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	<title>Abendland - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Friedrich von Bogislaw: /* Nach dem Zweiten Weltkrieg und 1950er Jahre */ Schreibung angepasst</title>
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		<updated>2026-01-22T15:19:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Nach dem Zweiten Weltkrieg und 1950er Jahre: &lt;/span&gt; Schreibung angepasst&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Begriffsklärungshinweis}}&lt;br /&gt;
Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Okzident&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; wurde ursprünglich der westliche Teil [[Europa]]s bezeichnet, im Wesentlichen also das Gebiet der [[latein]]sprachigen [[Römische Provinz|römischen Provinzen]] des [[Weströmisches Reich|Weströmischen Reiches]] in Europa. Sie sind etwa deckungsgleich mit dem [[Diözese|Sprengel]] des [[Patriarchat (Kirche)#Römisch-katholische Kirche|Patriarchats von Rom]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039; ergab sich aus der [[antike]]n und [[mittelalter]]lichen Vorstellung von Europa als dem westlichsten, der untergehenden [[Sonne|Abendsonne]] am nächsten gelegenen [[Erdteil]]. Das ihm entsprechende [[Antonym]] ist daher das [[Orthodoxe Kirchen|griechisch-orthodox]] und [[islam]]isch geprägte [[Morgenland]] oder der [[Orient]]. Die griechisch-orthodoxe Kirche wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch als die morgenländische bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. etwa Nikodim Milaš: &amp;#039;&amp;#039;Das Kirchenrecht der morgenländischen Kirche.&amp;#039;&amp;#039; Zara 1897.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten des [[Kalter Krieg|Kalten Krieges]] wurde der Begriff teils übereinstimmend mit dem Begriff der [[Westliche Welt|westlichen Welt]] verwendet, d.&amp;amp;nbsp;h. vor allem die alten Mitgliedsländer der [[Europäische Union|Europäischen Union]] und [[Nordamerika]]. Seit der [[Romantik]] entwickelte sich vor allem im [[Deutsche Sprache|deutschsprachigen]] Raum eine besondere Traditionslinie um den Abendlandbegriff, die einen letzten Höhepunkt in einer regelrechten Abendland-[[Ideologie]] der 1950er Jahre fand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von [[Rechtsextremismus|Rechtsextremen]] und [[Rechtskonservatismus|Rechtskonservativen]] wird &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039; als [[Politisches Schlagwort|Kampfbegriff]] mit [[Islamfeindlichkeit|antimuslimischer]] Ausrichtung verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Frühe Begriffsverwendung ==&lt;br /&gt;
Im [[römisches Reich|Römischen Reich]] stand der [[latein]]ische Begriff &amp;#039;&amp;#039;occidens&amp;#039;&amp;#039; (zu ergänzen: &amp;#039;&amp;#039;sol&amp;#039;&amp;#039;, „die untergehende Sonne“) für die westliche [[Himmelsrichtung]]. [[Martin Luther]] prägte in seiner [[Bibelübersetzung]] dafür den Ausdruck &amp;#039;&amp;#039;[[Abend]]&amp;#039;&amp;#039;. Bis ins frühe 17. Jahrhundert wurde der Begriff im Plural gebraucht, so erstmals 1529 bei [[Kaspar Hedio]]. Zunächst waren damit rein [[Geographie|geographisch]] die Länder [[Westeuropa]]s gemeint.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RGG 10&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Joachim Mehlhausen]] |Titel=Abendland |Sammelwerk=[[Religion in Geschichte und Gegenwart]] |Band=1 |Auflage=4 |Verlag=Brill |Ort=Leiden |Datum=2015|Seiten=10}}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je deutlicher aber die einzelnen Abendländer unterschiedliche Entwicklungen nahmen, desto häufiger lässt sich der Kollektivsingular &amp;#039;&amp;#039;das Abendland&amp;#039;&amp;#039; nachweisen. Der Theologe [[Friedrich Wilhelm Graf]] sieht hier Zusammenhänge zur gemeinsamen Bedrohung durch die [[Türkenkriege]] einerseits, andererseits den Versuch, nach dem (wenn auch nur prekären) Ende der [[Religionskrieg#Religionskriege nach der Reformation|konfessionellen Bürgerkriege]] der [[Frühe Neuzeit|Frühen Neuzeit]] damit „eine Art vorrechtlich sozialmoralischer Grundlage des neuen innerchristlichen Religionsfriedens zu bezeichnen“.&amp;lt;ref&amp;gt;Friedrich Wilhelm Graf: &amp;#039;&amp;#039;Europa als das „Abendland“?