Weitolshausen genannt Schrautenbach
Die Familie Schrautenbach, seit 1515 von Weitolshausen genannt Schrautenbach (auch Weitholtshausen, Weitelshausen oder Weitolzhausen) ist eine zum Ende des 15. Jahrhunderts aus Würzburg über Heidelberg bzw. Aschaffenburg in die Landgrafschaft Hessen eingewanderte, später freiherrliche Adelsfamilie bürgerlichen Ursprungs. Im 16. und 17. Jahrhundert zählte sie zum Kanton Odenwald des Ritterkreises Franken.<ref>Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der Deutschen Länder</ref>
Geschichte
Das Geschlecht Weitolshausen auch Waigolshausen genannt Schrautenbach ist von bürgerlichem Herkommen und avancierte durch Fürstendienst in den Niederadel.<ref>Cord Ulrichs: Vom Lehnhof zur Reichsritterschaft. Strukturen des fränkischen Niederadels am Übergang vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit (= Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte – Beihefte. Band 134). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-07109-1, S. 75, 77.</ref> Auf dem Mühlhäuser Schiedstag 1509 verwies die althessische Ritterschaft auf die geringe Herkunft des fürstlich hessischen Rats Balthasar Schrautenbach, der seinen gesellschaftlichen Aufstieg allein fürstlicher Gnade verdanke.<ref>Ludwig Zimmermann: Der hessische Territorialstaat im Jahrhundert der Reformation (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck. Band 17.1). Elwert, Marburg an der Lahn 1933, OCLC 310515, S. 33.</ref>
Die Schrautenbach gen. Weitolshausen waren von der Wetterau bis in den Odenwald und in das Mainzische Gebiet um den Bachgau und Aschaffenburg begütert. Die 1356 erbaute Badenburg bei Gießen, ursprünglich ein Lehen der hessischen Landgrafen und der Grafen von Nassau-Saarbrücken-Weilburg, ging 1523/24 in den Besitz der Familie über,<ref>Urkunden vom 17. November 1523 und 20. April 1524; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, (Bestand 121 Lehnsarchive, Schrautenbach, U 1523 November 17 und U 1524 April 20); vgl. Urkunde der Landgräfin Elisabeth Dorothea von Hessen-Darmstadt vom 1681; Stadtarchiv Worms (001A Reichsstädtisches Archiv, 1 A II Urkunden, Nr. 191).</ref> wo sie für über zwei Jahrhunderte verblieb. „Unter dem als ‚General‘ bekannt gewordenen Ludwig Balthasar von Weitolshausen gen. Schrautenbach (1654–1738) erlebte die Burg einen gewissen Höhepunkt.
Allerdings schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts oder am Anfang des 18. Jahrhunderts wurde sie in zwei Besitzhälften aufgeteilt. Einer der Besitzer, Junker Ernst Gottfried Balthasar, trug durch seine Misswirtschaft zum schnellen Niedergang der Burg bei. Er zerstörte in kürzester Zeit seinen Anteil am Burgsitz, indem er alles, was irgendeinen Wert besaß, abbrechen ließ und verkaufte. Auf diese Weise, nicht durch kriegerische Einwirkung, entstand die Ruine.“Vorlage:": Ungültiger Wert: ref=
Weitere Besitztümer
1522 belehnte Landgraf Philipp von Hessen seinen Rat, Balthasar von Weitolshausen gen. Schrautenbach, als Belohnung für geleistete Dienste mit dem Dorf Rodau im Odenwald. Anfang des 17. Jahrhunderts ließen sie sich im Dorf das erhaltene, aber stark überbaute, Herrenhaus eines Rittergutes erbauen. Landgraf Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt veranlasste 1671 die Schrautenbachs, ihren Besitz in Rodau samt ihren Rechten betreffend Frondiensten, Jagd, Fischerei, Wald und Weide gegen das Hofgut in Gundernhausen einzutauschen.<ref>Rodau im Odenwald: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rodauer Hofgut ( des Vorlage:IconExternal vom 10. Oktober 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref><ref>Roßdorf: Geschichte Ortsteil Gundernhausen</ref>
Von der Mitte des 16. bis Mitte des 17. Jahrhunderts waren die Herren von Weitolshausen gen. Schrautenbach (nach Rietstap Weitelshausen di Schraudenbach benannt) Besitzer des Schrautenbach’schen Hofes in Umstadt. Sie bekamen den Hof vom Landgrafen von Hessen als freien Besitz, alle Güter in der Gemarkung blieben aber Lehen.
