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Weiße Schwalbenwurz – Wikipedia Zum Inhalt springen

Weiße Schwalbenwurz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Vincetoxicum hirundinaria)

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Schwalbenwurz
Datei:Vincetoxicum hirundinaria sl3.jpg

Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria)

Systematik
Familie: Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)
Unterfamilie: Seidenpflanzengewächse (Asclepiadoideae)
Tribus: Asclepiadeae
Untertribus: Tylophorinae
Gattung: Schwalbenwurzen (Vincetoxicum)
Art: Schwalbenwurz
Wissenschaftlicher Name
Vincetoxicum hirundinaria
Medik.

Die Weiße Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), auch nur Schwalbenwurz<ref name="FloraWeb" /> genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Schwalbenwurzen (Vincetoxicum) innerhalb der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae). Sie ist der einzige im deutschsprachigen Raum heimische Vertreter der Seidenpflanzengewächse (Asclepiadoideae), einer artenreichen Unterfamilie, die vor allem in den Tropen verbreitet ist.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Die Weiße Schwalbenwurz wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis über 100 Zentimetern. Die gegenständig angeordneten, einfachen und kurz gestielten Laubblätter sind eiförmig bis -lanzettlich, zugespitzt und an der Basis leicht herzförmig. Sie sind ganzrandig und von oberseits dunkel bläulichgrüner Farbe, unterseits auffällig heller.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Mai bis August. Die Blüten sind in kleinen, trugdoldigen Blütenständen in den Blattachseln angeordnet.

Die Blüten duften angenehm. Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die gelblich-weiße Krone mit einer Nebenkrone ist bei einem Durchmesser von 5 bis 7 Millimetern radförmig. Die Staub- und Fruchtblätter sind in einem Gynostegium zu „Klemmfallen“ verwachsen.

Die schmal-kegelförmigen Balgfrüchte enthalten viele Samen. Die Samen besitzen einen langen, seidigen Haarschopf.

Die Chromosomenzahl ist 2n = 22, seltener 44.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Datei:Vincetoxicum hirundinaria pod and seeds 1 AB.jpg
Geöffnete Balgfrucht mit Samen

Die Weiße Schwalbenwurz ist ein Hemikryptophyt (Schaftpflanze) oder eine „Klimmstaude“. Als freistehende Pflanze wächst sie aufrecht. Muss sie aber zwischen konkurrierenden etwa gleich hohen Gewächsen wachsen, dann verlängern sich ihre Internodien und sie wird zur linksherum windenden Schlingpflanze mit heller grünen Blättern. Sie windet dann im selben Schraubensinn wie Zaun- und Ackerwinde. Ihr kriechendes Rhizom ist knotig. Die Pflanze ist mit gegliederten Milchröhren ausgestattet, so wie es in dem ganzen Verwandtschaftskreis üblich ist. Sie ist ein Tief- und Intensivwurzler. Vegetative Vermehrung erfolgt durch Ausläufer.

Die Blüten sind „Klemmfallenblumen“, deren Pollen als Pakete übertragen werden. Die Staubblattanhängsel sind zu einem fünfspaltigen Kranz (Nebenkrone) verwachsen. Die Staubfachinhalte (Pollinien) je zweier benachbarter Staubbeutel sind durch einen Faden (Translator) verbunden, an dessen Mitte der Klemmkörper sitzt. Abwechselnd mit den Staubbeuteln sitzen die fünf Nektarien, die die Staubbeutel umschließen. Treten Besucher „daneben“, verhaken sie sich mit den „Füßen“ im Klemmkörper und müssen, wenn sie die Blüte wieder verlassen wollen, die „Füße“ samt Pollinium herausziehen. Größeren Fliegen (z. B. Schmeißfliegen) gelingt dies, während kleinere Mücken im Klemmkörper der Blüten hängen bleiben und dort sterben. Die Blüten riechen durch Amine fischartig, wodurch hauptsächlich Fliegen angelockt werden. Die Blütezeit reicht von Mai bis August.