&amp;#039;&amp;#039;. In: [[Anthony Atkinson|Anthony B. Atkinson]], [[Peter M. Huber]], [[Harold James (Historiker)|Harold James]], [[Fritz W. Scharpf]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Nationalstaat und Europäische Union. Eine Bestandsaufnahme. Liber Amicorum für [[Joachim Jens Hesse]]&amp;#039;&amp;#039;. Nomos, Baden-Baden 2016, ISBN 978-3-8487-1709-5, S. 349–358, hier S. 351.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Relationsbegriff setzt &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039; immer einen Gegenbegriff voraus, von dem er positiv abgegrenzt wird. In der Zeit der [[Aufklärung]] wurde weitgehend kenntnisfrei als dieser Gegenbegriff der [[Islam|muslimische]] Orient imaginiert, von dem man sich abzuheben meinte. Die in diesem Diskurs konstruierten [[Stereotyp]]e finden sich noch in [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel]]s &amp;#039;&amp;#039;Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte&amp;#039;&amp;#039; (gehalten 1822–1831), in denen er behauptete: {{Zitat|Bei den Orientalen ist eine sinnliche, materielle Seite vorherrschend; im Abendland ist der Gedanke überwiegend, er wird in der Gedankenform zum Prinzip gemacht.|ref=&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach Friedrich Wilhelm Graf: &amp;#039;&amp;#039;Europa als das „Abendland“?&amp;#039;&amp;#039;. In: Anthony B. Atkinson et al. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Nationalstaat und Europäische Union. Eine Bestandsaufnahme. Liber Amicorum für Joachim Jens Hesse&amp;#039;&amp;#039;. Nomos, Baden-Baden 2016, S. 349–358, hier S. 352.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Romantik und Historismus ==&lt;br /&gt;
In Deutschland entwickelten, von [[Novalis]] durch seine Schrift &amp;#039;&amp;#039;[[Die Christenheit oder Europa]]&amp;#039;&amp;#039; angeregt, die Brüder [[August Wilhelm Schlegel]] und [[Friedrich Schlegel]] eine Europakonzeption, die sich auf kulturelle Traditionen stützte. Das Abendland umfasste ihrer Vorstellung nach alle Länder, die durch ihr [[Romanen|romanisches]], [[Germanen|germanisches]] und christliches Erbe zu einem einzigen [[Europäischer Kulturraum|europäischen Kulturraum]] in [[Antinomie]] zu einem islamischen [[Orient]] oder [[Morgenland]] vereint waren. Besondere Bedeutung maßen sie dabei [[Karl der Große|Karl dem Großen]] als vermeintlichem Einiger Europas und Herrn über das christliche Abendland zu. Friedrich Schlegel verstand darüber hinaus unter Abendland die kulturelle Einheit der romanischen und germanischen Völker, worunter er vornehmlich Franzosen und Deutsche fasste. Aus der vermeintlichen kulturellen Ähnlichkeit zwischen Deutschen und Franzosen wollte Schlegel eine politische Assoziation erschaffen, vergleichbar dem Verhältnis zwischen Römern und Griechen in der Spätantike.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Ernst Behler]] |Titel=Einleitung |Sammelwerk=Kritischer Friedrich Schlegel-Ausgabe |Band=7 |Verlag=Ferdinand Schöningh |Ort=München, Paderborn, Wien |Datum=1966 |Seiten=XL–XLI}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit war für Friedrich Schlegel das Abendland, das er auch unter dem Europabegriff fasst, ein [[Mythos]] im [[Romantik|romantischen Sinn]]: Europa ist ihm ein kritischer Begriff, anhand dessen er seine eigene Gegenwart mit ihren [[Nationalismus|Nationalismen]] und dem [[Koalitionskriege|Krieg gegen Napoleon]] theoretisch sowie poetisch zu fassen vermag.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Helmut Schanze]] |Titel=Die Erfindung der Romantik |Verlag=J. B. Metzler Verlag |Ort=Stuttgart |Datum=2018 |ISBN=978-3-476-04707-6 |Seiten=195–199}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut [[Leopold von Ranke]] habe die abendländische Kultur mithilfe des [[Humanismus]] die Spaltung des [[Corpus Christianum]] durch die [[Reformation]] überstanden und bilde bis in die [[Moderne]] die gemeinsame geistige Grundlage Europas. Genauer definiert er das Abendland anhand dreier Kulturerscheinungen: der griechisch-römischen [[Antike]], dem römischen, d.&amp;amp;nbsp;h. [[papst]]zentriertem Christentum und der Kultur der ‚germanisch-romanischen‘ Völker.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Friedrich Wilhelm Graf]] |Hrsg=Anthony B. Atkinson, Peter M. Huber, Harold James, Fritz W. Scharpf |Titel=Europa als das &amp;quot;Abendland&amp;quot;? |Sammelwerk=Nationalstaat und Europäische Union: Eine Bestandsaufnahme |Verlag=Nomos Verlagsgesellschaft |Ort=Baden-Baden |Datum=2016 |ISBN=978-3-8487-1709-5 |Seiten=352}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Position wurde von [[Gustav Droysen]] kritisiert, der darin die kulturhistorische Abwertung der Reformation sah.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RGG 10&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwischen den Weltkriegen ==&lt;br /&gt;
