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	<title>Angoumien - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-05-30T22:53:43Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Angoumien&amp;diff=2091597&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Rauenstein: /* Stratigraphie */</title>
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		<updated>2022-08-06T09:34:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Stratigraphie&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Angoumien&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist eine [[Geologie|geologische]] Gruppe des nördlichen [[Aquitanisches Becken|Aquitanischen Beckens]], die während des [[Turonium]]s abgelagert wurde. Sie besteht aus zwei [[Formation (Geologie)|Formationen]], die aus [[Kalk (Gestein)|Fossilkalken]] aufgebaut sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung Angoumien leitet sich vom [[Französische Sprache|Französischen]] [[Angoumois]] ab – eine historische Region, die [[Angoulême]] als ihren Mittelpunkt hatte, [[Präfektur]]stadt des heutigen [[Département]]s [[Département Charente|Charente]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geographische Verbreitung ==&lt;br /&gt;
Die Gruppe ist in der Umgebung von Angoulême aufgeschlossen, erstreckt sich aber noch wesentlich weiter nach Süden in das [[Département Dordogne]] hinein. Hier tritt sie insbesondere im [[Périgord vert]] auf, wird aber auch noch im [[Périgord blanc]] angetroffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stratigraphie ==&lt;br /&gt;
[[Datei:AngoumianStrat.jpg|mini|300px|Etwas vereinfachte Stratigraphie des Angoumiens ohne Fazieswechsel]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Angoumien wird in zwei Formationen unterteilt, in ein &amp;#039;&amp;#039;Unteres Angoumien&amp;#039;&amp;#039; und ein &amp;#039;&amp;#039;Oberes Angoumien&amp;#039;&amp;#039;. Manche Autoren rechnen auch noch das [[Ligérien]] hinzu und bezeichnen dieses dann als &amp;#039;&amp;#039;Basales Angoumien&amp;#039;&amp;#039;. Das Angoumien im engeren Sinne überlagert konkordant das Ligérien und schließt mit einem perforierten [[Hartgrund]] ([[Englische Sprache|Englisch]] &amp;#039;&amp;#039;hardground&amp;#039;&amp;#039;) gegenüber dem leicht diskordant nachfolgenden [[Coniacium]]. Der Hartgrund war von [[karst]]ischen Lösungserscheinungen sowie einer in situ stattfindenden Brekzienbildung begleitet und dokumentiert somit das Auftauchen der Plattform. Im Norden des [[Département Charente-Maritime|Départements Charente-Maritime]] bei [[Saint-Césaire]] schnitten sich sogar Flussläufe bis zu 10 Meter in die aufgetauchte Plattform ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sequenzstratigraphie ===&lt;br /&gt;
Das Angoumien bildet [[Sequenzstratigraphie|sequenzstratigraphisch]] Teil des ersten der beiden kreidezeitlichen [[Transgression (Geologie)|Transgressions]]/[[Regression (Geologie)|Regressions]]-Zyklen auf der nordaquitanischen [[Schelf]]plattform. Diese erste Sequenz zweiter Ordnung umfasst die Zeitspanne [[Cenomanium]] bis einschließlich Turonium. Der erste Zyklus wird vom zweiten Zyklus gegen Ende des Turoniums durch eine bedeutende regionale [[Diskordanz]] abgetrennt, wobei es am Nordrand des Beckens zu einem Auftauchen der Plattform kam. Dieser erste Zyklus kann seinerseits in sieben Sequenzen dritter Ordnung unterteilt werden – fünf im Cenomanium und zwei im Turonium (Sequenz TA und Sequenz TB, generell [[Progradieren|progradierend]]). Die Sequenz TA besteht aus dem Ligérien und dem Unteren Angoumien, die Sequenz TB aus dem Oberen Angoumien. Der transgressive Hochstand mit der &amp;#039;&amp;#039;Maximum Flooding Surface&amp;#039;&amp;#039; (MFS) wurde gegen Ende des Ligériens erreicht, das folgende Angoumien besitzt dann regressiven Charakter, der bis zum Auftauchen der Plattform fortschritt. Die Regression während des Angoumiens