Schaben-Königskerze
<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />
| Schaben-Königskerze | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Verbascum blattaria2.jpg
Schaben-Königskerze (Verbascum blattaria) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Verbascum blattaria | ||||||||||||
| L. |
Die Schaben-Königskerze (Verbascum blattaria), auch Schabenkraut, Schaben-Wollkraut<ref name="InfoFlora" /> oder Motten-Königskerze<ref name="FloraWeb" /> genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Königskerzen (Verbascum) in der Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae). Der deutschsprachige Trivialname Schaben-Königskerze und Motten-Königskerze erinnert daran, dass diese Art früher zum Vertreiben von Schaben verwendet worden ist.<ref name="Düll-Düll2007" /> Sie ist eine alte Nutzpflanze gegen Schadinsekten.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Schaben-Königskerze ist eine ein-, zwei-<ref name="FoC2010" /> oder mehrjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 120, selten bis zu 150 Zentimetern.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="Pladias" /> Der einfache oder im oberen Bereich verzweigte<ref name="InfoFlora" /> Stängel ist im mittleren sowie oberen Teil schwach rippig und drüsig behaart, sonst kahl.<ref name="FloraWeb" /><ref name="FoC2010" />
Die kahlen,<ref name="InfoFlora" /> beidseits grünen bis dunkel-grünen Laubblätter sind in einer grundständigen Blattrosette und wechselständig am Stängel verteilt angeordnet.<ref name="Pladias" /><ref name="FoC2010" /> Die oft fiederschnittigen<ref name="FloraWeb" /> Grundblätter sind gestielt oder fast sitzend und bei einer Länge von bis zu 25 Zentimetern und einer Breite von etwa 4 Zentimetern lanzettlich oder länglich, grob gezähnt bis gelappt.<ref name="InfoFlora" /><ref name="FoC2010" /> Von den Stängelblättern sind die oberen sitzend und ihre Blattspreiten sind länglich-lanzettlich mit unregelmäßig schwach gezähnten<ref name="FoC2010" /> und umfassen oft herzförmig den Stängel, aber sind nicht herablaufend.<ref name="InfoFlora" />
Generative Merkmale
In einem drüsig behaarten,<ref name="InfoFlora" /> manchmal etwas verzweigten, bis zu 50 Zentimeter langen, traubigen Blütenstand<ref name="FoC2010" /> befinden sich die Blüten locker angeordnet einzeln in den Achseln der Tragblätter.<ref name="InfoFlora" /><ref name="FoC2010" /> Die Blütenstandsachse ist drüsig behaart.<ref name="FoC2010" /> Die Tragblätter sind bei einer Länge von 5 bis 11 Millimetern sowie einer Breite von etwa 2 Millimetern lanzettlich, mehr oder weniger ganzrandig und drüsig. Der drüsig behaarte Blütenstiel ist 5 bis 10,<ref name="FoC2010" /> oder sogar bis 25 Millimeter lang.<ref name="Jepson_eFlora" />
Die zwittrigen Blüten sind leicht zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle und weisen einen Durchmesser von 2,5 bis 3 Zentimetern auf.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /> Die fünf 5 bis 6, oder bis zu 8 Millimeter langen, drüsig behaarten<ref name="FoC2010" /> Kelchblätter sind nur an ihrer Basis verwachsen und die Kelchblätter sind schmal-lanzettlich mit spitzem oberen Ende. Die fünf, selten auch weißlichen Kronblätter sind außen oft rötlich bis rostrot überlaufen<ref name="FloraWeb" /> und an ihrer Basis innen ist eine violette Zeichnung<ref name="InfoFlora" /> und bei den oberen drei ist eine wollige Behaarung<ref name="FoC2010" /> vorhanden. Es sind violette Zotteln an der Basis der hinteren Kronzipfel vorhanden.<ref name="FloraWeb" /> Es sind fünf Staubblätter vorhanden.<ref name="InfoFlora" /><ref name="FoC2010" /> Von den violetten Staubfäden sind die oberen drei Staubblätter violett wollig, im oberen Teil auch weiß oder gelblich behaart, bei den unteren beiden Staubblättern sind im oberen Teil kahl und in den unteren 2/3 violett behaart. Die Staubbeutel der oberen Staubblätter sind quer nierenförmig, die Staubbeutel der unteren Staubblätter sind seitlich ansetzend sowie herablaufend. Der etwa 10 Millimeter lange Griffel endet in einer kopfigen Narbe.<ref name="InfoFlora" />
Die Kapselfrucht<ref name="FloraWeb" /> ist bei einem Durchmesser von 5 bis, oder 7 bis 8 Millimetern eiförmig<ref name="FoC2010" /> oder kugelig<ref name="Jepson_eFlora" /> und am oberen Ende kurz geschnäbelt.<ref name="FoC2010" /> Die warzigen Samen sind 0,6 bis 0,8 Millimeter lang sowie 0,5 bis 0,6 Millimeter breit.