Kurz nach Ende des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] veröffentlichte [[Oswald Spengler]] sein kulturphilosophisches Hauptwerk &amp;#039;&amp;#039;[[Der Untergang des Abendlandes]]&amp;#039;&amp;#039; (1918/22). Darin beschreibt er die Bedrohung bzw. den Zerfall der okzidentalischen Kultur, die er in [[Europa]] und [[Nordamerika]] verortete. Nach Spenglers Geschichtsvorstellung könnten derartige Hochkulturen als Riesenpflanzen angesehen werden, die aus einer mütterlichen Landschaft heraus geboren werden, wachsen, reifen und schließlich eingehen. Er betonte jedoch, dass der Untergang des Abendlandes nicht im Sinne eines [[Katastrophismus]] zu verstehen sei. Vielmehr werde der abendländische Kultur-Organismus allmählich durch fremde Zivilisationen abgelöst. Spengler ging davon aus, dass die „russische Kultur“ diese Rolle übernehmen und die Geschichte des dritten Jahrtausends maßgeblich bestimmen werde. Gegen Spengler und seinen [[Kulturpessimismus]] wandten sich [[Katholizismus|katholische]] Publizisten aus dem Kreis um die Zeitschrift &amp;#039;&amp;#039;[[Hochland (Zeitschrift)|Hochland]]&amp;#039;&amp;#039;, die sich leidenschaftlich dafür einsetzten, die Werte des christlichen Abendlands zu bewahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RGG 10&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[NS-Propaganda|nationalsozialistischen Propaganda]] spielte das Ideologem des Abendlandes eine geringere Rolle als in den Jahren vor 1933. Wenn es benutzt wurde, war es mit Vorstellungen von [[Deutsches Reich|Reich]] oder [[Mitteleuropa]] konnotiert und [[Rassismus|rassistisch]] aufgeladen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Vanessa Conze]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Europa der Deutschen. Ideen von Europa in Deutschland zwischen Reichstradition und Westorientierung (1920–1970)&amp;#039;&amp;#039;. Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-59633-5, S. 57 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der [[Schlacht von Stalingrad]] erlebte es eine neue Konjunktur: Nun erschien der [[Nationalsozialismus]] als Rettung der abendländischen Kultur vor der herandrängenden Gefahr aus dem Osten hingestellt. Zu diesem Zwecke wurde auch versucht, Persönlichkeiten aus Mythos und Geschichte wie [[Leonidas I.]], [[Hagen von Tronje]] oder [[Karl der Große|Karl den Großen]] als Vorläufer einer gesamteuropäischen Gesellschaft darzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Peter Krüger (Historiker)|Peter Krüger]]: &amp;#039;&amp;#039;Etzels Halle und Stalingrad. Die Rede Görings vom 30. 1. 1943.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Die Nibelungen. Ein deutscher Wahn, ein deutscher Alptraum.&amp;#039;&amp;#039; Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991, S. 151–190; [[Günter Barudio]]: &amp;#039;&amp;#039;Politik als Kultur. Ein Lexikon von Abendland bis Zukunft.&amp;#039;&amp;#039; Metzler, Stuttgart 1994, S. 3; Anuschka Albertz: &amp;#039;&amp;#039;Exemplarisches Heldentum. Die Rezeptionsgeschichte der Schlacht an den Thermopylen von der Antike bis zur Gegenwart.&amp;#039;&amp;#039; Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-59637-3, S. 296 f; [[Axel Schildt]]: &amp;#039;&amp;#039;Zwischen Abendland und Amerika. Studien zur westdeutschen Ideenlandschaft der 50er Jahre&amp;#039;&amp;#039;, Oldenbourg, München 1999, ISBN 978-3-486-59439-3, S. 26 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig dienten die Gemeinsamkeiten, die den „abendländischen“ Europäern zugeschrieben wurden, als [[Distinktion (Soziologie)|Abgrenzungsmerkmal]], insbesondere gegenüber [[Fremdbild|Fremd-]] oder [[Feindbild]]ern, die von der [[Slawen|slawischen]], [[Zentralasien|russisch-asiatischen]] und besonders von der [[Judentum|jüdischen]] Kultur gezeichnet wurden. Als Legitimationsgrundlage für Angriffskriege und Deportationen konnten diese Feindbilder einem [[Selbstbild]] der Zugehörigkeit zu einer arisch-abendländischen Kultur gegenübergestellt und in die vorherrschenden Ideologien von [[Rassismus|Rasse]], [[Blut und Boden]] sowie in [[nationalsozialistische Europapläne]] integriert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nach dem Zweiten Weltkrieg und 1950er Jahre ==&lt;br /&gt;