verlief sprunghaft, jedoch relativ rasch. Die Sequenzen TA und TB untergliedern sich weiter in die Parasequenzen (vierter Ordnung) TA1, TA2, TA3, TA4 und TB1, TB2. Das Untere Angoumien wird von TA3 und TA4 gebildet, das Obere Angoumien von TB1 und TB2. Hochstandsprismen entwickelten sich während TA4 und TB2 unter gleichzeitiger Ausweitung des internen Plattformbereichs, der es den Rudisten der [[Radiolitidae]], der [[Hippuritidae]] und der [[Sauvagesinae]] ermöglichte, zahlreiche und weit angelegte Biostrome zu errichten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Platel&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Jean-Pierre Platel|Titel=Stratigraphie, sédimentologie et évolution géodynamique de la plate-forme carbonatée du Crétacé supérieur du Nord du Bassin Aquitain|Sammelwerk=Géologie de la France|Datum=1996|Band=n°4|Seiten=33–58}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Sequenz TA und TB werden ebenfalls von einem Hartgrund getrennt, der einem Hochstandprisma entspricht. Dem war eine nur kurzzeitige Transgression gefolgt, welche zu Beginn von TB1 wieder endete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unteres Angoumien ===&lt;br /&gt;
(Wird auf französischen [[Geologische Karte|geologischen Karten]] als Einheit &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;c3b&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; dargestellt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das insgesamt 15 bis 20 Meter mächtige Untere Angoumien, auch als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Angoulême-Formation&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet, beginnt mit einem 5 – 6 Meter mächtigen, dünnbankigen, &amp;#039;&amp;#039;mikrokristallinen Kalk&amp;#039;&amp;#039; von weißer oder cremiger Farbe. Er enthält sehr viel feinkörnigen Schutt und besitzt eine [[Benthos|benthische]] Mikrofauna bestehend aus [[Milioliden]] und [[Textulariida|Textulariiden]]. In dieser Lage erscheinen die ersten [[Rudisten]], vertreten durch die Taxa &amp;#039;&amp;#039;[[Sphaerulites patera]]&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;[[Biradiolites lumbricalis]]&amp;#039;&amp;#039;. Auch recht seltene [[Kopffüßer]] wie beispielsweise &amp;#039;&amp;#039;[[Romaniceras deveriari]]&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;[[Prionotropis fleuriausi]]&amp;#039;&amp;#039; wurden angetroffen; dies spricht für relativ offen marine Ablagerungsbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:AngoumianRudistreef.jpg|mini|400px|Rudistenbiostrom in der Angoulême-Formation; Steinbruch von Aucors bei [[Beaussac]], Dordogne]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dünnbankigen Lagen werden anschließend von einer massiven, homogenen, kompakten, meist 8 – 10 Meter dicken Kalkbarre überlagert. Dieser relativ weiche Kalk von reinweißer Farbe besitzt [[Kreide (Geologie)|Kreideeigenschaften]] und besteht hauptsächlich aus Rudisten und deren Bruchstücken. Die Barre bildet im Gelände oft einen [[Geomorphologie|geomorphologischen]] Härtling (insbesondere im rekristallisierten Zustand) mit teils überhängenden Felswänden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses generell jedoch relativ weiche Gestein – es kann bereits mit einer Handsäge geschnitten werden – war einst ein sehr begehrter [[Baustoff|Baustein]], der in unzähligen, meist kleineren Steinbrüchen abgebaut wurde. Mit ihm wurde z. B. ein Großteil der historischen Bauwerke in Angoulême und in [[Périgueux]] errichtet. Der Abbau ist aber jetzt weitgehend zum Erliegen gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Barre unterliegt teils recht bedeutenden Mächtigkeitsschwankungen (zwischen 5 und 12 Meter), sie kann maximal sogar bis 15 Meter mächtig werden. Die Schwankungen sind entweder [[Tektonik|tektonisch]] bedingt oder [[Erosion (Geologie)|erosiver]] Natur – beispielsweise liegt in der [[Mareuil-Antiklinale]] das Obere Angoumien [[Diskordanz|diskordant]] auf und greift dort teils mit Erosionsrinnen in das Untere Angoumien. Die &amp;#039;&amp;#039;kreidigen Kalke&amp;#039;&amp;#039; bestehen in der Hauptsache aus Rudistenschutt mit nur wenig Zement. Der Rudistenschutt setzt sich vorwiegend aus dem Taxon &amp;#039;&amp;#039;Biradiolites lumbricalis&amp;#039;&amp;#039; zusammen, welches im geringeren Maße von den Taxa &amp;#039;&amp;#039;[[Durania cornupastoris]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Praeradiolites peroni]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Radiolites peroni]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Radiolites ponsi]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Radiolites beaumonti]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Radiolites socialis]]&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;[[Hippurites requieni]]&amp;#039;&amp;#039; begleitet wird. Gelegentlich finden sich auch [[Biostrom]]e mit unbeschädigten Rudisten in Lebendstellung (vorwiegend das relativ kleine Taxon &amp;#039;&amp;#039;Biradiolites&amp;#039;&amp;#039;). Zum [[Hangendes|Hangenden]] ändert die bisher durchgehend massive Lage ihren Charakter und es treten jetzt dünnere, recht harte, ockerfarbene [[Kalkarenit]]lagen in Erscheinung. Diese härteren Lagen bedeuteten für den Abbau die Obergrenze und wurden von den Bergleuten als &amp;#039;&amp;#039;Kessel&amp;#039;&amp;#039; (franz. &amp;#039;&amp;#039;chaudron&amp;#039;&amp;#039;) bezeichnet. In ihnen treten neben der üblichen Fauna zusätzlich noch kleinere Biostrome von &amp;#039;&amp;#039;[[Biradiolites angulosus]]&amp;#039;&amp;#039; auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisher beschriebene Normalfazies kann relativ rasch (d. h. über eine Distanz von 500 Meter) in eine Kalkarenitfazies überwechseln. Der als &amp;#039;&amp;#039;Pierre de Cheyroux&amp;#039;&amp;#039; bezeichnete Kalkarenit kam in einem littoralen [[Beachrock]]-Environment zur Ablagerung, er ist grobkörnig, nur schwach zementiert, führt [[Bioklast]]en und ist von weißer bis gelblicher Färbung. Die Bioklasten sind stark gerundet und bestehen aus den Überresten von [[Stachelhäuter]]n, Rudisten, [[Einzelkoralle]]n (Polypen) und Milioliden. Die sehr massiv auftretenden &amp;#039;&amp;#039;Kalkarenite&amp;#039;&amp;#039; können bis 12, ja gelegentlich bis 15 Meter mächtig werden. Sie liegen teils [[Schrägschichtung|schräggeschichtet]] vor. Ihr Vorkommen beschränkt sich auf die Gebiete südöstlich der [[La-Tour-Blanche-Antiklinale]] und südöstlich der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Périgueux-Antikline&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;. Sie deuten somit auf eine Hebung der beiden Strukturen bereits während des Turoniums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Untere Angoumien endet mit nur wenige Meter mächtig werdenden, dünnbankigen, gelblichen &amp;#039;&amp;#039;mikrokristallinen Kalken&amp;#039;&amp;#039;, die sehr reich an Bioklasten sind – in der Regel Lamellibranchier und Stachelhäuter. Diese abschließende Lage zeigt [[Schrägschichtung]] (zu sehen in [[Brantôme]]) und [[Schichtlücke]]n.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Bedeutung ist ein weiterer Fazieswechsel, der im Westen des Ablagerungsraumes zu beobachten ist. Hier geht die übliche [[Riff (Geographie)|Rifffazies]] in einen sehr harten, feinkörnigen [[Rekristallisation|rekristallisierten]] Kalkstein über, der keine Bioklasten mehr führt. Dieser Fazieswechsel dürfte sehr wahrscheinlich an [[Verwerfung (Geologie)|Störungen]] gebunden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seltene Ammonitenfunde im Unteren Angoumien sind &amp;#039;&amp;#039;[[Prionotropis|Prionotropis fleuriausi]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Romaniceras|Romaniceras deveriari]]&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;[[Tissotia|Tissotia galliennei]]&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Oberes Angoumien ===&lt;br /&gt;
