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	<title>Alternativzeitschrift - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Alternativzeitschrift&amp;diff=387928&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;J. Lunau: Wikilink mit sichtbaren Klammern korrigiert</title>
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		<updated>2025-06-18T20:26:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Wikilink mit sichtbaren Klammern korrigiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Alternativzeitschriften&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (auch: &amp;#039;&amp;#039;Untergrund&amp;#039;&amp;#039;-/&amp;#039;&amp;#039;Undergroundzeitschriften&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Alternativpresse&amp;#039;&amp;#039; genannt) sind Presseprodukte, die den [[Neue soziale Bewegungen|neuen sozialen Bewegungen]] in der Bundesrepublik Deutschland und in Ansätzen auch der DDR (→[[Samisdat]]) entstammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Teil der [[Graue Literatur|grauen Literatur]] umfasst der Begriff zunächst Druckerzeugnisse (nicht nur Zeitschriften, auch Flugblätter oder [[Wandzeitung]]en), die zunächst mehr oder weniger regelmäßig, in geringer Auflage (unter 1.000 Exemplaren) und jenseits der etablierten Vertriebswege wie Buchhandel und Verlag, veröffentlicht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alternativzeitschriften wurden zunächst von den [[Herausgeber]]n selbst produziert und verbreitet ([[Selbstverlag]]). Insbesondere die frühen Schriften sind aufgrund ihrer unkonventionellen Art bibliographisch kaum erfasst und schwer erhältlich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu: U. Pasterny, J. Gehret (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Deutschsprachige Bibliografie der Gegenkultur.&amp;#039;&amp;#039; und Günther Emig: &amp;#039;&amp;#039;Die Alternativpresse.&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv |url=http://www.iisg.nl/collections/id/index.php |text=ID-Archiv von u. a. der deutschsprachigen Alternativpresse. |archive-today=20130222142442}} Dokumentationssammlung, deutsch. Mit Einleitung, Geschichte, Benutzeranleitung. Im [[Internationales Institut für Sozialgeschichte|IISG]] (Amsterdam). „Informationsdienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten“ (ID) früher in Frankfurt am Main.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Joachim Radkau]] konstatiert einen ausgeprägten Mangel an Geschichtsbewusstsein in der Umweltbewegung,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Joachim Radkau]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte.&amp;#039;&amp;#039; Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61372-2.&amp;lt;/ref&amp;gt; dessen ungeachtet gibt es mittlerweile eine Reihe von Archiven mit wichtigen Beständen von Alternativzeitschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alternativpresse im weiteren Sinn beinhaltet einige [[Literaturzeitschrift|Literatur]]- oder [[Studentenzeitung|Studentenzeitschriften]] (im Gegensatz zu hochschulfinanzierten [[Universitätszeitschrift]]en), [[Fanzine]]s oder [[Stadtmagazin]]e. Insbesondere bei den Stadtmagazinen, als deren Vorbild das 1973 gegründete Münchner &amp;#039;&amp;#039;[[Blatt (Magazin)|Blatt]]&amp;#039;&amp;#039; gesehen wird, fand eine rapide Kommerzialisierung statt. Dieser Effekt wie die Aufnahme von Formaten und Inhalten der alternativen Presse im Mainstream erschwert eine exakte Abgrenzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesamtauflage der Alternativpresse in der Bundesrepublik wurde in den 1980er Jahren auf 1,5 Millionen geschätzt, wobei die lokalen, in Kleinauflagen erstellten Alternativzeitungen 1981 knapp über eine halbe Million ausmachten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot; /&amp;gt; Bereits in den 1990er Jahren war eine erhebliche Konzentration und Professionalisierung eingetreten. Eine Vielzahl der subkulturellen Zeitschriften der Jahre 1960 bis 1980 hatte nicht dauerhaft Bestand. Die Auflage stieg bei schätzungsweise 700 Titeln auf insgesamt 2 Millionen. Im Wesentlichen wurde diese aber von etwa 83 Stadtmagazinen bestritten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot;&amp;gt;[[Nadja Büteführ]]: &amp;#039;&amp;#039;Zwischen Anspruch und Kommerz: lokale Alternativpresse 1970–1993: systematische Herleitung und empirische Überprüfung.