[[Datei:KAS-Kulturpolitik-Bild-3145-1.jpg|mini|hochkant|Wahlplakat [[CDU]] 1946: &amp;#039;&amp;#039;Rettet die abendländische Kultur …&amp;#039;&amp;#039; – Allegorie &amp;#039;&amp;#039;Ecclesia&amp;#039;&amp;#039; vom Portal des [[Straßburger Münster]]s mit Kreuzfahne vor kreuzförmigem [[SED]]-Symbol]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] gewann die Abendlandidee in [[Westdeutschland]] zeitweise an erheblichem Einfluss. [[Konservatismus|Konservativ]]-[[Bürgertum|bürgerliche]] Werte sollten nach der Katastrophe der Hitler-Diktatur hier eine neue Verankerung finden und sowohl gegen die als seelenlos und [[Individualismus|individualistisch]] bezeichnete [[Moderne]] westeuropäischer oder amerikanischer Prägung in Stellung gehen als auch gegen den [[Kollektivismus]] und [[Totalitarismus]] der [[Sowjetunion]]. Auch von der als [[Nihilismus|nihilistisch]] verstandenen eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit grenzte die Abendlandideologie sich ab. Die katholische Publizistik warb unter dem Schlagwort „Wiedergewinnung der abendländischen Kultur“ für eine Rechristianisierung der deutschen Gesellschaft.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RGG 10&amp;quot;/&amp;gt; In diesem Sinne bekannte sich Bundeskanzler [[Konrad Adenauer]] in seiner ersten Regierungserklärung am 20. September 1949 ausdrücklich zum „Geist christlich-abendländischer Kultur“ als Fundament seiner Kanzlerschaft.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Klaus von Beyme]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die großen Regierungserklärungen der deutschen Bundeskanzler von Adenauer bis Schmidt.&amp;#039;&amp;#039; Hanser, München/Wien 1979, [http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/JahreDesAufbausInOstUndWest_erklaerungAdenauerRegierungserklaerung1949/index.html S. 53–73] sowie http://www.kas.de/wf/de/33.820/.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit noch stärkerer Emphase erklärte Bundespräsident [[Theodor Heuss]] am 16.&amp;amp;nbsp;September 1950 bei einer Schulfeier in Heilbronn:&lt;br /&gt;
{{Zitat|Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: [[Golgota|Golgatha]], die [[Akropolis]] in Athen, das [[Kapitol (Rom)|Capitol]] in [[Rom]]. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man&amp;#039;&amp;#039; muß &amp;#039;&amp;#039;sie als Einheit sehen |ref=&amp;lt;ref name=&amp;quot;Theodor Heuss&amp;quot;&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://www.thg.hn.bw.schule.de/index.php?t=157 |wayback=20120118113056 |text=&amp;#039;&amp;#039;Theodor-Heuss-Gymnasium&amp;#039;&amp;#039; |archiv-bot=2023-06-04 20:07:26 InternetArchiveBot }}; &amp;#039;&amp;#039;Reden an die Jugend.&amp;#039;&amp;#039; R. Wunderlich, Tübingen 1956, S. 32; vgl. Meik Gerhards, &amp;#039;&amp;#039;Golgatha und Europa&amp;#039;&amp;#039;. Warum das Evangelium zu den bleibenden Grundlagen des Abendlandes gehört, Universitätsdrucke Göttingen 2007, S. 31 f.; ähnlich Papst [[Benedikt XVI.]] in seiner Ansprache im deutschen Bundestag am 22. September 2011 [http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2011/september/documents/hf_ben-xvi_spe_20110922_reichstag-berlin_ge.html vatican.va]&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
Noch 1977 führte die &amp;#039;&amp;#039;[[Theologische Realenzyklopädie]]&amp;#039;&amp;#039; drei „Signaturen des Abendlands“ auf:&lt;br /&gt;
* den Ausgleich zwischen „Paganisierung und Spiritualisierung“ des Christentums, der im Mittelalter erreicht worden sei,&lt;br /&gt;
* eine Ordnung des Spannungsverhältnisses zwischen Kirche und Staat, die die Autonomie beider Seiten berücksichtige,&lt;br /&gt;
