<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Altiero_Spinelli</id>
	<title>Altiero Spinelli - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Altiero_Spinelli"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Altiero_Spinelli&amp;action=history"/>
	<updated>2026-06-03T13:19:59Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Altiero_Spinelli&amp;diff=587244&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;08Linus: •4 externe Links geändert• 🌐︎</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Altiero_Spinelli&amp;diff=587244&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2026-01-22T09:39:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;•4 externe Links geändert• &lt;a href=&quot;/index.php?title=Benutzer:%E2%B5%93/externalURLform&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1&quot; class=&quot;new&quot; title=&quot;Benutzer:ⵓ/externalURLform (Seite nicht vorhanden)&quot;&gt;🌐︎&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Altiero Spinelli2.jpg|mini|Altiero Spinelli (1970)]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Altiero Spinelli&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[31. August]] [[1907]] in [[Rom]]; † [[23. Mai]] [[1986]] in Rom) war ein kommunistischer [[italien]]ischer Politiker, Mitglied der [[Europäische Kommission|Europäischen Kommission]] und Abgeordneter der [[Partito Comunista Italiano|Kommunistischen Partei Italiens]] (PCI) im [[Europäisches Parlament|Europäischen Parlament]]. Er gilt zugleich als einer der Vordenker des Gedankens der [[Europäische Integration|europäischen Integration]] und des [[Europäischer Föderalismus|europäischen Föderalismus]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv | url=https://europa.eu/european-union/sites/europaeu/files/docs/body/altiero_spinelli_de.pdf | wayback=20170417235924 | text=Europäische Kommission: Altiero Spinelli – Unbeugsamer Föderalist}}. In: &amp;#039;&amp;#039;Website der Europäischen Union.&amp;#039;&amp;#039; (PDF, 648&amp;amp;nbsp;kB). Abgerufen am 7.&amp;amp;nbsp;April 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kommunistischer Widerstand gegen Mussolini und Haft 1927–1943 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Spinelli Ventotene.JPG|mini|hochkant|Altiero Spinelli (1937)]]&lt;br /&gt;
Bereits als Jugendlicher schloss sich Altiero Spinelli der Kommunistischen Partei Italiens an, die nach der Machtergreifung [[Benito Mussolini]]s 1922 im Jahr 1926 verboten wurde. Spinelli war daraufhin im Widerstand gegen das faschistische Regime aktiv und wurde deshalb 1927 festgenommen. Nach zehn Jahren in Haft wurde er 1937 auf die Gefängnisinsel [[Ponza (Insel)|Ponza]], 1940 auf [[Ventotene]] verbannt, von wo er nach dem [[Sturz Mussolinis]] Anfang August 1943 befreit wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Haft löste sich Spinelli zunehmend von der Kommunistischen Partei, da diese den [[Stalinismus]] unterstützte. 1937 wurde Spinelli deshalb unter dem Vorwurf des „[[Trotzkismus]]“ aus der Partei ausgeschlossen.&amp;lt;ref&amp;gt;Piero S. Graglia: &amp;#039;&amp;#039;Altiero Spinelli.&amp;#039;&amp;#039; Bologna 2008, S. 119–123.&amp;lt;/ref&amp;gt; Daraufhin näherte sich Spinelli den Ideen des [[Europäischer Föderalismus|europäischen Föderalismus]] an, dem zufolge eine Vermeidung von Krieg und [[Totalitarismus]] nur durch die Einrichtung eines europäischen Bundesstaates möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spinelli war im Unterschied zu der [[Paneuropa-Union]] um [[Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi|Graf Coudenhove-Kalergi]] oder der britischen [[Federal Union]] um [[Philip Kerr, 11. Marquess of Lothian|Philip Kerr (Lord Lothian)]], die konföderale, an einem Staatenbund orientierte Integrationsvorstellungen vertraten, innerhalb der Europäischen Bewegung ein Verfechter einer supranationalen europäischen Integration, die sich nicht nur über die Gründung bundesstaatlich verfasster europäischer Institutionen begründete, sondern aus einer basisorientiert heraus getragenen, unmittelbar von den Bürgern getragenen europäischen Integration konstituierte (Konstituante).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentlich für Spinellis Orientierung zum Föderalismus waren auch seine Mitgefangenen [[Ernesto Rossi (Politiker)|Ernesto Rossi]] und [[Eugenio Colorni]]. Colorni wurde in der Haft von seiner Frau [[Ursula Hirschmann]], der Schwester des revolutionären Marxisten und Zionisten [[Albert O. Hirschman]], begleitet; sie heiratete nach Colornis Tod 1944 Altiero Spinelli.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Manifest von Ventotene 1941 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Ventotene, monumento ai confinati 01.jpg|mini|hochkant|Denkmal auf der Insel [[Ventotene]]]]&lt;br /&gt;
