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Einen Zahn zulegen

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(Weitergeleitet von Zacken zulegen)

Einen Zahn zulegen (auch: einen Zahn drauflegen, einen Zacken zulegen) ist eine Redewendung der deutschen Umgangssprache und bedeutet „die Geschwindigkeit steigern“.

Verwandte Redewendungen

Die Redewendung ist verwandt mit einen (großen, irren, tollen, ganz schönen) Zahn/Zacken draufhaben („sich mit sehr großer Geschwindigkeit fortbewegen“) und mit Komposita des Typs Mordszahn, Affenzahn („sehr große Geschwindigkeit“) und hat auch die verkürzten Formen zulegen, drauflegen („die Fahr- oder Marschgeschwindigkeit steigern, den Trab beschleunigen“) hervorgebracht.<ref name="pons">Heinz Küpper: Pons Wörterbuch der deutschen Umgangssprache, Klett-Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-12-570600-9, S. 21 („Affenzahn“), S. 174 („drauflegen“), S. 547 („Mordszahn“), S. 935 („Zacken“), S. 952 („zulegen“)</ref>

Herkunft und Entstehungszeit

In den einschlägigen Wörterbüchern wird der Zahn oder Zacken dieser Redewendungen als Zahn am Zahnkranz des Handgashebels eines Kraftfahrzeugs,<ref name="pons" /><ref>Lutz Mackensen: Zitate, Redensarten, Sprichwörter. Fackelverlag, Brugg / Stuttgart 1973, ISBN 3-87220-332-0, S. 228: „man denkt an die Zahnung, an der der Handgashebel entlangläuft“ (Nr. 3169 zu „einen Zahn drauflegen“, „einen Zahn zulegen“)</ref><ref>Heinz Küpper: Handliches Wörterbuch der deutschen Umgangssprache, Claassen, Hamburg/Düsseldorf 1968, S. 472: „Hergenommen von dem radial am Steuerrad angebrachten Handgashebel, der an der gezähnten Oberfläche eines Kreissegments entlanggeführt wurde; je mehr man sich der Grenze des Segments näherte, einen um so »tolleren Zahn« hatte man drauf“</ref><ref>Günther Drosdowski / Werner Scholze-Stubenrecht (Hrsg.), Der Duden. Bd. 11: Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten: Wörterbuch der deutschen Idiomatik. Dudenverlag, Mannheim u. a. 1992, ISBN 3-411-04111-0, S. 825 (s. v. „Einen Zahn draufhaben“): „Diese Wendung bezog sich ursprünglich wahrscheinlich auf die aus einem Zahnkranz bestehende Arretierung des Handgashebels im Auto, mit dem die Fahrgeschwindigkeit geregelt wurde.“</ref> vereinzelt auch als Zahn an der gezähnten Stange des Handgashebels älterer Jagdflugzeuge<ref name="krueger">Kurt Krüger-Lorenzen: Deutsche Redensarten und was dahinter steckt. Bd. 3: Der lachende Dritte. Econ-Verlag, Düsseldorf 1973, S. 237: „Der Hinweis auf das Zahnradgetriebe des Motors bringt uns einer richtigen Erklärung der Redensart zwar recht nahe, ursprünglich stammt diese Wendung jedoch aus der Fliegersrpache des Ersten Weltkrieges: In den kleinen primitiven Jagdmaschinen von 1914 hatte der Flugzeugführer, um Gas zu geben, eine auf der Unterseite mit Zähnen versehene Stange. Diese wurde durch eine einfache Feder in ihrer Halterung nach unten gedrückt und dadurch festgehalten. Schob man die Stange von sich weg nach vorn, so gab man mehr Gas, man legte »einen oder mehrere Zähne zu«. Bald nach dem Start, der mit Vollgas erfolgte, mußte ja zur Schonung des Motors eine leichte Drosselung durch »Zurücknahme des Gases« erfolgen. Wenn also ein Flugzeugführer – etwa im Luftkampf – mit Vollgas und dabei auch noch abwärts flog (die Maschine »drückte«), so kam es zu besonders hohen Geschwindigkeiten, und das Flugzeug hatte einen tollen Zahn drauf!“, wobei Krüger-Lorenzen letzteres auch auf das Getriebe des Motors bezieht.</ref> gedeutet.

Erstbelege sind in den Wörterbüchern nicht ausgewiesen. Als Entstehungszeit für drauflegen („die Geschwindigkeit steigern“) als aus einen Zahn drauflegen entstandene Kurzform werden die 1920er- und für Mordszahn („sehr hohe Fahrgeschwindigkeit“) die 1930er-Jahre angegeben.<ref name="pons" /> Bei der Herleitung aus der Handgasstange älterer Jagdflugzeuge wird die Entstehungszeit auch schon im Ersten Weltkrieg angenommen.<ref name="krueger" /> Literarisch greifbar werden sie seit den 1940er-Jahren, insbesondere mit Bezug auf Kraftfahrzeuge<ref>Hans Fallada: Kleiner Mann, großer Mann - alles vertauscht, oder Max Schreyvogels Lust und Last des Geldes. Rowohlt, Stuttgart u. a. 1940, S. 251: „Begeistert hiervon legte ich einen Zahn zu, der Tachometer zeigte auf die Zahl 35“.</ref> und Militärflugzeuge.<ref>Fritz von Forell: Mölders und seine Männer. Scherl, Berlin 1941, S. 101: „... denn er vergaß völlig das Schießen und brauste mit einem 'Affenzahn' durch das Rheintal davon.“ — Otto Paust (Hrsg., im Auftrag des Oberkommandos der Wehrmacht): Kameradschaft ist stärker als der Tod, Limpert, Berlin 1943, S. 246: „Im 'Affenzahn' steuert Bernd H. die He in steiler Kurve nach unten“. — Heinz Jacks: Zerstörer feindwärts: Kriegsfahrten zwischen Eismeer und Biscaya. Mittler, Berlin 1943, S. 140: „Hatte einen wüsten Zahn drauf, der schneidige Hund!“ — Heinz Pape: Panzerflieger über dem Balkan, Bertelsmann, Gütersloh 1943, S. 110: „Rosinski drückt die Maschine an, und mit einem Affenzahn geht's abwärts.“</ref>

Sonstiges

Datei:TopfMarksburg.jpg
Kochstelle mit Kräueln in der Marksburg
Datei:Pergkirchen-Oberösterreich-Dörfl-13-Steghammer.JPG
Wassergetriebener Schmiedehammer. Regulierung über Zahnstange (im Vordergrund)

Populärwissenschaftliche Erklärungen sehen die Herkunft bereits im Mittelalter und leiten sie aus der mit Krallen versehenen Stange eines Kesselhakens ab, eines sogenannten Kräuels, an dem das Tieferhängen des Kessels um eine Kralle (einen Zahn oder Zacken) nach unten die Kochhitze und hierdurch mittelbar auch die Kochgeschwindigkeit erhöht.<ref>Klaus Gorzny: Ruhrschlösser. Burgen, Schlösser und Adelssitze entlang der Ruhr. Verlag Piccolo, Marl 2002, ISBN 3-9801776-7-X, im Verzeichnis „Redewendungen aus mittelalterlichem Sprachgebrauch“ S. 172 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20101122080015

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Weblinks

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Einzelnachweise

<references />