* die Betonung individueller [[Gewissensfreiheit]] und politischer und gesellschaftlicher [[Toleranz]], die zur Förderung emanzipatorischer Bewegungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Referiert nach Joachim Mehlhausen: &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Religion in Geschichte und Gegenwart&amp;#039;&amp;#039;, 4. Auflage, Band 1, Brill, Leiden 2015, S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Politisch wurde die Abendlandideologie in den vierziger und fünfziger Jahren in der [[Bildungssystem in Deutschland|Schulpolitik]] eingesetzt, etwa beim Kampf für die Erhaltung des [[Gegliedertes Schulsystem|dreigliedrigen Schulsystems]], für die [[Konfessionsschule|Bekenntnisschulen]], für das [[Humanistisches Gymnasium|humanistische Gymnasium]] und den [[Altsprachlicher Unterricht|altsprachlichen Unterricht]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Dietmar Süß]], &amp;#039;&amp;#039;Lieb Abendland, magst ruhig sein&amp;#039;&amp;#039;, in: [[Die Zeit]] vom 17. September 2009, S. 98, [http://www.zeit.de/2009/39/Adenauerzeit auch online]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in anderen Bereichen spielte das Abendlandkonzept eine Rolle: Adenauers [[Außenpolitik]]  mit ihren Schwerpunkten auf [[Westbindung]], NATO-Mitgliedschaft, [[europäische Einigung]], [[deutsch-französische Freundschaft]] und [[Antikommunismus]] ließ sich in die traditionelle Abendlandidee einbinden. Dadurch konnten auch national-konservative Kreise innerhalb der CDU mit dem Gedanken einer supranationalen Zusammenarbeit der europäischen Staaten versöhnt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Axel Schildt]], &amp;#039;&amp;#039;Zwischen Abendland und Amerika. Studien zur westdeutschen Ideenlandschaft der 50er Jahre&amp;#039;&amp;#039;, Oldenbourg, München 1999, S. 23&amp;lt;/ref&amp;gt; Danach erschien das [[Karolinger|karolingische]] [[Fränkisches Reich|Reich]] als vorweggenommene Verwirklichung der europäischen Ideale der Nachkriegszeit. Ausdruck dieser Vorstellungen war die Stiftung des Aachener [[Karlspreis]]es. Aber auch die [[Geschichtswissenschaft]] und der Geschichtsunterricht in den westdeutschen Schulen der Nachkriegszeit vermittelten ein [[Mittelalter]]bild, das eher den europäischen Wunschvorstellungen der [[Deutsche Bundesregierung|Bundesregierung]] entsprach als der historischen Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von geringerer Bedeutung war die sogenannte Abendlandbewegung um die Zeitschrift „Neues Abendland“. Hier versuchten orthodox-katholische [[Hochadel|hochadlige]] Kreise der [[Römisch-katholische Kirche|katholisch]]-[[Konservatismus|konservativen]] [[Intelligenz]] zu mobilisieren. „Abendland“ bedeutete in diesem Zusammenhang vor allem Wiederbelebung des [[Christentum]]s, Abgrenzung gegenüber der Sowjetunion und sozialpolitischer [[Paternalismus]]. Auch [[ständestaat]]liche Ideen spielten eine Rolle,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hans-Ulrich Wehler]], &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 5: Von der Gründung der beiden deutschen Staaten bis zur Vereinigung 1949–1990&amp;#039;&amp;#039;, C.H. Beck, München 2008, S. 168&amp;lt;/ref&amp;gt; die angeblich christlichen Diktatoren [[Francisco Franco]] und [[António de Oliveira Salazar]] wurden positiv rezipiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Axel Schildt, &amp;#039;&amp;#039;Zwischen Abendland und Amerika. Studien zur westdeutschen Ideenlandschaft der 50er Jahre&amp;#039;&amp;#039;, Oldenbourg, München 1999,  S. 64&amp;lt;/ref&amp;gt; Da die Abendlandbewegung somit offen antidemokratische Prinzipien propagierte und es ihr nicht gelang, sich abseits der elitären Führungsgestalten eine breite Basis zu verschaffen, versank sie Mitte der 1960er Jahre in der Bedeutungslosigkeit. Die Historikerin [[Vanessa Conze]] sieht die Abendlandmodelle, die von den 1920er Jahren bis in die 1950er gepflegt worden, als Versuche, künftige politische und gesellschaftliche Strukturen für Deutschland und Europa formulieren, dabei aber immer die Vergangenheit glorifizierte und der [[Moderne]] gegenüber skeptisch blieb. Diese Grundhaltung sei seit Ende der fünfziger Jahre „nicht mehr zukunftsfähig“ gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vanessa Conze: [http://ieg-ego.eu/de/threads/crossroads/politische-raeume/vanessa-conze-abendland &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039;], in: &amp;#039;&amp;#039;[[Europäische Geschichte Online]]&amp;#039;&amp;#039;, hrsg. vom [[Leibniz-Institut für Europäische Geschichte|Institut für Europäische Geschichte (Mainz)]], 2012, Zugriff am 18. März 2025, S. 28.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gegenwart ==&lt;br /&gt;