Von den beiden Fruchtblättern entwickelt sich oft nur eines zu einer bis zu 7 cm langen Balgfrucht, die sich entlang der Rückennaht öffnet, um zahlreiche Samen einzeln zu entlassen. Die eiförmigen, flachen, bis 7 mm langen und 7 bis 8 mg schweren Samen besitzen einen auffälligen, bis 18 mm langen Haarschopf, mit dessen Hilfe sie sich als Schirmchenflieger ausbreiten; ihre Fallgeschwindigkeit beträgt 60 cm/s. Daneben erfolgt eine Ausbreitung als Wasserhafter. Oft befinden sich mehrere Embryonen in einem Samen; es liegt also Polyembryonie vor. Fruchtreife ist von August bis Oktober; die Früchte sind Wintersteher.

Vorkommen

Datei:VINCETOXICUM HIRUNDINARIA - SÒBOL - IB-840 (Pebrotera borda).jpg
Pflanze in Spanien
Datei:Vincetoxicum hirundinaria RF.jpg
Pflanze der Schwäbischen Alb

Die Weiße Schwalbenwurz ist in weiten Teilen Europas verbreitet (fehlt in Großbritannien, Irland, Island) und kommt in Marokko sowie Algerien vor.<ref name="POWO" /> In Asien kommt sie in der Türkei, im Kaukasusraum, in Kasachstan, Pakistan, im westlichen Sibirien und im westlichen Himalaja vor.<ref name="POWO" /> Im östlichen Nordamerika ist sie ein Neophyt.<ref name="POWO" /> Sie kommt in Deutschland zerstreut, in der Schweiz verbreitet und in Österreich häufig in allen Bundesländern vor.

Diese kalkliebende Pflanze gedeiht meist in trocken-warmen, lichten Wäldern und steinigen Trockenrasen. In Mitteleuropa gedeiht sie auf sommerwarmen, basenreichen, meist kalkhaltigen, oft humusarmen, lockeren, gern steinigen Ton- oder Lehmböden, auch auf Sandböden oder auf Steinschutt. Sie ist eine schwache Charakterart des Verbandes Geranion sanguinei, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Ordnung Stipetalia calamagrostis, der Quercetalia pubescentis und in den Verbänden Cephalanthero-Fagion, Carpinion oder Erico-Pinion vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> In den Allgäuer Alpen steigt sie bis zu einer Höhenlage von etwa 1600 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert2004" /> In der Schweiz kommt sie im Maderanertal bis in einer Höhenlage von 1730 Meter und im Unterengadin von bis zu 1800 Metern vor.<ref name="Hegi1966" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen Asclepias vincetoxicum durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 216. Dieser Name wurde durch Vincetoxicum hirundinaria <templatestyles src="Person/styles.css" />Medik. ersetzt, der 1790 durch Friedrich Kasimir Medikus in Ueber den gynandrischen Status der Staubfäden und Pistille einiger Pflanzen. Historia et Commentationes Academiae Electoralis Scientiarum et Elegantiorum Litterarum Theodoro-Palatinae, 6 (Phys.), S. 404 veröffentlicht wurde.<ref name="POWO" /> Weitere Synonyme für Vincetoxicum hirundinaria <templatestyles src="Person/styles.css" />Medik. sind: Alexitoxicon officinale <templatestyles src="Person/styles.css" />St.-Lag. nom. superfl., Alexitoxicon vincetoxicum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) H.P.Fuchs, Antitoxicum officinale <templatestyles src="Person/styles.css" />Pobed. nom. superfl., Asclepias toxicaria <templatestyles src="Person/styles.css" />Salisb., Cynanchum vincetoxicum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Pers., Cynanchum vulgare <templatestyles src="Person/styles.css" />Rchb. nom. superfl., Vincetoxicum alpinum <templatestyles src="Person/styles.css" />Farrer nom. superfl., Vincetoxicum officinale <templatestyles src="Person/styles.css" />Moench nom. superfl., Vincetoxicum vincetoxicum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) H.Karst. nicht gültig veröffentlicht, Vincetoxicum vulgare <templatestyles src="Person/styles.css" />Bernh. nom. superfl., Vincetoxicum officinale var. lanceolatum <templatestyles src="Person/styles.css" />Vayr., Vincetoxicum officinale var. rotundifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />Vayr.<ref name="POWO" />

Je nach Autor gibt es von Vincetoxicum hirundinaria bis zu elf Unterarten:<ref name="POWO" />