(Dargestellt als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;c3c&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Obere Angoumien, auch als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Bourg-des-Maisons-Formation&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet, lässt sich im Gelände relativ leicht an seiner typisch ariden Zwergflora mit vorwiegendem [[Wacholder]]bewuchs erkennen. Die Gesamtmächtigkeit variiert zwischen 20 und 40 Meter. Die [[Typlokalität]] der Formation liegt bei [[Bourg-des-Maisons]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bis zu 20 Meter mächtige unterste Schichtglied besteht aus grauen bis beigen, rudistenhaltigen, &amp;#039;&amp;#039;kryptokristallinen Kalken&amp;#039;&amp;#039;. Gemäß der [[Dunham-Klassifikation|Gefügeklassifikation nach Dunham]] (1962) handelt es sich hier um einen [[Wackestone]], der in [[Mudstone]] übergehen kann. In den Wackestone sind mikrokristalline Kalke zwischengeschaltet, die sehr reich an Feinschutt und Bioklasten sind. Das unterste Schichtglied verwittert knollig bis prismatisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fossilinhalt wird erneut von biostrombildenden Rudisten beherrscht. Vorhanden sind verschiedene Taxa wie &amp;#039;&amp;#039;Durania cornupastoris&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Praeradiolites ponsi]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Radiolites praesauvagesi]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Radiolites radiosus]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Radiolites trigeri]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Biradiolites quadratus]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Biradiolites angulosus]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Vaccinites praepetrocoriensis]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Vaccinites petrocoriensis]]&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Hippurites requieni&amp;#039;&amp;#039; var. subpolygonia. Die benthischen Fossilien bestehen aus Lamellibranchiern, Acteonellen, Nerineen, Chaetetiden (Kalkschwämme), Milioliden und anderen. Sie bekunden relativ ruhige, sehr warme und nur wenig tiefe Ablagerungsbedingungen. Im obersten Abschnitt kann dieses Schichtglied auch zu unruhigeren Bedingungen überwechseln, wie dies im Westen des Sedimentationsraumes und in der Nähe von Périgueux der Fall ist. Hier wurden relativ grobe (Korngröße &amp;gt; 2 Millimeter), beigefarbene, bioklastenhaltige Kalke sedimentiert. Sie haben einen sehr niedrigen Rekristallisationsgrad und besitzen teils große Schrägschichtungskörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Schichtglied zeichnet sich durch starke Mächtigkeitsschwankungen aus (8 – 12 Meter). Im Gegensatz zum untersten Schichtglied führt es entweder [[Mikrit]]e mit nur wenig Feinschutt oder mikrokristalline Kalke reich an biogenem Schutt. Ihr Fossilinhalt ist derselbe wie im untersten Schichtglied. Das zweite Schichtglied kann ebenfalls einen Fazieswechsel hin zu Kalkareniten des Beachrock-Typus vollziehen. In der Nähe von [[Paussac-et-Saint-Vivien|Paussac]] und bei &amp;#039;&amp;#039;Le Toulon&amp;#039;&amp;#039; (Vorort von Périgueux) hielten sich die Kalkarenite bereits seit dem Unteren Angoumien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das oberste Schichtglied des Oberen Angoumiens schließt mit 5 Meter mächtigen (und stellenweise bis auf 15 Meter anwachsenden), grauen bis gelben, plattigen &amp;#039;&amp;#039;mergeligen Kalken&amp;#039;&amp;#039; und zwischengelagerten [[Mergel]]n. Es enthält Rudisten wie &amp;#039;&amp;#039;Praeradiolites praesinuatus&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Praeradiolites praecoquandi]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Vaccinites petrocoriensis&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Hippurites requieni&amp;#039;&amp;#039; sowie Chaetetiden. Die benthische Mikrofauna ist ziemlich stark vertreten, sie führt die [[Ostrakoden]]gattungen &amp;#039;&amp;#039;[[Bairdia]]&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[Cythereis]]&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;[[Pterygocythereis]]&amp;#039;&amp;#039; sowie [[Foraminiferen]] der [[Rotaliida]] (z.