In der Gegenwart ist der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039; weitgehend durch die Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Europa&amp;#039;&amp;#039; abgelöst worden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RGG 10&amp;quot;/&amp;gt; Vor allem um Aussöhnung bemühte Kreise der [[Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit]] benutzen den Begriff des „christlich-jüdischen Abendlandes“, um die gemeinsamen Wurzeln von Christentum und Judentum zu betonen. Der Begriff wird aktuell verwendet, um eine eigene westliche [[kulturelle Identität]] vom [[Islam]] abzugrenzen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Patrick Bahners]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam&amp;#039;&amp;#039;. C. H. Beck, München 2011, S. 83, 125 u.ö.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:PEGIDA Demonstration Dresden 2016-10-03 DSC08175.jpg|mini|PEGIDA-Demonstration, Dresden, 3. Oktober 2016]]&lt;br /&gt;
Im [[Nationalkonservatismus|nationalkonservativen]], [[Rechtspopulismus|rechtspopulistischen]] oder [[Rechtsextremismus|rechtsextremen]] Diskurs wird behauptet, das ggf. als „christlich“ oder „jüdisch-christlich“ attribuierte Abendland müsse gegen eine angeblich drohende [[Islamisierung]] verteidigt werden. Unter anderem entstand 2014 die Bewegung „[[Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes]]“ (PEGIDA). Dabei wird oft Bezug genommen auf das Buch des ehemaligen FAZ-Journalisten [[Udo Ulfkotte]] &amp;#039;&amp;#039;SOS Abendland&amp;#039;&amp;#039; (2008). In der Folgeveröffentlichung &amp;#039;&amp;#039;Heiliger Krieg in Europa. Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht&amp;#039;&amp;#039; verbreitet Ulfkotte die [[Verschwörungstheorie]], Muslime würden einen „geheimen Plan zur Unterwanderung nichtmuslimischer Staaten“ verfolgen. Der angeblich nötige Widerstand dagegen wird als „[[Reconquista]]“ beschrieben, also als Rückeroberung muslimischen Gebiets, wie es vom 8. bis ins 15. Jahrhundert in Spanien betrieben wurde. Ob die Wurzeln dieses Abendlands christlich, christlich-jüdisch oder aber [[Heidentum|heidnisch]] sein sollen, ist unter den Akteuren umstritten.&amp;lt;ref&amp;gt;Susanne Kleinfeld: &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039;. In: Bente Gießelmann, Robin Heun, Benjamin Kerst, Lenard Suermann, [[Fabian Virchow]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe&amp;#039;&amp;#039;, Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Ts. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2019, ISBN 978-3-7344-0819-9, S. 35–48, die Zitate S. 39 und 40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mitunter wird für das Abendland auch die [[Aufklärung]] in Beschlag genommen, so im Zusammenhang mit der Verschwörungstheorie vom [[Großer Austausch|Großen Austausch]], also dem angeblichen Plan, die europäische Bevölkerung durch angeblich rückständige Muslime zu ersetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Nadja Kutscher: &amp;#039;&amp;#039;Das Narrativ vom „großen Austausch“. Rassismus, Sexismus und Antifeminismus im neurechten Untergangsmythos&amp;#039;&amp;#039;. transcript, Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8376-6966-4. hier S. 116.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Ansicht des Berliner Antisemitismusforschers [[Wolfgang Benz]] ist der Begriff „jüdisch-christliches Abendland“ irreführend: Tausend Jahre lang habe das christliche Abendland, unter anderem mit der Gegenüberstellung von [[Ecclesia und Synagoge]], alles daran gesetzt, die [[Juden]] auszugrenzen und als [[Sündenbock|Sündenböcke]] zu diskriminieren. Deshalb sei die verbreitete Vorstellung einer Symbiose von Juden und Nicht-Juden falsch: Vielmehr würden „[[Islamfeindlichkeit|Muslimfeinde]] ein christlich-jüdisches Abendland konstruieren, das es nie gegeben hat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Benz: &amp;#039;&amp;#039;Ansturm auf das Abendland? Zur Wahrnehmung des Islam in der westlichen Gesellschaft&amp;#039;&amp;#039;. Picus Verlag, Wien 2013; [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1659315/ Otto Langels: &amp;#039;&amp;#039;Entwurzelt und gedemütigt&amp;#039;&amp;#039;. Wolfgang Benz: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Juden im 20. Jahrhundert. Eine Geschichte in Porträts.&amp;#039;&amp;#039;] (23. Januar 2012)  auf [[Deutschlandradio|DRadio.de]], Zugriff am 22. Oktober 2013 (hier das Zitat).&amp;lt;/ref&amp;gt; Angesichts dieser Frontstellung sieht der amerikanische Islamwissenschaftler Carl W. Ernst eine konstruktive Perspektive in einem ernsthaften diskursiven Prozess der Suche nach den verbindenden humanitären Grundlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Carl W. Ernst: &amp;#039;&amp;#039;The West and Islam? Rethinking Orientalism and Occidentalism.&amp;#039;&amp;#039; In: Ishraq. Islamic Philosophy Yearbook 1 (2010),  S. 23–34. ([http://www.unc.edu/~cernst/pdf/ishraq.pdf online], Zugriff am 25. Juni 2015).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik ==&lt;br /&gt;