Chromosomensatz
Bei Oberdorfer 2001 ist die Chromosomenzahl 2n = 18 oder 36 angegeben.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 15; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 30 vor.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="Pladias" /> Andere Quellen geben 2n = 18, 30, 32 an.<ref name="TORCH" /><ref name="Jepson_eFlora" />
Ökologie und Phänologie
Die Schaben-Königskerze ist eine hapaxanthe Pflanze, ein monokarper, skleromorpher, mesomorpher Hemikryptophyt.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="Pladias" />
Die Blütezeit reicht in der Schweiz und in Deutschland von Juni bis August.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /> In Xinjiang reicht die Blütezeit von Mai bis Juni und die Früchte reifen von Juli bis August.<ref name="FoC2010" />
Bei der Schaben-Königskerze liegt Homogamie und Selbstkompatibilität vor.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Pladias" />
Blütenökologisch handelt es sich um Lippenblumen vom Verbascumtyp und Pollenblumen.<ref name="FloraWeb" /> Die Bestäubung erfolgt meist durch Insekten; bei ausbleibender kommt selten Selbstbestäubung vor.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Pladias" /> Als Belohnung für Bestäuber ist reichlich Pollen und wenig Nektar vorhanden.<ref name="FloraWeb" /> Bestäuber sind kurzrüsselige Bienen, Syrphiden, Käfer sowie Fliegen.<ref name="FloraWeb" />
Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Samen, erfolgt durch den Wind (Anemochorie).<ref name="FloraWeb" />
Vorkommen und Gefährdung
Die Schaben-Königskerze ist in Nordafrika, von Europa über den Kaukasusraum, West- und Zentralasien bis Westsibirien weitverbreitet.<ref name="GRIN" /><ref name="Euro+Med" /> Es gibt Fundortangaben für Gibraltar, Spanien, Andorra, Frankreich,<ref name="TelaBotanica" /> Korsika, Sardinien, Sizilien, Monaco, Italien,<ref name="PortalFoItaly" /> Malta, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Slowenien, die Slowakei, Tschechien,<ref name="Pladias" /> Serbien, Kroatien, Rumänien, Albanien, Bulgarien, Griechenland,<ref name="FoGreeceWeb" /> Zypern, die Türkei, Algerien, Marokko, Tunesien, Libyen, den Iran, Israel, Jordanien, den Libanon, Syrien, Ungarn, Polen, den europäischen Teil Russlands, Belarus, Estland, Litauen, Moldawien, die Ukraine, die Krim,<ref name="Euro+Med" /> Ciskaukasien, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Dagestan, Westsibirien, Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Afghanistan sowie Xinjiang.<ref name="GRIN" />
In Xinjiang wächst Verbascum blattaria in niedrigen Höhenlagen nur im nördlichen Teil.<ref name="FoC2010" /> Die Schaben-Königskerze wächst in Mitteleuropa auf Böschungen, an Wegesrändern sowie auf Schuttplätzen in Höhenlagen von bis zu 800 Metern. Die Schaben-Königskerze gedeiht am besten auf mäßig trockenen bis mäßig frischen, basen- und nährstoffreichen Lehm- und Tonböden. Verbascum blattaria ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Onopordetalia.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />
In der Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten Deutschlands nach Metzing et al. 2018 ist die im Gebiet seltene Schaben-Königskerze in Gefährdungskategorie 3 = „gefährdet“ und ist damit unverändert zur Roten Liste von 1998.<ref name="FloraWeb" /> Sie gilt in der Schweiz als = „Near Threatened“ = „Potenziell gefährdet“ und ist 2005 „vollständig geschützt“.<ref name="InfoFlora" /> Sie gilt für Österreich als LC = „Least Concern“ = „nicht gefährdet“„“, aber in Teilgebieten als VU = „Vulnerable“ = „gefährdet“.<ref name="RoteListeÖsterreichs" /> Es gibt nur wenige Fundorte in Tschechien Verbascum blattaria gilt dort als „endangered“.<ref name="Pladias" />
Verbascum blattaria ist in Nordamerika ein Neophyt und eine invasive Pflanzenart.<ref name="NAIPC" /><ref name="TORCH" /><ref name="Jepson_eFlora" /> Auch in anderen Gebieten ist sie ein Neophyt,<ref name="GRIN" /> beispielsweise in Australien und Neuseeland.<ref name="FoNewZealand_online" />
Taxonomie
Die Erstveröffentlichung von Verbascum blattaria erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 178.<ref name="Linné1753" /><ref name="Euro+Med" /><ref name="GRIN" /> Das Artepitheton „blattaria“ leitet sich vom lateinischen Wort blatta für „Schabe“ ab und erinnert daran, dass diese Art früher zum Vertreiben von Schaben verwendet worden ist.