&amp;#039;&amp;#039; [[Waxmann Verlag]], 1995, ISBN 3-89325-368-8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Enteignet Springer 1969.jpg|mini|Anstecker der Bewegung „Enteignet Springer“, 1969. Die Kampagne war eine Reaktion auf die als unerträglich empfundene Berichterstattung der Springer-Medien zur Studentenbewegung.]]&lt;br /&gt;
Die Presselandschaft in der Bundesrepublik war seit den 1950er Jahren einer zunehmenden Konzentration unterworfen. Gleichzeitig fühlten sich Vertreter der [[Deutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre|Studentenbewegung]] und der demokratischen Linken unter dem Stichwort &amp;#039;&amp;#039;mehr Demokratie wagen&amp;#039;&amp;#039; bereits Ende der 1960er Jahre&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.willy-brandt-biografie.de/wp-content/uploads/2017/08/Regierungserklaerung_Willy_Brandt_1969.pdf |titel=Regierungserklärung von Bundeskanzler Willy Brandt vor dem Deutschen Bundestag in Bonn am 28. Oktober 1969 |werk=Willy Brandt |format=PDF |abruf=2023-02-17}} Abrufbar unter {{Internetquelle |url=https://www.willy-brandt-biografie.de/quellen/bedeutende-reden/regierungserklaerung-vor-dem-bundestag-in-bonn-28-oktober-1969/ |titel=Regierungserklärung vor dem Deutschen Bundestag in Bonn, 28. Oktober 1969 |werk=Willy Brandt |abruf=2023-02-17 |abruf-verborgen=1 &amp;lt;!-- Abrufdatum bereits zuvor angegeben --&amp;gt;}}&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mehr ausreichend in den Printmedien vertreten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot; /&amp;gt; Eine Gegenöffentlichkeit wurde damals vor allem über überregional vertriebene Medien wie [[pardon (Zeitschrift)|pardon]] und [[twen (Zeitschrift)|twen]] erreicht. Im Laufe der 1970er Jahre kam es vor allem auf der lokalen Ebene zu einer Vielzahl von Neugründungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei profitierte die Alternativpresse von der Umstellung von Blei- auf [[Lichtsatz]] und dem zunehmenden Einsatz rechnergestützter Druck- und Satzverfahren, während in der etablierten Druckindustrie harte Tarifauseinandersetzungen und Streiks in den Jahren 1976, 1978 und zuletzt 1983 die Einführung der neuen Technologien begleiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Flugblattliteratur und Untergrundliteratur ==&lt;br /&gt;
Zur Alternativpresse gehören ebenso Flugblätter und Schriften, die Verboten unterlagen oder dem Umfeld verfassungsfeindlicher wie terroristischer Bestrebungen zugeordnet werden können oder wurden. Beispiele sind nicht nur aus dem Umfeld der [[Rote Armee Fraktion|Roten Armee Fraktion]] und deren Anhängern zu finden. 1975 wurden auf richterliche Anordnung hin in Berlin Räume eines Wohnkollektives und eine Kreuzberger Wohnung durchsucht, Hintergrund waren zwei Ausgaben der Zeitschrift „Info - Berliner Undogmatische Gruppen“, in der zum [[Beförderungserschleichung|Schwarzfahren]] aufgefordert wurde. Die Zeitschrift hatte zudem nach der Freilassung von [[Peter Lorenz]] ein Spottlied auf die Polizei veröffentlicht, das wenig später auf zahlreichen Flugblättern von Angehörigen der [[Bewegung 2. Juni]], den mutmaßlichen Entführern, abgedruckt worden war. Gefälschte BVG-Sammelkarten wurden von Unbekannten in verschiedenen Bezirken verteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.trend.infopartisan.net/trd0407/t050407.html |titel=Das Unbehagen mit der RAF |werk=[[Trend Onlinezeitung]] |datum=2007-04 |abruf=2023-02-21 |kommentar=dort Zitat eines Artikels der taz vom 18. November 