Donaudurchbruch bei Weltenburg
Die Weltenburger Enge, auch Donaudurchbruch bei Weltenburg genannt, ist eine etwa 5,5 Kilometer lange Engstelle des Donautals zwischen Kelheim und dem Kloster Weltenburg. Das Geotop liegt entlang der Donau im niederbayerischen Landkreis Kelheim und in der südlichen Frankenalb.
Der bayerische König Ludwig I. stellte die Weltenburger Enge schon 1840 unter Naturschutz. 1938 wurde das 559 Hektar große Naturschutzgebiet Weltenburger Enge eingerichtet, das im Oktober 2022 mit dem 375 Hektar großen Naturschutzgebiet Hirschberg und Altmühlleiten vereinigt wurde. Seit März 2020 ist ein 197 Hektar großes Kerngebiet als Nationales Naturmonument ausgewiesen.
Beschreibung
Geologisch gehört die Weltenburger Enge zum Oberjura (Kalkstein), also der fossilreichsten Formation Deutschlands, die vor etwa 150 Millionen Jahren abgelagert wurde, als das Gebiet noch ein flaches Meer war.
Das Durchbruchstal wird von bis zu 80 Meter hohen Felswänden begrenzt, in denen zahlreiche kleinere Höhlen liegen. Zwischen der sogenannten Stillen Wand und der Langen Wand verengt sich der Strom bis auf 110 Meter und erreicht eine Wassertiefe von 20 Meter.
Die Kalkstein-Formationen tragen phantasiereiche Namen wie Die drei feindlichen Brüder, Räuberfelsen, Kuchelfelsen, Versteinerte Jungfrau, Bayerischer Löwe, Bischofsmütze, Zwei Sich-Küssende, Römerfelsen, Peter und Paul, Bienenhaus (ein Stein mit Höhlungen wie Bienenwaben), Napoleons Reisekoffer (den er nach einer Sage beim Rückzug vergessen haben soll).
Im Gegensatz zu der enormen Wassertiefe an der Stelle des eigentlichen Durchbruchs befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Kelheim und Weltenburg ein wenig auffälliger Bereich, die sogenannte Wipfelsfurt. Hier ist die seichteste Stelle der Donau zwischen Ingolstadt und Regensburg. Das Gebiet entstand möglicherweise als Folge eines Meteoriteneinschlags beim Ries-Ereignis vor 15 Millionen Jahren.
Durch das Tal führt keine Straße. In der Sommersaison wird es regelmäßig von Ausflugsschiffen durchfahren.
-
Die Lange Wand, der gefährlichste Durchbruchsfels, mit eingelassenen Ringen
-
Schutzpatron St. Nepomuk in der Langen Wand
Entstehung
Die Bezeichnung „Donaudurchbruch bei Weltenburg“ für die Weltenburger Enge trifft nicht ganz zu, da das Tal im Eiszeitalter nicht von der Donau, sondern von einem ihrer Nebenflüsse bis knapp über das heutige Talniveau antezedent eingeschnitten worden ist. Als Urheber des Durchbruchs wurde der sogenannte Urlech vermutet<ref>https://www.donaudurchbruch.org/entstehung_geologie.html</ref>. Diese These<ref>Graul, H.: Zur Morphologie der Ingolstädter Ausräumungslandschaft. Forsch. z. dt. Landeskunde, 43/1943</ref> wurde jedoch später korrigiert. Demnach war der Lech stets ein Donauzufluss westlich der Neuburger Enge, während ein von dort nach Osten fließender Nebenfluss der Donau, der sogenannte Neuburger Fluss, den Durchbruch an der Weltenburger Enge geschaffen hatte und so den heutigen Donauverlauf vorwegnahm<ref>Schaefer, Ingo: Der Talknoten von Donau und Lech. In: Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in München. Dr. Hans Fehn (Hrsg.). 51. Band 1966.</ref>.
Das ursprüngliche Tal der Donau war das heutige untere Altmühltal. Erst in der vorletzten Kaltzeit, der Riß-Kaltzeit vor etwa 150.000 Jahren, änderte die ursprünglich weiter nördlich entlang der Linie Wellheim – Dollnstein – Eichstätt – Beilngries – Riedenburg fließende Urdonau („Altmühldonau“) ihren Lauf und nutzte nunmehr auch die Rinne der schon bestehenden Weltenburger Enge.