1941 verfasste Spinelli gemeinsam mit Rossi und Colorni das &amp;#039;&amp;#039;[[Manifest von Ventotene]]&amp;#039;&amp;#039;, in dem sie die Krise des europäischen [[Nationalstaat]]es beschrieben und als einzige Lösung die Schaffung einer europäischen Föderation sahen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Es gilt, einen Bundesstaat zu schaffen, der auf festen Füßen steht und anstelle nationaler Heere über eine europäische Streitmacht verfügt. Es gilt endgültig mit den wirtschaftlichen Autarchien, die das Rückgrat der totalitären Regime bilden, aufzuräumen. Es braucht einer ausreichenden Anzahl an Organen und Mitteln, um in den einzelnen Bundesstaaten die Beschlüsse, die zur Aufrechterhaltung der allgemeinen Ordnung dienen, durchzuführen. Gleichzeitig soll den Staaten jene Autonomie belassen werden, die eine plastische Gliederung und die Entwicklung eines politischen Lebens, gemäß den besonderen Eigenschaften der verschiedenen Völker, gestattet.&lt;br /&gt;
 |ref=&amp;lt;ref name=&amp;quot;mvt&amp;quot;&amp;gt;[http://www.jef.de/index.php?id=1668 Das Manifest von Ventotene]&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser europäische Bundesstaat sollte nach den Vorstellungen Spinellis in der „kurzen intensiven Zeitspanne allgemeiner Krise“ nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegründet werden, indem eine „revolutionäre Bewegung“ eine Verfassung in Kraft setzen würde. Dabei machte Spinelli im &amp;#039;&amp;#039;Manifest von Ventotene&amp;#039;&amp;#039; auch aus seinen sozialistischen Überzeugungen kein Hehl.&amp;lt;ref&amp;gt;Gerhard Klas: &amp;#039;&amp;#039;Ohne Alternative?&amp;#039;&amp;#039; In: [https://www.heise.de/tp/features/Ohne-Alternative-3401388.html Telepolis, 16. Juni 2005]&amp;lt;/ref&amp;gt; Das vereinigte Europa war für ihn zugleich Voraussetzung für die Befreiung der [[Arbeiterklasse]] und die Überwindung des [[Kapitalismus]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Die europäische Revolution muss sozialistisch sein, um unseren Bedürfnissen gerecht zu werden; sie muss sich für die Emanzipation der Arbeiterklasse und die Schaffung menschlicherer Lebensbedingungen einsetzen.&lt;br /&gt;
 |ref=&amp;lt;ref name=&amp;quot;mvt&amp;quot; /&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund des klaren Bekenntnisses zu einer [[Föderaler Staat|bundesstaatlichen]] [[Verfassung]] gilt Spinelli als Begründer des „klassischen Föderalismus“, der die [[europäische Integration]] durch einen verfassunggebenden Akt anstrebt. Dies wird auch als „konstitutionelle Methode“ bezeichnet, im Gegensatz zur später entwickelten „Methode [[Jean Monnet|Monnet]]“ einer schrittweisen und sektoralen Integration. Grundüberzeugung Spinellis war, dass nur die Schaffung gemeinsamer [[Supranationalität|supranationaler]] Organe die Sicherung des Gemeininteresses sicherstellen konnte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Zur Sicherung des gemeinsamen Interesses muß ein geeigneter Apparat vorhanden sein, der die Verwirklichung dieses Interesses durchzusetzen in der Lage ist. Wenn dieser Apparat fehlt, wenn die vorhandenen Einrichtungen ausschließlich zur Vertretung von Einzelinteressen geeignet sind, dann müssen (…) die Dinge offenbar unausweichlich einen Lauf nehmen, bei dem jeder für seine eigenen Interessen sorgt, unbekümmert um den Schaden, den er anderen zufügt; hieraus entstehen dann Reibungen und Spannungen, die schließlich nicht mehr anders zu lösen sind als durch Gewalt. Zu beseitigen sind die Übel daher nur durch die Schaffung von Institutionen, die ein internationales Gesetz ausarbeiten und durchsetzen, das die Verfolgung von Zielen verhindert, die nur einer Nation Nutzen, den anderen aber Schaden bringen.&lt;br /&gt;