1696 kaufte Ludwig Balthasar von Schrautenbach-Weitolshausen ein Rittergut bzw. einen Adelshof in Ginsheim am Rhein, welches sich vorher als landgräflich Hessen-Darmstädtisches Lehen im Besitz von Ludwig Philipp von Geismar befand,<ref>HStAD, R 21 C 1 NACHWEIS (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/showArchivalDescriptionDetails.action?archivalDescriptionId=407436&executionId=ozoDKTpEJU) </ref> wo die Familie bereits seit mindestens 1526 vorher schon Besitztümer, vornehmlich auf den Ginsheimer Rheinauen, hatte.<ref>HStAD, E 12, 294/11 (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/showArchivalDescriptionDetails.action?archivalDescriptionId=5373360&executionId=ozoDKTpEJU)</ref> Das Hofgut wurde 1744 aufgrund von Geldmangels von Carl Ernst von Weitolshausen gen. Schrautenbach zurück an den Landgrafen verkauft.<ref>HStAD R 21 C1 NACHWEIS (https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/showArchivalDescriptionDetails.action?archivalDescriptionId=918909&executionId=MHNt7nGYOk)</ref>
Carl Ernst von Weitolshausen gen. Schrautenbach (1691–1750), Mitherr der Ganerbschaft Lindheim, verpachtete Schloss Lindheim 1736 an Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine, die hier ein Theologisches Seminar einrichtete. Seit dem Tod des Vaters 1738 lebte er in Herrnhut und kaufte 1748 von Freifrau Henriette Benigna Justina von Watteville die Güter Trebus, Spreehammer und Stannewisch für 45.000 Rtlr.<ref name="Hessische Biografie02">Weitolshausen gen. Schrautenbach, Carl Ernst Balthasar von. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref> Sein Sohn verkaufte die oberlausitzischen Güter bereits 1750 nach dem Tod des Vaters an Günther Urban Anton von Lüdecke.
1784 erhielt die Familie von Weitolshausen gen. Schrautenbach den Kammerhof in Leeheim als hessisches Lehen. Sie hatte den Hof allerdings nur ganz kurze Zeit in Bewirtschaftung. Er wurde an die Gemeinde Leeheim verpachtet.<ref>Geschichte Leeheims: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kammerhof ( vom 5. Januar 2016 im Internet Archive)</ref>
Wappen
Blasonierung: „Rot auf grünem Dreiberg ein silbernes schreitendes Schaf. Als Helmzier zwischen zwei blau-silbern geteilten Büffelhörnern ein wachsendes silbernes Schaf. Die Helmdecken sind blau-silbern.“
Namensträger
- Balthasar Schrautenbach, seit 1515 von Weitolshausen gen. Schrautenbach (* 14..; † 20. Mai 1529 in Ziegenhain<ref>Helgard Ulmschneider: Schrautenbach, Baltasar. In: Verfasserlexikon. Band VIII, Sp. 845 f.</ref>), Kleriker aus Würzburg, 1481 zu Heidelberg immatrikuliert, kaiserlicher Notar, seit 1490 Rentmeister in Gießen, 1508 Aufnahme als Burgmann in Gießen, später Amtmann im Oberamt Gießen,<ref>Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters: Schrautenbach, Balthasar</ref> 1525 Befehlshaber im Bauernkrieg<ref>Reiseberichte und Geschichtsdichtung, hgg. von Wolfgang Achnitz (2011), S. 1173 f.</ref>
- Margarethe von Weitolshausen gen. Schrautenbach († 1576 an der Pest), Epitaph in der Stadtkirche Wolfhagen<ref>Stadtkirche Wolfhagen: Die Epitaphe</ref>