&amp;amp;nbsp;B. Discorbiden) und [[Textulariida]] (z.&amp;amp;nbsp;B. &amp;#039;&amp;#039;[[Valvulammina picardi]]&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;[[Arenobulimina sp.]]&amp;#039;&amp;#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende des Oberen Angoumiens etabliert sich ein Hartgrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ablagerungsbedingungen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:AngoumienCliff.jpg|mini|300px|Überhang in der resistenten Angoulême-Formation. Aufschluss im [[Lizonne|Nizonne-Tal]] bei [[Champeaux-et-la-Chapelle-Pommier]], Dordogne]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Rud4.jpg|mini|300px|Stark verkarstetes und verwittertes Angoumien im Aucors-Steinbruch]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im Vergleich zum vorhergehenden [[Cenomanium]] [[Transgression (Geologie)|transgressiven]] Ligérien (unteres Turonium), das eindeutig von offen marinen Bedingungen beherrscht wurde, zeigt das Angoumien hingegen sehr deutliche [[Regression (Geologie)|regressive]] Tendenzen. Dieser Sachverhalt im Zusammenspiel mit dem Klimaoptimum während des Turoniums ließ die Wassertemperaturen auf dem nördlichen Aquitanischen Schelf (im Vergleich mit heutigen Werten im Atlantik) auf etwa 10&amp;amp;nbsp;°C höhere Werte ansteigen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=L. J. Clarke, H. C. Jenkins|Jahr=1999|Titel=New oxygen evidence for long-term Cretaceous climatic change in the Southern Hemisphere|Sammelwerk=Geology|Band=Band 27|Seiten=699–702}}&amp;lt;/ref&amp;gt; – ideale Voraussetzung für die Expansion der Rudistenriffe im ruhigen Schelfinnenbereich. Ein Beleg für die hohen Temperaturen sind die Milioliden, die Wassertemperaturen von 24 bis 30&amp;amp;nbsp;°C für ihr Wachstum benötigen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=M. D. Brasier|Jahr=1980|Titel=Microfossils|Verlag=Allen &amp;amp; Unwin|Ort=London}}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Unteren Angoumiens (Angoulême-Formation) hatte sich auf dem Schelfinnenbereich eine Kalkschlicklagune mit niedrigem bis gemäßigtem Energieniveau etabliert. Die [[Lagune]] wurde von zahlreichen Rudistenriffen umrahmt bzw. durchsetzt, deren Abtragungsschutt vorwiegend seewärts transportiert wurde. Von Périgueux ausgehend zog ein größeres Riff nach Nordwesten und teilte somit die Lagune in einen Innenbereich nordöstlich und östlich von Périgueux und einen Außenbereich in Richtung Zentrum des Aquitanischen Beckens. Auf der energiereicheren Seite der individuellen Riffe wurden die gröberklastischen Schichtglieder abgelagert, wohingegen sich in der ruhigen Lagune kryptokristalline und mikritische Kalke absetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Oberen Angoumiens (Bourg-des-Maisons-Formation) wurde der regressive Trend deutlich spürbar, da jetzt Teile des Aquitanischen Schelfs aufzutauchen begannen. Verantwortlich dafür dürfte vorrangig eine Hebungsbewegung im [[Geologie des Zentralmassivs|Massif Central]] gewesen sein. Die regressive Tendenz kann in den Sedimenten des ausgehenden Angoumiens deutlich nachvollzogen werden, die Entwicklung verlief ausgehend von klastisch betonten Sedimenten über Umwandlungserscheinungen hin zur [[Brekzie|Brekzifizierung]] und letztendlich zur Hartgrundbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesamtmächtigkeit des Angoumiens liegt bei zirka 35 bis 60 Meter, wobei die Südwesthälfte des Ablagerungsraumes (in Richtung Beckenzentrum) eine wesentlich höhere Mächtigkeit aufweist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwitterung ==&lt;br /&gt;