  • Vincetoxicum hirundinaria subsp. adriaticum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Beck) Markgr. (Syn.: Vincetoxicum adriaticum <templatestyles src="Person/styles.css" />Beck): Sie kommt auf der nordwestlichen Balkanhalbinsel vor.<ref name="POWO" />
  • Vincetoxicum hirundinaria subsp. apodum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Willk.) O.Bolòs: Sie kommt nur in Spanien vor.<ref name="POWO" />
  • Vincetoxicum hirundinaria subsp. contiguum <templatestyles src="Person/styles.css" />(W.D.J.Koch) Markgr. (Syn.: Cynanchum contiguum <templatestyles src="Person/styles.css" />W.D.J.Koch): Sie kommt in Korsika, in Italien und auf der nordwestlichen Balkanhalbinsel vor.<ref name="POWO" />
  • Vincetoxicum hirundinaria subsp. cretaceum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Pobed.) Markgr. (Syn.: Antitoxicum cretaceum <templatestyles src="Person/styles.css" />Pobed.): Sie kommt von der südlichen und östlichen Ukraine bis zum Kaukasusraum vor.<ref name="POWO" />
  • Vincetoxicum hirundinaria <templatestyles src="Person/styles.css" />Medik. subsp. hirundinaria (Syn.: Vincetoxicum albidum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord. & Fourr., Vincetoxicum album <templatestyles src="Person/styles.css" />Asch., Vincetoxicum alpicola <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord. & Fourr., Vincetoxicum beugesiacum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord. & Fourr., Vincetoxicum croaticum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord. & Fourr., Vincetoxicum daniloi <templatestyles src="Person/styles.css" />(Rohlena) A.W.Hill, Vincetoxicum dumeticola <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord. & Fourr., Vincetoxicum fradinii <templatestyles src="Person/styles.css" />Pomel, Vincetoxicum kenouriense <templatestyles src="Person/styles.css" />(Wight) Decne., Vincetoxicum laxum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bartl.) K.Koch, Vincetoxicum micranthum <templatestyles src="Person/styles.css" />Shuttlew. nom. nud., Vincetoxicum ochroleucum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord. & Fourr., Vincetoxicum petrophilum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord. & Fourr., Vincetoxicum pubens <templatestyles src="Person/styles.css" />Timb.-Lagr., Vincetoxicum puberulum <templatestyles src="Person/styles.css" />Timb.-Lagr., Vincetoxicum pyrenaicum <templatestyles src="Person/styles.css" />Timb.-Lagr. & Jeanb., Vincetoxicum racemosum <templatestyles src="Person/styles.css" />Timb.-Lagr., Vincetoxicum ruscinonensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Timb.-Lagr., Vincetoxicum stenolobum <templatestyles src="Person/styles.css" />Shuttlew., Vincetoxicum hirundinaria var. balearicum <templatestyles src="Person/styles.css" />O.Bolòs & Vigo, Vincetoxicum hirundinaria var. daniloi <templatestyles src="Person/styles.css" />Rohlena, Vincetoxicum hirundinaria var. timbal-lagravei <templatestyles src="Person/styles.css" />Sutorý, Vincetoxicum hirundinaria subsp. laxum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bartl.) Poldini): Sie kommt von Europa bis ins westliche Sibirien und der nördlichen Türkei vor, im nordwestlichen Afrika und im Himalaja.<ref name="POWO" />
  • Vincetoxicum hirundinaria subsp. intermedium <templatestyles src="Person/styles.css" />(Loret & Barrandon) Markgr.: Sie kommt vom südlichen Frankreich bis zum nordöstlichen Spanien und auf den Balearen vor.<ref name="POWO" />
  • Vincetoxicum hirundinaria subsp. jailicola <templatestyles src="Person/styles.css" />(Juz.) Markgr. (Syn.: Vincetoxicum jailicola <templatestyles src="Person/styles.css" />Juz.): Sie kommt nur auf der Krim vor.<ref name="POWO" />
  • Vincetoxicum hirundinaria subsp. lusitanicum <templatestyles src="Person/styles.css" />Markgr.: Sie kommt vom nördlichen Spanien bis zum nordwestlichen Portugal vor.<ref name="POWO" />
  • Vincetoxicum hirundinaria subsp. luteolum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Jord. & Fourr.) la Valva, Moraldo & Caputo (Syn.: Vincetoxicum luteolum <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord. & Fourr.): Sie kommt in Frankreich und in Italien vor.<ref name="POWO" />
  • Vincetoxicum hirundinaria subsp. stepposum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Pobed.) Markgr. (Syn.: Antitoxicum stepposum <templatestyles src="Person/styles.css" />Pobed.): Sie kommt von der Krim bis ins westliche Sibirien und dem nördlichen Kaukasusgebiet vor.<ref name="POWO" />