Die Donau war hier also größtenteils nicht selbst am Werk, im Gegensatz zum Donaudurchbruch bei Beuron nahe Sigmaringen in Baden-Württemberg. Bei der Untersuchung der Schotterterrassen stellte man fest, dass sie hier nur die untersten 10–15 Meter ausschürfte, während der Neuburger Fluss vorher schon ein Tal von 180 Meter Tiefe eingegraben hatte.
Naturschutzgebiet und Geotop
Naturschutz 1840
Im Jahr 1840 verfügte König Ludwig I. die Erhaltung der Weltenburger Enge, um sie vor einer Zerstörung durch Steinbruchbetriebe zu schützen.<ref>Bayerisches Landesamt für Umwelt: Geotope und Geotopschutz: Historisches</ref> Die Weltenburger Enge wurde damals das erste Naturschutzgebiet Bayerns.<ref name="Bayerns schönste Geotope Nr. 13">Bayerisches Landesamt für Umwelt: Bayerns schönste Geotope, Nr. 13: Weltenburger Enge.</ref>
Naturschutzgebiet Weltenburger Enge (1938–2022)
Seit 1938 bestand hier das 559 Hektar große Naturschutzgebiet „Weltenburger Enge“ (WDPA-ID 6977).<ref name="protectedplanet.net Nr. 6977">Angaben zum Naturschutzgebiet Weltenburger Enge von 1938 bei protectedplanet.net.</ref> Durch Landesverordnung vom 14. Mai 1970 ließ das Bayerische Staatsministerium des Innern dieses Gebiet in das Landesnaturschutzbuch eintragen (Katasternummer NSG200.002)<ref>Bayerisches Staatsministerium Umwelt und Gesundheit: NSG200.002 Naturschutzgebiet Weltenburger Enge (archivierte Webseite).</ref> und stellte es damit erneut unter Naturschutz.<ref name="Verordnung 1970" /> Zur Größe wurde in der Verordnung angegeben: Gesamtlänge 4,6 km, durchschnittliche Gesamtbreite 1,5 km; Fläche etwa 560 Hektar<ref name="Verordnung 1970">Landesverordnung Naturschutzgebiet „Weltenburger Enge“ vom 14. Mai 1970. In: Bayerisches Gesetz- und Verordnungsblatt 14/1970, S. 250 (PDF; 81 KB).</ref> (was allerdings nicht mit 4,6 km × 1,5 km übereinstimmt).
Das Naturschutzgebiet Weltenburger Enge war ein Schutzgebiet der IUCN-Kategorie IV („Biotop-/Artenschutzgebiet“).<ref name="protectedplanet.net Nr. 6977" /> Am 5. März 1978 wurde es mit dem Europadiplom ausgezeichnet. Im Oktober 2022 wurde es mit dem 375 Hektar großen Naturschutzgebiet Hirschberg und Altmühlleiten (ebenfalls IUCN-Kategorie IV) zum Naturschutzgebiet „Weltenburger Enge, Hirschberg und Altmühlleiten“ zusammengelegt und damit aufgehoben (siehe unten).