Das Angoumian zeigt sehr starke [[Karst|Verkarstungserscheinunhen]], bedingt durch die Hohlräume im Innern der Rudisten. Oft folgt der Karst auch Schwächezonen im Gestein, wie beispielsweise [[Kluft (Geologie)|Klüften]] und Brüchen, an denen der Kalk weggelöst wird. Dies kann zur Bildung recht großer Hohlräume führen. Auch Karströhren werden beobachtet, welche durchaus mehr oder weniger horizontal verlaufen können und oft von Lösungsrückständen wie Ton und Feinsand verfüllt sind. Das weiße bis cremefarbene Gestein [[Verwitterung|verwittert]] an seiner Oberfläche grau bis grauschwarz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Tektonik ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Rud19.jpg|mini|300px|Der Aucors-Steinbruch bei Beaussac]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Angoumien bildet Teil zweier recht flacher, NW-SO bzw. WNW-OSO streichender [[Synklinal]]züge, dem &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Synklinal von Combiers-Saint-Crépin-de-Richemont&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; im Nordosten und dem &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Synklinal von Gout-Rossignol-Léguillac&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; im Südwesten. Die Gruppe liegt aber dennoch meist flach oder taucht mit nur 5° nach Südwest ein (bei [[Champeaux-et-la-Chapelle-Pommier|Champeaux]]). Bei [[Beaussac]] zeigt sie etwas stärkeres Einfallen (um 30°), verursacht von örtlichen [[Verwerfung (Geologie)|Störungen]]. In unmittelbarer Nähe dieser Verkippung liegt der Aucors-Steinbruch, in dem über dem Rudistenriff eine [[Rutschung]] (engl. &amp;#039;&amp;#039;slump&amp;#039;&amp;#039;) mit darüberfolgendem Massentransport ([[Körnerstrom]]) zu sehen ist. Diese synsedimentären Strukturen lassen örtlich begrenzte, unruhige Sedimentationsverhältnisse erkennen, die möglicherweise mit den gleichzeitig stattfindenden Bewegungen an der [[Mareuil-Antiklinale]] in Verbindung gebracht werden können. Tektonisch bedingte Verstellungen ereigneten sich ebenfalls an der Mareuil-Antiklinale, so ist an deren Nordende ein Abtauchen der Schichten mit 35° nach NNO zu beobachten. Kleinere [[Seitenverschiebung]]en mit horizontalem Bewegungssinn (bevorzugt ist die NNW-SSO-Richtung, untergeordnet die NW-SO-Richtung) können in Brantôme beobachtet werden. Erwähnenswert ist ferner das Vorhandensein von sogenannten &amp;#039;&amp;#039;Slickolites&amp;#039;&amp;#039; –  einer Spezialform von [[Stylolith]]en, welches die Drucklösungsrichtung im Gestein anzeigt. Die Druckrichtung war generell vertikal (entsprechend der Auflast der nachfolgenden Formationen), kann aber hiervon auch signifikante Abweichungen aufweisen und flache bis horizontale Spannungsfelder zu erkennen geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Alter ==&lt;br /&gt;
Zeitlich ist das Untere Angoumien in etwa mit den oberen zwei Dritteln des Mittleren Turoniums äquivalent, das Obere Angoumien ist identisch mit dem Oberen Turonium. Das Angoumien beansprucht folglich in etwa den Zeitraum 91,6 bis 89,3 Millionen Jahre [[Before Present|BP]]. Jean-Pierre Platel (1996) gibt zirka 92,0 Millionen Jahre als Beginn des Angoumiens an, Gradstein u. a. in etwa 91,6 Millionen Jahre.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Felix Gradstein u. a.|Titel=A Geologic Time Scale|Verlag=Cambridge University Press|Datum=2004|ISBN=0-521-78142-6}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Grenze vom Unteren zum Oberen Angoumien wird von Platel bei 90,3 Millionen Jahre angesetzt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Platel&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Aquitanisches Becken]]&lt;br /&gt;
