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Blattloser Ehrenpreis

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Blattloser Ehrenpreis
Datei:Veronica aphylla Hochmölbling Totes Gebirge 20250701a.jpg

Blattloser Ehrenpreis (Veronica aphylla)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Tribus: Veroniceae
Gattung: Ehrenpreis (Veronica)
Art: Blattloser Ehrenpreis
Wissenschaftlicher Name
Veronica aphylla
L.

Der Blattlose Ehrenpreis (Veronica aphylla), auch Nacktstiel-Ehrenpreis<ref name="FloraWeb" /> genannt,<ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" /> ist eine Pflanzenart aus der Gattung Ehrenpreis (Veronica) innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae).

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Der Blattlose Ehrenpreis wächst als ausdauernde krautige Pflanze<ref name="BiolFlor" /> und erreicht Wuchshöhen von meist 3 bis 6 (1 bis 8) Zentimetern.<ref name="FloraWeb" /> Es werden dünne Ausläufer bodennah, unterirdisch ausgebildet.<ref name="FloraWeb" /> Alle oberirdischen Pflanzenteile sind behaart (Indument).<ref name="FloraEuropaea1972" /> Der Blattlose Ehrenpreis bildet einen niederliegenden, gestauchten, 1 bis 4 Zentimeter langen, Stängel, an dem die Laubblätter so dicht stehen, dass die Wirkung einer grundständigen Blattrosette entsteht.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="FloraEuropaea1972" />

Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind kurz gestielt bis sitzend. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 1 bis zu 2 Zentimetern sowie einer Breite von 5 bis 10 Millimetern breit-eiförmig, eiförmig-elliptisch, elliptisch-länglich bis rundlich oder verkehrt-eiförmig und deutlich gekerbt. Die Blattspreite ist zerstreut bis dicht und lang behaart.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="FloraEuropaea1972" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis August.<ref name="BiolFlor" /> Der aufrechte, 3 bis 6 Zentimeter lange, behaarte Blütenstandsschaft ist unbeblättert.<ref name="FloraEuropaea1972" /> Der traubige, drüsig behaarte Blütenstand enthält nur kleine Tragblätter und zwei bis sechs Blüten.<ref name="FloraWeb" /> Der Blütenstiel ist bis zu 10 Millimeter lang.<ref name="FloraEuropaea1972" />

Die zwittrigen Blüten sind vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier drüsig behaarten Kelchblätter sind fast gleich, mit einer Länge von etwa 3 Millimetern länglich mit stumpfem oberen Ende.<ref name="FloraEuropaea1972" /> Die vier 6 bis 8 Millimeter langen Kronblätter sind blaulila-, lilafarben bis blauviolett oder satt blau mit dunkler radialen Streifen.<ref name="FloraWeb" /><ref name="FloraEuropaea1972" /> Die Blütenkrone weist einen Durchmesser von 6 bis 8 Millimetern auf.<ref name="FloraWeb" />

Die Kapselfrucht überragt den Kelch um das Zweifache. Die drüsige Kapselfrucht ist bei einer Länge von 7 bis 8 Millimetern und einer Breite von 5 bis 6,5 Millimetern abgeflacht, breit-elliptisch oder verkehrt-eiförmig sowie spitz ausgerandet.<ref name="FloraWeb" /><ref name="FloraEuropaea1972" /> Der Griffel ist kürzer oder länger als die Frucht.<ref name="InfoFlora" />

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 18 vor.<ref name="Oberdorfer2001" /><ref name="IPCN" /><ref name="FloraEuropaea1972" /><ref name="BiolFlor" />

Ökologie

Datei:Deutschlands flora in abbildungen nach der natur (13085246213).jpg
Illustration aus Jacob Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur, 1830

Beim Blattlosen Ehrenpreis handelt es sich um einen mesomorphen Hemikryptophyten.<ref name="FloraWeb" /><ref name="BiolFlor" /> Der Blattlose Ehrenpreis ist ein Wurzelkriecher.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die Vermehrung erfolgt über Samen und vegetativ.<ref name="BiolFlor" />

Der Blattlose Ehrenpreis ist selbstkompatibel. Es kann Bestäubung durch Insekten oder Selbstbestäubung erfolgen. Blütenökologisch handelt es sich um Blumen mit völlig verborgenem Nektar. Typische Bestäuber sind Bienen, Hummeln, Wespen, Bombyliden und Syrphiden.<ref name="BiolFlor" />