[[Edward Said]] kritisiert neben dem Begriff des [[Orient]] auch den Begriff des Okzident. Beiden Begriffen unterstellt Said, dass sie über keine eigenständige [[Ontologie]] verfügen, dass sie also konstruiert seien. Das Gegensatzpaar Okzident/Orient erfülle dabei den Zweck, sich vom jeweils anderen abgrenzen zu können, um dadurch eine eigene Identität zu gewinnen. Dies führt laut Said auch dazu „dass sich diese allmächtigen [[Fiktion]]en leicht in den Dienst der Manipulation und der Organisation kollektiver Leidenschaften stellen lassen“.&amp;lt;ref&amp;gt;Edward Said: &amp;#039;&amp;#039;Orientalism&amp;#039;&amp;#039;. Penguin, London 1977, S. XIII.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut dem Historiker [[Wolfgang Benz]] wurde der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039; in der [[Lateinische Kirche|lateinischen Christenheit]] als „Kampf- oder Ausgrenzungsbegriff“ gegenüber äußeren Feinden wie [[Byzantinisches Reich|Byzanz]] oder dem [[Islam]] verwendet. Dabei habe aber ein einheitliches christliches Abendland nie existiert, sondern staatliches [[Staatsräson|Machtkalkül]] eine größere Rolle als der Glaube gespielt. Der Begriff habe in jüngerer Zeit an Bedeutung verloren, bis ihn PEGIDA wiederaufgegriffen habe.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.welt.de/geschichte/article136100030/Abendland-als-Kampfbegriff-gegen-Byzanz-und-Islam.html Die Welt: &amp;#039;&amp;#039;&amp;quot;Abendland&amp;quot; als Kampfbegriff gegen Byzanz und Islam&amp;#039;&amp;#039;]; abgerufen am 9. Januar 2015&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch der christliche Religionsphilosoph [[Bernd Irlenborn]] kritisiert die Vorstellung eines christlichen Abendlandes in der heutigen Zeit als anachronistisch und deplatziert. Die christliche Prägung Europas sei angesichts des steigenden Säkularismus zur bloßen erinnerungspolitischen Erbmasse geschrumpft. Wie christlich Europa in Zukunft noch ist, hängt für Irlenborn allein von der Glaubwürdigkeit der Kirche und dem gesellschaftlichen Engagement der Christen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Politikwissenschaftlerin Susanne Kleinfeld kritisiert, dass mit dem Begriff eine [[Homogenität (Soziologie)|Homogenität]] der darunter subsumierten Gesellschaften behauptet wird, die in Wahrheit nicht existiere. Gleichwohl werde mit der Vorstellung dieser Homogenität eine ganz bestimmte [[Raumordnung]] als zwingend erachtet.&amp;lt;ref&amp;gt;Susanne Kleinfeld: &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039;. In: Bente Gießelmann, Robin Heun, Benjamin Kerst, Lenard Suermann, Fabian Virchow (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe&amp;#039;&amp;#039;, Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Ts. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2019, ISBN 978-3-7344-0819-9, S. 35–48, hier S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedrich Wilhelm Graf verweist auf die große religiöse [[Diversität (Soziologie)|Diversität]] sowohl der Länder Europas seit der Aufklärung (die durch [[Migration]]sprozesse noch wachsen werde) als auch der ihnen negativ gegenübergestellten muslimischen Gesellschaften. Insofern dürfe man die [[Europäische Union]] nicht als „politische Form irgendeines ‚christlichen Abendlandes‘“ ansehen. Gleichwohl bedürfe die EU einer kulturellen Herkunftsgeschichte und bestimmter sozialmoralischer Voraussetzungen. Um sich auf die zu einigen, empfiehlt er den Verzicht auf „moralischen Absolutismus“ und eine Sicht, die in moralischer Vielfalt einen „Gewinn an individueller Freiheit“ erkennt.&amp;lt;ref&amp;gt;Friedrich Wilhelm Graf: &amp;#039;&amp;#039;Europa als das „Abendland“?&amp;#039;&amp;#039;. In: Anthony B. Atkinson et al. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Nationalstaat und Europäische Union. Eine Bestandsaufnahme. Liber Amicorum für Joachim Jens Hesse&amp;#039;&amp;#039;. Nomos, Baden-Baden 2016, S. 349–358, hier S. 357 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Vanessa Conze]]: [http://ieg-ego.eu/de/threads/crossroads/politische-raeume/vanessa-conze-abendland &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039;]. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Europäische Geschichte Online]]&amp;#039;&amp;#039;, hrsg. vom [[Leibniz-Institut für Europäische Geschichte|Institut für Europäische Geschichte (Mainz)]], 2012, Zugriff am 8. März 2021 ([https://d-nb.info/1036251780/34 pdf]).&lt;br /&gt;
