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Tom Sello

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Tom Sello und Klaus Wowereit, 2009

Wolfram „Tom“ Sello (* 15. Oktober 1957 in Meißen) war von 2017 bis 2023 Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Zuvor arbeitete er als Projektleiter und Ausstellungskurator bei der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. In der DDR hatte er sich in verschiedenen oppositionellen Gruppen engagiert.

Leben

Tom Sello wuchs in Großenhain auf, sein Vater war Hutmachermeister, die Mutter half im privaten Handwerksbetrieb mit. Von 1974 bis 1977 absolvierte er in Riesa eine Berufsausbildung mit Abitur zum Baufacharbeiter. Danach wurde er als Wehrpflichtiger zur Nationalen Volksarmee (NVA) einberufen und anderthalb Jahre später als Soldat entlassen. Weil er sich nicht als Reservist der NVA verpflichten wollte, durfte er nicht studieren. So arbeitete er von 1979 bis 1981 als Maurer im Getränkekombinat Berlin, dann bis 1989 im SHB Möbel Berlin. Erst 1987 konnte er ein Fernstudium im Ingenieurbau beginnen.

Ab 1990 war er an Gründung und Aufbau des Matthias-Domaschk-Archivs in der Umwelt-Bibliothek Berlin beteiligt, das 1993 in die Trägerschaft der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. wechselte. Von 1993 bis 2017 war Sello Mitarbeiter der Robert-Havemann-Gesellschaft in den Bereichen Archiv, Öffentlichkeitsarbeit, politische Bildung und Forschung. 2007 übernahm er die Projektleitung „Friedliche Revolution“ (Ausstellung, Gedenkstelen, Veranstaltungen, Publikationen). 2009 kuratierte er die Ausstellung zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution auf dem Berliner Alexanderplatz.<ref>Open-Air-Ausstellung Friedliche Revolution 1989/90 Rückblick, gesichtet am 1. Juli 2011.</ref>

Sello ist Vater zweier Söhne aus erster Ehe, in zweiter Ehe verheiratet mit Petra Falkenberg und lebt in Berlin.

Oppositionelles Engagement während der SED-Diktatur

1980 begann Tom Sello in verschiedenen oppositionellen Friedens- und Ökologie-Gruppen mitzuarbeiten, darunter ab November 1987 in der Umwelt-Bibliothek. Zu Beginn der 1980er-Jahre war er an der Organisation von Fahrraddemonstrationen in Ost-Berlin beteiligt.<ref>Tom Sello protestiert auf einer Fahrraddemonstration gegen Luftverschmutzung und Umweltzerstörung Interview auf jugendopposition.de, gesichtet am 2. März 2017.</ref> 1982 verbreitete er mit Freunden Flugblätter gegen das neue Wehrdienstgesetz und die Militarisierung der Gesellschaft.<ref>Flugblatt gegen Wehrdienstgesetz auf jugendopposition.de, gesichtet am 2. März 2017.</ref><ref>einestages: Erich und die "Diskutierer", gesichtet am 22. Juni 2011.</ref> Gemeinsam mit anderen Oppositionellen bewohnte er die Fehrbelliner Straße 7.<ref>Fehrbelliner Straße 7, gesichtet am 1. Juli 2011.</ref> Die Stasi verfolgte ihn auch wegen blockübergreifender Kontakte zu niederländischen Friedensbewegten im Operativen Vorgang „Entwurf“.<ref>Erik de Graaf: De Stasi en de vredescontacten tussen Oost en West (Die Stasi und die Friedenskontakte zwischen Ost und West), in: VeeDee AMOK - Zeitschrift für Antimilitarismus und Wehrdienstverweigerung, Jg. 1 (1992), Nr. 2, ISSN 0927-3433.</ref> Ablehnungen von Reiseersuchen waren eine der Folgen.<ref>"Ungarn abgelehnt" sowie Endgültige Absage durch den der Leiter der Abteilung Pass- und Meldewesen, gesichtet am 1. Juli 2011.</ref> Von 1988 bis 1989 schrieb er für die Samisdat-Zeitschriften Umweltblätter und telegraph.<ref>Tom Sello im September 1989 auf dem Gelände der Berliner Zionsgemeinde mit diversen Samisdat-Publikationen, gesichtet am 1. Juli 2011.</ref> Während der Friedlichen Revolution in der DDR war er im Mai 1989 an der Aufdeckung der Fälschung der Kommunalwahlen und im Oktober 1989 an der Mahnwache an der Gethsemanekirche (Berlin) beteiligt. Im September 1990 beteiligte er sich an der Besetzung des Archivs, in dem die Akten des Ministeriums für Staatssicherheit lagerten und organisierte wiederum eine Mahnwache.<ref>"Im dritten Stock die Besetzer!" 4. September 2020, abgerufen am 8. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Diese Aktionen von Bürgerrechtlern trugen wesentlich dazu bei, dass vom SED-Staat Verfolgte ihre Stasi-Unterlagen lesen können und Forschungen über die Mechanismen der kommunistischen Diktatur möglich wurden.