 |ref=&amp;lt;ref name=&amp;quot;mgh&amp;quot;&amp;gt;Martin Große Hüttmann, Thomas Fischer: &amp;#039;&amp;#039;Föderalismus und europäische Integration.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Hans-Jürgen Bieling]], Marika Lerch: &amp;#039;&amp;#039;Theorien der europäischen Integration&amp;#039;&amp;#039;. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, ISBN 3-8100-4066-5, S. 41–63 ([http://www-iep.u-strasbg.fr/international/SE2005/conf/supports/grosse2.pdf pdf]).&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründung der UEF und politischer Aktivismus in der Nachkriegszeit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Freilassung versuchte Spinelli, die Forderungen aus dem Manifest von Ventotene in die Tat umzusetzen. Zum einen schloss er sich der [[Partito d’Azione]] an, einer Widerstandspartei gegen die deutsche Besatzung Italiens, die Spinelli allerdings 1946 nach internen Konflikten wieder verließ. Zum anderen gründete er noch 1943 das [[Movimento Federalista Europeo]], einen italienischen Verein, der eine neue politische Verfassung für Europa propagierte. Zugleich nahm er Kontakt mit ausländischen Organisationen, etwa der [[Neue Europäische Bewegung Schweiz|Schweizer „Europa-Union“]] und französischen Widerstandskämpfern auf, die sich ebenfalls für eine europäische Integration einsetzten. 1946, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, war Spinelli die treibende Kraft bei der Gründung der [[Union der Europäischen Föderalisten|Union Europäischer Föderalisten]] (UEF), die in den nächsten Jahren die Einigungsidee vorantrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gelang es der UEF nicht, eine europäische Verfassung durchzusetzen. 1948 kam es nach dem [[Haager Europa-Kongress]] zu einem Zusammenschluss der verschiedenen europäischen Organisationen (neben der UEF vor allem das von [[Winston Churchill]] dominierte [[Europäische Bewegung International|United Europe Movement]]) zu einem Dachverband unter dem Namen [[Europäische Bewegung]]. Deren Aktivitäten führten 1949 zwar zur Gründung des [[Europarat]]s; dieser war jedoch gerade kein europäischer Bundesstaat: Er berührte in keiner Weise die Souveränität der Nationalstaaten und schuf auch keine einflussreichen Gemeinschaftsorgane, wie sie Spinelli gefordert hatte. Spinelli selbst äußerte deshalb seine Enttäuschung über die erreichten Ergebnisse und warf Churchill vor, er habe mit dem United Europe Movement nur eine antikommunistische Gegenbewegung zur UEF aufgebaut, um deren weitergehenden Ziele zu sabotieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. {{Literatur |Autor=Gerhard Brunn |Titel=Die Europäische Einigung |Sammelwerk=Universal-Bibliothek |Nummer=17038 |Verlag=Reclam |Ort=Stuttgart |Datum=2002 |ISBN=3-15-017038-9 |Seiten=54 ff.}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründung der [[Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl|Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl]] (EGKS) 1952 sah Spinelli skeptisch, da sie statt durch eine verfassunggebende Versammlung durch einen internationalen Vertrag gegründet und nicht hinreichend demokratisch legitimiert war. Zwei Jahre später gelang es ihm jedoch, den italienischen Ministerpräsidenten [[Alcide De Gasperi]] dazu zu bewegen, sich für die Gründung einer [[Europäische Politische Gemeinschaft (1952)|Europäischen Politischen Gemeinschaft]] einzusetzen. Diese sollte als Ansatzpunkt für einen europäischen Bundesstaat dienen, die Beratende Versammlung der EGKS (Vorläuferin des späteren [[Europäisches Parlament|Europäischen Parlaments]]) entsprechende Vorschläge ausarbeiten. Dieser Plan wurde 1954 in den Vertrag über die [[Europäische Verteidigungsgemeinschaft]] aufgenommen; deren Ratifizierung scheiterte jedoch Ende desselben Jahres im französischen Parlament.