1975}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]] wie im früheren Ostblock generell wurden unter dem Titel [[Samisdat]] in den 1950er bis zu den 1970er Jahren Schreibmaschinendurchschläge zur Verbreitung verbotener beziehungsweise unerwünschter Literatur genutzt. Kopiergeräte waren unter staatlichem Verschluss und nur sehr unzureichend zugänglich. Anfang der 1980er Jahre entstanden Periodika mit Zeitschriftencharakter, die mittels [[Hektographie|Ormig]]- und später [[Matrizendrucker|Wachsmatrizenverfahren]] überwiegend in kirchlichen Räumen hergestellt und verbreitet wurden – so die &amp;#039;&amp;#039;Streiflichter&amp;#039;&amp;#039; (herausgegeben von der Arbeitsgruppe Umweltschutz beim Stadtjugendpfarramt Leipzig) und &amp;#039;&amp;#039;Schalom&amp;#039;&amp;#039; (herausgegeben von [[Rainer Eppelmann]] und [[Thomas Welz]] vom Friedenskreis der [[Samariterkirche (Berlin)|Samaritergemeinde]] Berlin-Friedrichshain).&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.jugendopposition.de/node/145325?guid=193 |titel=Der Weg an die Öffentlichkeit – Radio Glasnost und Siebdruck |werk=Jugendopposition in der DDR |hrsg=Robert-Havemann-Gesellschaft e.&amp;amp;nbsp;V. |abruf=2024-10-07 |kommentar=mit Fotos}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis Ende der 1980er Jahre gab es dann über 30 künstlerisch-literarische Periodika mit Auflagen zwischen 20 und 200 Exemplaren und circa 50 Zeitschriften, Informationshefte und Periodika, die von Bürgerrechts-, Friedens-, Oppositions- und Umweltgruppen in zum Teil hohen Auflagen (bis 5.000 Exemplaren) verbreitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;[[Telegraph (Zeitschrift)|Telegraph]]&amp;#039;&amp;#039; wurde während der [[Wende und friedliche Revolution in der DDR|Friedlichen Revolution]] von der Ost-Berliner [[Umwelt-Bibliothek]] (neben den &amp;#039;&amp;#039;Umweltblättern&amp;#039;&amp;#039;) verbreitet. Er wird heute vom linken &amp;#039;&amp;#039;ostbuero&amp;#039;&amp;#039; herausgegeben. Die verschiedenen [[Umweltbibliothek]]en in Leipzig, Berlin und Bielefeld haben entsprechende Schriften in ihren Archiven. DDR-spezifische Alternativliteratur findet sich unter anderem im [[Matthias Domaschk|Matthias-Domaschk]]-Archiv in der [[Robert-Havemann-Gesellschaft]] e.&amp;amp;nbsp;V. in Berlin und dem [[Archive von unten|Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“]], e.&amp;amp;nbsp;V. in Jena.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.thueraz.de/?id=19 |titel=Willkommen auf den Seiten des ThürAZ |werk=[[Archive von unten|Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“]] |abruf=2023-02-21}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themen und Ausrichtung ==&lt;br /&gt;
[[Subkultur]]elle und soziale Bewegungen drücken über Alternativzeitschriften ihre Lebensweise und Weltsicht aus; insbesondere Politik, aber auch die Themen Freizeit, Musik, Sexualität und Gesellschaft werden behandelt (im Gegensatz zu Fanzines jedoch ohne ausdrückliche Festlegung). Die Herausgeber, entweder Einzelpersonen oder kleine Personengruppen (beispielsweise Bürgerinitiativen, Kirchenverbände, Frauen- und Friedensgruppen, politische Gruppierungen oder Vereine), bestimmen unabhängig über Inhalt und Form, weshalb es zu häufigen Wechseln in der Redaktion, thematischen Ausrichtung und Erscheinungsweise kommen kann. Beiträge werden in vielen Fällen anonym oder unter [[Pseudonym]] veröffentlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der subjektive Stil von Alternativzeitschriften hängt oft damit zusammen, dass sie zunächst nicht hinsichtlich finanziellen Erfolgs produziert wurden, sondern aus Leidenschaft oder Überzeugung. Aus dem gleichen Grund haben Alternativzeitschriften weniger informativen Wert, sondern sind (nicht nur literarische) Dokumente, die als Quellen für die Stimmung verschiedener Generationen und den [[Zeitgeist]] dienen können. Ihre mitunter unkonventionelle Gestaltung fügt dem eine zusätzliche ästhetische