Geotop
Die Weltenburger Enge wird vom Bayerischen Landesamt für Umwelt auch als Geotop geführt (Geotop-Nr. 273R005). Das Geotop ist laut dem Landesamt 5,5 Kilometer lang und 400 Meter breit, was einer Fläche von 220 Hektar entspricht.<ref>Bayerisches Landesamt für Umwelt: Geotop Weltenburger Enge (PDF; 188 kB).</ref> Im Jahr 2002 wurde es vom Bayerischen Umweltministerium mit dem offiziellen Gütesiegel „Bayerns schönste Geotope“ ausgezeichnet.<ref name="Bayerns schönste Geotope Nr. 13" /> Im Jahr 2006 erfolgte die Aufnahme in die Liste der 77 ausgezeichneten Nationalen Geotope Deutschlands.<ref>Ulrich Lagally: Piratenstück eines Flusses - Die Weltenburger Enge bei Kelheim im Donautal. In: Ernst-Rüdiger Look, Ludger Feldmann (Hrsg.): Faszination Geologie. Die bedeutende Geotope Deutschlands. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2006, ISBN 3-510-65219-3, S. 159 f.</ref>
Nationales Naturmonument (seit 2020)
Durch Verordnung der bayerischen Staatsregierung vom 11. Februar 2020,<ref>Verordnung über das Nationale Naturmonument Weltenburger Enge vom 11. Februar 2020 auf der Plattform Bayern.Recht.</ref> die am 1. März 2020 in Kraft trat, wurde ein 197 Hektar großes Gebiet als Nationales Naturmonument „Weltenburger Enge“ ausgewiesen.<ref>Nationales Naturmonument: Weltenburger Enge Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz.</ref> Es ist ein Schutzgebiet der IUCN-Kategorie III (WDPA-ID 555701532<ref>Weltenburger Enge, auf protectedplanet.net</ref>). Der Landschaftspflegeverband Kelheim VöF war in die Ausarbeitung eines Konzepts für das Nationale Naturmonument eingebunden.<ref>Landschaftspflegeverband Kelheim VöF: Naturschutzgebiet Weltenburger Enge (Projekt: Gebietsbetreuung Weltenburger Enge).</ref>
Naturschutzgebiet „Weltenburger Enge, Hirschberg und Altmühlleiten“ (seit 2022)
Die Weltenburger Enge ist Teil des 934 Hektar großen FFH-Gebiets „‚Weltenburger Enge‘ und ‚Hirschberg und Altmühlleiten‘“, das im April 2016 eingerichtet wurde (WDPA-ID 555521823<ref>'Weltenburger Enge' und 'Hirschberg und Altmühlleiten', auf protectedplanet.net</ref>). Es zählt zu den Natura-2000-Gebieten (Natura-2000-Gebiet Nr. 7136-301).<ref>Natura-2000-Gebiet „‚Weltenburger Enge‘ und ‚Hirschberg und Altmühlleiten‘“ Bundesamt für Naturschutz.</ref><ref>Natura 2000, Standard Data Form: „Weltenburger Enge“ und „Hirschberg und Altmühlleiten“.</ref>
In der Folge wurden die Naturschutzgebiete „Weltenburger Enge“ und „Hirschberg und Altmühlleiten“ durch Verordnung am 21. Oktober 2022 zum 934 Hektar großen Naturschutzgebiet „Weltenburger Enge, Hirschberg und Altmühlleiten“ zusammengelegt, Kennung: NSG-00759 (200.080).<ref>Regierung von Niederbayern: Naturschutzgebiete, siehe Abschnitt Naturschutzgebiets-Verordnungen, dort NSG-00759 (200.080) Weltenburger Enge, Hirschberg und Altmühlleiten.</ref> Zugleich wurden die beiden vormals separaten Naturschutzgebiete „Weltenburger Enge“ und „Hirschberg und Altmühlleiten“ aufgehoben.<ref>Regierung von Niederbayern: Naturschutzgebiete, siehe Abschnitt Naturschutzgebiets-Verordnungen, Unterpunkt Aufgehobene NSG-Verordnungen, dort 200.002 (Weltenburger Enge) und 200.069 (Hirschberg und Altmühlleiten), jeweils mit dem Hinweis auf die Überführung in das aktuelle Naturschutzgebiet „Weltenburger Enge, Hirschberg und Altmühlleiten“.</ref>
Konflikt mit dem Tourismus
