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	<title>Antike Judenfeindschaft - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Antike_Judenfeindschaft&amp;diff=182875&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Malabon: /* Assyrien und Babylonien */ typo</title>
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		<updated>2025-12-18T21:53:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Assyrien und Babylonien: &lt;/span&gt; typo&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Antike Judenfeindschaft&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet eine [[Antisemitismus|Judenfeindlichkeit]] in der [[antike]]n [[Geschichte Israels]]. Diese schlug sich seit dem 4. Jahrhundert v.&amp;amp;nbsp;Chr. im [[Tanach]] und außerbiblischen Quellen nieder, etwa der vermutlich legendarischen Figur des persischen Judenverfolgers [[Haman]] im [[Buch Esther]]. [[Antiochos IV.]] verfolgte von 168 bis 164&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;Chr. die [[jüdische Religion]] in [[Judäa]], jedoch regional und zeitlich begrenzt und erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Römische Kaiserzeit|Römischen Kaiserzeit]] führte der „Systemkonflikt“ des Judentums mit dem antiken Herrscherkult in [[Alexandria]] zu einem schweren [[Judenpogrom]] (39&amp;amp;nbsp;n.&amp;amp;nbsp;Chr.). Die teils gewaltsame römische Religionspolitik und ökonomische Ausbeutung führte zu einer Reihe erfolgloser jüdischer Aufstände. Die Römer zerstörten den zweiten [[Jerusalemer Tempel]] (70&amp;amp;nbsp;n.&amp;amp;nbsp;Chr.), vertrieben Juden massenhaft aus der Provinz [[Syria Palaestina]] oder versklavten sie und verboten ihnen strikt die Wiederansiedlung in [[Jerusalem]] (136&amp;amp;nbsp;n.&amp;amp;nbsp;Chr.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem Aufstieg des [[Christentum]]s zur [[Staatsreligion]] (bis 380) wurde die Abwertung des Judentums und Unterdrückung jüdischer Minderheiten in der Geschichte Europas zum verbreiteten Dauerzustand.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Werner Bergmann (Soziologe)|Werner Bergmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte des Antisemitismus.&amp;#039;&amp;#039; 3., durchgesehen Auflage, Beck, München 2006, ISBN 3-406-47987-1, S. 9&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antike Judenfeindschaft gilt in der [[Antisemitismusforschung]] als eine der historischen Wurzeln des [[Antijudaismus]] und des [[Geschichte des Antisemitismus bis 1945|Antisemitismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Israel und die Völker in der Bibel ==&lt;br /&gt;
Das ab etwa 1200 v. Chr. entstandene [[Israeliten|Volk Israel]] sah sich schon früh von einer feindlichen Umwelt bedroht, gegen die es sich behaupten musste. In den vorderasiatischen Großreichen der Antike wurde das Judentum frühestens seit der Entstehung eines dynastischen Königtums in Israel (ab ~900 v. Chr.) als politische Größe wahrgenommen. Ein [[Davidisch-salomonisches Großreich]] ist außerbiblisch unbelegt. Das [[Nordreich Israel]] ist erstmals auf der [[Mescha-Stele]] (~840 v. Chr.) belegt. Das Gebiet der Israeliten besetzten wechselnde Großreiche häufig, darunter [[Ägypten|Ägypter]], [[Assyrien|Assyrer]], [[Babylon]]ier, [[Perser (Volk)|Perser]], [[Meder (Volk)|Meder]], [[Makedonien|Makedonen]] und Römer. Deren Politik richtete sich auf politische Einheit und Zusammenhalt ihres Reiches, so dass sie die Religionen der unterworfenen Völker zum Teil bestehen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Judentum lehnt den [[Polytheismus]], [[Synkretismus]] und die orientalischen Gottkönigskulte aufgrund seines Glaubens an den einzigen [[Schöpfung|Schöpfergott]] [[JHWH]] ([[Monotheismus]]) ab. Es verstand sich als von diesem Gott erwähltes Volk mit einem Auftrag für alle übrigen Völker (Gen 12,3). Dies machte gläubigen Juden die Teilnahme an den Kulten der umgebenden Völker unmöglich. Besonders die mehrfach [[exil]]ierten Juden konnten ihre Identität nur in Abgrenzung von den ihnen übermächtig erscheinenden Fremdkulten ihrer Umgebung bewahren. In seinem in der Antike einmaligen, schriftlich kodifizierten und tradierten Glauben lag eine Ursache der späteren, teilweise systematischen Judenfeindschaft der griechisch-römischen Oberschichten.&amp;lt;ref&amp;gt;Jules Isaac: &amp;#039;&amp;#039;Genesis des Antisemitismus. Vor und nach Christus.&amp;#039;&amp;#039; Europa-Verlag, Wien u. a. 1969, S. 29–34&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 1945 behaupteten Historiker und Theologen oft, die antike Judenfeindschaft sei gleichzeitig mit dem Judentum selbst entstanden und nur aus dem exklusiven Erwählungsglauben des Volkes Israel zu erklären. Diese Sicht folgte unkritisch der [[Deuteronomistisches Geschichtswerk|biblischen Geschichtsschreibung]], die die von JHWH gewollte Sonderstellung der Juden unter den Völkern als Ursache der Ablehnung dieses Volkes betonte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Assyrien und Babylonien ==&lt;br /&gt;
Die gewaltsame Deportation der Oberschichten war eine übliche Methode antiker Großreiche, eroberte Länder zu befrieden und sich einzuverleiben. Die [[Assyrer]] deportierten erstmals 733 v. Chr. 6.000 Einwohner aus dem [[Nordreich Israel]], 722 v. Chr. nochmals ca. 27.000 aus dem Reststaat [[Samaria (antike Stadt)|Samaria]]. Damit endete Nordisraels Existenz als Staat. 586 v. Chr. zerstörten die Babylonier unter [[Nabū-kudurrī-uṣur II.|Nebukadnezar II.]] [[Jerusalem]] mitsamt seinem [[Jerusalemer Tempel|Tempel]] und führten die gesamte Führungselite aus dem Reich [[Juda (Reich)|Juda]] nach Babylon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[Babylonisches Exil|Babylonischen Exil]] entstand eine Reihe jüdischer Siedlungen, die auch nach Beendung der babylonischen Herrschaft und Rückkehrerlaubnis des Perserkönigs [[Kyros II.]] (539 v. Chr.) bestehen blieben. Auch in [[Ägypten]] war seit 586 eine jüdische Gemeinde aus Flüchtlingen entstanden, deren Mitglieder als Söldner der Perser um 550 v. Chr. die Erlaubnis eines eigenen Tempelbaus in [[Elephantine]] erhielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Rückkehr aus dem [[Babylonisches Exil|Exil]] hatten [[Esra (Person)|Esra]] und [[Nehemia]] um 450 v. Chr. die Absonderung von den anderen Völkern zur Grundlage des neuen jüdischen Staates gemacht, um die eigene kulturelle Identität nicht zu verlieren. Diese Absonderung von der [[Synkretismus|synkretistischen]] Umwelt erzeugte Misstrauen gegenüber den Juden, aber auch ihre gesellschaftliche Spaltung. Während das einfache Volk am Gesetz Esras und Nehemias festhielt, öffneten sich besonders Kreise der Oberschicht für die hellenistische Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Persien ==&lt;br /&gt;
Das um 150 v. Chr. entstandene [[Buch Ester]] berichtet von einem Ausrottungsversuch aus der [[Perserreich|Perserzeit]]: Danach soll Staatsminister [[Haman]] seinem König [[Ahasveros]] um 472 v. Chr. nahegelegt haben {{Bibel|Est|3|8f.}}:&lt;br /&gt;