Ehrenamtliches Engagement

Sello gehörte von 1998 bis 2010 dem Fachbeirat Archive und von 2010 bis 2017 dem Fachbeirat Gesellschaftliche Aufarbeitung/Opfer und Gedenken der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur an.<ref>Fachbeiräte | Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Abgerufen am 8. Juli 2025.</ref>

Seit 2015 ist er Mitglied des Historischen Beirats des Berliner Senators für Kultur.<ref>Historische Stadtmarkierungen. 5. Juni 2024, abgerufen am 8. Juli 2025.</ref>

2021 wurde er in den Beirat der Gedenkstätte Hohenschönhausen berufen.<ref>Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen: Beirat. Abgerufen am 8. Juli 2025.</ref>

Im Vorstand der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. wirkt er seit 2023<ref>Havemann Gesellschaft Berlin: Archiv der DDR-Opposition. Abgerufen am 8. Juli 2025.</ref> mit und im Vorstand des Fördervereins Campus für Demokratie e.V. seit 2024.<ref>Impressum – Campus für Demokratie. Abgerufen am 8. Juli 2025.</ref>

Er machte sich besonders für die Weiterentwicklung des Campus für Demokratie im Areal der früheren Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg stark. Außerdem setzt er sich für die Umsetzung eines Forum Opposition und Widerstand (1945–1990) auf dem Campus für Demokratie ein.<ref>Er hat mir ober er hat mich auf den Juß getreten? In: Allerhand Sprachdummheiten. De Gruyter, Berlin, Boston 31. Dezember 1917, S. 190–191, doi:10.1515/9783111551500-122.</ref>

Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

2017 wurde Sello zum Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur des Landes Berlin gewählt und hatte das Amt bis 2023 inne.<ref>Pressemitteilung des Berliner Senats zur Wahl Sellos, gesichtet am 12. Dezember 2017.</ref>

Ehrungen

Publikationen

  • mit Gerold Hildebrand: Gegen die Verdrängung im eigenen Kopf. Ein heiteres Schlachten alter Tabus anlässlich des 5. Jahrestages der großen nichtsozialistischen Oktoberrevolution (Wende). Reader zur Oppositionskonferenz vom 5. November 1994 im Haus der Demokratie. Robert-Havemann-Gesellschaft, Berlin 1995.
  • mit Ilko-Sascha Kowalczuk (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition und Widerstand in Biographien und Fotos. Robert-Havemann-Gesellschaft, Berlin 2006, ISBN 3-938857-02-1.
  • mit Matthias Buchholz, Walter Schmitz & Andreas Schönfelder (Hg.): Samisdat in Mitteleuropa. Thelem, Dresden 2007.
  • „Wir sind das Volk!“ Magazin zur Ausstellung Friedliche Revolution 1989/90. Berlin: Kulturprojekte Berlin GmbH, Berlin 2009.
  • Jugendopposition in der DDR. Berlin 2010 (DVD)
  • mit Antonia Kausch (Hrsg.): Gesichter der friedlichen Revolution. Fotografien von Dirk Vogel. Mit einem Essay von Claudia Rusch. Robert-Havemann-Gesellschaft, Berlin 2011, ISBN 978-3-938857-10-6

Literatur

Weblinks

Commons: Tom Sello – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Interviews

Einzelnachweise

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