Dimension hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alternativzeitschriften waren zunächst auf ein kleines Publikum ausgerichtet und erfreuten sich anfangs in der [[Autonome|autonomen Szene]] einer gewissen Beliebtheit als Instrument zur Schaffung einer [[Gegenöffentlichkeit]]. Aufgrund der selbstgewählten Position jenseits des publizistischen Mainstreams besitzen Alternativzeitschriften einen großen inhaltlichen und gestalterischen Spielraum, was sie einerseits zu Keimzellen der [[Avantgarde]] macht, andererseits zu manchen Verletzungen von [[Persönlichkeitsrechte]]n sowie des [[Urheberrecht|Urheber]]- und [[Presserecht]]s führte. Bei kommerziellem Erfolg ging meist eine deutliche Professionalisierung einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historische Entwicklung ==&lt;br /&gt;
=== 1960er Jahre ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Aufkommen der Hippie-, Provo- und Studentenbewegung gab es auch die ersten Zeitschriften dieser Gegenszene, die aber oft nur kurz erschienen. In der von [[Urban Gwerder]] herausgegebenen &amp;#039;&amp;#039;Hotcha!&amp;#039;&amp;#039; Nr. 16 vom Oktober 1968&amp;lt;ref&amp;gt;Hotcha!, Nr. 16, 1968, Titelseite&amp;lt;/ref&amp;gt; wurden lediglich drei deutschsprachige Titel  des ca. 60 Mitglieder zählenden Underground Press Syndicate (UPS) aufgeführt. Es handelte sich neben &amp;#039;&amp;#039;Hotcha!&amp;#039;&amp;#039; aus Zürich um &amp;#039;&amp;#039;Linkeck&amp;#039;&amp;#039; aus Berlin und &amp;#039;&amp;#039;Peng&amp;#039;&amp;#039; aus Wuppertal. [[Rolf-Ulrich Kaiser]] listete 1969 in seinem Buch über die [[Gegenkultur]] der 60er Jahre&amp;lt;ref&amp;gt;Rolf-Ulrich Kaiser: Underground? Pop? Nein! Gegenkultur! Eine Buchcollage. Kiepenheuer und Witsch, Köln/Berlin 1969, S. 205&amp;lt;/ref&amp;gt; bereits 40 „Gegen-Zeitungen“ auf, darunter allein aus Berlin 10 Zeitschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 1970er Jahre ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1970er Jahren kam es im Zuge der [[Neue Soziale Bewegungen|Neuen Sozialen Bewegungen]] zu zahlreichen Neugründungen, zunächst in deutschen Großstädten. Als erste alternative Stadtzeitung gilt das Münchner &amp;#039;&amp;#039;[[Blatt (Magazin)|Blatt]]&amp;#039;&amp;#039;, das 1973 gegründet wurde und bis 1984 vierzehntäglich erschien. &amp;#039;&amp;#039;Blatt&amp;#039;&amp;#039; war ein Vorbild einer Vielzahl von späteren Stadtmagazinen. Bereits Mitte der 1980er Jahre war von einem allgemeinen Trend die Rede. In der Universitätsstadt Münster waren 1984 neben den Stadtzeitungen &amp;#039;&amp;#039;Stadtblatt&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;City&amp;#039;&amp;#039;, die verkauft werden, eine Anzahl kostenlos vertriebener Blätter erhältlich. Gemeinsam war diesen Presseprodukten eine Kombination aus Programminformationen und lokaler Politik- und Kulturberichterstattung und eine Anzeigenfinanzierung über den alternativen Werbemarkt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;TG&amp;quot;&amp;gt;[[Thomas Gesterkamp]], [[Holger Jenrich]]: &amp;#039;&amp;#039;Stadtzeitungen und ihre Konkurrenz - Urban newspapers and their rivals.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Journal für Publizistik und Kommunikation.&amp;#039;&amp;#039; Jg. 3, Nr. 4, 1984, S. 197–198 (1 Abb.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Josef Wintjes]] war in den 1970er und 1980er Jahren mit seinem [[Ulcus Molle Info]] („Literarisches Informationszentrum“), ebenso wie die [[Aktion Feuerzeichen]], eine wichtige Vertriebsstelle alternativer Literatur. Er gehörte zu den Vorreitern der Alternativpresse und lehnte deren Kommerzialisierung wie die Annahme staatlicher Mittel strikt ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Regionale Kontroversen ===&lt;br /&gt;
