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	<title>Ad usum Delphini - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-05T00:22:55Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Ad_usum_Delphini&amp;diff=407709&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Hfst: /* Bedeutungsverschiebung in der Moderne */ Klammern sind keine Satzzeichen</title>
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		<updated>2026-01-09T09:25:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Bedeutungsverschiebung in der Moderne: &lt;/span&gt; Klammern sind keine Satzzeichen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{SEITENTITEL:ad usum Delphini}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Hyacinthe Rigaud - Louis de France, Dauphin (1661-1711), dit le Grand Dauphin - Google Art Project.jpg|mini|[[Louis de Bourbon, dauphin de France|Louis de France, Le Grand Dauphin]]]]&lt;br /&gt;
Die [[latein]]ische Formel &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;ad usum Delphini&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bedeutet „zum Gebrauch des [[Dauphin (Adel)|Dauphins]]“. Sie ist am französischen [[Hof (Monarchie)|Königshof]] seit dem späten 17. Jahrhundert nachweisbar, möglicherweise aber noch älter, und bezeichnet ursprünglich Bearbeitungen literarischer Werke der klassischen [[Antike]]. Diese wurden im Sinne der jeweils herrschenden [[Moral]]vorstellungen „entschärft“, da man manche Inhalte für den Unterricht des [[Kronprinz]]en (der in Frankreich traditionell den Titel &amp;#039;&amp;#039;Dauphin&amp;#039;&amp;#039; trug) als ungeeignet empfand. Der Begriff wurde später auch allgemein für Texte übernommen, die, beispielsweise nach [[Zensur (Informationskontrolle)|Zensurmaßnahmen]], „gereinigt“, das heißt meistens verkürzt erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ausbildung des Thronfolgers ==&lt;br /&gt;
Bei der Ausbildung des Dauphins wurde seit der [[Renaissance]] großer Wert darauf gelegt, diesen mit den klassischen Werken der [[Antike|antiken]] griechischen und vor allem lateinischen Literatur vertraut zu machen. Hierbei stieß man in den prüderen Epochen der europäischen Kulturgeschichte oft auf das Problem, dass die alten Autoren sich offensichtlich einer unerwünscht freizügigen (Sexual-)Ethik befleißigten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kam es dazu, dass am französischen Hof zu Zeiten erheblich gekürzte oder anderweitig „entschärfte“ Ausgaben von Schriftstellern des Altertums „zum Gebrauch (für den Unterricht) des Dauphins“ kursierten. Der eigentliche Titel &amp;#039;&amp;#039;ad usum Delphini&amp;#039;&amp;#039; erscheint dabei erstmals in der Sammlung lateinischer Klassiker, die vom Herzog von [[Montausier]] in Auftrag gegeben und unter der Aufsicht königlicher Hauslehrer (wie z. B. [[Jacques Bénigne Bossuet]] und [[Pierre-Daniel Huet]]) in 64 Bänden von 1670 bis 1698 veröffentlicht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die zensierten Dichter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beliebte Opfer der geschilderten Zensuraktivitäten waren beispielsweise literarische Größen wie [[Homer]], [[Aristophanes]], [[Plautus]], [[Terenz]], [[Ovid]], [[Juvenal]] und [[Martial]], deren Unverblümtheit vor allem in erotischen Fragen, etwa [[Homosexualität|homosexueller]] Liebe, den königlichen Hauslehrern in [[Versailles]] ab und an zu bedenklich erschien. Interessanterweise wurde mit einigen Bibelstellen, vorzugsweise aus dem [[Altes Testament|Alten Testament]] ähnlich verfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders aufwändig war das Vorgehen, wenn die französischsprachigen Klassiker bearbeitet wurden; unerwünschte Passagen aus Werken in Versform mussten dann umgedichtet werden, wie zum Beispiel die folgenden „schlüpfrigen“ Zeilen aus dem Drama &amp;#039;&amp;#039;[[Esther (Racine)|Esther]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Jean Racine]] (I. Akt, 1. Szene)&lt;br /&gt;
[[Datei:Jean racine.jpg|mini|160px|Jean Racine]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Lorsque le roi, contre elle enflammé de dépit,&amp;lt;br /&amp;gt;La chassa de son trône ainsi que de son lit&lt;br /&gt;
 |Sprache=fr&lt;br /&gt;
 |Übersetzung=Als der von Ärger gegen sie entflammte König&amp;lt;br /&amp;gt;sie von seinem Thron sowie aus seinem Bett jagte}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus denen Folgendes wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Lorsque le roi contre elle irrité sans retour,&amp;lt;br /&amp;gt;La chassa de son trône ainsi que de sa cour&lt;br /&gt;
 |Sprache=fr&lt;br /&gt;