Pharmakologie

Früher wurde die Pflanze (älteres Synonym Vincetoxicum officinale) in der Heilkunde verwendet. Als Wirkstoffe sind besonders in den unterirdischen Organen Oxasteroidglykoside mit Saponin ähnlichen Eigenschaften (Vincetoxin) neben geringen Mengen an Isochinolin-Alkaloiden wie Tylophorin enthalten.

Heute wird die Schwalbenwurz in der Schulmedizin nicht mehr genutzt. Die frühere Anwendung der unterirdischen Teile als harn- und schweißtreibendes Mittel ist veraltet. Allein der Name ist von dem ursprünglichen Gebrauch als Antidot gegen Schlangengift erhalten geblieben. In der Homöopathie kommt sie noch zum Einsatz, z. B. Engystol bei Erkältung.

Giftigkeit

Alle Pflanzenteile, besonders die unterirdischen, enthalten ein Glykosid-Gemisch, das als Vincetoxin bezeichnet wird. Die Wirkung ist ähnlich wie bei Eisenhut, bei hoher Dosis soll Tod durch Atemlähmung eintreten, die Gefährlichkeit ist aber umstritten. Das bevorzugte Aglykon ist Hirundigenin. Schafe und Rinder meiden die Pflanze. Von Pferden wird sie erst nach Frost gefressen.

Sonstiges

Die Pflanze dient dem Kiefernblasenrost als Zwischenwirt.

Namensherkunft

Datei:Vincetoxicum hirundinaria MHNT.BOT.2009.17.21.jpg
Geöffnete Balgfrucht mit Samen

Der Gattungsname Vincetoxicum leitet sich vom lateinischen vincere „besiegen“ und toxicum „Gift“ ab und bezeichnet eine Pflanze, die als Antidot wirkt. Der Name „Schwalbenwurz“ ist aus dem mittellateinischen Namen der Pflanze hirundinaria bzw. vom lateinischen hirundo „Schwalbe“ abgeleitet und drückt die Ähnlichkeit der mit einem Haarschopf versehenen Samen mit fliegenden Schwalben aus. Weitere Trivialnamen sind auch Sankt-Lorenz-Wurzel, Sankt-Lorenzkraut sowie Weiße Schwalbenwurz. Wegen der Ähnlichkeit der Wurzel mit einem Drachenkopf wurde die Pflanze im 15. Jahrhundert Drachenwurz genannt.<ref>Hermann Fischer. Mittelalterliche Pflanzenkunde. München 1929, S. 288.</ref>

Geschichte

Datei:Schwalbenwurtz 1a.jpg
Schwalbenwurtz – Vincetoxicum hirundinaria. Otto Brunfels 1532. Abbildung von Hans Weiditz. Weitere historische Abbildungen:<ref>Wiener Dioskurides 6. Jahrhundert. Asclepias. (Bildlink)</ref><ref>Leonhart Fuchs: De historia stirpium 1542 (Bildlink)</ref><ref>Hieronymus Bock: Kreuterbuch 1546 (Bildlink)</ref><ref>Joachim Camerarius der Jüngere: 1586 (Bildlink)</ref>

