Zum Inhalt springen

Wüste Mark

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Koordinaten: 52° 22′ 52″ N, 13° 9′ 45″ O

 {{#coordinates:52,381111111111|13,1625|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=DE-BB
   |type=landmark

}}

Datei:Wüstemark.jpg
Wüste Mark, Blick von Südwesten
Datei:Wüste Mark.jpg
Wüste Mark, aus 100 m Höhe, 360°

Die Wüste Mark ist eine 21,83 Hektar große Ackerfläche in der Parforceheide in Brandenburg und gehört zur Gemeinde Stahnsdorf. Bis 1988 war sie eine Exklave West-Berlins in der DDR.

Namensgebung

Der Name verweist auf eine Wüstung, also auf eine aufgegebene Siedlung. Die Benennung der Gerhardsdorfer Straße in Zehlendorf erfolgte unter Bezug auf einen Ort Gerhardsdorf, der sich im Mittelalter hier befunden haben soll.<ref>Gerhardsdorfer Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)</ref> Andere Quellen berichten jedoch von einem Gerhardsdorf in Wüstemark (heute: Zeuthen),<ref>Ein Ort mit Geschichte. In: Berliner Zeitung, 19. März 1997; über Wüstemark (heute: Zeuthen).</ref><ref>Korrespondenz-Blatt der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (1915).</ref> sodass – falls es keine Namensgleichheit gab – in einem der beiden Fälle eine Verwechslung vorliegen könnte.

Geschichte

Durch Ankauf mit dem sogenannten „Dauerwaldvertrag“ gelangte die Wüste Mark 1915 in Berliner Besitz und wurde als Exklave verwaltungsrechtlich der Gemeinde Wannsee zugeschlagen. Diese wurde dann 1920 insgesamt per Groß-Berlin-Gesetz zum Teil des Berliner Bezirks Zehlendorf.<ref>Falk-Rüdiger Wünsch: Berlin-Zehlendorf, alte Bilder erzählen. Sutton-Verlag, 2001, S. 7.</ref>

Besondere Bedeutung erlangte die Wüste Mark mit der deutschen Teilung, als sie bis zu einem Gebietsaustausch 1988 als Exklave innerhalb der DDR zu West-Berlin gehörte. Im Gegensatz zur benachbarten Exklave Steinstücken war die Wüste Mark unbewohnt und nicht eingezäunt oder von der Berliner Mauer umgeben. Nur Grenzgebietsschilder kennzeichneten sie als verbotenes Gebiet.<ref name="cs">Christian Simon: Berlin Grotesk. Die Mauer im absurden Alltag einer Millionenstadt. Christian Simon Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-936242-14-0, S. 57/58.</ref>

Im Jahr 1959 wurde das Gebiet von dem Zehlendorfer Landwirt und Genealogen Hans Erich Wendt (* 22. August 1915 in Wallmow; † 27. Februar 1988 in Potsdam)<ref name="wendt">Werner Heegewaldt: Das Uckermärkische Archiv von Hans Wendt. Ein Findbuch zum Nachlass Wendt im Brandenburgischen Landeshauptarchiv. In: Schriftenreihe der Stiftung Stoye. Band 44. Marburg an der Lahn 2007, S. 5, 6, 99 (genealogy.net [PDF]).</ref> gepachtet. Nach dem Mauerbau 1961 war damit zunächst Schluss, bis dem Landwirt 1965 durch die DDR-Regierung wieder Zugangsrecht zu seinem Feld eingeräumt wurde. Er bekam einen Sonderpassierschein der DDR-Behörden und durfte mit seinem Traktor über den Grenzübergang Dreilinden auf der Transitautobahn zu seinem Acker fahren.<ref name="cs" /><ref>Hoffnung für Steinstücken. In: Die Zeit, Nr. 45/1971.</ref> Seit dem Gebietsaustausch im Jahr 1988,<ref name="Spiegel.13/1988">Honecker 2 × klingeln. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1988, S. 89 f. (online).</ref> bei dem West-Berlin unter anderem das Lenné-Dreieck erhielt, gehört die Fläche zu Stahnsdorf. Dieser Tausch erfolgte ohne Wendts Wissen, der kurze Zeit später bei einem Aufenthalt in Potsdam<ref name="wendt" /> an einem Herzinfarkt verstarb.<ref name="Spiegel.13/1988" />

Einzelnachweise

<references />