 |Übersetzung=Als der unwiderruflich gegen sie erzürnte König&amp;lt;br /&amp;gt;sie von seinem Thron sowie von seinem Hof verjagte}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das „viktorianische“ 19. Jahrhundert ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allgemeinen Gebrauch kam die Wendung &amp;#039;&amp;#039;ad usum Delphini&amp;#039;&amp;#039; im 19. Jahrhundert, einer Epoche, deren ausgesprochen prüder Zeitgeist später gerne mit dem Schlagwort [[Viktorianisches Zeitalter#Frauenfrage|„viktorianisch“]] belegt wurde. Charakteristisch ist in diesem Zusammenhang, wie die immanente Kritik an Zensurmaßnahmen (mit dem Hauptaugenmerk auf sexuelle Implikationen) ihrerseits sehr verschlüsselt geäußert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichtsdestoweniger wirkte das aristokratische Vorbild der französischen Textsammlung durchaus auch befruchtend auf die Entwicklung einer bürgerlichen [[Pädagogik]], die bestrebt war, literarische Klassiker auf kindgerechte Weise zu vermitteln. Bis in die Gegenwart bekannte Beispiele sind die von [[Charles Lamb|Charles]] und [[Mary Lamb]] 1807 veröffentlichten &amp;#039;&amp;#039;Tales from [[William Shakespeare|Shakespeare]]&amp;#039;&amp;#039; (deutsch unter dem Titel &amp;#039;&amp;#039;Shakespeare nacherzählt&amp;#039;&amp;#039;) oder die ungefähr zeitgleich veröffentlichte „bereinigte“ Gesamtausgabe &amp;#039;&amp;#039;The Family Shakespeare&amp;#039;&amp;#039; von [[Thomas Bowdler]]. Auch hier ging es den Bearbeitern wesentlich um eine Entschärfung der Werke des Dichters, deren Inhalte als vielfach zu gewalttätig und – wiederum – erotisch aufgeladen betrachtet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutungsverschiebung in der Moderne ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mark Twain.jpg|mini|140px|Mark Twain]]&lt;br /&gt;
In der Gegenwart wird die Floskel nur noch gelegentlich gebraucht, wobei eine Bedeutungsverschiebung erkennbar ist; es geht nun primär nicht mehr um die „moralische“, sondern vielmehr um die politische Anstößigkeit von Texten. Eine ironische Wendung ergibt sich dabei durch die Implikation, der&amp;amp;nbsp;– zumindest nominelle&amp;amp;nbsp;– [[Souverän]] demokratisch verfasster Staaten, nämlich das Volk werde durch bewusst geschönte oder [[Euphemismus|euphemistische]] Darstellung von Nachrichten oder Tatsachen im Unklaren gelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannt ist auch, dass in der Gegenwart einige [[US-Bundesstaat|Bundesstaaten]] der USA literarische oder wissenschaftliche Klassiker wie z.&amp;amp;nbsp;B. [[Mark Twain]]s Romane &amp;#039;&amp;#039;[[Huckleberry Finn]]&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;[[Die Abenteuer des Tom Sawyer]]&amp;#039;&amp;#039; oder [[Charles Darwin]]s &amp;#039;&amp;#039;[[Über die Entstehung der Arten]]&amp;#039;&amp;#039; teilweise erfolgreich zu [[Schwarze Liste|indizieren]] versucht haben. Die Gründe können dabei ganz gegensätzlicher Natur sein: Waren es in Darwins Fall radikale [[Kreationismus|Kreationisten]], die ein Verbot beabsichtigten, so wirkte im Falle Twains dessen Umgang mit dem heutzutage [[Tabu|tabuisierten]] Wort „[[Nigger]]“ auf viele liberale US-Amerikaner provozierend. Diese Verbote wurden gelegentlich durch Herausgabe von Versionen nach der Methode &amp;#039;&amp;#039;ad usum Delphini&amp;#039;&amp;#039; umgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Ernst Robert Curtius]]: &amp;#039;&amp;#039;European Literature and the Latin Middle Ages.&amp;#039;&amp;#039; 7. printing. Princeton University Press, Princeton NJ 1990, ISBN 0-691-01899-5 (&amp;#039;&amp;#039;Bollingen Series&amp;#039;&amp;#039; 36).&lt;br /&gt;
* [[Norbert Elias]]: &amp;#039;&amp;#039;Über den Prozess der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen.&amp;#039;&amp;#039; Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-518-09934-5.&lt;br /&gt;
* [[Egon Friedell]]: &amp;#039;&amp;#039;Kulturgeschichte der Neuzeit.&amp;#039;&amp;#039; Band 1. 17. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1984, ISBN 978-3-423-30061-2 (&amp;#039;&amp;#039;dtv&amp;#039;&amp;#039; 30061).&lt;br /&gt;
* [[Roland Seim]], Josef Spiegel (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;„Ab 18“ – zensiert, diskutiert, unterschlagen.&amp;#039;&amp;#039; Band 1: &amp;#039;&amp;#039;Beispiele aus der Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. „Der dritte Grad“.&amp;#039;&amp;#039; Reprint des Katalogbuches vom Kulturbüro Münster e. V., 6. Nachdruck zur 3. verbesserten, überarbeiteten und aktualisierten Auflage. Telos Verlag, Münster 2002, ISBN 3-933060-01-X.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4699904-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Französische Monarchie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lateinische Phrase]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geflügeltes Wort]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Historisches Schulbuch| Ad_usum_Delphini]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zensur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildungsgeschichte (Frankreich)]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Hfst</name></author>
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