- Georg Friedrich Balthasar von Weitolshausen gen. Schrautenbach (* 1627; † 1687), Kurmainzischer Obristwachtmeister<ref name="Hessische Biografie01">Weitolshausen gen. Schrautenbach, Ludwig Balthasar Freiherr von. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref>
- Freiherr Ludwig Balthasar von Weitolshausen gen. Schrautenbach (* 1654; † 1738), Herr auf Roden, fürstlich hessen-darmstädtischer Generallieutenant<ref name="Hessische Biografie01"/><ref>Wilhelm Grotefend: Ludwig Balthasar von Schrautenbach-Weitolshausen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 54, Duncker & Humblot, Leipzig 1908, S. 181–183.</ref>
- Freiherr Carl Ernst von Weitolshausen gen. Schrautenbach (* 1691; † 1750), Burgmann zu Friedberg, Regierungsrat, Oberamtmann, Geheimer Rat, Pietist<ref name="Hessische Biografie02"/> ⚭ Freiin Rebecca Theodora von Oeynhausen (* 1701; † 1765)
- Freiherr Ludwig Carl von Weitolshausen gen. Schrautenbach (* 1724; † 1783), Erbherr zu Lindheim, Mitglied der Herrnhuter Brüdergemeine und Biograph Zinzendorfs<ref>Weitolshausen gen. Schrautenbach, Ludwig Carl von. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref><ref>Hermann Arthur Lier: Ludwig Karl von Schrautenbach. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 32, Duncker & Humblot, Leipzig 1891, S. 461.</ref>
- ⚭ Gräfin Sophie Auguste Reuß zu Ebersdorf (* 1728; † 1753)<ref>Weitolshausen gen. Schrautenbach, Sophie Auguste von. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref>
- Freiherr Ludwig Balthasar von Weitolshausen gen. Schrautenbach (* 1693; † vor 1760), Herr auf Gundernhausen, Landgräflich Hessen-Kasseler und Königlich Schwedischer Obrist und Ober-Vorsteher der adeligen Stifte in Hessen und des Klosters Heina<ref>Weitolshausen gen. Schrautenbach, Ludwig Balthasar von. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref>
- Freiherr Christian Ernst von Weitolshausen gen. Schrautenbach (* 1694; † 1766), Herr auf Gundernhausen, Burgmann zu Friedberg, Jurist, Amtmann, Rat<ref>Weitolshausen gen. Schrautenbach, Christian Ernst Balthasar von. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref>
- ⚭ Freiin Anna Dorothea Wilhelmine von Schlitz gen. von Görtz (* 1707; † 1732), sie begründete 1732 in Friedberg eine heute noch bestehende Stiftung<ref>Archiv der großherzoglich-hessischen Gesetze und Verordnungen, Band 2, 1834</ref><ref name="wetterau-521767">www.wetterauer-zeitung.de - Ihre Zeitung für: 30. Erzählcafé im Zeichen der Burgkirche – Wetterauer Zeitung. In: wetterauer-zeitung.de. 2. Dezember 2018, abgerufen am 2. Dezember 2018.</ref>
Literatur
- Hermann Bräuning-Oktavio: Ludwig Carl von Weitolshausen, genannt Schrautenbach, Herr zu Lindheim in der Wetterau, der „denkende, philosophische Herrnhuter“. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte, XIII, 1963, S. 223–279
- Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Band 9. Leipzig 1870, S. 513f.
Weblinks
- Hessischer Heimatbund: Der wiederentdeckte Grabstein des Balthasar von Weitolshausen in Ziegenhain – Ein Werk Philipp Soldans
Einzelnachweise
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