{{Zitat|Es gibt ein Volk, zerstreut und abgesondert unter allen Völkern in allen Ländern deines Königreichs, und ihr Gesetz ist anders als das aller Völker, und sie handeln nicht nach des Königs Gesetzen. Es ziemt dem König nicht, sie gewähren zu lassen. Gefällt es ihm, so lasse er verfügen, dass man sie umbringe. Dann werde ich 10000 Zentner Silber abwiegen&amp;amp;nbsp;[…] und in die Schatzkammer des Königs bringen lassen.}}&lt;br /&gt;
Demnach ging es um eine Bereicherung am Besitz der Juden, die mit ihrer Fremdartigkeit und angeblichen Auflehnung gegen Staatsgesetze gerechtfertigt wurde. Eine außerbiblische Bestätigung dieses Plans fehlt; die sonst recht zuverlässige damalige jüdische Geschichtsschreibung könnte die Angriffe von [[Antiochos IV.]] in die Perserzeit zurückprojiziert haben. Dann würde der Bericht eine nachpersische Feindseligkeit gegen das Judentum im Gefolge der [[Makkabäer#Der Makkabäeraufstand|makkabäischen Aufstände]] spiegeln. Das [[Buch Ester]] machte den Juden am Rande des Verlustes ihrer religiösen und kulturellen Identität Mut, indem es von einem früheren, gescheiterten Versuch berichtet, das Judentum zu vernichten. Dieses Schicksal konnten wie damals Esther mutige Juden abwenden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Heinrich Graetz|H. Graetz]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Aus den Quellen neu bearbeitet.&amp;#039;&amp;#039; Abteilung 2: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Israeliten vom Tode des König’s Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160).&amp;#039;&amp;#039; Hälfte 2: &amp;#039;&amp;#039;Vom babylonischen Exile (586) bis zum Tode des Juda Makkabi (160).&amp;#039;&amp;#039; 2. unveränderte Ausgabe. Leiner, Leipzig 1902, S. 306 und 315 (3. Auflage, Reprint der Ausgabe Leipzig, Leiner, 1902. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hellenismus ==&lt;br /&gt;
[[Alexander der Große]] schuf mit seinen Eroberungen das Großreich [[Makedonien]], das sich lange vom [[Bosporus]] bis zum [[Indus]] erstreckte. Darin wurden überall neue Handelsstädte gegründet, in denen sich auch Juden ansiedelten. Charakteristisch für die makedonischen Herrscher war wie für die Perser eine Akzeptanz der kulturellen Traditionen der unterworfenen Völker: Eine stabile Zentralherrschaft war nur durch die Kooperation mit den örtlichen Eliten, vor allem der Priesterschaft möglich. Das wurde durch den Polytheismus ermöglicht, der für alle antiken Großreiche kennzeichnend war. Danach wurden fremde Götter unter neuen Namen in das eigene [[Götterwelt|Pantheon]] integriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Orient waren ethnisch organisierte Gruppen in fremder Umgebung eine häufige und prinzipiell akzeptierte Erscheinung ([[Politeuma]]). Sie waren vom guten Willen der Obrigkeit abhängig und verhielten sich politisch überwiegend loyal zu den dortigen Herrschern. Juden waren in den aufstrebenden Städten des Mittelmeerraums als belebender Wirtschaftsfaktor meist beliebt und wurden privilegiert, um sie zum dauerhaften Ansiedeln zu bewegen. Sie behielten ihre eigenen religiösen Traditionen, lehnten die Vielgötterei und Gottesbilder ab und hielten an ihren Gebräuchen wie der [[Schabbat]]ruhe, den Reinheitsgesetzen und den [[Jüdische Speisegesetze|Speisegesetzen]] fest. Dies wurde in der kosmopolitischen multikulturellen Umgebung in der Regel respektiert. Jüdische Handelsprivilegien führten unter Umständen aber zu Spannungen mit der übrigen Stadtbevölkerung, die ebenso „fremdbeherrscht“ lebte. Dann konnten sie den Schutz ihrer Herrscher verlieren, da diese die Konflikte zugunsten ihrer Machtsicherung möglichst ersticken mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die klassische [[Philosophie der Antike|griechische Philosophie]] vom Judentum noch keine Notiz nahm, kam es in der jüdischen [[Diaspora]] zu einem regen geistigen Austausch. Griechische Denker wie [[Theophrastos von Eresos]] und [[Megasthenes]] sprachen mit Hochachtung vom Judentum und sahen in dessen Streben nach einer von Gottes Geboten bestimmten Lebensführung große Übereinstimmung zu ihrem Denken. Umgekehrt betrachteten auch jüdische Theologen [[Pythagoras]] und [[Platon]] als legitime Schüler von [[Mose]]s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Alexanders Tod 323 v. Chr. zerbrach sein Großreich, und es kam zu Nachfolgekriegen. Die [[Seleukidenreich|Seleukiden]] versuchten ihre Macht durch stärkere Hellenisierung zu sichern. Das Festhalten der Juden an ihren Bräuchen, die wachsende Bekanntheit ihrer Religion, wirtschaftliche Privilegien von und politische Konflikte mit Juden erzeugten und verstärkten nun eine verbreitete religiöse und kulturelle Ablehnung des Judentums. Die nicht nur religiös-kulturellen, sondern vor allem auch sozialen Auseinandersetzungen spitzten sich immer weiter zu, bis die „Pro-Hellenisten“ ihre Gegner ausschalten wollten, indem sie den seleukidischen König [[Antiochos IV.]] 168 dazu bewogen, die jüdische Religion zu verbieten und die Hellenisierung der jüdischen Gesellschaft zu vollenden. Antiochos gilt daher im damals entstandenen Buch [[Daniel]] als Erzfeind und „Gotteslästerer“, da er Israels Religion habe vernichten wollen {{Bibel|Dan|7|25}}. Tatsächlich provozierte das für die in religiöser Hinsicht toleranten hellenistischen Herrscher einmalige Religionsedikt des Antiochos einen Volksaufstand: Nach verlustreichen Kämpfen (175–164 v. Chr.) gelang es [[Judas Makkabäus]], die seleukidischen Truppen aus Jerusalem zu verjagen. Die erfolgreichen Aufstände der [[Makkabäer]] schufen ab 167 v. Chr. wieder eine relative staatliche Unabhängigkeit Israels, so dass sich die Beziehungen zwischen jüdischen Diasporagemeinden und dem Kernland intensivierten. Anders als andere Minderheiten erreichten die Juden unter den Seleukiden fortan vielerorts Befreiung von der Pflicht zur Verehrung lokaler Gottheiten und das Recht, eine Tempelsteuer an die Jerusalemer Priester zu zahlen. Zugleich wurde das Judentum eine missionierende Religion, deren Gemeinden viele [[Proselyten]] gewannen und so wuchsen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Alex Bein]]: &amp;#039;&amp;#039;Die jüdische Diaspora.&amp;#039;&amp;#039; In: Alex Bein: &amp;#039;&amp;#039;Die Judenfrage. Biographie eines Weltproblems.&amp;#039;&amp;#039; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1980, ISBN 3-421-01963-0, S. 15–19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Römisches Reich ==&lt;br /&gt;
Aus den Nachfolgern des Judas Makkabäus ging das Königshaus der [[Hasmonäer]] hervor, das Judäa rund 100 Jahre lang staatliche und religiöse Autonomie sichern konnte. Infolge der Unabhängigkeit wuchs die Judenfeindschaft unter den Griechen des Ostens. Viele Gelehrte sahen den Zerfall des Seleukidenreiches nicht als Folge seiner inneren Schwäche an, sondern machten den „Verrat“ Judäas im Zusammenspiel mit dem übermächtigen Rom verantwortlich. Die expansive Politik der Hasmonäer, die mit Zwangsjudaisierungen verbunden war, verschlimmerte das Bild der Juden unter den Griechen. Sie übernahmen ägyptische Vorwürfe und entwickelten sie weiter, um die Juden bei den neuen Herren in Rom zu diffamieren und einen Keil zwischen die Verbündeten zu treiben.