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren nahmen in der UEF die Enttäuschungen und internen Konflikte überhand. Im Juli 1956 spaltete sie sich auf in das konstitutionalistische &amp;#039;&amp;#039;Mouvement Fédéraliste Européen&amp;#039;&amp;#039; (MFE) um Spinelli, das weiterhin eine echte europäische Verfassung forderte, und die funktionalistische &amp;#039;&amp;#039;Action Européenne Fédéraliste&amp;#039;&amp;#039; (AEF), die sich für den schrittweisen Ausbau der Europäischen Gemeinschaften einsetzte. Beide Gruppierungen übten jedoch in den folgenden Jahren nur noch wenig Einfluss auf die Europapolitik aus; Spinelli blieb jedoch als Vortragsredner und führender Vertreter einer weitestmöglichen Integration in der Öffentlichkeit präsent und beriet unter anderem De Gasperi, [[Paul-Henri Spaak]] und [[Jean Monnet]] bei deren Europapolitik. 1965 gründete er das [[Istituto Affari Internazionali]], eine [[Denkfabrik]], deren erster Direktor er auch war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mitglied der EG-Kommission 1970–1976 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1970 wurde Spinelli von der italienischen Regierung in die [[Europäische Kommission]] entsandt, wo er das [[Kommissar für Unternehmen und Industrie|Ressort Industrie]] und [[Kommissar für Forschung und Innovation|Forschung]], ab 1973 Industrie und [[Kommissar für Handel|Handel]], übernahm. In diesem Amt setzte er sich weiterhin für eine Vertiefung der Integration, vor allem auch im nicht-wirtschaftlichen Bereich, ein. Die Gründung des [[Europäischer Rat|Europäischen Rats]] der Staats- und Regierungschefs 1974 sah Spinelli allerdings kritisch, da er darin eine Schwächung der supranationalen Organe und eine Rückkehr zum [[Intergouvernementalismus]] sah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Abgeordneter im Europäischen Parlament ab 1976 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich blieb Spinelli seiner Idee einer verfassunggebenden Versammlung treu und strebte daher eine Mitgliedschaft im [[Europäisches Parlament|Europäischen Parlament]] an, das ihm dazu am besten geeignet erschien. Da die Abgeordneten zu dieser Zeit noch von den nationalen Parlamenten in das Europäische Parlament in Straßburg delegiert und nicht direkt gewählt wurden, ließ sich Spinelli bei den [[Parlamentswahlen in Italien 1976]] als Unabhängiger auf der Liste der [[Kommunistische Partei Italiens|Kommunistischen Partei Italiens]] aufstellen. Diese hatte sich erst 1973 im sogenannten „[[Historischer Kompromiss|historischen Kompromiss]]“ von der [[Sowjetunion]] ab- und stattdessen dem [[Eurokommunismus]] zugewandt, der demokratische Verfahren und die europäische Integration bejahte. Spinelli und weitere unabhängige Kandidaten auf der Wahlliste verliehen diesem neuen Kurs Glaubwürdigkeit, was der Partei 1976 das beste Wahlergebnis in ihrer Geschichte eintrug. Für Spinelli selbst war die Wahl allerdings auch mit einer persönlichen Tragödie verbunden, da am selben Tag seine schon zuvor schwer erkrankte Tochter Sara starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar nach seiner Wahl ins italienische Parlament ließ sich Spinelli 1976 ins Europäische Parlament abordnen, wo er stellvertretender Vorsitzender in der „[[Fraktion im Europäischen Parlament|Fraktion]] der Kommunisten und Nahestehenden“ (Vorläuferin der heutigen [[Konföderale Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke|Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke]]) war. Obwohl zahlreiche Mitglieder der Fraktion deutlich europakritischer eingestellt waren, überließen sie Spinelli weitgehende Handlungsfreiheit für seine Aktivitäten, die meistens auf fraktionenübergreifende Initiativen zur Stärkung der Rolle des Parlaments abzielten. Bei der [[Europawahl 1979]], der ersten [[Direktwahl]] des Parlaments, wurde er erneut als Unabhängiger auf der Liste der Kommunistischen Partei gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Vertragsentwurf für eine Europäische Union 1984 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Restaurant Crocodile-Strasbourg.jpg|mini|hochkant|Das Restaurant &amp;#039;&amp;#039;Au Crocodile&amp;#039;&amp;#039; in [[Straßburg]]]]&lt;br /&gt;
