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Zöbingen

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Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(930)&title=Z%C3%B6bingen 48° 56′ N, 10° 20′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(930) 48° 55′ 42″ N, 10° 19′ 34″ O
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Fläche: 15,07 km²
Einwohner: 930<ref>Zöbingen, Website der Gemeinde Unterschneidheim, abgerufen am 16. Mai 2019.</ref>
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 73485
Vorwahl: 07966
Lage von Zöbingen in Baden-Württemberg

Zöbingen ist ein Ortsteil von Unterschneidheim im baden-württembergischen Ostalbkreis. Der einst selbständige Ort wurde im Jahr 1975 nach Unterschneidheim eingemeindet. Zum Ort gehören der Weiler Wöhrsberg sowie die Gehöfte Greuthof und Haidmühle.

Geschichte

Funde und Grabhügel im Nonnenholz und am Hornsberg in Zöbingen deuten sogar auf eine voralemannische Siedlung hin.<ref>Gemeinde Unterschneidheim – Zöbingen –. Abgerufen am 12. März 2023.</ref>

Alemannische Dorfgründung

In Zöbingen wird eine alte Alemannensiedlung vermutet, für die mehrere Indizien sprechen. Viele alemannische Sippen benannte sich, nach dem Namen ihres Anführers und daraus entstanden dann die Ortsnamen, die auf -ingen enden.<ref>SWRWissen: Warum enden schwäbische Ortsnamen oft auf "-ingen"? Abgerufen am 12. März 2023.</ref> Aus dem Sippen-Namen „Zebor“ soll Zobingen, Zöbingen abgeleitet worden sein.<ref name="Kugelart9">Konrad Kugelart: 600 Jahre 1394–1994 St. Mauritius Zöbingen. Hrsg.: Süddeutscher Zeitungsdienst GmbH. Aalen 1994, S. 9.</ref> Die Ursprünge des Dorfes reichen also bis in das 6. und 7. Jahrhundert. Alemannen legten damals an der Stelle, an der heute die Wallfahrtskirche St. Marien (Zöbingen) steht, ein Gräberfeld an.<ref>Franz Rathgeb: Mit einem "Mirakel" fing alles an. In: Prof. Dr. Hermann Baumhauer, Eduard Dietenberger, Konrad A. Theiss (Hrsg.): ostalb einhorn. 1. Auflage. Band 31, Nr. 123. Ostalb Verlag, Schwäbischer Heimatverlag, Aalen September 2004, S. 179–182.</ref> Der Fund eines ersten Baumsarges an dieser Stelle gilt als der erste mittelalterarchäologische Fund in Württemberg.<ref>Die Kunstkammer der Herzöge von Württemberg. Band 1, S. 293–295</ref>

Datei:Schrein mit alamannischen Knochen in der Zöbinger Sakristei.jpg
Schrein mit alamannischen Knochen in der Zöbinger Sakristei
Datei:Zöbinger Baumsarg im Stadtmuseum Nördlingen.jpg
Zöbinger Baumsarg im Stadtmuseum Nördlingen

Römer in Zöbingen

Außer dem Hauptmann Longinus, der aus Zöbingen stammen soll, ist wenig über die Räumung dieser Gegend durch die Römer bekannt<ref name="OberamtEllwangen" />.

„Wir wissen nur aus Bodenfunde, daß länger Zeit Römer hier waren und dann wohl in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts wieder abzogen. Vom Abzug der Römer bis zur Gründung des Klosters Ellwangen liegt unser Gebiet im Dunkel der Geschichte.“

600 Jahre 1394-1994 St. Mauritius Zöbingen: Die Römer in Zöbingen Seite 9

Im manchen Abhandlungen wird der Burstel, die Burgstelle zu Zöbingen als römischer Ursprung zitiert.<ref name="Kugelart9" /> Es wird vermutet, dass die Burg Zöbingen zumindest auf Resten eines römischen Bauwerks errichtet wurde. Dieses Bauwerk römischer Natur wird von den Limesforschern jedoch nicht zum Limes zugeordnet.<ref name="Kugelart9" />

Zudem soll Zöbingen auf der Tabula Peutingeriana der Römer mit dem Namen Septemiaci oder Septemiacum verzeichnet sein.<ref>Tabula Peutingeriana. Abgerufen am 12. März 2023.</ref> So begründet im Jahr 1958 Pfarrer Hermann Weber das neue Wappen für den Ort mit folgenden Worten:

„Es ist für mich von großem Interesse, dass ein Standesamtsiegel noch vom Jahre 1930 "ein Wappenschild mit sieben sechsstrahligen Sternen (2x3x2) aufweist. Nach meiner Auffassung, die auch einige Autoritäten wohlbegründet fanden, ist nämlich Zöbingen der Ort Septemiacum der Peutinger’schen Weltkarte, was sowohl Siegen-Lager-Ort oder eher Siegen-Wege-Ort bedeutet. Alamannisch ist aus Septem - Septing oder wie man heute noch sagt, Zebing geworden. 7 Sterne sind also wohlbegründet.“

Dorfgeschichte

Erstmals in den Büchern, wurde das Dorf im Jahre 1239 als Zebingen erwähnt. In diesem Jahr wurde die öttingische Ministerialenfamilie der Herren von Zöbingen erstmalig erwähnt, später auch im Jahre 1281. Diese hatten am (früheren) Südende des Dorfes ihren Stammsitz, die Burg Zöbingen.

Sage Longinus

Es gibt eine schwäbische Sage, welche besagt, dass der römische Hauptmann Longinus, der Hauptmann der römischen Kreuzeswache auf dem Ölberg,<ref>Vom Riessee (gäbe es ihn heute noch wäre er der drittgrößte See Europas). 5. September 2009, abgerufen am 12. März 2023.</ref> genannt Franz Lengle<ref>Leander Petzold: Schwäbische Sagen. 1. Auflage. Bechtermünz Verlag, 1998, ISBN 3-86047-205-4, S. 184.</ref> von Zöbingen bei Ellwangen<ref>suebenbund - Die südgermanischen Heldensagen. Abgerufen am 12. März 2023.</ref> stammt. Dieser hat aus Jerusalem nach Zöbingen zu seinen Leuten heimgeschrieben und berichtet wie es ihm gehe.<ref name="OberamtEllwangen">Vorlage:OberamtWürtt</ref> Zudem habe er seiner Familie in dem Brief über die Kreuzigung Jesus geschrieben.<ref>Longinus der Hauptmann. Abgerufen am 12. März 2023.</ref>

„es sei kürzlich in Jerusalem ein merkwürdiger Mann gekreuzigt worden; er habe auch mit dabei sein müssen. Dieser Mann habe viel Wunderbares getan, viele Kranke mit seinem bloßen Wort geheilt, auch Tote wieder lebendig gemacht. Aber mit den vornehmen Juden sei er nicht gut ausgekommen. Die haben auch nicht Ruhe gegeben, bis sie ihn aus der Welt geschafft haben.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Leander Petzold: Schwäbische Sagen, Bechtermünz Verlag, (Sage 252, Seite 184)

Dieser Brief soll auch in Zöbingen angekommen sein und es wurde eine Antwort gegeben.<ref name="OberamtEllwangen" />

„als große Neuigkeit mitgeteilt, daß der große See abgelaufen und auf diese Weise das Ries zum Erdboden geworden sei. (Schwaben)“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Leander Petzold: Schwäbische Sagen, Bechtermünz Verlag (Sage 252, Seite 184)

Tatsächlich existierte ein vom Meteoriteneinschlag vor 14,5 Mio. Jahren entstandener Riessee. Dieser fand seinen Ablauf bei Harburg mit der heutigen Wörnitz.<ref>Stadt Harburg (Hrsg.): TIPPS & TOUREN um Harburg ... das Tor zum Ries. 1. Auflage. Stadt Harburg, Harburg April 2021, S. 9.</ref>

In wenigen Tagen war der Riessee verschwunden, an seiner Stelle sind zunächst Tümpel, Sümpfe, Abwasser, Moore cts. getreten.<ref>Albert Frickhinger: Der Ries-See, sein Entstehen, Bestehen und Verschwinden, topisch dargestellt. In: Berichte des natuwiss. Vereins für Schwaben. 1. Auflage. Nr. 36. Augsburg 1902, S. 101 (zobodat.at).</ref> Schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde erkannt, dass der Rieskrater ehemals ein See war.<ref>Ries-See. Abgerufen am 12. März 2023.</ref>