Das Münsteraner Wochenzeitung &amp;#039;&amp;#039;Stadtblatt&amp;#039;&amp;#039; wurde aufgrund einer im Dezember 1984 erschienenen satirischen Reportage über die Vereidigung des damaligen Oberbürgermeisters [[Jörg Twenhöven]] verklagt. Im zugehörigen Artikel wurde das im Rathaus befindliche Holzkreuz als „christlicher [[Fetischismus (Religion)|Fetisch]]“ bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Thomas Gesterkamp]]: &amp;#039;&amp;#039;Nichts als Blumen für die Damen.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Stadtblatt.&amp;#039;&amp;#039; Nr. 22 vom 5. November 1984, zitiert nach [[Dietmar Klenke]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Daraufhin wurden die verantwortlichen Redakteure des &amp;#039;&amp;#039;Stadtblatts&amp;#039;&amp;#039; nach § 166 StGB wegen [[Gotteslästerung]] angeklagt und im August 1985 vom [[Amtsgericht Münster]] verurteilt, aber im Dezember des Jahres in der Berufungsverhandlung vor dem [[Landgericht Münster]] freigesprochen. Dagegen wurden zwei andere Redakteure des &amp;#039;&amp;#039;Stadtblattes&amp;#039;&amp;#039; für einen Bericht von der Amtsgerichtsverhandlung, in dem u. a. eine Papstkarikatur abgedruckt worden war, wegen Gotteslästerung verurteilt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DK&amp;quot;&amp;gt;Dietmar Klenke: &amp;#039;&amp;#039;Schwarz - Münster - Paderborn. Ein antikatholisches Klischeebild.&amp;#039;&amp;#039; Waxmann Verlag, 2008, S. 81 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Klenke konstatierte dabei antiklerikale und antikatholische Klischees der alternativen Szene. Allerdings hatte das Stadtblatt mit der Berichterstattung über eine enge Verquickung von Politik und Kirche ein Thema angepackt, welches auch weit über die alternative Szene hinaus als problematisch angesehen wurde. Diese führten mittelbar zu einer deutlichen Strukturreform innerhalb der lokalen CDU. Unter anderem [[Ruprecht Polenz]] setzte sich für eine Modernisierung und Imageverbesserung ein.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DK&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliche Vorkommnisse und Konflikte sind auch in anderen Universitätsstädten mit einem Bischofssitz wie Passau, Paderborn und Freiburg festzustellen gewesen. Für die Stadtzeitungen selbst waren entsprechende Konflikte einerseits aufgrund der lokalen Anzeigenkunden problematisch, die zugehörige Profilierung verschaffte den beteiligten Blättern aber zusätzliche Aufmerksamkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot; /&amp;gt; Der Fokus blieb sehr lange auf dem regionalen Politikgeschehen wie auch Nachrichten aus der jeweiligen alternativen Szene.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zunehmende Professionalisierung ===&lt;br /&gt;
Bereits Ende der 1970er Jahre schlossen sich erste kommerziellen, sogenannten Alternativblätter im Rahmen von Anzeigenverbünden zusammen. Die Initiative dazu ging 1979 vom Berliner Stadtmagazin [[zitty]] aus und band in der &amp;#039;&amp;#039;Scene Programm Presse&amp;#039;&amp;#039; (SPP) zunächst 12 Stadtmagazine ein.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot; /&amp;gt; Die ersten Anzeigen von Großfirmen stammten aus der Zigarettenindustrie.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot; /&amp;gt; Zur AIDA (heute [[adeins]]), eine Abspaltung der SPP, die von einem früheren Geschäftsführer gegründet wurde, gesellten sich bald weitere Anzeigenverbünde im Presseumfeld wie Citicombi und PrinzMedien.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einbindung in Anzeigenverbünde und dem zunehmenden kommerziellen Erfolg ging eine deutliche Professionalisierung einher. Die entsprechenden Presseprodukte hoben sich zunehmend von den traditionellen Alternativblättern der 1960er und 1970er Jahre ab. Die Strukturen wurden hierarchisiert, die wesentlichen Positionen mit Spezialisten besetzt und ähnlich wie in der etablierten Presse eine Kombination aus Mantel und Regionalteil über die Gründungsorte hinaus angeboten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot; /&amp;gt; Damit einher ging eine Reduktion und Vereinheitlichung der Titel.