Mit der Direktwahl hatte das Parlament für Spinelli endgültig den Rang einer „europäischen Volksvertretung“ erreicht, die legitimerweise auch zur Ausarbeitung einer europäischen Verfassung befugt sein sollte. Mitte 1980 schrieb er daher einen Brief an alle übrigen Mitglieder des Parlaments, in dem er ihnen diesen Vorschlag machte. Kurz darauf traf sich eine kleine Gruppe von Abgeordneten aller Fraktionen in einem [[Straßburg]]er Restaurant namens &amp;#039;&amp;#039;Au Crocodile&amp;#039;&amp;#039;, um diese Initiative voranzutreiben. Der Plan, den Spinelli diesem „Krokodilsclub“ unterbreitete, sah vor, dass das Europäische Parlament einen Verfassungsentwurf erarbeiten würde, der dann von den nationalen Parlamenten [[Ratifikation|ratifiziert]] werden sollte – ohne die nationalen Regierungen daran zu beteiligen, denen Spinelli nicht zutraute, einem solchen Machtverzicht zuzustimmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Manuel Müller: [http://www.europa.clio-online.de/site/lang__de/ItemID__375/mid__11428/40208214/default.aspx &amp;#039;&amp;#039;Diplomatie oder Parlamentarismus. Altiero Spinellis Ablehnung des Genscher-Colombo-Plans 1981&amp;#039;&amp;#039;], Themenportal Europäische Geschichte 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte 1981 brachten die Abgeordneten des Krokodilsclubs schließlich einen Antrag in das Parlamentsplenum ein, einen neuen [[Ausschuss für konstitutionelle Fragen|Ausschuss für institutionelle Fragen]] zu gründen, der diesen Verfassungsentwurf erarbeiten sollte. Vorsitzender des Anfang 1982 eingerichteten Ausschusses wurde der [[Partito Socialista Italiano|italienische Sozialist]] [[Mauro Ferri]], Spinelli selbst wurde [[Berichterstatter]] für das Verfassungsprojekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 14. Februar 1984 nahm das Europäische Parlament den „Spinelli-Entwurf“ an, der unter anderem legislative Befugnisse für das Parlament etwa im Umfang des heutigen [[Mitentscheidungsverfahren]]s vorsah. Der Entwurf bestimmte zudem in Artikel 82 die Inkraftsetzung des Vertrages nach dessen Verabschiedung durch eine zwei Drittel der Gesamtbevölkerung der Gemeinschaft repräsentierende Mehrheit der Mitgliedstaaten (gesamteuropäisches Plebiszit).&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv | url=http://www.nlt.de/pics/medien/1_1235237851/Heft_1-2009_neu.pdf | wayback=20150409122749 | text=Jan Holling: &amp;#039;&amp;#039;Lissabonvertrag: Handlungsoptionen der Mitgliedstaaten im Falle der Nichtratifizierung&amp;#039;&amp;#039;, NLT Information 2009, S. 19ff.}} (PDF; 2,7&amp;amp;nbsp;MB), 22. März 2013. Abgerufen am 7.&amp;amp;nbsp;April 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Plan einer Ratifizierung durch die nationalen Parlamente scheiterte jedoch: Kein einziges Parlament leitete das Zustimmungsverfahren ein. Bei einer Rede im Europäischen Parlament im Mai 1984 begrüßte auch der französische Staatspräsident [[François Mitterrand]] zwar die wesentlichen Inhalte des Entwurfs, kündigte jedoch nur die Einrufung einer [[Konferenz der Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union|Regierungskonferenz]] an, die über weitere Reformen beraten sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Initiative Mitterrands bewirkte im Juni 1984 die Einrichtung des [[Dooge-Ausschuss]]es, der seinerseits 1985 zur Unterzeichnung der [[Einheitliche Europäische Akte|Einheitlichen Europäischen Akte]] führte. Diese war die erste größere Reform der [[Römische Verträge|Gründungsverträge der Europäischen Gemeinschaften]], doch insbesondere die Vorschläge zur Stärkung der Rolle des Parlaments fanden keine Aufnahme darin. Erst im 1992 unterzeichneten [[Vertrag von Maastricht]] wurden einige Inhalte des Verfassungsentwurfs von Spinelli aufgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spinelli selbst wurde bei der [[Europawahl 1984]] noch einmal gewählt, zeigte sich jedoch in den folgenden Monaten enttäuscht von der weiteren Entwicklung, vor allem da die nationalen Regierungen bei der Vorbereitung der Einheitlichen Europäischen Akte nicht mit dem Parlament zusammenarbeiteten. Auch inhaltlich ging ihm die Reform nicht weit genug. Er schlug daher vor, das Europäische Parlament solle darauf hinarbeiten, dass die [[Europawahl 1989]] schon im Voraus formell zu einer Wahl zur verfassunggebenden Versammlung erklärt werden solle. Allerdings starb Spinelli 1986, bevor er genügend Unterstützer für diesen Vorschlag gefunden hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rezeption ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spinelli gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der europäischen Integration.