„In sehr kurzer Zeit hatte unter furchtbarem Getöse ein gewaltiger Prozess sich abgewickelt: Der Riessee, der einer hundertjährigen Ansammlung des Wassers zur Auffüllung bedurft hatte, war in wenigen Tagen verschwunden und an seiner Stelle ein Sumpf mit einer Menge von Weihern und Tümpel getreten, der allmälig in Torf und in Verlaufe von Jahrtausenden – in eine fruchtbare lachende Eben übergegangen ist.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Albert Frickhinger: Berichte des natuwiss. Vereins für Schwaben, Seite 91

Todesmarsch durch Zöbingen

Datei:Gedenktafel Hessentaler Todesmarsch.jpg
Tafeln dieser Art finden sich entlang der Route des Todesmarsches in regelmäßigen Abständen

Allgemein

Zöbingen war ein Aufenthaltsort für die KZ-Häftlinge des Hessentaler Todesmarschs in Richtung Nördlingen.<ref>Bad Friedrichshall – Todesmärsche –. Abgerufen am 14. März 2023.</ref> Schätzungen zufolge waren es zwischen 200 und 250 Personen<ref name="Huth259">Arno Huth: Das doppelte Ende des "E.L. Natzweiler" auf beiden Seiten des Rheins. Neckarelz 2013, S. 259.</ref> welche etwa um den 7. bis 9. April 1945<ref>Wasseralfingen 0004(84624820). In: Arolsen Archives International Center on Nazi Persecution. Abgerufen am 14. März 2023.</ref><ref name="Huth258" /> Zöbingen passierten oder dort übernachteten. Der Häftlingstransport war offenbar schon weit auseinandergezogen und es gab mindestens zwei Häftlingsgruppen.<ref>Ulrike Puvogel, Martin Stankowski: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus, Eine Dokumentation. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Henrich Berlin, Bon 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 80.</ref> Eine Gruppe von Häftlingen wurde von einem Bauern als etwa 100 Mann stark beschrieben.<ref name="Huth258">Arno Huth:: Das doppelte Ende des "E.L. Natzweiler" auf beiden Seiten des Rheins. Neckarelz 2013, S. 258.</ref> Eine weitere Gruppe traf wohl ein, als die Erste nach einem Aufenthalt wieder loszog.

„Kurz vor Abgang des Transportes kam schon wieder ein neuer aus Ellwangen an, welcher nach Räumung der Scheune daselbst wieder untergebracht wurde […] Dieser Transport blieb eine Nacht und einen Tag in Zöbingen und wurde nach Ablauf dieser Zeit mit Bauernfuhrwerken aus hiesiger Gegend in Richtung Nördlingen weiterbefördert. […]“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Georg Schwarz: Arno Huth: Das doppelte Ende des „E.L. Natzweiler“ auf beiden Seiten des Rheins. Neckarelz 2013, S. 259

Die Häftlinge wurden in verschiedene Scheunen im Dorf untergebracht. Es fanden in diesem Streckenabschnitt des Todesmarsches viele schrecklichen Szenen statt, viele KZ-Häftlinge, in Zöbingen waren es 42, starben an Entkräftung oder wurden von den SS-Wachleuten erschlagen oder erschossen.<ref>Todesmarsch. Abgerufen am 14. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Berichte von Gewalttaten

In Zöbingen wurde von vielen Gewalttaten berichtet, die während des Todesmarsches passierten:

  • In einer der Scheunen, in welcher die Häftlinge untergebracht wurden, versteckte sich ein junger Häftling wohl oben auf dem Balken. „Die Bäurin holte ihn heraus, nachdem die anderen weg waren, und übergab ihn der SS, worauf der Junge verprügelt wurde.“<ref name="Huth259" />
  • In einer großen Scheune in Zöbingen sollen auch „einige Häftlinge ins Heu hoch [ge-]klettert [… sein]“, weshalb zwei von ihnen danach erschossen worden seien.<ref>Arno Huth: Das doppelte Ende des "E.L. Natzweiler" auf beiden Seiten des Rheins. Neckarelz 2013, S. 260.</ref>
  • Auch in der Pfarrchronik von Zöbingen steht geschrieben: „Am Abend des Weißen Sonntags, als eben die Besucher der Abendandacht aus der Kapelle nach Hause gingen, erlebten sie den Beginn eines grauenhaften Schauspiels, das dann noch tief in die Nacht hinein fortdauerte. Die Insassen eines aufgelösten Konzentrationslagers im Westen wurden zu Fuß abtransportiert und durchzogen den Ort von Ellwangen her in Richtung Dachau. Bis zum Skelett abgemagerte Gestalten wankten mühsam vorüber und die begleitenden SS-Männer sorgten dafür, dass keine mitleidige Seele den Armen auch nur ein Stück Brot reichen konnte. Als der Morgen graute, lagen Dutzende von Leichen längs der Straße außerhalb des Ortes; wer nicht mehr mitkonnte, war einfach von den Begleitmannschaften niedergeschossen oder mit Kolbenschlag ‚erledigt‘ worden.“<ref>Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental e.V. (Hrsg.): KZ-Gedenkstätte Schwäbisch Hall-Hessental. Schwäbisch Hall 2001, S. 37.</ref>