* [[Mareuil-Antiklinale]]&lt;br /&gt;
* [[Rudisten]]&lt;br /&gt;
* [[Turonium]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Photogalerie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=packed heights=&amp;quot;200&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rudists1.jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Rudistenkolonie im Angoumien des Aucors-Steinbruchs&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rudists2.jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Weitere Rudisten&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rudists3.jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Ein weiteres Rudistentaxon&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rud12.jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Steilwand des Angoumiens mit Karströhren unterhalb vom Schloss Aucors&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rudists4.jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Stark verwitterter Rudistenkalk im Aucors-Steinbruch&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beaussac pont Râteau falaise (5).jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Nordwestabschnitt des Aucors-Steinbruchs&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
AucorsK.jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Steilwand des Angoumiens unterhalb vom Schloss Aucors. Der Karst hat den ursprünglichen Bruch erweitert.&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
AucorsK2.jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Karsthöhlen im Angoumien unterhalb vom Schloss Aucors.&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beaussac pont Râteau falaise (4).jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Nahaufnahme der mittleren Slump-Einheit&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
AngSlick3.jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Harnisch auf der mittleren Slump-Einheit im Aucors-Steinbruch. Es lassen sich zwei Richtungen unterscheiden.&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rud6.jpg|&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Nahezu senkrecht stehende &amp;#039;&amp;#039;Slickolites&amp;#039;&amp;#039; im Aucors-Steinbruch.&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Jean-Pierre Platel|Jahr=1974|Titel=Un modèle d&amp;#039;organisation des biotopes à Rudistes: l&amp;#039;Angoumian de l&amp;#039;Aquitaine septentrionale|Sammelwerk=Bull. Soc. Linn.|Ort=Bordeaux, IV, n°1|Seiten=3–13}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Jean-Pierre Platel|Jahr=1982|Titel=Les formations à Rudistes du Turonien moyen et supérieur de la plate-forme nord-aquitaine|Sammelwerk=Mém. Mus. nat. hist. nat., série c, tome XLIX|Seiten=91–96}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Jean-Pierre Platel u. a.|Jahr=1989|Titel=Périgueux (Ouest)|Sammelwerk=Carte géologique de la France à 1/50 000|Verlag=BRGM}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Jean-Pierre Platel|Titel=Les plates-formes carbonatées à rudistes du Turonien des Charentes et du Périgord, bassin d&amp;#039;Aquitaine (France)|Sammelwerk=Geobios|Datum=1998|Band=31, Supplement 1|Seiten=295–311}} &lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=B. Bourgueuil, P. Moreau u. a.|Titel=Angoulême XVII-32|Sammelwerk=Carte géologique de la France à 1/50 000|Verlag=BRGM}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Département Charente]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Département Dordogne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Nouvelle-Aquitaine]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geologie (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gesteinseinheit der Kreide]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lithostratigraphie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Rauenstein</name></author>
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