Im März 2022 wurde berichtet, dass ein Gutachten für den Europarat (der das Naturschutzgebiet Weltenburger Enge mit dem Europadiplom ausgezeichnet hatte) eine Verbesserung des Naturschutzes in dem Gebiet forderte. Das Gebiet werde in der warmen Jahreszeit oft von tausenden Touristen am Tag überrannt. Viele von ihnen befuhren die Donau: in den Ausflugsschiffen, in den Zillen, die beim Kloster Weltenburg als Fähren eingesetzt werden, teils auch mit eigenen Schlauchbooten oder Kanus. Konkret forderte das Gutachten die Sperrung des rechten Donauufers für Wanderer, Spaziergänger, Paddler und Angler, ein Betretungsverbot in Abschnitten des linken Donauufers und Beschränkungen für die Schifffahrt.<ref>Naturschutzgebiet: „Bei schönem Wetter wird die Weltenburger Enge regelrecht überrannt“ sueddeutsche.de, 24. März 2022.</ref>
Das Gutachten entsprach den Forderungen der Umweltverbände. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern, der Bund Naturschutz und der Landesfischereiverband Bayern reichten im September 2022 Klage gegen die Schifffahrt in der Weltenburger Enge ein. Es seien zu viele Schiffe und ihre Geschwindigkeit sei zu hoch. Die Genehmigung von bis zu 2950 Passagierschifffahrten zwischen Kelheim und Kloster Weltenburg pro Sommerhalbjahr sei mit dem Naturschutz nicht vereinbar.<ref>Naturschutz: Klage gegen Schifffahrt in der Weltenburger Enge sueddeutsche.de, 25. September 2022.</ref> Die Klagen waren im März 2023 noch anhängig.<ref>Klagen gegen Kelheims Schifffahrt: Heuer noch keine Entscheidung mittelbayerische.de, 10. März 2023.</ref>
Sehenswürdigkeiten der Umgebung
Durch das Gebiet führen neben bekannten Fernwanderwegen wie dem Jakobsweg, dem Jurasteig und Altmühltal-Panoramaweg auch zahlreiche lokale Wanderwege von Kelheim zum Kloster Weltenburg.
Nordöstlich des Durchbruchs erhebt sich auf dem Michelsberg die Befreiungshalle.
Stromabwärts vor Kelheim befindet sich das Klösterl, ein auf eine Einsiedelei von 1450 zurückgehendes ehemaliges Kloster, dessen 1603 neu erbaute Höhlenkirche mit natürlichem Felsdach im Inneren eine Besonderheit unter den europäischen Felsenkirchen darstellt. Seine Fresken sind stark beschädigt.
Südwestlich der Abtei Weltenburg liegen die Reste des Römerkastells Abusina in Eining, das den am gegenüberliegenden Ufer endenden Obergermanisch-Raetischen Limes sicherte.
{{#if: {{#iferror:{{#ifexpr:{{#switch: | R+ = abs | R- = -abs | Z = trunc | Z+ | N = abs trunc
| Z- = -abs trunc}}(780) = (780) {{#if: | round ({{{3}}}) }} | 1 }} }}|
|
}}{{#if:|}}{{#if:|}}
Siehe auch
Weblinks
|X|x= |0|-= |S|s= – Sammlung von Bildern |1|= – Sammlung von Bildern{{#if:
| {{#switch: {{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}/{{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}
|1/= und Videos
|1/1=, Videos und Audiodateien
|/1= und Audiodateien}}
| , Videos und Audiodateien
}}
|#default= – }}{{#if: Naturschutzgebiet Weltenburger Enge
| {{#ifeq: {{#invoke:Str|left|naturschutzgebiet weltenburger enge|9}}
| category:
| FEHLER: Ohne Category: angeben!}}}}Vorlage:Wikidata-Registrierung
- Weltenburger Enge als eines von Bayerns 100 schönsten Geotopen, Bayerisches Landesamt für Umwelt
- Donaudurchbruch – Weltenburger Enge Website von Thomas Weber
- Managementpläne für das FFH-Gebiet 7136-301 „Weltenburger Enge und Hirschberg und Altmühlleiten“ der Regierung von Niederbayern beim LfU, zuletzt abgerufen am 10. April 2026.
- Karte des Naturschutzgebiets Weltenburger Enge, Hirschberg und Altmühlleiten bei OpenStreetMap
Einzelnachweise
<references responsive />
Vorlage:Navigationsleiste Naturschutzgebiete im Landkreis Kelheim
- Wikipedia:Maximale Seitengröße durch Vorlageneinbindungen überschritten
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Schwesterprojekt
- Naturschutzgebiet im Landkreis Kelheim
- Durchbruchstal
- Tal in Bayern
- Tal in Europa
- Geographie (Kelheim)
- Geographie (Donau)
- Geotop im Landkreis Kelheim
- Nationaler Geotop
- Natura-2000-Gebiet
- Schutzgebiet (Umwelt- und Naturschutz) in Europa
- Europäisches Diplom für geschützte Gebiete
- Schutzgebietsgründung 2020