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Driessen-150&amp;quot;&amp;gt;Christoph Driessen: &amp;#039;&amp;#039;Griff nach den Sternen. Die Geschichte der Europäischen Union.&amp;#039;&amp;#039; Regensburg 2024, S. 150.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei war er dem EU-Historiker [[Christoph Driessen]] zufolge „ein Gegen-Monnet – nicht in dem Sinne, dass er gegen die europäische Einigung gewesen wäre (…), aber er wollte sie ganz anders“. Spinellis Politik war darauf ausgerichtet, die Rolle der Nationalstaaten möglichst weit zu reduzieren und einen europäischen Bundesstaat mit gemeinsamem Parlament und gemeinsamer Regierung zu schaffen. Sein Vorwurf an [[Jean Monnet]] war, dass ihm zwar das große Verdienst zukomme, Europa erbaut zu haben, aber auch „die große Verantwortung, es schlecht erbaut zu haben“. Für ihn als „unbeugsamen Föderalisten“ (Driessen) lag die Zukunft Europas „nicht in einer verstärkten Zusammenarbeit der nationalen Regierungen, sondern in der Übertragung der Macht auf supranationale Institutionen“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Driessen-150&amp;quot; /&amp;gt; Damit konnte sich Spinelli letztlich nicht durchsetzen. Was ihm aber durchaus gelang, war, dem Einigungsprozess Mitte der 80er Jahre durch seine Initiativen im Europäischen Parlament eine neue Dynamik zu verleihen, der schließlich auch zu mehr Kompetenzen für supranationale europäische Institutionen führte.&amp;lt;ref&amp;gt;Christoph Driessen: &amp;#039;&amp;#039;Griff nach den Sternen. Die Geschichte der Europäischen Union.&amp;#039;&amp;#039; Regensburg 2024, S. 167.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für seine Verdienste um den Aufbau Europas erhielt Spinelli verschiedene Auszeichnungen, darunter 1974 den [[Robert-Schuman-Preis (Alfred-Toepfer-Stiftung)|Robert-Schuman-Preis]] der [[Alfred Toepfer Stiftung F. V. S.|Alfred-Toepfer-Stiftung]].&lt;br /&gt;
[[Datei:Belgique - Bruxelles - Altiero Spinelli - 01.jpg|mini|Eingang zum Altiero-Spinelli-Gebäude, Brüssel]]&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wurde 1993 eines der [[Brüssel]]er [[Altiero-Spinelli-Gebäude|Gebäude]] des Europäischen Parlaments nach Altiero Spinelli benannt (abgekürzt: ASP). Das andere trägt den Namen [[Paul-Henri Spaak]]s. Seit 1998 steht sein Name auf dem Fries der [[Plaça d’Europa]] in [[Barcelona]]. Zudem wurde die [[Spinelli-Gruppe]], eine 2010 gegründete Initiative von Europaabgeordneten, die sich für den europäischen Föderalismus einsetzen, nach Altiero Spinelli benannt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.spinelligroup.eu/ |titel=The Spinelli-Group |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20100920061622/http://www.spinelligroup.eu/ |archiv-datum=2010-09-20 |abruf=2010-09-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit 2017 wird von der Europäischen Kommission der jährlich zu vergebende &amp;#039;&amp;#039;Altiero-Spinelli-Preis für Öffentlichkeitsarbeit&amp;#039;&amp;#039; für die Verbreitung von Wissen über Europa ausgelobt, dotiert mit 25.000 Euro.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://ec.europa.eu/germany/news/kommission-lobt-neuen-preis-f%C3%BCr-die-verbreitung-von-wissen-%C3%BCber-europa-aus_de |titel=Kommission lobt neuen Preis für die Verbreitung von Wissen über Europa aus |abruf=2018-07-08}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 21. August 2016 tagte auf Spinellis ehemaliger Sträflingsinsel Ventotene eine EU-Krisenkonferenz mit Beteiligung der deutschen, französischen und italienischen Regierungschefs, in deren Rahmen ein Kranz an seinem Grab abgelegt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Peter Foster |url=http://www.telegraph.co.uk/news/2016/08/23/five-things-we-learned-from-the-renzi-hollande-merkel-summit/ |titel=EU leaders want their own army, but can&amp;amp;#39;t agree on much else – five things we learned from the Renzi-Hollande-Merkel summit |werk=[[The Daily Telegraph|telegraph.co.uk]] |datum=2016-08-23 |sprache=en |abruf=2024-02-06}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv | url=http://www.iiea.com/blogosphere/ventotene-summit-the-spinelli-factor | wayback=20170323052729 | text=Archivierte Kopie}}. Abgerufen am 7.