Gedenkstätte

Auf dem Zöbingen Friedhof wurden von überlebenden polnischen Zwangsarbeitern ein Mahnmal aus drei grabsteinähnlichen Platten sowie einem hohen Steinkreuz errichtet. Dies trägt die Inschrift; „Den Opfern des Hitler-Barbarismus Die Polen. Jahr 1945“ in den Sprachen Englisch, Polnisch und Deutsch. Hier wurden die 42 Menschen, die zunächst in die zwei Massengräber verscharrt wurden, nach dem Einmarsch der US-Truppen bestattet. Im Jahr 1968 wurden die Opfer auf den KZ-Friedhof Kochendorf umgebettet. Das Mahnmal ist in Zöbingen immer noch zu finden.<ref>Ulrike Puvogel, Martin Stankowski: Gedenkstätten für die Ofer des Nationalsozialismus, Eine Dokumentation. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Bon 1995, Nachdruck 1996, ISBN 3-89331-208-0; Bundeszentrale für politische Bildung S. 99, 100</ref>

Wappen

Blasonierung: „In Rot unter einem fünfstrahligen goldenen Stern eine goldene Glocke.“

Der goldene Stern (Mariensymbol: stella maris) und die Glocke als Hinweis auf die örtliche Glockensage sollen auf die Wallfahrtskapelle zur Himmelskönigin Maria hindeuten. Die Farben Rot und Gold sind die Farben des Hauses Öttingen, dem der Ort früher gehörte.<ref>Zöbinger Wappen, Website der Gemeinde Unterschneidheim, abgerufen am 16. Mai 2019.</ref>

Ortsnecknamen

Die Zöbinger werden als Spitz- oder Dorf- oder Ortsnecknamen als Gäggersau<ref>OVD3-Un. Abgerufen am 12. März 2023.</ref> oder Gäggersäu bezeichnet.<ref>Vierter Weihnachtsmarkt ist ein Riesenerfolg. 21. Dezember 2015, abgerufen am 12. März 2023.</ref> Diese Bezeichnung beruht auf der örtlichen Glockensage.

Infrastruktur

In Zöbingen bestehen ein Kindergarten, eine Grundschule und eine Gemeindehalle.

Am Ortseingang nach Ellwangen liegt das Gewerbegebiet „Sparrenloh“, dies bietet eine gute Gewerbeansiedlung.<ref>Infrastruktur Zöbingen, Website der Gemeinde Unterschneidheim, abgerufen am 16. Mai 2019</ref>

Regelmäßige Veranstaltungen

Es wird jährlich eine Fohlenschau veranstaltet, welche zusammen mit dem Pferdezuchtverband Baden-Württemberg, dem Bezirkspferdezuchtverein Aalen-Ellwangen und dem Reit- und Fahrverein Zöbingen<ref name="Pferdezucht">Pferdezuchtvereine in Baden-Württemberg. Abgerufen am 12. März 2023.</ref> organisiert wird. Am 50. Jubiläum der Reitergruppe Zöbingen im Jahr 2016 wurden bereits 33 Fohlenschauen veranstalte. Im Jahr 1984 wurde eine Bezirksfohlenschau ausgerichtet,<ref>Reitverein feiert 50. Geburtstag. 23. September 2016, abgerufen am 12. März 2023.</ref> welche sich mittlerweile zur jährlichen größte und wohl bedeutendsten Fohlenschau in ganz Baden-Württemberg<ref name="Pferdezucht" /> entwickelt hat.

Siehe auch

Literatur

  • Vorlage:OberamtWürtt
  • Ulrike Puvogel, Martin Stankowski: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus, Eine Dokumentation. Hrsg.: Bundeszentrale für politische Bildung. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Hentrich Berlin, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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