Joch (Architektur)
Joch (Säulenjoch, Gewölbefeld, Travée, Brückenjoch) bezeichnet in der Architektur den zwischen zwei Hauptstützpunkten einer Baukonstruktion befindlichen Bauabschnitt<ref>Joch. In: Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar. 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X, S. 258 (= Kröners Taschenausgabe, Band 194); moodle.unifr.ch (PDF; 15 MB); abgerufen am 1. März 2024.</ref> und beim Holzbrückenbau das Tragegestell.<ref name="Mothes" />
Begriffsverwendung
{{#invoke:Vorlage:Anker|f |errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Anker |errHide=1}} Der Begriff Joch findet vor allem in der Architektur von Säulen- und Pfeilerbauten allgemeine Verwendung, insbesondere in der griechischen und römischen Architektur sowie in der mittelalterlichen und islamischen Architektur. Der Achsabstand der Joche wird zwischen den Stützen (Säulen, Pfeilern) von Mittelpunkt zu Mittelpunkt gemessen. Dies unterscheidet das Joch vom Interkolumnium, dem lichten Abstand zwischen Säulen oder Pfeilern.
Gewölbejoch
Im Gewölbebau ist ein Joch ein Gewölbefeld (Traveé), d. h. die Grundfläche eines Gewölbeabschnitts, der durch Stützen, Gurtbögen und Scheidbögen als vollständiges Einzelelement eines größeren Gewölbesystems ausgeschieden ist. Wenn im Innern langer gewölbter Räume gleichartige Gewölbeabschnitte folgen, werden diese Joche oder Travéen in Richtung der Längsachse gezählt.<ref>Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar. 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X, S. 213: Gewölbefeld; S. 258: Joch; S. 476: Traveé. (= Kröners Taschenausgabe, Band 194) moodle.unifr.ch (PDF; 15 MB); abgerufen am 1. März 2024.</ref> Bei gotischen Kathedralen können die Gewölbejoche auch eine Einheit mit dem außenliegenden Strebewerk bilden.<ref>Traveé. In: Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe, Band 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X, S. 476. (Digitalisat des Gesamtwerks auf moodle.unifr.ch (PDF; 15 MB); abgerufen am 1. März 2024.)</ref>
Vorchorjoch
Ein durch größer dimensionierte Gurtbögen vom übrigen Gewölbe vor dem Chor einer Kirche abgetrenntes und architektonisch besonders hervorgehobenes Joch wird als Vorchorjoch bezeichnet. Bei größeren Kirchenbauten mit Querschiff kann das Vorchorjoch mit der ebenso ausgezeichneten Vierung identisch sein.
Joch im Brückenbau
Bei hölzernen Brücken ist ein Joch ursprünglich ein tragendes Gerüst<ref>Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref> oder Gestell von senkrechten Pfählen (Jochpfählen), die oben durch ein Querholz (Jochträger) vereinigt sind,<ref name="Mothes">Joch. In: Oscar Mothes (Hrsg.): Illustrirtes Bau-Lexikon. Band 3: H–P. Leipzig 1883, S. 127; ub.uni-heidelberg.de</ref><ref>Brücke. In: Johann Friedrich Penther: Ausführliche Anleitung zur bürgerlichen Bau-Kunst. Band 1: Enthaltend ein Lexicon Architectonicum oder Erklärungen der üblichsten Deutschen, Französischen, Italiänischen Kunst-Wörter der Bürgerlichen Bau-Kunst (…). Augspurg 1744, S. 26 f.; ub.uni-heidelberg.de</ref> das als Auflager der Brücke dient. Diese Konstruktion lehnt sich damit begrifflich an das ähnlich quer liegende Joch als Geschirr für Zugtiere.
Aus dem Holzbrückenbau ergab sich im Weiteren die allgemeine Verwendung des Begriffs Joch im Brückenbau für jeden durch Stützen oder Pfeiler getrennten Brückenabschnitt, egal ob massiv gewölbt oder als Holz-, Stahl- oder Betonkonstruktion.
Römisches Joch
Ein römisches Joch ist eine rhythmische Wandgliederung aus Pfeilerarkaden, denen Halbsäulen auf Postamenten mit Architrav vorgeblendet sind; vgl. Tabulariummotiv.<ref>Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe, Band 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X, S. 258: Joch, römisches; S. 458: Tabulariummotiv. (Digitalisat des Gesamtwerks auf moodle.unifr.ch (PDF; 15 MB); abgerufen am 1. März 2024.)</ref>
Literatur
- Christoph Höcker: Metzler Lexikon antiker Architektur. Metzler, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-476-02294-3, S. 138 f.
- Joch. In: Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe, Band 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X, S. 258. (Digitalisat des Gesamtwerks auf moodle.unifr.ch (PDF; 15 MB); abgerufen am 28. September 2025.)
- Joch. In: Oscar Mothes (Hrsg.): Illustrirtes Bau-Lexikon. Band 3: H–P. Leipzig 1883, S. 127. (Digitalisat aus ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 28. September 2025.)
Einzelnachweise
<references />
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