Wolfram(VI)-oxid
Wolfram(VI)-oxid, auch Wolframtrioxid (WO3), stellt das wichtigste Oxid des Wolframs dar.
Vorkommen
Wolfram(VI)-oxid kommt in der Natur ohne und mit Kristallwasser in Form der Minerale
- Liguowuit (WO3)
- Hydrokenoelsmoreit (☐2W2O6(H2O)), Hydroplumboelsmoreit ((Pb☐)(W1.33Fe3+0.67)O6(H2O)) und Hydroxykenoelsmoreit ((☐,Pb)2(W,Fe3+,Al)2(O,OH)6(OH)) als Wolfram(VI)-oxid-Halbhydrate
- Tungstit (WO3·H2O) als Wolfram(VI)-oxid-Monohydrat
- Meymacit (WO3·2H2O) als Wolfram(VI)-oxid-Dihydrat
vor.<ref>Vorlage:IMA-Liste</ref>
Herstellung
Die Gewinnung von Wolframtrioxid erfolgt durch Glühen von Wolfram oder Wolframverbindungen unter Luftzutritt.
Es kann auch durch Reaktion von Natriumwolframat-Dihydrat mit Salzsäure dargestellt werden.<ref name="brauer">Georg Brauer (Hrsg.) u. a.: Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie. 3., umgearbeitete Auflage. Band III, Ferdinand Enke, Stuttgart 1981, ISBN 3-432-87823-0, S. 1566.</ref>
- <math>\mathrm{Na_2WO_4 + 2 \ HCl \longrightarrow WO_3 + H_2O + 2 \ NaCl}</math>
Eigenschaften
Wolfram(VI)-oxid ist ein bei Raumtemperatur intensiv gelb gefärbtes, beim Erwärmen orangefarbenes Kristallpulver. Wolframtrioxid ist in Wasser und Säuren völlig unlöslich, kann aber mit Wasser zu Wolframsäure reagieren. Mit Laugen reagiert es zu Wolframaten.
Die Kristallstruktur von WO3 besteht aus WO6-Oktaedern, die in den drei Raumrichtungen über gemeinsame Ecken miteinander verbunden sind. Wie in der Abbildung zu sehen ist, können diese Oktaeder gegeneinander verkippt sein. Dadurch treten bereits unter der Raumtemperatur drei Polymorphe, d. h. unterschiedliche Strukturen, auf. Dabei bleibt es erst bei niedriger Symmetrie und geht von monoklin über triklin wieder zu monoklin über.<ref name="Wriedt1989">H. A. Wriedt: The O-W (oxygen-tungsten) system. In: Bulletin of Alloy Phase Diagrams. 10, 1989, S. 368, Vorlage:DOI.</ref> Erst bei hohen Temperaturen geht es auch in eine orthorhombische und eine tetragonale Phase über.<ref name="Kleber1966">W. Kleber, M. Hahnert, R. Müller: WO3 - seine Züchtung und kristallographische Untersuchung. In: Zeitschrift für anorganische und allgemeine Chemie. 346, 1966, S. 113, Vorlage:DOI.</ref> Dabei unterscheiden sich vor allem die Positionen der Oxidionen geringfügig.
Verwendung
Wolframtrioxid wird in der Keramikindustrie als Kontakt sowie als Gelbpigment verwendet. Eine gewisse Bedeutung könnte WO3 bei der Herstellung ultradünner Oxidfilme erlangen, mit denen sich optische Linsen kratzfest beschichten lassen. Auch elektrochrome Verglasungen enthalten Wolframtrioxid.
Einzelnachweise
<references/>