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot; /&amp;gt; Bei den alternativen Gratiszeitschriften, die im Citymedienverbund zusammengeschlossen sind, wird der regionale Content vor allem von einem in Frankfurt am Main konzentrierten Redaktionspool erstellt. Die Zeitschriften selbst haben regional nur sehr wenige Mitarbeiter.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bü&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archivierung ==&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Archiv ist das [[Archiv für alternatives Schrifttum|afas]] in Duisburg&amp;lt;ref name=&amp;quot;AFAS&amp;quot;&amp;gt;[http://www.uwz-archiv.de/Stadtblatt.134.0.html?&amp;amp;L=1 Webseite des afas in Duisburg], wo u. a. die Bestände des Umweltzentrum-Archivs in Münster 2011 angegliedert wurden&amp;lt;/ref&amp;gt; und das [[Archiv für Alternativkultur]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Archivalien finden sich unter anderem auch bei Umweltverbänden, Stiftungen, so im Archiv Grünes Gedächtnis der [[Heinrich-Böll-Stiftung]], Museen (Eco-Museum Reinhardswald), im [[Hamburger Institut für Sozialforschung]] sowie in staatlichen Archiven. So sind wichtige Unterlagen der Umweltbewegung in Bayern, insbesondere zur Auseinandersetzung um die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf mittlerweile unter anderem beim bayerischen Hauptstaatsarchiv zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschsprachige Alternativzeitschriften ==&lt;br /&gt;
Wie weit allein das politische und inhaltliche Spektrum reicht, das in Alternativzeitschriften zum Ausdruck kommt, zeigt diese Auswahl:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Agit 883]], anarchistisch-libertäre Zeitschrift (1969–1972)&lt;br /&gt;
* [[Subversive Aktion#Zeitschrift|Anschlag]], linksradikale Zeitschrift (1964–1966)&lt;br /&gt;
* [[Der Metzger (Zeitschrift)|Der Metzger]], politisch-satirische Zeitschrift, herausgegeben von [[Helmut Loeven]], seit 1968&lt;br /&gt;
* [[Elephantenklo]] – Zeitung für Gießen und Umgebung, 1977–1987&lt;br /&gt;
* [[Gasolin 23]], Literaturzeitschrift – [[Beat-Generation]]&lt;br /&gt;
* [[Graswurzelrevolution]], Zeitschrift der anarchistischen [[Graswurzelbewegung]]&lt;br /&gt;
* Holzwurm (später Zett) – Recklinghausen (1976–1988)&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://holzwurm-recklinghausen.de |titel=Holzwurm - Zeitschrift für Recklinghausen - Gestern &amp;amp; Heute |hrsg=PukA e. V. |abruf=07.05.2023}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Hundert Blumen]], politische Alternativzeitschrift (1972)&lt;br /&gt;
* [[Mad (Zeitschrift)|Mad]], anarchistische Hefte&lt;br /&gt;
* [[Päng]], Yippie- und Hippiezeitschrift. Hrsg.: [[Raymond Martin (Verleger)|Raymond Martin]]&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Song (Magazin)|song]]. Deutsche Underground-Zeitschrift&amp;#039;&amp;#039;. Nr. 6–8. 1968 (jeweils ohne Jahrangabe). Erlangen. (Danach gab sie sich den Titel: &amp;#039;&amp;#039;song. Zeitschrift für progressive Subkultur&amp;#039;&amp;#039;.)&lt;br /&gt;
* Rumpelblatt, Zeitschrift fürs Allgäu, Januar 1977 bis Juli 1980, regionales Provinzmagazin aus Sonthofen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.rumpelblatt.de/ |titel=Rumpelblatt |werk=Die junge Zeitschrift aus Sonthofen im Oberallgäu, 1977–1980 |abruf=2023-05-07}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im erweiterten Sinn gehören auch [[Gefangenenzeitung]]en zur Alternativpresse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Fanzine]]&lt;br /&gt;
* [[Graue Literatur]]&lt;br /&gt;
* [[Underground (Kunst)]]&lt;br /&gt;
* [[Stattzeitung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Jörg Becker, Christian Flatz, Emanuel Matondo, Uwe Trittmann (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Für eine Kultur der Differenzen. Friedens- und Dritte-Welt-Zeitschriften auf dem Prüfstand.&amp;#039;&amp;#039; Evangelische Akademie im Institut für Kirche und Gesellschaft, Iserlohn 2004, ISBN 3-931845-80-X.&lt;br /&gt;
