Bewimperter Mannsschild
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| Bewimperter Mannsschild | ||||||||||||
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| Datei:Androsace chamaejasme Rax dob.jpg
Wimper-Mannsschild (Androsace chamaejasme) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Androsace chamaejasme | ||||||||||||
| Wulfen |
Der Bewimperte Mannsschild (Androsace chamaejasme), auch Wimper-Mannsschild<ref name="FloraWeb" />, Zwerg-Mannsschild oder Haariger Mannsschild genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Mannsschild (Androsace) in der Familie der Primelgewächse (Primulaceae).<ref name="Ferguson1972" />
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Bewimperte Mannsschild wächst lockerrasig als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze<ref name="Ferguson1972" /> und erreicht Wuchshöhen von 2 bis 7, selten bis zu 10 Zentimetern.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /> Der Blattrand, Stängel, Tragblätter und der Kelch sind mit abstehenden zottigen, einfachen (bis zu 2 Millimeter langen) Haaren und kurzen Drüsenhaaren besetzt (Indument).<ref name="FloraWeb" />
Die Laubblätter stehen in grundständigen, flach ausgebreiteten Blattrosetten zusammen. Die einfachen, ganzrandigen Laubblätter sind bei einer Länge von 5 bis 15 Millimetern sowie einer Breite von 2 bis 4 Millimetern lanzettlich und auf den Blattflächen fast kahl.<ref name="FloraWeb" /> Der Blattrand ist lang bewimpert.<ref name="InfoFlora" />
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Auf einem langen Blütenstandsschaft stehen wenige (zwei bis acht) Blüten in einem endständigen, doldigen Blütenstand zusammen. Die Blütenstiele sind 2 bis 7 Millimeter lang.<ref name="InfoFlora" />
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle.<ref name="FloraWeb" /> Die fünf Kelchblätter sind bis zur Hälfte ihrer Länge glockig verwachsen. Die Blütenkrone besitzt einen Durchmesser von 5 bis 10 Millimetern und ist weiß und später rötlich mit gelbem Schlund und meist gerundeten Kronzipfeln.<ref name="InfoFlora" />
Die Kapselfrucht ist 2,5 bis 3,5 Millimeter lang.<ref name="InfoFlora" /> Sie enthält nur sehr wenige 2 bis 3 Millimeter lange Samen.<ref name="Hegi1966" />
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 10; es liegt Diploidie vor mit einer Chromosomenzahl von 2n = 20.<ref name="Oberdorfer2001" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="Ferguson1972" />
Ökologie
Beim Bewimperten Mannsschild handelt es sich um einen Chamaephyten.<ref name="FloraWeb" /> Der Bewimperte Mannsschild ist ausgesprochen wind- und kälteresistent und kann mit grünen Blättern und ausgebildeten Blütenknospen auf schneefrei geblasenen Graten Temperaturen von −38 °C und Windstärken von 40 Meter pro Sekunde (= 144 km/h) überleben.
Nektar wird nur bei günstigem Wetter abgesondert. Nach der Bestäubung wechselt die Blütenfarbe: Die gelben Saftmale werden karminrot, die weißen Kronenzipfel verfärben sich rosenrötlich; ein Blütenbesuch lohnt sich für Insekten dann nicht mehr. Die kurze Kronröhre des Bewimperten Mannsschildes ist Fliegen zugänglich.
Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet von Androsace chamaejasme umfasst die meisten Hochgebirge der Holarktis: die Alpen, die Pyrenäen, die Karpaten und Gebirge Nordasiens sowie Nordamerikas. In Colorado und Wyoming existiert die seltene Unterart Androsace chamaejasme subsp. carinata <templatestyles src="Person/styles.css" />(Torr.) Hultén.
Der Verbreitungsschwerpunkt des Bewimperten Mannsschildes in Mitteleuropa liegt eindeutig in den Nordalpen. In den Nördlichen Kalkalpen kommt er zerstreut und örtlich in lockeren Beständen vor; in den Zentralalpen sowie in den Nordteilen der mittleren und östlichen Südalpen ist er selten.<ref name="Aichele2000" />
Der Bewimperte Mannsschild bevorzugt in Mitteleuropa Höhenlagen von 1600 bis 3000 Metern.<ref name="Aichele2000" /> In einzelnen Fällen wie in den Allgäuer Alpen in Hinterstein kommt er auch in einer Höhenlage von 850 Meter vor.<ref name="Dörr-Lippert2004" /> Am Eisbach am Königssee kommt er in 604 Meter Höhe vor und erreicht in der Schweiz am Gornergrat 3000 Meter.<ref name="Hegi1966" /> Der Bewimperte Mannsschild gedeiht am besten auf kalkhaltigen bis kalkreichen, stickstoffarmen, ausgesprochen humosen, steinig-lockeren Lehmböden.<ref name="Aichele2000" /> Er besiedelt ruhenden Grobschutt und steinige alpine Rasen, er geht aber auch in humusverfüllte Felsspalten und auf windgefegte, im Winter oft schneearme oder schneefreie Grate und Platten.<ref name="Aichele2000" /><ref name="Hegi1966" />
Der Bewimperte Mannsschild ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Seslerion.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die Art ist in Deutschland durch die BArtSchV besonders geschützt.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 5 (basisch), Temperaturzahl T = 1+ (unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Taxonomie
Die Erstveröffentlichung von Androsace chamaejasme erfolgte 1787 durch Franz Xaver Freiherr von Wulfen in Nicolaus Joseph von Jacquin: Collectanea, 1, Seite 194.<ref name="Tropicos" /><ref name="Euro+Med" /> Das Artepitheton chamaejasme: bedeutet „zwergjasmin-artig“. Homonyme von Androsace chamaejasme <templatestyles src="Person/styles.css" />Wulfen ex Jacq. sind: Androsace chamaejasme <templatestyles src="Person/styles.css" />Wulfen ex Host, Androsace chamaejasme <templatestyles src="Person/styles.css" />M.Bieb.<ref name="Tropicos" /> Synonyme sind für Androsace chamaejasme <templatestyles src="Person/styles.css" />Wulfen sind: Androsace bungeana <templatestyles src="Person/styles.css" />Schischk. & Bobrov, Androsace villosa subsp. chamaejasme <templatestyles src="Person/styles.css" />(Wulfen) Rouy.<ref name="Euro+Med" />
Literatur
- Elfrune Wendelberger: Alpenpflanzen. Blumen, Gräser, Zwergsträucher. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main u. a. 1984, ISBN 3-7632-2975-2.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Tropicos"> Androsace chamaejasme bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="FloraWeb"> Androsace chamaejasme Wulfen, Wimper-Mannsschild. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Androsace chamaejasme Wulfen In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Aichele2000"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Euro+Med"> K. Marhold, 2011: Primulaceae.: Datenblatt In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1. </ref> <ref name="Ferguson1972"> Ian Keith Ferguson: Androsace L., S. 20–23. In: Thomas Gaskell Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Band 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge, 1972, ISBN 0-521-08489-X. eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. </ref> <ref name="Hegi1966">Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3, Seite 1802–1804. Verlag Carl Hanser, München 1966.</ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Androsace. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 618.</ref> </references>
Weblinks
- Vorlage:BIB
- Bewimperter Mannsschild. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Thomas Meyer: Mannsschild Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben.)
- Gerhard Nitter: Steckbrief mit Fotos.
- Günther Blaich: Datenblatt mit Fotos.
- Datenblatt mit Verbreitung in Frankreich bei Tela Botanica.
- Literatur zu Androsace chamaejasme in den Kew Bibliographic Databases. (englisch)