&amp;lt;ref&amp;gt;Zvi Yavetz: &amp;#039;&amp;#039;Judenfeindschaft in der Antike.&amp;#039;&amp;#039; München 1997, S. 72.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das [[Römisches Reich|Römische Reich]] den Mittelmeerraum eroberte, gab es überall in der damals bekannten Welt jüdische Exklaven außerhalb Israels. Besonders große Diasporagemeinden gab es seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. in [[Antiochia am Orontes]] (Syrien), [[Damaskus]] (Syrien) und [[Alexandria]] (Ägypten), seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. auch in [[Rom]]. Die Römer übernahmen die ägyptisch-griechische antijüdische Polemik gegen die Juden nahtlos von ihren griechischen Lehrern: [[Marcus Tullius Cicero|Cicero]], [[Seneca]], [[Quintilian]], [[Juvenal]] und andere griffen Motive daraus auf und verbreiteten sie. Man kannte jüdische Sitten wie die [[Brit Mila|Beschneidung]] kaum und bewertete sie als „barbarisch“. Bei [[Tacitus]] etwa hieß es zudem, Juden seien „den Göttern verhasst“ und „den übrigen Religionen entgegengesetzt“. Auch der Vorwurf des &amp;#039;&amp;#039;odium humani generis&amp;#039;&amp;#039; – Hass auf alle Menschen – wurde stereotyp. Das unterschied diese antijüdische Polemik von der sonstigen römischen Verachtung der „[[Barbar]]en“. Darum spricht man hier von einem antiken Antijudaismus in Roms Bildungsschicht des 1. Jahrhunderts. Dieser verschärfte sich nach den Niederlagen der Juden in Judäa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
64 v. Chr. eroberte [[Gnaeus Pompeius Magnus|Pompeius]] Judäa für die Römer. Diese schützten anfangs die Privilegien der Juden in ihrem Reich. Doch mit dessen Ausdehnung mussten sie ihre Herrschaft stärker zentralisieren. Rückhalt dafür gewannen die römischen [[Römische Kaiserzeit|Kaiser]] oft nur, wenn sie sich das Wohlverhalten einiger Völker erkauften und auf deren Wünsche eingingen. Diese „[[Toleranz]]“ ging mit der Durchsetzung des [[Kaiserkult]]s einher, den Juden nicht ohne religiöse Selbstaufgabe anerkennen konnten. Die jüdische Religion war als &amp;#039;&amp;#039;religio licita&amp;#039;&amp;#039; (zugelassene Religion) – bis auf kurzfristige Ausnahmen – vom Kaiserkult befreit.&amp;lt;ref&amp;gt;Kurt Schubert: &amp;#039;&amp;#039;Jüdische Geschichte.&amp;#039;&amp;#039; Beck, München 1995, ISBN 3 406 39175 3, S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Jahr 6 n. Chr. hob [[Augustus]] die Privilegien der Juden auf und ließ Teile ihres Eigentums beschlagnahmen. Kaiser [[Tiberius]] verfügte 19 die Vertreibung der Juden aus Rom und später die Einsetzung des [[Pontius Pilatus]] zum Statthalter [[Judäa]]s. Dieser provozierte die Juden gleich beim Amtsantritt mit Kaiserstandarten im [[Jerusalem]]er [[Jerusalemer Tempel|Tempelbezirk]]. Sein brutales Durchgreifen gegen jede antirömische Regung wurde vom antijüdischen Berater des Kaisers, [[Lucius Aelius Seianus]], gedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
38 folgte mit kaiserlicher Duldung ein großes Pogrom an den Juden in Alexandria: Ihre [[Synagoge]]n wurden zerstört, viele wurden gefoltert und massakriert, der Rest wurde verjagt. Darauf reagierten die Diasporajuden im römischen Reich mit verstärkter Abgrenzung: Sie verweigerten die Tisch-, [[Ehe]]- und [[Kult]]-Gemeinschaft mit Andersgläubigen vor Ort. Das sahen diese wieder als Beweis dafür, dass Juden (wahlweise) arrogant und elitär, primitiv und rückständig seien.