* [http://www.journalistenakademie.de/wp-content/uploads/2017/08/buergermedien.pdf &amp;#039;&amp;#039;Bürgermedien, Neue Medien, Medienalternativen.&amp;#039;&amp;#039;] München 2009, ISBN 978-3-9805604-5-0 ([http://www.journalistenakademie.de/wp-content/uploads/2017/08/buergermedien.pdf PDF-Datei; 1,5&amp;amp;nbsp;MB])&lt;br /&gt;
* [[Contraste]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Reader der AlternativMedien.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Bunte Seiten 2003+.&amp;#039;&amp;#039; [http://www.contraste.org/bunte.htm www.contraste.org/bunte]. Selbstverlag, Heidelberg 2003 (2006).&lt;br /&gt;
* [[Bernd Drücke]]: &amp;#039;&amp;#039;Zwischen Schreibtisch und Straßenschlacht? Anarchismus und libertäre Presse in Ost- und Westdeutschland&amp;#039;&amp;#039;. Verlag Klemm &amp;amp; Oelschläger, Ulm 1998, ISBN 3-932577-05-1.&lt;br /&gt;
* [[Günther Emig]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die Alternativpresse&amp;#039;&amp;#039;. G. Emig, Ellwangen 1980, ISBN 3-921249-13-9.&lt;br /&gt;
* [[Bernd Hüttner]], Christiane Leidinger, Gottfried Oy (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Verzeichnis der AlternativMedien 2011/2012&amp;#039;&amp;#039;. Verlag AG-SPAK-Bücher, Neu-Ulm 2011, ISBN 978-3-940865-22-9, (&amp;#039;&amp;#039;Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitischer Arbeitskreise. Materialien der AG SPAK&amp;#039;&amp;#039; M 193), [http://www.leibi.de/alternativmedien/ Verzeichnis der AlternativMedien 2011/2012].&lt;br /&gt;
* Benno Käsmayr: &amp;#039;&amp;#039;Die sogenannte Alternativpresse: ein Beispiel für Gegenöffentlichkeit in der BRD und im deutschsprachigen Ausland seit 1968.&amp;#039;&amp;#039; [[Maro Verlag]], 1974.&lt;br /&gt;
* [[Udo Pasterny]], Jens Gehret (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Deutschsprachige Bibliographie der Gegenkultur. Bücher und Zeitschriften von 1950–1980&amp;#039;&amp;#039;. (= &amp;#039;&amp;#039;Gegenkultur-Bibliographie&amp;#039;&amp;#039;). Azid Presse, Amsterdam 1982, ISBN 90-70215-10-1. (Mit Angaben von über 600 Büchern, 1500 Alternativzeitschriften, Cut-up Checklist, Comix, Autorenregister)&lt;br /&gt;
* Jan Sandmann: &amp;#039;&amp;#039;Alternativpresse, vom Undergroundblatt zur Hochglanzzeitschrift&amp;#039;&amp;#039;. [[Diplomarbeit]]. [[GRIN Verlag]], München 1987, ISBN 3-638-21404-4.&lt;br /&gt;
* [[Jeffrey Wimmer]]: &amp;#039;&amp;#039;(Gegen-)Öffentlichkeit in der Mediengesellschaft. Analyse eines medialen Spannungsverhältnisses.&amp;#039;&amp;#039; VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15374-2.&lt;br /&gt;
* Richard Van Ess: Der Underground war amerikanisch. Vorbilder für die deutsche Undergroundpresse. Tübingen: Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.&amp;amp;nbsp;V., tvv-Verlag, 2018, ISBN 978-3-932512-98-8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* {{Webarchiv | url=http://www.gutenberg.de/einrich3.htm | wayback=20150429164655 | text=Mainzer Minipressen-Archiv der Alternativliteratur (enthält u. a. ca. 2.200 Zeitschriftentitel in 21.000 Heften)}}&lt;br /&gt;
* [http://www.mediaweb.at/pages/ueberleben.html Alternativzeitschriften von A bis Z (österreichische Seite)] veraltet&lt;br /&gt;
* [http://uwzarchiv.plentyfact.net/ Online-Katalog des Archivs der sozialen Bewegungen im Umweltzentrum Münster]&lt;br /&gt;
* [http://www.leibi.de/alternativmedien/ Datenbank zum Verzeichnis der AlternativMedien 2011/2012] wird weiter gepflegt vom Verlag AG SPAK Neu-Ulm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Studentenzeitschrift|!]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politische Zeitschrift|!]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Publikumszeitschrift|!]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;J. Lunau</name></author>
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