&amp;amp;nbsp;April 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schriften ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Manifest der europäischen Föderalisten&amp;#039;&amp;#039;, Europäische Verlags-Anst., Frankfurt am Main 1958.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Avventura europea&amp;#039;&amp;#039;, Il Mulino, Bologna 1972.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Il progetto europeo&amp;#039;&amp;#039;, Il Mulino, Bologna 1985.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Una strategia per gli stati uniti d’Europa&amp;#039;&amp;#039;, Il Mulino, Bologna 1989.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Diario europeo&amp;#039;&amp;#039; (Tagebuch), 3 Bände, Il Mulino, Bologna 1989–1992.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;L’ Europa tra ovest e est&amp;#039;&amp;#039;, Il Mulino, Bologna 1990.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Come ho tentato di diventare saggio&amp;#039;&amp;#039; (Autobiografie), Il Mulino, Bologna 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Christoph Driessen]]: &amp;#039;&amp;#039;Altiero Spinelli. Der unbeugsame Föderalist.&amp;#039;&amp;#039; In: Ders.: &amp;#039;&amp;#039;Griff nach den Sternen. Die Geschichte der Europäischen Union.&amp;#039;&amp;#039; Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2024, ISBN 978-3-7917-3474-3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Centro Studi sul Federalismo]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Altiero Spinelli|audio=1|video=1}}&lt;br /&gt;
* {{EnciclopedieOnlineITA |ID=altiero-spinelli |Lemma=Spinèlli, Altiero}}&lt;br /&gt;
* [http://www.altierospinelli.org/ www.altierospinelli.org, Homepage über Altiero Spinelli mit dem Manifest von Ventotene und weiteren Links]&lt;br /&gt;
* [https://archives.eui.eu/en/fonds/3610?item=AS Akten] von Altiero Spinelli im [https://www.eui.eu/Research/HistoricalArchivesOfEU/Index.aspx Historischen Archiv der EU] in Florenz&lt;br /&gt;
* {{MdEP|1643}}&lt;br /&gt;
* [http://www.jef.de/index.php?id=1418 Junge Europäische Föderalisten: &amp;#039;&amp;#039;Föderalismus. Ein geschichtlicher Abriß (englische Version)&amp;#039;&amp;#039;, mit Biographie Spinellis]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{NaviBlock&lt;br /&gt;
|Navigationsleiste Kommission Malfatti&lt;br /&gt;
|Navigationsleiste Kommission Mansholt&lt;br /&gt;
|Navigationsleiste Kommission Ortoli&lt;br /&gt;
|Navigationsleiste Kommissare für Unternehmen und Industrie&lt;br /&gt;
|Navigationsleiste Kommissare für Forschung, Wissenschaft und Innovation&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=11875209X|LCCN=n80014958|VIAF=49242396}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Spinelli, Altiero}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Europäischen Kommission]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied des Europäischen Parlaments für Italien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Abgeordnetenkammer (Italien)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Historische Person der europäischen Integration]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Träger des Robert-Schuman-Preises (Alfred-Toepfer-Stiftung)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:PCI-Mitglied]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Italiener]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1907]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1986]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Spinelli, Altiero&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=italienischer Politiker, Mitglied der Camera dei deputati, MdEP&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=31. August 1907&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Rom]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=23. Mai 1986&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Rom]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;08Linus</name></author>
	</entry>
</feed>