Im 15. Jahrhundert wurde die „Schwalbenwurz“ im Kräuterbuch des Nikolaus Frauenlob unter dem Namen „Trakkenwurcz“ (Drachenwurz) erwähnt. Äußerlich aufgelegt sollte sie Knochensplitter aus Wunden ziehen und den Biss giftiger Tiere heilen. Innerlich in Wein eingenommen wurde sie als Abwehrmittel gegen Gift und zur Austreibung von Steinen aus der Harnblase empfohlen.<ref>Nikolaus Frauenlob 15. Jahrhundert. Kräuterbuch. Cpg 583, Südwestdeutschland, 1453-83, Blatt 31r (Digitalisat)</ref><ref>Transcription: Blatt 31r. Trakhenwurcz Wächst auff hohen bergen vnd sünderlich in pulen vnd dÿ wurcz stet tewff in der erden vnd ist gestallt sam tracken hawbt darvmb so haÿst sy Trackenwurcz. Item wer zeprochene pain aus wunden ader aus andern dingen zÿehen will. Man sal trackenwurcz mit altem smerb zestössen vnd sal das auff dÿ wunden legen ader auff anderlay geprechen da dÿ pain jnne zeprochen sein das czewcht dÿ pain auss vnd hailt. Wer sich var gifft hüetten will. Man sal trackenwurcz sieden vnd darab trincken das hilfft wider alle gifft und für manigerlaÿ geprechen jm leyb. Blatt 31v. Contra morsum animalis venenosi. Man sal trackenwurczen mit wasser wal sieden vnd dann zestössen vnd auff dÿ vergifft stat legen das hilfft. Wer das gestain auss der platern wil treiben. Man sal trackenwurcz zestössen vnd den safft mit wein trincken ader sieden vnd dann trincken das vertreibt das gestain.</ref> In seinem Kleinen Destillierbuch 1500 schrieb Hieronymus Brunschwig, die Pflanze „ſchwall wurtz, von den latinſchen vice toxici genannt“ sei kleiner als Spargel.<ref>Hieronymus Brunschwig. Kleines Destillierbuch, Straßburg 1500, Blatt 108v Von Spargen wasser … lange zottecht wurtzeln hatt wie das hor / doch grösser oder wie schwall wurtz / die von den latinschen vicetoxici genant ist … (Digitalisat)</ref>

In seinem 1532 erschienenen Kräuterbuch wusste Otto Brunfels „nichts Hochgelehrtes“ über die „Schwalbenwurz“ zu berichten, die ihm „allein dem augenschein nach bekannt“ war. Im Kräuterbuch des Dioskurides konnte er sie nicht finden und es war ihm lediglich bekannt, dass die Wundärzte die Wurz zur Heilung von Brüchen und Wunden verwendeten. Er gab detailliert Auskunft über die Wachstumsbedingungen und über das Aussehen der Pflanze. Der durch Hans Weiditz angefertigte und dem Brunfels-Text beigefügte Holzschnitt erlaubte eine eindeutige Bestimmung der Art.<ref>Otto Brunfels. Kreuterbuch 1532, S. 159: Schwalbenwurz (Digitalisat)</ref>

In seinem 1539 erschienenen Kräuterbuch deutete Hieronymus Bock die „Schwalbenwurz“ als die „asclepias“ aus den Werken des Dioskurides und des Plinius.<ref>Hieronymus Bock: Kreuterbuch 1539, Teil I, Cap. 58: Schwalbenwurtz (Digitalisat)</ref><ref>Pedanios Dioskurides, 1. Jh. (nach Berendes 1902), Buch III, Cap. 96, Asclepias (Digitalisat)</ref><ref>Plinius der Ältere 1. Jahrhundert. Naturalis historia. Buch XXVII, § 35 (Kapitel XVIII): Asclepias. (Digitalisat Latein) (Digitalisat der Ausgabe Külb 1840–1864 Deutsch)</ref> Diese Interpretation wurde 1542 durch Leonhart Fuchs in sein lateinisches Kräuterbuch übernommen.<ref>Leonhart Fuchs: De historia stirpium. Isengrin, Basel 1542, S. 130 (Digitalisat).</ref> Hieronymus Bock charakterisierte die Wirkung der Wurzel als warm und trocken. Innerlich angewendet sei sie gut gegen Bauchgrimmen, verhindere die Ausbreitung des Giftes nach dem Biss eines giftigen Tieres und treibe die Wassersucht dadurch aus, dass sie Schwitzen an den Füssen verursache. Äußerlich als Sitzdampfbad angewendet beseitige sie Unterleibsschmerzen und „erfordere und erweiche“ die ausbleibende Monatsblutung. Ein aus Kraut und Wurzel bereitetes Streupulver diente zur Wundbehandlung.