Synonyme für Verbascum blattaria <templatestyles src="Person/styles.css" />L. sind: Verbascum blattaria subsp. repandum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Willd.) Bornm., Verbascum carduifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />Hayek, Verbascum rhinanthifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />Davidov.<ref name="Euro+Med" />
Quellen
Literatur
- Hans-Joachim Zündorf, Karl-Friedrich Günther, Heiko Korsch, Werner Westhus (Hrsg.): Flora von Thüringen. Die wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen Thüringens. Weissdorn, Jena 2006, ISBN 3-936055-09-2.
- Dezhao Chen, Dianxiang Zhang, Kai Larsen: Verbascum Linnaeus. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Band 18: Scrophulariaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Peking und St. Louis 2010. Verbascum blattaria Linnaeus. S. 5 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
Einzelnachweise
<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Verbascum blattaria L., Motten-Königskerze. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Linné1753"> Carl von Linné: Species Plantarum, Tomus I, 1753, S. 178. eingescannt. </ref> <ref name="Düll-Düll2007"> Ruprecht Düll, Irene Düll: Taschenlexikon der Mittelmeerflora. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2007, ISBN 978-3-494-01426-5, S. 353. </ref> <ref name="FoC2010"> Dezhao Chen, Dianxiang Zhang, Kai Larsen: Verbascum Linnaeus. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Band 18: Scrophulariaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Peking und St. Louis 2010. Verbascum blattaria Linnaeus. S. 5 - textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold, 2011+: Verbascum. Datenblatt Verbascum blattaria In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="FoNewZealand_online"> Datenblatt Verbascum blattaria bei Flora of New Zealand online. </ref> <ref name="NAIPC"> Datenblatt Verbascum blattaria - Invasive and Exotic Species of North America des National Association of Invasive Plant Councils (NAIPC). </ref> <ref name="TORCH"> Henry A. Gleason, Arthur J. Cronquist: Manual of vascular plants of northeastern United States and adjacent Canada. 1991. online bei TORCH Data Portal. </ref> <ref name="Jepson_eFlora"> Robert E. Preston, Margriet Wetherwax: Datenblatt Verbascum blattaria In: Jepson Flora Project (Hrsg.): Jepson eFlora, 2012. </ref> <ref name="RoteListeÖsterreichs"> L. Schratt-Ehrendorfer, H. Niklfeld, C. Schröck, O. Stöhr: Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs. In: Stapfia. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage, 2022, S. 114 (Verweis auf lefnaer.com, Vorlage:ZOBODAT). </ref> <ref name="Pladias"> Datenblatt Verbascum blattaria mit Fotos und Verbreitung in Tschechien bei Pladias – Database of the Czech Flora and Vegetation. - PDF. </ref> <ref name="FoGreeceWeb"> Datenblatt Verbascum blattaria mit Verbreitung in Griechenland bei Flora of Greece Web - An annotated checklist of Vascular plants of Greece. </ref> <ref name="PortalFoItaly"> Datenblatt Verbascum blattaria mit Fotos und Verbreitung in Italien bei Portale della Flora d'Italia - Portal to the Flora of Italy. </ref> <ref name="TelaBotanica"> Datenblatt Verbascum blattaria mit Fotos und Verbreitung in Frankreich bei Tela Botanica. </ref> <ref name="InfoFlora">Verbascum blattaria L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>
Weblinks
- Vorlage:BIB
- Schaben-Königskerze. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Thomas Meyer: Königskerze Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Herbarbelege des Portal Virtuelles Herbarium zur Flora von Deutschland abgerufen durch FloraWeb.
- Günther Blaich: Datenblatt Verbascum blattaria mit Fotos.
- Gerhard Nitter: Steckbrief Verbascum blattaria mit Fotos.