* [[Richard Faber (Soziologe)|Richard Faber]]: &amp;#039;&amp;#039;Das ewige Rom oder: die Stadt und der Erdkreis. Zur Archäologie „abendländischer“ Globalisierung.&amp;#039;&amp;#039; Königshausen und Neumann, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-2034-0.&lt;br /&gt;
* Richard Faber: &amp;#039;&amp;#039;Abendland: Ein politischer Kampfbegriff.&amp;#039;&amp;#039; Hildesheim 1979; 2. Auflage: Philo, Berlin/Wien 2002 (= &amp;#039;&amp;#039;Kulturwissenschaftliche Studien.&amp;#039;&amp;#039; Band 10), ISBN 3-86572-251-2.&lt;br /&gt;
* [[Michael F. Feldkamp]]: &amp;#039;&amp;#039;Was ist christliches Abendland?&amp;#039;&amp;#039; In: Ders.: &amp;#039;&amp;#039;Reichskirche und politischer Katholizismus. Aufsätze zur Kirchengeschichte und kirchlichen Rechtsgeschichte der Neuzeit&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Propyläen des christlichen Abendlandes.&amp;#039;&amp;#039; Band 3). Patrimonium-Verlag, Aachen 2019, S. 11–17, ISBN 978-3-86417-120-8.&lt;br /&gt;
* [[Heinz Herz]]: &amp;#039;&amp;#039;Morgenland – Abendland. Fragmente zu einer Kritik abendländischer Geschichtsbetrachtung.&amp;#039;&amp;#039; VOB Koehler &amp;amp; Amelang, Leipzig 1963.&lt;br /&gt;
* [[Heinz Hürten]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Topos vom christlichen Abendland in Literatur und Publizistik nach den beiden Weltkriegen.&amp;#039;&amp;#039; In: Albrecht Langner (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Katholizismus, nationaler Gedanke und Europa seit 1800.&amp;#039;&amp;#039;  Schöningh, Paderborn [u. a.] 1985, S. 131–154.&lt;br /&gt;
* [[Otto Kallscheuer]]: &amp;#039;&amp;#039;Zur Zukunft des Abendlandes. Essays.&amp;#039;&amp;#039; zu Klampen Verlag, Springe 2009, ISBN 978-3-86674-040-2.&lt;br /&gt;
* [[Gerd-Klaus Kaltenbrunner]]: &amp;#039;&amp;#039;Abendland. Geheiligte Kultur, geliebte Heimat&amp;#039;&amp;#039;. Renovamen Verlag, Bad Schmiedeberg 2025, ISBN 978-3-95621-173-7.&lt;br /&gt;
* {{TRE|1|17|42|Abendland|[[Oskar Köhler (Historiker)|Oskar Köhler]]}}&lt;br /&gt;
* [[Dagmar Pöpping]]: &amp;#039;&amp;#039;Abendland. Christliche Akademiker und die Utopie der Antimoderne 1900–1945&amp;#039;&amp;#039;. Berlin 2002, ISBN 3-932482-71-9.&lt;br /&gt;
* James G. Carrier (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Occidentalism: Images of the West.&amp;#039;&amp;#039; Oxford University Press, Oxford 1995, ISBN 978-0-19-159084-9.&lt;br /&gt;
* [[Bernd Irlenborn]]: &amp;#039;&amp;#039;Europa als christliches Abendland?&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Internationale Katholische Zeitschrift]] „Communio“&amp;#039;&amp;#039; 47 (2018), 585–595. {{ISSN|1439-6165}}&lt;br /&gt;
* Susanne Kleinfeld: &amp;#039;&amp;#039;Abendland&amp;#039;&amp;#039;. In: Bente Gießelmann, Robin Heun, Benjamin Kerst, Lenard Suermann, [[Fabian Virchow]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe&amp;#039;&amp;#039;. Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Ts. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2019, ISBN 978-3-7344-0819-9, S. 35–48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* Jasper M. Trautsch, [https://dx.crossref.org/10.31267/Grundbegriffe_52409580 &amp;#039;&amp;#039;Abendland/Westen&amp;#039;&amp;#039;.] In: Ernst Müller, Barbara Picht, Falko Schmieder (Hrsg.): [https://dx.crossref.org/10.31267/Grundbegriffe &amp;#039;&amp;#039;Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland&amp;#039;&amp;#039;]. Schwabe Verlag, Basel/Berlin 2024ff. (Artikel werden fortlaufend online publiziert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Kulturgeschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kultur (Europa)]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>imported&gt;Friedrich von Bogislaw</name></author>
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