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Titel=Über die Ursprünglichkeit des Judentums. Contra Apionem |Hrsg=Folker Siegert |Verlag=Vandenhoeck &amp;amp; Ruprecht |Ort=Göttingen |Datum=2008 |Seiten=54}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 wollte [[Caligula]] seine Kolossalstatue im Tempel aufstellen lassen. Das hätte zum Krieg geführt. Er wurde vorher ermordet. Sein Nachfolger [[Claudius]] versuchte die wachsenden Spannungen vergeblich zu mildern. Es folgten drei Aufstände der Juden gegen die Römer: der [[Jüdischer Krieg|Jüdische Aufstand]] 66 bis 70, der [[Diasporaaufstand|Aufstand in Alexandria]] 115 bis 117 und der [[Bar-Kochba-Aufstand]] 132 bis 135.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste jüdisch-römische Krieg endete mit der Zerstörung des Tempels und der Tempelstadt durch die Römer, nach dem dritten verloren die Juden auch noch ihr Recht auf Wiederansiedelung in Jerusalem und die relative staatliche Autonomie. Die Provinz [[Judäa]] wurde in [[Palästina (Region)|Palästina]] umbenannt und direkter römischer Verwaltung unterstellt. Ihre Bewohner waren großenteils ermordet, vertrieben oder verhungert. Die restlichen Juden wurden im ganzen Römischen Reich zerstreut. Die Römer wollten die Aufständischen vernichten und künftige Aufstände verhindern, hatten aber damit nicht vor, alle Juden auszurotten. Es ging ihnen um Machtsicherung und Unterdrückung jüdischer Glaubenstraditionen, aus denen die [[Aufstand|Rebellion]] hervorgegangen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrhundert lassen sich auf jüdischer Seite grob drei Reaktionsmuster unterscheiden:&lt;br /&gt;
* Anpassung und [[Apologetik]]: Gebildete jüdische Historiker und Philosophen wie [[Flavius Josephus]] und [[Philon von Alexandria]] verteidigten das Judentum gegen andere hellenistische und römische Schriftsteller.&lt;br /&gt;
* politisch-religiöser [[Widerstand (Politik)|Widerstand]]: Die [[Zelot]]en übten strikte Absonderung gegenüber „Heiden“, also [[Goi|Nichtjuden]], Hass auf jüdische Kollaborateure und gewaltsame Selbstverteidigung mit Attentaten und Bereitschaft zum [[Märtyrer|Martyrium]] (zum Beispiel kollektiver [[Suizid]] in [[Masada]]). Dem entsprachen Rache- und Machtphantasien in der jüdischen [[Apokalyptik]], zum Beispiel {{B|Dan|7|26f.}}.&lt;br /&gt;
* Konsolidierung, Bewahrung und Weiterentwicklung der eigenen Traditionen: So entstanden im 1. Jahrhundert aus der [[Halacha]] (mündlichen Tora-Auslegung) und [[Mischna]] (Sammlung rabbinischer Toraauslegungen) die bis heute zentralen religiösen Schriften des Judentums: der Babylonische und der Jerusalemer [[Talmud]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Christentum ==&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Antijudaismus}}&lt;br /&gt;
Während das [[Urchristentum]] sich als Teil des Judentums verstand und die biblische Erwählung Israels zum Volk Gottes anerkannte, grenzte sich das um 100 zur eigenen, überwiegend aus Nichtjuden bestehenden Religion gewordene Christentum zunehmend gegen das Judentum ab und übernahm dazu auch die traditionellen ägyptisch-römischen antijüdischen Stereotype. Während die ägyptische Polemik gegen die Exodustradition sich leicht als Verzerrung der Bibel widerlegen ließ, entzog die frühe [[christliche Theologie]] den jüdischen Apologeten diese Basis. Sie behauptete mit dem Erscheinen des [[Messias]] [[Jesus von Nazaret]] eine Erfüllung der [[Altes Testament|alttestamentlichen]] Verheißungen zu besitzen, die Israels Heilserwartung überholt und beendet habe. Daher sei die Erwählung zum Volk Gottes nun auf die übergegangen, die an [[Jesus Christus]] glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Juden ihr Glaubenszentrum in Jerusalem verloren hatten, wurde aus dieser innerjüdischen Abgrenzung bald eine antijudaistische Theologie, die gegenüber Römern auch auf die hellenistisch-römische Polemik gegen Juden zurückgriff. Nun bekamen diese Zerrbilder ein neues Fundament: Israel wurde grundsätzlich jeder eigene Zugang zum Heil abgesprochen. Die Alexandriner hatten die Juden vertrieben, weil die „Seuche“ ihres Erwählungsbewusstseins sich nicht mit ihren hellenistisch-kosmopolitischen Vorstellungen vertrug: Die christliche Theologie ging dagegen den Weg der völligen theologischen Enteignung Israels. Damit war der Grund gelegt für die kontinuierliche Judenfeindlichkeit im christlichen Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies führte in der Antike nicht sofort zur Ausgrenzung der Juden, wohl aber zu einer Veränderung der Lage des Diasporajudentums: Nun sahen sich die Juden im römischen Reich nicht nur einem feindlichen Staat, sondern auch einer konkurrierenden Religion gegenübergestellt, die dieselben religiösen Traditionen für sich beanspruchte wie sie selbst, diese aber gegen das Judentum wendete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch versuchten die verschiedenen christlichen Kaiser teils die römische Rechtstradition zu bewahren und erließen auch Schutzvorschriften für Juden. Dies wurde nötig, weil die jüdischen Gemeinden nach der [[Konstantinische Wende|Konstantinischen Wende]] als früher teilweise rechtlich privilegierte Minderheit nun mehr und mehr an den Rand gedrängt, verachtet und ausgegrenzt wurden. Der Antijudaismus ist eine Fortentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Antijudaismus im Neuen Testament]]&lt;br /&gt;
* [[Geschichte des Antisemitismus bis 1945]]&lt;br /&gt;
* [[Geschichte des Antisemitismus seit 1945]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Klaus Bringmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Juden im Altertum. Vom babylonischen Exil bis zur arabischen Eroberung.&amp;#039;&amp;#039; Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-94138-X.&lt;br /&gt;
* Volker Herholt: &amp;#039;&amp;#039;Antisemitismus in der Antike: Kontinuitäten und Brüche eines historischen Phänomens.&amp;#039;&amp;#039; Computus, Gutenberg 2009, ISBN 978-3-940598-05-9&lt;br /&gt;
* [[Maren R. Niehoff]]: &amp;#039;&amp;#039;Antisemitismus&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Reallexikon für Antike und Christentum&amp;#039;&amp;#039; Band 31, Hiersemann, Stuttgart 2023, Spalten 1–34 ([https://www.antike-und-christentum.de/pdf/M.Niehoff_Art._Antisemitismus.pdf Digitalisat]).&lt;br /&gt;
* [[Peter Schäfer (Judaist)|Peter Schäfer]]: &amp;#039;&amp;#039;Judeophobia. Attitudes toward the Jews in the Ancient World.&amp;#039;&amp;#039; 2. Auflage, Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts) 1998, ISBN 0-674-48778-8 ([https://books.google.de/books?id=8jIhYBwkO80C&amp;amp;hl=de Buchauszug online]);&lt;br /&gt;
:deutsch: &amp;#039;&amp;#039;Judenhass und Judenfurcht: die Entstehung des Antisemitismus in der Antike&amp;#039;&amp;#039;, Verlag der Weltreligionen, Berlin 2010, ISBN 978-3-458-71028-8.&lt;br /&gt;
* [[Zvi Yavetz]]: &amp;#039;&amp;#039;Judenfeindschaft in der Antike. Die Münchener Vorträge. Eingeleitet von [[Christian Meier]].&amp;#039;&amp;#039; Beck, München 1997, ISBN 3-406-42022-2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelbelege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Antijudaismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Malabon</name></author>
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