Im 17. und 18. Jahrhundert war die Schwalbenwurz Bestandteil vieler Theriak-Zubereitungen.<ref>Johann Schröder. Pharmacopoeia medico-chymica : sive thesaurus pharmacologicus, quo composita quaeque celebriora; hinc mineralia, vegetabilia & animalia chymico-medice describuntur, atque insuper principia physicae Hermetico-Hippocraticae candide exhibentur ... Görlin, Ulm 1644, 4.170 (Digitalisat); Ausgabe 1748, S. 1459: Vincetoxicum (Digitalisat) --- Moyse Charas. Pharmacopoe royale galénique et chymique, Paris 1676, S. 138 (Digitalisat)</ref><ref>Nicolas Lémery. Dictionnaire universel des drogues simples, contenant leurs noms, origines, choix, principes, vertus, étymologies, et ce qu’il y a de particulier dans les animaux, dans les végétaux et dans les minéraux, Laurent d’Houry, Paris, 1699, S. 807 : Vincetoxicum (Digitalisat) --- Vollständiges Materialien-Lexicon. Zu erst in Frantzösischer Sprache entworffen, nunmehro aber nach der dritten, um ein grosses vermehreten Edition [...] ins Hochteutsche übersetzt / Von Christoph Friedrich Richtern, [...]. Johann Friedrich Braun, Leipzig 1721, Sp. 1179: Vincetoxicum (Digitalisat)</ref><ref>Straßburger Pharmacopöe. Pharmacopoeia Argentoratensis 1725, S. 21–22: Aqua Theriacalis Bezoardica (Digitalisat); S. 60–63: Theriaca Coelestis … (Digitalisat); S. 91: Essentia Alexipharmaca Stahlii juxta Junckerum (Digitalisat)</ref><ref>D. Georg Ernst Stahls, Königl. Preuß. Leib-Medici und Hof-Raths Materia Medica. Das ist: Zubereitung, Krafft und Würckung, Derer sonderlich durch Chymische Kunst erfundenen Artzneyen : Darinnen Sowohl die fürnehmsten Gold- Silber- Stahl- Kupffer- Bley- Zinn- Mercurial-Artzneyen angeführet, als auch andere aus Mineralien- genommene Mittel beygebracht, wie nicht weniger die besten Medicamente aus den Vegetabilien und Thieren communicirrt werden, Seiner Würdigkeit wegen, aus dem Lateinischen ins Teutsche übersetzt, und zum allgemeinen besten das andere mahl aufgelegt, und nebst einen Anhange von den Specificis vermehrt. Zimmermann und Gerlach, Dresden 1731, S. 157 (Digitalisat)</ref><ref>Pharmacopoea Wirtenbergica Württemberger Pharmacopöe 1741–1786 1741, S. 25: Radix Hirundinariae (Digitalisat) --- 1786, S. 32 (Digitalisat)</ref><ref>Pharmacopoea Parisiensis 1748, S. 82–83: Theriaca Coelestis(Digitalisat)</ref><ref>Onomatologia medica completa oder Medicinisches Lexicon das alle Benennungen und Kunstwörter welche der Arzneywissenschaft und Apoteckerkunst eigen sind deutlich und vollständig erkläret. Gaum, Ulm, Frankfurt und Leipzig 1755, Sp. 795 (Digitalisat)</ref><ref>H. Feneulle. Analyse. Des racines de dompte-venin. In: Journal de Pharmacie et des Sciences Accessoires. Band 11 (1825), S. 305–311 (Digitalisat)</ref><ref>August Husemann und Theodor Husemann: Die Pflanzenstoffe in chemischer, physiologischer, pharmakologischer und toxikologischer Hinsicht. Für Aerzte, Apotheker, Chemiker und Pharmakologen. Springer, Berlin 1871, S. 872–73 (Digitalisat)</ref><ref>Theodor Husemann. Handbuch der gesammten Arzneimittellehre. 2 Bände, Springer, Berlin 1873–1875, 2. Aufl., Springer, Berlin 1883. Band II, S. 589 (Digitalisat)</ref>

Literatur

Botanik

  • Gunter Steinbach (Hrsg.), Bruno P. Kremer u. a.: Wildblumen. Erkennen & bestimmen. Mosaik, München 2001, ISBN 3-576-11456-4.
  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos Verlagsgesellschaft, 2004, ISBN 3-440-09387-5.

Pharmakologie

Einzelnachweise

<references responsive > <ref name="FloraWeb"> Vincetoxicum hirundinaria Medik., Weiße Schwalbenwurz. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Vincetoxicum hirundinaria Medik. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 355. </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Vincetoxicum hirundinaria bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> <ref name="Hegi1966"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2068–2073. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Schwalbenwurz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen