Île Guennoc
| Île Guennoc
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| Gewässer | Atlantischer Ozean | |||||
| Geographische Lage | 48° 36′ 2″ N, 4° 38′ 9″ W
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| Länge | 550 m | |||||
| Breite | 300 m | |||||
| Fläche | 13 ha | |||||
| Einwohner | unbewohnt | |||||
Île Guennoc, auch Gaignoc oder Guénioc genannt, ist eine kleine unbewohnte Insel der französischen Gemeinde Landéda (Département Finistère) in der Bretagne. Die Insel an der Côte des Abers ist rund 550 m lang und bis zu 300 m breit.
Frühgeschichte
Die Megalithanlagen auf der Île Guennoc entstanden teilweise zeitnah zum Cairn von Barnenez und der Anlage auf der Île Carn (etwa 4500 v. Chr.) und gehören zu den ältesten der Welt.
Die Insel ist wegen der vielen bemerkenswert erhaltenen archäologischen Überreste von Interesse und seit 1964 als Monument historique ausgewiesen. Sie war Gegenstand mehrerer Grabungskampagnen unter der Leitung von P.-R. Giot.
Zur Zeit der Errichtung der Cairns lag der Meeresspiegel 4–5 m niedriger und Guennoc bildete noch eine Halbinsel. Mit dem fortschreitenden Anstieg des Meeresspiegels im mittleren Holozän wurde die Landbrücke überflutet und die Halbinsel wurde zur Insel. Heute ist sie durch das Riff von Aber Vracht schwer zu erreichen. Mit einem Kahn setzt man von der Austernbucht Prat-ar-Coum über. Unweit der Île Guennoc kann man bei Niedrigwasser auf dem Inselchen Roc’h-Avel einen vom Meer angenagten Gangdolmen aus Trockenmauerwerk sehen. Das heute bei Hochwasser ähnlich wie die Allée couverte von Kernic und die Allée couverte im Estuaire de la Quillimadec überflutete Denkmal, lag zur Zeit der Errichtung deutlich über dem Meeresspiegel.
Die Dolmen von Guennoc verteilen sich in unterschiedlich große Gruppen auf vier erhaltene Cairns, die auf dem zentralen Höhenrücken der Insel liegen. Es sind vor allem (heute) offene Tholoi und seltener Steinplattengräber. Bei einem trapezoiden Cairn mit vier parallelen Tholoi und langen tangential anschließenden Gängen ist eine Erweiterung an seiner Breitseite erkennbar. Diese überdeckte zwei weitere, entgegengesetzt ausgerichtete Tholoi. Die runden Kammern sind oft nur noch bis zur Hälfte ihrer (vermutlichen) ehemaligen Höhe erhalten. An einigen Eingängen sind schematische Silhouetten auf Schieferplatten eingeritzt. Manche Steinplatten zeigen verwaschene Gravuren (U-Zeichen). Im Tholos 3 findet sich nahe dem Zugang ein anthropomorpher Menhir.
In den Dolmen wurden zeittypische Grabbeigaben des nordwestfranzösischen Mittelneolithikums wie Keramikgefäße und Silizitartefakte ausgegraben. Seit dem Entfernen von Versturz der Hügelüberdeckungen sind an den komplexen, trapezförmigen Cairns wieder monumentale Fassaden erkennbar. Vor diesen Fassaden lagen ähnlich wie bei Megalithanlagen in anderen Regionen kleine Plätze, deren Funde auf Feiern bzw. Rituale hinweisen.
Bei den Ausgrabungen wurden auch Amphoren mediterranen Ursprungs aus der späten Latènezeit gefunden, die belegen, dass die Insel eine Station im antiken Handel zwischen der Aremorica und den britischen Inseln war. Im Mittelalter befand sich eine Einsiedelei auf der Insel.
Neuere Geschichte
In der Neuzeit wurde die Insel als Schafweide genutzt. Im Zweiten Weltkrieg diente sie als Rückführungsbasis für britische Flieger. Heute wird die Insel nur noch von Möwen und kleinen, tangfressenden Kaninchen bewohnt.
Siehe auch
Weblinks
Literatur
- Jacques Briard: Mégalithes de Bretagne. Ouest-France, Rennes 1987, ISBN 2-7373-0119-X.
- Pierre-Roland Giot: Vorgeschichte in der Bretagne. Menhire und Dolmen. Éditions d’Art Jos Le Doaré, Châteaulin 1996, ISBN 2-85543-103-4.
- Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit (= Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. 36). Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3.