behandlung]])&lt;br /&gt;
#Vom psychiatrischen Krankheitsbegriff nicht erfassbare begüterte Kranke (Klassenspezifische Psychopathologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heutige Situation ==&lt;br /&gt;
Auf den Aspekt der Ausgrenzung von Personen in [[sozialstaat]]licher Hinsicht und sogar auf die Enteignung der Gesundheit im gesellschaftskritischen antikapitalistischen Sinne haben [[Dorothee Roer]] und Dieter Henkel hingewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RoerPIF&amp;quot;&amp;gt;[[Dorothee Roer]] &amp;amp; Dieter Henkel: &amp;#039;&amp;#039;Psychiatrie im Faschismus&amp;#039;&amp;#039;. Die Anstalt Hadamar. [1986] Psychiatrie-Verlag Bonn, 400 Seiten, ISBN 3-88414-079-5 Neues Vorwort ab 2. Auflage 1996 und 6. unveränderte Auflage, Mabuse Frankfurt 2019, ISBN 978-3929106206; S.&amp;amp;nbsp;13 ff. zu Kap. „Funktionen bürgerlicher Psychiatrie und ihre besondere Form im Faschismus“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Abgesehen davon, dass die Autoren nicht zwischen [[Faschismus]] und [[Nationalsozialismus]] unterscheiden, führen sie die [[Aktion T4|NS-Euthanasie]] hauptsächlich auf eine [[Sozialdarwinismus|sozialdarwinistische]] Lösung der sozialen Frage zurück. Die Überschneidung [[ordnungsstaat]]licher und psychiatrischer Aufgaben hat heute jedoch gerade in [[Hadamar]] zur erneuten Verflechtung und damit auch zu konflikthafter Entwicklung politischer und psychiatrischer Gesichtspunkte geführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;BME&amp;quot;&amp;gt;[[Wulf Steglich]] &amp;amp; Gerhard Kneuker: &amp;#039;&amp;#039;Begegnungen mit der Euthanasie in Hadamar&amp;#039;&amp;#039;. [1985] Überarbeitete Neuauflage Heimdall-Verlag, Rheine 2016, ISBN 978-3-939935-77-3; S.&amp;amp;nbsp;26, (106) zu Stw. „Politische Psychiatrie“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das [[Sozialistisches Patientenkollektiv|Sozialistische Patientenkollektiv]] Heidelberg hat ähnliche Maximen aufgestellt, insofern als eine gewaltsame und illegale (aus eigener Sicht „revolutionäre“) Praxis betrieben wurde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PetersWPP&amp;quot;&amp;gt;[[Uwe Henrik Peters]]: &amp;#039;&amp;#039;Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie&amp;#039;&amp;#039;. 3. Auflage, Urban &amp;amp; Schwarzenberg, München 1984; S.&amp;amp;nbsp;401 zu Wb.-Lemma: „Patientenkollektiv, Heidelberger Sozialistisches (SPK)“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte der Psychiatrie]]&lt;/div&gt;</summary>
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