Vorkommen

Der Blattlose Ehrenpreis gedeiht in den Gebirgen von Mittel-, Ost-, Süd- bis Südosteuropa von den Pyrenäen über den Jura und die Alpen bis zu den Karpaten, im südlichen Italien und im zentralen Griechenland.<ref name="FloraEuropaea1972" /> Es gibt Fundortangaben für Spanien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, die Schweiz, Italien, Polen, die Slowakei, Slowenien, Serbien, Kroatien, Rumänien, Albanien, Griechenland, Moldawien und die Ukraine.<ref name="GRIN" /><ref name="Euro+Med" />

Die Vorkommen des Blattlosen Ehrenpreises liegen in den Kalkalpen sowie den Gebirgen Süd- und Mitteleuropas. In Österreich ist der Blattloser Ehrenpreis häufig in der alpinen Höhenstufe und fehlt im Burgenland sowie in Wien. In den Allgäuer Alpen steigt er am Gipfel des Nebelhorn in eine Höhenlage von bis zu 2224 Meter auf.<ref name="Dörr-Lippert2004" />

Der kalkliebende Blattlose Ehrenpreis besiedelt offene Stein- oder Magerrasen in schneegefegten Gratlagen, Schutt und Schneetälchen in Höhenlagen von 1200 bis 2800 Metern. Er kommt vor allem in Pflanzengesellschaften der Ordnung Seslerietalia oder des Elynion-Verbands, aber auch in Schneeboden-Gesellschaften (Salicetea herbaceae) vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die Ökologische Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind: Feuchtezahl F 3 = mäßig feucht, Lichtzahl L 4 = hell, Reaktionszahl R 5 = basisch (pH 6,5 bis 8,5), Temperaturzahl T 1+ = unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin (Arven-Lärchenwälder), Nährstoffzahl N 2 = nährstoffarm, Kontinentalitätszahl K 4 = subkontinental (niedrige relative Luftfeuchtigkeit, große Temperaturschwankungen, eher kalte Winter).<ref name="InfoFlora" /> Die Ökologische Zeigerwerte nach Ellenberg sind: Lichtzahl L 8 = Halblicht- bis Volllichtpflanze, Temperaturzahl T 2 = Kälte- bis Kühlezeiger, Kontinentalitätszahl K 4 = gemäßigtes Seeklima zeigend, Feuchtezahl F 5 = Frischezeiger, Feuchtewechsel: keinen Wechsel der Feuchte zeigend, Reaktionszahl R 8 = Schwachbasen- bis Basen-/Kalkzeiger, Stickstoffzahl: 2 = ausgesprochene Stickstoffarmut bis Stickstoffarmut zeigend, Salzzahl: 0 = nicht salzertragend, Schwermetallresistenz: nicht schwermetallresistent.<ref name="FloraWeb" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Veronica aphylla erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, Seite 11<ref name="Linné1753" />.<ref name="Tropicos" /><ref name="GRIN" /><ref name="Euro+Med" /> Das Artepitheton aphylla bedeutet „blattlos“. Synonyme für Veronica aphylla <templatestyles src="Person/styles.css" />L. sind: Veronica nudicaulis <templatestyles src="Person/styles.css" />Lam. nom. illeg., Veronica muelleri <templatestyles src="Person/styles.css" />Schrank nom. illeg., Veronica depauperata <templatestyles src="Person/styles.css" />Waldst. & Kit., Veronica subacaule <templatestyles src="Person/styles.css" />Lam., Veronica longistyla <templatestyles src="Person/styles.css" />Ball.

Trivialnamen

Trivialnamen in anderen Sprachen sind:

  • französisch: Véronique à tige nue<ref name="InfoFlora" />
  • italienisch: Veronica minore<ref name="InfoFlora" />

Literatur

  • Stuart M. Walters, David A. Webb, N. G. Marchant: Veronica L. In:

Einzelnachweise

<references> <ref name="BiolFlor"> Blattloser Ehrenpreis. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="FloraWeb"> Veronica aphylla L., Nacktstiel-Ehrenpreis. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Veronica aphylla L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Tropicos"> Veronica aphylla bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="IPCN"> Veronica aphylla bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Linné1753"> Linné 1753: eingescannt bei biodiversitylibrary.org. </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold: Plantaginaceae.: Veronica aphylla In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="FloraEuropaea1972"> Stuart M. Walters, David A. Webb, N. G. Marchant: Veronica L. In: </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 843. </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 448. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Blattloser Ehrenpreis (Veronica aphylla) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien